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Diagnostik I (Fach) / Diagnostik I (Lektion)
Diagnostik I
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- Experimente (Nomothetische / psychometrische Methoden) Spielen in der Diagnostik kaum eine Rolle (außer im Forschungsbereich)
- Zusammenfassung Idiographie - Nomothetik (Geisteswissenschaften - Naturwissenschaften) Geisteswissenschaften individualisierendd - benutzen idiographische Methoden - suchen nach dem Einmaligen und Unverwechselbaren - fordern nach Konkretheit und Ganzheit - beschreiben komplexe Gegenstände ---> Streng genommen ist rein idiographisches Arbeiten nicht wissenschaftlich - Wissenschaftliche Aussagen müssen immer in gewissem Grade allgemeingültig sein, d.h. Einzelfallbeschreibungen sind nur als Ausgangspunkt wissenschaftlicher Theorienbildung sinnvoll, jedoch nicht als Ziel Naturwissenschaften generealisierend - benutzen nomothetische Methoden - suchen nach allgemeingültigen Gesetzen und Regeln - treffen Verallgemeinerungen über alle Menschen, um zentrale Dimensionen zu finden - benutzen analytisches Denken und Experimente
- Verhaltensbeobachtung in der Diagnostik - (L)ife - record - Daten sind objektive Lebensdaten (Anzahl der Geschwister, Einkommen etc.) sowie Fremdbeobachtungen und - beurteilungen (durch Lehrer, Vorgesetzte etc.) - Beobachtung hat in jeder diagnostischen Situation ihre eigene Bedeutung - Sie kann situative Bedingungen bei einer Testung festhalten (z.B. körperliche Symptome von Müdigkeit) und sie kann wichtige komplexe Eigenschaften des Probanden feststellen (z.B. soziale Umgangsformen) - Weniger Verzerrungen durch den Probanden als beim Fragebogen - Interaktionen können gut beoachtet werden - Beobachten heißt, Ereignisse, Vorgänge oder Verhaltensweisen sorgfältig wahrnehmen und registrieren
- Was für unterschiedliche Verhaltensbeobachtungen gibt es in der Diagnostik? - Gelegenheitsbeobachtungen (begleitende Rolle ; dient v.a. zur Gewinnung eines allgemeinen "Eindrucks" und zur Bildung von Hypothesen, die im Laufe der Untersuchung überprüft werden können) - Systematische Verhaltensbeobachtung (sollte von einem nicht unmittelbar betroffenen Psychologen durchgeführt werden, nicht vom Diagnostiker selbst) --> Oft Mischformen aus systematischer und unsystematischer Verhaltensbeobachtung
- Klassifikationsgesichtspunkte von Beobachtungsverfahren (Verhaltensbeobachtung) - Freie vs. systemische Beobachtung - Ausmaß der Kontrolle und Strukturierung - Beobachtung in vivo vs. Beobachtung auf der Basis von Aufzeichnungen - Grad der Teilnahme des Beobachters am aufzuzeichnenden Geschehen
- Freie vs. systemische Beobachtung (Verhaltensbeobachtung) - Freie unsystemische Verhaltensbeobachtung dient der Bildung erster Hypothesen und zur Vorbereitung der systemischen Beobachtung (Einziger Unterschied zur Alltagsbeobachtung = Ausrichtung auf einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn) - Systemische Verhaltensbeobachtung ist eine, auf das Verhalten eines oder mehrerer Menschen gerichtete, nicht dem Zufall überlassene, methodisch kontrollierte Wahrnehmung, mit der Absicht, dadurch etwas für die Persönlichkeit Charakteristisches zu erfahren Aufzeichnung und Auswertung erfolgt nach einem genau bestimmten Plan Maßnahmen, die Objektivität der Daten gewährleisten sollen - Trotz einiger Gegenargumente, spricht für die systemische Beobachtung, dass (im Gegensatz zu Persönlichkeitstests: Falsche Angaben + verzerrte Wahrnehmung) reales und nicht bloß verbal bekundetes Verhalten erfasst wird (
