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Diagnostik I (Fach) / Diagnostik I (Lektion)

Diagnostik I

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  • Historische Kontroversen Immer wieder Kontroversen zwischen quantitativen und qualitativen Forschungsansätzen - Ideographischer vs. nomothetischer Ansatz - Klinische vs. statistische Urteilsbildung - Psychometrische vs. projektive Verfahren - Quantitative vs. qualitative Verfahren
  • Auf wen geht das Prinzip der Idiographie zurück? Auf den Philosophen Windelband Er sagte: "Naturwissenschaftler arbeiten nomothetisch "allgemeine Gesetze aufstellend", die Geisteswissenschaft dagegen idiographisch "das Einzelne beschreibend" In den nomothetischen Naturwissenschaften wird der beobachtete Einzelfall als Sonderfall allgemeiner Gesetzte erklärt, während es in den Geisteswissenschaften gerade auf das Einzelne, auf das Verstehen des Sinneszusammenhanges (Hermeneutik) ankommt
  • Woher kamen die Impulse zu Windelbands Unterscheidung "Idiographie vs. Nomothetik"? Geht auf die Phänomenologie F. Brentanos und Husserls und der "Verstehenden Psychologie" von Dilthey und Spranger zurück
  • Phänomenologie nadh F. Brentano Phänomenologie als die "Wissenschaft von den psychischen Erscheinungen" Dieser Erscheinungen werden entweder durch das Studium von Äußerungen des psychischen Lebens (Biographien, Briefe etc.) oder durch innere Wahrnehmung (Introspektion) erforscht.  
  • Phänomenologie nach Husserl Husserl radikalisierte Brentanos Phänomenologie Er forderte unvoreingenommen Zugang zu den Dingen Ziel, durch objektive Erkenntnis das Wesen einer Sache, d.h. das Allgemeine, Invariante, zu erfassen, wobei die untersuchten Phänomene (Erscheinungen) so betrachtet werden, wie sie "sind" und nicht, wie sie aufgrund von Vorkenntnisse, Vorurteilen oder Theorien erscheinen mögen Husserl konzipierte damit ein Subjekt, das zur objektiven Welterkenntnis fähig ist Phänomenologischer Zugang verlangt analytisch-reflexive Reduktionsschritte --> erfordern ein hohes Maß an Selbstkritik und geistiger Disziplin
  • Verstehende Psychologie nach Wilhelm Dilthey Verstehen in den Geisteswissenschaften als unmittelbares Erfassen der Einheit von Ausdruck und Geistigem Erkennen war seiner Meinung nach Sache der Naturwissenschaften Persönlichkeit sollte "erschaut" und "verstanden" werden  
  • Synonym für nomothetisch (laut Bortz & Döring) nosologisch
  • Idiographie Annahme von qualitativen Unterschieden zwischen Personen = Einzigartigkeit Aus dieser Einzigartigkeit ergibt sich eine Unvergleichbarkeit von Individuen Extrem individualisierende Beschreibung von Einzelindividuen Vergleich mit anderen Individuen kaum möglich, Generalisierung von Einzelperson auf Gruppe oder Gruppe auf Individuum ist nicht möglich  
  • Idiographie vs. Nomothetik Diskussionen arteten sogar manchmal zu einem Weltanschauungs-Streit aus Psychometriker und Nomothetiker kritisierten vor allem die methodische Unzulänglichkeit der Intuition Unvereinbare Positionen von verstehender und erklärender Psychologie (Eysenck und Wellek) auf diesem Hintergrund
  • Welches Wissenschaftsverständnis liegt den nomothetischen Wissenschaften zugrunde? Cartesianisches Wissenschaftsverständnis (gründet auf Rationalismus von Platon)
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  • Hermeneutisches Wissenschaftsverständnis - basiert auf der lange zurückliegenden Tradition des "Naturverstehens durch Zeichendeutung" - Erkenntnis ist nicht raum- und zeitlos, sondern an das erkennende Subjekt und an den Kontext gebunden, in den ein Phänomen eingebettet ist - in der philosophischen Hermeneutik insbesondere Interpretation sprachlicher Texte - Das Verstehen und die Interpretation eines Wortes oder Satzes sind immer nur mittels des Gesamtzusammenhanges möglich - Die Interpretation erfordert dementsprechend eine Kreisbewegung vom Detail zum Ganzes und wieder zurück zum Detail (= Hermeneutischer Zirkel)
  • Idiographie - Nomothetik - Debatte Wie soll Diagnostik betrieben werden? Es geht darum, ob entweder das Messen oder das Verstehen als Basismethoden der Diagnostik angesehen werden. Entsprechend lässt sich eine psychometrische und eine hermeneutische bzw. verstehende Diagnostik unterscheiden. Es gibt kein Richtig oder Falsch - Die Diagnostik muss je nach Fragestellung und Zielsetzung im Handlungszusammenhang ausgewählt werden. Psychometrische und die verstehende Diagnostik stehen in einem Ergänzungsverhältnis je nach Fragestellung. Ein Alleinvertretungsanspruch einer dieser Richtungen ist in jedem Falle abzulehnen.
