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EC Anthropologie (Subject) / Geschlechter in der Naturwissenschaft (Lesson)
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- Schildkröten Temperaturabhängige Geschlechtsdeterminierung Bebrütungstemperatur hängt von Tiefe der eingegrabenen Eier ab. Meeres Schildkröten (L.olivacea) Bebrütungstemperatur von 26oC führt zu männlicher Entwicklung (100%) Bebrütungstemperatur von 33oC führt zu weiblicher Entwicklung (100%) Schnappschildkröten (Chelydra serpentina) Bebrütungstemperatur von 26oC führt zu männlicher Entwicklung (100%) Bebrütungstemperatur von 30oC führt zu weiblicher Entwicklung (100%)
- Alligatoren Temperaturabhängige Geschlechtsdeterminierung Bebrütungstemperatur hängt von Bauart des Nestes oder von der Tiefe der eingegrabenen Eier ab. Bebrütungstemperatur von 30oC führt zu weiblicher Entwicklung (100%) Bebrütungstemperatur von 33oC führt zu männlicher Entwicklung (100%) Bebrütungstemperatur zwischen 30oC und 33oC führt weiblichen und männlichen Jungtieren
- Leopardgecko oder Pakistanischer Fettschwanzgecko (Eublepharis macularius) Niedrige und hohe Bebrütungstemperatur von 26– 30 °C und 34–35 °C weibliche Entwicklung Verhaltensunterschiede der Weibchen in Abhängigkeit von Bebrütungstemperatur: Hohe Temperaturen eher aggressives Verhalten Hormonale Wirkung Mittlere Bebrütungstemperaturen 31–33 °C männliche Entwicklung
- Physiologie der TSD Verantwortliches Enzym für TSD ist die Aromatase Aromatase wandelt Testosteron in Östrogen um. Aktivität der Aromatase steigt mit steigender Temperatur. Bei höheren Temperaturen höhere Östrogenkonzentrationen
- Hormone und Pheromone als Auslöser für die Geschlechtsdifferenzierung Neben dem Faktor Temperatur sind auch Pheromone oder Hormone Auslöser für Geschlechtsdifferenzierung Beispiel: Bonellia viridis (Igelwürmer) Extremer Größendimorphismus (♀ bis zu 30cm lang, ♂ 2 mm lang) ♂ leben im Uterus der ♀ und befruchten dort die Eier) Larven sind geschlechtlich undifferenziert. Freie Larven entwickeln sich zu ♀ Larven, die auf ♀ treffen und sich an deren Rüssel festsetzen entwickeln sich zu ♂ Ursache: Rüssel des ♀ scheidet ein Hormon (Pheromon) aus, das Entwicklung in Richtung ♂ induziert
- Störungen der phänotypischen Geschlechtsdeterminierung Bedeutung der Steroidhormone (vor allem Östrogene) für die phänotypische Geschlechtsdeterminierung Problematik von „environmental estrogens“ Pestizide (Xenobiotics) haben östrogen ähnliche Wirkung Folgen: Über mütterlichen Organismus aufgenommen oder durch verunreinigte Gewässer kommt es zu Störung der Geschlechtsdifferenzierung Ausbildung von Ovotestes bei Sumpf-Schildkröten Störung von Geschlechtsdifferenzierung und Sterilität bei Alligatoren
- Genetische – Haplodiploide Geschlechtsdeterminierung Typisch für Hymenopteren, Milben, Schildläuse ect. Ein Geschlecht haploid (einfacher Chromosomensatz) Anderes Geschlecht diploid (doppelter Chromosomensatz) 1845 vom schlesischen Pfarrer Johann Dzierzon erstmals für Bienen beschrieben Aus unbefruchteten Eiern der Bienenkönigin entstehen durch Parthenogenese Männchen Diese haben nur eine Mutter aber keinen Vater daher haploid Aus befruchteten Eiern entstehen diploide Weibchen
- Gonosomale Geschlechtsdeterminierung Geschlechtliche Differenzierung beruht auf einem oder mehreren geschlechtsbestimmenden Genen Ein (oder mehrere) Schaltergen(e) induziert(en) Geschlechtsdifferenzierung unabhängig von Umweltfaktoren Bei placentalen Säugetieren und Beuteltieren befindet sich das SRY Gen für die Testes-Entwicklung am kurzen Arm des Y-Chromosoms Bei Abwesenheit des SRY-Gens entwickeln sich Ovarien Bedeutung von Genen auf Autosomen (SOX9)
