Psychologie (Fach) / Instruktionspsychologie (Lektion)
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TU Chemnitz Rindermann SS2012
Diese Lektion wurde von Tinisweet erstellt.
- Nenne die Ansätze zur Bestimmung von Kriterien guter Lehre! •Definition von Lehrzielen für Lehre allgemein oder für Lehrveranstaltungen•Orientierung an Gesetzestexten, Bildungsidealen, Curricula, Lehrevaluationsbögen•Heranziehen von hochschuldidaktischen und instruktionspsychologischen Theorien und Forschungsergebnissen•Beobachtung und Beschreibung der Veranstaltungen von als „guten“ Lehrkräften bekannten Personen•Prädiktoren von Lehrerfolg•Offene Befragung von Lehrenden und Studierenden•Relevanzrating vorgegebener Items
- Was sind nach Rindermann, 1999, Merkmale guter Lehrkräfte und Veranstaltungen? Merkmale guter Lehrkräfte:•Didaktische Fertigkeiten (Strukturierung, Themenauswahl)•Persönlichkeitsmerkmale (Freundlichkeit)•Soziale Verhaltensweisen (Kooperation, Motivation) Merkmale guter Veranstaltungen:- gutes Handeln der Lehrenden- Themenauswahl, Anforderungsniveau, Interaktion- Übereinstimmung zwischen Studenten und Dozenten r =.79- Lehrende betonen aber eher fachlich-inhaltliche Aspekte,- Studierende die Vermittlung von Inhalten
- Nenne Beispiele für Merkmale des Dozenten/ Studierenden/ Rahmenbedingungen/ Lehrererfolg!
- Sage etwas zu "Studentische Lehrevaluation als Messung von Qualität"? - Lehrevaluationsresultate gelten als valide, wenn sie das Meinungsbild der Studierenden unverzerrt widerspiegeln- enger definiert: nur diejenigen Resultate, die das Geschehen in einer Lehrveranstaltung adäquat beschreiben (externes Kriterium notwendig)- die strikteste Validitäts-Definition: „Lernerfolg“ der Studierenden (indirekter Indikator)
- Wie sind die Fremdrater-Übereinstimmungsvaliditäten? Fremdrater-Studenten r =.54 Dozenten-Studenten r =.24 Fremdrater-Dozenten r =.06
- Was kannst du zur Generalisierbarkeit der Dozentenvalidität sagen? Vergleiche von Evaluationsergebnissen: - aus verschiedenen Veranstaltungen eines Dozenten- Veranstaltungen gleichen Themas verschiedener Dozentenermöglichen eine Konklusion auf die personale oder situative Stabilität von Evaluationen - erzielte Koeffizienten im ein-Dozenten-verschiedene-Themen-Modell erlauben Konklusionen hinsichtlich der cross-situativen Stabilität dozentenbezogener Urteile und können mit „Dozentenvalidität“ verschiedener Lehrevaluationsskalen interpretiert werden
- Inwieweit variieren Dozentenhandeln und Themen? Dozentenskalen: r =.47Dozenten- + Lehreffektivitätsskalen: r =.39verschiedene Studien, Dozenten- + Lehreffektivitätsskalen: r =.49Repräsentativität/Reliabilität von Dozentenmittelnbei einer Veranstaltung: r =.49bei fünf Veranstaltungen: r =.80bei zehn Veranstaltungen: r =.90
- Sage etwas zu Leistungskriterien und Effektivität der Lehre. verschiedene Dozenten –ein Kurstyp –ein Thema –eine Prüfung –eine Auswertungr =.52 zwischen mittlerem Prüfungserfolg und mittlererVeranstaltungsbeurteilung
- Welche Biasvariablen können Ergebnis verfälschen? biographische Variablen ohne Auswirkung (Alter, Geschlecht, Abitur etc.)Popularität r=.57 Kausalitätsproblem!Thema r=.43 (HILVE-I)/.19 (HILVE-II)Vorinteresse r=.21Besuchsgrund r=.31
