171

Psychologie (Subject) / Klinische Psychologie Basis II (Lesson)

Enhält die Zusammenfassung der Vorlesung Klinische Psychologie Basis II der Uni Greifswald.

This lesson was created by Askere.

Learn lesson

Advertisement
  • Verstärkerverlust - Modell der Depression nach Lewinsohn Wenig potentiell verstärkende Ereignisse, hinsichtlich Quantität (Häufigkeit und Intensität) und Qualität (Art und Funktion) + Geringe Verfügbarkeit von Verstärkern in der Umgebung (Trennung, Armut, soziale Isolation) + geringe instrumentelle Aktivität der Person (Geringe soziale Fertigkeiten) =Niedrige Rate positiver Verstärker --> Depression: Verbale und nonverbale Verhaltensäußerungen Somatische, emotionale und motivationale Symptome Interaktionale Auffälligkeiten --> Niedrige Rate positiver Verstärker usw.
  • Modell der erlernten Hilflosigkeit (Seligman) Unvorhersagbare und unkontrollierbare aversive Ereignisse --> Gefühl der Hilflosigkeit --> Depression: Passivität Kognitive Defizite Selbstwertverlust Trauer, Angst, Gefühlsleere, Feindseligkeit Aggression Biochemie
  • Modell der erlernten Hilflosigkeit; Attributsbezogene Umformulierung Unvorhersagbae und unkontrollierbare aversive Ereignisse  mit Ursachenzuschreibung: Global, Internal, Stabil --> Gefühl der Hilflosigkeit --> Depression: Passivität, Kognitive Defizite, Selbstwertverlust, Trauer, Angst, Gefühlsleere, Feindseligkeit, Aggression, Apathie, Resignation, Biochemie
  • Modell der Hoffnungslosigkeit (Abrahamson et al.) Kognitiver Stil: Lageorientierung durch Wiederholte Erfahrungen erworben mit Unvorhersagbaren und Unkontrollierbaren aversiven Ereignissen zusammen mit Global, INternal, Stabiler Ursachenzuschreibung führt zu: Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Misserfolgserwartung dies führt zu: Depression: Passivität, Kognitive Defizite, Selbstwertverlust, Trauer, Angst, Gefühlsleere, Feindseligkeit, Aggression, Apathie, Resignation, Biochemie
  • Becks kognitives Modell der Depression frühe Erfahrungen  --> Bildung dysfunktionaler Überzeugungen --> kritische(s) Erlebnis(se) --> Aktivierung der Überzeugungen --> negative automatische Gedanken im Teufelskreis zu: Symptome der Depression (Verhaltensbezogen, Motivational, affektiv, kognitiv, somatisch) --> negative automatische Gedanken
  • Kognitive Triade von Beck Negative Sicht von sich selbst:Der Patient sieht sich selbst als fehlerhaft, unzulänglich undwertlos. Unerfreuliche Erfahrungen werden seiner eigenenphysischen, intellektuellen oder moralischen Unvollkommenheitzugeschrieben. •  Negative Sicht von der Umwelt:Der Patient interpretiert seine Umwelterfahrungen alsNiederlagen, Verluste und Entbehrungen, er sieht die Umweltals feindlich an. •  Negative Sicht von der Zukunft:Der Patient interpretiert seine gegenwärtigen Leiden alsunbegrenzt fortdauernd.
  • Typische automatische Gedanken bei Depressiven Willkürliches Schlussfolgern: Jemand schautweg, ich denke, der mag mich nicht. •  Selektive Abstraktion: Ich verspreche mich beieinem Vortrag, ich denke, ich habe versagt. •  Übergeneralisierung: Einer ist in der Vorlesungunkonzentriert, ich denke, alle lehnen mich ab. •  Maximierung/Minimierung: NegativeVorkommnisse überschätze ich, positive unterschätzeich •  Personalisierung: Bei Missgeschicken fühle ichmich verantwortlich. Wenn mein Kind sich verletzthabe ich nicht genug aufgepasst
  • Langzeitwirkung von Sozialer Demütung (bei Tupajas) (Serotonin und Cortisol) Serotonin bei Sieger nach 10 Tagen erhöht Cortisol bei Passivem Verlierer nach 10 Tagen erhöht
  • Wirkung von Kortisol Zunächst Positiv:•  Metabolische Wirkung: Anhebung des Glukosespiegels im Blutdurch Glykogenabbau in der Leber und durch Abbau vonProteinen aus dem Muskelgewebe. Außerdem Abbau vonFettgewebe, d.h.•  Stress macht schlank.•  Außerdem: Stress unterdrückt das Immunsystem.
