Gesundheitspsychologie (Fach) / Sicherheitspsychologie I (Lektion)
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Verhaltensbeeinflussung
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- Arbeitsschutz = Verhütung von Arbeitsunfällen Wegeunfällen Berufskrankheiten. Dazu kommt „Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren (SGB V, § 20b)“ Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb Arbeitssicherheitsgesetz (ASIG): Gesetz für Fachkräfte der Arbeitssicherheit (Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure, etc.)
- Verhaltensprävention Verhaltensmodifikation Verhaltensbeeinflussung Behavior Modification Lernprozesse 5-Stufen-Methode (Burkardt) Sicherheitsbewusstsein Gefahrenkognition aber auch: Rangordnungskonzept/ Interaktionskonzept
- Arbeitsschutz Wer ist verantwortlich? · Verantwortlicher ist der Arbeitgeber! · Verantwortung teilweise an Linie delegierbar. Er wird beraten durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas) und Betriebsärzte.
- Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFas) und Betriebsärzte. sind verantwortlich für die Richtigkeit ihrer Beratung (aber nicht für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz). · Sicherheitsbeauftragte sind Mitarbeiter/innen vor Ort, die in ein paar Wochenendseminaren geschult sind und keine Befugnisse haben. . Schlüsselfunktion im Arbeitsschutz · SiFas führen Unfalluntersuchungen durch und schlagen Sicherheitsmaßnahmen vor. werden dabei von den Berufsgenossenschaften unterstützt.
- Die Berufsgenossenschaften sind Unfallversicherungen mit einem Präventionsauftrag. (überwiegend Berater/ werden durch Beiträge aus den Firmen finanziert, dies ist aber gesetzlich geregelt, also keine direkte Anhängigkeit)
- Die staatliche Gewerbeaufsicht hat primär eine Überwachungsfunktion. · Die staatliche Gewerbeaufsicht und die Berufsgenossenschaften können Auflagen machen, bis hin zur Schließung eines Unternehmens.
- Direkte Gefährdungsanalyse (unfallunabhängig) · Gefährdungseinschätzung (sachlogisch) durch Experten Probabilistische Risikoanalyse
- Indirekte Gefährdungsanalyse (unfallabhängig) · Unfallschwerpunktanalyse · Root Cause Analysis
- Mittelding zwischen direkter und indirekter Gefährdungsanalyse Beinahe-Unfall-Analyse, Near-Miss-Analysis
- Fünf-Stufen-Methode (Burkardt, 1992) zur Verhaltensbeeinflussung an Unfallschwerpunkten (Burkardt): 1. (Beinahe-)Unfallschwerpunkte finden und analysieren 2. Verhaltensregeln festlegen 3. Maßnahmen ableiten 4. Maßnahmenplan realisieren 5. Wirkung kontrollieren
- Unfalltypen Unfalltyp (Gehen): Beim Gehen über umherliegendes Material gestolpert und gestürzt, dabei vorwiegend Verletzungen an den Füßen, am Kopf oder am Rumpf davon getragen. Unfalltyp I (Reparatur): Beim Aufschrauben von Rohrleitungen mit heißem Produkt oder Wasser(-dampf) in Kontakt gekommen. Dabei Verbrühungen und oder Verätzungen zugezogen Unfalltyp II (Reparatur): Beim Aufschrauben von festsitzenden Schraubverbindungen abgerutscht und Hand angeschlagen, dabei Prellungen oder Schnittwunden zugezogen.
- 5 Stufen Methode nach Burckhardt 2. Verhaltensregeln festlegen · realistisch · von den Betroffenen akzeptiert · verständlich formuliert · konkret · übersichtlich dargestellt
- Merksätze der Verständlichkeit (Burkardt, 1992) 1. Einfach formulieren - geläufige Sprache benutzen - Regeln im Aktivstil formulieren - keine Fremdwörter benutzen 2. Kurz und prägnant formulieren -Treffend formulieren -Sätze über 10 Worte vermeiden -konkrete Beschreibungen formulieren 3. Ordnen und gliedern -Abschnitte erleichtern das Lesen -untereinander statt nebeneinander aufzählen - wichtiges hervorheben
- Lerngesetze zu Verhalten 1. Ein Verhalten, dessen Ergebnis als Erfolg erlebt wird, wird wiederholt. 2. Ein Verhalten, dessen Ergebnis als Misserfolg erlebt wird, wird verändert. 3. Ein Verhalten, dessen Ergebnis wiederholt als Erfolg erlebt wird, entwickelt sich zur Gewohnheit.
