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Entwicklungspsychologie (Subject) / Adoleszenz (Lesson)

Begriffsbestimmung und theoretische Ansätze Körperliche Entwicklung und psychische Korrelate Kognitive Entwicklung Identität und Selbstkonzept Veränderung der Familien-und Peerbeziehungen Entwicklungsrisiken

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  • Was ist Jugend? Beginn des Jugendalters ist markiert durch das Eintreten der Geschlechtsreife (Pubertät).Länge der Jugendphase ist abhängig von der Komplexität der Gesellschaft.Die Abgrenzung zwischen Jugend und frühem Erwachsenenalter ist anhand von Rollenübergängen und Kriterien sozialer Reife markiert.frühe Adoleszenz: 11 -14 Jahremittlere Adoleszenz: 15 -17 Jahrespäte Adoleszenz : 18 -21 Jahre -> heutezutage: längere Jugendphase, -> die Altersmakierungen gelten noch aber es ändert sich, da Mädchen früher die Periode kommen
  • Adoleszenz in der Vormoderne und der Moderne Frühere biologische ReifungSpäterer Eintritt ins Arbeitsleben (vormodern: kontinuierlich aus der Kindheit heraus)Altersgemischte Bezugsgruppen vs. Gleichaltrigengruppe als soziales LernfeldEinordnung in vorgegebene soziale, religiöse, weltanschauliche Ordnung vs. Autonomie, individuelle Leistungsfähigkeit, Erfolg und Karriere -> Mädchen kommen in frühere Reifung in der Großstadt als auf dem Land-> späterer Eintritt ins Arbeitsleben wegen Studium-> früher ehr altersgemischte Bezugsgruppen (auf dem Land mehr gemischte Klassen, da nicht so viel); heute mehr gleichaltrige-> aber man lehnt sich mittlerweile mehr ans amerikanische System an -> 1-2 Klasse zusammen gemischte Klassen, älteres Kind nimmt jüngeres Kind unter die fittiche-> Berufswahl heute deutlich unabhängiger und weniger moralische Konventionen (unabhängig von den Konventionen der Gesellschaft - Übernachtung bei Freunden, gemischte Klassen geschlechter etc)
  • Eriksons Theorie der psychosozialen Entwicklung Erikson (1902–1994)Acht aufeinander aufbauende Stadien über die gesamte LebensspanneJedes Stadium ist durch eine spezifische Krise oder Aufgabe gekennzeichnet, die das Individuum lösen mussUngelöste Aufgaben behindern den Entwicklungsfortschritt in späteren Stadien -> Kritik: ungelöste Aufgaben behindern in späteren Stadien - sonst keine optimale Entwicklung möglich -> nicht so starr zu sehen
  • Erikson: Stadien der psychosoz.Entwicklung in Kindheit und Jugend 1. Urvertrauen vs. Mißtrauen• erstes Lj.• Krise: grundlegendes Vertrauen 2. Autonomie vs. Scham und Zweifel• 1–3 J.• Krise: Autonomie bei steigenden sozialen Anforderungen 3. Initiative vs. Schuldgefühl• 4–6 J.• Ziele setzen• Krise: Gleichgewicht zwischen Initiative und Schuld 4. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl• 6 –Pubertät• Ich-Entwicklung• Krise: Erwerb kulturell relevanter Fähigkeiten 5. Identität vs. Rollenkonfusion• Adoleszenz bis frühes Erwachsenenalter• Krise: Identitätssinn  Identität als Fokus der Persönlichkeitsentwicklung im Jugendalter Aufbau von Selbstkonsistenz Integrationsleistung (psychosexuelle und psychosoziale Veränderungen, Orientierung in der Erwachsenenwelt) Moratorium: Aufschub erwachsener Verpflichtungen Identifikationsverhalten -> es geht darum Selbstkonsistenz aufzubauen-> zeitliche Konsistenz und situational -> im Verhalten immer gleichwichtig: Integrationsleistung dafür Wertekatalog aufbauen, ohne den der Eltern zu übernehmen
  • Entwicklungsaufgaben: Havighurst (1948)  Entwicklungsaufgaben entstehen in bestimmten Lebensabschnitten des Individuums, von erfolgreicher Bewältigung hängt Glück und Erfolg bei späteren Aufgaben ab Quellen von E-aufgaben: Körperliche Entwicklung, kultureller Druck, individuelle Wünsche und Werte Entwicklung in der Adoleszenz ist u.a. eine Funktion sozialer und persönlicher Erwartungen  Verlauf der Entwicklung u.a. Funktion sozialer und persönlicher Erwartungen und sozialer Institutionen Nicht automatisch, sondern Ergebnis aktiver Bewältigung Aufgabenlösung kann gelingen oder mißlingen; Entwicklung abhängig von vorausgehenden Entwicklungsleistungen