  • Effekt von Langzeitstress auf den Hippocampus Durch die Zerstörung der Hippocampusneurone wird die Gedächtniskonsolidierung beeinträchtigt. Bei Depressiven sind Stressreaktionen stärker als bei normalen Personen
  • Advertisement
  • Interaktion Gene Umwelt - Depression, Serotonin Der Serotonin Transporter (5-HTT) ist einProtein, welches Serotonin aus demExtrazellulärraum in die Zelle transportiert.Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmerwirken auf dieses Protein.•  Dieses Protein (5-HTT) wird durch das Gen(SCL6A4) kodiert, welches auf dem 17.Chromosom liegt.•  Beim Menschen gibt es in der regulatorischenUntereinheit dieses Gens eine interessanteVariante, bei der 44 Basenpaare fehlen, manspricht hier vom sog. Short Allel (s)
  • Behandlung von Stimmungsstörungen 1. Pharmakologische Behandlung Carbamazepin und Lithium hilfreich
  • VBehandlung von von Stimmungsstörungen 2. Psychotherapeutische Behandlung Plausibles Modell für die Therapie Abwärts gerichtete Depressionsspirale: 1. Sie fühlen sich niedergeschlagen und haben kein Interesse, etwas zu unternehmen. 2. Sie haben im Alltag und im Beruf keine positiven Erlebnisse. 3. Ihre Stimmung wird schlechter. Sie tun nur noch, was unbedingt getan werden muss. 4.  Es gibt nichts mehr was Ihnen Freude macht 5. Ihre Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Alles ist Ihnen zu viel. Bei depressiv veranlagten Menschen entsteht eine abwärts gerichtete Depressionsspirale, weil positive Verstärkungen fehlen. Aufwärts gerichtete Depressionsspirale: 1. Ihre Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, alles ist Ihnen zu viel. 2. Sie raffen sich auf machen etwas, was Sie sich schon lange vorgenommen haben. 3. Sie freuen sich über Ihren Erfolg. Ihre Stimmung wird besser. 4. Außer Ihren Pflichten unternehmen Sie heute noch etwas, das Ihnen Freude macht. 5. Ihre Stimmung steigt weiter, Sie planen weitere Unternehmungen, die Ihnen Spaß machen. Wenn es gelingt, den Patienten positiv zu verstärken, kann sich die Depressionsspirale umkehren.
  • Training sozialer Kompetenz Frühere Trainingsprogramme haben den Schwerpunkt auf sog. AssertivesTraining gelegt:-  Selbstbehauptung-  Durchsetzungsfähigkeit (sein Recht bekommen).Diese Fokussierung auf den assertiven Aspekt der sozialen Kompetenz hat nichtimmer den gewünschten Effekt. Neuere Ansätze achten auch auf Vermittlung expressiver Fertigkeiten, wieGefühlsoffenheit, Gefühlsausdruck, Geschicklichkeit und Flexibilität.Wichtig ist dabei, den Zusammenhang zwischen der Bewertung der sozialenSituation, den emotionalen Reaktionen und den Konsequenzen im Verhaltenherauszuarbeiten. Kompetenz hat nicht immer den gewünschten Effekt.
  • Kognitive Umstrukturierung 1) Vermittlung des kognitiven Modells (A-B-C-Schema)Inhalt und Ziele:•  Gedanken haben einen Einfluß auf die erlebten Gefühle•  Gedanken beeinflussen Entscheidungen und das Gelingen vonVorhaben (2) Identifikation der dysfunktionalen KognitionenExploration...... der auslösenden Situation (A)... der belastenden Gefühle und Verhaltensweisen (C)... der konkreten Veränderungsziele (C')... der dysfunktionalen Kognitionen (B)in konkreten ProblemsituationenTechnik der "Gedanken-Protokollierung" (Spaltentechnik)1- Situation (A)2- Gefühle / Stimmungen (C)3- Automatische Gedanken / Bilder (B)4- Erfahrungen, die dafür sprechen, daß "B" zutrifft5- Erfahrungen, die dafür sprechen, daß "B" nicht zutrifft6- Neue Gedanken, die hilfreich und gleichzeitig realisierbar sind7- Stimmungsänderung / Verhaltensänderung (C')
  • Veränderung kognitiver Schemata durch die Methode des Sokratischen Dialogs Sammeln verschiedener Möglichkeiten:Wie machen das denn andere Leute? Welche Möglichkeiten könntenanderen Leuten einfallen?•  Abwägen von Alternativen:Was könnten Sie gewinnen, was könnten Sie verlieren?•  Alternative Erklärungen:Aus welchem Grund könnte X zu spät gekommen sein.Was würde passieren, wenn Sie die Prüfung nicht bestehen würden. Waswäre der nächste Schritt, was würde sich dadurch nicht verändern.Welche Aspekte spielen bei der Bewertung von Prüfungsleistungen eineRolle?Wann würden Sie denn jemand anderen als wertlos bewerten etc.
