131

Psychologie (Subject) / Forschungsmethodik I (Lesson)

Vorbereitung auf Klausur

This lesson was created by clara02.

Learn lesson

This lesson is not released for learning.

Advertisement
  • 001 001 Psychologie "Seelenkunde": Lehre vom Erleben und Verhalten
  • 001 002 Pseudoempirie Spekulative Folgerungen: Interpretation von Ergebnissen auf Grund von mehrfachen Annahmen Zirkuläre Folgerungen: Interpretation von Ergebnissen, die in den Annahmen versteckt waren Selbstbestätigende Folgerungen: Interpretation von Ergebnissen unter Vernachlässigung alternativer Annahmen
  • 001 003 Ziele der Psychologie als Wissenschaft - Systematisierung und Objektivierung von Beobachtungen- Verbesserung der Vorhersage- Verbesserung von Austausch und Interaktion
  • 001 004 Vorgehensweisen der Psychologie als Wissenschaft Beschreiben: Merkmale klassifizieren, benennen, Zusammenhänge erfassen Erklären: herausfinden, welches Merkmal ein anderes kausal verursacht.  Vorhersagen: zukünftiges Handeln, Erleben oder Verhalten zu prognostizieren Verändern: psychische Merkmale gezielt beeinflussen
  • 001 005 Alltagspsychologie Alltagspsychologie besteht aus Faustregeln (Heuristiken) und auch oft aus falschen oder längst überholten wissenschaftlichen Theorien Oft Vorurteile, Stereotypen, unzulässige Vereinfachungen Alltagspsychologie wird nicht mit wissenschaftlichen Methoden überprüft (ob sie zutrifft oder nicht) - Auch wenn mein Handeln auf einer falschen Voraussage beruht, kann die erwartete Konsequenz trotzdem eintreten (Daumen drücken) - Alltagspsychologische Annahmen beeinflussen, auch wenn sie falsch sind, unser Handeln – und führen gerade dadurch das erwartete Ergebnis herbei (Mädchen mögen keine Technik) - Unzutreffende alltagspsychologische Annahmen werden oft nicht erkannt, weil unsere Wahrnehmung entsprechend verzerrt ist (Stier -> stur) - Alltagspsychologisches Wissen wird oft deswegen nicht als unwahr erkannt, weil es lediglich nachträglich zu Erklärungen herangezogen wird (Erfolg, weil Akademikerkind)
  • 002 001 Gute wissenschaftliche Praxis Lege artis (vorschriftsmäßig) arbeiten Einhaltung ethischer Standards bei der Durchführung von Erhebungen Sicherung und Aufbewahrung von Primärdaten Dokumentation der Resultate Konsequentes Anzweifeln der eigenen Ergebniss Zusammenarbeit in Arbeitsgruppen (gegenseitige Kontrolle, Verantwortung) Strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die Beiträge von Partnern, Konkurrenten und Vorgängern Wissenschaftliche Veröffentlichungen als Medium der Rechenschaft von Wissenschaftlern über ihre Arbeit Achtung fremden geistigen Eigentums Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses
  • 002 002 Wissenschaftliches Fehlverhalten Falschangaben durch Erfinden/Verfälschung von Daten und Quellen (z.B. Unterdrücken relevanter Quellen, Zurückweisung unterwünschter Ergebnisse, unrichtige Angaben) Verletzung geistigen Eigentums in Bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberrechtliches Werk (z.B. Plagiat, Ideendiebstahl, Anmaßung Autorenschaft, unbefugte Veröffentlichung, willkürliche Verzögerung der Publikation) Beeinträchtigungen der Forschungstätigkeit anderer durch Sabotage von Forschungstätigkeit anderer (z.B. Zerstören von Unterlagen, Verstellen/Entwenden von Datensätzen, Unbrauchbarmachung relevanter Informationsträger, unerlaubte Weitergabe von Material)
