80
Allgemeine Psychologie II (Subject) / Emotion (Lesson)
Advertisement
- Erläutern Sie das Vorkommen von Emotionen. Emotionen = zentrale, häufige Phänomene unseres Lebens, die die Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst und seiner Umwelt wesentlich bestimmen - prägen das alltägliche Erleben und stehen in engem Zusammenhang mit unserem Verhaletn, bzw. Handlungsimpulsen (Mitleid-Hilfe, Furcht-Flucht, Angst-Leistungseinschränkung) - können als Massenphänomen oder in kleineren Gruppen auftreten -sind häufig mit Ereignissen verbunden, die eine persönliche Bedeutsamkeitn haben (critical life events)
- Was sind Funktionen von Emotionen? - dienen der Abstimmung von Verhaltensweisen uns bilden Grundlage für soziale Austauschprozesse zwischen einzelnen und mehreren Personen - Emotionaler Ausdruck: sozialkommunikative Funktion; Regulation emotionaler Zustände, beteiligt an Auslösung und Unterstützung emotionaler Erlebnisse (facial Feedback) - wir können Emotionen anhand des emotionalen Ausdrucks sehr gut erkennen, v.a. 6-7 Basisemotionen (Ärger/Wut, Trauer, Freude, Angst/Furcht, Ekel, Überraschung und Verachtung) werden interkulturell einheitlich erkannt
- Beschreiben Sie die Arbeitsdefinition von Emotionen (Meyer, Reisenzein & Schützenwohl) Emotionen = zeitlich datierte, konkrete, einzelne Vorkommnisse von: Freude, Trauer, Ärger, Angst, Eifersucht, Stolz, Überraschung, Mitleid, Scham, Schuld, Neid, Enttäuschung, Erleichterung sowie weiterer Arten von psychischen Zuständen, die den genannten ausreichend ähnlich sind Merkmale: Emotionen sind oder haben- Aktuelle Zustände (states)- Bestimmte Qualität, Dauer und Intensität- Objektgerichtetheit- Erlebensaspekte: Personen in einem der Zustände haben ein charakteristisches Erleben (Aktivierung)- Physiologischer Aspekt: physiologischer Aspekt (herzrate)- Verhaltensaspekt: Verhaltensweisen (Annnäherung oder Vermeidung)
- Nennen Sie die Definition von Emotionen nach Zimbardo. - Emotion = komplexes Muster körperlicher und mentaler Veränderungen, darunter physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Reaktionen im Verhalten als Antwort auf eine Situation, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wird
- Nennen Sie die Definition von Emotionen nach Kleinginna und Kleinginna. - Emotion = komplexes Interaktionsgefüge subjektiver und objektiver Faktoren, das von neuronal/ humoralen Systemen vermittelt wird, die - Affektive Erfahrung, wie Gefühle der Erregung oder Lust/Unlust bewirken können - Kognitive Prozesse, wie emotional relevante Wahrnehmungseffekte, Bewertungen, Klassifikationsprozesse hervorrufen können - ausgedehnte physiologische Anpassungen an die erregungsauslösenden Bedingungen in Gang setzen können - zu Verhalten führen können, welches oft expressiv, zielgerichtet und adaptiv ist
- Nennen Sie Komponenten einer Emotion nach Scherer. Kognitive Komponente: Reizbewertung neurophysiologische Kompontente: Systemregulation motivationale Komponente: Handlungsvorbereitung (Drive) Ausdruckskomponente (inkl. Wahrnehmung durch andere) : Kommunikation von Reaktion und Intention Gefühlskomponente: Reflexion und Kontrolle (Ausdruckskomponente wird als einzige in allen Definitionen herangezogen)
- Wie sind Emotionen von anderen Konstrukten abgegrenzt? Affekt: Beiklang des Heftigen, Unkontrollierbaren Gefühl: Betonung der Komponente der subjektiven Wahrnehmung, sowie Alltagssprachgebrauch Stimmung: eher mittel- und langfristige, implizite oder latente Veränderungen, keine Reaktionen auf unmittelbare spezifische Reize Empatie: Einordnung des Gefühls in einen situativen Kontext, Hineinversetzen, Nachvollziehen Reflex: automatisch erfolgendes, unkonditioniertes Verhalten (Zurückziehen der Hand von heißer Herdplatte) Instinkt: weitgehend festgelegte Verhaltensweise, die durch Vererbung bestimmt ist und für Lernprozesse unzugänglich ist Trieb: motivierende Kraft zur Befriedigung primärer und sekundärer Bedürfnisse
- Beschreiben Sie den Zusammenhang von Emotionen und Gedächtnis Emotionen fördern die Behaltensleitung für Ereignisse (flashbulbs) insb. von affektiv negativ besetztem Material - Enkodierung: starke Emotionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Enkodierung von Ereignissen (Studie: Unfallgeschichte wird in 11 Bildern und mit gesprochenem Text dargeoten, Bilder 1-4 und 9-11 weisen für beide Gruppen den gleichen Text auf; Gruppe 1: emotionale Gruppe: Bilder 5-8 werden mit Geschichte eines Jungen beschrieben, der Opfer eines Unfalls wird; Gruppe 2: neutrale Gruppe: Neutrale Geschichte zu Bildern 5-8 -> Ergebnis: nach 2 Wochen wird die Geschichte mit den emotional erregenden Details besser erinnert, allerdings auch nur die emotionalen Informationen) - Abruf: Starke Emotionen beeinflussen den Abruf von Gedächtnisinhalten; zugehörige Situationen werden häufiger abgerufen, weil man mit anderen über die Situation spricht und sich öfter erinnert