  • Realitätstest Ausgangshypothese der Patientin: Mein Sohn hat kein Interesse mehr daran mitmir ins Theater zu gehen.Hintergrundhypothese des Therapeuten: Sie denkt, er hätte kein Interesse, habeaber noch nie konkret den Versuch unternommen ihn zu fragen. Es ist offen,wie der Sohn auf diese Frage reagiert.Th: Wie hat er das letzte Mal reagiert, als Sie ihm vorgeschlagen haben, zusammenins Theater zur gehen?Pt: So konkret habe ich noch keinen Vorschlag gemacht.Th: Was würde Ihr Sohn tun, wenn Sie ihm den Vorschlag machen, und wennzuträfe, dass er generell kein Interesse hat?Pt: Er würde vielleicht sagen, er habe keine Zeit, oder er würde sagen, mir gefallendiese Stücke nicht, die Du immer vorschlägst.Th: Und was würde er sagen, wenn es doch nicht stimmt, dass er generell keinInteresse hat?Pt: Er würde auf den Vorschlag eingehen, aber vielleicht sagen, dass ihm dienächste Woche nicht passen würde oder lieber ein anderes Stück sehen würde. Th: Das sind mehrere Möglichkeiten. Könnten Sie sich vorstellen,ihn zu fragen, um herauszufinden, was eher zutrifft?Pt: Ja, aber ich glaube, dass ich mich vor seiner Antwort fürchte.Dann wüsste ich noch genauer, dass er daran kein Interessemehr hat.Th: Nur, wenn er die befürchtete Antwort gibt. Und dann könnteman weitergucken, wie er das sieht. Während Sie ohneAusprobieren gefühlsmäßig so reagieren, als habe er an Ihnenkein Interesse, gäbe es beim Ausprobieren noch weitereMöglichkeiten.Pt: Ich könnte es mal mit „Kleiner Horrorladen“ probieren, dakönnte ihm die Musik gefallen.
  • F4: Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen, welche Unterformen im ICD-10 bekannt? F40.- Phobische Störungen• F41.- Andere Angststörungen• F42.- Zwangsstörungen• F43.- Reaktionen auf schwere Belastungen undAnpassungsstörungen• F44.- Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)• F45.- Somatoforme Störungen• F48.- andere neurotische Störungen
  • Unterscheidung Furcht und Angst Furcht:Furcht ist immer „situationsgebunden“, d.h sie wird fastimmer und unmittelbar ausgelöst wenn die Situation auftrittund nimmt in ihrer Intensität zu, wenn sich das gefürchteteObjekt nähert. Sie nimmt unmittelbar ab, wenn die situativeBedrohung verschwindet. Angst:Angst wird ausgelöst, wenn eine potentielle Bedrohungauftreten könnte, aber selbst im Falle des Auftretens derZeitpunkt unklar ist. Angst betrifft also die Erwartungpotentieller negativer Ereignisse die auch nicht immer klarbenannt werden können (zentrale Befürchtungen).
  • Definition von Phobien Furcht:Furcht ist immer „situationsgebunden“, d.h sie wird fastimmer und unmittelbar ausgelöst wenn die Situation auftrittund nimmt in ihrer Intensität zu, wenn sich das gefürchteteObjekt nähert. Sie nimmt unmittelbar ab, wenn die situativeBedrohung verschwindet.Angst:Angst wird ausgelöst, wenn eine potentielle Bedrohungauftreten könnte, aber selbst im Falle des Auftretens derZeitpunkt unklar ist. Angst betrifft also die Erwartungpotentieller negativer Ereignisse die auch nicht immer klarbenannt werden können (zentrale Befürchtungen).
