Allgemeine Psychologie (Fach) / Lernpsychologie (Lektion)
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Grundlagen
Diese Lektion wurde von ameliekunow erstellt.
- Wie wird Lernen definiert? Leren wird als relatv überdauernde Änderng einer Verhaltensmöglichkeit auf Grund von Übung oder Beobachtung definiert. Lernen ist unbewusst und läuft nebenher im Gegensatz zu Gedächtnis (Lernen ist erfahrungsbasierte Verhaltensänderung
- Was ist das Molyneux Problem? Brief an John Locke mit dem blind geborenen Menschen, der eine Kugel und ein Würfel in die Hand bekommt und diese unterscheiden kann (Habtischer Reiz) -> Locke sagte, dass man dieses nicht unterscheiden kann aber heute weiß man, dass man grobe Unterschiede sehr gut erkennen kann, Details eher schwer Blindheit hier als intervenierende Variable
- Wie definiert man Verhalten? - Verhalten ist ein zielgerichtetes System, d.h. ein Kontrollsystem (McFarland, 1971) mit Input, Output, Feedback und Komparator z.B. Thermostat
- Wie definiert man Reflex? einfache ungelernte Reaktion auf einen spezifischen Reiz (z.B. Lidschlagreflex, Pupillenreflex, Partellarsehenreflex, Nacken einziehen bei Knall)
- Wie definiert man Instinkt? überdauernde, angeborene, komplexe Verhaltensweisen, die unter bestimmten Umweltbedingungen und in Abhängigkeit vom Bedürfniszustand bei der Mehrzahl einer Art oder Klasse zugehörenden Organismen wiederholt und gleichartig auftreten. (z.B. Eirollbewegung bei der Gans)
- Wie definiert man Prägung? ungelerntes Verhalten, das artspezifisch ist und erst dann auftritt, wenn das Tier dem entsprechenden Reiz ausgesetzt ist. Dies alles muss sich in der richtigen Zeitphase im Leben des Tieres abspielen („kritische Periode“). (z.B. Folgeverhalten von Vögeln, Lorenz als „Gänsemutter“)
- Wie definiert man Reifung? Abfolge von Verhaltensweisen tritt unabhängig von Übung oder Beobachtung über gesetzmäßige Stadien auf. (z.B. Vogelflug, Winterschlaf)
- Wie definiert man Habituation? Habituation: Abnahme in der Stärke einer Reaktion bei wiederholter Darbietung des auslösenden Reizes.-> Sensibilisierung als gegenteilige Reaktion. -> Verhalten als Reaktion beim Erreichen eines Zielwertes im Komparator reicht vielleicht zur Beschreibung von angeborenem Verhalten aus, nicht aber zur Beschreibung von Lernen -> Habituation ist zusätzlich erforderlich-> Reaktionsstärke nimmt mit Wiederholung der Stimulation ab und erlischt, wenn der Stimulus für längere Zeit ausbleibt-> Erneutes Lernen verläuft schneller (Adaption), Überlernen (Weiterlernen) verbessert die Langlebigkeit und die Generalisierung der Reaktion auf einen neuen Stimulus ist möglich - Verhaltensänderung durch andere interne oder externe Einflüsse: Ermüdung, Pharmaka, Drogen, Klima, Lärm
- Was besagt die Opponent Process Theorie der Habituation nach Solomon und Orbit 1974. Bei Emotionalen Reaktionen z.B. gibt es einen schnelleren agonistischen und einen langsamen antagonistischen Prozess. -> Viele emotionale Reaktionen bestehen aus einer ersten emotionalen Reaktion, gefolgt von der gegenteiligen Emotion Das Erscheinen eines Stimulus verursacht ein plötzliches Auftreten einer emotionalen Reaktion z.B Euphorie mit Intensitätshöhepunkt. Intensität lässt nach und Pendelt sich ein. Am Ende kommt es zu einer Umschaltung und einer emotionalen Nachreaktion (Gegenteil der ersten Reaktion- Traurigkeit). DIese Reaktion lässt auch wieder nach.
- Kurze Zusammenfassung von Klassische Konditionierung Experimente: Little Albert, Pawlow´s Hunde Essen einer fremdländischen, appetitlich aussehenden, süß-bitteren Speise, jedoch verdorben -> Übelkeit -> später verursacht allein der süß-bittere Geschmack Ekel -> Herausbilden einer GeschmacksaversionIm Luftschutzkeller schrilles Krachen von Explosionen und Angst -> noch Jahrzehnte später Beklemmung beim Ertönen von Sirenen -> Der Lernvorgang besteht darin, dass ein Reiz zum Auslöser einer Reaktion geworden ist. Eine Eigenschaft, die er vor Beginn der experimentellen Prozedur nicht hatte.
- Kurze Zusammenfassung von operanter Konditionierung. - kleines Kind verbrennt sich an heißer Herdplatte die Finger -> wird nicht mehr an Herdplatte fassen- kleines Kind sagt Papa -> wird vom Vater angelächelt und gestreichelt -> Kind sagt bald wieder Papa -> Von einer operanten/instrumentellen Konditionierung wird dann gesprochen, wenn dem Organismus in der Konsequenz der Ausübung eines bestimmten Verhaltens eine Belohnung/Bestrafung/Beendigung einer aversiven Reizung dargeboten wird und sich die Auftretenswahrscheinlichkeit dieses bestimmten Verhaltens pro Zeiteinheit erhöht. (z.B. William: Schreihals wird ignoriert und bei ruhig sein angelächelt -> t1: Schreit zu 75%, lächelt 1x; t2: schreit nicht mehr, lächelt 41x)
- Kurze Zusammenfassung Beobachtungslernen Beobachtungslernen liegt dann vor, wenn es einer VP gelingt neue Verhaltensweisen auf Grund der Beobachtung einer anderen Person (Modell), die diese Verhaltensweisen vormacht, auszuüben. (z.B. Bobo Doll: Kinderfilm mit Erwachsenem, der Puppe haut und a. bestraft wird, b. belohnt wird, c. nix passiert ->Gr. A haut eher Puppe als Gr. B/C; alle Kinder erinnern sich an das Verhalten ggü. der Puppe) Lernen ≠ Performanz
- Kurze Zusammenfassung latentes Lernen Kompetenz & Performanz) -> Beim latenten Lernen handelt es sich um einen Lernprozess, dessen Auswirkungen im Verhalten zur Zeit seines Ablaufes nicht beobachtbar ist. (z.B. Labyrinth-Experiment mit Ratten) Die Erforschung der beiden Formen der Konditionierung galt über lange Zeit als Schlüssel zum Verständnis erlernten Verhaltens bei Tier und Mensch und zur - Überwindung unerwünschten Verhaltens und zur- Förderung positiven Verhaltens. Das Lernen von Verhaltensweisen durch Versuch und Irrtum, orientiert am Erfolg, wurde als psychologisches, ontogenetisches Gegenstück zum evolutionsbiologischen, phylogenetischen Ausleseprinzip verstanden ® wurde für das Verständnis der Effekte individueller Lernerfahrung hoch eingeschätzt.
