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Entwicklungspsychologie (Subject) / komplett (Lesson)

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This lesson was created by MarieChristine.

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  • Sozio-kulturelle Kontextbedingungen Einfluss der materiellen, sozialen, kulturellen, ökonomischen und zeitgeschichtlichen Umstände, die die Umwelt eines Kindes bilden, auf dessen Entwicklung • Beispiele: Beeinflussung der Entwicklung durch Sozialisationsziele der Eltern, sozio-ökonomischen Status der Familie, Wohlstand der Gesellschaft, Technologien, Medien, etc.
  • Entstehung individueller Unterschiede Bsp.: Warum entwickeln sich Geschwister in der gleichen Familie (und Kinder im Allgemeinen) unterschiedlich? 1. Gene  2. Unterschiedliche Behandlung durch die Eltern und andere Personen ▪ Bsp.: Kommunikation, körperliche Interaktion mit Mädchen/Jungen 3. Differentielle Reaktionen bei ähnlichen Erfahrungen (subjektiv unterschiedliche Interpretationen) ▪ Bsp.: Umgang mit einschneidenden Ereignissen 4. Selbstgesteuerte Wahl von Umwelterfahrungen ▪ Bsp.: Nischen in der Familie werden „besetzt“ → Das „aktive Kind“
  • Forschung und Wohl Wie kann Forschung das Kindeswohl/Wohl der Menschen fördern? Praktischer Nutzen von Forschung? Verständnis von Entwicklungsvoraussetzungen, -mechanismen, und -folgen erlaubt Innovationen im Bildungsbereich, maßgeschneiderte Förder-/Interventionsprogramme, Handlungsempfehlungen für die Politik, etc. Zum Beispiel – Sprachentwicklung – Folgen psychischer/physischer Gewalt auf die Kindesentwicklung – Einfluss von Überzeugungen (z.B. über Intelligenz: (un)wandelbar) auf Lernprozesse (z.B.        Leistungsmotivation) – Entwicklung von Vorurteilen – etc.
  • Grundfragen der Pädagogischen Psychologie? • …fußen auf Grundfragen der Entwicklungspsychologie (Basiswissenschaft) • Hauptaugenmerk auf Prozesse des Lernens, Lehrens, Erziehens, Sozialisierens • Tendenziell eher anwendungsbezogene Fragen Zum Beispiel – Anlage-Umwelt Problematik: Welche Spielräume für Veränderung durch Erziehung gibt es? – Individuelle, sozio-kulturelle Unterschiede: Wie wird man in Bildungseinrichtungen der Diversität der Lernenden gerecht? Wie soll man Lernumgebungen gestalten?
  • Beginn der pränatalen Entwicklung Gameten (Keimzellen) -> Fortpflanzungszellen, d.h. Ei und Spermium, die nur die Hälfte des genetischen Materials aller anderen Körperzellen enthalten. Konzeption (Befruchtung) -> Vereinigung von Eizelle und Spermium Zygote -> Befruchtete Eizelle 
  • Phasen der pränatalen Entwicklung Zygote: schnelle Zellteilung, beginnt mit der Befruchtung und dauert bis sich die Zygote in der Gebärmutter eingenistet hat.  ( bis ca 2 Wochen) Embryo: ( 3.-8. Woche) Bezeichnung für den sich entwickelnden Organismus von der dritten bis zur achten Woche der pränatalen Entwicklung. Alle Organe und Körpersysteme entwickeln sich stark, durch Prozesse der; Zellteilung, Zellmigration, Differenzierung und hormonelle Einflüsse. Fetus:(9. Woche - Geburt) Bezeichnung für den sich entwickelnden Organismus von der neunten Schwangerschaftswoche bis zur Geburt. Fortsetzen der Entwicklung der körpl. Strukturen. Schnelles Körperwachstum. Sensorische Erfahrungen. Lernen.