  • Diagnostische Kriterien von Spezifischen Phobien A. Ausgeprägte und anhaltende Furcht, die übertrieben undunbegründet ist und das Vorhandensein oder die Erwartungeines spezifischen Objekts oder Situation ausgelöst wird. B. Die Konfrontation mit dem phobischen Reiz löst fast immereine unmittelbare Furchtreaktion aus. C. Die Person erkennt, dass die Furcht übertrieben oderunbegründet ist. D. Die phobischen Situationen werden gemieden, bzw. unterstarker Furcht oder Unbehagen ertragen. E. Die Symptome beeinträchtigen die normale Funktionalität derPerson deutlich oder die Phobie erzeugt erhebliches Leid beider Person. F. Die Phobie hält mindestens sechs Monate an.
  • Phobienbeispiele Akrophobia Furcht vor:• Agoraphobia Furcht vor:• Arachnophobia Furcht vor:• Claustrophobia Furcht vor:• Cynophobia Furcht vor:• Equenophobia Furcht vor:• Herpetophobia Furcht vor:• Pyrophobia Furcht vor:• Xenophobia Furcht vor:• Zoophobia Furcht vor:Höhen (Gr.acro)Marktplätzen (Gr. agora)Spinnen (Gr. arachin)Engen Räumen (L.)Hunden (Gr. cynas)Pferden (L. equus)Reptilien (Gr. herpetos)Feuer (Gr. pyr)Fremden (Gr. xeros)Tieren (Gr. zoos)Meine Lieblingsphobie: ParaskevidekatriaphobieFurcht vor Freitag dem 13.1
  • Subtypen spezifischer Phobien Tiertypus Blutspritzenverletzungstypus Situativer Typus Umwelttypus Diese verschiedenen Phobie-Typen unterscheiden sich nicht nur durch die„Cues“ welche die Furcht auslösen sondern auch durch das Muster derFurchtreaktionen.
  • Besonderheit beim Blut-Spritzen-Verletzungsphobietypus Betroffene zeigen beim Anblick von Blut,Spritzen, etc. zunächst einen Anstieg derHerzrate, auf den dann ein drastischesAbfallen von Herzrate und Blutdruck folgt• Dieses Phänomen wird häufig von Übelkeit,Benommenheit u./o. Ohnmacht begleitet, wasbei anderen spezifischen Phobien nichtvorkommtspezifische Therapieimplikationen
  • Drei Wege zur Entwicklung einer Phobie 1. Direkte Aversive Lernerfahrungen 2. Beobachtungen von Modellen (Ergebnisse von Mineka); ansonsten Untersuchung der visuellen Klippe bei Einjährigen 3. Instruktionslernen (Propagande, Medien etc.)
  • Erkenntnisse aus der Dunedin-Studie Nicht diejenigen Menschen entwickeln Höhenangst, welcheschon mehrfach vom Klettergerüst gefallen sind, sonderndiejenigen, die nie auf einen Baum geklettert sind.Also:4. Fehlende Bewältigung kindlicher Furcht: Kinder müssenlernen ihre angeborene Scheu (z.B. vor Höhen, Wasser,Dunkelheit etc.) zu überwinden.
  • Wann ist welche Furcht besonders stark ausgeprägt? 1. Frühes Säuglingsalter (0-6 Monate):Laute Geräusche, starkesensorische Reize.2. Spätes Säuglingsalter (6-12 Monate):Trennung, Fremde.3. Kleinkindalter (2-4 Jahre):Dunkelheit, Phantasiegestalten,potentielle Einbrecher.4. Frühe Kindheit (5-7 Jahre): Natürliche Gefahren (Gewitter etc.),Tiere. 5. Mittlere Kindheit (8-11 Jahre): Schlechte odergeringe akademische oder sportliche Leistung,medizinische Maßnahmen.6. Adoleszenz (12-18 Jahre): Zurückweisung durchGleichaltrige. In dieser Zeit entstehen soziale Ängste,dazu später mehr.
