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Allgemeine Psychologie II (Subject) / Lernen (Lesson)
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- Was versteht man unter Rückwärtsverkettung? Beginn mit der letzten Verhaltensweise der Kette und schrittweise konditionierte Verstärker erstellen (ggf. kann zwischendurch mit primären Verstärkern gearbeitet werden, bis ein Verhalten etabliert ist)
- Was versteht man unter Vorwärtsverkettung? Beginn mit dem ersten Verhaltensschritt der Kette und dann schrittweises Verstärken der folgenden Verhaltensweisen
- Was versteht man unter Ganzheitsmethode beim Chaining? mithilfe verbaler Instruktionen werden alle Schritte der Verhaltenskette gleichzeitig gelernt (Effektivität der Methode hängt vom zu lernenden Verhalten ab)
- Nennen Sie Beispiele, bei denen mit dem Chaining-Prinzip gelernt wird. Beispiele: Pilotentraining: erst einfache dann schwierige Landeanflüge Klavierspielen: erst ein-zwei Finger, dann eine Hand, dann die zweite
- Nennen Sie Faktoren, die die Stärke der instrumentellen Reaktion beeinflussen. - Verstärkermenge (Im Allgemeinen gilt: hohe Verstärkermenge und/oder -qualität : Verhaltensanstieg; geringe Verstärkermenge und/oder -qualität: Verhaltensabfall) Crespi-Effekt/ Kontrasteffekt: Verstärkermenge relativ! Verhalten unter einer bestimmten Verstärkerbedingung ist immer abhängig von vorangehenden Verstärkungen bzw. deren Menge und Qualität: der Wechsel von hoher auf niedriger Belohnung führt zu geringerer Verhaltensrate als eine konstante Verstärkung mit derselben geringen Belohnungsmenge/-qualität ; der Wechsel von niedriger zu hoher Belohnung führt zu höherer Verhaltensrate als eine konstante Verstärkung mit derselben hohen Belohnungsmenge/-qualität - Verhalten-Verstärker Kontingenz: bei inkontingenter Verstärkergabe treten Defizite auf - zeitlicher Abstand zwischen Zielverhalten und Verstärkergabe: um auf das Zielverhalten bezogen werden zu können, muss Verstärker sofort nach der Ausübung gegeben werden (bei Missachtung der zeitlichen Nähe kann abergläubisches Verhalten entstehen (Macht der zufälligen Verstärkung)) - Ausnahmen: Verbrechen werden verzögert bestraft, lernen für Klausur erhält verögerte Belohnung, Selbstkontrolle/Anwendung/Wahlverhalten?
- Wodurch ist abergläubisches Verhalten zu erklären? - werden Verstärker verhaltensunabhängig belegt, wird das zufällig vorm Verstärker auftretende Verhalten verstärkt, sodass dessen Auftretenswahrscheinlichkeit und damit die Wahrscheinlichkeit erneut verstärkt zu werden erhöht wird (es sind also Zufallskontingenzen entstanden) - Tauben entwickeln trotz verhaltensunabhängiger Futtergabe Rituale wie Herumdrehen und Flügelschlagen, um die Zeit bis zum Verstärkererhalt zu füllen - Staddon & Simmelhag: Das Verhalten im Intervall zwischen den Verstärkern lässt sich einteilen in 1) Interimsverhalten, das früh im Intervall auftritt und eine angeborene Disposition hat (es ist also kein abergläubisches Verhalten) und 2) Endverhalten, das gegen Ende des Intervalss auftritt und mit der Verstärkung zusammenhängt (Hinwendung zum Futter)