  • Entwicklungsaufgaben aus der Sicht der Jugendlichen  Aufnahme und Aufbau intimer Beziehungen Identitätsentwicklung Zukunftsperspektive Selbständigkeit, Selbstsicherheit, Selbstkontrolle Soziale Kompetenzen, kritische Haltung gegenüber Gesellschaft Verständnis für komplexe ZusammenhängeGeschlechtsunterschiede:• Mädchen: Aneignung von Werten, Ablösung von Eltern• Jungen: Geschlechtsrolle, intime BeziehungenSäkulare Veränderungen: Zunehmende Bedeutung der Peergruppe, Absinken der Bedeutung von Selbstkenntnis (Dreher & Dreher, 1985/ 1997)
  • Entwicklungsaufgaben aus der Sicht der Eltern und der Jugendlichen Wichtigkeitsbeurteilung Jugendliche Beruf, Selbst, Gleichaltrige Werte, Körper, Zukunft, Intimität, Ablösung Partnerschaft, FamilieEltern Insgesamt geringere wahrgenommene Wichtigkeit Im Zentrum stehen Beruf, Gleichaltrige, Werte, Zukunft,Ablösung Intimität gilt als noch nicht wichtig
  • Körpergröße und Gewicht  Erreichen der endgültigen Körpergröße mit 16-19 Jahren Wachstumsschub bei Mädchen ca. 12/13J. Bei Jungen 14/15J. Große interindividuelle Unterschiede Asynchronien im Wachstum der Körperteile („schlaksiges Aussehen“)
  • Geschlechtsreifung  Jungen:(1) Wachstum von Hoden. Erscheinen von Schamhaaren(2) Peniswachstum, erste Gesichtshaare, Muskelwachstum(3) erster Samenerguss(4) Wachstumsspurt, Achselhaare, Stimmbruch Mädchen:(1) Brustwachstum, Schamhaare, Veränderung derVerteilung des Köperfetts(2) Veränderung der Genitalien(3) Menarche (nur noch bis zu 4% des Längenwachstumsnach der Menarche (erste Periode)
  • Hormonale Entwicklung  Reifung der adrenalen Drüsen beginnt schon zwischen 6 und 8 Jahren, Reifung der Gonaden mit 9-10 Jahren Vor der Pubertät wird die Produktion von GnRh (gonadotropic releasing hormone) gehemmt:Aufhebung der Hemmung Hypothalamus beginnt, die Hypophyse zu aktivieren Hypophyse sondert LH (Luteinisierungshormon) undFSH (follikelstimulierendes Hormon) ab Wachstum von Hoden und Eierstöcken Produktion der eigentlichen Geschlechtshormone
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  • Individuelle Unterschiede Akzeleration (Beschleunigung) / Retardation (Verzögerung)  Säkulare AkzelerationIn Europa und den USA ist der Zeitpunkt der Menarche in den letzten 120 Jahren stetig gesunken, vom 17. bis zum 13. Lebensjahr Der Eintritt der Menarche hängt vom Körpergewicht (Körperfettanteil) ab Verbesserte Ernährung und medizinische Versorgung Variation zwischen Land und Stadt  Drastische Unterschiede im Erscheinungsbild und den selbst wahrgenommenen körperlichen Veränderungen bei gleichaltrigen JugendlichenPsychologisch relevante Korrelate? Spätreifende Jungen eher unausgeglichener und unzufriedener. Frühreife haben Vorteile in sozialem Ansehen Frühreife bei Mädchen eher ein Nachteil (Schlankheitsideal); höhere Gefährdung in Bezug auf Drogengebrauch und Sexualverhalten Körperselbstbild: mit zunehmendem Alter größere Unzufriedenheit mit der eigenen Erscheinung bei Mädchen
  • Gehirnentwicklung in der Adoleszenz  Myelinisierung der Nervenbahnen (Geschwindigkeit der Signalübertragung wird erhöht) Synpasendichte im präfrontalen Cortex: Synapsenelimination, Reduktion der Synapsendichte  erhöhte Effizienz, Feinabstimmung von neuronalen Prozessen MRI Studien: Erhöhung weißer Substanz und Reduktion grauer Substanz infolge der Myelinisierung; Akzeleration des Verlusts grauer Substanz mit dem Einsetzen der Pubertät
