Differentielle Psychologie & Persönlichkeitspsychologie (Fach) / Modellierung der Persönlichkeitsstruktur (Lektion)

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Typologien, Cattell, Eysenck und Big 5

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  • Was ist ein "Typ"? Träger eines oder einer Gruppe von charakteristischen Persönlichkeitsattributionen
  • Was ist das Ziel der Persönlichkeitsforschung? Ein vorrangiges Ziel der Persönlicheitsforschung besteht darin, die Persönlichkeit in all ihren Schattierungen und Verhaltensbereichen zu erfassen und die Struktur und wechselseitige Abhängigkeit der Beschreibungsdimensionen aufzuzeigen (→Modellierung der gesamten Persönlichkeit) →Cattell, Eysenk & Big Five
  • wozu dient die Faktorenanalyse? Zentrales Verfahren der differentiellen Persönlichkeitspsychologie zur Erforschung der (gesamten) Persönlichkeitsstruktur
  • Welche Temperamentstypologien gibt es nach Hippokrates? Einteilung in 4 Typen nach "Vorherrschen von Körpersäften" (entspr. der 4 Elemente) durch Hippokrates (406-377 v. Chr.) Phlegmatiker (Schleim) Sanguiniker (Blut) Choleriker (gelbe Galle) Melancholiker (schwarze Galle)
  • Welche Eigenschaften sind nach Eysenck typisch für Sanguiniker? verspielt, sorglos, gutmütig, gesellig, hoffnungsvoll, zufrieden, gesprächig, teilnehmend, lebhaft, aus sich herausgehend, lässig, tonangebend...(stabil, extravertiert)
  • typische Eigenschaften für Choleriker? schnell erregt, egozentrisch, exhibitionistisch, hitzköpfig, theatralisch, aktiv, empfindlich, unruhig, aggressiv, reizbar, wechselhaft, impulsiv, optimistisch...(labil, extravertiert)
  • Wodurch ist ein "Melancholiker" nach Eysenk gekennzeichnet? ängstlich, beunruhigt, launisch, unglücklich, misstrauisch, ernst, gedankenvoll, rigide, bedrückt, pessimistisch, zurückhaltend, ungesellig, schweigsam... ( labil/introvertiert)
  • Wie ist der "Phlegmatiker" nach Eysenk? vernünftig, hohe Prinzipien, sorgsam, beherrscht, beharrlich, standhaft, ruhig, passiv, nachdenklich, friedlich, zuverlässig, ausgeglichen.. (eher stabil/Introvertiert)
  • Was versteht man unter "Konstitutionstyplogien"? Unter Konstitutionstypologie versteht man den Versuch, Charakter- und Verhaltensunterschiede auf körperliche Merkmale zu beziehen, die daraus zu erklären oder zumindest über das Körperliche einen Zugang zum Psychischen zu erhalten
  • Beiträge zur Konstitutionstypologie Aristoteles: Physiognomica - Zuordnung von Gesichtsformen zu Charaktertypen (Ähnlichkeit mit Tiergesichtern) Porta: Weiterentwicklung des Ansatzes von Aristoteles Sulzer: für den Kunsttheoretiker ist der Körper nichts anderes als die sichtbar gemachte Seele Lavater Carus (Arzt): "die äußeren Gebilde verraten in gewisser Weise die Eigentümlichkeiten des Inneren" Franz J. Gall: Begründer der Phrenologie
  • Konstitutionstypologien nach Kretschmar Ausgangspunkt: griech. Typologie des habitur apoplecticus (dick, vollblütig, hohes Schlaganfallrisiko) und  habitus phthisikus (lang und dünn, Schwindsucht) Typologien nach Kretschmar: Pykniker (Temperament: zyklothym, Eigenschaften: gesellig, gutherzig, freundlich, gemütlich, witzig, heiter..) Leptosome (Temperament: schizothym, Eigenschaften: ungesellig, still, feinfühlig, empfindlich) Athlethiker (Temperament: viskös, Eigenschaften: schwer bewegliche Affektivität, Beharrungstendenz, Neigung zu perservativen und stereotypen Handlungsabläufen)
  • Signifikante Zusammenhänge zwischen Körperbau und psychischen Störungen? Studie nach Westphal zur Überprüfung nach Kretschmars Typologie → rel. hohe Korrelation zw. Leptosom und Schizophrenie und pyknisch und Manisch-Depressiv Aber: Steigendes Alter → pyknisches Körperform, manisch-depressive Erkrankung Schizophrenie meist im jungen Erwachsenenalter manifestiert →Scheinkorrelationen nur 10% aller Menschen nur reine Typen, der Rest "Mischtypen"  
