876

Psychologie (Subject) / Differentielle und Klinische Psychologie (Lesson)

Vorlesungen der Uni- Wien 2016/17

This lesson was created by FlorianMiehe.

Learn lesson

Advertisement
  • Was ist damite gemeint: aktuelle klassifikationssysteme sind atheoretisch und offen? atheoretisch -> nicht an einer ätiologischen oder nosologischen theorie orientiertoffen -> für die aufnahme neuer Störungsgruppen
  • Was garantiert die Orientierung an symptomen/ symptomgruppen, am schweregrad und Verlauf der aktuellen Klassifikationssysteme? eine einheitliche und systematische Struktur in der Diagnostik
  • Was bedeutet Komorbiditätsprinzip? verzicht auf hierarchische Ordnung von Störungen
  • Was bedeutet Multiaxialität für die aktuellen Klassifikationssysteme? –Mehrebenenbeschreibung von Menschen mit psychischen Störungen–Integration nicht klinischer Merkmale
  • Was versteht man unter einer operationalen Diagnostik? - klare diagnostische Kriterien für jede Störung- Haupt und Nebenmerkmale werden berücksichtigt- Verlaufs udn zeitkriterien mit einbezogen- Ausschlusskriterien und Differentialdiagnosen- ermöglicht Entscheidungsbäume für exakte Diagnosen
  • Vorteile des aktuelle phänomenologischen Klassifikationssystems - bietet eine einheitliche Klassifikation aller Störungen- Theorien und Schulen übergeordnet, akzeptiert aber verschiedene therapeutische Orientierungen- internationale und generelle Vergleichbarkeit- offenes System- verbesserte reliabilität und validität- empirischer ansatz
  • Über den ICD-10: - Kapitel 5 von 21 für Psychische Störungen -> bereich F- ist multiaxial und empirisch orientiert- Gültig für alle Staaten der WHO, außer USA- entwickelt seit 1985, aufbauend auf DSM-3- Kapitel V hat 10 Hauptkategorien F0 - F9
  • ICD- 10 Kategorisierung: Für was steht... F Fx Fxx Fxx.x Fxx.xx F = KapitelFx = HauptkategorieFXX = Kategorie/ StörungseinheitFxx.x = Spezifikation der Störung aufgrund InhaltFxx.xx = Zusatzspezifikation
  • Benenne die Hauptkategorien des Kapitel 5 des ICD-10: F0:organische psy. Sör. (z.B. Demenz)F1:psychische Stör. aufgrund psychotroper substanzen F2:shizophrenie usw.F3:affektive störungen (manie, depression etc.)F4:neurotische, belastungs- und somatoforme störungen (ängste, phobien, zwänge, PTBS)F5:Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen (Ess-, Schlafstör)F6:Persönlichkeits und Verhaltensstörungen (abnorme Gewohnheiten, sex. präferenz/ identit.)F7:IntelligenzminderungF8:Entwicklungsstörungen (Sprache, schulisch, motorisch, autismus)F9:Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend
  • Für was steht die Achse 1 im ICD-10? Psychische Störungen und organische erkrankungen
  • Advertisement
  • Für was steht Achse-2 im multiaxialen ICD-10? soziale funktionseinschränkungen in:-selbstfürsorge (Hygiene, ernährung)-Beruf -Familie und haushalt (Partner, familie)-soziale Funktionsfähigkeit (freizeit, soziale aktivit.)-Globaleinschätzung (Gesamtbetrachtung)
  • Für was steht Achse- 3 im multiaxialen ICD-10? Psychosoziale Belastungsfaktoren:- erziehung und Bildung- kindheitstraumata- primäre bezugsgruppe inkl. Familie- soziale Umgebung- Wohnbedingungen u. finazielle Verhältnisse- berufstätigkeit/ arbeitslosigkeit- umweltbedingungen etc
  • Wie viele Gruppen umfasst der DSM 5 der american psychiatric association? 20 hauptgruppen und 2 Restgruppen
  • Wie ist der DSM 5 nicht strukturiert? - hierarchisch, auch kein logischer aufbau- auch nicht mehr multiaxial
  • Der ICD-11 wird nicht mehr 10 Störungsgruppen haben sondern? Außerdem wird er was mehr berücksichtigen? - 25 (so viele als empirisch nachweislich) -> demnach keine Hauptgruppen mehr- neben der symptomatik auch mehr ätiologische Aspekte (neurobiologisch)
  • Diagnostische Instrumente des ICD-10 und DSM5? - Klinische Interviews  (Screening- Strukturierte- Standardisierte Interviews)- Diagnose Checklisten- Diagnostische Fragebögen
  • Was versteht man unter Screening (Interviews)? Nenne drei Beispiele: to screen = sieben, filtern-> Interviews mit kernkriterien für spezifische Störungen z.B. SKID, DIA-X, Mini- DIPS -> basiereln alle auf DSM