- Was versteht man unter Stimmungskongruenzeffekten? Erinnerungen, die zu unserer aktuellen Stimmungslage passen, können leichter abgerufen werden (Abrufwahrscheinlichkeit erhöht sich, je ähnlicher Hinweisreize einer Situation den Reizen in der erinnerten Situation sind) - Personen, die zuvor einer traurigen Musik zuhörten, assoziierten mit neutralen Wörtern eher negative Emotionen, während Personen, die einer fröhlichen Musik ausgesetzt waren, mit den Wörtern eher positive Erinnerungen assoziieren -> Erklärung: Emotionen (v.a. intensive und negative) führen zu biologischen und subjektiven Veränderungen, die als clues wirksam werden und den Abruf begünstigen können. Daran sind verschiedene Hormone wie die Catecholamine, Östrogene oder Cortisol beteiligt (Cortisol hat z.B. Effekte auf den Hippocampus und der Zeitpunkt der Cortisoleinwirkung ist entscheidend für seine Effekte auf Enkodierung und Abruf von Emotionen
- Was versteht man unter Flashbulb Memories? Extreme Emotionen können zu besonders starken und dauerhaften Erinnerungen führen, die sehr lebhaft erinnert werden. Sie betreffen meist wichige biographische Ereignisse oder Daten von Katastrophen (9/11) Merkmale: Lebhaft, langandauernd, nicht vollständig korrekt in allen Details
- Advertisement
- Nennen Sie verschiedene Gruppen von Emotionstheorien. 1) Evolutionsbiologische Theorien: Emotionen als phylogenetisches Erbe mit Selektions- und Reproduktionsvorteilen (Darwin, Ekman) 2) Physiologische Theorien: Emotionen und der Körper; körperliche, insb. physiologische Rektionen sind notwendige und hinreichende Grundlage für emotionale Prozesse, zu denen kognitive Prozesse Interpretationen liefern (Schachter &Singer, James, Lange) 3) Theorien mit Betonung von Bewertungsprozessen: Beschreiben, wie es von einer auslösenden Situation über den Bewertungsprozess zu einer emotionalen Reaktion kommt 4) Sozialkonstruktivistische Theorien: Beschreibemn den Einfluss kultureller und gesellschaftlicher Randbedingungen auf das soziale Erleben
- Nennen Sie Untersuchungsumfelder von Emotionen. 1) Emotionsauslösende Bedingungen, die durch den Experimentator geschaffen werden 2) Emotionen, die auf natürliche Ereignisse zurückgehen 3) Länger andauernde emotionale Tendenzen (z.B. bei affektiven Störungen) 4) Bedingungen, wie bloße Imagination, Erinnern eines emotionalen Ereignisses, Lesen einer emotionalen Beschreibung, die aber keine echte Emotion auslösen
- Beschreiben Sie die Ebenen der Emotionsinduktion. Neronale Ebene: Beeinflussung von Neurotransmittersystemen oder Substanzen, die Emotionen auslösen, aufrechterhalten oder verstärken Sensumotorische Ebene: direct facial action task: sukzessive Herstellung von emotionalen Gesichtsausdrücken ; facial feedback: Einnehmen bestimmter KörperhaltungenBespiele: Pen-Methode Motivationale Ebene: Verwendung diskreter Reize (Geschmack, Geruch, Schmerz), phobierelevanter Abbildungen oder Objekte (Schlangen, Spinnen) um Emotionen auszulösen Emotionen können durch Emotionen ausgelöst werden
- Beschreiben Sie verschiedene kognitive Prozesse zur Emotionsinduktion Imagination (Erinnerung): Probanden werden aufgefordert, sich in Situationen in ihrem Leben vorzustellen, die Emotionen ausgelöst haben und sich die damaligen Emotionen lebhaft vorzustellen (ggf. durch Aufschreiben der Ereignisse) Velten-Methode: Probanden werden Selbstbeschreibungen vorgelegt. Sie sollen sich vorstellen, wie man sich bei der jeweiligen Aussage fühlt ("Ich zweifle daran, dass ich eine wertvolle Person bin") Film, Dia, Geschichte: Vorgabe von bildhaftem oder narrativem Material, das ggf. explizite instruktionen enthält (IAPS: International Affective Picture System: standardisierte, international einsetzbare Dias, die erotische Szenen, Blumen, Tiere, Unfallopfer darstellt und bessere Kontrolle bei der Auswahl emotionaler Reize, bessere Vergleichbarkeit über verschiedene Studien hinweg und exakte Replikationen ermöglichen. Alle Bilder sollen mittels SAMs auf den Dimensionen affektive Valenz, Erregung, Dominanz bzw. Kontrolle geratet werden) Musik: emotionsinduzierende Musik mit und ohne Istruktion; ggf. können Probanden eine eigene Musik vorschlagen, die bestimmte Emotionen induziert (IADS: international affective digitized sound system: standardisierte, international einsetzbare Geräusche wie Autounfälle, Bomben, Kinderlachen oder erotische Geräusche) Feedback MIP: Probanden erhalten Feedback zu ihrer Leistung in einem Test Soziale Interaktion: PBn werden vorgegebenen sozialen Interaktionen ausgesetzt, in der ein Verbündeter des Experimentators eine bestimmte Emotion vermittelt Unexpected Gift: überraschendes kleines Geschenk Interview: Durchführung eines Interviews mit dem PBn über emotionsrelevante THemen Ankündigungen: dem PBn wird ein Test, eine schwierige Aufgabe oder ene bedrohliche Situation angekündigt Rollenspiele: der Proband soll sich in eine bestimmte emotionale Situation hineinversetzen und entsprechend der Emotion handeln Hypnose: im Hypnosezustnad wird dem Proband eine Emotion induziert (Sie fühlen sich leer)