  • Phasen der pränatalen Entwicklung Embryonalstadium (3.-8.Woche) • Entwicklung von Organen und Systemen, Ausbildung der wichtigsten Organsysteme, größte Gefährdung für organische Defekte • Größe: 3 cm • Wachstumsmuster im Embryonalstadium: Cephalokaudale Entwicklung → Bereiche in der Nähe des Kopfes entwickeln sich früher und schneller als vom Kopf weiter entfernte Körperbereiche(Kopf vor Rumpf, Hände vor Füßen, ..) 4.Woche: Herz schlägt, Blutzirkulation 5,5.Woche: Rasche Gehirnentwicklung,Entwicklung der Augen, Spontanbewegungen
  • Phasen der pränatalen Entwicklung Fetalstadium (9. Woche - Geburt) • Allgemein: Rapides Wachstum, anatomische Feinstrukturierung, Gehirnausbildung, Skelettbildung, Responsivität, Schlaf-Wach-Zyklus, sensorische Erfahrung und Lernen 9. Wochen: alle inneren Organe ausgebildet, Geschlechtsdifferenzierung hat begonnen 11.-12. Wochen: äußere Geschlechtsorgane ausgebildet; Arme, Beine, Finger sichtbar; einige Reflexe (greifen, schlucken, saugen); immer mehr Bewegungen 16. Wochen: beschleunigtes Wachstum der unteren Körperpartien; Stärkere (und erstmals spürbare) Bewegungen 18. Wochen: Saugen am Daumen, feine Behaarung, fettige Schicht schützt Haut vor Flüssigkeit 20. Wochen: rasche Gewichtszunahme, Enge in der Fruchtblase, weniger Bewegungen, einzelne Komponenten des Gesichtsausdrucks 28.Wochen: lebensfähig außerhalb des Mutterleibs, Augen öffnen sich, REM-Schlaf
  • Fetalstadium: Sensorisches Erleben des Fetus Berührung: Kontakt der Hand mit anderen Körperteilen/ der Gebärmutterwand • Greifen, nuckeln, Gesicht reiben Geruch: Kontakt des olfaktorischen Systems mit Fruchtwasser (Aroma der mütterlichen Nahrung) Sehen: Vernachlässigbar (Hinweise auf fetale Reaktion, wenn Licht direkt auf die Haut des mütterlichen Bauches scheint) Geschmack: Schluckt Fruchtwasser, Präferenz für süßen Geschmack Hören: Geräusche des Körperinneren (mütterlicher Herzschlag, Atemgeräusche, etc.) • Geräusche von außen (mütterliche Stimme, Stimmen anderer Menschen) • Reaktion des Fetus mit Bewegungen und Veränderungen der Herzschlagrate spätestens ab dem 6. Monat
  • Neugeborene - Schlaf • Neugeborene: ca. 16 Std. Schlaf, 50% REM • Erst starke, dann allmähliche Abnahme der Gesamtschlafdauer • Ab 3 – 4 J. nur noch ca. 20% REM, lebenslang recht stabil • Autostimulationstheorie des REM-Schlafs: Funktion bei der Entwicklung des visuellen Systems, Ausgleich für Mangel an externer Stimulation (Babys mit höherer externer Stimulation → weniger REM-Schlaf) • REM-Schlaf: Vermutlich wichtig für Lernen und Informationsverarbeitung, insb. zu Beginn der Entwicklung
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  • Neugeborene - Schreien • Zunächst Ausdruck von Hunger, Schmerz, Erkrankung, etc. • Evolutionäre Bedeutung: Schreien und elterliches Unwohlsein adaptiv; Kümmern um Bedürfnisse des Babys → Überleben • Höhepunkt in den ersten 6 Wochen (häufig Spätnachmittag und Abend), Absinken im 1. Lj. auf ca. 1 Std./Tag • Mit zunehmendem Alter kommunikative Funktion (Betreuungsperson etwas mitteilen, Reaktion hervorrufen) • Beruhigen: Selbstregulation unterstützen, z.B. durch repetitive moderate Stimulation (wiegen, schaukeln, berühren, im Arm halten, singen, sprechen)
  • Entwicklungsprozesse ...was gibt es denn da so ? ^^ • Neurulation• Neurogenese • Myelinisierung• Synaptogenese• Synapsenreduktion/-eliminierung
  • Neurulation Bildung des Neuralrohrs • 3. Woche nach Befruchtung (Beginn Embryonalstadium): Bildung der Neuralplatte deren Ränder sich aufwölben • Dadurch entsteht mittig eine längliche Vertiefung, die Neuralrinne • Neuralrinne schließt sich zunehmend • Nach nur wenigen Tagen wird sie zu einem Neuralrohr • Aus vorderem Neuralrohrabschnitt entwickelt sich das Gehirn und aus dem restlichen, hinteren Abschnitt das Rückenmark