  • Idiographische Methoden Gibt es im engeren Sinne nicht Methoden, die zur Realisierung der Ziele der idiographischen Persönlichkeitsforschung herangezogen werden - (Einzel) Fallstudien (z.B. "role construct repertory"- Technik) und Fallbeschreibungen - idiographische Analysen (z.B. ipsative Messungen) - Hermeneutik - Q-Sort-Technik - semantisches Differenzial - projektive Methoden - Autobiographien, Fremdbiographien und Psychobiographien  
  • (Einzel) Fallstudie (case study) (Idiographische Methoden) - Forschungsansatz, der sich verschiedener Techniken bedient - auch Einzelfalldiagnostik und Einzelfallanalyse genannt - früher v.a. in der Persönlichkeits- und Klinischen Psychologie verwendet - Ziel, die individuelle Eigenart eines Menschen zu erfassen --> eingehendes Studium der Einzelperson - Die Ergebnisse werden entweder qualitativ (interpretativ-hermeneutisch) im Sinne der "Verstehenden Psychologie" oder quantitativ-statistisch (N=1) im Sinne des Wissenschaftsbegriffs der exakten Natur- und Sozialwissenschaften (Einzelfallanalyse) verwendet - Ausgangspunkt einer Einzelfallstudie = Eine Untersuchungseinheit (z.B. Personen; Gruppen; Kulturen; Gesellschaften)
  • Falldarstellung (case study) In der Medizin und Psychologie sind Darstellungen einzelner Personen bzw. Krankheits- und Behandlungsverläufe als Falldarstellung und Kasuistik üblich Dient der Mitteilung neuer Beobachtungen oder Behandlungen an die Fachwelt  
  • Besonders zwei Einzelfallstudien sind hervorzuheben,... ...weil durch die Analyse eines einzigen Falles bislang gültige wissenschaftliche Ansichten erschüttert worden sind - Piaget führte an seinem Sohn Studien zur Wahrnehmungswelt von Säuglingen durch, mit denen er belegen konnte, dass die Wahrnehmung von Kindern schon in den ersten Lebensmonaten nach Regeln verläuft - Bis zum Jahr 1947 ging man davon aus, dass Kinder mit angeborenem Wasserkopf auch debil seien. Diese Lehrmeinung musste man aufgrund einer Einzelfalluntersuchung von Teska aufgeben, da bei einem 6,5 jährigen Kind mit Wasserkopf ein IQ von 113 nachgewiesen wurde
  • Wozu dient die Einzelfalldiagnostik? Die Einzelfalldiagnostik dient dazu, - Individuelles Verhalten einer Person im Zeitverlauf zu beobachten und zu beschreiben - die zeitliche Abhängigkeitsstruktur der Beobachtungen zu analysieren, um Rückschlüsse auf die Struktur des zugrunde liegenden Prozessen ziehen zu können - einen psychologischen Prozess kontrollieren zu wollen und - die Wirkung einer Intervention auf einen Prozess zu untersuchen, um gezielte Vorhersagen treffen zu können. In der klinischen Praxis nimmt die Einzelfalldiagnostik eine hervorragende Bedeutung ein, da man mit ihr diagnostische und therapeutische Entscheidungen begründen und optimieren kann
  • Einzelfallanalyse und Verallgemeinerung Ergebnisse von Einzelfallanalysen erlauben streng genommen keine Generalisierung über die untersuchte Person hinaus! Um trotzdem verallgemeinerungsfähige Befunde zu erhalten, bedient man sich der Replikation und genauen Beschreibung der untersuchten Personen und stützt sich auf die Möglichkeit der logischen Generalisierung der Ergebnisse beim Einzelfall. Bsp.: Komparative Kasuistik von G. Jüttemann, um Ergebnisse aus verschiedenen Einzelfallanalysen zu vergleichen
  • Zwei Modelle der Einzelfallanalyse 1. Hypothesengenerierungs - Modell 2. Sozialreportage - Modell