- Beschreiben Sie die Studie von Westermann zur Effektivität von Induktionsmethoden. Metaanalyse, die auf allen relevanten Publikationen in 25 Journals zwischen 1975-1990 basiert, fand heraus, dass - negative Emotionen sich im Allgemeinen besser induzieren lassen als positive - Filme und Geschichten am besten zur Emotionsinduktion geeignet sind - auch ohne Filme und Geschichten eine Effektstärke von d=0,49 für negative und d=0,5 für positive Emotionen vorlag Kritik: - Verwendung unterschiedlicher Induktionsmethoden - Mängel in der Emotionsinduktion - Fehlen einer Kontrolle des Effekts der Emotionsinduktion - Uneindeutige Definition der Registrierphase (Baseline, Kontrollmessung wegen situativen Einflüssen, Emotionsgruppe, Kontrollbedingung) - Beliebigkeit der Auswahl der gemessenen Variablen und Messwerte - Art der statistischen Auswertungsverfahren ist nicht immer angemessen
- Nennen Sie Arten, wie man die kognitive, die neurophysiologische und die motivationale Komponente von Emotionen messen kann. Kognitive Komponente: Via Fragebögen, Interviews oder Reaktionszeitmessung (z.B. in Priming-Aufgaben) Neurophysiologische Komponente: Messung der Herzfrequenz, des Hautwiderstands, des Blutdrucks oder anderer biochemischer Indikatoren; Zentralnervöse elektrophysiologische Indikatoren werden mit bildgebenden Verfahren erfasst Motivationale Komponente: Erfassung einer Handlungstendenz unmittelbar in der jeweiligen Situation
- Erläutern Sie die Erfassung von Emotionen in der Ausdruckskomponente. 1) Gesichtsmimik: Ableitung der Aktivität der Gesichtsmuskulatur um echte Emotionen zu erkennen (Bsp. Duchenne-Lächeln, an dem der seitliche Musculus orbicularis occuli beteiligt ist, ist Ausdruck echter Freude); beteiligte Gesichtsmuskeln: Musculus frontalis (hebt Augenbrauen, sorgt für Stirnrunzeln), Musculus orbicularis occuli (schließt Augenlider), Musculus zygomaticus major (Lachmuskel), Quadratus labil superiores (Oberlippenmuskel), alle werden durch Nervus facialis innerviert 2) Stimmqualität: Analyse der Grundfrequenz und des Frequenzspektrums 3) Gestik- Kopf- und Körperhaltung: enthalten dimensionale Informationen zur Emotionsintensität, moderiert von Mimik und Stimme: Bedeutung eines Lächelns variiert je nach Körperhaltung
- Wie kann die Gefühlskomponente der Emotionen erfasst werden? Via Interviews, Fragebögen
- Nennen Sie Befunde zur Identifikation von Basisemotionen. - in Primatenstudien: Hinweie auf die Übereinstimmung für die Ausdrucksformen von Äger, Lächeln, Frustration, Trauer und Lachen zwischen Schimpansen und Menschen, sodass sich die Frage nach dem Vorhandensein von Basisemotionen ergab - Studien an Säuglingen: können Emotionen noch nicht durch Sprache ausdrücken und sind noch relativ naiv; Gesichtsbewegung von Säuglingen sind allerdings ausreichend differenziert um emotionale Informationen zu vermitteln: Erste Tage-Wochen: Freude, Überraschung, Ekel; nach ca. 6 Wochen: Wut; nach 6-12 Monaten: Angst, Trauer - andere Studie an Säuglingen: Wahrnehmung und Imitation von Emotionen:erste 40 Minuten: Imitation von Gesichtsbewegungen wie Mundöffnen, Zunge zeigen; nach 2-3 Wochen: Imitation von Gesichtsausdrücken und Gesten; später: Abnahme der Imitationsleistung (während 6-11 Wochen alte Säuglinge noch eine Imitationsleistung zeigen, wird dese schon bei 18-24 Wochen alten Säuglingen weiniger) - Affektionsausdruck bei Säuglingen wird ab dem 3. Monat kontextabhängig, das heißt Säuglinge reagieren auf Stimuli wie Zuwendung der primären Bezugsperson mit einem Lächeln oder nach erfolgreicher Einflussnahme auf die Umwelt - Säuglinge haben Schwierigkeiten bei der Identifikation und Diskrimination negativer Emotionen - Außerdem zeigt sich kein Unterschied im mimischen Ausdruck sehender und blinder Kinder im Alter von 6 Monaten bis 4 Jahren
- Beschreiben Sie die Universalitätsannahme des Emotionsausdrucks. Alle Menschen kommen zu 6 basalen Emotionszuständen durch Verwendung der jeweils gleichen Bewegung der Gesichtsmuskulatur; bestimmte Muster von Gesichtsbewegungen existieren also bei allen Menschen -diese Annahme: Bestandteil der phylogenetischen, evolutionsbiologischen Emotionstheorien; es wird weiter von Darwin angenommen, dass der Emotionsausdruck nicht dem Selbstzweck dient, sondern evolutionsbiologische Vorteile wie organismische und eine kommunikative Funktion hat - nach Ekman: 7 unterscheidbare Emotionen, die kulturell universell ausgedrückt und wahrgenommen werden: Freude, Angst, Ärger, Überraschung, Ekel, Traurigkeit, Verachtung - Bei Analphabeten: deutlich schlechteres Erkennen
- Nennen Sie Befunde der Studie von Biehl et al. zur Universalitätsannahme des Emotionsausdruckes. Amerikaner, Polen, Ungarn, Vietnamesen und Sumatraner sollen jeweils 10 Sekunden ein Foto betrachten und angeben, welche Emotionen sie erkennen und wie intensiv die Emotion ist Erkennungsraten: Freude 95%, Überraschung 90%, Traurigkeit 80%, Verachtung: 75%, Äger 75%, Furcht 60%
- Nenne Sie Kritikpunkte am Universalitätsmodell. "Kann auch durch Lernprozesse verändert werden" Kulturelle Einflüsse: obwohl die motorischen Programme, die zum Ausdruck der Emotionen abgerufen werden, universell sind, können kulturelle Einflüsse den Ausdruck moderieren, der als hard-wired galt (kulturspezifische Darstellungsregeln sind dabei Übertreiben, Vermindern, Verdecken oder Gegensteuern) Moderierende Faktoren: die die Genauigkeit der Emotionserkennung erhöhen, sind gleiche Nation, ethnische Gruppen oder regionale Gruppe der ausdrückenden und erkennenden Person Motorik: Westliche Kulturkreise repräsentieren ihre sechs Basisemotionen mit voneinander getrennten Muskelaktionen; Östliche Kulturkreise repräsentieren die Intensität ihrer Emotionen mit dynamischen Augenbewegungen