- Ausmaß der Kontrolle und Strukturierung (Standardisierung) (Verhaltensbeobachtung) - Lässt man den Ereignissen z.B. bei der Feldbeobachtung vollkommen freien Lauf, spricht man von naturalistischer Beobachtung (Ziel, möglichst realistisches Bild zu bekommen) - Je mehr Kontrolle (meist der Rahmenbedingungen im Labor), desto besser können einzelne Personen durch die Standardisierung miteinander verglichen werden (allerdings bei sehr eingeschränkten realem Umfeld im Labor)
- Beobachtung in vivo vs. Beobachtung auf der Basis von Aufzeichnungen (Verhaltensbeobachtung) - In vivo Beobachtungen sind wesentlich aufwändiger, weil sowohl beobachtet als auch registriert werden muss - Dabei könnten eventuell interessierende Ereignisse unbemerkt bleiben - Problem kann gemildert werden, indem mehrere Beobachter eingesetzt werden
- Aktiv - teilnehmende Beobachtung (Verhaltensbeobachtung) - Beobachter mischen sich direkt in das Geschehen ein - Charakteristisch für das Interview oder in sozialpsychologischen Experimenten - Nachteil : Einfluss des spezifischen Verhaltens des Beobachters auf die beobachtete Situation (Problem der Durchführungsobjektivität)
- Passiv - teilnehmende Beobachtung (Verhaltensbeobachtung) - Beobachter ist anwesend, aber greift nicht direkt in das Geschehen ein
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- Nicht - teilnehmende, verdeckte Beobachtung (Verhaltensbeobachtung) - wird durch Miniaturisierung der Videotechnik verstärkt eingesetzt - kollediert jedoch mit rechtlichen und forschungsethischen Normen, die eine informierte Einwilligung des Probanden fordern - bei Laboruntersuchungen können Probanden nachträglich informiert werden, sodass sie die Möglichkeit haben, ihre Daten sofort zu löschen - bei Feldexperimenten ist die nachträgliche Erlaubniseinholung allerdings nicht immer möglich - durch diese strikten Regeln sind Experimente von früher wie z.B. nichteingeweihte Versuchpersonen in einem simulierten Flugzeugabsturz in Todesangst zu versetzten nicht mehr zulässig
- Grad der Teilnahme des Beobachters am aufzuzeichnenden Geschehen (Verhaltensbeobachtung) - Aktiv - teilnehmende Beobachtung - Passiv - teilnehmende Beobachtung - Nichtteilnehmende, verdeckte Beobachtung
- Stichprobenplan (Verhaltensbeobachtung) Im Stichprobenplan wird geregelt, wann Verhaltensstichproben gezogen werden - Zeitstichprobenplan = Vorab festgelegt, zu welchen Zeitpunkten Verhalten registriert wird - Ereignisstichprobenplan = Es wird erst registriert, wenn ein vorher definiertes kritisches Ereignis eintritt (z.B. Kontaktaufnahme mit einer zweiten Person)
- Isomorphe Beschreibung (Verhaltensbeobachtung) - Gehört zur freien, nicht systematischen Beobachtungsmethode - Es wird versucht, das zu beobachtende Verhalten möglichst vollständig wiederzugeben (z.B. Verlaufsprotokoll)
- Verfahren der reduktiven Beschreibung (Verhaltensbeobachtung) - Die Registrierung wird auf bestimmte Aspekte reduziert oder fasst einzelne Verhaltensweisen in größere Verhaltensklassen zusammen - Kein Versuch, das Geschehen umfassend und vollständig zu protokollieren