  • Neurogenese • Pränatal: – Ab 3.-4.pränatale Woche (Embryonalstadium) – Vermehrung von Neuronen durch Zellteilung im Neuralrohr – bis zu 250 T neue Zellen pro Minute – etwa 18 Wochen nach Befruchtung abgeschlossen – Vor Geburt fast so viele Neurone wie im Erwachsenenalter – Neurone wandern zu Bestimmungsorten. Wachstum und Differenzierung (Axone wachsen, dann „Strauch“ von Dendriten) • Postnatal – Vergleichsweise wenige Neurone kommen hinzu (z.B. Neurogenese im Hippocampus, wobei z.B. Stress hier hemmend wirken kann; Mirescu & Gold, 2006) – Im Cortex Periode des stärksten Wachstums und der Differenzierung von Neuronen nach der Geburt
  • Myelinisierung Myelinisierung -Bildung einer fetthaltigen Schicht um die Axone von Neuronen herum • Beginnt vor der Geburt und dauert bis ins frühe Erwachsenenalter fort • Verbessert den Informationsfluss im neuronalen System • Folgt cephalokaudalem Trend: Myelinschichten werden bei gehirnnahen Neuronen früher ausgebildet als bei peripher lokalisierten Neuronen – Zunächst tief im Gehirn (Hirnstamm), breitet sich dann Richtung Cortex aus, wobei die versch. Cortexbereiche in verschiedenem Tempo myelinisiert werden (z.B. Frontallapen später) – Z.B. Motorische Entwicklung: Heben des Kopfes und Koordination der Gesichtsmuskeln deutlich früher als Steuerung der Hand-und Fußmuskulatur Vergleichende Perspektive: – Weiße Substanz entwickelt sich bei jungen Schimpansen im Präfrontallappen langsamer als bei Kindern, ist jedoch schon bei Geschlechtsreife (7 bis 9 J.) abgeschlossen – Warum dauert es beim Menschen länger? Unklar… • Potentielle Vorteile (exekutive Funktionen) versus Nachteile (Anfälligkeit für Krankheiten durch Defekte der Myelinisierung, z.B. Multiple Sklerose, Schizophrenie)
  • Synaptogenese Der Prozess der Bildung von Synapsen mit anderen Neuronen, der in Billionen von Nervenverbindungen resultiert.• Synaptogenese beginnt vor der Geburt und schreitet einige Jahre nach der Geburt rapide voran • Zeitpunkt und Zunahme der Synapsenproduktion unterschiedlich in verschiedenen Regionen des Cortex (z.B. im visuellen Cortex viel früher abgeschlossen – um 1. Geburtstag – als im frontalen Bereich → hier im Laufe des Vorschulalters) • Unterschiedliche Zeitverläufe der Synapsenbildung in unterschiedlichen Gehirnregionen hängen vermutlich mit den Entwicklungszeitpunkten zusammen, an denen bestimmte Fertigkeiten und Verhalten ausgebildet werden. • Umstrukturierungsprozesse im Laufe der Pubertät → erst im Erwachsenenalter Stabilisierung der Synaptogenese; weitere Synapsenbildungenund
  • Synapseneliminierung Synapsenreduktion/-eliminierung: Der Prozess der Eliminierung von kaum aktivierten Synapsen während der normalen Gehirnentwicklung in unterschiedlichen Hirnregionen zu verschiedenen Zeiten.• Neuro- und Synaptogenese resultieren in riesigem Überschuss an Nervenverbindungen • Ca. 40 % des Synapsenüberschusses werden später wieder selektiv durch einen Prozess der Synapsenreduktion abgebautSynapseneliminierungPrä- und postnatale Entwicklung• Weiße Cortexsubstanz nimmt von Kindheit bis ins Erwachsenenalter stetig zu, graue Substanz zeigt dramatischen Anstieg im 11./12. Lj., Höhepunkt in der Pubertät, danach tlw. Umwandlung in weiße S.• Zuletzt reifender Bereich des Cortex: dorsolateraler präfrontaler Cortex (Steuerung der Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Voraussehen von Konsequenzen, Setzen von Prioritäten & andere exekutive Funktionen)
  • Plastizität Veränderungsfähigkeit des Gehirns durch Erfahrung, insbesondere auch nach Schädigungen.