- Welche sind die Funktionen des Netzwerks fein innervierter Gesichtsmuskeln? - Sprachproduktion - Gesichtsausdruck - Ess- und Kaubewegungen - Atmung
- Was versteht man unter Parese der Willkürmimik? - willentliche Gesichtsbewegungen werden über die willkürliche Aktivierung des motorischen Kerns des Nucleus Facialis vom Motorcortex gesteuert (corticospinales System) - betroffen von der Lähmung sind entweder der primäre Motorcortex oder die Verbindungen mit dem Nucleus des Nervus Facialis - Symptomatik: bei einseitiger Zerstörung des primären motorischen Cortexes bzw. bei einseitiger Parese der Willkürmuskulatur sind Patienten nicht fähig, die kontralateralen Mundwinkel auf Aufforderung zu Bewegen, allerdings bewegen sich beide Mundwinkel bei spontanem Lächeln
- Was versteht man unter Parese der emotionalen Mimik? - Gesichtsbewegungen, die durch Emotionen ausgelöst werden, kommen subcortical zustande; von der Lähmung betroffen sind die Insula im Bereich des präfrontalen Cortexes, die weiße Substanz des Frontallappens und/oder Teile des Thalamus - Symptomatik: bei einer einseitigen Parese der emotionalen Mimik kann die Gesichtsmuskulatur zwar willkürlich bewegt werden, allerdings können auf der kontralateralen Seite der Läsion keine echten Emotionen gezeigt werden
- Welche Konsequenzen hat die Lateralisierung des Emotionsausdrucks? - lateralisiert heißt in der linken Gesichtshälfte werden Emotionen intensiver ausgedrückt als in der rechten; die rechte Gehirnhälfte spielt auch eine bedeutende Rolle beim Erkennen von Emotionen (besonders negative); dementsprechend wird eine Kombination zweier linker Gesichtshälften intensiver bewertet als normale Gesichter oder eine Kombination zweier rechter Gesichtshälften
- Was sind ausdrucksphysiologische Verfahren? Verfahren, die die nonverbalen Aspekte von emotionskonstituierenden Komponenten erfassen, wie z.B. Mimik - Elektromyogramm: Erfassung der Muskelaktivität bei emotionalen Gesichtsausdrücken - Kodierungssysteme: FACS: facial action coding system: umfasst alle visuell unterscheidbaren Gesichtsbewegungen (action units) auf der Basis der anatomischen Möglichkeiten; zusätzlich wird zwischen einseitiger und zweiseitiger Darstellung unterschieden und die jeweilige Intensität kann auf einer Skala von a-e kodiert werden; pro Minuten können 25 action units kodiert werden; das EMFACS ist speziell für emotionale Inhalte und kodiert nur emotional relevante Action Units -FACS wird bei der Erkennung von Basisemotionen angewendet, wenn Patienten nicht zum verbalen Emotionsausdruck fähig sind (Alzheimer Demenz) und außerdem konnte durch das FACS eine differenzierte Identifikation aller Basisemotionen gelingen
- Nennen Sie methodische Vorüberlegungen zur Lokalisation von Emotionen im ZNS. Ansätze zur Emotionslokalisation: - experimentelle Induktion von Emotionen und Analyse der Hirnaktivität via bildgebender Verfahren - Läsionsstudien und Patientenbeobachtungen nach Unfällen (quasiexperimentell) - Analyse der Funktion von Neurotransmittern
- Nennen Sie die drei Annahmen zur Lokalisation von Emotionen im ZNS. Annahme 1: Emotionen werden eher in der rechten Hemisphäre verarbeitet. Splitbrain-Patienten können emotionshaltige Filme, die in die linke Gesichtshälfte, also die rechte Hemisphäre projiziert werden, zwar nicht wiedergeben, allerdings fühlen sie sich unwohl und zeigen Anzeichen von unruhe. Allerdings kann dieser Verarbeitungsvorteil auch durch die negative Valenz der emotionen entstehen Annahme 2: Die emotionale Valenz von Emotionen ist Lateralisiert. Die Tönung bzw. Bewertung von Emotionen ist in der Art lateralisiert, dass positive Emotionen eher linkshemisphärisch und negative eher rechtshemisphärisch verarbeitet werden-> Neugeborene zeigen bei wohlschmeckenden Zuckerlösungen eine höhere EEG-Aktivierung über der linken Hemisphäre, während sich bei einer aversiven Zitronenlösung eine Aktivität über der rechten Hemisphäre zeigt-> Depressive Patienten zeigen eher rechtsfrontale EEG-Aktivität während die Aktivität bei manischen Patienten linksfrontal ist-> 10-Monate-alte Kinder zeigen bei der Darbietung glücklicher Gesichter eine höhere Aktivität der linken Hemisphäre -> Patienten mit Läsionen der rechten Hemisphäre können Angst nicht erkennen, aber Freude. Außerdem können sie sich Gesichter mit bestimmten Emotionen nicht vorstellen und emotionsbezogene Fragen über ein Bild nicht beantworten. Allerdings können sie Auskunft über Sachinformationen des Bildes geben Annahme 3: Emotionsbezogenes Verhalten ist lateralisiert. Während Emotionen die mit Annäherungsverhalten einhergehen eher linkshemisphärische Aktivierungsmuster hervorrufen, gehen mit Vermeidungsverhalten gekoppelte Emotionen mit rechtshemisphärischer Aktivität einher
- Welche Rolle spielt der Neokortex bei Emotionen? Annahme: Neocortex ist für das Erleben von Emotionen notwendig. Katzen ohne Neocortex zeigen lediglich unechte Wut (shame rage). Unechte Wut ist plötzlich und nicht zielgerichtet und geht mit subcorticaler Aktivität einher.