  • Was kann auf den kleinen, aber signifikanten Zusammenhang zwischen Konstitution und psychischen Faktoren zurückgeführt werden? Gene, die auf psychische und physische Faktoren wirken körperliche Faktoren beeinflussen Psychische psychische Faktoren beeinflussen Physische ... Beispiel f. Zusammenhang zw. Genen, Körpermerkmalen, psychischen Merkmalen: Überproduktion von GH (wachstumshormonen)→häufig verminderte Intelligenz
  • Was sind die Hauptfunktionen der Faktorenanalyse? Auffinden einer Binnenstruktur von Daten Datenreduktion Vermeidung von Redundanzen Isolation von grundlegenden Dimensionen
  • Was ist Ausgangspunkt de Faktorenanalyse? was sind "Gruppen"? Ausgangspunkt: Korrelationsmatrix der erhobenen Variablen Dreiecksmatrizen→ Gruppen  psychologisch inhaltliche Interpretation von Gruppen (z.B. Gruppe 1: Ausdruck v. Ängstlichkeit, Gruppe 2: Aggressivität) bei großer Variablenanzahl und komplexen Korrelationsstrukturen → Faktorenanalyse Gruppen: statistisch ermittelte Faktoren  
  • Was war die Persönlichkeitsauffassung von Cattell (1905-1998)? Universalität der von ihm beschriebenen Eigenschaften  Ziel der umfassenden Bechreibung der Persönlichkeit Persönlichkeit als Summe dessen, was Vorhersagen eines Verhalten einer Person in einer bestimmten Situation erlaubt
  • Bereiche der Persönlichkeit nach Cattell ability (Fähigkeiten) Wesenszüge (Temperament, das "Wie" des Verhaltens oder dessen "Stil") Motivation/Dynamik: Ergs (Antriebe), Sentiments (Einstellungen), Roles (soz. Rollen)
  • Datenquellen bei Cattell life-Data (life protocols, Lebensläufe, Biografien, Erzählungen, Fremdratings) Q-Daten (Questionnaire-Daten) T-Daten ( objekt. Testdaten)
  • Ermittlung von Eigenschaftsfaktoren per L-Daten (Fremdratings) nach Cattell Ausgangspkt: ca. 20 000 Wörter aus Lexikon Reduktion der Eigenschaftswörter (ca. 4500) → gruppierung der Begriffe→Einschätzung von ca. 100 pbn durch 2 Rater→Inspektionen von 171x171 Korrelationen→Anordnung und Reduktion auf 35 Cluster→Rating an 208 Personen→faktorisierung der Daten→12 Dimensionen
  • Kritik an Erhebung der Source Traits nach Cattell nur 2 rater und 100 Pbn inkonsistente Replikationen (wenige Faktoren wurden gefunden) →vermutlich hat Cattell zu viele Faktoren extrahiert
  • Was ist der 16-PF-R? ..älteste und weltweit am häufigsten verwendete Fragebogen 16 Skalen (ähnlich den 12-L-Daten-Faktoren + 4 fragebogenspezifische Faktoren) Faktoren sind nicht unabhängig Primärdimensionen: Wärme, logisches Schlussfolgern, emotionale Stabilität, Dominanz, Lebhaftigkeit, Regelbewusstsein, soz. Kompetenz, Empfindsamkeit, Wachsamkeit, Abgehobenheit, Privatheit, Besorgtheit, Offenheit für Veränderung, Selbstgenügsamkeit, Perfektionismus, Anspannung
  • Cattells hierarchisches Persönlichkeitsmodell Neural Strength: Extraversion + Gefühlsbetonheit/Pathemia (Primärfaktoren des Sekundärfaktors z.B. von Extraversion: Selbstgenügsamkeit (Q2-), Lebhaftigkeit (F+), Soz. Kompetenz (H+), Wärme (A+)) ? : Independence, anxiety (auch Neurotizimus), Character strength (auch Gewissenhaftigkeit) Third Stratum Source Traits → Second stratum Source Traits → first Stratum Source Traits→ behaviour tendencies
  • Pro/Contra - Cattels Persönlichkeitsmodell Pro: persönlichkeitsmodell und 16-PF von hohem wissenschaftlichem Wert nachhaltiger Ansatz, die Komplexität des menschlichen Vhs in einem multivariaten Ansatz erklären zu wollen Contra: Interpretationen sind sehr schnell über die vorliegenden Daten hinausgegangen Übereinstimmung zw. L-Daten und Q-Daten unbefriedigend faktorielle Struktur des 16PF konnte häufig nicht wiedergefunden werden Items korrelierten häufig höher mit "fremden" als mit der "korrekten" Dimensionen