  • 002 003 Publikation Ergebnisse psychologischer Forschung sind der Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen (korrekte, vollständige und eindeutige Darstellung, um Fehlinterpretation zu verhindern) Gemeinsamen Publikationen: alle Mitautor*innen aufführen, keine «Ehrenautorenschaft», Reihenfolge sollte ihrem Leistungsbeitrag (unabhängig von ihrem akademischen Status) gerecht werden Nachträglich Fehler entdecken: verpflichtet, sinnvolle Schritte zu deren öffentlicher Korrektur (Erratum) zu ergreifen
  • 002 004 Autorschaft Nennung als Autor erfordert: Initiative zur Inangriffnahme einer wissenschaftlichen Arbeit Substantiellem Beitrag zu Konzeption und Studiendesign Erhebung, Verarbeitung, Interpretation und Formalisierung der Daten, wenn dies über die routinemäßige Anwendung wohlbekannter und etablierter Methoden hinausgeht Konzeption und/oder kritische Revision des Manuskriptes Freigabe der endgültigen Version des Manuskriptes vor Einsendung zur Publikation Anleitung und Überwachung jüngerer akademischer/nicht akademischer Mitarbeiter bei der Erstellung der Daten
  • 002 005 Verantwortung Verfahren verwerfen, welche sich zum Nachteil der Versuchspersonen auswirken -> Würde und Integrität der teilnehmenden Personen dürfen nicht verletzt werden Fortwährende Überprüfung und Erneuerung der verwendeten Methoden Keine Methoden verwenden, zu denen sie nicht über die entsprechende Kompetenz verfügen Nicht fachfremden/unterqualifizierten Personen die Verantwortung für die Wahl und die Anwendung der einzusetzenden Methoden übertragen
  • Advertisement
  • 002 006 Information und Einverständnis Teilnahme an psychologischen Versuchen erfolgt freiwillig Übermäßige/unangemessene Belohnungen für Versuchsteilnahme, welche die Freiwilligkeit in Frage stellen könnten, sind zu unterlassen Psychologische Forscher*innen informieren Versuchspersonen in verständlicher Weise über 1) den Zweck des Projekts, die erwartete Dauer und die Verfahren 2) ihr Recht, die Teilnahme abzulehnen oder zu beenden 3) die absehbaren Folgen einer Nichtteilnahme oder Beendigung 4) absehbare Einflussfaktoren auf die Teilnahmebereitschaft wie Risiken und Unannehmlichkeiten 5) den voraussichtlichen Nutzen der Forschung 6) die Grenzen der Vertraulichkeit und Anonymität 7) Anreize und Belohnung der Teilnahme 8) die Auskunftsperson über das Forschungsprojekt und die Rechte der Versuchspersonen Einverständnis ist einzuholen, bevor deren Stimme oder Bild aufgenommen Von diesem Einverständnis kann abgesehen werden, wenn 1) eine persönliche Identifizierung ausgeschlossen werden kann oder das Forschungsdesign eine Täuschung erfordert und 2) das Einverständnis nachträglich im Rahmen des Debriefings eingeholt wird Versuchspersonen, die eine Teilnahme verweigern oder diese vorzeitig beenden, dürfen keine negativen Auswirkungen entstehen