- Advertisement
- Kennzeichen Sie die Rolle des limbischen Systems bei Emotionen. Bei der Autopsie von Patienten mit emotionalen Störungen ergebn sich mehrere emotionsrelevante neuroanatomische Strukturen, die von McLean zum limbischen System unter Zunahme der Amygdala zusammengefasst wurden: Mammilarkörper, anteriorer Thalamus, Gyrus cinguli, Hippocampus, Fornix, Riechkolben Emotionales Erleben entsteht im Gyrus Cinguli, wenn Signale aus dem sensorischen Cortex (Gedankenstrom) mit Signalen aus dem Hypothalamus (Gefühlsstrom) integriert werden
- Welche Bedeutung wird der Amygdala zugesprochen? Symptome bei Ausfall der Amygdala bzw. Klüver-Bucy-Syndrom: keine Furcht und Schei, Zutrauen, Ungezügeltes Essverhalten, Erhöhtes/inadäquates Sexualverhalten bzw. exzessives Paarungsverhalten, visuelle Agnosie, orales Explorationsverhalten, Ruhelosigkeit bis Hyperaktivität - Amygdala und Furcht: Amygdala = zentrale Komponente eines emotionalen Netzwerkes und reichert Reize und Gedächtnisinhalte emotional an; ihre Afferenzen erhält sie im lateralen Kern über sensorische Bahnen alter Modalitäten (Sensorischer Cortex, Sensorischer Thalamus, Hippocampus); die Efferenzen verlassen die Amygdala über den zentralen Kern und projizieren ins motorische, endokrine und autonome System (Hypothalamus, Mittelhirn, Pons, Medulla Oblongata) - nach LeDoux wird emotionale Furchtinformation gleichzeitig über 2 Bahnen verarbeitet: in beiden Fällen ist der Thalamus die erste Station.1) schneller Weg über Thalamus und Amygdala: Amygdala liefert einen ungenauen Eindruck des Stimulus (quick&dirty)2) langsamer Weg über die Hirnrinde, die ein gründliches Bild erarbeitet und entscheidet, ob die Alarmreaktion (die ggf. schon stattgefunden hat) gerechtfertig ist - Amgdala vs. Hippocampus: Amygdala hat implizite Anteile (wie aktivationsauslösende furchtbezogene Reize, körperliche Reaktionen und emotionale Repräsentationen emotionaler Situationen); Hippocampus : Verarbeitung expliziter Reize (bearbeitet Sachinformation einer emotionalen Situation) - Amygdala und Emotionserkennung: Amygdala ist an Erkennung mimischer Gesichtsausdrücke beteiligt, nicht am mimischen Emotionsausdruck selbst (bei Läsionen kann lediglich der Emotionsgehalt von Stimmen und Tönen erkannt werden, nicht aber mimisch ausgedrückte Emotionen und besonders schlecht Angst) - affective Blindsight: Fähgkeit der Emotionserkennung trotz Schädigung des visuellen Cortex (unilaterale neocortale Lösion visueller Areale) bei Blinden; sie erkennen Emotionen anhand der Inputs aus den Thalamuskernen und zeigen die nicht bewusst wahrgenommene Emotion in ihrer eigenen Mimik
- Erläutern Sie die Rolle der Insula bei Emotionen. Insula und Basalganglien sind bei Ekel aktiviert; in bildgebenden Verfahren zeigt sich beim Riechen eines ekelhaften Geruchs oder beim Anblick einer Person, die Ekel ausdrückt, eine Aktivierung dieser Strukturen; auch wenn Personen ein neutrales Bild auf einer Intensitätsskala für Ekel bewerten sollten, zeigt sich eine Aktivierung der Ekelstrukturen Ursprung von Ekel: Ekel zieht auf die Vermeidung von Krankheiten ab; Personen stuften Bilder höher auf einer Intensitätsskala für Ekel ein, wenn die Bilder eine Bedrohung durch Krankheit beinhalten
- Kennzeichen Sie die Rolle des präfrontalen Cortex bei Emotionen. im Präfrontalen Cortex: Hohes Aufkommen emotionsverarbeitender Hirnareale und Gedächtnisverarbeitender Areale - Dorso-lateraler Präfrontaler Cortex: Repräsentation von Zielzuständen der positiven und negativen Affekte - orbito-frontaler präfrontaler Cortex: schnelles Verstärkungslernen und Ändern von Assoziationen, wenn Kontingenz sich ändert - ventro-medialer PC: enthält auch den medialen orbitofrontalen Cortex und einen subgenualen Anteil des Gyrus Cinguli; repräsentiert elementare positive und negative Zustände und bewertet Belohnung und Risiken; Input: Dorsomedialer Thalamus, Temporaler Cortex, ventrales tegmentales Areal, olfaktorisches System, Amygdala; Output: Gyrus cinguli, Hippocampusformation, temporaler Cortex, lateraler Hypothalams, Amydgala (inhibitorische Effekte) - Läsionen des vmPC: Bsp. Phineas Gage (Entwicklung von einer ernsthaften, verantwortungsbewussten Persönlichkeit zu einer Person mit kindlichem, verantwortungslosem, rücksichtslosen Verhalten, die keine Handlungen mehr Planen konnte) ; insgesamt: Patienten könnenTragweite von Situationen zwar theoretisch richtig erfassen, aber nicht in ein Verhalten umsetzen; ihnen fehlt die Fähigkeit Emotionen als Hilfe bei der Steuerung von Emotionen zu nutzen;Außerdem: Defizite bei sogenannten Moral judgements (moralische Dilemmata)