- Was besagt der Behaviorismus - beschränkt sich auf objektiv beobachtbare/messbare Verhaltensweisen- kein Rückgriff auf nicht-beobachtbare innere Strukturen und Prozesse (gelockert im Neobehaviorismus)- Lernen besteht im Aufbau von S-R-Verbindungen (Habits und Gewohnheiten) bzw. Verbindungen zwischen R und Verstärkung- Komplexere Verhaltensweisen werden als eine Verkettung von einfachen S-R-Verbindungen betrachtet (molekulare Sichtweise)- Tierexperimente- Probleme werden durch Versuch-Irrtum gelöst
- Was besagt der Kognitivismus Verhalten wird durch innere, nicht direkt beobachtbare Prozesse erklärtLernen besteht im Aufbau kognitiver Strukturen (z.B. Erwartungen, Gedächtnisinhalte)Komplexes Verhalten wird nicht in kleinste Einheiten zerlegt, sondern als Ganzes in seiner Zielorientierung betrachtet (molare Sichtweise)HumanexperimenteLernen wird als Resultat von aktiver Infoaufnahme und –verarbeitung angesehenProbleme werden durch Einsicht gelöstLernen und Performanz müssen getrennt werden.
- Was besagt der Konstruktivismus Konstruktivismus und Kognitivismus sind nicht immer klar trennbarBetonung innerer Prozesse und Strukturen, Ablehnung einer Wechselwirkung zwischen externen Repräsentationen und internen VerarbeitungsprozessenLernen ist ein aktivier Prozess, bei dem der Lernende basierend auf seinem bestehenden Wissen neue Ideen und Konzepte konstruiert -> Wissen entsteht somit durch interne KonstruktionenHumanexpeirmentemolare SichtweiseProblemlösung durch EinsichtTrennung von Lernen und Performanz
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- Wer ist der bedeutendste Vertreter der kognitiven Wende? Bedeutendster Vertreter dieser "kognitiven Wende" ist BANDURA mit der "sozial kognitiven Lerntheorie" Bandura kritisierte die behavioralen Theorien, weil:- der Mensch wird einseitig als abhängig von Umwelt betrachtet- seiner aktiven Einwirkung auf die Umgebung und sich selbst und seinen geistigen Prozessen wird nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt!
- Beschreibe das Experiment von Pawlow zur Speichelsekretion bei Hunden. Mit seinen Arbeiten schuf Pawlow die Basis für eine der bedeutendsten Forschungsrichtungen innerhalb der Lernpsychologie. Organismus lernt: Koppelung von CS und US nicht mehr gegeben.Aufbau des klassischen Experiments:1. Kontrollphase: Hund erhält Fleischpulver -> Absonderung von Speichel (= unkonditionierter Reiz) (= unkonditionierte Reaktion) US. UR 2. Konditionierungsphase: Man bietet Hund mehrmals Fleischpulver (US) undeinen neutralen Stimulus dar, z. B. Ton (NS) Ergebnis des Konditionierungstrainings: wird Koppelung oft genug durchgeführt:der Glockenton allein führt zum Auftreten von Speichelfluss. Aus dem neutralen Stimulus wurde ein konditionierterStimulus (CS), der nun - auch ohne Paarung mit dem unkonditionierten Stimulus - die konditionierte (oder bedingte) Reaktion (CR) auslöst. OrientierungsreaktionReaktion auf neue Reize, die sich bei der Reizwiederholung abschwächt (=Habituation)Erstmals beschrieben von Pawlow als „Was-ist-das-Reflex“ oder „Untersuchungsreflex“Die OR ist eine multiple Reaktion, die aus zahlreichen Komponenten besteth.
- Beschreibe wie ein klassisch experimentelles Vorgehen in der KK aussieht. Typisches experimentelles Vorgehen: 3 - 4 PhasenKontrollphase: - Prüfung, ob US zuverlässiger Auslöser für UR ist(Phase 1) - NS darf noch nicht UR auslösen, jedoch Orientierungsreaktion OR (Hinwendung zur Reizquelle; Steigerung der Aufmerksamkeit) - Komponenten der UR müssen sich deutlich von OR unterscheiden -> sonst eventuell falsche Interpretation Konditionierungsphase: - NS und US werden mehrmals gemeinsam dargeboten(Phase 2) wichtig: zeitliche Beziehung zwischen NS und US- Interstimulusintervall (ISI): ist der zeitlicher Abstand zwischen Beginn von NS und Einsetzen des US-> verzögerte Konditionierung führt am schnellsten zum Aufbau einer bedingten ReaktionStrittig: ob bei rückwirkenden Konditionierung, überhaupt ein Lerneffekt auftritt. bei schnellen Reaktionen (z. B. Lidschlag): optimaler Abstand zwischen dem Beginn des NS und Einsetzen des US = wenige Zehntelsekundenbei nicht willentlich beeinflussbaren Reaktionen (z. B. Speichelfluss) = mehrere SekundenErklärungsversuch: ISI immer dann optimal, wenn es etwas länger als die physiologisch bedingte Latenzzeit der Reaktion ist Allgemein: Ergebnisse zur zeitlichen Beziehung zwischen NS und US lassen sich unter dem Gesichtspunkt betrachten, inwieweit der NS Signalcharakter für den US erwirbt und dadurch zum CS wird. Löschungsphase Extinktion: - CS wird alleine dargeboten(Phase 3) - bedingte Reaktion tritt in den ersten Fällen deutlich auf ohne jedoch Stärke der UR zu erreichen (deshalb Unterscheidung von UR u. CR) -> CR nimmt allmählich in ihrer Stärke ab, bis sie schließlich gelöscht istSpontanerholung: - Wird dem Tier nach einer längeren Pause nochmals der CS geboten,(Phase 4) dann tritt die zuvor gelöschte Reaktion wieder auf (Stärke von CR -> Reiz büßt Signalcharakter ein
- Welche Prinzipien gibt es in der KK? AkquisitionExtinktionSpontanerholungDisinhibitionKonditionierte InhibitionGeneralisierung und Diskrimination
- Wie kann man die Stärke der bedingten Reaktion messen? - Reaktionsamplitude (= Ausmaß der Reaktion) Menge des Speichelflusses- Reaktionslatenz (= Schnelligkeit mit der CR auf CS folgt)- Löschungswiderstand (= Anzahl der Durchgänge bis zur Extinktion)
- Wie müsse die Zeitverhältnisse zwischen US und CS sein? welche Möglichkeiten gibt es= Zeitverhältnisse US – CS-> Kontiguität: US und CS müssen in raum-zeitlicher Nähe dargeboten werden. 1) zusammenfallender bedingter Reflex (simultane Konditionierung)2) kurz abgerückter bedingter Reflex3) weit abgerückter bedingter Reflex verzögerte4) vor US beginnend und gleichzeitig mit ihm endend Konditionierung bei 2-55) vor US beginnend und nach ihm endend6) Spurenkonditionierung / Spurenreflex7) rückwirkende Konditionierung
- Erkläre die Allgemeinen Begriffe (Terminologie) in der KK US........unkonditionierter Stimulus (Fleischpulver)UR........unkonditionierte Reaktion (Speichelfluß)NS........neutraler Stimulus (z. B. Glockenton)OR........Orientierungsreaktion (Ohren aufstellen)CS........konditionierter Stimulus (Glockenton)CR........konditionierte Reaktion (Speichelfluß)
- Was versteht man unter Reizgeneralisierung und was unter Reizdiskrimination? Reizgeneralisierung: konditionierte Reaktionen werden nicht nur durch den während der Akquisitionsphase verwendeten CS ausgelöst, sondern auch durch Reize, die diesem ähnlich sind Reizdiskrimination: Auslösung der konditionierten Reaktion ist auf einen ganz bestimmten CS begrenzt.