- Was ist das Resümee von der Messung von Lehrqualität? •Zwischen Fremdurteilen bzw. Leistungsmaßen als Kriterium und studentischen Urteilen existieren mittlere Zusammenhänge •Beurteilungen durch Studierende zeichnen somit kein unrealistisches Bild der Lehre und sind sensibel für Lerngewinn- Dozenten-Skalen reflektieren mehr das Lehrverhalten als Rahmenbedingungen - studentische Lehrevaluation kann als Maß für universitärer Lehrquali gelten •Es sollten nicht die Ergebnisse einzelner Veranstaltungen oder einzelner Studenten herangezogen werden •Generell ist zu empfehlen: Evaluation in mehreren verschiedenen Veranstaltungen vorzunehmen, falls es Ziel ist, die Lehrqualität als personenbezogene Lehrbefähigung zu bestimmen
- Wie wirken sich die Rahmenbedingungen auf die Qualität der Hochschulbildung aus? 1.) Kompetenz der Studierenden (+) Kompetenz (Allgemeinbildung, Fachwissen, Denkfähigkeit) und Engagement der Studierenden erleichtern Lehrenden den Unterricht in Seminaren und Vorlesungen, ermöglichen schnelleren /anspruchsvolleren Unterricht, erhöhen die Qualität von Referaten und studentischen Beiträgen in Seminaren, motivieren Lehrenden zu eigener höherer Leistung bessere Lehre in der Veranstaltung und des Dozenten und dadurch mehr Lernen 2.) Veranstaltungsgröße, Teilnehmerzahlen in Seminaren (–) bei großen Besuchszahlen schlechtere Lehre in der Veranstaltung und des Dozenten und dadurch weniger Lernen •kleine Veranstaltungsgrößen :–erhöhen die Betreuungsintensität und die beiläufige Kontrolle–ermöglichen Kommunikation–reduzieren Anomie•Seminare mit mehr als 40 Teilnehmern demotivieren 3.) Lehrdeputat (–)•Höheres Lehrdeputat reduziert :–Zeit je Student/in (Betreuung, Hausarbeiten etc.) und–Zeit je Veranstaltung (Vorbereitung) und verringert die Zeit für ForschungSchlechtere Lehre in der Veranstaltung und des Dozenten und dadurch weniger Lernen 4.) Gehalt (+) •In Deutschland durch W-Besoldung Absenkung des durchschnittlichen Gehalts über die gesamte Arbeits- und Lebensspanne•Einführung variabler Gehälter vielfältige Differenzierungsprozesse zwischen Fächern, Geschlechtern und Kollegen
- Was sind die plausiblen Folgen (Forschungsfragen) die im Bezug auf die Rahmenbedingungen resultieren? - Abwanderung derer mit Chancen ins Ausland oder an außeruniversitäre Einrichtungen- keine Attraktivität für Ausländer und Ausgewanderte - frühe Umorientierung potentiellen Nachwuchses•Abwanderung derer mit Chancen aus der Hochschule in andere Berufe- zunehmende Nebenerwerbstätigkeit- Korruptionsähnliche Erscheinungen- Demotivierung derer ohne Alternativen und Zusatzrufe- Abwanderung von Studierenden
- Was besagen die Ergebnisse aus der Schulforschung im Bezug auf die Rahmenbedingungen? Relativ schlechtes Gehalt führt über Generationen hinweg zurSelbstexklusion kompetenterer Personen aus dem Lehrerberuf.Kompetente Lehrer sind aber eine zentrale Größe für die Effektivität vonSchulen und Unterricht.
- Wie kann Lehrevaluation die Qualität der Lehre verbessern? Überprüfung:Wiederholte Messung der Effektivität von Lehrevaluation als solcher oderLehrevaluation und mit ihr verbundener Maßnahmen durch wiederholte Messung innerhalb und zwischen Semestern Lehre – Lehrevaluation (+Treatment) – Lehre – Lehrevaluation
- Erläutere wo und wann Lehrevaluationen effektiv sind. Universität: Feedback sowie Besprechung und Lehrevaluationals solche sind nicht effektiv. private Ausbildungsschule für Logopädie Lehrevaluation mit Beratung führt zu deutlich erkennbarenVerbesserungen. staatliche Fachhochschule Konklusion: Lehrevaluation mit Feedback und Beratung ist auch an staatlichen Hochschulen effektiv. Aber: Problem: Es gibt kaum Beratung.