  • Hypothesengenerierungs - Modell - Modell der Einzelfallanalyse - Fallanalyse dient v.a. der Beschaffung von Hypothesen zu Beginn einer Forschungsaufgabe - Ziel = Wissenschaftliche Rekonstruierung von typischen Handlungsmustern, an denen sich generelle Strukturen aufzeigen lassen - Geht also nicht mehr nur um die Beschreibung einmaliger Phänomene, geht über die explorative und illustrative Funktion hinaus - Teilnehmende Beobachtung, Gruppendiskussionen, Narrative Interviews und Dokumentenanalyse werden häufig miteinander kombiniert - Durch Kombination ergibt sich erwünschte Multiperspektivität der Betrachtung und Methodentriangulation erlaubt eine Form der Kontrolle (Vergleichsmöglichkeit der Erhebungsverfahren und eventuell weitere Recherchen wenn Unstimmigkeit)
  • Sozialreportage - Modell - Modell der Einzelfallanalyse - Gegenbewegung zum Hypothesengenerierungs - Modell - Fallanalyse, in der von allgemeinen Aussagen abgesehen wird - Auffassung, dass der Einzelfall selbst genügt
  • Vor- und Nachteile der (beiden Modelle der) Fallanalyse - Einzelfallstudie bietet die Chance, eine einzelne Untersuchungseinheit mit verschiedenen Techniken zu behandeln, denn die Befunde können direkt aufeinander bezogen werden, wenn das Material von derselben Untersuchungseinheit stammt (Allerdings für mehrere Einheiten zu aufwändig) - Fallstudien haben keine entscheidende wissenschaftliche Beweiskraft (wird von den extremen Vertretern der quantitativen Forschung als nicht standardisiertes und unkontrolliertes Verfahren beschrieben, das für verzerrende Einflüsse aller Art offen ist)
  • Hermeneutik (Idiographische Methoden) = Lehre der Deutung und Interpretation von Texten bzw. in erweiterter Form auch anderer Objekte - Grundprinzip ist der hermeneutische Zirkel = Verstehen ist zirkelförmig - Deuten beginnt mit einem ersten Vorverständnis des Textes, das den Hintergrund liefert - Das an den Textzeilen (Textverständnis) erarbeitete Verständnis wird nun wieder auf den Gesamttet angewendet - Dilthey - Sozialwissenschaftliche Varianten der Hermeneutik
  • Dilthey über Hermeneutik (Idiographische Methoden) - "Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir" - Hermeneutisches Verstehen als empathisches Nachvollziehen und "Sichhineinversetzen"
  • Sozialwissenschaftliche Varianten der Hermeneutik (Idiographische Methoden) Sozialwissenschaftliche Varianten der Hermeneutik fordern - Eine Rekonstruktion von Bedeutungsstrukturen durch gründliche Textanalyse - Das Heranziehen weiterer Materialien (z.B. zum biographischen / kulturellen Hintergrund) - Die dialogische Auseinandersetzung mit den Beforschten Rein subjektives "Nachfühlen" weder notwendig noch hinreichend
  • Ipsative Messung (Idiographische Methoden) - Liegt vor, wenn Testwerte / Messwerte nicht von Individuum zu Individuum verglichen werden können, sondern wenn die Messwerte nur innerhalb der bei einem Probanden vorliegenden Messwerte vergleichbar sind - Maßstab ist Individuum selbst (bzw. seine Veränderung) - Im Gegensatz dazu = Gruppennormative Messung nimmt Mittelwert und Standardabweichung einer Referenzgruppe als Maßstab - Leistungsbeurteilungen können sowohl ipsativ als auch gruppennormativ vorgenommen werden
  • Q - Sortierung (Idiographische Methoden) - Diagnostisches Messverfahren zur Erfassung von Inkongruenz und zur Überprüfung des Erfolgs in der Gesprächspsychotherapie - Inkongruenz = Diskrepanz zwischen dem Erleben des Organismus und dem bewussten Selbstkonzept - Inkongruenz führt zu Spannungen und innerer Konfusion - C. Rogers sieht im Zustand der Inkongruenz den entscheidenden Faktor, der das Risiko einer psychischen Fehlentwicklung maßgeblich erhöhen kann - Je nach Instruktion kann eine Person ihr reales Selbstbild (aktuelle Befindlichkeit) oder ihr ideales Selbstbild darstellen - Aus der Differenz können dann Diskrepanzmaße ermittelt werden                                         (Bei psychisch unauffälligen Menschen wäre Übereinstimmung zwischen Real- und Idealbild höher als bei neurotischen Patienten)    - 28 Items - schnell auszufüllen & sehr übersichtlich