  • Der Königsweg zur Behandlung von Phobien ist die Psychotherapie Am wirksamsten ist dabei eine ExpositionstherapieExposition = Die systematische Konfrontation mit der gefürchteten Situation.„Wenn es uns nicht gelingt, den Patientenin die gefürchtete Situation zu bringen,dann wirkt die Behandlung nicht.“Sigmund Freud (1856 – 1939)Zitat des Erfinders der Psychotherapi
  • Praktische Durchführung der Expositionsbehandlung Die Behandlung besteht immer aus drei Phasen:(1) Die kognitive Vorbereitung:- Was soll gemacht werden- Wie soll es gemacht werden- Warum soll es gemacht werden- Was hat der Patient davon(2) Die Durchführung der Übungen(auf was muss geachtet werden?)(3) Die Aufrechterhaltungsphase
  • 1. Die kognitive Vorbereitung Der häufigste Fehler: Wir fliehen auf dem Gipfel der FurchtWenn Sie nicht weglaufen werden Siefolgende überraschende Entdeckungenmachen:1. Die Furcht steigt irgendwann nichtmehr weiter an.2. Nach einer gewissen Zeit, nimmtdie Furcht sogar ab.3. Beim nächsten Kontakt mit derbedrohlichen Situation wird dieFurchtreaktion schwächer sein Schaffung einer vertrauensvollen, kooperativenBeziehung: Expositionsbehandlung ist immerTeamarbeit.• Der Patient befürchtet häufig eine Schocktherapie,daher ist es wichtig, dem Patienten das Vorgehen derExpostionsbehandlung genau zu erläutern, d.h. :• Jede einzelne Übung wird zuerst angekündigt, bevordie Übung beginnt.• Jede Übung wird zuerst vom Therapeutenvorgemacht.• Die Übung beginnt erst, wenn der Patient zugestimmthat, die Übung durchzuführen.• Es werden die Regeln der direkten Reizkonfrontationerklärt. 4
  • Advertisement
  • 2. Die Durchführung der Übung (Expositionstherapie) Regeln bei der Durchführung einer Exposition invivo• Der Patient stimmt zu, so lange in der Situation zu bleiben, bisdie Furcht nachlässt. Er verpflichtet sich zudem, während derBehandlung nicht zu flüchten.• Der Patient wird ermutigt, sich der gefürchteten Situation (bzw.dem Objekt) soweit wie möglich anzunähern und in dieserSituation so lange zu bleiben, bis die Angst nachlässt.• Wenn die Angst nachlässt, näher sich der Patient der Situation(dem Objekt) noch weiter an und bleibt auch in dieser Situation,bis die Angst weiter nachlässt.• Die direkte Reizkonfrontation wird erst dann beendet, wenn dasAngstniveau auf mindestens 50% des höchsten Niveausabgesunken oder die Furcht ganz verschwunden ist. 4
  • 3. Die Aufrechterhaltungsphase Wichtig für die Motivation des Patienten• Es geht nicht darum, den Patienten alltagstauglich zu machen,er soll nicht lernen in einen Supermarkt zu gehen oder eineSpinne zu berühren.• Er soll lernen, was mit seinen Befürchtungen, Erwartungen,seinen Körperreaktionen passiert, wenn er in einem engenRaum festsitzt, in einer Schlange steht oder eine Spinne aufseinem Arm hoch krabbelt.• Die Übung wird erst begonnen, wenn der Patient dieses Prinzipverstanden hat.
  • Drei Phasen der Extinktion Furchtlernen (Akquisition) Extinktion (Erwerb des Extinktionsgedächtnisses) ((Erwerb des Extinktionsgedächtnisses durch Deaktivierung des ventromedialen Präfrontalen Kortex (Aktive Inhibition) )) Konsolidierung (des Extinktionsgedächtnisses) Abruf (Des Extinktionsgedächtnisses)
  • Extinktion und Exposition: Implikationen für die Praxis 1. Extinktion beinhaltet nicht einfach das Auslöschen exzitatorischer StimulusReaktions Assoziationen. Extinktion beinhaltet Neulernen. DiesesNeulernen führt zu einer Veränderung des emotionalen Gedächtnisses(„Furchtgedächtnisses“) auf mehreren Ebenen.2. Nach der Bio-Informationstheorie (Lang et al., 1979) sind emotionaleEpisoden (wie z.B. Erfahrungen von intensiver Furcht) in Form vonNetzwerken gespeichert, welche drei Merkmale von Informationenumfassen: (1) Perzeptive Merkmale über den Stimulus selbst (z.B. Anblickder haarigen Spinne, Geruch von Alkohol etc.) (2) automatisierteReaktionsmerkmale (z.B. aufmerksame Bewegungsstarre) (3) semantischeElemente und Erwartungen (ich werde in diesem Aufzug bald keine Luftmehr bekommen).3. In der Exposition werden alle Elemente und Merkmale dieses Neztwerkesaktiviert.