- Beobachtungssystem oder Kodierschema (Verhaltensbeobachtung) = Messinstrument der Verhaltensbeobachtung - Menge von Regeln, die spezifizieren, welche Verhaltensaspekte jeweils beachtet und registriert werden müssen - Bestehen aus einer Liste von Kennzeichnungen (Kodes) möglichst explizit definierter Verhaltensklassen - Die Aufgabe der Beobachtung besteht in der Erstellung eines Protokolls des Verhaltensstroms, in dem unter Anwendung der Regeln jedes Verhalten, das einem der vorher festgelegten Kodes entspricht, aufgezeichnet wird - Bei komplexeren Systemen werden die Regeln in einem Kodiermanual festgehalten - Definitionen der Kodes + Beispiele + Gegenbeispiele
- Welche Aufgaben ergeben sich bei der Erstellung eines Beobachtungssystems? (Verhaltensbeobachtung) (1) Segmentierung des Verhaltensstroms (2) Klassifizierung der hieraus resultierenden Einheiten
- Segmentierung des Verhaltensstroms (Verhaltensbeobachtung) Aufteilung der Beobachtungsperiode in einzelne Beobachtungseinheiten (zeitlich oder inhaltich definierte Abschnitte des Verhaltensstroms, für die jeweils Kodierungen vorzunehmen sind) - Im einfachsten Fall fungiert die gesamte Beobachtungsperiode ohne Segmentierung als Einheit - Protokollierung ist hier simple Strichliste, die mit den Kodes der aufzuzeichnenden Verhaltensklassen versehen ist - Vorteil = Leichte Handhabung und Auskommen ohne technische Hilfsmittel - Nachteil = Die beobachteten Ereignisse können nur aufsummiert werden (Auszählung von Häufigkeiten) ; Keine zeitliche Einteilung möglich oder auch wie lange das einzelne Ereignis andauert
- Echte Segmentierungen können mit zwei Methoden vorgenommen werden... (Verhaltensbeobachtung) (1) Intervallkodierung oder Zeit-Teil-Methode - Es wird ein Zeitraster über den Verhaltensstrom gelegt (Jedem der so entstandenen gleichlangen Intervalle wird der Kode zugeordnet, der das in dem Intervall auftretende Verhalten beschreibt) (2) Ereigniskodierung oder Ereignis-Teil-Methode - Hier wird das Auftreten vorher festgelegter Ereignisse registriert
- Spezielle Urteilsfehler bei der Verhaltensbeurteilung (Verhaltensbeobachtung) (1) Beobachterdrift (2) Reaktivitätseffekte (3) Überforderte Differenzierungsfähigkeit (4) Unscharfe Definitionen (5) Unvertrautheit mit den Beobachtungseinheiten
- Beobachterdrift (Spezielle Urteilsfehler bei der Verhaltensbeurteilung) - Veränderungen in der Beobachtungsgenauigkeit, die auf ein Nachlassen an Sorgfalt oder Konzentration oder einen durch das Beobachten selbst bedingten Wandel in der Bedeutung einzelner Kategorien zurückgehen könnte
- Reaktivitätseffekte (Spezielle Urteilsfehler bei der Verhaltensbeurteilung) Reaktivität = Ausmaß, mit dem sich das Verhalten der beobachteten Personen unter dem Einfluss der Beobachtung verändert Meist wird das Verhalten mehr oder weniger stark "sozial erwünschte" Züge annehmen
- Überforderte Differenzierungsfähigkeit (Spezielle Urteilsfehler bei der Verhaltensbeurteilung) Der Beobachter überschätzt seine Kapazität, wenn er glaubt, sehr viele Objekte beobachten zu können
- Unscharfe Definitionen (Spezielle Urteilsfehler bei der Verhaltensbeurteilung) Die Beobachtungsobjekte sind nicht eindeutig definiert (z.B. "gezeigtes Leistungsverhalten")
- Unvertrautheit mit den Beobachtungseinheiten (Spezielle Urteilsfehler bei der Verhaltensbeurteilung) Der Beobachter ist mit dem zugehörigen Kodierschlüssel zu wenig vertraut