- Wozu dient Beratung? Beratung dient als:- Information- Anregung von Reflexion und Motivation- Intervention- Normfokussierung
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- Was muss man bei der Methodik für die Berechnung der Veränderungswerte machen? Beachtung und Herausrechnung von möglichen Verzerrungsfaktoren (Vorwissen, Themenrelevanz, Geschlecht...) auf drei Ebenen (Studenten, Veranstaltungen, Dozenten)--> so ist Vergleichbarkeit über verschiedene studentische Gruppen und Veranstaltungen verbessert
- Gib Empfehlungen zur Durchführung von Lehrevaluation als Qualitätssicherung. - Verwendung eines Skalen- und offene-Fragen-Verfahrens- vorgegebene Items, Skalen und Antwortstufen- offene Fragen: gut/schlecht/Anregungen zu Verbesserungen- Evaluation alle drei Semester aller Veranstaltungen eines Fachbereichs- nicht nur Lehrveranstaltungen, sondern auch Lehre im Allgemeinen evaluieren Feedback, Beratung und hochschuldidaktische Trainingsangebote:Beratungs-Rückmelde-Verfahren oder Fragebogen mit automatisierten Rückmeldetexten je nach Ergebnis- nicht: Evaluation – die bloße Messung der Lehrqualität – von oben zu verordnen, ohne Personen und Institutionen zu ermöglichen, Qualität zu verbessern- Einbau der Lehrevaluation in ein Qualitätssicherungsmodell von Lehre und Forschung- Funktionale Rahmenbedingungen
- Wie wirkt sich die Qualität der Klassenführung aus? - Qualität der Klassenführung korreliert zu r =.46 mit Schülerleistungen und damit einhergehender Zeitnutzung zu r=.43 (Weinert, Schrader und Helmke, 1989)- Ohne effektive Gruppen- und Klassenführung werden Unterricht und dessen Resultate äußerst erschwert Die Fähigkeit des Lehrers zur Gruppen- und Klassenführung scheint somit wichtig für effektiven Unterricht! Besonders in Klassen mit ungünstigen Lern- und Verhaltensvoraussetzungen Ohne effektive Klassenführung werden Unterricht und als Resultate Wissensvermittlung, Bildung, Förderung kog. Fähigkeiten erschwert. In allen Klassen gibt es nicht zu vermeidende Verhaltens- und Disziplinprobleme•Derjenige Lehrer, der diese in kurzer Zeit bewältigt ist für die Entwicklung der Kinder am wirksamsten•Ziel: viel Unterrichtsnettozeit, lernorientierte Unterrichtsatmosphäre
- Wie können Lehrer auf Störungen reagieren? 1.Ignorieren spart Zeit für Unterricht, kann aber in Anomie münden2.Strafen setzt Standards für einzelne Schüler und die ganze Klasse, kann aber Störer belohnen und lenkt von Inhalten ab.3.Hohe Unterrichtsgeschwindigkeit lässt Langeweile und Störungen nicht zu, kann aber einzelne Überfordern und so wieder Störungen bewirken. - eindeutig richtig sind ein Schulethos (leistungsorientiert und ethisch) und die Vorbildfunktion des Lehrers- in Schulen, in der der Direktor die Pünktlichkeit der Lehrer kontrolliert, gibt es weniger Unterrichtsstörungen (Rutter et al., 1980)
