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Entwicklungspsychologie (Subject) / Medien_Produktivität im Alter (Lesson)
Vorlesung 9
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- Entwicklungspsychologische Medienforschung Differenzielle Unterschiede in der Mediennutzung, der Medienwirkung und der Medienkompetenz über die Lebensspanne Veränderungen der Medien und der Mediennutzung über die Zeit (=Veränderung der Kommunikationskultur) Medienangebote sollen Kinder nicht überfordern oder ihnen schaden Kinder erwerben im Verlauf ihrer Entwicklung eine immer ausdifferenziertere Kompetenz zum Verstehen und zur aktiven Nutzung von Medien In den USA werden Medien von zweijährigen schon genutzt Verlauf der Mediennutzung: Printmedien und Fernsehen bleiben konstant, einzig die Internetnutzung steigt linear an und erreicht das Niveau des Fernsehens
- Internetnutzung Funktionen (JIM-Studie, 2012): 1.Kommunikation (46%) (E-Mail, Messenger, Chat)2.Unterhaltung (23%) (Musik, Videos, Bilder)3.Spiele (17%)4.Informationssuche /Recherche (14%) - 2010 dominieren Online-Communities (Facebook)- Über 50% nutzen diese Online-Communities täglich oder öfter=> grundlegendste Änderung in der Mediennutzung
- Medienkompetenz Mediale Zeichenkompetenz = Verständnis medialer Zeichensysteme (Bilder, Filme) Grundlage: Verstehen, dass Medien etwas repräsentieren - bereits Säuglinge können Gesichter von Personen auf Fotos wiedererkennen, aber verstehen noch nicht die doppelte Natur von Bildern Jugend- und Erwachsenenalter: Vertieftes Verstehen von Medien und kritische Auseinandersetzung mit Medienbotschaften Filmbezogene Kompetenz: Filme bilden Sachverhalte wahrnehmungsnäher ab als statistische Bilder (Ereignisverläufe, Perspektivenwechsel) Erkennen der doppelten Natur von Filmen bereits mit 2,5 Jahren Videodefizit bei Kindern im 2.Lebensjahr: Fehlende Interaktionsmöglichkeit Geringere mentale reprädentationale Flexibilität Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität ist bei 8-Jährigen noch nicht vollständig ausgeprägt (Zusammenhang mit Metapher- und Symbolverstehen)
- Medienwirkung Einfluss von Film und TV auf kognitive und soziale Leistungen bei Kindern Unterschiedliche Wirkung (kognitiv, emotional) eines Medieninhaltes bei Kindern in Abhängigkeit von Alter, Wahrnehmung, Vorerfahrung etc. Studien sprechen eher für ein aktives Verstehen von Filmen (aktive Aufmerksamkeitssteuerung der Kinder) Bildungsprogramme im TV können sich durchaus positiv auf schulische Leistungen auswirken, aber nicht die reinen TV-Unterhaltungsformate
- Medium Film und Spracherwerb Qualität der verwendeten Sprache des Sendeformates wichtig => negativ: Teletubbies Syntaktische Aspekte (Satzbau) der Sprachentwicklung sind scheinbar eher abhängig vom sozialen Umfeld Einzelne neue Wörter können in Filmen eingeführt werden => Wortschatzerweiterung Soziale Hinweisreize und Interaktionsangebote erleichtern Lerneffekte bei TV Bildungsprogrammen
- Hypothesen zum negativen Einfluss des TV Konsums auf Lesekompetenzen Verdrängungshypothese: Fernsehkonsum verdrängt (Vor-)Lesen Leseabwertungshypothese: Lesen wird als weniger attraktiv wahrgenommen durch TV Konsum Passivitätshypothese: passiveres Verhalten durch das kognitiv weniger anspruchsvolle Fernsehschauen Konzentrationsabbauhypothese: die zu hihe Nilderflut des TV beeinflusst das Konzentrationsvermögen der Kinder
- Interindividuelle Faktoren der Wirkung von Film und TV Ausmaß des TV Konsums und Sendungsformat ist bedeutsam Negative Auswirkungen auf Lese- und Rechtschreibkompetenzen bei "Vielsehern" (117 Min./Tag) und Bevorzugung von Unterhaltugssendungen Heavy Viewers: TV läuft permanent -> geringere Lesefähigkeit Sendungen mit prosozialem Inhalt zeigen schwache bis mittlere positive Effekte (Verringerung aggressiven Verhaltens, Reduktion von Stereotypen) Aber: Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status