- Beurteilungsfehler (Verhaltensbeobachtung) Jede Beurteilung enthält subjektive Elemente - Diese Elemente kann man nicht ausschließen, der Beurteiler kann aber versuchen, sich diese Einflussfaktoren bewusst zu machen und sie hierdurch einzugrenzen Trainieren der Beobachtungsfertigkeit ist daher von großer Bedeutung für den Diagnostiker (1) Beurteilungstäuschungen (2) Beurteilungsverzerrungen (3) Beurteilungsversagen
- Beurteilungstäuschungen ( = Soziale Wahrnehmungstäuschungen) (Beurteilungsfehler bei der Verhaltensbeobachtung) Hier betrügt uns quasi das eigene Auge bzw. Gedächtnis Phänomen interpersoneller Wahrnehmung Wird begünstigt durch Ermüdung, sinkende Aufmerksamkeit und Fehlen von Beurteilungsrichtlinien (a) Der erste Eindruck (b) Der Selbst-Bezug (c) Tendenz zur Mitte ("Fehler der zentralen Tendenz") (d) Der Kontrast-Effekt (e) Der Halo-Effekt (f) Konformitätsdruck bei der Personenbeurteilung (g) Der Schlechte-Laune-Effekt (h) Soziale Stereotype (i) Impressions-Management
- Der erste Eindruck (Beurteilungstäuschungen) - i.d.R. trifft man innerhalb weniger Sekunden eine Einschätzung über Sympathie oder Antipathie des Gegenübers - Personen mit ähnlichen Merkmalen (z.B. gleiche Unviersität) werden positiver eingeschätzt - Erster Eindruck wirkt sich auf die Interaktion aus --> Erster Eindruck und damit die eigene Erwartung kann schnell zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" werden - Starke Prägung des ersten Eindrucks durch selektive Wahrnehmung - Erste Eindruck legt unmerklich ein Beurteilungssystem für unsere weitere Wahrnehmung fest, nach welchem wir alle weiteren Informationen und Signale beurteilen - Jede weitere Wahrnehmung dient hauptsächlich der Bestätigung des einmal gewonnenen Urteils (Positionseffekte im Sinne des ersten (oder letzten) Eindruckes, die das Urteil steuern können)
- Der Selbst-Bezug (Beurteilungstäuschungen) - In jede Personeneinschätzung gehen auch eigene Maßstäbe ein - In jeder Fremdbeurteilung steckt auch eine Selbstbeurteilung - Sprenger : Jede Beurteilung ist Selbstbiographie
- Tendenz zur Mitte ("Fehler der zentralen Tendenz") (Beurteilungstäuschungen) - Dort, wo Personen in der schriftlichen Beurteilung unsicher sind, neigen sie zur Mitte oder zu einer "Standardnote" - Je unsicherer die Einschätzungen des Befragten, umso größer die Tendenz zur Mitte ("Dort kann ich am wenigsten falsch machen") Mittlere Note erhält so zwei Bedeutungen (a) Leistungsmerkmal hat eine mittlere Ausprägung (b) Ich als Beurteiler bin mir nicht ganz sicher in meiner Einschätzung
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- Der Kontrast-Effekt (Beurteilungstäuschungen) - z.B. Leistungsschwacher wird in einem noch leistungschwächeren Umfeld als relativ leistungsstark wahrgenommen, während in einem leistungsstarken Umfeld seine Leistungsschwäche noch stärker ins Auge fällt - Untersucher "erkennt" beim Probanden jene Eigenschaften, die er sich selber abspricht (Umgekehrt ist es beim "Ähnlichkeitsfehler", wo der Beobachter beim Probanden vertraute Eigenschaften "entdeckt" und annimmt, dass die Person genauso geartet ist wie er selbst)
- Der Halo-Effekt (Halo: "Hof des Mondes") (Beurteilungstäuschungen) - Überstrahlungseffekt - Ein besonderes Merkmal (oder Fähigkeit) überstrahlt alle anderen - Im Rahmen der Personalbeurteilung kann dieses auch eine Einzelleistung sein, die derartig herausragt, dass sie die Beurteiler bei der Einschätzung der Gesamtleistung blendet - Fehler besteht darin, dass aus der Präsenz einer "Eigenschaft" die Ko-Präsenz einer anderen Eigenschaft erschlossen wird (z.B. von Warmherzigkeit wird auf Kooperation & Kontaktbereitschaft geschlossen) - Aufgrund dieses "Experimentator"-Erwartungseffektes kommt es dann zu unwissentlichen Verstärkungen des Verhaltens der Testperson