- Strategien um sicheres Verhalten zu fördern Strategie I: Sicheres Verhalten verstärken. Strategie II: Erschwernisse sicheren Verhaltens minimieren, sicheres Verhalten erleichtern. Strategie III: Misserfolge sicherheitswidrigen Verhaltens verdeutlichen. Strategie IV: Vorteile sicherheitswidrigen Verhaltens abbauen, sicherheitswidriges Verhalten erschweren.
- Beinahe-Unfälle Für die Gefährdungsschwerpunktanalyse wird eine hohe Anzahl an Daten benötigt Zahl der Unfälle gehen fortlaufend zurück Mögliche Lösung: Erhebung von zusätzlichen Beinahe-Unfällen In der Fachliteratur auch unter „Near Miss“, „Near Miss Accident“, „Close Call“, „Vorfall“, „kritisches Ereignis“, „Incident“ und „Critical Incident“ zu finden Dominierender Begriff ist „Near Miss“ Definitionen variieren je nach Autor Abgrenzung zu anderen sicherheitskritischen Ereignissen ist zweitrangig
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- Zwei gängige Definitionen von Beinahe Unfällen 1. Ein Vorfall der zu keiner Verletzung geführt hat 2. Eine Situation in der nichts geschehen ist, aber etwas hätte geschehen können.
- Relevanz & Nutzen der Beinahe-Unfall Forschung · Förderung der Aufmerksamkeit der Belegschaft für gefährliche Handlungen und Bedingungen · Misstrauen gegenüber der Qualität der Unfallmeldungen – da oft verfälscht · Vergrößerung der Datenbasis für die indirekte Gefährdungsanalyse
- Mögliche Schlussfolgerungen für die Gestaltung eines Near-Miss-Reporting-Systems (NMRS): Seine Akzeptanz sollte gefördert werden Es sollte ein Mittelweg zur Wahrung der Anonymität gewählt werden „Forgiveness“und„Fear of disciplinary action”sollten beachtet werden Es sollte Feedback gegeben werden Abbau der „Risk acceptance“ „Practical reasons“ für die Nicht-Meldung sollten abgebaut werden Sicherung der Qualität der Beinahe-Unfall-Meldung Eine vertiefte Analyse der Beinahe-Unfall-Meldungen
- Beinahe-Unfälle Zusammenfassung Forschung · interessante neue Ansatzpunkte (zB sicherheitskritische Ereignisse mit positivem Ausgang ähnlich positiv bewertet, wie durchgängig positive Ereignisse/ Beinahe-unfälle werden vor allem dann berichtet,wenn das Ereignis eine große räumliche Nähe oder Ähnlichkeit mit einem Unfall hat und wenn die Person, die in der Ereigniskette nahe am Ereignis agiert, vermutlich dafür verantwortlich gemacht wird) · Innerhalb der letzten 20 Jahre hat allerdings keine große Entwicklung stattgefunden · Die neuen Konzepte sind noch nicht ausgereift und führen somit auch nicht zu neuen Methoden für das Near-Miss Management in den Betrieben · Die 5-Stufen Methode (Burkardt, 1992) stellt eine gute Möglichkeit da, mit Unfall und Beinahe-Unfall-Daten umzugehen
- Probleme der Erfassung und Analyse von Beinahe-Unfällen · Akzeptanzproblem ( Beschäftigte müssen Erhebungssystem akzeptieren – anonym, Vergebungsbereitschaft, Feedback) · Repräsentanzproblem (Beinahe-Unfälle und Unfälle müssen Zusammenhänge aufweisen, um von dem einen Vorfall auf den anderen schließen zu können
- Beseitigung des Repräsentanzproblems bei Beinahe-Unfällen -> Rückschlüsse von Beinaheunfällen auf Unfälle ist möglich Keil (1995) zeigte anhand eines umfangreichen Datensatzes aus der Chemie-Industrie, man Beinahe-Unfälle zur Gefährdungsanalyse verwenden kann, wichtig dabei ist die Risikoeinschätzung zu berücksichtigen Explosion vs. Stolpern Keil und Trachsel (2003)und Keil und Klug(2007)entwickelten eine Methode, um diese subjektive Risikoeinschätzung in der Beinahe-Unfall-Analyse zu berücksichtigen überprüfung der Methode in der Pharmaindustrie Bei Verwendung dieser Methode müssen Besonderheiten der subjektiven Risikowahrnehmung der Beschäftigten im jeweiligen Betrieb mit Befragungen erhoben und aus den Beinahe-Unfällen „herausgerechnet“ werden Dadurch werden die Zusammenhänge zwischen Near Misses und Unfällen enger und Vorhersagen werden genauer