- Lerneffekt von auditiven und audiovisuellen Präsentationen Hörbücher haben eine positive und nachhaltige Wirkung auf die kindliche Sprachentwicklung und ein hoes Unterhaltungspotenzial (hohe Aufmerksamkeit) -> Vorschulkinder profitieren jedoch scheinbar mer von einer audiovisuellen als von einer auditiven Präsentation (AV=Unterschiede in der Erinnerungsleistung Filme unterstützen den Aufbau mentaler Situationsmodelle Mentales Situationsmodell: mentale Repräsentationen der im Text beschriebenen Sachverhalte, die über den expliziten Text hinausgehen. Mentale Situationsmodelle enthalten Vorstellungen und Schlussfolgerungen, die notwendig für das Sachverständnis sind. Dafür erforderliche Verstehensprozesse (Zusammenhänge zwischen Textelementen, Aktivierung und Integration von Vorwissen): Vorschulkindern fällt es beim Film leichter, weitergehende Inferenzen (Schlussfolgerungen) zu bilden, z.B. prädiktive, emotionale und globale Inferenzen Kinder ab dem Grundschulalter profitieren beim Aufbau mentaler Situationsmodelle von auditiven Präsentationen
- Ansatz perzeptueller Symbole Erklärung zur Überlegenheit von Filmen bei jüngeren Kindern Repräsentationen im Situationsmodell sind modalitätsspezifisch und enthalten perzeptuelle Symbole => visuelle/auditive Symbole Filme begünstigen den Aufabu perzeptueller Symbole durch einen höheren Anteil perzeptueller Merkmale Vorschulkinder richten ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf perzeptuelle Merkmale (Form, Größe, Bewegung, Laute) => größeres Profitiern von audiovisuellen Medien
- Überlegenheit audiovisueller Präsentationen Hypothese, dass die wahrgenommenen Anforderungen eines Mediums, die Menge an Verarbeitungsressourcen, die die Kinder bei der Medienrezeption investieren, beeinflussen Methode: Messung der investierten mentalen Anstrengung (AIME) Wahrgenommene Anforderungen des TV sind geringer als die der Printmedien. Werden Printmedien deshalb besser verarbeitet)? -> Empirische Befunde legen keine Unterlegenheit filmischer Medien beim Lernerwerb dar
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- Wirkungen von Gewalt in Medien auf Jugendliche Gewalt in Unterhaltungsmedien als allgegenwärtiges Phänomen Ein junger Zuschauer aus den USA wird Zeuge von ca. 6 gewalttätigen Akten in einer Stunde Sendezeit Interaktionsform "aggressiver Akt" als Prinzip in Egoshootern Mediale Gewaltdarstellungen sind oft nur für bestimmte Nutzergruppen attraktiv (männliche Jugendliche/Erwachsene) Mögliche Positionen zwischen: Katharsistheorie: Mediale Gewalt vermindert oder hemmt aggressives Verhalten durch eine Art Abreagieren (ist widerlegt) Modellernen: Wahrnehmung von Gewalt führt direkt zur Nachahmung oder desensibilisiert gegenüber Gewalt Informationsverarbeitungsanatz: Skripterwerb => Die empirischen Befunde zeigen, dass aggressives Verhalten nach dem Konsum gewalttätiger Medien steigt Sozial-Kognitive Lerntheorie: Menschen orientieren sich an anderen Personen beim Erlernen von Verhalten (Lernen am Modell) Kinder zeigen vermehrt aggressives Verhalten nachdem sie einem Erwachsenen bei einem aggressiven Akt zugeschaut hatten Unter bestimmten Bedingungen (Aumerksamkeit, Selbstwirksamkeit) kann das aggressive Verhalten eines medialen Modells übernommen werden Hierbei spielt besonders Belohnung eine Rolle Informationsverarbeitungsansätze: Konfrontation mit Gewalt führt zum Erwerb aggressiver Skripts Diese Skripts werden bei Korrespondenz zwischen Skriptmerkmalen und Situation abgerufen Abrufung eines aggressiven Skripts führt zu dessen Verstärkung und Generalisierung Regelmäßiger Medienkonsum gewalttätiger Inhalte führt zu stabileren aggressiven Skripts => Problemlöseverhalten in sozialen Situationen Generelles Aggressionsmodell (GAM): Zusammenhang zwischen dem Erwerb und Verstärkung aggressiver Skripts, höheren Aggressivitätswerten sowie Desensibilisierung gegeüber Aggressivität, emotionalen Problemen und Verhaltensproblemen sowie geringerer Schulleistung Langfristiger gewalttätiger Medienkonsum führt zu einer stabilen Veränderung aggressiver Überzeugungen mit entsprechenden Wahrnehmungs- und Erwartungsschemata Zunehmende Desensibilisierung gegenüber Aggressivität und Aggression Personen, bei denen eine hohe Gefährdung zur Übernahme aggressiver Verhaltensweisen im Alltag vorliegt, liegt ein spezifisches Computerspielverhalten vor (Ohler und Nieding, 2006)<-> Multifaktorielles Bedingungsmodell, d.h. Zusammenwirken von Medieninhalt, biologische Prädisposition, Sozioökonomischer Status, familiäres Umfeld etc.