- Konformitätsdruck bei der Personenbeurteilung (Beurteilungstäuschungen) - Bsp.: Asch-Effekt Linieneinschätzung (Die eigentliche Versuchsperson wurde durch die falschen Einschätzungen der anderen so verunsichert, dass sie fast 37% der Liniengrößen falsch einschätzte) - Bei Personeneinschätzungen bewegen wir uns auf einem viel unsichereren Feld --> Wir trauen also Urteilen anderer mehr als unseren eigenen; zudem fühlen wir uns dadruch besser in die jeweilige Gruppe integriert
- Der Schlechte-Laune-Effekt (Beurteilungstäuschungen) - Persönliche Stimmungslagen beeinflussen die Beurteilung - Gut gelaunte Menschen erinnern sich v.a. an positive Schen aus der Vergangenheit. Er nimmt die Welt so wahr, dass seine gute Laune erhalten bleibt ("rosarote Brille") - Beurteilen Sie deshalb keinen Menschen, wenn Sie in einer besonders positiven oder negativen Stimmungslage sind!
- Soziale Stereotype (Beurteilungstäuschungen) - Bsp.: Beamte werden als sparsam, geordnet, ernst, missmutig, gehemmt und starr bezeichnet - Indem wir bestimmte Vorstellungen haben, verhalten wir uns auch dementsprechend, sodass die Unterstellung schnell zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird - Stereotype (umgsp.: Vorurteil) sind emotional gefärbte Schubladen in unserer Vorstellung, in die wir andere Menschen einordnen - Besonders kollektiv gepflegte und "vererbte" Vorurteile erschweren eine unvoreingenommene Wahrnehmung des Einzelnen - Forderung an den Beurteiler = Offenheit, Toleranz und v.a. die Fähigkeit der Selbstkritik und des Selbst-Hinterfragens
- Impressions-Management (Beurteilungstäuschungen) - Versuch von Personen, den Eindruck, den sie auf andere machen, zu steuern und zu kontrollieren - Beurteilter ist nicht immer passives Opfer von Beurteilungstäuschungen, sondern setzt diese manchmal zu seinen Gunsten ein - legt besonderen Wert auf ersten Eindruck und setzt sich kurz vor Beurteilungszeitpunkt besonders in Szene, indem er mit Einzelleistungen zu blenden versucht - Impressions-Management (Forschungsgebiet in der Psychologie, wie man es schafft, bei anderen Menschen einen positiven Eindruck zu hinterlassen) ist Inszenierungsstrategie und wesentliches Element unseres Verhaltens im Alltag - Viele Ausdrücke für dieses Phänomen : Eindruck schinden, sich in Szene setzen, in gutem Licht erscheinen, eine gute Figur machen etc. - Der erste Eindruck ist nicht wiederholbar, daher zahlreiche Ratgeber als Anleitung zum aktiven Impressions-Management - Auch die Kunst des Schleimens wurde häufig erforscht - Besonders freundlich zu höhergestellten Personen sein (weckt beim Beobachter Misstrauen)
- Beurteilungsverzerrungen (Beurteilungsfehler bei der Verhaltensbeurteilung) Hier wendet der Beurteiler bei einem Mitarbeiter einen wohlwollenden Maßstab und bei einem anderen Mitarbeiter einen kritischen Maßstab an, wobei dem Beurteiler dieses in gewisser Weise bewusst ist (a) Milde-Effekt (b) Strenge-Effekt (c) Der Nähe-Effekt (d) Der Hierarchie-Effekt (e) Der Benjamin-Effekt (f) Der Klebe-Effekt (Status-quo-Effekt) (g) Der Matthäus-Effekt