- Geschlechtschromosomen Verschiedene Systeme im Tierreich: ZZ/ ZW-System: Vögel, Schlangen Weibchen heterogametisch (ZW), Männchen homogametisch (ZZ) XX/XY-System: Säugetiere Weibchen homogametisch (XX), Männchen heterogametisch (XY) Sonderfall Drosophila: XX/XY System aber Y spielt für Geschlechtsdeterminierung kaum eine Rolle sondern die Anzahl der X-Chromosomen XX/XY, ZW/ZZ; XX/XO: bei Fischen und Amphibien, Insekten, Caenorhabditis elegans
- Geschlechtschromosomen ein Paar Heterochromosomen Säugetiere XX: weibliches Geschlecht homogametisch XY: männliches Geschlecht heterogametisch Amphibien, Vögel, Schmetterlinge, Schlangen ZZ: männliches Geschlecht: homogametisch ZW: weibliches Geschlecht. heterogametisch
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- Entdeckung der Geschlechtschromosomen Arnold (1874) und Fleming (1881) beobachten erstmals menschliche Chromosomen 1901: Existenz von Geschlechtschromosomen wird postuliert 1920: Thomas Hunt Morgan beschreibt Geschlechtschromosomen bei Drosophila 1959: das Y-Chromosom ist bei Säugern für die Differenzierung der Testes verantwortlich (Ford et al. 1959; Jacobs & Strong 1959; Welshons & Rusell 1959) 1993: SRY-Gen auf dem Y-Chromosom wird als Testes-determinierendes Gen identifiziert (Goodfellow & Lovall-Badge 1993)
- Evolution der Geschlechtschromosomen Seit Entdeckung der Gonosomen Spekulation über Ursachen der Gonosomen- Evolution Gonosomenpaar vermutlich aus einem Autosomenpaar entstanden Vor ca. 300 Millionen Jahren begann die schrittweise Unterdrückung des genetischen Austausches zwischen den beiden Kopien der Vorläufer- Chromosomen Da geschlechtsdeterminierende Gene (SRY) am Y-Chromosom bereits bei Kloakentieren nachweisbar sind, wird angenommen, dass diese Entwicklung zur Zeit der Trennung von frühen Säugetieren von den Reptilien einsetzte (300-270 Millionen Jahre) Folge war eine dramatische Verkleinerung des späteren Y-Chromosoms
- Bedeutung Y-Chromosomen Evolutionäre Tendenz Gene auf Y-Chromosom zu eliminieren Säugetiere: geschlechtsbestimmenden Gene am Y-Chromosom (SRY-Region) Drosophila: Y-Chromosom: trägt keine geschlechtsdeterminierenden Gene Geschlechtsdeterminierung: Ratio Anzahl X-Chromosomen/Autosomen Männchen: XO Weibchen: XX, XXY Caenorhabditis elegans: (Nematode) Y-Chromosom gänzlich eliminier t Männchen : XO Weibchen: XX
- Y.Chromosomen beim neschen Zum Y-Chromosom existiert im diploiden Chromosomensatz kein vollkommen homologes Chromosom Drittel der Größe eines X-Chromosoms Kann nur auf 5% seiner Länge mit dem X-Chromosom rekombinieren Viele Gene auf dem Y-Chromosom haben kein Gegenstück auf dem X-Chromosom (z.B. SRY) Y-Chromosom besitzt nur wenige aktive Gene (meist für die Spermienproduktion essentiell) Viele Gene verloren ihre Funktion und wurden zu Pseudogenen Manche Gene erlangten eine männlich-spezifische Funktion (SRY)
- X-Chromosom etwa 155 Mb DNA über 800 Protein-kodierende Gene deutlich größer als das Y-Chromosom im männlichen Geschlecht einfach, im weiblichen zweifach Problem von x-chromosomal rezessiven Gendefekten (z.B. Hämophilie) Frauen Konduktorinnen Männer erkranken Problem: im weiblichen Geschlecht würden Gene des X- Chromosoms doppelt so häufig transkripiert werden als nötig Wie wird dieses Ungleichgewicht ausgeglichen? Gibt es einen Dosiskompensationsmechanismus?