- Nenne ein Beispiel zum Diskriminationstraining. (Beispiel mit Farben und Punkten) zwei ähnliche Reize werden in unregelmäßiger Folge dargebotenein Reiz (z. B. Kreis): wird jedesmal verstärkt (US gezeigt)anderer Reiz (z. B. Ellipse): keine Verstärkung-> nach einigen Durchgängen: CR nur auf den einen Reiz (z. B. Kreis) Tier hat gelernt, zu "diskriminieren"Jedoch: der Diskriminationsfähigkeit sind Grenzen gesetzt: Überschreitung ist mit einer emotional-motivationalen Reaktion verknüpft. Wenn Unterschied zwischen diesen Reizen zunehmend verringert wird:Diskriminationsleistung sinkt drastischemotionale Störungen sichtbar (auch außerhalb der Versuchssituation) z. B. bellen, winseln, Nahrungsverweigerung -> experimentelle Neurose.
- erkläre das Experiment von Kamin zur KK Kontrollgruppe (KG)1. Lernphase: NS „Licht & Ton“ -> US (schmerzhafter elektrischer Schlag) -> UR(8 Durchgänge)2. Testphase: CS „Licht“= CR / CS „Ton“ = CR Experimentalgruppe (EG)1. Lernphase I: NS „Ton“ -> US (schmerzhafter elektrischer Schlag) -> UR(16 Durchgänge)2. Lernphase II: NS „Licht & Ton“ -> US (schmerzhafter elektrischer Schlag) -> UR(8 Durchgänge)3. Testphase: CS „Ton“ = CR / CS „Licht“ ≠ CR Interpretation:· In der EG stellt der Ton einen reliablen Prädiktor für den US dar.· Die zusätzliche Darbietung des Lichts in der 2. Lernphase bringt keinen zusätzlichen Infogewinn mit sich.· Das Phänomen, dass ein Reiz durch einen anderen „überschattet“ wird, bezeichnet man als Blockierung.· Der Blockierungseffekt zeigt, dass eine einfache Kontiguität (raum-zeitliche Nähe) keine hinreichende Bedingung für klassische Konditionierung ist.· Klassische Konditionierung setzt neben Kontiguität auch Kontingenz voraus, d.h. der CS muss das Auftreten des US vorhersagen. -> Theorie RESCORLA & WAGNER· Kontingenz liegt vor wenn gilt: P(US|CS) ≠ P (US|nicht-CS)
- Erkläre die Theorie nach Rescorla und Wagner und die Rolle der Kontinenz. Kontingenz: CS muss das Auftreten des US vorhersagen -> Theorie RESCORLA & WAGNERP(US|CS) = 1 und somit P(US|nicht-CS) = 0 -> ausgeprägte KonditionierungP(US|CS) > P(US|nicht-CS) -> Konditionierung (weniger ausgeprägt)P(US|CS) = P(US|nicht-CS) -> keine KonditionierungP(US|CS) < P(US|nicht-CS) -> konditionierte Hemmung-> Klassische Konditionierung ist eine Funktion des Unterschieds zwischen den bedingten WKs P(US|CS) und P(US|nicht-CS). Das Ausmaß der Konditionierung hängt davon ab, inwieweit der US erwartet wird.Ist der US völlig unerwartet, weil bislang nie gemeinsam mit dem CS dargeboten, ist die Assoziationsstärke hoch.Wird der US zunehmend erwartet, durch die Ankündigung durch den CS, nimmt die weitere Assoziationsstärke ab.Wird der US ganz sicher erwartet, verändert sich die Assoziationsstärke nicht weiter.Versuch die Assoziationsstärke zwischen CS und CR quantitativ zu bestimmen Lernen ist am effizientesten, wenn der Organismus überrascht wird Wenn die Intensität des US größer ist als erwartet (Salienz), findet exzitatorische Konditionierung stattSo lassen sich Blockierung und Extinktion erklären Grundlegende Annahme: Die Änderung der Assoziationsstärke ΔV als Folge einer Koppelung zwischen CS und US ist proportional zur Lernrate α und zur Differenz zwischen max. erreichbarer und aktueller Assoziationsstärke:ΔV = α * (λ – V)Wobei zu Beginn der Konditionierung V = 0.V = Assoziationsstärke zwischen CS und US; λ = max. erreichbare Assoziationsstärke zwischen CS und US ; α = Lernrate für CS (Konstante) -> Kurve der Assoziationsstärke ist ähnlich zu der klassischen Lernkurve.
- Biologische Faktoren der KK. Experiment zur Geschmacksaversion. Experiment von GARCIA & KOELLING (1966)- Versuchstiere: Ratten- AV: Menge des getrunkenen Wassers als Indikator für VermeidungsverhaltenExperiment 1:1. Lernphase: NS „Licht & Ton / Geschmacksreiz“ -> US (schmerzhafter elektrischer Schlag) -> UR2. Testphase Gruppe Ia: CS „Licht & Ton“ = CR3. Testphase Gruppe Ib: CS „Geschmacksreiz“ ≠ CR Experiment 2:1. Lernphase: NS „Licht & Ton / Geschmacksreiz“ -> US (Übelkeit) -> UR2. Testphase Gruppe IIa: CS „Licht & Ton“ ≠ CR3. Testphase Gruppe IIb: CS „Geschmacksreiz“ = CR Ergebnisse: In Gruppe I löst nur der audiovisuelle Reiz die CR aus, nicht aber der Geschmacksreiz, in Gruppe II löst nur der Geschmacksreiz die CR aus, nicht aber der audiovisuelle Reiz. Interpretation: Zu einer Verknüpfung von CS und US kommt es offenbar nicht immer, sondern nur dann, wenn diese „zueinander passen“.a) beide betreffen das Verdauungssystem (Geschmack – Übelkeit)b) beide sind äußere Umweltereignisse (Licht & Ton – schmerzhafter elektrischer Schlag
- Erkläre die Theorie der preparedness von Seligmann 1970 Nicht alle wahrnehmbaren Reize können in gleichem Maße mit Verhalten assoziiert werden. Auf Grund der Stammesentwicklung (Phylogenese) sind Organismen für die Stiftung einer Assoziation mehr oder minder biologisch vorbereitet. Ist evolutionär begründet!-> Anzahl der CS-US-Kopplungen, die erforderlich ist, um eine CR auszulösen. Ratten evolutionsbedingt eine gewisse Bereitschaft (preparedness) zeigen, ganz bestimmte CS mit den durch ganz bestimmte UCS ausgelösten Reaktionen zu verknüpfen und dadurch ganz bestimmte konditionierte Reaktionen zu erwerben.