  • Wachstum und Reifung Starkes Wachstum in ersten zwei Lj., danach stetigeres Wachstum, nächster Wachstumsschub in der Pubertät Das Wachstum verläuft in den verschiedenen Körperteilen nicht gleichmäßig → CephalokaudaleEntwicklungfolgt dem Muster, dass die Kopfregion am Anfang relativ groß ist – mit zwei Monaten (pränatal) entspricht sie ungefähr 50% der Körperlänge, bei Geburt 25% und im Erwachsenenalter nur etwa 10 % der Körpergröße Anteil des Körperfetts im Säuglingsalter am höchsten, sinkt danach allmählich bis ca. 6-8 J. ab; in der Pubertät sinkt der Fettanteil bei Jungen, steigt bei Mädchen, was dazu beiträgt, dass das Einsetzen der Menstruation ausgelöst wird Der Muskelanteil wächst bis zur Pubertät langsam und kontinuierlich und steigt dann, besonders bei den Jungen, drastisch an
  • Wachstum und Reifung Variabilität • Variabilität nicht nur innerhalb einer Kohorte: Jahunderttrends (Veränderungen der Körperentwicklung über Generationen hinweg) – z.B. in Industrienationen Zunahme der Körpergröße und vorverlegte Pubertät im Vgl. zu vorherigen Generationen → Annahme: Umweltfaktoren ursächlich (Ernährung, Gesundheit) • Chronischer Stress (z.B. eheliche Streitigkeiten, Alkoholismus, Kindesmisshandlung) kann Wachstum beeinträchtigen, indem sich die Produktion des Wachstumshormons durch die Hirnanhangdrüse verringert (Powell et al., 1967) • Gedeihstörung: Eine Entwicklungsstörung ohne erkennbare organische Ursache, bei der Säuglinge ohne erkennbaren medizinischen Grund unterernährt werden und weder wachsen noch an Gewicht zulegen
  • Säuglingsernährung • Säugen/Stillen wie bei allen Säugetieren, jedoch bei menschlichen Babys mehr Hilfestellung nötig• Muttermilch auf natürliche Weise frei von Bakterien, enthält mütterliche Antikörper gegen Infektionserreger, mit denen das Baby in Kontakt kommen kann• Stillen vs. Babynahrung: Muttermilch soll kognitive Entwicklung fördern, einige Studien weisen auf höhere IQ-Werte bei Kindern und Erwachsenen hin, die von ihren Müttern gestillt wurden (Nisbett et al. 2012) • Studie: Zwei Gruppen von Mutter-Kind Paaren, eine davon zum Stillen ermutigt, andere nicht – Ausschließliches und lange beibehaltenes Stillen trägt bei den Kindern im Alter von 6½ Jahren zu einem höheren IQ bei (Kramer et al. 2008)
  • Ernährungsverhalten Entwicklung von Nahrungspräferenzen und Regulation der Essens • Manche Präferenzen bei Geburt (oder früher) vorhanden – Neugeborene sowie Feten präferieren Gesüßtes – Neugeborene zeigen reflexhafte Gesichtsausdrücke wie Erwachsene (süß: Hauch von Lächeln; sauer: Stirn runzeln; bitter: Gesicht verziehen; Rosenstein & Oster, 1988; Steiner, 1979) • Evolutionäre Bedeutsamkeit früher Präferenzen? – Giftige Substanzen eher bitter/sauer als süß • Jedoch auch wichtige Rolle von Erfahrungen: Geschmackspräferenzen werden auch durch pränatale Umgebung beeinflusst • Vom Säuglingsalter an nimmt die Erfahrung einen wesentlichen Einfluss darauf, welche Nahrungsmittel Kinder mögen oder nicht mögen und wie viel sie essen – Zum Beispiel steigt die Vorliebe von Kindergartenkindern für bestimmte Dinge, wenn sie andere Kinder sehen, die diese genießen (Birch & Fisher, 1996). • Bereits Vorschulkinder regulieren Menge an Essen recht selbständig (z.B. weniger zu Mittag bei zweitem kleinem Frühstück) • Wenn Eltern Essen dazu nutzen, das Verhalten der Kinder zu kontrollieren: eher negativ → höhere Wahrscheinlichkeit für Probleme mit Körpergewicht und Heißhungerattacken (Puhl & Schwartz, 2003) 
  • Methoden der Säuglingsforschung Habituation (≈ Gewöhnung, erlernte Verhaltensunterdrückung) • Eine Abnahme der Reaktion auf einen wiederholt dargebotenen Reiz zeigt Lernen an (Aufbau einer Gedächtnisrepräsentation des wiederholten – habituierten – Reizes) • Einfachste und früheste Form des Lernens im Säuglingsalter (sowie pränatal) → etwas wiedererkennen • Anpassung an die Umwelt → verringerte Aufmerksamkeit für Bekanntes ermöglicht, Neues zu lernenAnnahmen und empirische Befunde • Die Habituationsgeschwindigkeit soll die Effizienz der Informationsverarbeitung widerspiegeln • Habituation im Säuglingsalter korreliert substanziell mit kognitiven Fähigkeiten (z.B. IQ-Test) im Kindes- und frühen Erwachsenenalter (18 J.)
