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Allgemeine Psychologie (Subject) / Definitionen (Lesson)
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- Lust-Unlust-Prinzip. Generelles Verhaltensprinzip, dem zufolge Individuen nach Möglichkeit die positiven Konsequenzen eigenen Handelns maximieren und dessen negative Konsequen- zen minimieren. Es kennzeichnet den → Hedonismus. Während viele alltägliche Verhaltens- beobachtungen mit dem Lust-Unlust-Prinzip in Einklang stehen, sind viele andere Phänomene nicht damit vereinbar (man denke an altruistisches Verhalten, aber auch an kognitive Prozes- se, die mitunter auch unangenehme Einsichten in die eigene Person vermitteln können).
- Nahrungsdeprivation (latein. deprivare = entziehen). Medizinischer Fachausdruck für den Mangel an Nahrung. In der Psychologie, insbesondere in behavioristischen Tierexperimenten, wird die Dauer der Nahrungsdeprivation variiert, um unterschiedliche Triebzustände experi- mentell zu manipulieren.
- Natürliche Selektion. Der Prozess der natürlichen Selektion beruht darauf, dass jedes Indivi- duum einer Spezies einzigartig und somit in unterschiedlichem Maße an seine Umweltbedin- gungen angepasst ist. Diese unterschiedlich gute Anpassung an die jeweiligen Umweltbedin- gungen führt zu unterschiedlichen Überlebenswahrscheinlichkeiten und Reproduktionsraten. Aufgrund dieser unterschiedlichen Reproduktionsraten ändert sich im Laufe der Zeit (→ Evo- lution) die genetische Ausstattung der Population (alle Individuen einer Spezies), da repro- duktiv erfolgreiche Individuen mehr Gene an ihre Nachkommen weitergeben.
- Ödipuskomplex. Freud zufolge eine Phase der frühkindlichen Entwicklung, in der das Kind das gegengeschlechtliche Elternteil begehrt und mit dem gleichgeschlechtlichen Elterteil um die Aufmerksamkeit des gegengeschlechtlichen Elternteils konkurriert. Die Auflösung dieses Konflikts erfolgt durch die Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elterteil, so dass dessen Normen und Werthaltungen übernommen werden. Diese Auflösung des Konflikts durch Identifikation führt somit zur Ausbildung des → Überichs.
- Ontogenese. Entwicklung des einzelnen Individuums über die gesamte Lebensspanne; Gegen- satz zur → Phylogenese.
- Operantes Konditionieren. Veränderung der Auftretenshäufigkeit einer Reaktion aufgrund von deren positiven oder negativen Konsequenzen. Hat eine Reaktion positive Konsequenzen, so steigt die Auftretenswahrscheinlichkeit; nach negativen Konsequenzen sinkt die Auftre- tenswahrscheinlichkeit.
- Operantes Verhalten Zweckgerichtetes Verhalten, das auf die Umwelt gerichtet ist, im Ge- gensatz zu einem → respondenten Verhalten, das lediglich (reflexhaft und automatisch) von der Umwelt ausgelöst wird.
- Phänotyp (griech. phainesthai = erscheinen). Das sichtbare Erscheinungsbild eines Lebewe- sens inklusive seines Verhaltensrepertoires, welches auf zwei Faktoren beruht: zum einen dem individuellen → Genotyp (der genetischen Information), zum anderen den in der → On- togenese wirksamen Einflussfaktoren und Lernerfahrungen.
- Phänomenologie. Lehre von den Erscheinungen. Hierbei geht es nicht um objektive Merkma- le, sondern vielmehr unsere subjektive Wahrnehmung der äußeren Welt. Phänomenologische Ansätze in der Psychologie betonen, dass es nicht objektive Umweltgegebenheiten sind, die unser Verhalten bestimmen, sondern unsere subjektive Wahrnehmung dieser Umweltgege- benheiten.
- Phylogenese griech. Phylogenie). Stammesentwicklung, Stammesgeschichte; die Entstehung der Lebewesen in der Vielfalt ihrer Arten im Laufe der Erdgeschichte, entweder bezogen auf die Gesamtheit aller lebendigen Organismen oder in Bezug auf die Stammesgeschichte einer bestimmten Spezies.
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- Premack-Prinzip. Für jedes Verhalten X, das unter natürlichen Bedingungen mit einer höhe- ren Häufigkeit gezeigt wird als ein anderes Verhalten Y, gilt: X kann als Verstärker für Y dienen; dies führt dann zu einer Erhöhung der Auftretenswahrscheinlichkeit von Y.
- Primäre Triebe. Triebe, die angeboren und an physiologische Bedürfniszustände geknüpft sind (z. B. Hunger, Durst und das Bedürfnis nach Schlaf).