- Entdeckung des Barr-Körpers 1949: Entdeckung des Sex-Chromatin oder den Barr-Körper in den Zellkernen von weiblichen Katzen durch M.L. Barr und Bertram Kater weisen kein Sexchromatin auf. Zur Dosiskompensation wird zufällig ausgewähltes X-Chromosom inaktiviert Es wird stärker verpackt und wird dadurch optisch dichter und besser anfärbbar => Barrkörper 1961 Lyon-Hypothese von Mary F.Lyon „X-Chromosom-Inaktivierungs-Hypothese“ In jeder somatischen Zelle weiblicher Säuger wird ein X- Chromosom inaktiviert Funktionelle Gendosiskompensation Mary Lyon Copyright Department für Anthropologie
- X-Chromosom-Inaktivierung oder Lyonisierung Weitgehende Inaktivierung des 2. bzw. aller weiteren X-Chromosomen eines Zellkerns ab dem Blastocystenstadium (12.-16.Entwicklungstag) Zufällige Inaktivierung von paternalen oder maternalen X-Chromosom Bildung von Mosaiken (innerhalb eines Organismus ist in manchen Zellen ist das maternale X-Chromosom inaktiviert, in anderen Zellen das paternale X- Chromosom) Mosaikkonstellation Ursache für Glückskatzen Embryonale X-Inaktivierung bleibt zeitlebens bestehen und wird bei Zellteilung an Tochterzellen weitergegeben Inaktivierte X Chromosomen sind im Interphasekernen als X-Chromatin nachweisbar
- Unvollständige X-Inaktivierung Neuere Forschung X-Inaktivierung verläuft unvollständig, einige Gene werden auch vom inaktiven X-Chromosom exprimiert Erklärt auch warum XO-Frauen das Ullrich-Turner-Syndrom ausbilden Beim Menschen „entgehen“ 15-25% der X-Gene auf dem inaktivierten X- Chromosom der Inaktivierung (Carrel & Willard 2005)
- Barr-Körper als Mittel zur Geschlechtsdiagnose inaktives X-Chromosom Test bei Sportlern seit 1968 bei Olympischen Spielen Barrkörper: bei Frauen vorhanden, bei Männern nicht Frauen ohne Barr-Körper: Genetischer Mann mit defekten SRY, Androgenresistenzsyndrom Frau mit X0 Genoptyp (Turnersyndrom) Frauen mit mehr Barr-Körpern: Triplo X Syndrom Männer mit Barr-Körper Klinefeltersyndrom (XXY-Genotyp)
- Ebenen der Geschlechtsdifferenzierung beim Menschen Ebenen der biologischen Geschlechtsdifferenzierung Chromosomale Ebene Gonadale Ebene Genitale Ebene Hormonale Ebene Somatisch-Morphologische Ebene Psychische Differenzierung Soziale Differenzierung rechtliche Differenzierung
- Chromosomale Ebene der Geschlechtsdifferenzierung Zeitpunkt: Befruchtung Anzahl: 44 Autosomen, 2 Gonosomen Konstellation der Gonosomen bestimmt das chromosomale Geschlecht Weibliches Geschlecht homogametisch 2 X-Chromosomen Männliches Geschlecht: heterogametisch 1 X- und 1 Y-Chromosom
- Varianten der Anzahl der Geschlechtschromosomen Chromosomale Störungen beim Menschen keine Seltenheit Chromosomenanomalien: bei 8% aller Konzeptionen (Spontanaborte) ca.0.5% aller lebendgeborenen Kinder weisen Chromosomenaberrationen auf Numerische Chromosomenaberrationen Ursache: Non-disjunctions in der Oogenese oder in der Spermatogenese,d.h. in der Meiose bleiben homologe Chromosomen zusammen Es entstehen Trisomien, Polysomien oder Monosomien Gonosomale Aberrationen
- Ullrich-Turner Syndrom Erstmals von Ullrich 1929 und Turner 1938 beschrieben Häufigkeit 1: 3000- 5000 weibliche Neugeborene Merkmale: Gonosomale Monosomie XO Kein Barrkörperchen Minderwuchs (< 148cm) Primäre Amenorrhoe Sterilität (Eierstöcke liegen als Stranggonaden vor) Morphologische Auffälligkeiten (Pterigyum colli, tiefer Haaransatz, ect.) Sexualhormonmangel (Osteoporoserisiko erhöht) Therapie: rein symptomatische Hormonersatztherapie