- Moderatorvariablen Faktoren, die Wahrscheinlichkeit für die Imitation von Gewalt erhöhen: Attraktivität der Figur als gerecht empfundene und realistische Gewalt Belohnung fehlende Konsequenzen für das Opfer Jugendliche mit hoher persönlichkeitsbedingter Aggression präferieren eher gewalttätige Medien Rückkopplungsprozesse zwischen Aggression und medialer Gewalt -> Aggressivitätsspirale Variablen aus dem Bereich Familie, Umwelt, soziale Umstände...klären mehr Gesamtvarianz aggressiven Verhaltens auf. ABER: Ein eigenständiger Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Gewalt bleibt bestehen
- Psychologische Produktivität Alle materiellen, geistigen, emotionalen und motivationalen Wirkungen, die eine Person durch ihr Handeln, Denken, Fühlen und Wollen bei sich selbst oder in einem bestimmten Umfeld intendiert oder nicht-intendiert hervorruft und die ihr selbst, anderen Personen oder der Gesellschaft nützlich sind. Die hierbei erzielten Gewinne können in Form von Geld, Erkenntnis, Wohlbefinden oder Sinn bewertet sein Begriffsdimensionen: Manuell -> Herstellung von Dingen, manuelle Arbeit Geistig -> Ideenentwicklung, Ratschläge geben, Probleme lösen Emotional -> positive emotionale Verfassung, positive Ausstrahlung Motivational -> Vorbild für die Ziele und Werte anderer
- Aspekte der psychologischen Produktivität Wem nutzt Produktivität? Ökonomisch -> Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt Psychologisch -> Wirkungen auf das soziale Umfeld Messkriterien: Absolute Kriterien: Körperliche Funktionsfähigkeit, intellektuelle Leistungsfähigkeit, Selbstständigkeit, soziale Eingebundenheit Relative Kriterien: Vergleich zwischen der Personn und ihrer sozialen Bezugsgruppe (Kohorte) Subjektiv-psychologische Kriterien: individuelle Erfahrungen, Lebenszufriedenheit, subjektive Wahrnehmung Zeiteinheiten und Quelle: Zeiteinheiten der Produktivität: Dekaden, Jahre, Monate, Tage, Stunden, Momente Quellen der Produktivität: internale Ressourcen -> Psyche und Physis Externale Ressourcen -> externe Hilfsmittel, Arbeitsteilung Ehepartner
- SOK-Modell = Modell der selektiven Optimierung mit Kompensation Selektion: sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein, Auswahl von noch realisierbaren Handlungsalternativen Optimierung: die Stärken durch Übung optimieren -> Erwerb, Verbesserung und Nutzung von Ressourcen Kompensation: die Schwächen durch neue Strategien kompensieren -> den Verlusten entgegenwirken
- Produktivität im Kontext von Entwicklungsaufgaben Herausforderungen des Alters: Transzendierung des Körpers, Diversifizierng der Interessen, Transzendierung der eigenen Person Generativität: Weitergabe von Kompetenzen, Erfahrungen, Werte an die jüngere Generation Scheitern: Verzweiflung über das Leben und am eigenen körperlichen Verfall Große interindividuelle Variabilität im Bereich fluide Intelligenz
- Produktivität im Kontext von Altersbildern Inhalte von Altersbildern: individuelle und gesellschaftliche, negative oder positive Vorstellungen als externale Risikofaktoren (subjektive Theorien): z.B. Senilität vs. Weisheit Wirkung von Altersbildern: Altersstereotypen werden bereits in der Kindheit internalisiert (Fremdstereotyp) und im höheren Alter zum Selbststereotyp => die negative oder positive Selbstwahrnehmung wirkt negativ oder positiv auf die Produktivität