- Nennen Sie ein Beispiel für abergläubisches Verhalten als Folge von verhaltensunabhängiger Verstärkergabe im Humanbereich. - College-Studenten sollten in einem Raum so viele Punkte wie möglich sammeln (Punkte erschienen Verhaltensunabhängig) - Studenten entwickelten komplexe Verhaltensweisen wie Hebeldrücken, auf den Tisch klopfen oder klettern und runtersteigen bei Punkterhalt oder an die Decke springen - Sportler zeigen ähnliche abergläubische Routinen vor, zwischen und während Wettkämpfen - Fazit: ein Individuum entwickelt durch Zufallskontingenzen abergläubisches Verhalten und traut sich nicht, das Verhalten wegzulassen, obwohl die Effekte auch ohne das Verhalten auftreten würden
- Was versteht man unter Instinctive Drift? - mit zunehmender Erfahrung, also im Laufe der Lernphase, kann die gezeigte Leistung des VT vom verstärkten / gelernten Verhalten abweichen - stattdessen treten instinktive Verhaltensweisen auf, die normalerweise zu beobachten sind, wenn das Tier in seiner natürlichen Umgebung nach dem Verstärker (z.B. Futter) sucht - innerhalb der strengen instrumentellen Konditionierung kommt es also zu Problemverhalten/ Misbehaviors/Zusammenbrüchen
- Was versteht man unter Autoshaping? Methode, die das Shaping des Verhaltens schneller ausbildet als das Shaping durch einen Trainer (dabei lernen Tauben bei Entzug von Futter aus einem Futterspender zu fressen) - Kontingenz: in unregelmäßigen Abständen, im Mittel alle 60 Sekungen, leuchtet eine Taste für 8 Sekunden auf, woraufhin dem Tier Futter präsentiert wird. Obwohl kein Verhalten für die Verstärkung notwendig war, trat ein bestimmtes Verhalten auf (bei Tauben: picken auf der Taste) - Erklärung: Autoshaping als abergläubisches Verhalten: Autoshaping als Shapingsprozess, bei dem das Verhalten der Taube durch die ständige Futterpräsentation Schritt für Schritt zum Picken geformt wird (erfolgt nicht allmählich und tritt auch ohne Verstärkung auf) - Autoshaping als klassisch konditioniertes Verhalten: Für KK muss eine positive Korrelation zwischen CS (leuchtende Taste) und US (Futter) vorliegen -> US (Futter); UR (Ruckartige Kopfbewegung), CS (Tastenbeleuchtung): nur wenn der CS informativ Futter ankündigte zeigte sich eine Pickreaktion auf die Taste (CR) - Autoshaping als instinktives Verhalten: Signal löst instinktives Verhalten aus; manchmal ähnelt das Verhalten zwar demjenigen, was bei KK auftreten würde, aber als entscheidend für das Verhalten werden die physikalischen Eigenschaften des Signals angenommen; diese Eigenschaften rufen Verhalten hervor, das dem Verhalten, das in freier Wildbahn auftreten würde, ähnelt.
- Was versteht man unter Verstärkerplänen? ein Verstärkerplan oder Verstärkungsplan ist die Regel, die angibt, unter welchen Bedingungen ein Verstärker verabreicht wird. 2 Möglichkeiten: a) kontinuierliche Verstärkung: Jede Ausübung des Zielverhaltens wird verstärkt b) intermittierende (partielle, unregelmäßige) Verstärkung: jede n-te Reaktion oder jede erste Reaktion nach einem definierten Intervall oder das erste Verhalten nach nicht-Verhalten wird verstärkt
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- Wie können intermittierende Verstärkerpläne eingeteilt werden? Quoten- und Intervallpläne, dabei Fix oder Variabel (die 4 einfachen Verstärkerpläne) häufig wird zu Beginn kontinuierlich Verstärkt und dann schrittweise die Quote oder das Intervall erhöht