- Welche Verhaltensweisen von Lehrern üben laut Kounin auf das Verhalten der Kinder einen positiven Einfluss aus? - Allgegenwärtigkeit: Lehrer sollten ihre Kenntnis vom aktuellen Verhalten aller Schüler demonstrieren, Lehrer müssen im Bilde sein und Schüler müssen dies wissen - Reibungslosigkeit und Schwung: Unterricht sollte ohne Brüche und Verzögerungen stattfinden (nicht. Z.B. ein Blatt jedem Schüler einzeln geben), keine thematischen oder verhaltensbezogene Sprunghaftigkeit - Gruppenmobilisierung: Alle Schüler müssen etwas zu tun haben, müssen aktiv dabei sein z.B. zuerst die Frage an alle richten, dann eine Person für die Antwort aufrufen, wechselndes Aufrufen. Keine soziale Fragementierung - Rechenschaftsprinzip: Alle Schüler müssen über ihre Leistung Rechenschaft ablegen, Leistungskontrolle - Intellektuelle Herausforderung und Valenz: Anspruchsvolle Aufgaben stellen, für deren erfolgreiche Bearbeitung Denk- und Abstraktionsvermögen nötig sind - Abwechslung und Herausforderung auch bei der Stillarbeit; Überdrussvermeidung Lehrer müssen Verhaltensproblemen als einer praktischen Aufgabe eines jeden Schulalltags begegnen können
- Was ist der Welleneffekt? Klare Zurechtweisung haben nicht nur positive Effekte auf angesprochenen Schüler sonder auch auf Mitschüler
- Beschreibe die sozialen Anforderungen des Unterrichts nach Weinstein und Mignano. Klassenführung als erlernbare, an konkreten Verhaltensweisen bestimmbare Kompetenz -Unterricht ist eine komplexe Aufgabe: vieles ist zur gleichen Zeit unter Beobachtung zu tun -Unterricht hat eine Vorgeschichte: Schüler merken sich, wie mit ähnlichen Situationen zuvor durch den Lehrer umgegangen wurde -heute werden höhere Aufgaben an Lehrer gestellt als früher: Mehr Kinder würden von alleinerziehenden Müttern oder Vätern erzogen / soziale Anomie / kulturelle Heterogenität / Mehrsprachigkeit, Verhaltensstörungen / Prozentsatz an Kindern aus bildungsfernen Elternhäuser stiege / Leistungsheterogenität / Schülergewalt -hohe und widersprüchliche Anforderungen an Schüler: Schüler sollte in der Klasse still und konzentriert bleiben. Schüler sollen kooperieren, obwohl sie untereinander sehr verschieden sind
- Was bedeutet die dienende Funktion der Klassenführung? Lernen begründeter Inhalte ist Ziel des Unterrichts, nicht oder nur am Rande Ordnung selbst
- Nenne die Merkmale von Prävention von Störungen nach Weinstein und Mignano. - Sinnvolle Verhaltensstandards werden am Anfang gesetzt - wenige (3 bis 6) Verhaltensstandards werden formuliert - Verhaltensstandards für besondere Situationen - sind klar und verständlich formulieren - Verhalten der Schüler konstant überwachen - relativ hohe Unterrichtsgeschwindigkeit - Lehrer und Schulen setzen Elternarbeit ein - Zeit wird als wertvollste Ressource effektiv genutzt - Lehrer versuchen Schüler zu motivieren - Verhaltensregeln sind entwicklungsangemessen
- Definiere Burnout nach Maslach & Jackson,1982. - Ausgebranntsein - tiefgreifender psychophysischer Erschöpfungszustand- Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit
- Welche statistischen Befunde gibt es zum Lehrerberuf? - tritt vermehrt in sozialen & helfenden Berufen auf- rund 30% aller deutschen Lehrer sollen nach aktuellen Untersuchungen ausgebrannt sein (Schaarschmidt, 2003):- 52% der als dienstunfähig ausgeschiedenen Lehrer psychisch krank- 54% aller Lehrer wegen Dienstunfähigkeit frühpensioniert- nur 9% erreichen berufstätig das reguläre Renteneintrittsalter Stressfaktoren: schwierige Schüler, große KlassenFolgen: psychosomatische Probleme wie Herz-Kreislauf-Beschwerden und Magen-Darm-StörungenFähigkeit zur Klassenführung könnte diesen Folgen vorbeugen!