  • Psychometrische Intelligenz  Psychometrische Intelligenz: Zunahme der Intelligenztestleistungen (Abstraktheit des Denkens, mehr Aspekte eines Problems werden berücksichtigt) Flynn-Effekt: 1954-1984 HAWIK M=100-116; Handlungsteil 100-122 „Bildungsfreie“ Leistungen steigen, bildungsabhängige sinken eher
  • Pubertät und kognitive Entwicklung Leistungseinbußen in der Pubertät in Funktionen, die vom präfrontalen Kortex gesteuert werden(Selbstkontrolle, sozial kognitive Leistungen) Verbesserung nach der Pubertät
  • Identität als zentrales Thema des Jugendalters  Identität und Selbstkonzept Identitätsentwicklung: kontinuierlich oder „Sturm und Drang“? Strukturelle Veränderungen in Identität und Selbstkonzept
  • Selbstkonzept  Komplexes personspezifisches Schema, das eine organisierende Funktion hat Implizite Theorie einer Person über sich und die Welt Evaluative Vorstellungen über individuelle Charakteristika und Gefühle / Gedanken• gebildet durch soziale Interaktionen• verschiedene Facetten• wichtig bei der Selektion und Verarbeitung von Information  Affektive Komponente: Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen Kognitive Komponente: Selbstbezogenes Wissen Persönliches / autobiografisches Selbst – soziales Selbst; „Looking glass self“ (sich selbst durch die Brille der anderen sehen) Reales vs. ideales Selbst
  • Identität  Selbstdefinitionen; Ziele, Werte, Überzeugungen, die persönlich wichtig und verpflichtend sind.Identität als Antwort auf die Frage „wer bin ich?“ Kern des Selbstsystems Bei Gefährdung der Selbstdefinitionen: existentielle Angst, beschädigter Selbstwert Identitätsfindung impliziert: Integration, Hinterfragen von Normen und Erwartungen, persönliche Verpflichtung
  • Erik Erikson: Identität  Identität wird während der gesamten Entwicklung aufgebaut; Adoleszenz ist die sensible Phase für die Identitätsfindung Positive vs. negative Identität Ich-Identität vs. Gruppen-Identität Identitätskrise genetisch festgelegt; gesellschaftlich und historisch modifizierbar
  • Entwicklung von Selbstkonzept und Identität im Jugendalter  Tumulte oder kontinuierliches Wachstum?• Selbstkonzept –leichte Mittelwertsanstiege; leicht höhere Selbstbewertung bei Jungen• Stabilität: hohe Stabilität, wenig Evidenz für Tumulte. Stabilität nimmt mit dem Alter zu; höhere Stabilität bei Jungen Effekte von Schulübergängen; jüngere Schüler jeder Jahrgangsstufe bewerten sich negativer
  • Strukturelle Veränderungen  Wachsende Komplexität des Selbstkonzepts Zunehmende Differenzierung: Konstruktion kontextspezifischer Selbstkonzepte Zunehmende Trennung von realem und idealem Selbst Sich selbst aus der Sicht anderer sehen; „Imaginary audience“; Wahrnehmung von Widersprüchen Erweiterung der Zeitdimension Sich selbst als einzigartig und für andere unerschließbar sehen Zunehmende Integration der Facetten des Selbst in der späten Adoleszenz
  • Identitätstypen nach Marcia  Erarbeitete Identität: Autonome Entscheidung basierend auf explorierten Optionen(nicht notwendigerweise stabil; zyklische Fortsetzung der Identitätsbildung?) Übernommene Identität: Basiert auf den Entscheidungen anderer ohne Exploration Moratorium: Exploration verschiedener Optionen ohne Verpflichtung Diffuse Identität: Keine festen Verpflichtungen, keine Tendenz zu Identitätsfindung(„Identitätshülse“,Surfer, Isolierte, Patchworker)
  • Marcia‘s Identitätsstatustypen – empirische Befunde  Ansteigen der Prozentsatzes erarbeiteter Identität mit dem Alter, in manchen Studien aber noch mit 18 Jahren hoher Anteil diffuser und übernommener Identität.  Verknüpfung mit BewältigungskonzeptenIn Gang setzen des Identitätsfindungsprozesses durch kritische Lebensereignisse.Anstieg des Selbstwertes. Wachsende Kontrollüberzeugung führt zur integrierten Identität.Mit zunehmendem Alter Rückgang von Fremdbestimmtem und Zunahme von Integriertem.