- erkläre die Furchtkonditionierung und ein Experiment dazu. Grundidee: Phobien sind eine spezielle Form von Furcht, die mit phylogenetisch bedeutsamen Objekten und Situationen leichter verknüpft werden, z.B. Schlangen, Höhe, Dunkelheit vs. Autos, elektrische Geräte - Experiment ÖHMANN, FREDERIKSON & HUGDAHL (1978): Humanexperiment, AV: Hautleitfähigkeit (Aktivierung des sympathischen Nervensystems bei Furcht)1. Lernphase „phobische CS“: CS+ (Spinne) -> Elektroschock / CS- (Schlange)2. Lernphase: „neutrale CS“: CS+ (Pilze) -> Elektroschock / CS- (Blume)- Extinktionsphase: Bei den “phobischen” Reizen bleibt der Unterschied zwischen CS+ und CS- bestehen, bei den “neutralen” Reizen verschwindet der Unterschied nach einer einzigen Reizdarbietung.-> Dies spricht für eine biologische Disposition bestimmte Reize leichter mit Furcht zu verknüpfen, also für die „preparedness“-Hypothese. Ø Empirische Befunde sprechen für die „preparedness“-Hypothese.Ø Nicht alle Reize sind gleich effektiv zum CS auszubilden.Ø „preparedness“ ist keine dichotome VariableØ phylogenetische und/oder ontogenetische Ursachen für „preparedness“?
- KK- was hat Watson dazu beizutragen? unkonditionierte emotionale Reaktionssysteme: Furcht, Wut, Liebe-> „Little Albert“ (WATSON & RAYNER, 1920) 1. Phase: Albert (9 Monate) wird mit neutralen Reizen (CS, u.a. Ratte) konfrontiert -> keine Furchtreaktion; Furchtreiz (US, Hammerschlag auf Eisenstange) -> Fuchtreaktion2. Phase: Kopplung von CS (Ratte) mit US (Geräusch) -> Furchtreaktion3. Phase: CS allein -> Furchtreaktion4. Phase (nach 5 Tagen): Konfrontation mit ähnlichen Reizen -> Reizgeneralisierung5. Phase (nach 31 Tagen): Ratte und ähnliche Reize -> Furchtreaktion -> „Little Peter“: Abbau gelernter Reaktionen (WATSON & JONES, 1924)Peter hatte große Angst vor Hasen. Bei jedem Mittagessen von Peter wurde der Hase zunächst in großer Entfernung, dann jedoch jedesmal ein Stückchen näher positioniert. Am Ende konnte Peter sogar den Hasen auf seinen Schoß lassen.-> Extinktion von AngstThese von WATSON: Kinder müssen mit Hilfe von Angst zum Einhalten von Verhaltensnormen erzogen werden. Positive Emotionen sind wenig nützlich: keine Umarmungen, auf den Schoß nehmen, Händeschütteln reicht als Körperkontakt.These von modernen Behavioristen: reichlicher Gebrauch von Belohnung, geringer Gebrauch von Bestrafung zum Formen von kindlichen Verhaltensweisen Ablauf:1. Nichtgebrauch: CS wird längere Zeit nicht dargeboten2. Nachahmung: Beobachtung eines Modells3. Reizwiederholung: CS wird häufig präsentiert4. Ent- oder Rekonditionierung: Erlernen einer antagonistischen Reaktion Fazit: Der Mechanismus der klassischen Konditionierung ist auch im Humanbereich nachweisbar. Er ist nicht auf einfache Reflexe beschränkt, auch komplexere emotionale Reaktionen können klassisch konditioniert werden. Anwendungen: Klinische Psychologie/Psychosomatik (Erklärung und Therapie von bestimmten Formen klinischer Angst/Furcht), Placeboforschung
- Erkläre das Modell der Entstehung von Phobien laut Eysenck und Fachmann 1971 Phobien sind erlernte Reaktionen -> Reize erhalten phobische Eigenschaften, wenn sie zeitlich und räumlich mit einer furchterregenden Situation verbunden werden-> Neutrale Reize, die in der furchterregenden Situation wesentlich sind, entwickeln mit größerer WK phobische Eigenschafen als irrelevante Reize-> Wiederholungen von Furcht-Situation und phobischen Reizen verstärken die Phobie-> Bei intensiverer Furcht werden mit größerer WK neutrale Reize zu phobischen Reizen ausgebildet.-> Es kommt zu Generalisierungsprozessen -> bedingte Furcht-/Angstreaktion
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- Erkläre das Kontiguitätsgesetz nach Gurthie. Behavioristische Position mit der Betonung der Bedeutung des Lernens von Bewegungen Kontiguitätsgesetz: Eine Kombination von Reizen, die mit einer Bewegung einherging, wird bei ihrer Wiederkehr dazu neigen, diese Bewegung nach sich zu ziehen.-> Ein Reizmuster gewinnt bei seinem ersten gemeinsamen Auftreten mit einer Reaktion seine volle Assoziationsstärke. Alles-oder-Nichts-Prinzip („Ein-Schuss-Theorie“) -> Nur Assoziationen zwischen Reizen und Bewegungen werden gelernt-> S-R-Verbindungen (=Habits/Gewohnheiten)-> molekulare Sichtweise§ Wiederholung/Übung:o Bewegungen (movements)o Handlungen (acts) bzw. Fertigkeiten (skills)§ Handlungen bzw. Fertigkeiten setzen sich aus vielen S-R-Verbindungen zusammen und erfordern daher viele Lernprozesse Experiment GURTHIE & HORTON (1946)- Problemkäfig aus Glas- Katze muss Auslösemechanismus betätigen, um eine Tür zu öffnen und um somit - aus dem Käfig und zum Futter zu gelangen- Registrierung der Körperhaltung- 3 Probedurchgänge (Tür ist angelehnt)- mehrere Testdurchgänge (Tür ist verschlossen)- zentrale Ergebnisse: hohe Stereotypie in den Testdurchgängen bei einzelnen Tieren, aber sehr viele verschiedene Lösungen bei allen Tieren
- Was besagt das Stop-Action Prinzip nach Brown und Herrensetein 1975 die spezifische Körperhaltung und Muskelbewegung im Moment der Verstärkung wird auf Grund des Verstärkungsprozesses mit größerer WK beim nächsten Durchgang wieder auftritt.Löschung: Verhaltensweisen bleiben so lange im Repertoire des Organismus, bis sie durch neue ersetzt werden. ->Löschung (Verlernen) = Neulernen 1) Ermüdungsmethode- Reiz, der unerwünschte Reaktion hervorruft, wird wiederholt dargeboten.- Organismus wird so müde, dass er nicht mehr im Stande ist, diese Reaktion auszuführen.- Entweder wird zu diesem Zeitpunkt eine andere Reaktion gezeigt oder der Organismus macht überhaupt nichts (zählt aber auch als Reaktion). 2) Schwellenmethode- Hierbei erfolgt die Darbietung eines Reizes, der Teil der unerwünschten S-R-Einheit - ist, unterschwellig à unerwünschte Reaktion wird nicht hervorgerufen- Andere Reaktion erfolgt, die auch hier aus einem Nichtreagieren bestehen kann - (aber ebenfalls zum Abbau der unerwünschten Reaktion führt)- Reiz wird dann wiederholt dargeboten, wobei Reizintensität stufenweise erhöht wird- Bei der Reizintensität, bei der früher das unerwünschte Verhalten stattgefunden hätte, hat sich bereits eine andere Gewohnheit geformt 3) Methode der inkompatiblen Reize- Hierbei wird der Reiz, der eigentlich eine unerwünschte Reaktion auslöst, dann dargeboten, wenn diese Reaktion nicht möglich ist.- Kann die unerwünschte Reaktion nicht stattfinden, bildet sich auch hier eine andere - Reaktion und ersetzt schließlich die alte Gewohnheit.
