Rechtspsychologie (Fach) / Rechtspsychologie lang (Lektion)

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Diese Lektion wurde von MarieChristine erstellt.

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  • wann haben Aussagen einen höhere inhaltliche Qualität? Wenn sie einen Erlebnishintergrund haben. 
  • Was ist die Annahme einer STATEMENT ANALYSIS ? Annnahme: An der Formulierung einer Äußerung ist das gesamte Wissen einer Person beteiligt, sodass in einer Aussage Informationen mitschwingen können, die ursprünglich zurückgehalten werden sollten.  Die Ausgestaltung eines Satzes ist somit davon abhängig, was jemand NICHT berichten will.  Beispiel: Nonverbale Gesten die im Widerspruch zum Gesagten stehen.
  • Die Sprache der Psychopathen (nach Hancock, Woodworth und Porter) ð  Neigung sich zu erklären / rechtfertigen: weil, seitdem, sodass ð  Sprechen weniger flüssig ð  Mehr gefüllte Wortpausen wie zB „ähm“ ð  Sprechen häufiger in der Vergangenheitsform ð  Benutzen mehr Artikel ð  Weniger emotionale und weniger freundliche Art zu sprechen
  • Sprachliche Weichmacher ð  * Eigentlich *Irgendwie * Könnte * vielleicht * … ð  Nehmen Aussagen den Nachdruck und die Präzision
  • was ist die „Baseline“ ? ð  Die „Baseline“ ist ein Charakteristikum der Sprache
  • Ziel der Sprachanalyse · Ziel der Sprachanalyse ist es diese Veränderungen herauszufinden ·  Alles was gesagt wird hat Bedeutung ·  Zuerst musst die Baseline der Person festgestellt werden um abweichendes oder auffälliges zu beurteilen ·  Veränderungen in der Sprache implizieren Veränderungen in der Realität
  •  Control Question Test (CQT) · Tatwissensfragen kombiniert mit Kontrollfragen · Zb „Haben sie Frau X getötet? „(Tatwissensfrage) · „Haben sie schon mal jmd verletzt?“ (Kontrollfrage. Hat mit dem eigentlichen Sachverhalt zutun) · Annahme: Unschuldige reagieren stärker auf Kontrollfragen, da sie die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person in Fragen stellen, während Schuldige stärker auf die Tatwissensfragen reagieren
  • CIT Concealed Information Test 
  • Concealed Information Test (CIT) ·   Weiß jmd wirklich nichts? ·   zB „Wissen sie welche Masken die Bankräuber trugen?“ ·  Alternativfragen:  Trugen sie Clowns-Masken? Trugen sie Micky – Maus – Masken? Trugen sie Affen – Masken? ·  Proband antwortet auf alle Alternativfragen mit ‚Nein‘ ·  Annahme: Jemanden der nichts weiß erscheinen alle Alternativfragen plausibel, sodass ähnliche Ausschläge des Polygraphen erwartet werden ·  Stärkere Reaktionen des Polygraphen bei den tatsächlichen Tatbegebenheiten zeigen zumindest, dass jmd mehr weiß, als er uns glauben lassen möchte.
  • Das Strafrecht wird unterschieden in ..? - materielles Strafrecht (StGB und Nebengesetze) - formelles Strafrecht (StPO und GVG (Gerichtsverfassungsgesetz))
  • Sinn des Strafrechts? Im Jugendstrafrecht: erzieherisch Einwirken (Prävention)
  • Wer gilt (u.a.) als "Berufspsychologe"? -          Im Hauptanwendungsgebiet Psychologie tätig -          Staatlich anerkannte wissenschaftliche Abschlussprüfung -          Graduierung Diplompsychologe oder Dr. im Hauptfach Psychologie -          Approbationsvoraussetzung nach §§ 5,6 PsychThG -          (unqualifizierte allgemeine psychologisch orientierte Berufstätigkeit reicht nicht)
  • Im Zwischenverfahren .. Im Zwischenverfahren wird der Beschuldigte zum Angeschuldigten. Die Anklageschrift wird geprüft ob hinreichender Tatverdacht vorliegt. Beweiserhebung.  Und hier kommt es dann auch zum psychiatrischen oder psychologischen Gutachten (Schuldfähigkeit, Glaubhaftigkeit). Zulassen der Anklage.