  • Jugendliche in der Familie  Familienbeziehungstypen(Fend, 2000)Bedeutung von Fairness, argumentationsorientiertem Erziehungsstil, Unabhängigkeit, Vermeiden von Dauerkonflikten Konflikte mit den Eltern aus der Sicht der Jugendlichen:Mehrheitlich positive Beziehungen; Zunahme der Konflikthäufigkeit in der frühen Adoleszenz, emotionale Intensität von Konflikten höher in der mittleren Adoleszenz; Kulturspezifisch Chronische Konflikte Selbstabwertung, Weglaufen, Schulabbruch.
  • Familiäre Interaktion  Zunehmende Symmetrie, Reziprozität Positiver Zusammenhang zwischen Symmetriegrad und Schulleistung Selbständigkeitsgrad der Kinder korreliert mit Infragestellen elterlicher Meinungen Autoritäre Eltern soziale Abhängigkeit, Passivität; Übernommene Identität Permissiv Schulprobleme, Delinquenz Elterliche Zuneigung/ Verlässlichkeit positiv korreliert mit Schulleistungen, psychosozialer Reife; negativ mit Depressionsneigung
  • Soziale Beziehungen unter Gleichaltrigen  Neudefinition der Peer-Beziehungen (Selbst-Reflexion, Perspektivenübernahme) Psychologische Formen der Aggression; Depression, soziale Isolation (5-10%) Identitätsbildung in Auseinandersetzung mit Gruppennormen Assortative Pairing (Suche nach Peers, die in der Entwicklung ähnlich sind, Vermeidung von Marginalisierung) Intimität, Verlässlichkeit, Reziprozität Männliche Jugendliche: Freizeit, Sport, Alkohol. Weibliche: Gespräche
  • Problemverhalten  Problemverhalten: Verhalten, das eine Gefährdung für die eigene Entwicklung oder die anderer darstellt Risikoverhalten birgt Risiko für persönliche langfristige Ziele und Chancen in sichInternalisierendes vs. externalisierendes Problemverhalten
  • Internalisierendes Problemverhalten  Zunahme von Depression bei Mädchen Essprobleme Kumulation von Stressoren während körperlicher Reifung Dysfunktionale Schemata und Reaktionen auf Problemsituationen Kulturelle Normen
  • Risikofaktoren  Abnahme protektiver Faktoren in der Adoleszenz Biologische und genetische Faktoren Temperament Depressive Eltern Isolation in der Peer Gruppe Ungünstiger Attributionsstil –kognitive Verzerrungen –sozialer Rückzug
  • Externalisierendes Problemverhalten  Antisoziales Verhalten nimmt zu Grundlage für dauerhafte und gravierende delinquente Laufbahn meist in der Kindheit Impulsiv aggressive Kinder sind häufig unbeliebt und werden früh marginalisiert Antisoziales Verhalten selbstverstärkend Abnahme im Erwachsenenalter, aber kein Verschwinden des Problems
  • Merkmale antisozialer und aggressiver Kinder  Schwieriges Temperament von früher Kindheit an Impulsive, irritable, leicht ablenkbare Vorschulkinder Delinquenz (Straffälligkeit) zwischen 9 und 15 Jahren Defizitäre moralische Emotionen (Schuld, Mitleid, Empathie) Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörungen sind Prädiktoren für antisoziales Verhalten und Kriminalität
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  • Aggressives Verhalten  Zunahme ernster Gewaltakte in der Adoleszenz; insgesamt Rückgang physischer Aggression gegenüber der Kindheit Höhepunkt von Jugendkriminalität mit ca. 17 Jahren Weit mehr männliche als weibliche Jugendliche Konsistenz aggressiven Verhaltens zwischen Kindheit und Jugendalter Moffitt: Unterscheidung zwischen anhaltend antisozialem Verhalten und auf die Adoleszenz begrenzter Delinquenz; Maturity Gap Hypothese