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Organisationspsychologie (Fach) / 4. Organisationstheorie (Lektion)
4. Foliensatz
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- Begriff "Organisation" Drei wiss. Bedeutungen im Sinne eines/einer: - Instrumentes - Funktion - Institution
- instrumentaler Organisationsbegriff - instrumentaler Begriff sieht Organisation als Gesamtheit aller Regelungen, die sich auf Verteilung von Aufgaben und Kompetenzen sowie die Abwicklung von Arbeitsprozessen beziehen Organisationsstruktur = System formaler, dauerhafter Regeln, die das Verhalten der Menschen auf ein gemeinsames Ziel ausrichtet Organisation = Instrument zur effizienten zielgerichteten Führung
- funktionaler Organisationsbegriff - als Funktion betrachtet bedeutet Organisation vornehmlich organisieren, d.h. zum einen Arbeiten auf Mitarbeiter verteilen (Arbeitsteilung), zum anderen alle Arbeiten auf übergeordnete Ziele ausrichten (Koordination) instrumentaler und funktionaler Organisationsbegriff beziehen sich auf Regeln, die Ordnung schaffen Ordnung wird zwischen einzelnen Elementen (Aufgaben, Informationen, Personen, die miteinander in Beziehung stehen) geschaffen
- Soziales System Abb. 3) Menge von Elementen und die Beziehungen, die zwischen ihnen bestehen bezeichnet man als System ein soziales System ist dadurch gekennzeichnet, dass Personen die Elemente der Menge bilden
- institutionaler Organisationsbegriff - institutional betrachtet sind Organisationen soziale Systeme, die sich beschreiben lassen als zeitlich relativ stabile, aus Individuen und Gruppen zusammengesetzte, zielgerichtet handelnde und strukturierende Systeme (Schulte-Zurhausen, 2010)
- Die drei Aspekte der Organisation nach dem institutionalen Verständnis von Organisationen Abb 4) Person (Element) Verhalten = regelgeleitete Handlungen aus Person und Verhalten begründete System als übergeordnete Einheit
- Eigenschaften des Systems Organisation Abb 4) Offenheit: Grenzen sind durchlässig ggü. sozialer, technischer und politischer Umwelt Zielgerichtetes Handeln (ggf. bezüglich mehrerer Ziele) Struktur: zur Erreichung der Ziele entwickelt die Organisation Formen der Arbeitsteilung und eine Hierarchie Personen, ihr Verhalten und die daraus resultierenden Beziehungen machen die Organisation aus der institutionale Organisationsbegruff ist deshalb zentral für A-&O zentrales Merkmal einer Organisation: formale Struktur
- Organisationsstrukturen - um Ziele zu erreichen, bilden Organisationen formale Struktur - diese hat zwei wesentliche Merkmale: Arbeitsteilung Hierarchie - Arbeitsteilung: Zerlegung der GEsamtaufgabe in unabhängig bearbeitbare Teilaufgaben (= Aufgabenanalyse)
- Aufgabenanalyse Kann nach unterschiedlichen Merkmalen durchgeführt werden: - Verrichtung der Aufgabe: Art der Leistung, die zu erbringen ist - Analyse nach Rang durch Trennung von Steuerungs- und Ausführungsarbeiten Teilaufgaben der Führung: Planen, Entscheiden, Veranlassen der Durchführung und Kontrolle der Ergebnisse Teilaufgaben der Ausführung: alle Aufgaben der Erstellung bzw. Bereitstellung, Verwertung oder auch Entsorgung von Produkten oder Leistungen - für beides fallen Unterstützungsaufgaben an (z.B. Weiterbildung, Instandhaltung)
- Aufgabensynthese Teilaufgaben lassen sich so zusammenfassen, dass man sie verschiedenen Mitarbeitern zuordnen kann → Stellen Stellenbeschreibungen legen die zu erledigenden Aufgaben formal fest inhaltlich verwandte Stellen werden zu Abteilungen zusammengefasst Zusammenfassung von Teilaufgaben und Zuordnung zu Mitarbeiten: Aufgabensynthese
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- Aufgabenanalyse und Aufgabensynthese Abb. 5)
- Aufbauorganisation und Organigramm - Aufgabenorganisation: Ergebnis aus Aufgabenanalyse und -synthese - Darstellung durch formellen Plan (Organigramm) - Organigramm regelt Zusammenarbeit der Mitarbeiter (MA) zur optimalen Aufgabenerfüllung - Führungspositionen koordinieren Aktivitäten - Verantwortung ist hierarchisch aufgebaut - Stab-Linien-System: Linie: Führungspersonen und unterstellte MA Stäbe: beratende Experten ohne Entscheidungsbefugnis eine Führungskraft pro MA
- Beispiel: Organigramm eines Stab-Linien-Systems Abb. 6)
- Matrixorganisation - unterschiedliche Aufgaben haben oft gleiche Aspekte (z.B. Produktentwicklung, erfordert Marketing und Finanzen) - Matrixorganisation: gleichwertige Zuordnung von MA zu mehreren Abteilungen - von resultierenden Mehrfachunterstellungen erhofft man sich konstruktive Konflikte und Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven
- Organigramm einer Matrixorganisation Abb. 7)
- Ausgewählte Organisationstheorien - vier ausgewählte Theorien, die die formale Struktur von Organisationen erklären - wichtig für psychologisches Verständnis: formale Struktur einer Organisation richtet das Handeln ihrer Mitglieder auf das Ziel der Organisation aus und berührt damit den Kern der organisationspsychologischen Fragestellung
