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Entwicklungspsychologie (Subject) / Die Bindungstheorie u. die frühe Eltern-Kind-Beziehung (Lesson)

Zusammenhänge und die Fähigkeit Belohungsaufschub sowie soziale- und Leistungsfähigkeit in Schule -> Lösungsstrategien

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  • Ursprünge der Bindungstheorie John Bowlby (1907-1991)Definition Bindung:Eine enge und überdauernde emotionaleBeziehung von Kindern zu ihren Eltern(und anderen Bezugspersonen) Ursprünge/Quellen1, Psychoanalyse (Mutter-Kind-Beziehung)2, Artvergleichende Forschung3, Beobachtungen der Kleinkindforschung- Hospitalismus bei Kindern, die in Waisenhäusern mit guterphysischer Betreuung, aber ohne enge Bezugspersonenaufwuchsen (Spitz; ca. 1940)- Studien von Harry Harlow: Affen, die von Müttern bzw.Artgenossen getrennt aufwuchsen, waren späterverhaltensgestört bzw. extrem ängstlich, kein Brutpflegeverhalten
  • Bindungstheoretische Grundannahmen Evolutionsbiologisch geprägte Verhaltensprogramme (von Geburt an)- Bindungssystem- ExplorationssystemBindungsverhalten gegenüber einer / wenigen Personen:• Entwickelt sich in den ersten neun Lebensmonaten• Bei mehreren Personen: hierarchische Ordnung• Personen nicht austauschbar; Trennung & Verlust hoch problematisch-> Bindung als biologisches Grundbedürfnis des KindesBindungsverhaltenssystem v.a. in unangenehmen Situationen aktiviert- Bei Angst, Unwohlsein, Fremdheit: Suchen der Nähe der Bindungsperson-> Durch Nähe und Kontakt reguliert und deaktiviert
  • Grundannahmen: Explorationsverhaltenssystem und Fürsorgeverhaltenssystem Grundlage für die Erkundung der Umwelt- Lernen über die Welt- Entwicklung der eigenen sensorischen, motorischen, kognitiven Fertigkeiten-> Dazu muss Bindungsverhaltenssystem beruhigt sein Dem Bindungssystem auf Seiten des Kindes entspricht ein Fürsorgesystem auf Elternseite- Wird aktiviert durch Wahrnehmung der kindlichen Signale (v.a. Schreien)- Intuitives Elternverhalten
  • Phasen der Bindungsentwicklung Vorphase (Preattachment)Geburt – 6 Wochen: Bindungsverhalten bei jeder Person, Angeborene Signale zur Bedürfnisbefriedigung Entstehende Bindung6 Wochen – 6/8 Monate: Zunehmend spezifische Reaktionen auf vertraute Personen, Spezifische Erwartungen an Verhalten der Bezugsperson Ausgeprägte Bindung6/8 Monate – 1 1/2–2 Jahre: Entstehen der spezifischen Bindung (aktive Kontakt- Aufnahme zur Bezugsperson; Unbehagen bei Trennung; Spannung bei Anwesenheit Fremder) Reziproke BeziehungenAb 1,5 bis 2 Jahren: Entstehen eines inneren Arbeitsmodells Akzeptieren von Trennungssituationen
  • Unterschiede in der Bindungsqualität Individuelle Unterschiede1. Bindung als biologisches Grundbedürfnis– kommt (quasi) immer vor-> Bindung ist umweltstabil2. Qualität / Art der Bindung unterscheidet sich zwischen Kindern-> Qualität der Bindung ist umweltlabil
  • Unterschiede in der Bindungsqualität: Mary Ainsworth (1913-1999) - Führte naturalistische Beobachtungen von Eltern und Kindernin Uganda durch (1945)- Untermauerte Bowlbys Theorien durch empirische Befunde- Entwickelte die “Fremde Situation” zur Erfassung derBindungsqualität im frühen Kindesalter
  • Bindungsstile Sicher gebundene Kinder Unsicher-vermeidend gebundene Kinder Unsicher -ambivalent gebundene Kinder Desorganisiert/desorientiert Bindungsstil/ Zusatzqualifikation
  • Bindungsstile: Sicher gebundene Kinder (B) - Nutzen die Bezugsperson als sichere Basis undexplorieren ihre Umwelt- Sind durch die Trennung emotional betroffen (bspw.Weinen), präferieren ihre Bezugsperson gegenübereiner fremden Person.- Freuen sich über die Rückkehr der Bezugsperson undlassen sich leicht von dieser beruhigen
  • Bindungsstile: Unsicher-vermeidend gebundene Kinder (A) - Weinen kaum bei Trennung (Belastung spiegelt sich nicht im emotionalen Ausdruck!)- Explorieren schnell- Differenzieren kaum zwischen Mutter und fremder Person- Vermeiden Kontakt/ignorieren Bezugsperson bei ihrer Rückkehr
  • Bindungsstile: Unsicher -ambivalent gebundene Kinder (C) - Explorieren wenig, sind oft anklammernd- Sind wütend oder passiv, wenn alleine mit fremder Person- Suchen zwar Kontakt zur Mutter bei ihrer Rückkehr, aber lassen sich nicht gut trösten:  wütende, aggressive Reaktionen-> ambivalentes Verhalten
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  • Bindungsstil: Desorganisiert/desorientiert (D) - Schwer klassifizierbar, da keine klare Verhaltensstrategie- Zum Teil bizarre Verhaltensweisen (Einfrieren von Bewegungen, Verhaltensstereotypien)- Erklärung: Furcht als durchgängige Beziehungserfahrung: Furcht vor der Bindungsperson & Furcht der Bindungsperson-> Konflikt zwischen Bedürfnis nach Sicherheit und Furcht?