  • Was versteht man unter Diagnose- Checklisten? - auf basis operationaler kriterien oranisierte checklisten zur diagnose spezifischer störungen-> sehr ökonomisch einsetzbar auch in der praxis-> nutzt entscheidungsbäume zur Vergabe von Diagnosen-> offene Form der Informationsbedingung (freie interviews, beobachtung)
  • Aufgaben KP Diagnostik: (6) 1. Beschreibung2. Klassifikation3. Indikation / Intervention4. Erklärung (Entstehung, Ätiologie)5. Prognose (Verlauf, Erfolgswahrscheinlichkeit)6. Evaluation
  • Welche beiden Formen der Evaluation nutzt die klin. Psy.? - Formative Evaluation = Verlaufsmessung, Prozessdiagnose- Summative Evaluation = Effekte von Therapien, Qualitätssicherung
  • Nenne einige Formen KP Diagnostik (6) - Leistungs- und Persönlichkeitsdiagnostik (vergleich differentielle)- Störungsdiagnostik- Eignungsdiagnostik- Soziodiagnostik- Risiko- und Ressourcendiagnostik- Biographische Diagnostik
  • Was versteht man unter klinischen Skalen? Diagnoseinstrumente zur erfassung spezifischer Symptome und klinisch relevanter sachverhalte -> es gibt ein breites spektrum an skalen:- allgemeinse symptomscreening- anamnese (z.b. Fragebogen zur lebensgeschichte von lazarus)- soziale Probleme und Partnerschaftsprobleme usw.
  • Was beforscht die Epidemiologie, neben der räumlichen und zeitlichen Verteilung von (psychischen) Erkrankungen in der Bevölkerung, noch? - die bedingungen des auftretens und verlaufs von störungen (Urasachen, Risiken, protektiven Faktoren)- den bedarf nach klinischen, therapeutischen versorgungseinrichtungen der Bevölkerung
  • Mit was befasst sich die deskriptive epidemiologie und mit was die analytische? deskriptive: beschreibung der verteilung von störungenanalytische: ermittlung von ursachen- und risikofaktoren -> verwandt mit ätiologie
  • Nenne die beiden epidemiologischen Messgrößen: - Prävalenz - Gesamtzahl aller Krankheitsfälle in einer definierten Population, angegeben in %-Werten (=wahre Prävalenz)-> Punkprävalent: zu einem best. Zeitpunkt-> Periodenprävalenz: während einer zeitperiode-> administrative prävalent: alle die sich in Behandlunge befinden-> Lebenszeitprävalenz: Anteil der lebenden Bevölkerung, der bis zu einem bestimmten Stichtag irgendwann in seinem Leben eine bestimmte Krankheit hatte Inzidenz:Häufigkeit der innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (meist 1 Jahr) neu aufgetretener Erkrankungsfälle (=Erstmanifestation), egal ob Krankheit noch besteht oder nicht =Neuerkrankungsrisiko.•Wahre vs. administrative Inzidenz
  • Die drei Ebenen epidemiologischer Forschung? (wahr/administrativ) 1. Allgemeinbevölkerung -> wahre Prävalenz/ Inzidenz2. Hausarztbehandlungen3. spezifische Versorgungseinrichtungen -> administrative Prävalenz/ Inzidenz
  • jahresprävalenzen psychischer Störungen: (%) Allgemeinbevölkerung: 25 - 30,3Hausarztpraxen: 22,4 - 23-> vom hausarzt erkannt: 9,4 - 14-> Psychiatrie ambulant: 1,7 - 3,4-> Psychiatrie stationär: 0,5 -1
  • körperliche erkrankung (12 Mon.) nein ja total psychische- nein 23,3 44,4 67,7 Störung ja 8,2 24,1 32,2 Total 31,5 68,5 100,00 - jeder wievielte war frei von krankheit? - jeder wie vielte war psychisch krank? - jeder 4. (23,3%) frei von krankheit- jeder 3. (32,2%) psychisch krank
  • Wieviel % der Bevölkerung hat 1. jemals, 2. in den letzten 12 Monaten, 3. im letzten Monat eine oder mehrere psy. Störungen gehabt? 1. Lebenszeit: 42,6    Frauen: 48,9    Männer: 36,82. 12. Monate: 31,1    Frauen: 37,0    Männer: 25,33. 1 Monat: 19,8    Frauen: 23,9    Männer: 15,8
  • Nenne die vier häufigsten psychischen Störungen und drei eher seltene Psy. Störungen (absteigend nach %) 1. Angststörung (16,2)2. Alkoholstörungen (11,2)3. Depression (Uni.) (8,2)4. Zwangsstörungen (3,8)...9. Medikamentenmissbrauch (1,5)10. Körperlich bedingte Stör. (0,9)11. Anorexia Nervosa (0,7)
  • Advertisement
  • Welche Störungen sind bei frauen eindeutig hufiger und welche bei Männern? Frauen: Angststörungen, Unip. dpression, zwänge (nur wenig), Somatoforme Stör., psychotische Störung (nur wenig), PTBS, Anorexia Nervosa Männer: Alkoholsucht