  • 002 007 Täuschung Täuschung der Versuchspersonen nur zulässig, wenn sie durch den zu erwartenden wissenschaftlichen Nutzen gerechtfertigt ist und der Forschungszweck keine alternativen Vorgehensweisen ohne Täuschung ermöglicht Verfahren mit Täuschung werden nicht eingesetzt, wenn die Forschungsintervention physischen Schmerz oder eine schwere emotionale Belastung erwarten lässt Eine erfolgte Täuschung wird der Versuchsperson so bald als möglich, spätestens aber bei Abschluss der Datenerhebungsphase, erklärt und begründet Versuchspersonen haben das Recht, ihre Daten zurückzuziehen
  • 003 001 Parapsychologie Parapsychisch = aus dem normalen Verlauf des Seelenlebens heraustretende Erscheinungen Telepathie – Übertragung von Gedanken Hellsehen – Wissen über Geschehnisse an entfernten Orten Präkognition – Wissen über zukünftige Ereignisse Psychokinese – Beeinflussung physikalischer Prozesse
  • 003 002 Geschichte der Parapsychologie 1911: Laborforschungen zur außersinnlichen Wahrnehmung und Psychokinese an der Stanford-Universität 1930: Parapsychologische Forschung an der Duke- Universität in Durham 1957: Gründung der Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie Heute: meisten parapsychologischen Forschungseinrichtungen geschlossen
  • 003 003 Telepathie Ganzfeld-Experiment: Eine Person (der „Empfänger“) soll in einer Auswahlprozedur erraten, welcher von vier möglichen Stimuli (Bilder, Videos) der anderen Person (dem „Sender“) gerade gezeigt wird
  • 003 004 Hellsehen Fernwahrnehmung (remote viewing): Information über entferntes Objekt/entfernten Ort soll erlangt werden Dazu soll entweder ein zufällig ausgewählter, der Versuchsperson unbekannter Ort möglichst detailliert beschreiben werden, ein Versuchsleiter überprüft in Nachhinein die Angaben. Eine andere Möglichkeit ist die Beschreibung von vorher arrangierten Gegebenheiten (z.B. die Anordnung von Objekten in einem Raum) Forschungen beim US- amerikanischen und sowjetischen Militär während des kalten Krieges
  • 003 005 Präkognition Versuchsperson werden in zufälliger Reihenfolge und in unregelmäßigem Abstand neutrale und erregende Bilder gezeigt Präkognition, wenn ein Anstieg von Erregung beobachtet werden kann, bevor der erregende Reiz präsentiert wird bzw. wenn die Versuchsperson das Erscheinen eines erregenden Bildes vorhersagt, bevor es von einem Zufallsgenerator tatsächlich ausgewählt wurde Auch: Vorahnungen später eintretender Ereignisse (oft in der Rückschau angegeben!) Platz-Experimente
  • 003 006 Psychogenese Bewegung von Gegenständen durch rein geistige Mechanismen Vielzahl von Einzelfallberichten und einzelne Studien, Effekte lassen sich nicht replizieren
  • 003 007 Kritik an Parapsychologie Mangelnde Einhaltung von Gütekriterien Schlechte Qualität der Forschung (methodische/statistische Artefakte) Mangelnde Reproduzierbarkeit der Ergebnisse Unzureichende Kontrollbedingungen (Randomiosierung, ...) Einseitige Interpretation der Befunde (Voreingenommenheit der Versuchsleiter) Einseitiger Bericht positiver Befunde (selection bias/publication bias) Weitgehend fehlende Theorien und Modelle (stattdessen Zirkelschlüsse) Anfälligkeit für Betrug (Manipulation durch Versuchspersonen, Fälschung von Daten durch Versuchsleiter) Anfälligkeit für Suggestionseffekte Parapsychologie als Wissenschaft nicht anerkannt!