- Was ist der Unterschied zwischen operanter und instrumenteller Konditionierung? · Instrumentell: Versuchstier ist auf ganz wenige oder nur eine Verhaltensweise beschränkt, wobei eine Verhaltenswiederholung nur mit Eingriff des Versuchsleiters möglich ist.z.B. Ratte in einem Laufgang, deren Laufgeschwindigkeit vom Start ins Ziel durch Lernen verändert werden soll. Sie muss nach dem Durchlaufen des Ganges erst an den Ausgangspunkt zurückgesetzt werden, bevor sie dieses Verhalten erneut zeigen kann. · Operant: Das Tier ist frei, das Verhalten oder ein anderes zu zeigen und es zu wiederholen (z.B. in der Skinner-Box). Der Versuchsleiter kontrolliert das Verhalten nur über die Verstärkung.
- Erkläre das Experiment von Thorndyke zur instrumentellen Konditionierung. Instrumentelle Konditionierung: das Verhalten des Lebenwesens zielt instrumentell auf die Gewährung des Verstärkers ab. Experimentelles Paradigma: Tiere in ProblemsituationenExperiment:- Eine hungrige Katze wird in einen Käfig (Problemkäfig, „puzzle box“) gesperrt.- Eine Schale mit Futter ist gut sichtbar außerhalb des Käfigs aufgestellt.- Durch Zug an einer von der Käfigdecke herabhängenden Schlaufe könnte die Käfigtür geöffnet werden.Ergebnisse:- Die Katze ist unruhig (läuft hin & her, miaut, kratzt an den Wänden).- Nach einiger Zeit tritt sie zufällig in die Schlaufe, die Tür öffnet sich und damit der - Weg zum Futter.- Bei mehrfacher Wiederholung verringert sich die Zeit zum Verlassen des Käfigs - immer mehr. Der Lernfortschritt ist graduell.- Nach vielen Durchgängen ist schließlich die erste Bewegung des Tiers der Griff zur - Schlaufe, sobald es im Käfig eingesperrt wird.- Die Katze hat nach Versuch und Irrtum gelernt!
- Was sind Thorndike's Hauptgesetze? 1. Law of effect (Gesetz der Auswirkung)„Von mehreren Reaktionen auf die gleiche Situation hin werden diejenigen, welche beim Tier von Befriedigung begleitet oder dicht gefolgt sind, bei Gleichheit aller anderen Bedingungen stärker mit der Situation verbunden, so dass, wenn die Situation wieder eintritt, sie wahrscheinlicher eintreten werden.“ (Thorndike, 1911)- Eine befriedigende Konsequenz ist die Voraussetzung für die Bildung einer Assoziation (=S-R-Verbindung).- Einen befriedigenden Zustand behält ein Organismus bei oder versucht ihn zu erreichen.- Ein unbefriedigender Zustand wird vermieden.ursprünglich: symmetrische Wirkung von Belohnung und Bestrafungspäter: Bestrafung ist relativ ineffektiv Was sind befriedigende Konsequenzen? -> Thorndike’s 3 F: Food, Freedom, Friends 2. Law of exercise (Gesetz der Übung)ursprünglich: Die Stärke der Assoziation zwischen einer Reizsituation und einer Reaktion hängt unmittelbar von der Häufigkeit des gemeinsamen Auftretens ab.später: Nicht jede Übung, sondern nur belohnte Übung (Übung mit Rückmeldung der Konsequenzen) führt zur Stärkung von Assoziationen. 3. Principle of belongingness (Prinzip der Zusammengehörigkeit)Dinge, die irgendwie als zusammengehörig betrachtet werden können, werden leichter miteinander assoziiert. -> associative bias(Steht eingentlich im Widerspruch zu der behavioristischen Grundhaltung von Thorndike, da das Prinzip eine kognitive Komponente in die mechanistische Assoziationstheorie einführt.)
- Welche Nebengesetze definierte Thorndyke? Multiple responses (Reaktionsvielschichtigkeit)Damit eine Reaktion belohnt werden kann, muss sie erst einmal auftreten. Besteht ein Problem, werden mehrere Möglichkeiten ausprobiert und i.d.R. die geeignete Reaktion gefunden. -> Variabilität ist also Voraussetzung für eine erfolgreiche Problemlösung. Set (Einstellung)Verhalten ergibt sich z.T. aus Daueranpassungen (set). Diese beeinflussen: (a) was getan wird und (b) was zu Befriedigung oder Nicht-Befriedigung führt. Prepotency (Prävalenz)Der Organismus kann selektiv auf im Problem hervortretende Elemente reagieren ohne sich von irrelevanten Zufälligkeiten ablenken zu lassen. Gilt besonders für höher entwickelte Organismen und bildet die Grundlage für analytisches und einsichtsvolles Lernen. Analogy (Analoge Reaktionen)Der Organismus reagiert in einer neuen Situation wie in einer ihm bereits bekannten ähnlichen Situation. Die Ähnlichkeit ergibt sich auf Grund von sog. identischen Elementen (Theorie der identischen Elemente). Associative shifting (Assoziationswechsel)Eine ursprünglich an eine Situation gebundene Verhaltensweise wird auch in einer anderen Situation gezeigt.-> Reizsubstituition-> entspricht dem Prinzip des klassischen Konditionierens Effektstreuung (spread of effect) Effektstreuung idealisiert-> Überprüfung und Ausweitung des Gesetzes der AuswirkungDer Einfluss eines belohnenden Sachverhalts erstreckt sich nicht nur auf die entsprechende S-R-Verbindung, sondern auch auf benachbarte (davor bzw. dahinter liegende). Die Wirkung nimmt mit der Entfernung von der Belohnung ab.