- Milde-Effekt (Beurteilungsverzerrungen) - Tendenz, generell günstigere Urteile abzugeben ("generosity error") - Neigung, solche Personen günstig zu beurteilen, die dem Beurteiler sympathisch sind ("leniency-error") - Es kommt dadurch zu einer Anteilsverzerrung zugunsten der positiven Eigenschaften im Gesamtbild - Bsp.: Arbeitgeber will seinen Angestellten nicht "weh tun" und bewertet daher mehr die Anstrengungsbereitschaft als die tatsächlichen Leistungen
- Strenge-Effekt (Beurteilungsverzerrungen) - Beurteiler beurteilen Personen, die sie nicht kennen bzw. die auf sie negativ wirken, schlechter als andere - Der Vorgesetzte erwartet grunsätzlich eine überdurchschnittliche Leistung, was zur Überbewertung schlechter Leistungen führt - Wird einem Beurteiler aufeinmal seine Milde bewusst, kann er ab dann im Gegenzuz zu überstrengen Urteilen tendieren
- Nähe-Effekt (Beurteilungsverzerrungen) - Je näher der Kontakt zum Beurteiler und je enger die Zusammenarbeit ist, umso besser fällt die Beurteilung aus ("Ich kann mir doch meine besten Mitarbeiter nicht verprellen") - Personen, die sich besser kennen, können auch besser mit den Stärken und Schwächen des anderen umgehen - Häufig ist es auch so, dass besonders nahe Mitarbeiter wie persönliche Referenzen auch "handverlesen" von der jeweiligen Führungskraft ausgesucht werden ---> positive Voreingenommenheit bereits zu Beginn der Zusammenarbeit
- Hierarchie-Effekt (Beurteilungsverzerrungen) - Je höher der Rang innerhalb der Hierarchie, umso besser die Beurteilung - Soziale Vergleichsmaßstäbe spielen bei jeder Beurteilung eine Rolle (Wer wird mit wem verglichen?) - Vermeidung des Hierarchieeffekts hängt von Bereitschaft des Beurteilers ab, bei Beurteilungen den sozialen Status zu ignorieren - Status überblendet die eigentlichen Leistungen
- Benjamin-Effekt (Beobachtungsverzerrungen) - Je kürzer die Personen auf dem Arbeitsplatz und je jünger sie sind, umsto strenger wird beurteilt (zwecks angeblich mangelnder Erfahrung) - Sicherlich ist Erfahrung ein wesentlicher Faktor für die persönliche Leistungsfähigkeit, aber eine derartig pauschalisierende Betrachtung verstößt gegen das Prinzip der gerechten Beurteilung der Leistungen des Einzelnen
- Klebe-Effekt (Status-quo-Effekt) (Beurteilungsverzerrungen) - Tendenz, am Status quo festzuhalten und ihn nicht zu hinterfragen - Wir halten am Status quo fest, weil davon abzuweichen heißt: Handeln, sich neu entscheiden, Verantwortung übernehmen und ggf. Konflikte aushalten und genau das versuchen wir zu vermeiden
- Matthäus-Effekt (Beurteilungsverzerrungen) - Kummulationseffekte - Ein Schüler mit bereits guten Noten hat es einfacher weitere gute Noten zu bekommen als ein Schüler mit schlechten Noten - könnte auch eine andere Bezeichnung für den Klebeeffekt (Status quo Effekt) sein
- Beurteilungsversagen (Beurteilungsfehler bei der Verhaltensbeobachtung) Hier wird zwar eine Differenzierung der Beurteilungsnoten vorgenommen, aber aus "strategischen" Überlegungen heraus werden die Noten nach leistungsfremden Gesichtspunkten vergeben - Der Beurteiler vergibt die Noten nicht (nur) nach den gezeigten Leistungen, sondern zieht bewusst leistungsfremde Gesichtspunkte mit ein (z.B. persönlichen Hintergrund) - Wenn man das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit ernst nimmt, haben persönliche Hintergründe in der Leistungsbeurteilung nichts zu suchen!