  • 004 001 Theorien Zweck: Informationen zu ordnenWerkzeuge, um die Welt zu verstehen/deutenProbleme definierenMöglichkeiten für Handeln zu erkennen/entwerfenRadius des Mach- und Denkbaren, des Sag- und Wissbaren erweitern Theorie beeinflusst die Wahl des Untersuchungsgegenstandes und die Interpretation der Ergebnisse
  • 004 002 Hypothesen H1 (Alternativhypothese, inhaltliche Hypothese, Arbeitshypothese, ...) Abgeleitet aus einer innovativen Theorie,  z.B. Widerspruch zu herkömmlichen Theorien,  kontraintuitiv (im Widerspruch zu intuitiven Theorien) oder Erklärung neuer Sachverhalte, Ergänzungen, ... H0 (Nullhypothese) Keine Gegentheorie, sondern lediglich Verneinung von H1 Ergebnis der Hypothesenprüfung p (Ergebnis | H0) > 0.05: nicht signifikant (n. s.) p (Ergebnis | H0) < 0.05: signifikant (*)p (Ergebnis | H0) < 0.01: hochsignifikant (**)p (Ergebnis | H0) < 0.001: höchstsignifikant (***) Fehler Fehler 1. Art: Alpha-Fehler, H0 in Wirklichkeit richtig Fehler 2. Art: Beta-Fehler, H1 in Wirklichkeit richtig
  • 004 003 Zielscheibenfehler Bezeichnet Denkfehler, aus einer Häufung von Ereignissen auf einen kausalen Zusammenhang zu schließen Kausalität kann nur gezeigt werden, wenn die Hypothesen vor dem Experiment formuliert und dann getestet werden Texas Sharpshooter Fallacy: Name bezieht sich auf einen Texaner, der seine Waffe zufällig auf ein Scheunentor abfeuert und dann um die größte Trefferhäufung eine Zielscheibe malt
  • 004 004 Induktion vs. Deduktion Deduktion: wahrheitskonservierender Schluss Axiom -> Einzelaussage (alle Schwäne sind weiß, dieses Tier ist ein Schwan -> dieses Tier ist weiß) Induktion: wahrheitserweiternder Schluss Einzelaussage -> allgemeine Aussage (dieser Schwan ist weiß, jeder Schwan ist weiß -> alle Schwäne sind weiß)
  • 004 005 Wissenschaftssystematik Rationale Wissenschaften (Mathematik, Philosophie) vs. Erfahrungswissenschaften (empirische Wissenschaften) Nomothetische Wissenschaften (Naturwissenschaften) vs. Ideographische Wissenschaften (Geisteswissenschaften Nomothetisch: Ziel sind allgemeingültige Gesetze, Methoden sind experimentell, oft reduktionistisch, erhobenen Daten quantitativ, Theorien abstrahieren von den Phänomenen Idiographisch: Ziel umfassende Analyse konkreter, zeitlich und räumlich einzigartiger Gegenstände Psychologie Steht zwischen beiden Ansätzen, da quantitative und qualitative inter- und intraindividuelle Unterschiede erforscht werden, um objektive Gesetze zu finden, die auf Individuen angewendet werden können Psychologie "untersucht geisteswissenschaftliche Inhalte mit naturwissenschaftlichen Methoden"
  • 004 006 Kausalität Sowohl beim nomothetischen als auch beim ideographischen Vorgehen geht es um das Nachvollziehen von Kausalbeziehungen (nomothetisch: „erklären“; ideographisch: „verstehen“) Um eine Kausalbeziehung annehmen zu können, muss eine angenommene Ursache einer möglichen Wirkung (zeitlich) vorausgehen Um eine Kausalbeziehung annehmen zu können, müssen die betrachteten Sachverhalte in einem logischen Verhältnis zueinander stehen
  • 004 007 Logik Die klassische/traditionelle Logik (nach Aristoteles) verwendet logische Schlüsse (Syllogismen) Jeweils zwei Prämissen (Obersatz und Untersatz) führen zu einer Konklusion (Schlussfolgerung). Beispiel Obersatz/Prämisse 1: Alle Menschen sind sterblich. Untersatz/Prämisse 2: Alle Griechen sind Menschen. Konklusion: Alle Griechen sind sterblich. Modus ponens Prämisse 1: A -> B, Prämisse 2: A, Conclusio: B Wenn x, dann y. X, also y. Modus tollens Prämisse 1: A -> B, Prämisse 2: ¬B, Conclusio: ¬A Wenn x, dann y. Y nicht, also x nicht.