  • Methoden der Säuglingsforschung Habituationsmethode • Habituation: Stimulus wird wiederholt präsentiert bis Interesse des Säuglings (Blickzeit) bis zu einem Kriterium absinkt (z.B. 50% der ursprünglichen Blickzeit) • Test: neuer/alter Stimulus wird gezeigt → Dishabituation, falls längere Blickzeit für „neu“ (→ neuer & alter Stimulus werden unterschieden)
  • Sinnesempfindung/Empfindung („sensation“) Die (unbewusste) Verarbeitung grundlegender Informationen aus der Außenwelt durch die Sinnesrezeptoren in den Sinnesorganen (Augen, Ohren, Haut etc.) und im Gehirn. Reizaufnahme und –registrierung Beispiel: Sehen der Farbe Orange
  • Wahrnehmung/Perzeption („perception“) a) Als Prozess der Strukturierung und Interpretation sensorischer Information. b) Als Ergebnis des Prozesses der Informationsverarbeitung und Interpretation, das subjektiv erlebte Produkt des Wahrnehmungsprozesses (auch Perzept) Beispiel: Sinnesempfindung(en)      --------------------------------->  Wahrnemmung (Prozess+Ergebnis) Registrierung von Licht                                                    Sehen einer Organe als Objekt  und Schallwellen etc  (Sehen einer Farbe) 
  • Visuelle Wahrnehmung • Neugeborene haben eingeschränkte Sehschärfe (analog zur obersten Reihe einer Sehtafel) • Mit ca. 8 Monaten: Visus ≈ Erwachsenenniveau • Säuglinge bevorzugen generell kontrastreiche Muster (etwa schwarz-weiße Schachbretter vs. homogene, einfarbige Flächen) → Schwache Kontrastsensitivität in den ersten Monaten: Muster werden nur wahrgenommen, wenn die Elemente hoch kontrastieren • Warum? Die Zapfen auf der Retina des Neugeborenen unterscheiden sich in Größe, Anordnung und Form vom Erwachsenen: nur 2% des Lichts, das auf die Retina fällt, erreichen die Zapfen (vs. 65% bei Erwachsenen)
  • Visuelle Wahrnehmung Sehschärfe Messung der Sehschärfe bei Säuglingen mittels Präferenzparadigma • Vergleich Blickzeit gestreiftes Muster versus gleichmäßig graue Fläche (gleicher Luminanz) • Je feinere Streifenmuster noch von der grauen Fläche unterschieden werden, umso höher die Sehschärfe → Basis: Präferenz für Muster vs. strukturlose Bereiche → Bei Wahrnehmung des Kontrasts zwischen weißen & schwarzen Streifen: längere Blickdauer auf Streifenmuster
  • Visuelle Wahrnehmung Visuelles Abtasten der Umwelt Verfolgen von Objekten (Tracking) • Säuglinge von Anfang an von sich bewegenden Stimuli angezogen • Jedoch aufgrund von ruckartigen Augenbewegungen Schwierigkeiten, die Bewegung eines Objekts zu verfolgen • Mit 2-3 Monaten können langsame Objektbewegungen flüssig verfolgt werden („smooth pursuiteye movements“) Obwohl Neugeborene von Anfang an die Umgebung visuell abtasten, sind sie erst mit 2 bis 3 Monaten in der Lage, selbst sich langsam bewegende Objekte flüssig zu verfolgen Abtasten (Scanning) • Beim Abtasten fokussieren Babys unter 2 Monaten fast ausschließlich auf Ecken und äußere Kanten a) Einmonatige tasten die äußere Kontur (starke Kontraste!) ab b) Zweimonatige tasten sowohl die Konturen wie auch die Innenteile ab
  • Lernen im Säuglingsalter *Wahrnehmungslernen* - Babys suchen aktiv nach Ordnung und Regelmäßigkeiten in ihrer Umwelt. - Perzeptuelle Differenzierung  - Affordanzen
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  • Lernen im Säuglingsalter *Statistisches Lernen* - empfänglich für statistische Regelmäßigkeiten, mit denen ein Reiz auf einen anderen folgt. - auditives statitisches Lernen  - visuelles statitisches Lernen 