- Erläutern Sie das Konzept des "negative brains". - auf negative Ereignisse entstehen schneller intensive Reaktionen; Gehirn hat also adaptive Strategien entwickelt, um auf potentiell gefährliche Reize schneller als auf positive/neutrale Ereignisse zu reagieren - schnelle Verarbeitung negativer Reize erfolgt auch, wenn sie noch unbewusst sind, d.h. generell ist die neuronale Antwort auf negative Reize erhöht - negative Brain liegen 3 neuronale Mechansimen zugrunde und bei der Verarbeitung herrscht eine Dringlichkeitsschatlung, d.h. es erfolgt eine schnelle aber ungenaue Verarbeitung zulasten der Genauigkeit und Präzision 1) Input-Mechanismen: anfängliche Verteilung sensorischer Informationen zu weiteren Verarbeitungsrelevanten Strukturen erfolgt v.a. über den thalamo-amygdaloiden Weg, wobei die Input-Struktur der Thalamus ist und sein Pulvinar (visuelle Verarbeitung nach Bedrohung)- und mediodorsaler (Signale für Verteidigungsreaktion) Kern besondere Rolle Spielen 2) Evaluationsmechanismen: erhalten alle sensorischen Input vom sensorischen Crotex bzw. den sensorischen Nuclei und bewerten Risiken bzw. negative Konsequenzen der Situation, um zu entscheiden, welche Reaktion diese am besten minimiert; haben Zugriff auf die Output-Mechanismen. Relevante Strukturen: Amygdala: quick&dirty; Anteriore Insula: "viszeraler somatosensorischer Cortex", der olfaktorische und gustatorische Infos erhält, insb. auf nozizeptive Reize reagiert und Infos zum Motorcortex, Stiatum und visuellem Cortex sendet; ventromedialer PFC: Schlüsselelement, das (unbewusste) negative Reize schnell und ungenau verarbeitet un durch seine Verbindung zu exekutiven Systemen Verteidigungsreaktionen auslöst 3) Output-Mechanismen: werden durch die Evaluationsmechanismen moduliert und beziehen sich auf eine Gruppe von Prozessen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Handlungsplanung und motorischer Ausführung - autonome und motorische Reaktionen: auf negative Reize wird ebenfalls schneller motorisch reagiert (motor negativity bias); autonome Reaktion wird über den Hypothalamus und die motorischen Reaktionen über das PAG (dorsal: Fight-Flight, ventral: freezing), Striatum und die motorischen Cortices aktiviert - Modulation der Aufmerksamkeit: erfordert eine hohe Aktivität des dorsalen visuellen Verarbeitungswegs (back projection), der für Bewegungsverarbeitung und räumliche Lokalisation und normalerweise für statische Reize zuständig ist - assoziierte kognitive Prozesse: Evaluationssysteme bilden ein reziprokes Netzwerk mit der Hippocampusformation und Verbessern so die Gedächtnisbildung
- Kennzeichen Sie die Neurobiologie positiver Emotionen. - in der Literatur relativ wenig behandelt; viele beinhalten Konzept Wohlbefinden - positive Emotionen: Gutgestimmtheit, Entspanntheit, zukunfts-,selbst-,personen-, wahrnehmungs-, handlungs-, und motivationsbezogene Gefühle (Gefühle des Begehrens), Gefühle des Genusses und leistungsbezogene Aktivität -Komponenten habitueller (verhaltenseigener, zum Charakter gehörender) positiver Emotionalität: Selbstsicherheit, Lebenszufriedenheit, Entspanntheit, Ausgeglichenheit, Leistungsbezogene Aktiviertheit, Optimismus - Zusammenhang positiver Emotionen zu folgenden Persönlchkeitsmerkmalen: Extraversion, Verhaltensaktivierungssystem (Gray), Positive Emotionalität (Depue), Optimismus Hirnregionen - appetitives System positiven Affekts: Beutesuche und Belohnungssuche über Cocain, Amphetamin im Ventralen Striatum (Dopamin) - sensorisches Vergnügen, hedonische Qualitäten: Konsumatorisches Verhalten über Opiode und das GABA-System im Ventralen Striatum und orbifrontalen Cortex - Explorationsverhalten und Erwartung im nucleus accumbens (PFC), ventralen tegmentalen Areal, mesolimbischen kortikalen Areal, lateralen Hypothalamus (PAG) - Happiness und Play im Dorsomedialen Thalamus und ventralen PAG
- Nennen Sie biochemische Korrelate von Emotionen (Neuropharmakologie). methodischer Ansatz: experimentelle Verabreichung von Pharmaka zur Analyse physiologischer und biochemischer Vorgänge bzw. ihrer Verknüpfung mit emotionalen Vorgängen; Quasiexperimentelle Untersuchung von Patienten oder Personengruppen mit Über- und Unterfunktionen eines bestimmten Transmittersystems Paper: Janke & Erdman: dabei zeigt sich, dass die verschiedenen Neurotransmitter mit unterschiedlichen emotionalen Prozessen einhergehen (s. Tabelle Zettel); zusätzlich lässt sich feststellen, dass eine positive Korrelation zwischen der Zunahme des ß-Endorphinspiegels und dem Grad des eingeschätzten euphorisierten Gefühls beim Bungee-Jumping besteht (bei Opiodantagonisten: gegenteiliger Effekt)
