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Empirische Sozialforschung Model 2.1 (Subject) / Qualitative Sozialforschung (Lesson)

Grundlagen, Methoden

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  • Definition Empirie und Theorie Empirie: Methode, die sich auf Erfahrungen stützt, um (wissenschaftliche) Erkenntnisse zu gewinnen. -> empirsch: erfahrungsgemäß, aus der Erfahung gewachsen. Theorie: System wissenschaftlicher Aussagen zur Erklärung bestimmter Tatsachen und Erscheinungen. -> Lehre von den allgemeinen Begriffen, Gesetzten, Prinzipien eines bestimmten Bereiches.
  • Zwei Richtungen empirischer Sozialforschung Quantitativ: - hoher Grad an Standardisierung - Messbarmachen von Merkmalsausprägungen. Wieviel? Qualitativ: - kaum oder geringe standardisierte Verfahren - Interesse an der Beschaffenheit. Wie?
  • Definition Qualitative Sozialforschung Qualitative Sozialforschung hat den Anspruch, Lebenswelten von innen heraus aus der Sicht der handelnden Menschen zu beschreiben. Dabei will sie zu einem besseren Verständnis sozialer Wirklichkeiten beitragen und auf Abläufe, Deutungsmuster, Strukturmerkmale aufmerksam machen.  - Die qualitative Sozialforschung hat den Anspruch, Lebenswelten aus der Sicht der handelnden zu beschreiben:   -> Verstehen von sozialen Wirklichkeiten: Abläufe, Deutungsmuster, Strutkurmerkmale und        subjektive Wahrheiten (nicht nur messbare Wahrheiten->quali) Grundsatz des qualitativen Ansatzes: Entdecken des Bekannten im Unbekannten und Unbekannten im Bekannten (Prinzip der Offenheit, kaum oder geringe Standardisierung, Partizipativ)
  • Forschungsperspektiven der qualitativen Sozialforschung 1) Zugänge zu subjektiven Sichtweisen 2) Beschreibung von Prozessen und Herstellung von sozialen Wirklichkeiten (alltäglicher, institutioneller oder allgemein sozialer Situationen)  3) Analyse tiefer liegender Strukturen (strukuralistische und psychoanalytische Positionen) Die Ansätze unterscheiden sich weiterhin in ihren Forschunsgzielen und den eingesetzten Methoden.
  • Warum qualitative Sozialforschung? Qualitative Forschung ist in ihren Zugangsweisen offener und dadruch näher an den Forschungsgegenständen dran, als andere Forschungsstrategien, die eher mit standardisierten Verfahren arbeiten. Durch den Zugang wird häufig ein konkrektes und plastischeres Bild deutlich, was es aus der Perspektive der Betroffenen heißt, z.B. chronisch krank zu sein. => Forschungsstrategie, welche genaue und dichte Beschreibungen des Forschungsgestandes liefert.
  • Welche Grundannahmen kennzeichnen qualitative Forschung? a) Der Prozesscharakter und die Reflexivität sozialer Wirklichkeiten interessieren und müssen mit entsprechenden Methoden untersucht werden - soziale Wirklichkeiten sind nicht statisch (Der Mensch denkt über soziale Wirklichkeiten nach und reflektiert diese dabei) b) Die Soziale Wirklichkeit wird in Interaktionsprozessen der beteiligten Akteure gemeinsam herstellt und konstruiert Bsp: Handschlag zur Begrüßung ->Beutung wird zugeschieben - Soziale Wirklichkeit ist wandelbar. So können sich Bedeutungszuschreibungen wandeln, wie z.B. Sprache. Die Zuschreibung/ Bedeutung des Wortes "Geil" hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. c) Kommunikation spielt eine signifikante Rolle - Methologisch bedeutet dies, das Strategien der Datenerhebung selbst einen kommunikativen, dialogischen Charakter aufweisen. d) Es gilt, den subjektiven Sinn mit hermeneutischen Mehtoden zu interpretieren. e) Objektive Lebensbedingungen können mit Hilfe von objektiven Mehtoden (z.B. Fragebogen, Tests) erfasst werden (=>quanti)
  • Verhältnis qualitativer und quantitativer Methoden Wichtigster Unterschied: Quantitative Mehtoden: Unabhängigkeit der Beobachter*in/Forscher*in => Standardisierung Qualitative Methoden: Wahrnehmung der Forscher*in => Offenheit - Quantitative Forschung ist für ihre vergleichend-statischen Auswertungen auf ein hohes auf ein hohes Maß an Standardisierung der Datenerhebung angewiesen (z.B. Fragebogen) - Qualitative Interviews sind hierbei bspw. flexibler und passen sich dem Verlauf im Einzelfall an. - Qualitative Forschung ist immer dann zu empfehlen, wo es um die Erschließung eines bisher noch wenig erforschten Wirklichkeitsbereiches (Felderkundung) mit Hilfe sesibilisierender Konzepte geht
  • Wo ist der Einsatz qualitativer Forschungsmethoden sinnvoll? – wenig erforschten Wirklichkeitsbereichen– Vorbereitung der Hypothesenbildung für quantitativer Forschung– Aus sachlichen Gründen: Zugangsprobleme/Singularität/geringe Fallzahl/Berücksichtigungspezifischer Kontexte– Wenn die Komplexität von Konstellationen wichtiger ist als Repräsentativität;Kontextabhängigkeit; Handlungsstrategien
  • Definition wissenschaftliche Beobachtung Die wissenschaftliche Beobachtung ist ein strukturiertes sowie kontrolliertes Instrument der empirischen Sozialforschung. Die empirische Sozialforschung ist von folgenden Merkmalen geprägt: - Entdecken von Regelmäßigkeiten - Verstehen von sozialen Realitäten - Erschließen von Sinnstrukturen aus der Sicht der Handelnden Ziel der wissenschaftlichen Beobachtung ist die Überprüfung oder die Generierung von Forschungshypothesen.
