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Lebensmittelmikrobiologie (Fach) / Lebensmittelvergifter (Lektion)

Vorlesung Lipski WS 15/16

Diese Lektion wurde von paulili78 erstellt.

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  • Endosporenbildern C. botulinum - Toxine ·         Bisher 7 serologisch differenzierbare Toxine (Exotoxine) ·         A, B, E, F à Botulismus beim Menschen, C1, C2 und D > Erkrankung bei Tieren ·         Letale Dosis von Toxin A für den Menschen: 70 µg (orale Aufnahme) ·         Hitzeempfindlich! Inaktivierung bei 100 °C ·         Toxinaufbau S-Toxin (toxische Komponente, Peptid mit 150 kDa): wird proteolytisch in eine L- und eine H-Kette gespalten ( = Aktivierung) S-Toxin wird durch eine atoxische Komponente geschützt (Aggregat = M-Toxin)
  • Endosporenbildner Wirkungsweise Botulismus-Toxin o    Blockierung der Impulsleitung (Freisetzung von Acetylcholin) o    Verhinderung der Muskelkontraktion à Lähmung o    Betroffen vor allem: Augen-, Rachen- und Lungenmuskulatur
  • Endosporenbildner C. botulinum - Infektkette Erdbodenverunreinigungen (Sporen) Vermehrung und Toxinproduktion in geeigneten LM Magenpassage Resorption im Dünndarm Blut Nerven
  • Endosporenbildner C. botulinum - Krankheitssymptome ·         12 – 36 h nach Aufnahme: Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Störungen ·         Augenprobleme: Doppelsehen, Lichtsehen, Flimmern und Pupillenstarre ·         Schluckbeschwerden, Sprachstörungen aufgrund der Lähmung der Schlund- und Zungenmuskulatur, Versiegen der Speichelproduktion ·         Lähmung der Gliedmaßen ·         Größte Gefahr: Atemlähmung
  • Endosporenbildner C. botulinum - Diagnose und Therapie Diagnose ·         Toxinnachweis über Tierversuch oder ELISA Therapie ·         Gabe von Antitoxin ·         Acytylcholin-ersetzende Substanzen ·         Verdünnung des Toxins durch Infusionen ·         Sauerstoffbeatmung
  • Endosporenbildner C. botulinum - gefährdete LM ·         Vakuumverpackungen, Konservendosen (anaerobes Milieu) ·         Luftdichte Abpackungen à Senkung des O2-Partialdruckes durch aerobe MO, lebensmitteleigene Enzyme ·         Fischprodukte (z.B. geräuchertes Forellenfilet), häufig vakuumverpackt ·         Hausgemachte LM (Schinken, Wurstwaren) ·         Eingeweckte pflanzliche und tierische LM ·         Honig (Säuglinge!)
  • Endosporenbildner C. botulinum - Prävention ·         Kontamination mit Erdboden und Staub vermeiden ·         Zusatz von Konservierungsstoffen (Nitrat/Nitrit: Wechselwirkung mit Ferredoxin bei Clostridien) ·         Erhitzen von LM o   Die > 10 °C gelagert wurden: 121 °C für 3 min o   Die < 10 °C gelagert wurden: 90 °C für 5 min ·         Ansäuerung der LM auf pH < 4,5 ·         Absenken des aw-Wertes auf < 0,95 ·         Lagerung von LM o   Mit aw-Wert > 0,97 bei unter 3 °C o   Mit aw-Wert < 0,97 bei unter 10 °C
  • Endosporenbildner C. botulinum - Anwendungsfelder Botulismus-Toxin ·         Behandlung von Bewegungsstörungen (Neurologie) ·         Schmerztherapie ·         Therapie bei Zähneknirschen ·         Hyperhidrose (übermäßige Schweißproduktion) ·         Kosmetische Anwendung
  • Endosporenbildner C. perfringens - Eigenschaften Vorkommen: Erdboden, Intestinaltrakt von Mensch und Tier Grampositiv Anaerob Stäbchen 5 Typen (A-E) je nach Toxinspektrun              A > Wundinfektionen (Gasbrand) und LM-Vergiftungen: alpha-Toxin (Lecithinase), Kollagenase, DNAse, Enterotoxin              C > nekrotisierende Enteritis (Darmbrand) Vegetative Zellen gelangen über ungenügend erhitzte oder unsachgemäß gekühlte Speisen in den Darm à Vermehrung auf 106 Zellen/g à Sporulation mit Toxinbildung
  • Endosporenbildner C. perfringens - Wachstumsansprüche 15 – 50 °C (Optimum: 43 – 45 °C) aw-Minimum 0,97 – 0,95 pH-Minimum 5,0 empfindlich gegenüber Einfrieren (Nachweis!)
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  • Endosporenbildner C. perfringens - natürliche Standorte Erdboden, menschlicher/tierischer Darmtrakt (Konz. bei gesunden Menschen: 102-104 / g Stuhl)
  • Endosporenbildner C. perfringens - Infektkette Ausgangspunkt: fäkale Verunreinigungen, Erdboden, Staub, Abwässer                 Rind- und Geflügelprodukte                 Zubereitungstemperaturen oft nicht ausreichend, um Sporen abzutöten                 Ungenügende Kühlung                 Vermehrung auf Konzentrationen > 106 Zellen/g LM Vermehrung nur unter anaeroben Bedingungen (im Inneren größerer Fleischstücke, am Boden eines gefüllten Topfes) Vegetative Zellen gelangen in den Darmtrakt Sporulation mit Toxinbildung Erhöhte Permeabilität der Blutkapillaren 8 – 20 h nach Aufnahme des LM: Diarrhöe Nach 10 – 24 h Abklingen der Symptome, selten Komplikationen