- Klinefelter-Syndrom Gonosomale Trisomie: XXY Erstmals durch Klinefelter 1942 beschrieben Häufigkeit: 1: 500- 1000 männlicher Neugeborener Merkmale Barrkörperchen Ab Pubertätsalter bemerkbar Sekundäre Geschlechtsmerkmale bilden sich nicht aus „infantile Genitalien“ Hypogonadismus, Aspermie Sexualhormonmangel, erhöhtes Osteoporoserisiko Sterilität Hochwuchs (ca. 10cm > als Durchschnitt) Therapie: rein symptomatische Hormonersatztherapie
- XYY-Typ 1961 erstmals beschrieben (von Avery Sandberg ) Häufigkeit: bei männlichen Neugeborenen 1: 500-2000 Symptome: keine charakteristischen somatischen Merkmale oft überdurchschnittlich groß (>10cm als Durchschnittspopulation) Testosteronproduktion norma l fertil „Verbrecher-Typ“ In den 1960er Jahren angebliche Häufung bei gewaltbereiten Gefängnisinsassen nachgewiesen Begriff gilt heute als obsolet
- XX-Männer Phänotypisch männliche Individuen mit weiblichem Chromosomensatz (XX) XX-Männer Häufigkeit: 1:20 000 männliche Neugeborene Infertil Diagnose meist erst bei unerfülltem Kinderwunsch Ursache: Translokation einer bestimmten Region des Y- Chromosoms (SRY) auf das X- Chromosom
- Gonadal-genitale Ebene der Geschlechtsdifferenzierung Intrauterine Phase bis Geburt Geschlechtsspezifische Differenzierung der Gonadenanlagen Anatomie der primären Geschlechtsorgane Embryologie der primären Geschlechtsorgane Störungen der gonadalen Geschlechtsdifferenzierung Entstehung des primären Sexualdimorphismus
- Anatomie der primären Geschlechtsorgane Keimdrüsen (Gonaden): Produktion von Keimzellen (exokrine Funktion) Sexualhormone (endokrine Funktion) Geschlechtswege: Transport der Geschlechtsprodukte (Keimzellen bzw. der befruchteten Eizelle) Geschlechtsdrüsen: Produktion von Sekreten die, die Befruchtung begünstigen äußere Geschlechtsorgane: Ermöglichung der sexuelle Vereinigung
- Funktion der Geschlechtsorgane Bildung der Keimzellen Eizellen Spermien Hormonsekretion Sexualhormone Ermöglichung des Koitus Ermöglichung einer erfolgreichen Befruchtung Ermöglichung der Weiterentwicklung der befruchteten Eizellen bis zum geburtsreifen Fötus
- Geschlechtsorgane männlich und weiblich Weibliche Geschlechtsorgane Uterus (Gebärmutter) Tuben o.Ovidukt (Eileiter) Ovarien (Eierstöcke) Keimdrüsen Männliche Geschlechtsorgane Testes (Hoden) Keimdrüsen Epididymis (Nebenhoden) Ductus deferens (Samenleiter) akzessorischeGeschlechtsdrüsen (Samenblase, Cowpersche Drüse) Prostata
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- weibliche Geschlechtsorgane Innere Geschlechtsorgane: Eierstöcke (Ovarien) paarig angelegt Eileiter (Tuben) paarig angelegt Gebärmutter (Uterus) Scheide (Vagina) Äußeren Geschlechtsorgane: große und kleine Schamlippen Clitoris Scheidenvorhof
- männliche Geschlechtsorgane Innere Geschlechtsorgane: Hoden Nebenhoden Samenleiter Samenbläschen Prostata Äußere Geschlechtsorgane: Penis Hodensack
- Gonadale Geschlechtsdifferenzierung Chromosomales Geschlecht des Embryos bereits zum Zeitpunkt der Befruchtung festgelegt Gonadales Geschlecht bezieht sich auf Entwicklung der Keimdrüsen und Geschlechtswege (Ovarien,Testes) bis zur 7.SSW keine geschlechtstypischen Unterschiede der Keimdrüsen indifferente Gonade Ausbildung geschlechtstypischer Merkmale erst im Laufe der embryonalen Entwicklung Homo sapiens: Tendenz zur Entwicklung eines weiblichen Individuum
- Gonadale Entwicklung Gonaden (Eierstöcke und Hoden) sind als Genitalleisten angelegt Es entsteht die indifferente Gonade (ab der 4.SSW nachweisbar), bestehend aus Markschicht Rindenschicht Die Keimzellen wandern ab der 6.SSW in die Gonadenanlagen ein. Weiterentwicklung der Markschicht im männlichen Geschlecht Weiterentwicklung der Rindenschicht im weiblichen Geschlecht