  • Formen der wissenschaftlichen Beobachtung a) teilnehmende Beobachtung / nicht teilnehmende Beobachtung b) direkte Beobachtung (z.B. Tatort) / indirekte Beobachtung c) Offene Beobachtung (Teilnehmer*innen wissen von der Beobachtung) / verdeckte Beobachtung (z.B. öffentliche Plätze an Hauptbahnhöfen bspw.) d) strukturierte Beobachtung (oftmals ein Prozess) / unstruktierte Beobachtung (Prinzip der Offenheit, bei bspw. Erkundung Institution) e) In "natürlicher" Umgebung (Forschungsfeld) / Laborumgebung f) Selbstbeobachtung (elementarer Bestandteil der teilnehmenden Beobachtung) / Fremdbeobachtung
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  • Methode: Ethnografie Ethnografie ist eine besondere Form der Triangulation Triangulation beuteutet, dass ein Forschungsgestand von mindestens zwei gleichwertigen, unterschiedlichen Herangehensweisen bearbeitet wird. => Im Zentum der Ethnograf steht die teilnehmende Beobachtung. Andere Methoden wie z.B. Dokumentenanalysen oder verschiedene Interviewformen werden während der Ethnografie eingesetzt. -> Die Ethnografie erfordert eine ausgeprägte Präzenz im Forschungsfeld und einen engen Kontakt zu den "erforschenden" Personen. Im Gegensatz zu anderen systematischen Formen der Triangulation muss bei der Ethnografie situationsabhängig und spontan entschieden werden, welche Methode eingesetzt wird.
  • Feldzugang Der Zugang zum Feld der Beobachtung ist die wichtigste Voraussetzung! Wie knüpfe ich Kontakte ? – Beschaffenheit der interessierenden Gruppe? (geheime Zirkel, leicht zugängliche Kreise, Einzelpersonen,....) – Person des Beobachters/der BeobachterIn? (Alter, Geschlecht, unveränderliche äußere Merkmale,....) – Going Native (=over identification): wird häufig problematisiert: hoher Grad an persönlicher Involvierung in das Forschungsfeld; Distanzverlust
  • Interview: Leitfadenerstellung; Frageformulierungen Methoden zur Leitfadenerstellung nach Cornelia Helfferich 2014 Möglicher formaler Aufbau des Leitfadens: 1. Fragen, die die Möglichkeit geben, sich frei zu äußern 2. Nachfragen zu Aspekten, die nicht thematisiert wurden 3. Strukturierte Nachfragen Anforderungen an den Leitfaden: → Offenheit hat Priorität → Übersichtlichkeit → Nachvollzug des Erzählflusses keine abrupten Themenwechsel; Erzählangebote annehmen...) – SPSS- Methode zur Leitfadenerstellung Erstellung eines Leitfadens → Sammeln von Teilaspekten → Prüfen im Hinblick auf das Forschungsinteresse → Sortieren nach Zusammengehörigkeit im Interviewverlauf → Subsumieren, d.h. Für jedes Fragebündel einen möglichst erzählgenerierenden Stimulus finden
  • Methoden in der qualitativen Forschung (Verfahren) Man spricht dann von Reaktivität, wenn durch die Erhebung selbst ein Einfluss auf das zu Untersuchende ausgeübt wird! Reaktive Verfahren: Das auszuwertende Material kommt durch die Erhebung erst zustande → z.B. Teilnehmende Beobachtung, Interview Die Reaktivität kann unterschiedlich ausgeprägt sein und sollte „kontrolliert“ werden! Nichtreaktive Verfahren: Das Material existiert bereits und muss durch eine Erhebung nur noch gesucht und gefunden werden → z.B. Dokumentenanalyse, Bildanalyse, Filmanalyse...