- Beschreiben Sie den Fixe Quote (Fixed ratio) FR-Plan. nach jeder n-ten Reaktion wird der Verstärker verabreicht, d.h. n ist die Höhe der Quote in einem FR-10 Plan wird also nach 10 Reaktionen der Verstärker verabreicht; ein FR-1 Plan entspricht einer kontinuierlichen Verstärkung Muster in FR-Plänen: hohe und sehr regelmäßige Reaktionsrate, da die Verstärkermenge proportional zum Verhalten gegeben wird; Stop-and-go: nach jedem Verstärker tritt eine Reaktionspause, die Nachverstärkungsphase auf (Dauer der Pause steigt mit der Quotenhöhe); je höher die Quote desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Pausen auch vor Erhalt des Verstärkers und für abgeschwächte Reaktionen (ratio strain)
- Beschreiben Sie den Variable Quote (Variable ratio) VR-Plan. - nach im Mittel jeder n-ten Reaktion wird der Verstärker verabreicht; daher ist die Zahl der geforderten Reaktionen bis zur nächsten Belohnung immer unterschiedlich und der Zeitpunkt somit nicht vorhersehbar (obwohl langfristig der Verstärker schneller mit häufigerem Verhalten auftritt) - bei einem VR-10 Plan wird ein Verstärker nach im Mittel 10 Reaktionen verabreicht -Muster in VR-Plänen: schnelle und relativ gleichmäßige Reaktionsrate; keine langen Nachverstärkungspausen, da immer eine geringe Wahrscheinlichkeit vorliegt, dass die nächste Verstärkung zeitnah auftritt und damit eine hohe Extinktionsresistenz (es liegt eine Bereitschaft vor, lange Quoten zu überstehen) - Beispiele: Spielautomaten, Roulette, Lotteriespielen, Leistungssport (Angeln, Golf, Jagen etc.)
- Beschreiben Sie den Random-Ratio (zufallsplan) RR-Plan. ein Sonderfall des VR-Plans, bei dem jede Reaktion im Intervall die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, verstärkt zu werden bei einem RR-20 Plan wird jede Reaktion mit der Wahrscheinlichkeit 1:20 verstärkt, unabhängig davon, wie viele Reaktionen seit dem letzten Verstärker aufgetreten sind
- Beschreiben Sie das Grundprinzip von Intervallplänen. Die Präsentation eines Verstärkers ist einerseits abhängig von der verstrichenen Zeit, aber auch vom Verhalten des Individuums , sodass man sie verhaltensabhängig nennen kann
- Was versteht man unter Fixed Intervall, FI-Plan? die erste Reaktion nach einem definierten Zeitintervall wird verstärkt, unabhängig davon, wie viele Reaktionen zuvor (im Intervall) stattfanden; ein neues Intervall beginnt jeweils nach der Verstärkergabe - bei einem FI-60 Plan wird 60 Sekunden nach Intervallbeginn ein neuer Verstärker bereitgelegt, der nach dem ersten Auftreten des Verhaltens verabreicht wird Muster in FI-Plänen: schneller Reaktion mit wachsendem Intervall; FI-Bogen: sehr hohe Reaktionsgeschwindigkeit kurz vor der Verstärkung bzw. Nachverstärkungsphase: langsame Reaktionsrate zu Intervallbeginn -Anwendungsbeispiele (insgesamt wenige Parallelen): Studienverhalten, Experiment MaWhinnely, Boslow, Laws, Blumenfeld & Hopkins - Studienverhalten: bei täglichen Prüfungen (also täglicher Verstärkung durch Note) zeigen die Studierenden ein stabiles Lernverhalten, während bei Prüfungen nach einer Periode von 3 Wochen (also einmaliger Verstärkung) ein Lernverhalten auftrat, dass einem typischen FI-Muster entsprach (Steigerung der Lernzeit mit näherkommender Prüfung) - Warten auf einen Bus, der zu einer festgelegten Zeit abfährt: je näher der Ankunftszeitpunkt ist, desto häufiger schauen wir auf, ob der Bus kommt, während zu Beginn des Intervalls Entspannung/Ablenkung herrschen