  • Lernen im Säuglingsalter *klassisches Konditionieren * - Eine Form des Lernens, bei der ein ursprünglich neutraler Reiz (beim Pawlow’schenHund ein Klingelton) mit einem unkonditionierten Reiz (Futter) assoziiert wird, der immer eine bestimmte Reaktion (z.B. Speicheln) auslöst.  - Unkonditionierter Stimulus (UCS) → reflexhafte, unbedingte Reaktion UCR - Konditionierter Stimulus CS → Konditionierte, erlernte Reaktion CR zB: Sauger im Mund (UCS) -> Saugreflex (UCR) = ungelernt Sauger wird mit Trinken/ Nukiflasche assoziiert Nukiflasche (CS) -> Saugbewegung (CR) = gelernt/ konditioniert => Anblick der Flasche löst Signal aus , zB Speichelfluss   
  • Lernen im Säuglingsalter *Operantes Konditionieren* Lernen am Effekt  - Lernen der Beziehung (Kontingenz) zwischen dem eigenen Verhalten und den daraus entstehenden eintretenden Folgen. - Wichtige Form der operanten Konditionierung als Methode in der Säuglingsforschung: Positive Verstärkung Eine Belohnung (appetitiver [angenehmer]Reiz/Konsequenz), die verlässlich auf ein Verhalten folgt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass dieses Verhalten zukünftig wiederholt wird. - Grundprinzipien der operanten Konditionierung: 1. Verstärkung eines Verhaltens → Erhöhung Auftretenswahrscheinlichkeit 2. Bestrafung eines Verhaltens → Senkung Auftretenswahrscheinlichkeit 
  • Kognition Kognition (lat. cognoscere, griech. gignoskein) – bemerken, erkennen Oberbegriff für innere Strukturen, Prozesse und Kapazitäten (höherer) mentaler Funktionen wie Wahrnehmen, Erkennen, Denken, Beurteilen, Bewerten, Verstehen, Problemlösen, Lernen, Erinnern, Erwarten, etc.
  • Kognitive Kontrolle (Exekutive Funktionen) Sammelbegriff, unter dem übergeordnete kognitive Prozesse zusammengefasst werden, die sensorische, motorische, emotionale und kognitive Prozesse so modulieren bzw. verändern, dass eine optimale Anpassung an aktuelle Aufgabenanforderungen oder Zielsetzungen möglich ist.
  • Kognitive Flexibilität • Fähigkeit zur effizienten Anpassung an wechselnde Aufgabenanforderungen • Mangelnde kognitive Flexibilität wird häufig durch eine Neigung zur sog. Perseveration sichtbar, d. h. der Tendenz bei einer Aufgabe zu verharren, auch wenn die Bearbeitung einer neuen Aufgabe erforderlich ist
  • Selbstregulation Selbstregulation umfasst ganz allgemein Prozesse, die eine Diskrepanz zwischen einem aktuellen Zustand und einem intendierten Zustand (z. B. einem Wunsch oder Ziel) verringern oder beseitigen. zB: Kind liest in der Schule vor und möchte Lesefehler vermeiden. Es hat sich bereits zweimal versprochen. → Selbstregulatorische Handlung: Langsamer lesen
  • Entwicklung der Selbstregulation Zwei theoretische Ansätze in der Entwicklungspsychologie I. Konzept der selbstregulierenden Kontrolle („effortfulcontrol“) im Modell der Temperamentsentwicklung nach Rothbart (2007) II. Modell der „heißen“ und „kühlen“ Dimensionen exekutiver Kontrolle nach Zelazo u.a. (z.B. Zelazo & Müller, 2002)
  • Metakognition Metakognition (griech. „Meta“ - übergeordnet) Kognitionen über Kognitionen, Denken über Denken, Wissen über Wissen. Allgemein das Wissen über kognitive Zustände und Prozesse. • Breit gefasstes Konstrukt: beinhaltet auch Überwachungsaktivitäten, kognitive Selbstregulation• Hoher Überlappungsgrad zwischen Metakognition und Teilkomponenten der kognitiven Kontrolle/Selbstregulation• Klassisches Verständnis: Metakognition impliziert, dass sich Individuum der eigenen Denkprozesse bewusst ist („explizite Metakognition“)