- Frühe gonadale Entwicklung Keimdrüsen als indifferente Gonaden angelegt Andere primäre Geschlechtsorgane (Eileiter, Uterus, Vagina, Nebenhoden, Harnsamenleiter) sind als paarige Gangsysteme angelegt Müllersche Gänge Wolffsche Gänge Beide Gangsysteme (sowohl die Müllerschen Gänge, die sich im weiblichen Geschlecht weiterentwickeln, als auch die Wolffschen Gänge, die sich im männlichen Geschlecht weiterentwickeln) sind zunächst in beiden Geschlechtern angelegt
- Historischer Exkurs: Was induziert die geschlechtliche Differenzierung? Untersuchungen an sog.Freemartin-Kälbern Ende des 19.Jhts/Beginn des 20.Jhts. Auftreten von Intersexen bei Hausrindern Entdeckung der Sexualhormone in der ersten Hälfte des 20.Jhts Paradigma von Alfred Jost Sexualhormone und Geschlechtsdifferenzierung
- Untersuchungen an Freemartin-Kälbern Phänomen seit Ende 19.Jht. beschrieben Bei Mehrlingsträchtigkeit mit mindestens einem männlichen Fötus Blutaustausch zwischen den Föten durch Anastomosen Männliche Hormone wirken auf weiblichen Fötus Weibliche Geschlechtsorgane können stark unterentwickelt sein Zwicke Auftreten von Ovotestes Zwicken (meist infertil)
- Paradigma von Alfred Jost (1916-1991) Experimente mit Hasenföten: Unabhängig von den Geschlechtschromosomen führt die Kastration eines Hasen in der Fötalphase zu einer Entwicklung in Richtung weiblich Entdeckt Müller-inhibiting hormone und die Bedeutung fötaler Testosteronproduktion Paradigma: Geschlecht wird durch folgenden Mechanismus bedingt: Chromosomales Geschlecht: XX oder XY Gonadales Geschlecht: Anwesenheit oder Abwesenheit des TDF entscheidend Phänotypisches Geschlecht: wird durch die Hormonsekretion (T, MIH) der Gonaden bedingt
- Induktion der geschlechtstypischen Entwicklung von indifferenter Gonade und Gangsystemen Entwicklungstendenz in weibliche Richtung Männliche Entwicklung wird durch Genprodukt von Y- Chromosom induziert SRY (= sex determining region of Y) kontrolliert die Synthese von TDF (Testis determining factor) und induziert so die testikuläre (männliche) Organisation der indifferenten Gonade, d.h. Entwicklung von Hoden Kann das SRY Gen nicht aktiv werden, kommt es zu einer weiblichen Entwicklung
- Indifferente Gonade Männliche Form? Weibliche Form? Männliche Entwicklung indifferente Gonade wird zu Testes Stützzellen werden zu Sertolizellen (produzieren Anti-Müller faktor) Steroidvorläuferzellen werden zu Leydigschen Zwischenzellen (produzieren Testosteron) Weibliche Entwicklung indifferente Gonade wird zu Ovar Stützzellen werden zu Follikelzellen Steroidvorläuferzellen werden zu Thecazellen (produzieren Östrogene)
- Genitalgänge zwei Genitalgangsysteme sind in beiden Geschlechtern paarig angelegt Müller ́sche Gänge: im weiblichen Geschlecht Entwicklung zu Eileitern (Tuben, Ovidukte) Gebärmutter (Uterus) oberer Teil der Vagina. Atrophieren im männlichen Geschlecht unter Einwirkung von Anti-Müller Hormon (AMH, MIH). Wolf ́sche Gänge: im männlichen Geschlecht unter Testosteroneinwirkung Entwicklung zu Harnsamenleiter Atrophieren im weiblichen Geschlecht.
- Hormonelle Faktoren der Geschlechtsdifferenzierung Homonelle Faktoren sind für die männliche Geschlechtsdifferenzierung essentiell MIH (Müller-Inhibiting Hormon oder Antimüller Hormon AMH): wird in den Sertolizellen der Testes produziert, führt zur Regression des Müller ́schen Ganges Testosteron: wird in den Leydig ́schen Zellen der Testes produziert, führt zur Virilisierung des Wolf ́schen Ganges Dihydrotestosteron: wird unter Einwirkung von 5α-Reduktase in peripheren Geweben aus Testosteron konvertiert, führt zur Virilisierung der äußeren Genitalien.