- Beschreiben Sie den Variables Intervall / VI-Plan. - erste Reaktion nach einem mittleren Intervall wird verstärkt; da das Intervall um einem Mittelwert variiert, ist auch hier, wie beim VR-Plan, der Zeitpunkt der Verstärkergabe nicht genau vorhersagbar - Muster im VI-Plan: stetige, mittlere Reaktionsrate, da jeden Moment ein Verstärker bereitgestellt werden kann; keine längeren Pausen (nicht sinnvoll); keine sehr hohen Reaktionsraten (nicht sinnvoll) -Anwendungsbeispiele: Postlieferung: Auch hier ist der genaue Lieferzeitpunkt nicht bekannt und eine Reaktion reicht aus, um den Verstärker zu bekommen; Gleichzeitig erhöht eine hohe Reaktionsrate die Wahrscheinlichkeit einer früheren Verstärkergabe nicht
- Nennen Sie mögliche Erklärungen für die Nachverstärkungspause. 1) Ermüdungshypothese: nach dem Ausführen vieler Reaktionen ermüdet das VT und ruht sich aus 2) Sättigungshypothese: durch den Verstärker ist das Bedürfnis zunächst befriedigt, was die Reaktionen kurzzeitig unterbricht 3) Verstärker-Distanz-Hypothese: unmittelbar nach Erscheinen des Verstärkers ist die Distanz zum nächsten Verstärker am höchsten
- Was versteht man unter multiplen Verstärkungsplänen? - diskriminante Hinweisreize kündigen an, welche Verstärkerpläne im Anschluss greifen; dies ermöglicht die Quote und Distanz zum nächsten Verstärker zu variieren und das Pausenverhalten des VT für unterschiedliche Bedingungen zu untersuchen -> widerlegt die Ermüdungshypothese; allerdings kann die Nachverstärkungspause durch die bevorstehende Quote vorhergesagt werden (je höher die Quote desto länger die Nachverstärkungspause nach der vorherigen Quote)
- Kennzeichnen Sie das Humphrey-Paradoxon zur Extinktionsresistenz. Löschungsresistenz ist nach kontinuierlicher Verstärkung geringer als nach intermittierender Verstärkung (Reaktionen, die seltener verstärkt wurden, sind löschungsresistenter)
- Welche Erklärung des Humphrey-Paradoxons zur Extinktionsresistenz liefert die Diskriminationshypothese? Das Verhalten eines Individuums kann sich in der Extinktionsphase erst ändern, wenn die Anforderungen in den Verstärkerkontingenzen erkannt werden - bei kontinuierlicher Verstärkung wird das Ausbleiben der Verstärkung i.d.R. sofort erkannt, während ein Ausbleiben des Verstärkers bei intermittierender Verstärkung auch als Teil des Verstärkerplans auftritt und somit nicht direkt auf eine Inkontingenz geschlossen wird
- Welche Erklärung des Humphrey-Paradoxons zur Extinktionsresistenz liefert die Generalisierungsabnahme-Hypothese? - die Reaktionsgeschwindigkeit, die in einem Generalisierungstest (Extinktionsphase) zu beobachten ist, nimmt ab, wenn die Testreize den Trainingsreizen immer weniger ähneln - bei kontinuierlicher Verstärkung tritt im Training niemals eine Situation ohne Verstärker auf, sodass die Reaktion bei abweichenden Reizen (Ausbleiben des Verstärkers) ausbleibt - bei intermittierender Verstärkung ist diese Situation allerdings bekannt, weil die Testreize auch im Training vorkamen
- Was versteht man unter Differentieller Verstärkung niedriger Reaktionsraten (DRL)? - eine Reaktion wird nur dann verstärkt, wenn eine bestimmte Zeitspanne seit der letzten Reaktion verstrichen ist - erfolgt die Reaktion vor Ende dieser Zeitspanne, muss die Zeitspanne erneut ablaufen, bevor eine Reaktion zu einer Verstärkung führen kann - Beispiel: DRL-10: die notwendige Zeitspanne beträgt 10 Sekunden; erfolgt die Reaktion nach 9,5 Sekunden, fällt die verstrichene Zeit auf 0 zurück, sodass erneut 10 Sekunden gewartet werden muss, bevor eine Reaktion zur Verstärkung führt - Muster in DRL-Plänen: optimales Muster: sehr niedrige Reaktionsrate über dem Limit, um auch im Fall verkürzter Reaktion noch über der Zeitspanne zu liegen; Aber: niedrige Reaktionsraten unter dem Limit, da die Tendenz zur Reaktion nicht unterdrückt werden kann; Entwicklung von Verhaltensweisen als Taktgeber