  • Semantisches Differenzial (Polaritätsprofil, Eindrucksdifferential) (Idiographische Methoden) - Skalierungsverfahren zur Messung der affektiven Qualität beliebiger sprachlicher oder nichtsprachlicher Stimuli (Likert-Skalen) - Urteilsgrundlage = metaphorische Beziehung, gefühlsmäßige Affinität der Begriffe - Mithilfe der Korrelationsrechnungen lässt sich die Ähnlichkeit der Profile verschiedener Urteilsgegenstände bestimmen - Eingesetzt bei Fragen der Emotion, der Motivation, der Einstellung, der Persönlichkeitsmessung, der Soziometrie und bei angewandten Problemen wie z.B. affektive Wirkung von Werbung oder politischen Slogans
  • Psychobiographie (Idiographische Methoden) - Synonyme "Psychobiographische Diagnostik" oder "Pathographie" - Analyse des Lebenslaufs bekannter, im Lichte der Öffentlichkeit stehender oder gestandener Personen durch psychologische Diagnostiker (manchmal auch durch Laien, besonders Schriftsteller) - i.d.R. nicht über Befragung des Probanden, sondern durch eine systematische Analyse von Schriften, Dokumenten und Filmen - Versuch, die Problematik des beurteilten Probanden nachträglich zu klassifizieren - Bsp.: Freud über Leonardo da Vinci (Kreativität) ; Erikson über Martin Luther und Mahatma Gandhi ; Hay über Bayernkönig Ludwig II (Schizophrenie) oder Barbers psychobiographische Analysen mehrerer amerikanischer Präsidenten (Wie prägen interpersonale Erfahrungen das Selbstbild, Weltanschauungen etc.) Aktuelle Psychologie Biographien spielen bei den biographisch orientierten Interviews auf berufspsychologischem und klinisch-psychologischem Gebiet eine wichtige Rolle In der psychologischen Biographik stehen die Biographien einzelner Personen im Mittelpunkt und die systematische Interpretation kann zur Darstellung typischer Biographien fortschreiten Psychologische Biographik hat oft auch praktische Zwecke (z.B: in der psychologischen Diagnostik)
  • Projektive Verfahren (Persönlichkeits-Entfaltungsverfahren) (Idiographische Methoden) - Objektivitäts-, Reliabilitäts- und Validitätskoeffizienten sind niedrig, aber dennoch liefern Projektive Verfahren Informationen, die durch strukturierte Tests nicht zu gewinnen sind - Projektionen; besser projektive Prozesse können von aus dem Außensystem Welt aufgenommene, d.h. nach "innen" hinzugenommene Informationen wieder nach "außen" gebracht werden - Bei der Projektion verlegt der Proband eigene Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse in jene "Gestalten", die er entwirft, wenn er "Kleckse deutet", zu Bildtafeln "Geschichten erzählt" oder auch aus vorgegebenem Spielmaterial "Szenen formt"
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  • Welche projektiven Verfahren werden laut dem Psyndex klassifiziert? 1. Projektive Zeichentests 2. Projektive Spieltests 3. Projektive Verbal-thematische Verfahren 4. Projektive Farbtests 5. Projektive Formdeuteverfahren 6. Graphologische Verfahren 7. Sonstige Projektive Verfahren