- Varianten der gonadalen Geschlechtsdifferenzierung beim Menschen Intersexualität Echter Hermaphroditismus Pseudohermaphroditismus masculinus testikuläre Störungen Störungen der Androgen-Biosynthese Androgenresistenz z.B.Hairless-women Pseudohermaphroditismus femininus adrenogenitales Syndrom (AGS) transplazentare Virilisierung (endogen, exogen)
- Echter Hermaphroditismus sowohl Hoden- als auch Ovarialgewebe vorhanden Beide Gonaden liegen meist intraabdominal äußeres Genitale ist intersexuell, daher eher männliche Geschlechtszuordnung Ovaranteil meist besser differenziert als Testes Pubertät kann einsetzen Menstruation setzt bei 50% ein Psychosexualität abhängig von Ausbildung der äußeren Genitalien Genetische Ursache ungeklärt
- Pseudohermaphroditismus masculinus XY-Karyotyp Gonaden männlich, äußere Genitalien durch embryonale Störung der Virilisierung intersexuell bis weiblich Intersexuelle oder weibliche Entwicklung bei XY Karyotyp Störungen der Androgen-Biosynthese: Störung der Androgenbildung, Enzymdefekte der Testosteronsynthese, Störungen der Cortisolsynthese sekundäre Geschlechtsentwicklung gestört Störungen der Androgenwirkung Androgenresistenz
- Androgenresistenz Form des Pseudohermaphroditismus masculinus „XY Frauen“ „Hairless women“ „testikuläre Femininisierung Ursache: Peripherie reagiert nicht auf Testosteron oder Dihydrotestosteron weibliche äußere Genitalien, kein Descensus der Testes, jedoch fehlender Uterus, Hormonstörung, weiblicher Habitus
- Sonderform des Pseudohermaphroditismus masculinus Autosomal-rezessiver 5α-Reduktase Mangel 5α-Reduktase wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron um Dihydrotestosteron induziert Virilisierung der äußeren Genitalien Bei Enzymdefekt: Chromosomal männlich männliche innere Gonaden Keine Virilisierung des äußeren Genitales Äußere Genitalien erscheinen weiblich HoheTestosteronproduktion in der Pubertät induziert Bildung von Dihydrotestosteron „Geschlechtswechsel“ in der Pubertät Thema von „Middlesex“ von Jeffrey Eugenides
- Phänomen „guevedoces“ „Hoden mit 12“ Studien von Julianne Imperato-McKinley in den 1970er Jahren in Domenikanischer Republik 5 α- Reduktasestörung: Testosteron kann nicht in Dihydrotestosteron umgewandelt werden Seit Mitte des 19.Jhts. 37 Kinder mit dieser Störung geboren (stammen aus 24 verwandten Familien) Chromosomale Knaben wachsen als Mädchen auf mit Pubertät für Ausbildung des männlichen Phänotypus Betroffenen Männer sind fertil keine Probleme mit Geschlechtsrollenidentifikation
- Pseudohermaphroditismus femininus Männliche oder intersexuelle Entwicklung bei XX-Karyotyp und eindeutigen Ovarien. Adrenogenitales Syndrom (AGS): Enzymdefekt in der Cortisolsynthese Kompensatorische Erhöhung der Konzentration des Adrenocorticotropen Hormons (ACTH) in der Adenohypophyse Störung der Steroidsynthese der Nebennierenrinde zu hohe Androgenproduktion führt zu fortschreitender Virilisierung Transplazentare Virilisierung: Tumore, die Androgenausschüttung stimulieren Androgengaben an die Mutter während der Schwangerschaft (Medikamente, Doping-Mittel)
- Hormonale Ebene der Geschlechtsdifferenzierung Sexualhormone: sind für die Geschlechtsdifferenzierung essentiell werden bereits intrauterin ausgeschüttet Sind schon in der präpubertären Phase von Bedeutung lösen die Pubertät aus Sind essentiell für das Einsetzen der Reproduktionsfähigkeit Ab Pubertät führt die hormonale Geschlechtsdifferenzierung zur somatisch- morphologischen Geschlechtsdifferenzierung