- Vor- und Nachteile der Verhaltensbeobachtung in der Diagnostik Vorteile - Sie ermöglicht es, eine Mannigfaltigkeit der Verhaltensaspekte zu berücksichtigen - Sie bietet die Chance, auch spontanes, nicht vorklassifizierbares Verhalten zu erfassen und für die Diagnose zu nutzen - Es ergibt sich eine größere Nähe zum individuellen Bios = Ein biographischer Ansatz der psychologichen Diagnostik kann auf Verhaltensbeobachtung nicht verzichten Nachteile - Die Auswahl der Beobachtungseinheiten ist etwas willkürlich = Jeder Untersucher kann jeden Verhaltensaspekt für beobachtenswert erklären - Schwierig, jede Abgrenzung der Verhaltenseinheiten theoretisch zu begründen - Vergleichbarkeit ist erschwert, wenn Verhaltensbeobachtungen nicht vorklassifziert (standardisiert) werden
- Was ist normal und was abnorm? (Die Beurteilung von Normalität) - Man darf diese Klassifikation nicht ausschließlich an statistischen Normen verankern - Normalität kann auch nicht ausschließlich durch beobachtetes Verhalten bzw. verbalisierten Erlebens beurteilt werden, sondern eine Reihe von weiteren Kriterien beeinflussen diesen Beurteilungsprozess - Biographische Merkmale einer Person (Lebensalter, Geschlecht) - Rolle und Funktion einer Person (Beruf, Status, soziale Rolle) - Selbstbewertung der Person - Situation, Handlungsfeld - Auftretenszeitpunkt von Verhaltens- und Erlebensweisen - Bewertungssysteme der Umwelt - Bewertungssysteme von Fachleuten --> Abweichendes Verhalten wird aufgrund von unterschiedlichen Systemen mit unterschiedlichen Normen diagnostiziert --> Fast jedes Lehrbuch der Klinischen Psychologie, Psychiatrie oder Psychopathologie beginnt mit einem Teil, in dem der Autor seine Sicht von Normalität und Pathologie darstellt, um Perspektive kenntlich zu machen
- Biographische Merkmale einer Person bei der Beurteilung von Normalität - Lebensalter entscheidet wesentlich darüber, ob kognitive Vorgänge, affektive Reaktionen, sexuelle Verhaltensweisen oder "Symptome" wie Bettnässen oder Stottern normal, altersgerecht, "physiologisch" oder als aborm angesehen werden - Geschlecht spielt auch eine Rolle bei der Beurteilung von Normalität - Geschlechtsspezifische Stereotype sind keineswegs biologisch determiniert, sondern ganz überwiegend von den kulturellen Rollenerwartungen und darauf abgestimmten Erziehungspraktiken (bspw. "dürfen" Frauen ängstlicher, sensibler und gefühlsabhängiger sein als Männer)
- Rolle und Funktion einer Person bei der Beurteilung von Normalität - Beruf, Status und soziale Rollen haben bei der Beurteilung von Normalität einen hohen Stellenwert - Bspw. erwartet man unterschiedliches Verhalten von einem Künstler (Handlungsvariabilität) als von einem Arzt (schematisches Handeln)
- Selbstbewertung der Person bei der Beurteilung von Normalität - Selbstbewertung des eigenen Handelns und Erlebens kann die Normenbildung stark beeinflussen - Zwangsgedanken, Ängste, depressive Verstimmungen etc. können das eine Individuum dazu veranlassen, einen Fachmann aufzusuchen, während ein anderes Individuum alleine damit fertig werden möchte - Person, die mit ihren Symptomen zum Fachmann geht, wird als "abnorm" diagnostiziert und wird zum Patient, während andere Person als pragmatisch "normal" betrachtet wird - Selbstbewertungen und die dadurch ausgelösten Schritte können von vielen Faktoren abhängen : Allgemeine Kenntnisse über psychische Störungen, Einstellungen gegenüber ps. St., Persönlichkeitsmerkmale, berufliche und soziale Bedeutung der Symptome, Verfügbarkeit von Fachleuten etc.