- Wie unterscheidet Skinner die Konditionierung? Konditionierung vom Typ S: respondentes Verhalten, das durch Reize (S) ausgelöst („elicited“) wird.Konditionierung vom Typ R: operantes Verhalten, das vom Organismus gezeigt wird („emitted“); spontan/aktiv; „Wirkreaktionen“, die keinen zwingenden Bezug zu vorausgehenden Reizbedingungen erkennen lassen
- Was sind laut Skinnder die Phasen der Operanden Konditionierung? 3.2.1 Phasen einer operanten KonditionierungBeim Aufbau einer operanten Konditionierung mit Hilfe eines positiven Verstärkers lassen sich häufig, analog dem Vorgehen bei der klassischen Konditionierung, folgende vier Phasen unterscheiden: 1. Die Bestimmung der Basisrate (Grundrate): Wie oft tritt das zu konditionierende Verhalten ohne Verstärkung auf.z. B. wie häufig drückt eine Ratte in der Skinner-Box pro gewählter Zeiteinheit spontan den Hebel.2. Verstärkung des Verhaltens in der Trainingsphase: Das zu konditionierende Verhalten wird gezielt verstärkt.z. B. nach einem Hebeldruck des Versuchstiers rollt eine Futterkugel in den Trog.Im Laufe der Trainingsphase nimmt die Häufigkeit des infrage stehenden Verhaltens zu.3. Löschung (Extinktion) des Verhaltens: Das Verhalten wird nicht weiter verstärkt. Auch wenn die Ratte den Hebel drückt, erhält sie kein Futter. Der Effekt der Löschung ist eine Abschwächung des Verhaltens, so dass im Allgemeinen nach einer ausgedehnten Löschungsphase kein Effekt der Konditionierung mehr beobachtet werden kann. [ist nicht vergessen! Es wird gelernt, dass Reize nicht mehr gekoppelt sind.]4. Spontanerholung: Abgeschwächte Reaktionen treten nach einiger Zeit ohne Verstärkung wieder gehäuft auf, wenn die experimentelle Situation unterbrochen und danach wiederhergestellt wird. Eine Ratte, die nach Löschung des Hebeldrückens einige Zeit außerhalb der Skinner-Box verbracht hat, betätigt - dorthin zurückgebracht - wieder den Futterhebel, allerdings keineswegs so oft wie am Ende der Trainingsphase.
- Was ist Verstärkung und welche Arten gibt es? Positive Verstärkung:einen angenehmen Reiz hinzufügen, nachdem das infragestehende Verhalten gezeigt worden ist (etwa Futter für das Versuchstier nach Drücken des Hebels). Negative Verstärkung:einen unangenehmen Reiz entfernen. z.B. Versuchskäfig, der ähnlich wie eine Skinner-Box aufgebaut ist, aber aus zwei Abteilen besteht, die durch eine verschließbare Öffnung miteinander verbunden sind.Wenn nun das Bodengitter in dem Abteil, in dem sich die Ratte gerade befindet, leicht unter Strom gesetzt wird, dann lernt die Ratte nach wenigen Durchgängen, von diesem Abteil in das andere zu fliehen.Negative Verstärkung ist die wesentliche Komponente dieses Fluchttrainings.Ein aversiver Reiz endet, wenn das Versuchstier das gewünschte Verhalten zeigt. Beide, positive wie negative Verstärkung, erhöhen die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens; Verhalten wird gefördert.
- Was ist Bestrafung und welche Arten gibt es? Bestrafung hingegen zielt auf Verhaltensunterdrückung: die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens wird verringert. Zwei verschiedene Arten der Bestrafung: ® Passives Vermeidungslernen: Verhaltensunterlassung aufgrund negativer Konsequenzen. (Punishment)1. Ein unangenehmer Reiz wird zur Situation hinzugefügt (Bestrafung vom Typ 1)z. B. Stromstoß über das Bodengitter nach Hebeldruck durch die Ratte; ® Unterdrückung dieses Verhaltens. (negative Punishment)2. Ein angenehmer Reiz wird entfernt (Bestrafung vom Typ 2). z. B. eine Ratte verliert bei einer bestimmten Bewegung ein Futterkügelchen durch das Bodengitter. ® Verringerung der Häufigkeit dieses Verhaltens. Alltagsbeispiel:Kleines Kind spielt mit Holzklötzchen. Es baut einen Turm. Die Mutter lobt das Kind, das, auf diese Weise angefeuert, weitere Türme baut. (positive Verstärkung). Nach einiger Zeit wirft es die Klötzchen durchs Zimmer, u.a. auch auf die Bodenvase. Die Mutter gibt ihm einen Klaps auf die Finger. (Bestrafungen vom Typ 1)In einer vergleichbaren späteren Situation nimmt sie ihm die Klötzchen weg. (Bestrafungen vom Typ 2) Die Mutter hat Kopfweh. Die Einnahme von Schmerztabletten lässt das Kopfweh vergehen. (negative Verstärkung.)
- Was ist aktives Vermeidungslernen und welches Beispiel gibt es dazu? Die Ausführung eines Verhaltens führt dazu, einem unangenehmen Reiz zu entgehen.z.B. der im Zusammenhang mit dem Fluchttraining beschriebene Versuch wird so abgewandelt, dass jeweils eine bestimmte Zeit, bevor ein schwacher Stromstoß durch das Gitter des einen Käfigabteils geschickt wird, ein für das Tier gut sichtbares Licht aufleuchtet.In dieser Versuchssituation lernt die Ratte, auf den Lichtreiz hin aus dem einen Käfigabteil in das andere zu laufen und, wenn dies rechtzeitig geschieht, dadurch den Schmerzreiz ganz zu vermeiden. Untersuchungen zum aktiven Vermeidungslernen (D'Amato & Schiff, 1964):- nicht möglich: einige Tiere mit Stromschlägen dazu zu trainieren, einen Hebel zu drücken, um diesem aversiven Reiz zu vermeiden. (auch nicht bei 1000 Versuchen)- leicht: Reaktionen des Weglaufens oder Auf-eine-Plattform-springen anzutrainieren Das oben beschriebene Fluchttraining und das aktive Vermeidungslernen unterscheiden sich dadurch, dass im zweiten Fall die Information eines diskriminativen Hinweisreizes genutzt werden kann, um den Schmerzreiz völlig zu vermeiden. BOLLES: neue Theorie des VermeidungslernensAnnahme: Tiere reagieren auf schmerzhafte/bedrohliche Situationen mit angeborenen Abwehrreaktionen (artspezifisch!!) Bei elektrischen Schlägen bei Ratten sind daher Abwehrreaktionen (Fliehen, Starrwerden, in die Höhe springen, aggressives Verhalten, Zusammenkauern...) zu erwarten.-> diese Verhaltensweisen können rasch als Flucht oder Vermeidungsreaktionen gelernt werden.Andere Verhaltensweisen können entweder nur schwer oder nicht erworben werden.