  • Extinktion und Exposition: Implikationen für die Praxis II 1. Während der Exposition werden durch Extinktionslernen dieseFurchtnetzwerke verändert und zwar in dem Maße, wie der MenschErfahrungen macht, die inkompatibel mit dem Netzwerk sind.2. Auf der kognitiven Ebene der semantischen Repräsentationen werdenErwartungen verändert. Die erwartete Bedrohung (zentraleRepräsentation des US) tritt in der Exposition nicht auf. Durch dieseErwartungsverletzungen kommt es zu einem Vorhersagefehler, dieassoziative Stärke zwischen CS und US nimmt ab.3. Durch die Wiederholung der Situation werden auch die perzeptuellenMerkmale des Netzwerkes - vor allem die Salienz der Reize verändert(„bis dass der Eindruck mir gleichgültig ward“; Abnahme derAktivierung der Amygdala).4. Die Aktivierung der Reaktionskomponenten wird reduziert, dieIntensität der Körpersymptome nimmt ab.5
  • Extinktion und Exposition: Ein Fallbeispiel Die 23-jährige Patientin berichtet von intensiver Furcht vor dem eigenen Erbrechen bzw.davor anderen Menschen dabei zusehen zu müssen. Verschlimmert hätte sich dieseFurcht als Sie vor sechs Jahren bei einem Familienurlaub mit ihrer Mutter gemeinsam imHotelzimmer hätte schlafen müssen und die Mutter sich dort habe übergeben müssen.Die Angstsymptome hätten sich vor zwei Jahren in der Phase der Examensvorbereitungweiter verstärkt. Seit 2013 vermeide sie aus Angst vor dem Erbrechen als Beifahrer imAuto mitzufahren, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, Hosen mit hohem Bund odereinen BH zu tragen, große Portionen zu essen. Zudem meide sie es Türklinikenanzufassen und wasche sich häufiger die Hände, um sich nicht mit einem Magen-DarmVirus anzustecken. Wenn sie Übelkeit spüre bekomme sie starkes Herzrasen, Zittern,Schwitzen und Schwindel zusammen mit starken Gefühlen des Kontrollverlusts. Sienehme dann Medikamente wie Ibrogast, in seltenen Fällen auch Metoclompramid (MCP)und Vomacur (alles Antiemetika). Sie ist sich im Klaren, dass die Angst völlig übertriebensei, sie habe das Gefühl, „das Monster würde immer größer“.Expositionstherapie: Nach der kognitiven Vorbereitung wurden in der erstenExpositionssitzung zwei Videos gezeigt, in denen sich Menschen in unterschiedlichemAusmaß und in verschiedenen Situationen übergaben. Eingestuft wurden die Intensitätder Übelkeit (0-100), und der Wahrscheinlichkeit zu erbrechen (0-100 %)Ziel war es, einen Vorhersagefehler zu produzieren, d.h. trotz hoher Erwartungen tritt dasErbrechen nicht ein. In der Folge konnte die Patientin ihr Sicherheitsverhalten aufgeben. Siekonnte wieder Restaurants besuchen, Autofahren, erweiterte ihrenBewegungsspielraum. Sie hatte gelernt, dass Ekel nicht automatischmit Übelkeit assoziiert ist und was noch wichtiger war, dass Übelkeitnicht automatisch zu Erbrechen führt. Die Patientin verfassteanschließend einen Brief an sich selbst in dem sie den Therapieverlaufund ihre Erfolge aus ihrer Sicht reflektierte.
  • Exposition in vivo bei Blut- und Injektionsphobie: Ablauf der Behandlung 1. Sitzung: Erlernen der Technik der AngewandtenAnspannung.2/3. Sitzung: Anwendung der Technik bei drohendenBlutdruckabfall, welcher durch das Betrachten vonUnfallopfern und Bildern von Verstümmlungenerzeugt wird. Vorbereitung und Durchführung eineroder zwei Venenpunktionen4. Sitzung: Abgabe einer Blutspende in der Blutbank5. Sitzung: Beobachtung eines chirurgischen Eingriffs(oder optional Auffrischung von Impfungen)
  • Angewandte Anspannung (Öst & Sterner 1987) 2 Ziele1. Gezielte Anspannung von größeren Muskelgruppenim Arm- Brust und Beinbereich, um den Blutdruckanzuheben.2. Selbstbeobachtung: Erkenne die ersten Anzeicheneines einsetzenden Blutdruckabfalls.Die Übung besteht aus 5 Zyklen, in denen der Patientdie genannten Muskelgruppen so lange anspannt biser ein Wärmegefühl im Gesicht spürt (15-30 Sek.).Dann wird die Spannung losgelassen, es wird sichaber nicht entspannt. Als Hausaufgabe muß derPatient diese 5 Zyklen zu Hause einmal täglichdurchführen.6
  • Definition: Soziale Phobie Dauerhafte und übertriebene Furcht vor einer odermehr sozialen Situationen:- Leistungssituationen, in denen man Handlungen durchführt, dieeiner Beobachtung und Bewertung durch andere Personen unterliegenkönnen (Öffentliches Reden, mündliche Prüfungen; Essen, Trinken voranderen Menschen, Betreten eines Raumes, in dem bereits Personensitzen).- Interaktionssitutationen, in denen eine wechselseitigeKommunikation mit anderen stattfindet (Kontaktaufnahme mitFremden, Verabredungen mit gegengeschlechtlichen Personen,Reklamationen, Konversation mit Bekannten, Gespräche mitAutoritätspersonen etc.• bei denen die Person mit unbekannten Personen konfrontiert istoder von anderen Personen beurteilt werden könnte.• Die Person befürchtet, Verhalten (oder auch Symptome) zuzeigen, die demütigend oder peinlich sein könnten.