- Was versteht man unter differentieller Verstärkung hoher Reaktionsraten (DRH)? - innerhalb einer bestimmten Zeitspanne muss eine bestimmte Anzahl an Reaktionen auftreten, um eine Verstärkergabe hervorzurufen -DRH-Muster: selektive Verstärkung schneller Reaktionen führt zu hohen Reaktionsraten und fördert schnelles Reagieren
- Was versteht man unter Concurrent Schedule? -bei gleichzeitig ablaufenden Verstärkerplänen gibt es zwei oder mehr Reaktionsalternativen, die jeweils verbunden mit ihrem eigenen Verstärkerplan sind - dabei kann ermittelt werden, welcher Plan bevorzugt wird und wie viel Zeit auf Alternativen verwendet wird, d.h. das Wahlverhalten des Individuums wird gemessen
- Was besagt das Premarck-Prinzip (Prinzip der Relativität der Verstärkung)? - nicht nur Reize können als Verstärker für bestimmte Verhaltensweisen dienen, sondern auch Verhaltensweisen können zum Verstärker werden - dabei dienen in der Baselinephase präferierte, häufiger auftretende, wahrscheinlichere Verhaltensweisen als Verstärker für in der Baselinephase weniger präferierte, weniger auftretende, unwahrscheinlichere Verhaltensweisen Beispiel: ratten liefen lieber durch ein Rad, als Wasser zu trinken. Wurde der Zugang zum Rad nur freigegeben, wenn zuvor eine bestimmte Menge Wasser getrunken wurde, zeigten die Ratten erhöhten Wasserkonsum, um an das Rad zu gelangen (Radlaufen erhöhte also die Verhaltensweise Wasser trinken) - Verhaltensweise Hausaufgaben machen kann verstärkt werden, wenn der Zugang zur Verhaltensweise Fernsehen nur frei ist, wenn die Hausaufgaben erledigt sind
- Erläutern Sie das Bestrafungsprinzip nach Premarck. funktioniert komplementär zum Verstärkungsprinzip; besagt, dass das weniger präferierte Verhalten als Bestrafung eingesetzt werden kann, um ein häufiger auftretendes Verhalten zu verringern - ist diese Anordnung der Fall, kommt es dazu, dass einerseits das weniger präferierte Verhalten im Vergleich zur Baseline ansteigt und gleichzeitig das präferierte Verhalten sinkt
- Was versteht man unter Token-Economy? - Ersatzökonomie, Münzverstärkersysteme - Token = Münzverstärker oder Punkte, die ein Organismus für die Ausführung verschiedener erwünschter Verhaltensweisen erhält und später gegen primäre Verstärker eintauschen kann - wurde in verschiedenen Bereichen eingesetzt: z.B. Psychiatrie, Schule, Verhaltenstherapeutische Programme
- Verdeutlichen Sie anhand eines Beispiels die Wirksamkeit des Verhaltensprogramms mit Token. Schizophrenie-Patientinnen erhalten über 3 Monate Tokens, die für notwendige Dinge, aber auch Luxusartikel getauscht werden können - EG: Token für die Ausübung konkreter Verhaltensweisen der Kategorien Körperpflege, soziale Interaktion, angemessene Arbeitshaltung - KG: Token verhaltensunabhängig Fazit: angepasstes Verhalten nahm nur in der EG - weitere Befunde: sorgfältig geplantes Token-Programm hat langfristigen Nutzen; Patienten, die an einem Programm teilgenommen haben, benötigen weniger Medikamente, weniger Zeit in der Klinik, zeigen geringere Rückfallquote