  • Entwicklung der Bindungsstile Grundannahme: Ergebnis feinfühligen bzw. wenig feinfühligen Verhaltens (der Bezugsperson)Feinfühliges Verhalten:- Wahrnehmung der kindlichen Signale- Richtige Interpretation- Prompte und angemessene Reaktion
  • Bindungserfahrung nach Typen B Feinfühlige Bezugsperson, zuverlässige Beantwortung der kindl. SignaleA Keine Zuverlässigkeit der Bezugsperson, keine SicherheitC Wechselnde Erfahrungen mit der BezugspersonD Sehr ungünstige Interaktionserfahrungen (u.U. Missbrauch o.ä.) - Anpassungsstrategien im Umgang mit Belastung/ emot. UnsicherheitSichere und unsichere Bindung sind normale Entwicklungsvarianten/Anpassung; desorganisierte Bindung wird pathologisch diskutiert
  • Stabilität von Bindungsmustern Teilweise hohe Langzeitstabilitäten• Verhalten im FST mit 2 Jahrenj -> Verhalten im Alter von 6 Jahrennach einstündiger Trennung (Main & Cassidy, 1988)• Typ B: gesprächsbereiter, interaktionsinteressiert, offen• Typ A: wenig Begrüßungsverhalten, abgewandt• Typ C: übertriebene Kleinkindhaftigkeit, dramatisierte Interaktionswünsche• Typ D: stark kontrollierendes Verhalten• 72% wiesen in einer Längsschnittstudie über 20 Jahre eineBindungsstabilität auf (Waters et al., 2000)• aber auch Studien, die keine entspr. Zshg. finden (Becker-Stoll, 1997)• dabei: häufig Mittelschichtskinder, wenig Beziehungsveränderungen
  • Langzeiteffekte der Bindungsqualität Sicher gebundene Kinder- Positives inneres Arbeitsmodell- Höhere sozio-emotionale Kompetenzen      - Sozial akzeptabler Emotionsausdruck      - Positive Beziehungen zu Gleichaltrigen      - höheres Selbstwertgefühl      - Prosoziales Verhalten und EmpathieUnsicher gebundene Kinder- Inhibieren emotionale Expressivität und suchen keinen Trost bei anderen (antizipieren nicht-responsives Verhalten)
  • Langzeiteffekte: Beispiele Konkrete Beispiele• Sicher gebundene Kinder bei Übertritt in Kindergrippe wenigerAnpassungsprobleme (Rottmann & Ziegenhain, 1988)• Bei Misserfolg in Wettbewerbssituation weniger negative Gefühleund anschließend mehr Anstrengung (Lütkenhaus et al., 1985)• Besseres „Meta-Monitoring“: Bewusstmachung und Bewertungeigener negativer Erfahrungen (Main, 1991)
  • Bindungsverhalten ist gesteuert durch internale Arbeitsmodelle - Beinhalten Wissen, Erwartungen und Vorstellungen hinsichtlich der Bindungspersonen und des eigenen Selbst- Dienen der Interpretation, Planung und Vorhersage von Interaktionen- Nicht beschränkt auf urspr. Bezugsperson, sondern entscheidend für Umgang mit relevanten Anderen (Partner, enge Freunde) auch später im Leben
  • Bindungsqualität im Erwachsenenalter Erfasst durch das Adult Attachment Interview (AAI)Bsp. “Versuchen Sie bitte, Ihre Beziehung zu Ihren Eltern zu der Zeit zu beschreiben, alsSie ein kleines Kind waren. Bitte fangen bei Ihren ersten Erinnerungen an.“ „Bitte wählen Sie fünf Adjektive, die Ihre Kindheitsbeziehung zu Ihrer Mutter/Ihrem Vater bezeichnen. Dann werde ich Sie fragen, warum Sie sie gewählt haben.“ - Autonom-sicheroffener, glaubwürdiger und kohärenter Bericht- Abwertend/Abweisend (= vermeidend)Idealisierung oder Abwertung; keine genaue Beschreibung möglich- Ambivalent/Verstrickt (= ambivalent)widersprüchlicher, nicht kohärenter Bericht- Ungelöstmerkwürdige Entgleisungen, keine Verarbeitung der Beziehungserfahrungen(häufig Trauma zugrunde liegend)
  • Aktuelle Themen der Bindungsforschung - Mehrere Bindungspersonen/Multiple Bindungen (Vater, Mutter, ...),unterschiedl. Bindungsstile: Kompensationsmöglichkeiten    - Rolle des Vaters: v.a. Unterstützung des Explorationsverhaltens    -> unterschiedl. Funktion von Mutter und Vater?- Interkulturelle Unterschiede: In Gesellschaften, in denen Gemeinschaftsgefühl wichtiger, höherer Anteil unsicher-ambivalenter Bindungsstile- Entwicklung der Bindungsstile: Interaktion zwischen Elternvariablen (Feinfühligkeit), kindlichen Variablen (Temperament) und Situationsmerkmalen (sozio-ökonomischer Status)- Optimalitätstheorem (sichere Bindung als optimaler Beziehungstyp) fraglich: große inter- und intrakulturelle Unterschiede in der Verteilung der Bindungstypen; hohe Prävalenz unsicherer Bindungen (10-50%) -> funktional adaptiv?