  • 004 009 Notwendige und hinreichende Bedingungen These von David Hume: es gibt auf der Welt keine notwendigen kausalen Verbindungen, weil lediglich räumlich benachbarte Ereignisse in zeitlicher Abfolge beobachtet werden können, Schlussfolgerungen über zukünftige Annahmen nie gesichert, bloß wahrscheinlich Notwendige Bedingungen: müssen als Ursache zwingend wahr (erfüllt) sein, damit eine Wirkung eintreten kann (conditio sine qua non, ohne sie geht es nicht) Hinreichende Bedingungen: sorgen zwangsläufig für das Eintreten des bedingten Ereignisses, wenn die Bedingung nicht zugleich notwendig ist, dann gibt es aber auch andere hinreichende Bedingungen, die ebenfalls zum Eintreten des Ereignisses führen
  • 004 008 INUS-Bedingung Für komplexere, multikausale Beziehungen INUS steht für „Insufficient, but Necessary part of an Unnecessary but Sufficient condition“ „nicht hinreichender, aber notwendiger Teil einer nicht notwendigen, aber hinreichenden Bedingung Als Beispiel führt Mackie einen Hausbrand an, der durch einen elektrischen Kurzschluss verursacht, aber insgesamt erst durch das Zusammenspiel von Kurzschluss und benachbartem brennbaren Material bedingt wird Kurzschluss -> notwendig, nicht hinreichend Kurzschluss und brennbares Material -> hinreichend, nicht notwendig
  • 004 010 Begriffe Ontologie: Lehre des SeinsWas existiert? Was kann erforscht werden? Epistemologie: Lehre des WissensWas können wir wissen? Wie können wir Wissen erlangen? Methodologie: Lehre von den MethodenMit welchen Mitteln und Methoden kann systematisch Wissen gewonnen werden?
  • 004 011 Positivismus Die Welt existiert unabhängig von unserer Kenntnis über sie Geht von der Möglichkeit eines direkten Zugriffs auf „Wirklichkeit“ aus, die entlang von Regelmäßigkeiten und kausalen Zusammenhängen organisiert ist Beobachtung, Messung, Experiment – lässt nur gelten, was empirisch belegbar ist Kausale Zusammenhänge feststellen Empirische Fragestellung (was ist) trennen von normativen (was soll sein) –Wertfreiheit, Objektivität Forscher = getrennt vom Gegenstand, objektiv quantitative Methoden Kritik Glaube an kausal konstruierte Welt Wissenschaft als neutrale Technik Objektivität/Irrelevanz des erkennenden Subjekts Ahistorisches Verständnis von Wissen und Erkenntnis Zentralität quantitativer Methoden
  • Advertisement
  • 004 012 Hermeneutik Der Beobachter versteht soziale Handlungen/Akteure durch Empathie Dem Verstehen liegen immer Prämissen zu Grunde Kunst der Interpretation (von Texten, von Handlungen) Prämissen prägen den Zugang zum Gegenstand und die Interpretation Soziale Strukturen existieren nicht unabhängig von unserer Interpretation
  • 004 013 Konstruktivismus Es gibt keine unmittelbare Erkenntnis „Wirklichkeit“ wird nicht abgebildet, sondern erzeugt Soziale Strukturen existieren nicht unabhängig von unserer Interpretation radikaler Konstruktivismus: jedes Bild, das wir uns von der Welt machen, ist eine Konstruktion Abschied von der Objektivität