  • Wieviel % der patienten haben nur eine Diagnose und wieviel haben mehrere (Komorbidität)? nur eine: 20,7mehrere: mehr als 33%
  • Mit was beschäftigt sich die Versorgungsepidemiologie? - mit der ökonomischen Seite psychischer störungen- der inanspruchnahme der Behandlungsangebote- dem bedarf an Behandlung n der bevölkerung  -> dem versorgungsmangel oder überschuss
  • Wieviele Personen, mit diagnose und hilfesuchverhalten, nehmen jährlich eine Intervention in Anspruch? irgendeine Intervention: 36,4%keinerlei intervention: 63,3% -> markaner ost-west unterschied-> behandlungsraten meist am niedrigsten bei jüngeren
  • Wovon ist die wahrscheinlichkeit einer professionellen intervention abhängig? erkrankungsdauer/ alter und anzahl der Diagnosen (komorbidität)
  • In welchen versorgungseinrichtungen landen die meisten Menschen mit psychischen Problemen? 1. Beratungsstellen und Neurologen - jeweils 21%2. Psychologen/therapeuten - 18%2. (teil-)stationär - 15%4. ärztl. Psychotherapie - 11%
  • Was sind die drei (zeit)Ebenen der Ätiologie? 1. entstehung und entwicklung2. auslösung und manifestation3. Verlauf und Aufrechterhaltung
  • Nenne die 6 (heterogenen) erklärungsmodell der ätiologie: - deduktiv- nomologische erklärung- dispositionelle erklärungen- historisch-genetische erklärungen- wie-es-möglich-war-dass-erklärungen- probabilistische kausalerklärungen- inhaltliche erklärungen
  • was versteht man unter deduktiv nomologischen erklärungen? aufgrund allgemeiner gut bewährter Gesetze
  • was versteht man unter dispositionellen erklärungen? erklärung auf grund von bedingungen/ dispositionen/ veranlagungen die eine störung auslösen oder aufrechterhaltenz.b. lernfaktoren/ gelerntes, neurotische konflikte, irrationale überzeugungen, stoffwechselstörungen etc
  • Was besagt das Manifestationsgesetz der Ätiologie? Disposition => Störung(Erklärung: situations-verhaltens-erwartungen ?)
  • was versteht man unter historisch-genetische erklärungen? Entstehungsbedingungen und Entwicklungsfaktoren auf Basis der Sukzessionskette (Kette von erklärungsargumenten)z.b. lerngeschichte, erziehung, störung der eltern, genetische determinanten
  • was versteht man unter wie-es-möglich-war-dass-erklärungen? ex-post-facto erklärungen sind idiosynkratische erklärungen, d.h. die rekonstruktion des Einzelfalls
  • was versteht man unter probabilistische Kausalerklärungen? wahrscheinlichkeitsbezogene ursache - wirkungs (kausal) erklärungen, basierend auf Ressourcen/ Risikofaktoren-> häufig empirisch belegt und viele Störungen möglich und vorhanden
  • Faktoren der probabilistischen Kausalerklärungen: Bio-, Psycho-, Soziale Faktoren
  • Allgemeine Aspekte der Ätiologie - multifaktoriell und multimodal- protektive und vulnerabilisierende faktoren- heterogenität- Phasizität im pathogeetischen prozess
  • Die vier Phasen im ätiologischen Prozess? 1. Prä/disponierende Phase2. Podromalphase (vor dem Ausbruch)3. Manifestations- / Ausbruchsphase4. Verlaufsphase
  • Phänomenologische Heterogenität der Ätiologie Interindividuell? Intaindividuell? Inter: Störungen einer Klasse/ Art äußern sich bei unterschiedlichen Individuen unterschiedlichIntra: Störung kann sich innerhalb eines Individuums zu unterschiedlichen zeitpunkten unterschiedlich äußern
  • Was bedeutet ätiologische Heterogenität intraindividuell? Interindividuell? intra: gleiche Störung hat bei einem Individumm zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Ursacheninter: gleiche störungen hat bei unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Ursachen
  • Was ist der Ausgangspunkt der differentiellen Störungsmodelle (gegenüer den allgemeinen Störungsmodellen: Bio-psycho-soziales und Diathese-stress-modell)? Nicht alle psychischen Störungen sind nach demselben ätiologischen Modell erklärbar; für sparsame Erklärungen sind differentielle Erklärungsmodelle sinnvoller und einfacher:–Biologische Modelle: Organisch bedingte psychische Störungen–Lerntheoretische Modelle: Angst, Zwang, Psychosomatik–Kognitive Modelle: Verhaltensstörungen; Kognitive Defizite und Probleme; “neurotisches Denken”, Depression–Multifaktorielle Modelle: Depression, Essstörungen, Schizophrenie etc.