- Wie hängen Burnout und Lehrerberuf nach Barth, 1997 zusammen? -Erwartungsdruck-Verantwortung für Kinder und Jugendliche und deren Entwicklung-Nicht selbst gewählte soziale Zusammenarbeit (als Person)-Geringe Erfolgskontrolle der Arbeit-Image „Halbtagsjob“-Einzelperson vs. Gruppe-Unvollendete Lehraufgabe
- Wie hängen emotionale Kompetenz und Burnout zusammen? Emotionale Kompetenz wirkt direkt und indirekt über Erholung aufReduktion von Burnoutsymptomen- EK reduziert das Risiko an Burnout zu erkranken- EK steigert die Erholungsfähigkeit und beide zusammen reduzieren Burnout- Kausalproblem: Trainingsstudien
- Fasse die Befunde guter Klassenführung zusammen. Gute Klassenführung ist ein zentrales Merkmal guten Unterrichts.Gute Klassenführung ermöglicht zu unterrichten und fördert eine effektiveNutzung von Unterrichtszeit.Sie beugt zudem psychischen Belastungen im Lehrerberuf vor.Gute Klassenführung ist eine erlernbare Kompetenz. Wesentliche Merkmale: - Formulierung weniger und klarer Verhaltenserwartungen am Anfang - Vorbeugung ist besser als Eingreifen - beiläufige Kontrolle des Verhaltens der Kinder und Einhaltung von Normen - effektive Nutzung der Unterrichtszeit - schnelles und kurzes Reagieren bei Verstößen - Elternarbeit - Motivieren und Anregen
- Guter Unterricht ist nicht ohne gute Diagnostik möglich. Was zählt alles zur Diagnostik? Diagnostik heißt nicht: nur Tests und Fragebögen, sondern schließt alltägliche Bewertung und Bewertungsprozesse ein. (Noten und Rückmeldungen)
- Erläutere die expliziten und impliziten diagnostischen Aufgaben des Lehrerberufs. Diagnostische Aufgaben im Unterricht: Bestimmung: •- Vorwissens- und Fähigkeitsstandes der Schüler: Zur Anpassung des eigenen Unterrichts in Geschwindigkeit, Themenwahl und Zeitumfang (Wiederholungen? Zusatzunterricht? Nachhilfe?) •- Interessen der Schüler: Dient zur Auswahl von Beispielen und Inhalten •- Menschenkenntnis: Erkennen welche Schüler sind eher schwierig, ängstlich, vorlaut, eifrig, robust, angesehen in der Klasse / Reaktionen der Schüler auf bestimmte Varianten von Ermahnungen und Konsequenzen •- Stimmungen der Gesamtgruppe: Wie z.B. Müdigkeit und Interesse, Störungslust, Provokationen und Langeweile etc.•- individuellen Leistungen: In Klassenarbeiten, in Hausaufgaben, Referaten und Hausarbeiten (aber auch Sport, in Musik und Kunst)•- Kopfnoten (verhalten/mitarbeit)•- Notengebung und Berichtszeugnisse.•- eigenständige Notengebung des Lehrers und kollegiumsgebundene Entscheidungen
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- Welche Unterscheidungen gibt es bei der Notengebung und den Berichtszeugnissen? •- Schriftlich: Klassenarbeit oder Hausarbeit.•- Mündlich: Mitarbeit im Unterricht oder mündliche Prüfung. Mündliche Prüfungen sind weniger messgenau. Falls möglich immer schriftlich / mündlich nur für sprachliche Leistungen •- Notengebung: Zensuren.•- Berichtszeugnisse: verbale Beurteilungen
- Welche Funktionen haben Notengebung und Berichtszeugnisse? •Notengebung hat die Funktion einer objektiven Leistungsrückmeldung•pädagogische Funktion: Motivierung und förderliche Leistungsinformation•notwendige Nebenfunktionen: Platzierung und Selektion•Demonstration von Leistung und Fähigkeit•nicht legitime, aber reale Nebenfunktion: Demonstration institutioneller Macht
- Welche Fächer sind sich nach Zusammenhängen in Noten ähnlich?
- Welche Bezugsnormen unterscheidet man nach Rheinberg? • - formale Bezugsnorm (vom Schulamt oder anderen vorgegebenen Notenrahmenrichtlinien)• - inhaltliche oder kriteriumsbezogene Bezugsnorm (wenn bestimmte Kompetenzen erreicht werden gibt es bestimmte Noten)• - soziale Bezugsnorm (Orientierung an anderen Schülern der Klasse)• - individuelle oder ipsative Bezugsnorm (Vergleich mit der früheren Schulleistung eines Schülers)
- Welche generellen Probleme bei der Bezugsnorm gibt es? Und wie sollten Urteile sein? - Noten werden zum Vergleich genutzt; ein einheitlicher Maßstab wäre wichtig- für gleiche Leistungen können Schüler unterschiedliche Noten erhalten- Problem eines Referenzrahmeneffektes wäre nur mit der Einführung von objektiven Zentralprüfungen lösbar am Ende eines Bildungsganges oder am Beginn eines BildungsgangesProblem: Schüler durch schwache Lehrer und Mitschüler beeinträchtigt Urteile sollten objektiv, messgenau(reliabel), valide und fair sein.