  • Interviewformen (teilstandardisierte, offene sowie Mischformen) 1) teilstandardisierte Interviews: - Ausformulierte Fragen - Fokussiert - Aktives Fragen bzw. Nachfragen 2) offene Interviews: - sehr offene Fragerichtung - breites Themenspektrum - aktives Zuhören Mischformen, d.h mehr oder weniger standardisiert: - Biographisches Interview (problemzentrierte oder episodische Erschließung der Lebensgeschichte)  - Experteninterviews - Ethnographische Interviews - Klinisches Interview (auch: Tiefeninterview) 
  • Das fokussierte Interview 1 → Fokussierung auf einen vorab bestimmten Gesprächsgegenstand oder Gesprächsanreiz (z.B. Film, Artikel, erlebte Situation) = „problemzentriert“; „leitfadengestützt“ → Versuch, Reaktionen im Interview in relativ offener Form zu erheben → Gesprächsleitfaden mit dem Ziel der Maximierung der Themenreichweite   → Spezifität: Erfragen konkreter Erinnerungen und Gefühle → Personaler Kontext: Erfassen der persönlichen Zusammenhänge, um Deutungen und Reaktionen angemessen interpretieren zu können. → Interviews im Rahmen teilnehmender Beobachtungen, in denen gemeinsam erlebte Situationen thematisiert werden
  • Das narrative Interview 1 → Häufig im Zusammenhang lebensgeschichtlich bezogener Fragestellungen. → Von den Befragten frei entwickelte, durch „erzählgenerierende Eingangsfrage“ angeregte Stegreiferzählung 2 Interview-Phasen: 1) Erzählaufforderung 2) autonom gestaltete Haupterzählung: InterviewerIn ist aufmerksameR ZuhörerIn und interveniert nicht ! 3) Erzählgenerierende Nachfragen: aktive Gestaltung der ForscherIn (offen gebliebene Fragen: Ansteuern einer bestimmten Lebensphase, einer bestimmten erwähnten Situation, einer „Belegerzählung“ zu einem Argument) 4) Interviewabschluss: Einschätzung des Interviews, Bilanzierungsteil (Befragte als „Experten und Theoretiker ihrer selbst“ ansprechen)
  • Problematische Aspekte bei der Durchführung qualitativer Interviews Planungsfehler: – Fehleinschätzungen des Verhältnisses von Informationsinteressen und zur Verfügung stehender Zeit  – Kann zu „Leitfadenbürokratie“ führen (Abhaken der Fragen) – Genaue Absprachen über Zeit, Ort und Dauer – „Inszenierung“ des Interviews (bspw. Aufnahmegerät) – Öffnung der „Bühne“, damit die Beteiligten ihre Rollen finden können- als „wer“ wird der Interviewte angesprochen; als „wer“ spricht der Interviewer? Schaffung der Möglichkeit, unterschiedliche Aspekte darzustellen! – Doppelrolle des Interviewers zwischen Empathie und Fremdheit!  Fairness-Dilemma: So viel wie möglich Persönliches erfahren wollen, und doch respektvoller Umgang mit den Interviewten! Dilemma der Selbstrepräsentation: Um ein gutes Interview erfolgreich zu führen, muss der Interviewer sein Wissen zurückhalten und darf sich nicht zu kenntnisreich zeigen!