  • Endosporenbildner C. perfringens - Diagnose Meist über den quantitativen Nachweis vermehrungsfähiger Zellen/Sporen im Stuhl des Patienten (> 106 / g Stuhl) Selten Toxinnachweis Doppelzonenhämolyse reverser CAMP-Test
  • Endosporenbildner B. cereus - Eigenschaften Grampositiv Stäbchen Fakultativ anaerob Beweglich Natürlicher Standort: Erdboden Bildung mehrerer Toxine während der logarithmischen Wachstumsphase                     o   Diarrhöe-Toxin                     o   Emetic-Toxin (Erbrechen)
  • Endosporenbildner B. cereus - Wachstumsansprüche 15 – 50 °C (Optimum 28 – 35 °C), psychrotrophe Stämme + 4 °C (B. weihenstephanensis) aw-Minimum 0,91 – 0,95 pH-Minimum 4,3 – 4,9
  • Endosporenbildner B. cereus - Infektkette Ausgangspunkt: Erdboden, Staub, Gewürze Vermehrung im LM auf Zellzahlen > 106 /g
  • Endosporenbildner B. cereus - Diarrhöe-Toxin Hitzelabiles Protein Empfindlich gegenüber proteolytischen Enzymen (z.B. Trypsin) Inaktivierung durch 60 °C, wenige Minuten oder pH < 5,0 Krankheitssymptome 8-16 h nach Aufnahme, Abklingen nach 12-24 h
  • Endosporenbildner B. cereus - Emetic-Toxin Erbrechens-Toxin Thermostabil Resistent gegenüber proteolytischen Enzymen Stabil bei pH > 2,0 Krankheitssymptome nach 30 min bis 6 h nach Aufnahme, Abklingen nach 6-24 h 12er Peptid                 o   Ringförmig (D-Leu-D-Ala-L-Val-L-Val)3                 o   Nicht durch Ribosomen zusammengesetzt                 o   Besteht nur aus hydrophoben AS                 o   Es gibt für dieses Peptid kein direktes Gen (PCR nicht möglich)                 o   Es gibt nur ein Enzym, welches detektiert werden kann
  • Endosporenbildner B. cereus - Diagnose Zellzahl > 105 /g im LM oder im Stuhl des Patienten
  • Endosporenbildner B. cereus - betroffene LM Diarrhöe-Toxin: Eiweißreiche LM (Gemüse, Saucen, Suppen, Fleischprodukte) Emetic-Toxin: Reisgerichte Psychrotolerante Stämme: Milch (Überleben des Pasteurisationsprozesses > Vermehrung auch unter Kühlung)
  • Viren Eigenschaften Kein Lebewesen (kein Stoffwechsel, kein Wachstum / Biomassenaufbau) 20 – 300 nm Größe Nukleinsäure, 5 – 230 kB, RNA oder DNA Capsid = Proteinhülle                      o   Self-assembly des Capsids Virus-spezifische Enzyme Optional: Membran (Hülle) Morphologie                      o   Linear                      o   Ikosaedrisch                      o   Komplexer, z.B. Bakteriophagen
  • Viren Systematik ·         Nach Nukleinsäure-Typ (DNA oder RNA) ·         Morphologie (mit oder ohne Hülle) ·         Wirt (Tier, Pflanze, Bakterium) ·         Replikationsstrategie
  • Viren Infektionszyklus ·         Anheftung an Wirtszelle, Rezeptor ·         Eintritt der Nukleinsäure in Zelle, Verlust des Capsids ·         RNA bindet direkt an Ribosomen des Wirtes
  • Viren Nachweis ·         Kultivierung im Hühnerei oder in Kultur des spezifischen Zielgewebes ·         Elektronenmikroskop ·         ELISA (Proteine des Capsids) ·         PCR (Reverse Transkription vorschalten à cDNA)
  • Viren Replikation ·         Anheften des Virions an Wirt ·         Injektion der Nukleinsäure in die Zelle ·         Synthese der Nukleinsäure und des Proteins durch den Zellmetabolismus ·         Zusammenbau von Capsomer, Einpacken der Nukleinsäure in neue Virionen ·         Freisetzung reifer Virionen aus Zelle
  • Hepatitis A-Virus Eigenschaften ·         Picornavirus (ssRNA, unbehüllt) ·         Fäkal-oral übertragbar ·         Größe: 27-29 nm ·         Resistent gegen Trinkwasserchlorung, stabil bei pH 3,0
  • Hepatitis A-Virus Infektionskette ·         Nach Infektion Vermehrung im Darmepithel ·         Generalisierte Verbreitung im Körper ·         Inkubationszeit 2-4 Wochen ·         Grippeähnliche Symptome, Gelbsucht (Leberdefekt) ·         Symptome erst nach Ausscheidung ·         Vorbeugung durch konsequente (Betriebs-)Hygiene
  • Noro-Virus Eigenschaften ·         Caliciviridae (ssRNA, unbehüllt) ·         Fäkal-oral übertragbar ·         Größe 27 – 40 nm ·         Keine Vermehrung in Zellkultur
  • Noro-Virus Infektkette ·         Geringe Infektionsdosis (10 – 100 Viruspartikel) ·         Inkubationszeit 12 – 48 h ·         Krankheitsdauer 1 – 3 Tage ·         Gastroenteritis (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) ·         Abtötung von Noroviren bei 90 °C für 2 min