- Erläutern Sie das Paper zu neurobiologischen Korrelaten von Empathie von Hein & Singer. Empathie = Versuch, einen affektiven Zustand zu begreifen; dabei werden die Gefühle anderer in der Art körperlich einverleibt (embodied manner), dass wir die Emotionen und/oder den sensorischen Zustand der anderen Person einnehmen - relevante Strukturen für Empathie von Schmerzempfinden: somatosensorischer Cortex, limbisches System, Hirnstamm, Kleinhirn, weitere emotionsbezogene Areale - Versuchsanordnung: interactive empathy for pain paradigm: ermöglciht die Messung der mit Schmerz zusammenhängenden Gehirnaktivität bei der Zufügung von Schmerz bei einem Freiwilligen (felt pain) oder seinem Partner (empathy for pain); der Freiwillige sitzt in einem fMRI Scanner und kann über ein Spiegelsystem die eigene Hand und die Hand des Partners sehen, die beide mit Elektroden ausgestattet sind; dabei kündigen verschiedenfarbige Lichter an, welcher der PBn den Schock erhält - Modulierende Faktoren: Intensität der Stimulation, Intensität der bei der beobachteten Person dargestellten/erlebten Emotion (akuter Schmerz ruft höhere Empathie hervor), Merkmale der Person, in die man sich einfühlt (Frauen sind bei unfairen Personen weniger empathisch), Merkmale der Person, die sich einfühlt (Geschlecht, Beruf (Mediziner vs nicht-Medizinier), Fähigkeit eigene Emotionen wahrzunehmen), situationaler Kontext (ist der Schmerz innerhalb einer Therapie z.B. sinnvol), Aufmerksamkeit (bei Ablenken vom Schmerz der Person herrscht weniger Empathie)
- Was versteht man unter der Spezifitätsproblematik? gibt es für eine bestimmte Emotion typische bzw. spezifische peripherphysiologische Aktivität? - peripherphysiologische Aspekte von Emotionen: im Rahmen der James-Lange Tehorie wurden im 19. Jhd. erstmals periphereIndikatoren einer angeregten Emotion, wie die Herzfrequenz, der Blutdruck, die periphere Durchblutung oder die Hautleitfähigkeit aufgestellt - physiologische Emotionsspezifität: definiert als eine Besonderheit im Muster von physiologischen Reaktionen, die eine von einer anderen Emotion unterscheidet; bisher wurden v.a. die Emotionen Angst/Furcht (noradrenerges Reaktionsmuster) und Ärger (Adrenalin- und Noradrenalin korrelierte Veränderungen) auf spezifische Aktivierungsmuster untersucht - Erregungstransfer: Erregungsreste einer Emotion können in eine andere übernommen werden (Emotionserleben benötigt also keine spezifischen Muster, da die Selbstwahrnehmung körperlicher Veränderungen leicht täuschbar ist) - gibt es für eine bestimmte Emotion typische/spezifische zentralnervöse Aktivität? -> auch hier: keine 1:1 Relation zwischen Emotion und Aktivierung bestimmter Hirnareale; vielmerh involviert eine Emotion mehrere Regionen und einige Regionen sind inmehr als einer Emotion involviert
- Wie lassen sich die Dimensionen Valenz und Aktivierung einteilen? Aktivierung: Annäherung vs. Vermeidung Valenz: positiv oder negativ
- Kenmzeichnen Sie klassisch-behavioristische Theorien der Emotion. Ziel: Ablösung der introspektiv orientierten Psychologie: nur offen-beobachtbares Verhalten muss Gegenstand der Psychologie sein Hauptvertreter: J.B. Watson (1978-1958) Emotionsdefinition: Erlebensaspekt, Gefühl wird nicht berücksichtigt: Emotion = erbliches Reaktionsmuster, das tiefgreifende Veränderungen des körperlichen Mechanismus als Ganzem beinhaltet ; Reaktionsmuster = einzelne Details der Reaktion treten immer dann, wenn der auslösende Reiz dargeboten wird, mit einiger Konstanz, Regelmäßgikeit und in etwa derselben Abfolge auf; Emotionen unterbrechen und stören die organisierte Aktivität unt entbinden so das Individuum vom monotonen Existieren als hoch perfekte biologische Maschine 3 ungelernte emotionale Reaktionsmuster (Watson): Furcht, Wut, Liebe
- Erklären Sie das Phänomen der konditionierten Furcht am Beispiel des kleinen Alberts. Phase 1: Albert reagiert wie folgt: Neutrale Reize: ein Kaninchen, eine weiße Ratte, Hunde, Affen, Masken und brennendes Zeitungspapier lösen keine Furchtreaktionen aus; unkonditionierte Reize: ein lautes Geräusch löst Furchtreaktion (UR) aus Phase 2: Akquisition: Kopplung: neutraler Zeit (Ratte) wird gemeinsam mit dem US 6x dargeboten; Reaktion: auf den US tritt die UR auf Phase 3: Extinktion oder Testphase: ehemals neutraler Reiz wird zum CS und löst ohne Kopplung mit dem US eine CR hervor (Furchtreaktion ähnlich der UR) Phase 4: dem CS ähnliche Reize wie Kaninchen, Hunde, Pelz aus Seehundfell lösen CR aus, obwohl sie nie mit dem US gekoppelt wurden (Generalisierung) (Furchtreaktion erweist sich als sehr dauerhaft und stabil)