  • Projektive Zeichentests - stellen dem Proband die Aufgabe, vorgegebene Themen zeichnerisch darzustellen - "Baum-Test" von Koch - "Familie in Tieren" von Brem-Gräser - indirekte Methode v.a. im Bereich der Erziehungs- und Schulberatung - beliebt bei Kindern - Es wird davon ausgegangen, dass bei Kindern Wünsche etc. (= ihre psychische Situation und ihre Persönlichkeitsstruktur) leichter durch Spiel und Zeichnen zum Ausdruck kommen als durch verbale Techniken - Graphische Gestaltungstests lassen sich in athematisches (inhaltliche Freiheit) und thematisches Zeichnen (vorgegebene Aufgabe) unterteilen
  • Projektive Spieltests Sceno-Test von Gerhild von Staabs - Beitrag zur Erfassung unbewusster Problematiken - Ziel, Hinweise zu geben, wo im seelischen Bereich die Probleme und Schwierigkeiten zu suchen sind und in welcher Beziehung sie zu den Umweltfaktoren stehen - möchte "ein Bild der Gesamtstruktur der Versuchsperson" zu vermitteln - kann sowohl bei Kindern als auch Jugendlichen und Erwachsenen angewendet werden - Puppenhaus - Inszenierung - Schilderung, was Proband dargestellt hat - Protokoll - Zwei theoretische Ansätze zur Interpretation = Ansatz des szenischen Verstehens (Diagnostiker erfasst die Problemstellungen intuitiv) und mechanistisch-analytischer Ansatz (einzelne Sceno-Materialien haben eine symbolische Bedeutung)
  • Projektive verbal-thematische Verfahren Thematischer Apperzeptionstest von Murray (TAT) - Proband muss zu mehrdeutigen Bildern Geschichten erzählen - Ziel, unbewusste Tendenzen wie Wünsche, Ängste, Konflikte, Abwehrmechanismen und Objektbeziehungen aufzudecken - Testbefunde müssen in Zusammenhang mit der Lebensgeschichte der Testperson gesehen werden (daher ausführliches Gespräch vorab) - Nicht nur Inhalt der Geschichte ist interessant, sondern auch wie sich Proband während der Erzählung verhält (Mimisches und gestisches Verhalten wird auch aufgezeichnet) - Auswertung durch Identifikation / Quantifikation von Themen, die in der Geschichte auftreten, etwa Angst, Aggression, Eifersucht, Hoffnung auf Erfolg oder Furcht vor Misserfolg
  • Projektive Farbtests - Lüscher-Farbtest - Farbpyramidentest (Heiss & Halder)
  • Lüscher-Farbtest (Projektive Farbtests) - Unterschiedliche Farbquadrate, die nach der Beliebtheit zu ordnen sind (von beliebteste zu unbeliebteste) - Gefühls-Symbolik der Farben nach traditioneller Farbsymbolik Unterteilung in 4 Bedeutungskategorien 1 & 2 = Lebensziele 3 & 4 = derzeitige Lebenssituation 5 & 6 = latente Neigungen, die momentan verdrängt werden 7 & 8 = Gefühle, die völlig abgelehnt werden   Rot = Aktivität, Dynamik, Leidenschaft Blau = Harmonie, Zufriedenheit, Geborgenheit Grün = Kontrolle, Sicherheit, Beharrlichkeit, Selbstachtung Gelb = Freiheitssuche, Vorwärtsstreben, Veränderung Violett = Selbstbezogenheit, Sensibilität Braun = Körperliche Bedürfnisse, Sinnlichkeit und Bequemlichkeit Grau = Distanz, Neutralität Schwarz = Negation, Auflehnung, Anarchie Später Verkürzung des Tests auf die 4 Grundfarben (Regulationspsychologie) - repräsentieren die 4 Selbstgefühle Blau = Zufriedenheit Grün = Selbstachtung Rot = Selbstvertrauen Gelb = Innere Freiheit - Ziel, die 4 Selbstgefühle in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen ---> Wissenschaftlichkeit der Tests wird von vielen Kritikern bestritten, aber sehr beliebt bei Laien