  • Selbstreguliertes Lernen (auch selbstgesteuertes, -bestimmtes, -organisiertes, autonomes Lernen) Das vom Lernenden aktiv initiierte Vorgehen, das eigene Lernverhalten unter Einsatz versch. Strategien zu steuern und zu regulieren. Dabei gibt es kognitive, motivationale und metakognitive Komponenten selbstregulierten Lernens. • Kognitive Komponenten: Informationsverarbeitung, das konzeptionelle und strategische Wissen sowie die Fähigkeit, entsprechende Strategien (z. B. kognitive Lernstrategien wie Wiederholen) anzuwenden • Motivationale Komponenten: Aktivitäten, die der Initiierung (z. B. Selbstmotivierung) und dem Aufrechterhalten (volitionale Steuerung) des Lernens dienen, sowie handlungsfördernde Attributionen von Erfolgen und Misserfolgen und Selbstwirksamkeitsüberzeugung • Metakognitive Komponenten: Planung, Selbstbeobachtung, Reflexion und adaptive Anpassung des Lernverhaltens in Bezug auf das angestrebte Lernziel
  • Selbstreguliertes Lernen – Modelltypen I. Prozessmodelle → Phasen-/prozessbezogener Charakter der Selbstregulation → Selbstregulation als iterativer (schrittweiser), regelkreisähnlicher Prozess II. Schichtenmodelle → Betonung der verschiedenen Ebenen der Selbstregulation
  • Diagnostik von selbstreguliertem Lernen Erfassung von Selbstregulation im Kontext des Lernens • Fragebögen • Meist Abfragen von kognitiven, metakognitiven und bisweilen von ressourcenbezogenen Strategien • Lerntagebücher • Aktueller Strategieeinsatz, oft standardisiert (Abfolge identischer Fragen/Antwortmöglichkeiten) • Beobachtungsverfahren • Tatsächliches Verhalten, auch bei jüngeren Kindern anwendbar • Interviews • Prospektiv/retrospektiv Strategieeinsatz beleuchten, offene/geschlossene Fragen • Denkprotokolle (≈ lautes Denken) • Probanden sprechen Gedanken aus, die sie während der Bearbeitung einer Aufgabe beschäftigen → Einblick in spontane Strategieanwendung
  • Förderung von selbstreguliertem Lernen Direkte Maßnahmen: • Direkte Förderung, Optimierung des Lernverhaltens • Schülertraining, z.B. Ziele für Lernen setzen, sich motivieren, Umgang mit Misserfolg (-Kombination von selbstregulativen Strategien & fachspezifischen Inhalten (z.B. mathematische Problemlösestrategien vermitteln) - Selbstbeobachtung, z.B. durch Lerntagebücher - Transfersicherung: Sicherstellung, dass erlernte Fertigkeiten auch nach dem Training in versch. Kontexten angewendet werden) =>Direkte Trainingsmaßnahmen effektiver als indirekte! Indirekte Maßnahmen: • Anregung/Ermöglichung selbstregulierten Lernens durch Umgestaltung der Lernumgebung • Training der Eltern, Lehrkraft, etc. • Z.B. Methoden erlernen, um positiven Einfluss auf Lernverhalten auszuüben (-Schaffung günstiger Lernbedingungen: Interesse der Schüler, Autonomieunterstützung (z.B. Wahlmöglichkeiten), Vermeidung enger Vorgaben (verhindert effektives Lernen) - Modellverhalten: Lehrkraft demonstriert Selbstregulationsstrategien (z.B. Lernziele angeben, Lernstrategie demonstrativ verwenden)
  • Fazit Kognitive Kontrolle, Selbstregulation, Metakognition und selbstreguliertes Lernen eng verwobene und z.T. überlappende Konstrukte • in vielen Lebensbereichen (schulische und außerschulische Kontexte) • für viele Kompetenzen (schulische Leistungen, soziale Kompetenz, prosoziales Verhalten, etc.) • für die Gesundheit (psychisch, physisch) • Entwicklung & individuelle Differenzen früh zu verzeichnen