- Wissenschaftliche Betriebsführung/Scientific Management Frederick Winslow Taylor (1856-1915) Ziel: naturwiss. Organisationstheorie Organisation = mechanisches Kunstprodukt, das sich nach den Prinzipien rationaler und systematischer ingenieurwissenschaftlicher Analyse gestalten lässt Experiment = Methode zur Steigerung der Produktivität Lösungsmethode zur Realisierung von Zielen
- Prinzipien der strategischen Gestaltung von Unternehmen nach Taylor - Trennung von Hand- und Kopfarbeit systematische Ermittlung und Nutzung des Erfahrungswissens der Mitarbeiter - Pensum und Bonus Tagespensum, das ohne Schädigung bewältigt werden kann Bonus zur Motivation, hohe Löhne bei niedrigen Herstellungskosten - Auslese und Anpassung der Arbeiter Tests zur Auslese der geeigneten Arbeiter - Versöhnung zwischen Arbeitern und Management Steigerung der Produktivität, Verteilung der erzielten Erträge ohne Neid und Missgunst
- Kritik an Taylor - Annahme, dass Durchschnittsmensch nach Maxime des größten Gewinns handelt - Taylor: Arbeiter sind dumm und faul und finden ihr Glück nur in Konsum - Taylors Untersuchungen basieren auf viel zu kleinen Stichproben, die Teilnehmer sind nicht zufällig ausgewählt, ihre Reaktionen werden lediglich in Extremsituationen registriert und die Untersuchungen umfassen viel zu kurze Zeiträume
- Bürokratietheorie nach Max Weber (1864-1920) Weber: Soziologe & Organisationstheoretiker Bürokratie ist Erscheinung der zunehmenden Rationalisierung der Gesellschaft Rationalisierung = Fähigkeit des Menschen, sich mit der natürlichen und sozialen Umwelt geistig (rational) auseinanderzusetzen und sie zu gestalten Rationalisierung der Institutionen: Sachlichkeit, Unpersönlichkeit und Berechenbarkeit → Bürokratie
- Strukturelle Merkmale der Bürokratie - Pyramidenform der Hierarchie; zentrale Steuerung - Arbeitsteilung Zuständigkeiten und Pflichten mit notwendiger Befehlsgewalt Kompetenzen durch Regeln unabhängig von Person festgelegt jedes Mitglied der Struktur ist austauschbar - Amtshierarchie: festes System der Über- und Unterordnung - Amtsführung nach Regeln und Normen Ziele, Kompetenzen, Kommunikationswege: Dienstweg - Aktenkundigkeit Amtsführung beruht auf Schriftstücken, die Vorgänge kontrollierbar und nachvollziehbar machen
- Kritik an der Bürokratie - nur für Produkte angebracht, die sich weitgehend standardisieren lassen - in Umwelt, die häufige Anpassungen der organisatorischen Regeln erfordert, ist Bürokratie wenig effizient - Übertragung vom öffentlichen Dienst auf Wirtschaftsunternehmen fraglich: private Wirtschaftsunternehmen eher durch Partikularisierung, Unsicherheit und Angst als grundlegende organisierende Mechanismen gekennzeichnet
- Human-Relations-Bewegung Paradigmenwechsel motivationale und emotionale Bedeutung sozialer Beziehungen in Organisationen Grundannahmen Mensch von sozialen Motiven geleitet soziale Beziehungen definieren seine Identität und sein Zugehörigkeitsgefühl zur Organisation materielle Be- und Entlohnung spielen untergeordnete Rolle
- Kritik an und Bedeutung der Human-Relations-Bewegung - Verbesserung der menschlichen Beziehungen (human relations) erhöht Arbeitszufriedenheit und -motivation und in Folge die Leistung der MA - entsprechende Schulungen ersetzten nicht die wiss. Betriebsführung, sie wurde nur bzgl. des Umgangs mit den Arbeitern verändert - keinen Einfluss auf Organisationsstrukturen, keine Organisationstheorie - Organisation als Bezugsrahmen für menschliches Handeln - zentral für organisationspsychologisches Verständnis von Organisationen
- Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie (March & Simon, 1958) (1) Entscheidungsprozesse machen Kern der Organisation aus im Zentrum steht empirisch zu beobachtendes Entscheidungsverhalten der Menschen Annahmen: - Menschen verfügen nur über begrenzte Kapazitäten zur Verarbeitung von Informationen - ihre Bereitschaft, sich in Organisationen zu engagieren, ist beschränkt Organisationen = Systeme bewusst koordinierter Handlungen Organisationen bestehen aus Handlungen bzw. Entscheidungen, die von der Organisation geleitet werden Menschen gehören zur Umwelt der Organisation
- Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie (March & Simon, 1958) (2) - Organisationsmitglieder versuchen, rational zu handeln/entscheiden - Menschen sind begrenzt ("bounded rationality") unvollständiges Wissen über die Bedingungen, die Einfluss auf die Konsequenzen von Entscheidungen nehmen können zukünftige Ereignisse schlecht vorhersagen sind nicht in der Lage, alle Entscheidungsalternativen in Betracht zu ziehen - formale Organisationen müssen deshalb Komplexität reduzieren, um Entscheidungen zu vereinfachen
- Möglichkeiten der Reduktion von Komplexität und Unsicherheit in formalen Strukturen Arbeitsteilung: weniger Anforderungen für den Einzelnen, Entscheider haben es nur mit Ausschnitten aus der Realität zu tun Standardisierte Verfahren: Regeln entlasten die Mitglieder von Organisationen bei ihren Entscheidungen Hierarchie: Einengung von Entscheidungsspielraum durch übergeordnete Stellen Kommunikation: jedes Mitglied erhält nur die Informationen, die es braucht Indoktrination: Übernahme der Interessen der Organisation