- Wie kann man Verstärker inhaltlich Klassifizieren? · materielle Verstärker· soziale Verstärker· Aktivitätsverstärker -> Premack-Prinzip· Verdeckte Verstärker· Informative Verstärker -> Premack-Prinzip:· Ermittlung der von einer Person selbst gewählten häufig gezeigten Verhaltensweise· Einsatz dieser Verhaltensweisen als Verstärker· Bsp.: Hausaufgaben fertig -> spielen Theorie, der zufolge ein Verhalten, das mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt, als Verstärker fpr ein Verhalten dienen kann, das mit geringer Wahrscheinlichkeit auftritt und ein weniger wahrscheinliches Verhalten als Bestrafung für ein Wahrscheinlicheres Verhalten fungiert.
- Welche Arten von Verstärkungsplänen gibt es? Ein Verstärkungsplan definiert das Verhältnis von operanten Verhaltensweisen und kontingent applizierter Verstärkung.· kontinuierlicher Plan: jede operante Reaktion wird verstärkt (1:1)· intermittierender Plan: eine operante Reaktion wird nur ab und zu verstärk- Quotenplan: Anzahl von operanten Reaktionen- Intervallplan: Zeitintervall zwischen operanten Reaktionen * fixiert: Quote / Intervall ist konstant * variabel: Quote / Intervall variieren um M Beispiele:· fixierter Quotenplan (FR, fixed ratio schedule): jede 50. Reaktion wird verstärkt (FR 50)· variabler Quotenplan (VR variable ratio schedule): im Mittel wird jede 50. Reaktion verstärkt (VR 50)· fixierter Intervallplan (FI, fixed interval schedule): die erste nach einem Intervall von 10 Min. auftretende Reaktion wird verstärkt (FI 10)· variabler Intervallplan (VI, variable interval schedule): die Verstärkung erfolgt nach variablen Zeitintervallen, z.B. M = 10 Min. (VI 10)
- Welche Auswirkungen haben Verstärkungspläne? · Kontinuierliche Verstärkung führt rascher zum angestrebten Verhalten als intermittierende Verstärkung; eine hohe Ausführungshäufigkeit wird auf diesem Wege schneller erreicht. · Intermittierende Verstärkung hingegen hat löschungsresistenteres Verhalten zur Konsequenz. · Quotenpläne führen im Allgemeinen zu einer höheren Reaktionshäufigkeit als Intervallpläne. · Variable Verstärkungspläne haben ein über die Zeit gesehen sehr gleichmäßiges Verhalten zur Folge. · Fixierte Pläne hingegen führen zu stark wechselnden Verhaltenshäufigkeiten.
- Was ist Shaping? (Verhaltensformung)- gezielte Kombination von Verstärkung und Löschung- Ziel: Ausbildung einer klar definierten Verhaltensweise- Vorgehen: Verstärkung von Reaktionen, die dem Endverhalten nur in etwa entsprechen bzw. für dessen Ausführung notwendig sind zunehmend strengere Kriterien für die Verstärkungsvergabe
- Was ist Chaining? (Verhaltenskettung)- Einzelne operante Reaktionen werden zu einer einheitlichen Verhaltensfolge zusammengefasst.- Das Zielverhalten wird in einzelne Abschnitte aufgespalten und schrittweise geübt, bis das erwünschte Verhalten vollständig erlernt wurde. Dabei kann man mit dem ersten Teilschritt beginnen und diesen schrittweise verlängern (forward chaining) oder man beginnt mit dem letzten Teilschritt, addiert den vorletzten Teilschritt usw. (backward chaining). -> häufig: Kombination von fading und chaining- fading: Aufbau neuer Verhaltensweisen- chaining: Verkettung dieser Verhaltensweisen in der richtigen Reihenfolge Organismen werden trainiert zunehmend komplexere Verhaltenssequenzen zu lernen. beginnend mit einfachen sequenzen Piloten beginnen mit einfachen Landeanflügen und machen dann schwere
- Was besagt die gelernte Hilflosigkeit? Gelernte Hilflosigkeit resultiert dann, wenn unabhängig vom augenblicklichen Verhalten unkontrollierbare und unvermeidbare aversive Reize auftreten. Unkontrollierbar: es besteht keine Möglichkeit dem Reiz zu entfliehen bzw. ihn zu beenden.Unvermeidbar: man kann kein Verhalten entwickeln, das verhindert, daß man dem aversiven Reiz ausgesetzt ist. Fehlen eines Angebots zu Vermeidungsverhalten. Also:Gelernte Hilflosigkeit ist ein Zustand, der aus einer Situation erwächst, in der weder Flucht- noch Vermeidungsverhalten gegenüber einem aversiven Reiz möglich ist. Überprüfung anhand eines Flucht- und Vermeidungverhaltens-Trainings in einer neuen experimentellen Situation.Zeigt sich hier gegenüber einer Kontrollgruppe eine reduzierte Lernleistung, also die Unfähigkeit, aversiven Reizen zu entfliehen bzw. sie zu vermeiden, obwohl dies nun möglich wäre, spricht man von gelernter Hilflosigkeit.