- Psychische Energie Konzept Freuds, dem zufolge psychische Vorgänge ebenso Energie er- fordern wie physische Vorgänge. Die dafür zur Verfügung stehende (individuelle) Energie- menge ist begrenzt. Auch Inhalte, die nicht ins Bewusstsein gelangen, verbrauchen Energie, weil dem → Ich die Aufgabe zukommt, diese verdrängten Inhalte tatsächlich abzuwehren.
- Psychologischer Determinismus. Annahme, dass alle psychischen Phänomene (Gedanken wie Handlungen) eine Ursache haben und aus dieser Perspektive erklärt werden können
- Reflex (latein. reflectere = zurückbiegen). Unwillkürliche Reaktion eines Muskels oder einer Muskelgruppe auf einen auftretenden Reiz (z. B. Speichelreflex beim Hund oder Lidschlagre- flex; → siehe klassisches Konditionieren).
- Respondentes Verhalten. Verhalten, das von einem vorausgehenden Stimulus (automatisch, reflexhaft) ausgelöst wird.
- Reziproker Altruismus. Interaktionen, die zum Zeitpunkt t1 dem Individuum A Kosten verur- sachen und dem Individuum B einen Nutzen bescheren und die zu einem beliebigen Zeitpunkt t2 von Individuum B (reziprok) erwidert werden.
- Schemata. Organisierte Meinungen über andere Menschen, Objekte, Ereignisse oder Situatio- nen mit dem Vorteil, dass eine Vielzahl von Informationen leicht und schnell verarbeitet, ge- speichert und wieder abgerufen werden können.
- S-C-R-Psychologie (Stimulus-Cognition-Response-Psychology). Grundposition der Psycho- logie, die zwischen Reiz und Reaktion vermittelnde kognitive Prozesse annimmt; Gegensatz zur → S-R-Psychologie.
- Sekundäre Triebe. Erlernte Triebe; sie gehen nicht auf physiologische Bedürfniszustände zu- rück. Aus der Perspektive des → Behaviorismus, insbesondere der Konzeption Hulls, sollten solche sekundären Triebe helfen, die Bandbreite des erklärbaren Verhaltens zu vergrößern. Sekundäre Triebe sind nachgewiesen für Vermeidungsverhalten, insbesondere Furcht, nicht jedoch für aufsuchendes Verhalten.
- Sensorische Deprivation (latein. deprivare = entziehen). Zustand, in dem eine Person mög- lichst wenigen äußeren Reizen ausgesetzt ist (so etwa Geräuschen, visuellen Informationen, taktilen Informationen). Sensorische Deprivation ist auf Dauer unerträglich; es kommt zu Hal- luzinationen und Denkstörungen.
- Sexuelle Selektion. Nach Darwin ein Prozess, der aufgrund der Partnerwahl innerhalb einer Spezies entsteht. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen intrasexueller Selektion, bei der in- nerhalb eines Geschlechts die Individuen um den Zugang zum anderen Geschlecht konkurrie- ren, und die intersexuelle Selektion, bei der die Mitglieder des einen Geschlechts um Partner des anderen Geschlechts konkurrieren (siehe 10.1.3).
- Soziale Erleichterung. Sachverhalt, dass individuelle Einzelleistungen oftmals besser sind, wenn diese zusammen mit anderen durchgeführt werden (Coaction-Effect) oder durch andere beobachtet werden (Audience-Effekt). (Siehe 3.2.4)
- Speziation. Entstehen neuer biologischer Arten, indem sich Isolationsmechanismen zwischen zwei Populationen entwickeln, die zuvor eine Population gebildet haben.
- Spontaner Reaktionswechsel. Versuchstiere, die kontinuierlich für Reaktion X verstärkt wer- den, zeigen (unerklärlicherweise und deshalb „spontan“) trotz dieser Verstärkung gelegentlich eine Reaktion Y, die zuvor niemals verstärkt wurde.
- S-R-Psychologie (Stimulus-Response-Psychology, auch Reiz-Reaktions-Psychologie). Grundposition der Psychologie, die Verhalten ausschließlich als Reaktion auf einen dargebo- tenen Reiz (Stimulus) erklärt. Sie bildet das Kernelement behavioristischer Lernansätze, die Lernen als eine beobachtbare Verhaltensänderung und als Ergebnis von Konditionierungspro- zessen auffassen. Hierbei wird die Einbeziehung kognitiver Größen (→ S-C-R-Psychologie) als irrelevant angesehen.
- Stabilitätsdimension. Kontinuierliche Kausaldimension zur Bezeichnung der Stabilität von Ursachen. Unterschieden werden stabile Ursachen (z. B. Begabung) und andererseits variable Ursachen (z. B. Zufall).
- Stimulusattraktivität Höhe der Anreizqualität eines Reizes.
- Stimuluskomplexität. Komplexität eines Reizes; diese kann kontinuierlich variieren von sehr einfach (z. B. „+“) zu sehr komplex (z. B. „b“).