  • 004 014 Kritischer Rationalismus Karl Reimund Popper: „Unser Wissen ist ein kritisches Raten, ein Netz von Hypothesen, ein Gewebe von Vermutungen.“ Imre Lakatos:  Theorien müssen nicht ganz aufgegeben werden, wenn sie falsifiziert worden sind Beobachtungen existieren nicht unabhängig von Theorien, keine "reine Beobachtung" Neue Theorie sollte stets einen epistemologischen und empirischen Gehaltsüberschuss gegenüber alten Theorie haben („progressive Problemverschiebung“) Harter Kern = Grundannahme der Theorie, Schutzgürtel von Hilfshypothesen (z.B. Zusatzannahmen) um den harten Kern Negative Heuristik: Unantastbarkeit des harten Kerns, Vermeidung von Ad-hoc-Modifikationen, es existiert hier keine degenerative Problemverschiebung Positive Heuristik: Grobe Richtlinien, wie das Forschungsprogramm entwickelt werden könnte, es existiert eine progressive Problemverschiebung (= Erklärung neuer Phänomene durch Änderung der Annahmen)
  • 005 001 Anspruch der Psychologie Gegenstand der Psychologie ist thematisch sehr breit gefächert, die Fragestellungen sind variabel und komplex Bedarf einer breiten Palette an Methoden, auch deshalb, da Erleben, Verhalten und Handeln oft nicht direkt beobachtbar sind und mit methodischer Hilfe erschlossen werden müssen (Beispiel: die Merkmale Intelligenz) Wissenschaftliche Anspruch der Psychologie: menschliches Erleben und Verhalten zu beschreiben, zu erklären, vorherzusagen und zu verändern Beschreiben: Merkmale zu klassifizieren, benennen, definieren und auch Zusammenhänge zu erfassen Erklären: kausale Zusammenhänge erkennen (beschreiben und erklären bedürfen unterschiedlicher Methoden) Vorhersagen: zukünftiges Erleben oder Verhalten prognostizieren Verändern: psychische Merkmale diagnostizieren und gezielt beeinflussen
  • 005 002 Empirische Wissenschaft Empirische Wissenschaft ist daran interessiert, Hypothesen und Theorien zu den Fragen zu entwerfen, mit denen man sich gerade beschäftigt Diese Hypothesen und Theorien werden mit der Realität konfrontiert: man vergleicht die gedankliche Antwort auf die Frage mit den in der Realität vorfindbaren Sachverhalten
  • 005 003 Systematik psychologischer Methoden Ziel: zuverlässige und gültige Untersuchungsergebnisse zu erzielen, somit eindeutige und gesicherte Antworten auf Forschungsfragen zu geben  Psychologische Methoden: Vorgehensweisen, mit deren Hilfe Antworten auf Fragen aus dem Gegenstandsbereich der Psychologie gewonnen werden Induktives vs. deduktives Vorgehen und quantitatives vs. qualitatives Vorgehen Induktion: die Methode des Schlussfolgerns von Einzelfällen auf das Allgemeine und Gesetzmäßige Deduktion: Ableitung des Besonderen und Einzelnen aus dem Allgemeinen (aus Regeln, Gesetzmäßigkeiten, Modellen, Theorien)
  • 005 004 Quantitativer Ansatz vs. qualitativer Ansatz Je nach Art der Fragestellung quantitative oder qualitative Methoden Quantitativer Ansatz Objetiv messende, standardisierte Verfahren Merkmale/Zusammenhänge exakt gemessen, meist an großer Gruppe = Numerische Darstellung empirischer Sachverhalte Forschungsansatz: Laborexperiment, Quasiexperiment, Korrelationsstudie, Metaanalyse Erhebungsmethoden: beobachten, zählen, urteilen, testen Analyse-Methoden: beschreibende/schlussfolgernde Methoden Qualitativer Ansatz Sinnverstehende, unstandardisierte Verfahren Fokus auf intensiver Untersuchung weniger/einzelner Fälle = Sinnverstehende, interpretative wissenschaftliche Verfahrungsweise Forschungsansatz: deskreptive Feldforschung, Handlungsforschung, biografische Methode, gegenstandsbezogene Theoriebildung Erhebungsmethoden: Interview, Gruppendiskussion, teilnehmendes Beobachten, Strukur-Lege-Verfahren Analyse-Methoden: Inhaltsanalyse, Hermeneutik, Semiotik, Diskursanalyse