- Produktivität - Forschungsbefunde Erfahrungswissen: Bis ins hohe Alter bleibt die erworbene Expertise erhalten und kann verlangsamte Reaktionszeiten und niedrigere Gedächtnisleistungen ausgleichen Ältere Menschen haben mehr Wissen über historische und aktuelle Ereignisse Nutzung der Erfahrungsschätze älterer Menschen als Zeitzeugen (Pädagogik), Mentoren (Berufswelt) Lebenserfahrung: Erfahrungen mit grundlegenden, schwierigen Fragen des Lebens und gewonnene Einsicht aus diesen Erfahrungen Weisheit: Einsichten in das Leben´und das eigene Leben Kreativität (Divergentes Denken): Ältere produzieren weniger, aber auch weniger schlechtes Berliner Weisheitsparadigma: Kriterien zur Beurteilung weisheitsbezogener Leistungen Faktenwissen in grundlegenden Fragen des Lebens Strategiewissen in grundlegenden Fragen des Lebens Lebensspannen-Kontextualismus -> inwieweit werden die zeitliche Einbettung von Lebensproblemen und die zahlreichen Umstände und Bereiche, in die ein Leben eingebunden ist berücksichtigt Wert-Relativismus Erkennen von und Umgehen mit Ungewissheit Psychische Widerstandsfähigkeit: Anpassungs- und Bewältigungsstrategien Paradox des subjektiven Wohlbefindens -> Einsatz primärer (Zeitaufwand) und sekundärer (Aufgeben von Zielen) Kontrollstrategien Das Wohlbefinden bleibt auch mit zunehmendem Alter stabil, obwohl körperliche Verluste zunehmen
- Modell individueller Bewältigungsprozesse (Lazarus, 1999) Die primäre Einschätzung des Problems und der individuellen Reaktinsmöglichkeiten (sekundäre Einschätzung), die darauffolgenden Bewältigungsreaktionen (emotions- oder problemzentriert) und die anschließende Neubewertung (Reappraisal) hängen von verschiedenen entwicklungsabhängigen Ressourcen ab Ressourcen: Primär -> Persönliche Wahrnehmungs- und Bewertungssysteme, soziale Vergleiche Sekundär -> Selbstkonzept eigener Fähigkeiten und Ressourcen
- Prozesse der Regulation und Verarbeitung problematischer Konstellationen Bedrohliche Information für Konsistenz und Bewertung des Selbst -> Ist-Soll-Diskrepanz Defensive Problemeinwirkung Wahrnehmung und Akzeptanz der Information Selbstkonzeptbedrohung -> Akkomodative Regulation -> Stabilisierung -> Selbstkonzeptstruktur -> Assimilative Reaktion -> Selbstkonzeptbedrohung
- Produktivität - Forschungsbefunde 2 Psychische Widerstandsfähigkeit I:Affekt und Affektregulation Negativer Affekt ist geringer ausgeprägt und bleibt stabil (s.a. Paradox des subjektiven Wohlbefindens) Positiver Affekt (bei geringer Aktiviertheit) ist höher ausgeprägt und nimmt erst im sehr hohen Alter ab Mögliche Interpretationen zur Affektregulation: Biologische Gehirnveränderungen Höhere emotionale Kompetenz Sozioemotionale Selektivitätstheorie (Maximierung des positiven Affekts und Minimierung des negativen Aspekts) Psych. Widerstandsfähigkeit: soziale Beziehungen Verhältnis geleistete und empfangene Unterstützung: bis 75 J. >, 75-85 J. =, über 85 J. < (aber der Austausch emotionaler Unterstützung bleibt stabil) Großeltern als Brückenpersonen: Großeltern sind produktiv für die Entwicklung von Kindern (Sie regen die kognitive Entwicklung an, entlasten die Eltern, vermitteln Werte, sind Beispiel für bewältigte und nicht bewältigte Schwierigkeiten, geben Ratschläge und Unterstützung) Auswirkungen der geleisteten sozialen Unterstützung für die Älteren: soziale Eingebundenheit (Reziprozität sozialer Beziehungen) , Wohlbefinden und Zufriedenheit etc. Intergenerationelle Beziehungen (außerfamiliär): intergenerationelle Kontakte sind für Jüngere und Ältere hilfreich für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben Psych. Widerstandsfähigkeit: berufliche und ehrenamtliche Tätigkeit Berufliche Tätigkeit: Zunahme der Erwerbstätigkeit jenseits der 65 J. Kein Zusammenhang zwischen chronologischem Alter und der Kern-arbeitsproduktivität Ältere Arbeitnehmer zeigen weniger counterproductive behavior (z.B. Verbreitung von Gerüchten, unberechtigte Kritik) und mehr citizenship behavior (z.B. unterstützendes Verhalten, Einsatz für die Gruppe) Ehrenamtliche Tätigkeit: Zunahme des ehrenamtlichen Engagements Ehrenamtliche Aktivitäten wirken sich positiv aus: positiver Affekt, weniger depressive Symptome, weniger kognitive Beeinträchtigung und mehr Optimismus (Bsp.: Wissensbörsen, SeniorExperten-Initiative)