- Survival of the fittest. Die → natürliche Selektion führt Darwin zufolge zum „Überleben der am besten angepassten Individuen“. Darwin selbst verwendet diesen Begriff nur an einer Stel- le seines Werkes und meidet diesen ansonsten wegen der naheliegenden Missverständnisse. So wurde das Überleben besonders gut angepasster Individuen oft als „Überleben des Stärks- ten“ interpretiert, was jedoch Unsinn ist (siehe 10.1.2).
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- Thematischer Apperzeptionstest (TAT). Projektives Testverfahren zur Erfassung des Leis- tungsmotivs. Die Personen beschreiben, was sie auf ihnen vorgelegten Bildern sehen. Der Theorie zufolge werden bei diesem Verfahren verborgene und unbewusste Bedürfnisse der Person in die Geschichten hineinprojiziert und somit dem Untersuchenden offen gelegt. Die Auswertung ist aufwendig; wie viele projektive Verfahren sind Reliabilität und Validität des TAT nicht sonderlich hoch.
- Trieb. In der Verhaltensbiologie und in der Psychoanalyse ein von inneren Faktoren gesteuer- ter Antrieb, der auf die Befriedigung starker, oft lebensnotwendiger Bedürfnisse gerichtet ist. Hull spricht in diesem Zusammenhang von dem „motivierenden Aspekt eines Bedürfnisses“; es ist dasjenige Element eines Bedürfnisses, das uns zum Verhalten drängt oder „treibt“.
- Überich. In Freuds Persönlichkeitsmodell dasjenige Element, das Wertvorstellungen und so- ziale Normen der Person umfasst und die sogenannte moralische Instanz bildet. Das Überich, auch als das Gewissen einer Person bezeichnet, entsteht aufgrund des → Ödipuskomplexes.
- Valenz. In Lewins Feldtheorie der (positive oder negative) Wert eines wahrgenommenen Ob- jekts für eine Person und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Valenz ist abhängig von den Bedürfnissen der Person wie auch von Merkmalen des zugehörigen Objekts, für das die Va- lenz besteht.
- Verantwortlichkeit im Kontext der attributionalen Theorien der Motivation). Merkmal, das einer Person in Bezug auf Handlungen oder deren Effekte zugeschrieben werden kann. Ver- antwortlichkeit ist gegeben, wenn: (1) persönliche Kausalität vorliegt (die Person, nicht die Situation, bringt einen Effekt hervor), (2) die Ursache des Effektes für die Person kontrollier- bar ist und (3) mildernde Umstände ausgeschlossen werden können (siehe 8.2.2).
- Verstärkung. Prozess, der dazu führt, dass ein spontan gezeigtes Verhalten häufiger auftritt. Als Verstärker werden jene Verhaltenskonsequenzen bezeichnet, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Verhalten wiederholt gezeigt wird.
- Wahrnehmungsabwehr. Freud zufolge eine der Funktionen des → Ichs. Unerwünschte Trie- bimpulse oder traumatische Erinnerungen werden vom Ich so manipuliert, dass die seelische Verfassung keinen Schaden nimmt (z. B. Verdrängung, Rationalisierung und Isolierung).
- Wertmarkensysteme auch Token-Systeme). Belohnungssysteme (→ Verstärkung). Für das erwünschte Verhalten erhält der Betreffende eine Wertmarke, die er später eintauschen kann gegen etwas (oder gegen eine Auswahl verschiedener Dinge), das er sich wünscht und anders nicht erhalten kann.
- Willenspsychologie Teilgebiet der Motivationspsychologie, das auf Narziss Ach zurückgeht. Es beschäftigt sich mit der Umsetzung einmal getroffener Entscheidungen, also mit der Frage, ob und wie wir einen Entschluss in die Tat umsetzen. Drei Fragen werden in diesem Zusam- menhang untersucht: Wann kommt es zur Initiierung einer Handlung? Wann wird eine Hand- lung beendet oder abgebrochen? Wie werden etwaige Handlungshindernisse überwunden?
- Yerkes-Dodson-Gesetz. Es beschreibt den Zusammenhang zwischen individueller Leistungs- fähigkeit und Motivation eines Individuums und der Aufgabenschwierigkeit. Zwischen Leis- tung und Aufgabenschwierigkeit besteht ein umgekehrt U-förmiger Zusammenhang: Bei sehr leichten Aufgaben bleibt eine Person (oder auch: ein Versuchstier) hinter den eigenen Mög- lichkeiten zurück – sie leistet weniger, als sie könnte. Bei (subjektiv) mittelschweren Aufga- ben haben Leistung und Anstrengung ideale Ausprägungen; bei zu schwierigen Aufgaben fallen Motivation und Leistung wieder ab.
- Zeigarnik-Effekt. Ein von Bluma Zeigarnik (1900–1988; Schülerin von Kurt Lewin) in den 1920er-Jahren beschriebenes Gedächtnisphänomen, dem zufolge unerledigte Aufgaben besser erinnert werden als erledigte Aufgaben.