  • wann ist ein Ausschluss der Öffentlichkeit gegeben? -          Unterbringung in psychiatrischer Klinik -          Beeinträchtigung der Privatsphäre des Angeklagten oder eines Zeugen -          Staatssicherheit -          Gefahr für Angeklagten oder Zeugen -          Geschäfts- Betriebs – Steuergeheimnis -          Vernehmung Person unter 16 -          Jugendstrafsachen sind immer nichtöffentlich!!!
  • Welche neueren Entwicklungen könnten die Bedeutung der Hauptverhandlung außer Kraft setzen? Der DEAL 
  • Was ist ein Deal? Absprache mit Staatsanwaltschaft und Gericht. Der Deal dient einem optimalen Ergebnis für Ihr Verfahren. Ein geständiger Angeklagter ist die Voraussetzung für eine schnelle Verfahrensbeendigung. Dafür biete das Gericht dann ein mildes Urteil an.
  • Gründe für ein Deal ? 1.       Aus Sicht des Gerichts: -          Verfahrensbeschleunigung -          Vermeidung Konflikt -          Opferschutz (Vernehmung von Zeugen kann ggf vermieden werden) 2.       Aus Sicht des Angeklagten: -          Risiko einer extrem hohen Strafe -          Beweislage ungünstig -          Vermeidung von Vorstrafe 3.       Aus Sicht der Staatsanwaltschaft:  -          Beweislage dürftig
  • Welche Straftatbestände kommen für einen DEAL in Frage? Wirtschaftsstrafsachen (zB Mannesmann, VW) * Betäubungsmittelgesetz * Verstöße Waffenrecht (zB Unzuverlässigkeit, persönliche Eignung)*
  • Wie kommt man zu einem Gutachtenauftrag? -          Amtsermittlungsgrundsatz -          Bei fehlender Sachkunde des Gerichts (Sachverständigengutachten) -          Vom Gericht bestellt -          Adressat des Gutachtens ist das Gericht.
  • Formale Qualifikationsanforderungen (ans schriftliche Gutachten)? -          Gesetzlich nicht festgelegt -          Gutachter muss geeignet sein -          Ausübung und Kenntnis einer Wissenschaft ist Voraussetzung -          Wünschenswert: psy Diagnostik * psy klinische * pädagogische psy * usw -          Kenntnisse Rechtsnormen BGB, SGB, FGG und ZPO
  • Ablehnungsgründe (für einen Gutachter bzgl Gutachtenerstellung) fehlen erforderlicher Sachkunde * Unzumutbarkeit durch starke berufliche Beanspruchung * Notwendigkeit eines Erholungsurlaubes* ->  Der Sachverständige sollte das Gericht darüber informieren, wenn er mit dem Fall bereits Privatgutachter vorbefasst war ->  Bei vorausgegangener ärztlicher bzw. psychologischer Behandlung (Verletzung der Schweigepflicht)
  • Formale Grundlagen: Grundsätze der Gutachtenerstellung: -  Verhältnismäßigkeitsgrundsatz -   Gutachter können (wie Richter auch) wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden -   Unparteiisch -    Offenbarungspflicht, d.h. keine Schweigepflicht ggü. Dem Gericht.
  • Haftung des Sachverständigen Die Haftung des Gerichtssachverständigen wird ausgelöst, wenn die Schuldform der Vorsätzlichkeit oder der groben Fahrlässigkeit vorliegen. Grob fahrlässig: - Erforderliche Sorgfalt in ungewöhnlichem großem Maß verletzt - Wenn nur ein Ergebnis mitgeteilt wird, das nicht nachvollziehbar ist - Wenn der Sachverständige den „Gegenstand“ seiner Begutachtung selbst nicht in Augenschein genommen hat (fernmündliche Exploration) - Einschaltung von Mitarbeitern ist nicht generell unzulässig, aber der Sachverständige haftet für Fehler (§ 839a BGB)
  • Schriftliche Gutachten: Grundlagen der psychologischen Begutachtung è Ein psy. Gutachten ist eine umfassende Darstellung von selbst erhobenen und ggf. fremden Befunden. è Psy. Fachwissen, die Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes und einschlägige Berufserfahrung sind wesentliche Komponenten in diesem Prozess. è Aktuelle Mindeststandards
  • Ablauf der Begutachtung: 1. Erteilung des Auftrags è Gutachtenauftrag wird durch den Beweisbeschluss angeordnet und schriftlich erteil è Beweisbeschluss enthält Fragestellungen, die der Sachverständige beantworten soll è Gutachterfragen sind bindend è Mit dem Gutachtenauftrag wird auch die Gerichtsakte zugesandt è Aus der Gerichtsakte ergeben sich die Anknüpftatsachen
  • Ablauf der Begutachtung: Mitwirken der Beteiligten -   Eltern (Dritte)müssen sich einer zwangsweisen Exploration nicht unterziehen aber             Verweigerung der Sorgeinhaber kann zum Entzug der elterlichen Sorge führen. - Exploration von Kindern bedarf Zustimmung vom gesetzlichen Vertreter.