- Welche Urteilsfehler stehen den Gütekriterien entgegen? •Halo-Effekt (Vorinformationen, besondere Merkmale)•Kontrasteffekt (Reihenfolge von Prüflingen und Arbeiten)•Persönlichkeitstheorien (implizite, unterschwellige, etwa: wenn schnell reden dann gut)•Auftreten in mündlichen Prüfungen•unklare Bewertungsrichtlinien (Fachgegeben)•Bezugssysteme (je nach Funktion kein Fehler)•Schulform (in Gyms strenger als in Hauptschulen) - in Hauptfächern strenger als in Nebenfächern •Betrugsversuche seitens der Schüler ( Abschreiben, Spickzettel, Bücher etc.)
- Was ist die Lösung für Urteilsfehler? •Zentralprüfungen mit klar definierten Bewertungsrichtlinien und zentraler Auswertung•Prüfungen sollten mit Eisbrecheraufgaben beginnen (leichte Aufgaben), um die Angst zu nehmen und ein Erfolgsgefühl zu vermitteln.•Dies reduziert Stress und erleichtert den Abruf von Wissen
- Was sind die Merkmale von Zentralprüfungen? Einheitliche Aufgaben und einheitliche Auswertung und Benotung
- Was spricht für und gegen Zentralprüfungen (nach Baumert und Watermann)? Vorteile - sichere einen Mindeststandard schulischer Fähigkeiten der Schüler- es reduziere die Leistungsstreuung (d =-0,16),- führe zu einem höheren mittleren Leistungsniveau in Mathematik (d =0,25)- habe positive Folgen auf das Niveau verständnisvollen und elaborierten- Lernens und verringere Angst- sichere die thematische Breite der Prüfungen- justiere die eher strengeren Bewertungsmaßstäbe der Lehrer und Schulen- und entlaste die Arbeit der Schullehrerüber die Angaben der Autoren hinausgehend, ist anzunehmen:- dass das Zentralabitur einen Motivationsschub für Lehrer und Schüler zur Verbesserung und Intensivierung von Unterricht und Lernverhalten bedeutet- und hilft, negative Ausreißer in Art der Prüfungsgestaltung zu vermeiden Nachteile •Leistung wird – wie in jeder Prüfung – nur punktuell gemessen d.h. die ganze Breite des Stoffs kann in einer Prüfung nicht abgedeckt werden•Schüler könnte zum Termin krank sein --> Nachschreibetermine erforderlich - Angst könnte erhöht werden, was sich empirisch aber nicht bestätigen ließ- Ergebnisse aus Zentralprüfungen ermöglichen einen Vergleich zwischen Lehrern, Schulen oder auch zwischen Ländern – ist dies immer gewünscht? dürfte den Lehrern nicht behagen aber könnte helfen die Qualität in Unterricht und Schulverwaltung zu sichern und zu erhöhen - individuelle Freiheit von Lehrern und Schülern eingeschrenkt; sie setzten Lehrer unter gewissen Legitimationsdruck, wenn ihre bisherigen Noten stark von den Noten in Zentralprüfungen abweichen (auch eher positiv) •Arbeit für Schulämter oder Organisationsschulen steigt – dies entlastet die Lehrer und könnte sie frei machen für den Unterricht (bessere Lehrer – Schüler – Beziehung) - nicht alle Unterrichtsinhalte sind aber für Zentralprüfungen geeignet
- Wie gibt man optimal Feedback? - Beginn mit den Stärken- Fortsetzung mit den Schwächen- Note/Leistungsurteil- Hinweise zur Erklärung schwacher Leistungen durch mangelnde Anstrengung- Hinweise zur Erklärung starker Leistungen durch hohe Anstrengung und durch hohe Fähigkeiten- konkrete Hinweise zur Verbesserung der eigenen Leistungen in der Zukunft - dies könnte alles jeweils ein Berichtszeugnis, ein Gutachten oder ein Gespräch leisten- Noten alleine können dies nicht leisten- für pädagogische Funktionen sind Berichtszeugnisse besser - für objektive Vergleiche Zentralprüfungen
- Fasse das Thema diagnostische Aufgaben im Lehrerberuf zusammen. Die Bandbreite diagnostischer Aufgaben im Unterricht ist groß. Sie geht über Leistungsbeurteilung hinaus.Bei der Leistungsbeurteilung sind Noten und Berichtszeugnisse zu unterscheiden, die unterschiedliche Funktionen erfüllen sollen.Grundsätzlich sind eine diagnostische und eine pädagogische Funktion zuunterscheiden.Zur Unterstützung des diagnostischen Urteils gibt es Kompetenzen oderPersönlichkeit messende Tests. Kompetenztests sind unterschiedlich schulnah und schulfern.Bei Tests stimmt nicht immer der Titel mit dem Messgegenstand überein,Aufgaben (Items) sind immer näher zu betrachten.Vier verschiedene Bezugsnormen sind zu unterscheiden.Urteilsfehler belasten die Diagnostik.Für Übergangsentscheidungen und Abschlusszeugnisse sind Zentralprüfungen mit zentraler Aufgabenvorgabe und einheitlicher Auswertung besser.Rückmeldungen sind entwicklungsförderlich zu gestalten!