- Beschreiben Sie die Methode des direkten Konditionierens / Rekonditionierens als Therapieform der konditionierten Angstreaktion. - wiederholte Paarung des CS mit einem angenehmen Reiz sollte darin resultieren, dass das Furchtobjekt zu einer Quelle positiver Reaktionen umgewandelt wird - Beispiel: Paarung Kaninchen + Futter: CR tritt nicht mehr auf (analog zur Furchtkonditionierung kann auch beim direkten Konditionieren in der Therapie eine Reizgeneralisierung stattfinden)
- Beschreiben Sie die Methode der systematischen Desensibilisierung als Therapieform der konditionierten Angstreaktion. Methode, die aus der Rekonditionierung abgeleitet wurde; hat Inkompabilität der positiven Reaktion mit dem Furchtreiz sowie die sukzessive Annäherung an die Zielreaktion mit ihr gemeinsam - Im Gegensatz zur Rekonditionierung muss das Furchtobjekt bei der systematischen Desensibilisierung nicht angwenden sein, der in-vivo-Desensibilisierung steht eine in-sensu-Desensibilisierung gegenüber -1.Schritt: Klassifikation angstauslösender Objekte; dann: Angsthierarchie, die dem Furchtobjekt irgendwie ähnelnde agnstauslösende Reize oder Verhaltensweisen nach der Stimulationsstärke auflistet; hat der Patient gelernt, sich tief zu entspannen, wird er in diesem Zustand mit dem untersten Objekt auf der Liste konfrontiert; das nächste Objekt folgt, wenn sich der Patient wieder im Zustand tiefer Entspannung befindet
- Welche Befunde zur Beliebigen Konditionierbarkeit gibt es? Emotionen sind nicht beliebig konditionierbar; stattdessen: Preparedness: Artspezifische Lernbereitschaft, ganz bestimmte CS mit den durch ganz spezifische US ausgelösten Reaktionen zu verknüpfen und konditionierte Reaktionen zu erwerben oder eben nicht (contrapreparedness) ; Beschaffenheit eines US hat also einen Einfluss darauf, welche Reize zu seinem konditionierten Stimulus werden können - Preparedness für Phobien: für bestimmte Reize gibt es eine Preparedness, Furcht- bzw. Phobiereaktionen auszubilden; Annahmen: bei Kopplung mit aversiven Reizen (US) sollten potentiell phobische Reize schneller eine Furchtreaktion auslösen; für eine beständigere konditionierte Furchtreaktion (hohe Löschungsresistenz) sorgen -> Phobien als Resultat einer Interaktion zwischen genetischen Dispositionen (Preparedness) und Lernen (KK), was auch die Selektivität und Irrationalität von Phobien, sowie ihren schnellen Erwerb und die hohe Löschungsresistenz erklären kann
- Welche Kritikpunkte der Preparedness-Annahme für phobische Reize äußert Bandura? - bessere Konditionierungsergebnisse für potentiell phobische CS basieren nicht auf der Preparedness, sondern auf ggf. unterschiedlichen Erfahrungen sowie Mitteilungen anderer Personen (Medien), die man mit phobischen bzw. nicht-phobischen Reizen gemacht hat - während nicht-phobische Reize im Alltag mit neutralen, positiven oder negativen Erfahrungen verknüpft sind, macht man mit phobischen Reizen eher negative Erfahrungen -> ontogenetische statt phylogenetische Ursachen
- Welche Erweiterung zu den Theorien Banduras und Watsons trafen Hughdahl und Kärker (interaktionale / transaktionale Theorie der Phobieenstehung)? - zu den phobischen Reizen und den nicht-phobischen, neutralen Reizen, kommen erfahrungsbedingt negative und gleichzeitig phylogenetisch neutrale Reize -während sich in der Erwerbsphase keine Unterschiede mehr zwischen den phobsichen und den anderen CS zeigten, konnte da Ergebnis der Extinktionsphase repliziert werden; d.h. die Löschungsresistenz füh phobische Reize war erneut am höchsten, sodass die interaktionale/transaktionale Theorie der Phobieentstehung bestätigt ist
- Was versteht man unter automatischer Aktivierung des Furchtsystems? verbale Mitteilung der relevanten Ungefährlichkeit des phobischen Reizes verhindert die Furchtreaktion nicht
- Haben auch maskierte Reize potentiell phobische Eigenschaften? auch maskierte Reize können physiologische Erregung bzw. Symptome des Furchterlebens auslösen und es ist anzunehmen dass furchrelevante Reize eine automatische rudimentäre Reizanalyse triggern
- Was versteht man unter Konditionieren emotionaler Bedeutungen / evaluativer Konditionierung? Bewertung eines Stimulus kann sich ändern, wenn dieser Stimulus mit einem positiven oder negativen Stimulus gepaart wird (assoziativer Transfer der Valenz) ; wird also ein neutraler Stimulus mit einem affektiven US gekoppelt, verändert sich die Wertigkeit des CS