  • Wer waren die "Wegbereiter" Eysenks, was verstand Eysenk unter Persönlichkeit ? Persönlichkeit: mehr oder weniger feste und überdauernde Organisation des Verhaltens, des Temperaments, des Intellekts und der Physis des Menschen hypothetisch-deduktive Herangehensweise faktorenanalytischer Ansatz "Wegbereiter": Kretschmer (fließende Übergänge von normal-psychotisch), Galen bzw. Kant (Lehre von vier Temperamenten), C.G. Jung (Begriff der Extraversion), Pawlow (Konzept der Erregung und Hemmung bei Lernprozessen)
  • Mit welchen Faktoren lässt sich nach Eysenk Persönlichkeit beschreiben? PEN-System: Psychotizismus Extraversion Neurotizismus (keine Sekundärfaktoren aus Primärfaktoren wie bei Cattell)
  • Wodurch ist Extraversion nach Eysenk gekennzeichnet? gesellig, lebhaft, sorglos, aktiv, dominant, ungestüm, bestimmt, kühn, reizsuchend "Kern" der Extraversion: Soziabilität (Suche nach Gesellschaft) oder Belohnungssensitivität (Stärke der Motivation, sich einer Situation/einem Reiz anzunähern, der einen Anreiz verspricht) häufig mit pos. Emotionalität verbunden
  • Neurotizismus nach Eysenk - Eigenschaften? ängstlich, niedergeschlagen, irrational, Schulgefühle, schüchtern, launisch, niedriges Selbstwertgefühl, emotional, angespannt Aber: auch protektive Funktion (wg. Ängstlichkeit): bis 25 haben Menschen mit höherem N-Wert geringere Sterblichkeit, danach jedoch höhere sterblichkeit (krankheitsanfälligkeit, Suizid..)
  • Was kennzeichnet Psychotizismus nach Eysenk? Eigenschaften: aggressiv, antisozial, kalt, egozentrisch, nicht mitfühlend, kreativ, unpersönlich, hart, impulsiv P-Dimemsion wenig etabliert, psychometrische Schwächen in der P-Skala, ethisch problematische Etikettierung
  • Messverfahren der drei Faktoren von Eysenk? EPQ-R → 102 Items im ja/Nein -Format
  • Eysenks Beitrag zur Persönlichkeitsforschung Vorreiter der (wissenschaftl) Erforschung der biologischen und genetischen Grundlagen der Persönlichkeit aber: Festlegung auf Psychotizismus als Basisdimension der Persönlichkeit sehr umstritten
  • Was sind die Big Five? Extraversion, Neurotizismus (Eysenk) und: Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit
  • Welche Messverfahren der Big Five gibt es? Revised NEO Personality Inventory Faktoren als Domänen; 6 hierarchisch untergeordnete Facetten 240 Items mit 5fach abgestuften Antwortformat von völliger Ablehnung bis völliger Zustimmung  Neo Five Factor Inventory (Neo-FFI) Kurzform des Neo-PI-R keine Facetten 60 Items  
  • Anwendungsbeispiele der Big Five? Berufserfolg und Persönlichkeit (Meta-Analyse: Conscientiousness als guter und reliabler Prädiktor für Berufserfolg (teilweise auch negativ mit Berufserfolg assoziiert z.B. bei kreativen Berufen) Extraversion und Openess nur für best. Berufsgruppen geeignete Prädiktoren Geschlecht und Persönlichkeit: Meta-Analyse von Studien mit 100.000 Pbn  →kein geschlechtseffekt bei Impulsivität, Geselligkeit, Aktivität, Ideen, Ordnung; höhere Ausprägung bei Frauen: Angst, Vertrauen, weichherzigkeit, höhere Ausprägung bei Männern: Bestimmtheit kleine Kohorteneffekte bei Schülern, Studenten, Erwachsenen Geschlechtsunterschiede am deutlichsten auf der Dimension Dominanz vs. Submissivität soziokulturelle, biologische Ursachen
  • Kritik der Big Five nach Eysenk umfassende Beschreibung individueller Unterschiede im Temperamentsbereich, aber nur solcher Eigenschaften, die sich in Sprache ausdrücken lassen Bestätigung in vielen verschiedenen Kulturen deskriptive Modelle → Verhaltensbeschreibung, ggf. -vorhersage, aber: keine Erklärung NEO-PI-R und NEO-FFI sind weit verbreitet, aber nicht völlig unumstritten (warum genau diese 5 Faktoren?...)