  • Ablauf der Begutachtung: 2. Vorbereitung der Begutachtung -   Aktenanalyse -   Auswahl der diagnostischen Werkzeuge (jede Frage und jede diagnostische Untersuchung die nicht für das Gutachten relevant sind ist ein ungerechtfertigt -   Aus der Fragestellung des Gerichts werden psychologisch – diagnostische Fragen (Hypothesen) abgeleitet -   Kontaktaufnahme
  • Ablauf der Begutachtung: 3. Durchführung der Begutachtung -  Mit Person in Verbindung setzten -  Informationen über den Ablauf der Begutachtung um Ängste und Unsicherheiten zu mindern -  Begutachtung findet i.d.R. in Abwesenheit der Begleitperson statt -  Ausführliche psychologische Exploration -  Interaktionsbeobachtung -  Ggf. Testdiagnostik -   Ggf. Fremdanamnestik 
  • Eine Weitergabe an Dritte des Gutachtens ist nicht zulässig. Eine Weitergabe an Dritte des Gutachtens ist nicht zulässig.
  • Wenn ein Sachverständigter öffentlich bestellt wurde, muss er folge leisten. §407 ZPO Abs. 1 Ablehnungsgründe: fehlen erforderlicher Sachkunde * Unzumutbarkeit durch starke berufliche Beanspruchung * Notwendigkeit eines Erholungsurlaubes è Der Sachverständige sollte das Gericht darüber informieren, wenn er mit dem Fall bereits Privatgutachter vorbefasst war è Bei vorausgegangener ärztlicher bzw. psychologischer Behandlung (Verletzung der Schweigepflicht)
  • Auch spätere Instanzen können auf den Sachverständigen zugreifen, deswegen sollten die Unterlagen 30 Jahre aufbewahrt werden Auch spätere Instanzen können auf den Sachverständigen zugreifen, deswegen sollten die Unterlagen 30 Jahre aufbewahrt werden
  • Ein Sachverständige kann natürlich wegen Besorgnis oder Befangenheit von jeder Partei abgelehnt werden. Ein Sachverständige kann natürlich wegen Besorgnis oder Befangenheit von jeder Partei abgelehnt werden.
  • Nach Einreichen des Gutachtens kann das Gericht Ergänzungsfragen stellen und auch nach Antrag einer Partei ist es sogar dazu verpflichtet nach einer mündlichen Erläuterung des Gutachters. Nach Einreichen des Gutachtens kann das Gericht Ergänzungsfragen stellen und auch nach Antrag einer Partei ist es sogar dazu verpflichtet nach einer mündlichen Erläuterung des Gutachters.
  • Emotionale Resonanz  Fähigkeit Empfindungen, Motive und Absichten anderer Menschen intuitiv verstehen zu können.
  • Formen der Kommunikation ·       Verbal (per Sprache, Informationsübertragung) ·       Nonverbal (per Körpersprache, indirekt um Gesagtes zu untermauern, ohne Sprache etwas ausdrücken) ·       Paraverbal (WIE jemand was sagt: Tonfall, Stimmlage, Geschwindigkeit, Lautstärke, Rhythmus/ Sprachmelodie, (UN-)Deutlichkeit, Schweigen, Pausen
  • Das Eisberg – Modell Das Eisberg – Modell beschreibt das nur etwa 20% verbale Informationsübertragung ist und der nonverbale die zwischenmenschlichen Beziehungen dient -> wie kommunizieren auch wenn wir nicht kommunizieren
  • Ebenen der Kommunikation Kommunikation erfolgt immer auf mehreren Ebenen und beinhaltet mindestens zwei Aspekte: Inhalt und Beziehung!