- Welches sind die alltäglichen Aufgaben und Anforderungen im Lehrberuf? 1) Inhalte des Fachgebietes aktiv beherrschen2) Didaktik (Unterricht gestalten und Wissen vermitteln)3) mit Menschen umgehen3) sich selbst steuern können (Ärger, Vorbild sein)
- Was sind die typischen Anforderungen in einem Lehrberuf? - Inhalte des Fachgebietes kommunizieren und adressatengerecht vermitteln- Unterrichtsmethoden beherrschen: erklären, organisieren, anregen, steuern, helfen- mit verschiedenen Anforderungen im Unterricht zugleich umgehen- Anforderungen der Inhalte, der Didaktik und Menschen berücksichtigen und austarieren- Anforderungen der Eltern, Schüler, Vorgesetzten, des Curriculums und der Schulämter und Ministerien einschließlich rechtlicher Regelungen berücksichtigen und austarieren- Verschiedene Werte/Normen im Unterricht und in sozialer Interaktion berücksichtigen und austarieren - Körpersprache verstehen und benutzen- Empathie- in Leitungsfunktionen: organisieren und Kollegium führen- Pünktlich erscheinen, pünktlich enden, adäquate Unterrichtsvorbereitung- Sprache beherrschen, Sprache als das grundlegende Medium des Unterrichts und der Kommunikation, Sprache in mündlicher und schriftlicher Form.- Medien nutzen- Vorwissen und Vorfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen kennen und im Unterricht berücksichtigen- Schulische Probleme von Schülern erkennen und helfen, Gesprächsführung und Beratung - persönliche Probleme von Schülern erkennen und helfen, - Gesprächsführung und Beratung - Gewalt an der Schule und Störungen im Unterricht vorbeugen, ggf. - erkennen und reduzieren - Elternabend organisieren und leiten, Sprechstunden abhalten - Umgang mit Eltern: zum Teil schwierige und/oder bildungsferne und/oder - erziehungsinkompetente und/oder Eltern ohne Zeit; Gesprächsführung - und Beratung, Hausbesuche - Schülerfreizeiten organisieren und leiten - Weiterbildung
- Nenne und beschreibe die 4 allgemeinen Kompetenzen im Lehrberuf. 1) Fachliche Kompetenz Lehrende müssen:-Stoff verstehen-Stoff auswählen-Stoff zusammenstellen-Unterrichtsziele formulieren 2) Didaktische Kompetenzen •Der ausgewählte Stoff muss didaktisch aufbereitet und in kommunikativer Form vermittelt werden (darstellen, erklären, Fragen ausarbeiten, Unterrichtsformen bestimmen)•Fördern nichtkognitiver Kompetenzen und Einstellungen der Lernenden•Stoff, Unterrichtsziele und Höhe der Anforderungen in Stoffmenge, Geschwindigkeit und Komplexität sind in gewissen Rahmen --> den Fähigkeiten und Interessen der Lernenden anzupassen•Unterrichtsformen und Strategien flexibel handhaben 3) Soziale Kompetenzen •Unterrichtsteilnehmer motivieren und mit ihnen kommunizieren•Lehre als interaktiver Prozess•Störungen und lernfremdem Verhalten vorbeugen 4) Emotionale Kompetenz Unterricht stellt eine Belastungssituation dar, allein schon deswegen, weil Unterschiedliches zur gleichen Zeit und durch viele andere Menschen beobachtet getan werden muss! Zur Vorbeugung und Bewältigung nie völlig zu vermeidender sozialer Probleme und zum Umgang mit Stress und Frustrationen »Diese Kompetenzen sind zum Wohl der Lernenden einzusetzen.»Benevolenz soll auch unter schwierigen Bedingungen Leitlinie und Standard pädagogischen Handelns sein.»Die vier Kompetenzen bauen stark aufeinander auf»Defizite in einem der vier Bereiche sind durch Stärken in anderen nur begrenzt kompensierbar