  • Diagnostische Kriterien der sozialen Phobie A. Ausgeprägte oder anhaltende Angst vor einer odermehreren sozialen oder Leistungssituationen, beider die Person fremden Menschen odermöglicherweise dem Urteil anderer ausgesetzt ist.B. Die Angst ist bei Konfrontation mit der sozialenSituation unvermeidlich.C. Die Angst wird als übertrieben und unvernünftigerlebt.D. Die Angst geht mit Vermeidung einher, oder diesoziale Situation wird unter intensivem Unbehagenund Angst ertragen.E. Die Symptome beeinträchtigen die normale Lebensführung oder schulische, berufliche oder sozialeFunktionalität der Person deutlich oder die Phobieverursacht erhebliches Leiden
  • Differentialdiagnostik: Diagnostische Kriterien für die Vermeidend Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung • Überzeugung selbst sozial unbeholfen, unattraktivund minderwertig im Vergleich zu anderen zu sein.• Ausgeprägte Sorge, in sozialen Situationen kritisiertoder abgelehnt zu werden.• Abneigung sich auf persönliche Kontakte einzulassen,außer man ist sich sicher, gemocht zu werden.• Vermeidung sozialer und beruflicher Aktivitäten, diezwischenmenschliche Kontakte voraussetzen ausFurcht vor Kritik, Missbilligung oder Ablehnung
  • Epidemiologie Häufigkeiten von unterschiedlichen Angststörungen Häufigkeit von Spezifischen Phobien: Lebenszeitprävalenz: 8.6 %Sechs Monats Prävalenz: 6 %Häufigkeit von Sozialen Phobien: Lebenszeitprävalenz: 11,3 %;1-Jahres-Prävalenz: 6 %
  • Spezifische Phobien - Ätiologie 1. Lernfaktoren 2. Kognitive Faktoren • Anders als die Spezifischen Phobien beginnen dieSozialen Phobien meistens nicht im Kindesaltersondern in der Adoleszenz oder im frühenErwachsenenalter.• 58 % der Phobiker erinnern sich an eine direkteaversive Erfahrung, in der sie verletzt wurden.• 13 % erinnern sich daran, eine solche Situationbeobachtet zu haben.• 96 % erinnern sich an Situationen, in denen siekritisiert wurden, sich klein und unsicher vorkamen,Rot geworden sind, für nichts schikaniert worden zusein etc.• Schwerer gestörte Sozialphobiker sind häufig inElternhäusern aufgewachsen, die selbst sozial isoliertwaren und ihre Kinder immer wieder auf potentielleGefahren in neuen Situationen hingewiesen haben. 2. Kognitive Faktoren:  Erhöhte Selbstaufmerksamkeit steht im Zentrum Soziale Situation -> Aktivierung negativer Annahmen -> Wahrnehmung von sozialer Gefahr  WvsG führt 1.) zu Somatische und kognitive Symptome (Muskuläre Verspannungen, Mentaler Block, Feuchte Hände und 2.) zu Sicherherheitsverhalten (Seufzer, leises schnelles Sprechen, Nuscheln, Meiden von Blickkontakt, Ständiges Rückversichern was man gerade gesagt hat, usw.) dies beides führt zu erhöhter Selbstaufmerksamkeit auf mögliche Fehler und Peinlichkeiten 
  • Methodische Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Exposition in vivo bei Sozialer Phobie • Soziale Situationen lassen sich schwer in eindeutigdefinierbare, aufeinander aufbauende undwiederholbare Einheiten aufteilen.• Soziale Situationen sind meistens von kurzer Dauer.• Phobiker vermeiden die gefürchteten sozialenSituationen nicht immer, sondern versuchen sie mehroder minder gut durchzustehen (=ineffektiveSelbstexposition). Dennoch kommt es bei dieserArt der Konfrontation nicht zu einerSymptomreduktion. • Die Befürchtungen der „Sozialphobiker“ beziehen sichhäufig auch auf die Reaktionen (verdeckte oderoffene) anderer Menschen.• Die Reaktionen Anderer hängen auch von deneigenen Reaktionen ab, daher machen es sichMenschen mit Sozialer Phobie häufig schwerer.• Was soll der Patient während der Exposition lernen?• Geht es ähnlich wie bei Tierphobien umHabituation der autonomen Reaktionen? -> Nein.  --> •Auch Tierphobiker haben ineiner Leistungssituation einevegetative Reaktion•Es geht nicht um dieHabituation der vegetativenReaktionen, sondern um einen„guten Umgang“ damit