  • Farbpyramidentest (Heiss & Halder) (Projektive Farbtests) - kurz: FPT - beruht auf der Annahme, dass Beziehungen zwischen Farbe und Affektivität bestehen und, dass einzelne Farben eine spezifische psychische Wirkung haben (Farbton, Helligkeitsgrad, Sättigung) - "typische" Farbreaktionen als Norm (mit individuellen Abweichungen) - Test soll ausreichend gesicherte Informationen über affektive Stabilität, emotionale Reife, verschiedene Weisen der Erlebnisverarbeitung, über die Anpassungsfähigkeit, die Leistungsbereitschaft und über affektive Störungen liefern - insbesondere geeignet, um ein Bild der Affektstruktur eines Probanden zu entwerfen
  • Projektive Formdeuteverfahren - Proband soll unstrukturiertes Reizmaterial - zufällige, aber symmetrische Klecksgebilde - betrachten und dann berichten, was er "wahrnimmt" Rohrschach - "Test" - Deutenlassen symmetrischer Tintenkleckse anhand von 10 standardisierten Tafeln (5 grau-weiß; 2 mit roten Klecksen und 3 mehrfarbig) - Keine Altersbeschränkung - Einzeltest - Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Intelligenz und Phantasie und zur Erhebung persönlichkeitsrepräsentativer Verhaltensdaten
  • Auswertung Rorschach - Test (Projektive Formdeuteverfahren) - erfolgt in den Grundzügen Rohrschachs, aber wurde weiterentwickelt - Ewald Bohm in Österreich - John E. Exner jr. in USA = entwickelte ein komplexes Auswertesystem mit Computerunterstützung = Rorschach Comprehensive System (RCS)
  • Vor- und Nachteile des Rorschach - Tests (Projektive Formdeuteverfahren) Vorteil = Proband kann nichts gezielt vortäuschen oder verleugnen - Zugang zum Unbewussten, von dem der Untersuchte selbst noch gar nichts ahnt, wird ermöglicht Nachteil = Ungenügende Gütekriterien ; Lange Einschulung und komplizierte Auswertung & Interpretation
  • Rorschach klassifizierte die Deutungen primär nach 4 Gesichtspunkten (Projektive Formdeuteverfahren) (1) Erfassungsmodus bzw. Lokalisation = Deutung bezieht sich auf Ganzes, Detail, Zwischenraum, Kleindetail oder Kombination (2) Erlebnismodus bzw. Determination = Die Deutung ist haupstächlich durch Form, Farbe, Bewegung, Schattierung oder durch deren Kombination bestimmt, wobei die Prägnanz der Deutung zu bewerten und signieren sind (3) Inhaltsaspekte = Menschen, Teile von Menschen, innere Organe, Essen, Landschaften, Tiere etc. (4) Originalität = Vulgärantworten bzw. Originalantworten
  • Wie erfolgt die Verrechnung beim Rorschach - Test? (Projektive Formdeuteverfahren) Die Verrechnung erfolgt nach folgenden Quantifizierungen zu einem "Psychogramm" : - Antwortanzahl, Sukzession der Erfassungsmodi, Erfassungstypus, Erlebnistypus, Verhältnis Vulgärantworten - Originalantworten - Auffällige Reaktionen (wie z.B. "Farbschock", Versagen oder Perservation) - Inhaltliche Merkmale ---> Neben der Zuweisung spezifischer Erfassungs- und Erlebnistypen, soll die Auswertungsmethodik Intelligenz, Phantasie, Affektivität, Intuition sowie spezifische Talente und neurotische Faktoren des Probanden erfassen und außerdem eine pathologische Einstufung leisten
  • Graphologische Verfahren (Projektive Verfahren) z.B. Marburger Graphomotorische Übungen von Schilling
  • Sonstige projektive Verfahren Zur Erweiterung bildnerischer projektiver Verfahren Symbolon Personality Profile - Methode zur Personal - und Organisationsentwicklung (Selbstportraits nach empfundener Symapthie ordnen)