  • 005 005 Historischer Hintergrund psychologischer Methoden Geburtsstunde der wissenschaftlichen Psychologie: Gründung des ersten Instituts für experimentelle Psychologie, 1879 in Leipzig durch Wilhelm Wundt  -> Quantitative Methoden entwickelten sich im Verlauf der folgenden 100 Jahre aus damaligen ersten methodischen Ansätzen Andere Strömung (Grundlage für die Geisteswissenschaftliche Psychologie) geht auf Wilhelm Dilthey (1833–1911) zurück, Begründer der Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften, einer der Hauptvertreter der hermeneutischen Wissenschaften -> Entwicklung der qualitativen Methoden
  • 005 006 Quantitative Gütekriterien: Objektivität Unabhängigkeit der Resultate von Versuchssituation und Versuchsleitern (verschiedene Forscher müssen unter den gleichen Versuchsbedingungen zu den gleichen Ergebnissen gelangen) Mittel: Standardisierung von Durchführung, Auswertung und Interpretation  Voraussetzung für weitere Gütekriterien (Reliabilität und Validität)
  • 005 007 Quantitative Gütekriterien: Reliabilität Zuverlässigkeit und Beständigkeit einer Untersuchung (bei relativ gleich bleibenden Verhalten werden gleiche/ähnliche Ergebnisse geliefert) Test-Retest-Reliabilität ("Stabilität"): Ausmaß der Übereinstimmung bei einer wiederholten Anwendung der Methoden bei der gleichen Stichprobe (Messwiederholung) Interrater-Reliabilität: Höhe der Übereinstimmungen der Einschätzungsergebnisse unterschiedlicher Beobachter (hoch, wenn verschiedene Beobachter bei den gleichen Testpersonen zu gleichen/ähnlichen Einschätzungen (Ratings) kommen) Voraussetzung für Validität
  • 005 008 Quantitative Gütekriterien: Validität Valide = gültig Setzt Objektivitat und Reliabilität voraus (eine Untersuchung, die nicht objektiv und reliabel ist, kann auch nicht valide sein) Beurteilt quantitative Untersuchung danach, ob sie gemessen hat, was messen wollte (zum Beispiel, ob Intelligenztest wirklich Intelligenz und nicht Frustationstoleranz misst)
  • 005 009 Qualitative Forschungsmethoden: Gütekriterien Verfahrensdokumentation: Planung, Durchführung und Auswertung einer Untersuchung müssen genau dokumentiert werden Argumentative Interpretationsabsicherung: Interpretationen sind argumentativ zu begründen Regelgeleitetheit: Offenheit gegenüber dem Untersuchungsgegenstand darf nicht ein völlig unsystematisches Vorgehen resultieren Nähe zum Gegenstand: wird vor allem dadurch erreicht, dass man möglichst nahe an der Alltagswelt der beforschten Subjekte anknüpft Kommunikative Validierung: Gültigkeit der Untersuchung kann man auch dadurch überprüfen,indem man Ergebnisse den beforschten Personen nochmals vorlegt und mit ihnen diskutiert, stimmen sie mit Befunden überein, kann das wichtiges Argument zur Absicherung der Ergebnisse sein Triangulation: man versucht, für Fragestellung unterschiedliche Lösungswege zu entwerfen und Ergebnisse zu vergleichen, verschiedenen Perspektiven können miteinander verglichen und schließlich zu einem kaleidoskopartigen Bild zusammengesetzt werden
  • 005 010 Ablauf des Forschungsprozesses Forschungsansatz/Forschungsdesign legt grundlegende Vorgehensweise zur Beantwortung der Fragestellung fest Datenerhebungsmethoden stellen jene Daten zur Verfügung, die Vergleich der Hypothese mit Realität ermöglichen Nach der Untersuchungsdurchführung werden erhobene Daten zum Zweck der Hypothesenentscheidung im Zuge der Datenanalyse verrechnet/verarbeitet