- Nenne ein Experiment zur gelernten Hilflosigkeit Seligman und Maier 1967 Versuchsaufbau:umfaßte zwei voneinander unabhängige Einheiten: 1) Eine Apparatur zum Verabreichen von elektrischen Schlägen, in der Hunde als Versuchstiere in einer Lederhalterung angeschirrt werden konnten.Der elektrische Schlag konnte unter einer der Versuchsbedingungen beendet werden, und zwar durch Beiseitedrücken von links und rechts vom Kopf der Tiere angebrachten Platten. 2) Einen Käfig, der durch eine schulterhohe Barriere in zwei Hälften geteilt wurde.Ebenfalls vorhanden waren: ein elektrifizierbares Bodengitter zum Verabreichen von elektrischen Schlägen, sowie Lampen für Hinweisreize. Ablauf: Es wurden 3 Gruppen mit je 8 Hunden gebildet. Gruppe 1: erhielt 64 elektrische Schläge in der Apparatur 1 mit durchschnittlich 90 Sekunden Intervall.Die Tiere konnten den elektrischen Schlag durch Betätigung einer der Platten mit dem Kopf beenden (= unvermeidbarer, aber kontrollierbare Schocks). Taten sie dies nicht, wurde er nach 30 Sekunden vom Vl beendet. 24 Stunden später wurden die Tiere in die eine Hälfte des Käfigs (2) gebracht.Dort folgte nach dem Erlöschen der Lampen jeweils mit 10 Sekunden Verzögerung ein elektrischer Schlag.Diesem konnten die Hunde über die Barriere entfliehen oder er wurde nach 60 Sekunden beendet. (10 Durchgänge) Gruppe 2: wurde derselben Prozedur in der Apparatur unterzogen, jedoch konnten die elektrischen Schläge durch die Hunde nicht abgestellt werden (unvermeidbare und unkontrollierbare Schocks).Die durchschnittliche Schockdauer überstieg die der Gruppe 1 nicht.Sowohl 24 Stunden später als auch nach 7 weiteren Tagen folgte das beschriebene Flucht-Vermeidungstraining im Käfig. Gruppe 3: wurde als Kontrollgruppe nur dem Flucht- und Vermeidungstraining im Käfig unterzogen. Ergebnisse:Die Tiere der Gruppe 1 lernten im ersten Versuchsabschnitt immer besser, den Schock durch Drücken der Seitenplatten zu kontrollieren. Im Käfig zeigten sie in etwas drei Viertel der Fälle das angemessene Vermeidungs- bzw. Fluchtverhalten bei einer durchschnittlichen Latenzzeit von 27 Sekunden.Die Kontrollgruppe wies in etwa dasselbe Verhalten auf.Die Tiere von Gruppe 2 zeigten ein gänzlich anderes Verhalten.Schon in der Schockvorrichtung versuchten sie nach etwa 30 Durchgängen nicht mehr, die Seitenplatten zu betätigen.Im Käfig flüchteten 6 von 8 Hunden in nahezu allen Durchgängen nicht.Bei den restlichen Tieren war die Latenzzeit des Verhaltens doppelt so hoch wie bei Gruppe 1. Von den erwähnten Hunden zeigten 5 auch nach 7 Tagen nicht das adäquate Vermeidungs- bzw. Fluchtverhalten. Nach dem Vorbild des Versuchs von Seligman und Maier (1967) sehen Experimente zur gelernten Hilflosigkeit im Sinne eines triadischen Designs zwei Experimentalgruppen und eine Kontrollgruppe vor: Experimentalgruppe 1 ist unvermeidbaren, aber kontrollierbaren aversiven Reizen ausgesetzt. (Phase 1)z.B. im Experiment von Hiroto (1974): Der aversive Reiz, ein lauter Ton von hoher Frequenz, trat zwar unvermeidbar auf, konnte aber von den Vpn durch Drücken eines Knopfes abgestellt werden. Experimentalgruppe 2 ist unvermeidbaren und unkontrollierbaren aversiven Reizen ausgesetzt (Phase 1).z.B. die Töne konnten von den Vpn nicht abgestellt werden. Die Kontrollgruppe erfährt in der ersten Phase keine Behandlung. Die zweite Experimentalphase besteht in dem Flucht- und aktiven Vermeidungstraining:Es zeigt sich, dass die Experimentalgruppe 1 in der zweiten Phase ebenso gute Lernleistungen zeigt, wie die Kontrollgruppe (z.B. ein durch ein Licht angekündigter ebenfalls unangenehmer Ton konnte durch das Hin- und Herschieben eines Knopfes bei rechtzeitiger Betätigung verhindert bzw. nach Einsetzen zumindest abgestellt werden. (Reaktion = erfolgreiches Vermeidungsverhalten)) Hingegen sind die Lernleistungen der in der ersten Phase mit unvermeidbaren und unkontrollierbaren aversiven Reizen konfrontierten Gruppe 2 deutlich schlechter. Interpretation:Die Versuchstiere aber auch Menschen machen die Erfahrung, daß ihre Reaktionen und die aversiven Reize voneinander unabhängig sind (d.h. nichts miteinander zu tun haben, sozusagen eine unkontrollierbare Situation, der man hilflos ausgeliefert ist). Sie lernen, daß nichts von dem, was sie tun, eine die negativen Reize vermeidende oder kontrollierbare Wirkung hat. Daraus resultiert eine Hilflosigkeitserwartung, die auf andere Situationen generalisiert wird, selbst wenn in diesen Situationen erfolgreiches Verhalten möglich wäre. Die Hilflosigkeitserwartung wurde mit einem dreifachen Defizit in Beziehung gesetzt:a) einem motivationalen Defizit, das sich in reduziertem Auftreten spontaner Verhaltensweisen manifestiert.Das hat zur Folge, daß die Wahrscheinlichkeit verringert ist, daß allein durch Versuch und Irrtum ein effektives Flucht- und Vermeidungsverhalten aufgebaut wird;b) einem emotionalen Defizit, das aus Symptomen eines depressiven Zustandes erschlossen wurde und c) einem kognitiven Defizit, im Sinne schlechterer Leistungen im Erkennen von möglichen Zusammenhängen zwischen Verhaltensweisen und ihren Konsequenzen. Seligman sah im Phänomen der gelernten Hilflosigkeit einen Ansatzpunkt, um bestimmte Formen der Depression beim Menschen zu erklären. Da die Übertragung auf den Menschen doch nicht so einfach war, kam es zur Neuformulierung der Theorie (Peterson & Seligman, 1983, Miller und Norman, 1979, Heckhausen, 1980).Nunmehr werden Kausalattributionen als die entscheidenden Größen für die Erklärung von gelernter Hilflosigkeit angesehen (kognitiver motivationaler Schwerpunkt) Nach diesem neuen Ansatz wird die Erfahrung der Unabhängigkeit von eigenem Verhalten und unangenehmen Ereignissen nicht mehr als ausreichend angesehen, um Hilflosigkeit auszulösen. Entscheidend ist nach diesem Ansatz:1) ob negative Ereignisse global und stabil attribuiert werden, d. h. ob die Erwartung der Hilflosigkeit sich auf viele Lebensbereiche erstreckt (global) und auf einen langen Zeitraum (stabil),2) und ob der fehlende Erfolg der eigenen Bemühungen internal (d.h. ob Mißerfolg auf die eigene Unfähigkeit bezogen wird) oder external (d.h. auf äußere, nicht zu verantwortende Umstände) attribuiert wird. Dies ist aber weniger eine neue Theorie als vielmehr eine präzisere Umschreibung des Phänomens der gelernten Hilflosigkeit:ein Zustand, in dem das Individuum fehlende Kontrolle über unangenehme Ereignisse auf die eigene Unfähigkeit (internal) zurückführt und dies in vielen Lebensbereichen (global) tut, und kein Ende sieht (stabil).
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