  • Zusammenfassung Projektive Verfahren - Hauptproblem = Willkürlichkeit von Auswertung und Interpretation und ungenügende Gütekriterien - Ausweg aus dem endlosen Streit um Gültigkeit und Objektivität könnte sein, dass der Diagnostiker gemeinsam mit Proband die Projektionen deutet und interpretiert (z.B. mit hermeneutischen und inhaltsanalytischen Zugehensweisen) - Die meiste Akzeptanz finden projektive Verfahren als Hypothesen generierendes Instrument - Chance, Erlebens- und Verhaltensanteile manifest zu machen, die der Proband bewusst nicht benennen kann (oder will) - Ethische Hinterfragung weil fehlender "informed consent" (Vergangenes wird ohne Zustimmung "aufgerüttelt") - Forderung nach valider Beziehung zwischen signierter Deutung und dahinter stehendem Merkmal kann nicht gegeben werden (nur hypothetischer Charakter) - Deutungsmacht des Diagnostikers = Patient muss Unbewusstes preisgeben
  • Nomothetische / psychometrische Untersuchungsmethoden - Ziel, Erlebens- und Verhaltenskorrelate mit intersubjektiv kontrollierbaren Methoden zu untersuchen & allgemein gültige Gesetze zu postulieren - Beschreibungssysteme, mit denen individuelle Ausprägungen von Personen gemessen werden können (zusätzlich Ziel, die erfassbaren Unterschiede zu erklären) - Subjektive Tests - Objektive Persönlichkeitstests - Objektive Tests - Psychophysiologische Methoden - Experimente  
  • Subjektive Tests (Fragebogenverfahren) (Nomothetische / psychometrische Untersuchungsmethoden) - Persönlichkeitsfragebogen (Persönlichkeitsinventar) zur Erfassung der Ausprägung von Persönlichkeitseigenschaften - Fragebogen als eine Art Selbstbeurteilung - Es werden "verborgene" Persönlichkeitsmerkmale erfasst - Testtheoretische Absicherung ist noch nicht vollständig (geringe Werte für Valditität und Reliabilität) - Persönlichkeitsfragebogen als eine mehr oder minder fortgeschrittene Vorform eines Persönlichkeitstests
  • Objektive Persönlichkeitstests (Nomothetische / psychometrische Untersuchungsmethoden) - z.B. Messverfahren, welche physiologische bzw. psychophysiologische Prozesse erfassen - Erfüllen das Kriterium der Undurchschaubarkeit des Messprinzips (Gütekriterium für die Unabhängigkeit der Testergebnisse von der Testsituation / Fahrenberg)  = Sie messen vordergründig ein Leistungsmerkmal, indirekt aber ein Persönlichkeitsmerkmal im engeren Sinne - Erste Versuche = Downey mit Willensprofilen mittels schreibmotorischen Analysen - Rückwärtsschreiben und Persönlichkeitsmerkmal Rigidität
  • Objektive Tests (Leistungstests) (Nomothetische / psychometrische Untersuchungsmethoden) Klassifikation anhand Rolf Brickenkamp's "Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests" (genaue Beschreibung, sodass ein ökonomischer Vergleich der Tests möglich wird) Gruppe 1 = Leistungstests 1.1 Entwicklungstests                                                                                              1.2 Intelligenztests                                                                                                   1.3 Allgemeine Leistungstests                                                                                  1.4 Schultests Gruppe 2 = Psychometrische Persönlichkeitstests 2.1 Persönlichkeits-Struktur -Tests                                                                           2.2  Einstellungs - und Interessentests                                                                       2.3 Klinische Tests (Fragebogen, Interviews, Sonstige klinische Verfahren) Gruppe 3 = Persönlichkeits - Entfaltungsverfahren 3.1 Formdeuteverfahren                                                                                           3.2 Verbal - thematische Verfahren                                                                            3.3 Zeichnerische und Gestaltungsverfahren          
  • Psychophysiologische Methoden (Nomothetische / psychometrische Methoden) Spielen in der Diagnostik nur eine Nebenrolle