  • 005 011 Hypothesen Vorläufige, vermutete Antworten, die Forscher auf Fragen geben (Vermutungen solange, als wissenschaftlicher Nachweis noch aussteht) Merkmale wissenschaftliche Hypothesen Präzise und widerspruchsfreie Formulierung (lässt idealerweise bereits formale Merkmale erkennen) Prinzipielle Widerlegbarkeit: (in sich widersprüchliche Hypothesen sind nicht widerlegbar) Operationalisierbarkeit (Begriffe einer Hypothese müssen erfassbar und messbar sein) Begründbarkeit (Wenn Forschungsstand es erlaubt muss Hypothese gut begründet sein) Verallgemeinerbarkeit (Übertragbarkeit auf andere Sachverhalte)
  • 005 012 Variablen Variabeln = veränderliche Beobachtungsgrößen Versuch der optimalen Operationalisierung einer Variabel -> Streben nach einer validen Operationalisierung Variable ist valide operationalisiert, wenn Bedeutungskern getroffen und ihr semantischer Gehalt möglichst wenig reduziert ist Es ist aber auch darauf zu achten, dass gewählte Form der Operationalisierung auch reliabel ist (im Wiederholungsfall vergleichbare Ergebnisse erbringt)
  • 006 001 Besonderheit psychologischer Erhebungen Zentrales Ziel: Erhellung der „Black Box “ ( = nicht direkt beobachtbaren psychischen Innenlebens) Selbstauskünfte nur dann reliable und valide Datenquellen, wenn untersuchten Personen Zugang zu relevanten psychischen Prozessen haben und über diese Prozesse ohne Verzerrung selbst Auskunft geben können
  • 006 002 Reaktivität Veränderung/Verzerrung der erhobenen Daten alleine aufgrund der Kenntnis der untersuchten Personen darüber, dass sie Gegenstand einer Untersuchung sind Maßnahmen (Beispiele) Untersuchte in Unkenntnis über Untersuchung lassen (nicht in Laborstudien, kann ethnisch problematisch sein) Untersuchten Anonymität zusichern
  • 006 003 Wissenschaftliche Beobachtung Systematische und regelgeleitete Registrierung des Auftretens/der Ausprägung von ausgewählten, psychologisch relevanten Merkmalen/Ereignissen. Beobachtungsplan Legt fest: was beobachtet werden soll welche Aspekte weniger oder nicht relevant sind welchen Interpretationsspielraum der Beobachtende bei der Beobachtung hat wann, wie lange und wo die Beobachtung erfolgt auf welche Weise das Beobachtete registriert/protokolliert wird
  • 006 004 Stichproben Zeitstichprobe: Beobachtungen in festen Intervallen aufgezeichnet Ereignisstichprobe: Auftreten, die Auftretensdauer/-häufigkeit von definierten Ereignissen aufgezeichnet
  • 006 005 Messen Häufigkeit beobachteter Ereignisse wird durch Zählen bestimmt Messen erlaubt feinere Erfassung von Merkmalsausprägungen (wie stark ein Merkmal vorliegt) Messen = Zuordnung von Zahlen zu Objekten/Ereignissen bezüglich Ausprägung eines Merkmals/einer Eigenschaft, so dass Relationen zwischen Zahlen Relationen zwischen den Objekten/Ereignissen homomorph abbilden Homomorph = Objekte/Ereignisse und Zahlen stehen im korrekten Verhältnis zueinander Diskretes Merkmal: Merkmal, das nur Erfassung der Häufigkeit in ganzen Zahlen zulässt (z.B. Anzahl von Geschwistern) Stetiges/kontinuierliches Merkmal: Merkmal, das prinzipiell unendlich viele Ausprägungen annehmen kann und keine Erfassung der Häufigkeit in ganzen Zahlen zulässt (z.B. Körpergröße)