Einführung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie (Fach) / VL 1 + 2 + 3 (Lektion)
In dieser Lektion befinden sich 65 Karteikarten
d
Diese Lektion wurde von Ayaya erstellt.
- Häufige Inhalte von Zwangshandlungen (Mindestens 3 nennen) Reinigungs-/Waschzwänge Wiederholungszwänge Ordnungszwänge kontrollzwänge Zählzwänge Sammel-/Aufbewahrungszwänge
- Zwangshandlung (Definition) Wiederkehrende Handlungsmuster --> Dienen oft Abwehr vermeintlicher Gefahr Zielgerichtete und beabsichtigte Verhaltensweisen (Regeln bei Ausführung) Wenn nicht Ziel der Gefahrabwehr --> Spannungsreduktion
- Häufige Inhalte von Zwangsgedanken Verschmutzung Religion Aggressive Impulse Eigener Körper Schlechtes Gewissen Symmetriewünsche Sexuell Sammeln
- Zwangsgedanken (Definition) Wiederholt/Stereotyp beschäftigende Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die Angst erzeugen Bewusstseinsinhalte, die sich gegen eigenen Willen in Gedanken drängen (nicht unterdrückbar) Gedanken werden als unsinnig & uncharakteristisch für sich selbt bewertet
- Diagnosekriterien ICD-10 (Zwangsstörung) - Zwangsgedanken/-handlungen (o. beides) an den meisten Tagen über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen - Merkmale der Handlungen/Gedanken --> Werden als eigene Gedanken erkannt--> Wiederholen sich andauernt, werden als unangenehm erlebt - Mindestens ein Gedanke/Handlung wird als unangenehm erlebt - Betroffener versucht Widerstand zu leisten - Handlung/Gedanke an sich unangenehm --> Meist von vorübergehender Spannungsreduktion begleitet - Leidensdruck durch Symptome (Bsp. durch Zeitaufwand)
- Differentialdiagnosen (Zwangsstörung) - Schizophrene Störungen (Wenn Gedanken nicht Ich-Dyston erlebt) - Schwere depressive Erkrankung - Autismus-Spektrum-Störungen (Wenn stereotypes Verhalten nicht als unangenehm erlebt werden) - Anorexia Nervosa - Hypochondrische Störung - Weitere (Störungen der Impulskontrolle/Sexualpräferenz, zwanghafte PS, generalisierte Angststörung, spezifische Phobien, hirnorganische Störungen, Intelligenzminderung)
- Komorbiditäten (Zwangsstörungen) - Depressive Störungen - Angstsymptome - Anankastische Persönlichkeitsstörung
- Ätiologische Faktoren der Zwangsstörung (Biologisch) Neurobiologisch- Gestörte Informationsverarbeitung im kortiko-striato-thalamo-kortikalen Kreislauf- Neurologische/Neuropsychologische Störungen- Neurodialogische Dysfunktion (Frontaler Kortex + Nucleus Caudatus)- Serotonin-Beteiligung naheliegend --> Wirksamkeit von SSRIs- genetische Komponente (vermutlich u.A. Chromosom 18) Familiäre Aspekte- Häufig mindestens ein Elternteil betroffen - Starke Heritabilität- Imitationsverhalten?
- Psychologisches Modell der Zwangsstörung Zwangsgedanken als konditionierte Angstreize (Löschungs-/Habituationsresistent)--> Negativer affekt entsteht erst durch Bewertung des Gedankens Spannungsreduktion führt zu Verstärkung des Zwangsverhaltens --> Vermeidungsreaktion, um das Auftreten von Zwangsgedanken zu verhindern
- Dysfunktionale Gedanken (Zwangsstörung) - Überschätzung der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses - Katastrophisierendes Denken - Überbewertung der Macht eigener Gedanken (Nur ein schlechter Mensch denkt sowas) - Fehleinschätzung eigener Verantwortlichkeit - Gefühle werden als nicht ertragbar bewertet - Starke Zweifel und wenig Vertrauen an eigenes Gedächtnis
- Entwicklung von Zwangsgedanken (Schritte) Schritt 1: Stress verursacht häufige aufdringliche GedankenSchritt 2: Gedanke wird katastrophisierend bewertetSchritt 3: Mehr Reize/Situationen werden bedrohlich bewertetSchritt 4: Angstauslösende Situationen werden häufigerSchritt 5: Vermeidung/Neutralisierung der Auslöser für Gedanken/HandlungenSchritt 6: Zunahme katastrophisierender Fehlinterpretation (Verstärkung)Schritt 7: Trotz Vermeidung weiterhin aufdrängende Gedanken
- Indikation für stationäre Behandlung (Zwangsstörung) - Scheitern ambulanter Therapie - Komorbide Symptomatik (Bsp. Suizidalität) - Vitale Gefährdung (Bsp. Essensverweigerung) - Versagen der Alltagsbewältigung - Trennung von aufrechterhaltenden Einflüssen (Bsp. Umfeld stark in Zwänge eingebunden)
- Vorteile einer stationären Behandlung bei Zwangsstörung - Trennung von aufrechterhaltenden Einflüssen - Entlastung durch Umgebungswechsel - Kontinuierliche/Systematische Verhaltensbeobachtung möglich - Kontrolle zwangsauslösender/-aufrechterhaltender Stimuli - Leichtere Umsetzung von Expositionssitzungen - Größere Variation der Behandlungsmöglichkeiten - Verbesserung der Compliance bezüglich Medikamenten
- Verhaltenstherapie bei Zwangsstörung (Schritte) Schritt 1: Aufstellen einer AngsthierarchieSchritt 2: Aufsuchen typisch zwangsauslösender SituationenSchritt 3: Ausführen von Zwangshandlungen verhindernSchritt 4: Ausgelöste Angst wird ausgehalten & verarbeitet
- Medikamentöse Therapie bei Zwangsstörung Indikaton wenn... - Symptomatik hinreichend schwer- Verhaltenstherapie allein nicht ausreichend- Leidensdruck hinreichend hoch- Komorbide depressive Störung Medikamente = SSRIs in höherer Dosierung als bei Depression