  • Kategorisierende Auswertungsmethoden Zwei Beispiele für kategorisierende Verfahren: – Grounded Theory nach Glaser und Strauss – Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
  • Grounded Theory → Ziel der Grounded Theory ist die (Weiter-)Entwicklung empirisch begründeter Theorien „Theoretisches Sampling“: – Es werden „Daten“ gesammelt; mit der Auswertung wird sogleich begonnen.. – auf Grundlage erster Ergebnisse wird überlegt, wie und wo weitere Daten gewonnen werden könnten... – so wird die Erhebung fortgesetzt und immer auch schon analysiert... – Wenn sich zeigt, dass keine neuen Aspekte bei der Analyse herausgearbeitet werden können, ist das Sample „gesättigt“, die Erhebung wird beendet... Dadurch entsteht ein zirkulärer Forschungsprozess, der erst dann abgeschlossen ist, wenn keine neuen Erkenntnisse zur Beantwortung der Forschungsfrage mehr zu erwarten sind (Sättigung). Im Analyseprozess wird kodiert. Die Methode nennt sich „theoretisches Kodieren“ und besteht aus jeweils drei Arbeitsschritten: 1) Offenes Kodieren 2) Axiales Kodieren 3) Selektives Kodieren Kodierung ist eine „Vorgehensweise […], durch die die Daten aufgebrochen, konzeptualisiert und auf neue Art zusammengesetzt werden. Es ist der Prozess, durch den aus Daten Theorien entwickelt werden“
  • Analyse in der Grounded Theorie 1. Schritt: Offenes Kodieren Die Methode nennt sich „theoretisches Kodieren“ und besteht aus jeweils drei Arbeitsschritten: 1) Offenes Kodieren Du vergibst Wörtern oder Textabschnitten im Interviewtranskript erste Codes und hältst dich dabei an folgende Fragen: Bsp: "“Das Bein schmerzt sehr, seit ich es mir beim Skifahren gebrochen habe.” Was ist das Phänomen – Worum geht es? =Bsp: Schmerzen im Bein => offener Code: Beinbruch Wer ist beteiligt? Welche Rolle nehmen die Beteiligten ein und wie interagieren sie? Wann tritt es auf? Wie lange dauert es? Wo findet es statt? Nachdem Skifahren => offener Code: Skifahren Wieviel?  Wie stark? Starke Schmerzen => offener Code: starke SchmerzenWarum tritt das Phänomen auf? Wozu dient es? Womit lässt es sich ändern? Erstes bilden von Kategorien und festhalten von Auffälligkeiten und relevanter Gedanken  2) Axiales Kodieren 3) Selektives Kodieren
  • Analyse in der Grounded Theorie 2. Schritt: Axiales Kodieren Die Methode nennt sich „theoretisches Kodieren“ und besteht aus jeweils drei Arbeitsschritten: 1) Offenes Kodieren 2) Axiales Kodieren: Eine Kategorie wird in den Mittelpunkt gestellt und ein Beziehungsnetz wird um sie herum ausgearbeitet. Bsp Schmerzempfindung beim Beinbruch: Ursprüngliche Bedingung (Beinbruch/Art des Beinbruchs) => Phänomen (Schmerz)  Kontext (Hintergrund, Dauer des Bruches) => Phänomen (Schmerz) Phänomen => Strategie (Schmerzbehandlung z.B. mit Tabletten) Phänomen => Konsequenz (Schmerzreduktion z.B. Heilungsprozess) Im Zentrum steht das Phänomen, also das Forschungsanliegen bzw. die Kategorie. Das Phänomen ist aus einer ursächlichen Bedingung entstanden und Teil eines Kontextes. Es wird immer von Handlungen und interaktionalen Strategien begleitet. Diese haben Konsequenzen. 3) Selektives Kodieren
  • Analyse in der Grounded Theorie 3. Schritt: Selektives Kodieren Die Achsenkategorien als wesentliche Aspekte der Theorie werden durch selektives Kodieren so verknüpft, dass eine Kernkategorie entsteht. Dabei kann es vorkommen, das eine Achsenkategorie bereits viele Beziehungen zu anderen Kategorien aufweist und sich somit als Kernkategorie eignet. Beispiel: Selektives Kodieren Zwei zentrale Achsenkategorien sind z.B.: die Schmerzwahrnehmung und die Schmerzbehandlung. Sie stehen im Beziehungsnetzwerk aller anderen Achsenkategorien an oberster Stelle. Man könnte diese beiden unter Verwendung einer Kernkategorie Schmerzmanagement miteinander verknüpfen.
  • Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring Stark reglementiertes Kodierungsverfahren mit dem Ziel der quantitativen Weiterverarbeitung von Texten unterschiedlichster Art (Dokumente, Interviews...) – Kategorien werden an das Material herangetragen, nicht aus dem Material entwickelt. An die Texte werden Theorien und Kategorien von außen herangetragen, eine quantitative Weiterverarbeitung wird angestrebt. – Ablauf: Festlegung des Materials- Analyse der „Erhebungssituationen“ - formale Charakterisierung des Materials – theoriegeleitete Festlegung der genauen Fragestellung Festlegung des Analysetechnik (3 Techniken) 1)Zusammenfassende Inhaltsanalyse: Paraphrasierung u. Generalisierung  2)Explizierende Inhaltsanalyse: Einbeziehung von Kontextmaterial („enge Kontextanalyse“ innerhalb des Textes; „weite Kontextanalyse“ durch Hinzuziehen anderen Informationsquellen) 3) Strukturierende Inhaltsanalyse: sucht nach „Typen“ oder formalen Strukturen im Material (formale, inhaltliche, typisierende oder skalierende Strukturierungen) - Festlegung der Analyseeinheiten )“Kodiereinheit“, „Kontexteinheit“, „Auswertungseinheit“) - Durchführung der eigentlichen Analysen – Interpretation in Bezug auf die Fragestellung
  • Rekonstruktive oder interpretative Auswertungsmethoden Fallrekonstuktive/interpretative Analyseverfahren Individuelle, subjektive Entscheidungen werden bei fallrekonstruktiven Verfahren vor dem Hintergrund allgemeiner gesellschaftlicher Bedingungen interpretiert. → Es stehen also nicht allein die subjektiven Sinnkonstruktionen soziale Akteure im Zentrum des Interesses, sondern ebenso die strukturellen Bedingungen, die ursächlich sind für das Handeln sozialer Akteure sind... Kurzvorstellung von drei Analyseverfahren → Dokumentarische Methode nach Ralf Bohnsack → Objektive Hermeneutik nach Ulrich Oevermann → Hermeneutische Fallrekonstruktion nach Gabriele Rosenthal
  • Dokumentarische Methode nach Bohnsack handlungsleitendes Erfahrungswissen stützt sich auf dahinter liegenden kollektive Orientierungen – Verwertung sprechsoziologischer Erkenntnisse: Textsorten und Sprechdynamik können ausgewertet werden. – Die Methode eignet sich insbesondere für leitfadengestützte oder narrative Interviews sowie zur Auswertung von Gruppendiskussionen. Arbeitsschritte nach Transkription des Interviews: 1. Formulierende Interpretation – „Was wird gesagt?“; inhaltlich genaue Wiedergabe der ausgewählten Passagen (Rekonstruktion des objektiven Sinngehalts). Zusammenfassung des z.B. narrativen Interviews (detailliert) 2. Reflektierende Interpretation – „Wie wird es gesagt?“: Nachvollzug der Beiträge, um gemeinsame und gegenläufige Orientierungen identifizieren zu können (Rekonstruktion des dokumentarischen Sinngehalts). Reflexion und Interpretation des Inhalts. 3. Fall- oder Diskursbeschreibung - dichte Darstellung der in den beiden Interpretationsschritten erfassten Orientierungen und deren Enaktierungspotenziale; - Unter Berücksichtung der ersten beiden Schritte verknüpfung mit theoretischen Ansätzen → Generalisierung: Verallgemeinerung und Anbindung an fachtheoretische Erkenntnisse 
  • Objektive Hermeneutik nach Oevermann – Soziales Handeln wird als Text erfasst und fixiert (=“Protokoll“), um es dann in Hinblick auf handlungsgenerierende latente Sinnstrukturen hermeneutisch auszulegen. – Ermittelt wird dabei die objektive Sinnstruktur des Textes in einer bestimmten Sprach- und Interaktionsgemeinschaft. – Es werden nur Einzelfallanalysen betriebene (Einzellfallstrukturrekonstruktion), die Grundlage von Strukturgeneralisierungen darstellen.
  • Hermeneutische Fallrekonstruktion nach Rosenthal Eignet sich insbesondere für biografische Fragestellungen und narrative Interviews Arbeitsschritte nach Transkription des Interviews: 1. Sequenzielle Analyse biografischer Daten =Rekonstruktion des „gelebten Lebens“; erfordert teilweise erhebliche Hintergrundkenntnisse sowie intensive Recherchen; Bildung von Strukturhypothesen aufgrund der Analyse 2. Thematische Feldanalyse = Rekonstruktion der erzählten Lebensgeschichte anhand der sequenziellen Segmentierung des Interviewtextes; Bedeutung der Textsorten (Erzählung, Beschreibung, Argumentation), wie stellt sich der Biograf/die Biografin dar ? Warum dieses Thema an dieser Stelle in dieser Länge? Hypothesen zur biografischen Bedeutung des Erzählten 3. Sequenzielle Feinanalyse ...einzelner Textstellen = Rekonstruktion performativer und erlebensbezogener Momente 4. Vergleich der gelebten und erzählten Lebensgeschichte 5. Formulierung eines Strukturtyps 6. Fallbeschreibung Schreiben einer Falldarstellung, in der die Ergebnisse der Analyse auch mit Hilfe von Interviewzitaten dargestellt werden. => zeitaufwändiges Verfahren- man braucht Wochen oder Monate