  • Interpretation sprachlicher Mittel – die 4 Seiten einer Nachricht Eine Nachricht hat immer eine 1. Selbstoffenbarung, 2. Sachinhalt, 3. Appell, 4. Beziehung ð  Zusammenfassung: Eine Nachricht kann also auch dazu dienen den Empfänger zu veranlassen bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen, zu denken oder zu fühlen. ð   Diese Einflussnahme kann verdeckt (Manipulation) oder offen erfolgen.   Bei der nonverbalen Kommunikation hat die Nachricht keine 4 Seiten , weil der INHLALT fehlt, dennoch hat sie eine Selbstoffenbarung , Beziehung und Appell. Beispiel: Schweigen: Selbstoffenbarung= Ich will meine ruhe haben, Beziehung: Sie sind kein interessanter Gesprächspartner für mich, Appell= Fangen sie bloß kein Gespräch mit mir an.
  • Mimik - Grenzen der Kontrolle -          Erblassen oder erröten -          Erweiterung der Pupillen -> bei starker emotionaler Erregung -          Echtes und falsches Lächeln
  • Regulatoren regeln Interaktion zwischen Gesprächspartnern -> Kopfnicken, Blickkontakt, Berührung, Distanz
  • Adaptoren / Manipulatoren unbewusste Verhaltensweisen, die der Erregungsabfuhr dienen -> Hand – Hals -Gesten, Hände kneten
  • Illustratoren begleiten, verdeutlichen eine verbale Äußerung -> Zeigefinger
  • Auftretende Probleme bei der Interpretation / Analyse von Gestik und Mimik Akute Posttraumtische Belastungsreaktion (ABR) = Einschränkung der Reagibilität / erhöhte Erregung Chronische Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) = Wieder-Erleben / Vermeiden
  • Rapport Rapport = Zustand verbaler und nonverbaler Bezogenheit von Menschen aufeinander. => Treten Menschen miteinander in Kontakt passt sich in der Regel meist unbewusst ihre verbale und nonverbale Kommunikation einander an (Synchronisation). => Verbal: Verwendung ähnlicher Worte und Redewendungen, Sprechgeschwindigkeit, Tonlage und Lautstärke => Nonverbal: Synchronisation von Gestik, Mimik, Bein – und Armhaltung = > Ziel: durch Synchronisation (Pacing) soll eine Vertrauensbasis hergestellt werden um schrittweise die Führung (Leading)  zu übernehmen => Rapport ist eine wichtige Voraussetzung für gelingende Kommunikation.
  • Einteilung des Langzeitgedächtnisses Explizites Gedächtnis und Implizites Gedächtnis Explizites Gedächtnis: ð  Episodisches Gedächtnis (Biografisches Gedächtnis <- ist emotional geprägt) ð  Semantisches Gedächtnis (Weltwissen) Implizites Gedächtnis: Motorische Fertigkeiten (unbewusst)
  • Retrograde Amnesie Retrograde Amnesie durch Unterbrechung der Konsolidierung: ð  Gedächtnisinhalt wurde kodiert  => müsste dann konsolidiert werden, aber ein Schädel-Hirn-Trauma oder Stress wirken ein und so wird der Inhalt nicht weiter KONSOLIDIERT und der Inhalt wird nicht langfristig gespeichert und ist somit auch nicht mehr abrufbar.
  • Probleme beim Kodieren Aufmerksamkeit (Zustand des Zeugen, Stress, Gewalteinwirkung)
  • Das menschliche Gedächtnis 1.       Kodierung (ein reales Geschehen erhält eine entsprechende Repräsentation) 2.       Speicherung (kodierte Info wird in das Gedächtnissystem integriert und dort Abgelegt) 3.       Abruf (kodierte und gespeicherte Infos müssen aus dem Gedächtnis ins aktuelle Bewusstsein geholt werden)
  • Verhaltens- Syndrome eines Täters: • Emotionale Wiedergutmachung (Undoing) -          Aus Gefühl der Reue das Verbrechen ungeschehen machen -          Erkennbar in Auffindsituation -          Assoziierte Verhaltensweisen: zudeckt der Leiche * Platzierung in schlafender Position * säubern des (blutverschmierten) Körpers * schließen der Augen des Opfers * falten der Hände -          -> weist auf prädeliktische Beziehung zwischen Täter und Opfer hin 
  • Verhaltens- Syndrome eines Täters: • Übertöten (Overkill) -          Mehr als 10 Schläge oder Stiche (v.a. gegen Kopf- / Hals- Bereiche) -          Zwei alternative Motive: Prädeliktische Beziehung zwischen Täter und Opfer * „aus dem Ruder gelaufenes“ Bereicherungsdelikt *