  • Lern- und Leistungsmotivation Lernmotivation Bereitschaft von Lernenden, sich aktiv, dauerhaft und wirkungsvoll mit bestimmten Themengebieten auseinanderzusetzen, um neues Wissen zu erwerben bzw. das eigene Fähigkeitsniveau zu verbessern.  → Absicht, bestimmte Inhalte oder Fertigkeiten zu lernen → Unspezifischer SammelbegriffEin Form der Lernmotivation ist die Leistungsmotivation
  • Lern- und Leistungsmotivation Leistung Ein durch Energieaufwand geschaffener Wert, der durch Einsatz von Tüchtigkeit (Fähigkeit, Anstrengung) zustande kommt, wobei ein Handlungsziel mit einem gewissen Niveau erreicht wird. • Es liegt beabsichtigtes Handlungsergebnis vor • Es liegt ein Gütemaßstab vor, anhand dessen das Handlungsergebnis bewertet werden kann [Gütemaßstab = Bezugsnorm, Leistungsnorm, Standard, Sollwert] → Schwierigkeit, „eine Herausforderung“Beispiele • Keine „Leistung“: Ein Schritt nach vorn → Fähigkeit nötig, jedoch keine Anstrengung bzw. Schwierigkeit • „Leistung“: Ein 3-Meter-Satz aus dem Stand → Fähigkeit, Anstrengung, Schwierigkeit
  • Lern und Leistungsmotivation Leistungsmotivation Bestreben, durch eigene Tüchtigkeitein Ziel im Hinblick auf einen (subjektiv) verbindlichen Gütemaßstabzu erreichen/übertreffen. → Auseinandersetzung mit Gütemaßstab → Anspruchsniveau, Anspruch an die eigene Leistung → Selbstbewertung eigener Tüchtigkeit (Stolz, Scham) Individueller Gütemaßstab:Vergleich mit bisherigen eigenen Leistungen • Intraindividuell Sozialer Gütemaßstab:Vergleich mit Leistungen anderer • Interindividuell
  • Lern und Leistungsmotivation Relevanz der Lern- und Leistungsmotivation (Evolutionär-philosophisch-anthropologisch/Soziologisch-politisch/Psychologisch-pädagogisch) Evolutionär-philosophisch-anthropologisch • Mensch kulturschaffend und -abhängig • Weitergabe & Erhalt kulturellen Wissens sowie Innovation → Lern- und Leistungsmotivation unabdingbar Soziologisch-politisch • Leistung als legitimer Faktor sozial-ökonomischer Differenzierung (Status, Position, Macht) in einer offenen Gesellschaft • „Kulturelles Kapital“ (z.B. Bildung) → „Vererbung“ sozialer Ungleichheit, ungleiche Voraussetzungen → stellt Leistungsprinzip infrage Psychologisch-pädagogisch • Lern- und Leistungsmotivation Voraussetzung für Leistungsfähigkeit des Menschen, gelungene Individualentwicklung & funktionierende Gesellschaft • Wichtiges Gebiet der Pädagogik & Psychologie
  • Motivationsformen Extrinsische und intrinsische Motivation Extrinsisch - Handlungssreiz von Außen  - Fremd gesetzte Ziele  - Handlung: MIttel zum Zweck  (Lernkontext: Lernhandlung wird durchgeführt, weil positive Konsequenzen herbeigeführt oder negative Konsequenzen vermieden werden (sollen) Intrinsisch -von Innen heraus motiviert  - Freude an der Sache  - Selbst gesetzte Ziele  - Handlung: Selbstzweck  - "Der Weg" ist das Ziel (Lernkontext:Lernhandlung wird durchgeführt, weil Handlung selbst von positiven Erlebniszuständen begleitet wird.)
  • Motivationsmerkmale Leistungsmotiv Erfolgsmotivierte • Hoffnung auf Erfolg • Anstrengung → positive Auswirkung • Suche nach Informationen über eigene Fähigkeiten • Beharrliches Leistungsstreben = >  Annäherungsmotiv Misserfolgsvermeidende • Furcht vor Misserfolg, Versagen • Anstrengung → negative Auswirkung vermeiden • Angst vor Informationen über eigene Fähigkeiten • Angst bei Leistungsstreben = >  Vermeidungsmotiv