  • Bei der Expositionsübung geht es um drei Dinge • Ertragen von Aufmerksamkeit durch anderePersonen• Aufgeben von Sicherheitsverhaltensweisen• Kognitive Arbeit ist von entscheidenderBedeutung
  • Exposition in vivo bei sozialer Phobie (4) • Training der sozialen Wahrnehmung undDiskrimination• Ertragen von Aufmerksamkeit durch anderePersonen (Erlernen des Umgangs mit Scham)• Training sozialer Fertigkeiten• Schulung sozialer Intelligenz
  • 1. Die Panikstörung Bei einer Panikstörung treten wiederholtund unerwartet Panikattacken aufDefinition: Eine klar abgrenzbare Episode intensiver Angst undUnbehagens, bei der mindestens 4 der nachfolgend genanntenSymptome (Kriterium A: Anzahl der Symptome) abrupt auftreten undinnerhalb von 10 Minuten einen Höhepunkt erreichen (Kriterium B:Crescendo).4Beachte: Eine Panikattacke ist keine codierbareStörung. Kodiert wird die spezifische Diagnose,innerhalb der die Panikattacken auftreten.(z.B. Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie)
  • Epidemiologische Befunde Panikattacken sind tagsüber deutlich häufiger als in der Nacht • Panikattacken sind tagsüber deutlich häufiger als in der NachtDies wird durch neuere Daten von Pané-Farré et al. (2014) JAD bestätigt:Untersucht wurden 234 Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie sowie 2260 Personen einerGemeindestudie (SHIP). Gefragt wurde nach den Umständen der initialen Panikattacke, falls eineberichtet wurde.• 84,6 % aller initialen Panikattacken traten tagsüber auf.• 72,7 % aller initialen Panikattacken traten außerhalb derhäuslichen Umgebung auf• Bei Patienten (oder Personen der Gemeindestichprobe) mit Panikstörungund Agoraphobie trat die initiale Panikattacke 3.9 mal häufigeraußerhalb der häuslichen Umgebung auf, als bei Personen mit derDiagnose Panikstörung• Es gab keinen großen Unterschied in den Befunden zu initialenPanikattacken bei der klinischen und der Gemeindestichprobe
  • Panikpatienten vs. Patienten mit Myokardinfarkt • Patienten unterscheiden sich in der Lokalisation ihres Schmerzesa) Panikpatienten: Schmerz ist stechend und in der linkenKörperhälfte verbreitetb) Patienten mit Myokardinfarkt: Schmerz ist dumpf und zentral
  • Panikstörung: Diagnostische Kriterien (1) wiederkehrende unerwartete Panikanfällemindestens zwei Attacken (häufig mehr)Eine klar abgegrenzte Episode intensiver Angst undUnbehagens, bei der mehrere Körpersymptome(z.B. Herzrasen, Schwindel, Beklemmungsgefühle etc)und Todesangst oder die Angst Verrückt zu werden auftreten (2) im Anschluss an einen oder mehrere wiederkehrendePanikanfälle über mindestens einen Monat mindestens eines derfolgenden Symptome auftreten:- Anhaltende Sorgen über das Auftreten weitererPanikanfälle- Sorgen über die Bedeutung des Anfalls oder seinerKonsequenzen (z.B. Kontrolle zu verlieren, einen Herzinfarkt zuerleiden)Oder:(3) Deutliche Verhaltensänderungen infolge der Anfälle auftreten