- Welche Kompetenzen für die Hochschullehre (Webler, 2004) gibt es? Selbstkompetenz •Selbstorganisation•Fähigkeit Positives zu sehen, zu ermutigen Sozialkompetenz•Kommunikationsfähigkeit, Einstellung auf unterschiedliche Adressatengruppen, Fähigkeit sich auf schwierige Einzelpersonen einzustellen Didaktische Kompetenz•Medien, Beratung und Bereitschaft als personales Modell für Studierende zu dienen Fähigkeit zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses•Förderung in Wissenschaft, Lehre und Wissenschaftsorganisation, soziale Einführung in Expertenkultur
- Nenne nach Webler die an ethischen Orientierungen angebundene Einstellungen. - aktive Suche nach einem besseren Verständnis davon wie Studierende lernen- waches Bewusstsein von und Wertschätzung der Ideen und Theorien anderer- Neugier wecken- Mitteilung orientiert an den Verständnismöglichkeiten der Studierenden- Respekt vor Studierenden- anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern- Respekt gegenüber anderen Überzeugungen und Lebenskontexten,- Bereitschaft, wissenschaftliche Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern auch zu leben
- Welche spezifischen Fähigkeiten und Eigenschaften sowie allgemeine Personenmerkmale bilden die basalen Voraussetzungen für die Lehre? - Didaktische Kompetenzen (•Schwieriges verständlich machen, verständlich Sprechen, Stoff zusammenfassen, Anregung zum Mitdenken schaffen)- soziale Kompetenzen, Verhaltensweisen und Einstellungen ( wie Motivierung, Engagement, Freundlichkeit, Kooperativität, Interaktionsförderung und –steuerung, Betreuung von Schülern und Rückmeldung auf Schülerarbeiten)- Sehen, Hören, Sprechen, Lesen, Rechnen, Schreiben- Wissen, Intelligenz, Allgemeinbildung- Computerkenntnisse- Pünktlichkeit, effektive Zeitnutzung, Ordnung- Fleiß, Anstrengungsbereitschaft,- Stressresistenz, Souveränität, Selbstvertrauen, - Diagnostik: Leistungen/Fähigkeiten diagnostizieren, für Unterricht und für Zeugnisse- Organisationsgeschick- Sprache: Lexik, Orthographie, Grammatik; referentielle Kommunikationskompetenz; Argumentation, inhaltliche Stringenz und Kohärenz; Aussprache, Sprechgeschwindigkeit, Intonation, Rhythmik
- Was sind die Aufgaben eines pädagogischen Studiums und der begleitenden sowie sich anschließenden praktischen Ausbildung? die beschriebenen Kompetenzen zur erfolgreichen Bewältigung der im Lehrerberuf erwartbaren Aufgaben und Anforderungen zu vermitteln (… sowie Selektion ungeeigneter Bewerber, Beratung, wissenschaftliche Qualifikation, Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.)- Studierende sollten dazu nicht nur die gegebenen Studien- und Ausbildungsanforderungen erfüllen, sondern auch das Ziel verfolgen, sich selbst in den beschriebenen Kompetenzen zu verbessern- Lehr- oder Unterrichtskompetenz ist eine erlernbare Fähigkeit, die auch später noch verändert werden kann- Expertise: erworbenes Expertentum, gelernte Meisterschaft
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