- Was versteht man unter positiver Verstärkung? positiv heißt, dass einem bestimmten Verhalten ein Stimulus folgt Prozedur: Verabreichung eines angenehmen (appetetiven) Reizes kontingent zur Ausübung des Zielverhaltens / Verabreichung eines unangenehmen (aversiven) Reizes kontingent zur Ausübung ungewünschten Verhaltens Phänomen: Zunahme der Verhaltensrate gewünschten Verhaltens / Abnahme der Verhaltensrate ungewünschten Verhaltens
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- Was versteht man unter negativer Verstärkung? - Stimulus wird entfernt / vermieden, wenn ein bestimmtes Verhalten gezeigt wird Prozedur: Entfernung eines zuvor vorhandenen aversiven Reizes kontingent zur Ausübung des Zielverhaltens (Flucht) oder Verhinderung der Vergabe eines aversiven Reizes durch Ausübung des instrumentellen Verhaltens (Vermeidung) Phänomen: Zunahme der Verhaltensrate, die den aversiven Stimulus entfernt oder vermeidet Beispiele: Flucht: Ratten drücken einen Hebel, sodass der Elektroschock beendet wird; Menschen nehmen eine Kopfschmerztablette, um Kopfschmerzen zu bekämpfen Beispiele: Vermeidung: Ratten drehen frühzeitig am Rad, um die Vergabe des Schocks zu vermeiden; Menschen zahlen Einkommenssteuer, um unangenehme Folgen des Versäumens zu vermeiden
- Beschreiben Sie das Biofeedback als klinische Anwendung instrumenteller Verstärkung. beimn Biofeedback werden die biologischen Körperfunktionen apparativ gemessen und akustisch oder visuell an die äußeren Sinnesorgane zurückgemeldet, um die rückgemeldeten Funktionen nach einiger Übung bewusst beeinflussbar zu machen - Zielverhalten kann zusätzlich positiv oder negativ verstärkt werden: durch Punkterhalt bei Zeigen des Zielverhaltens; durch Schmerzabnahme bei Kontrolle der Stirnmuskulatur (Spannungskopfschmerz) -typische zurückgemeldete Parameter sind muskuläre Aktivität durch EMG-Aufzeichnungen, systolischer und diastolischer Blutdruck, Elektrocorticale Aktivität (Neurofeedback) - Evidenz: Nachweis, dass beim Biofeedback eine Verhaltens-Verstärker-Kontingenz notwendig ist, wurde durch eine EG, die ein echtes Feedback erhielt im Vergleich zu einer KG, die nur Pseudofeedback erhielt, erbracht: Kontrolle der rückgemeldeten Aktivität des Stirnmuskels nahm nur in der EG zu
- Beschreiben Sie das Modell zur negativen Verstärkung der Hypertonie (Dworkin) - Barorezeptoren am Carotis-Sinus registrieren Druck des fließenden arteriellen Blutes auf die Gefäßwände; sind die Barorezeptoren aktiv (ist der Blutdruck also hoch) wirken sie inhibitorisch auf die zentrale Weiterleitung nozizeptiver Reize: - Reduktion spinaler sensorischer Leitung und der Schmerzleitung - Hemmung des aufsteigenden retikulären Systems (ARAS) - Lerntheoretisch kommt es hier durch die Abnahme des Schmerzes zur negativen Verstärkung der Blutdruckerhöhung (Schmerzabnahme als negativer Verstärker, sodass die Schmerzabnahme mit weiter erhöhtem Blutdruck einhergeht)
- Was versteht man unter dem Vermeidungsparadoxon? Wie kann ein nicht-erlebter aversiver Reiz als Verstärker dienen und dazu führen, dass sein Auftreten verhindert bzw. vermieden wird?
- Beschreiben Sie die Zweifaktoren-Theorie des Vermeidungslernens. Faktor 1: Klassische Konditionierung (US: Schock; UR: Angst; CS: ausfallendes Licht; CR: Angst vor Dunkelheit) Faktor 2: operante Konditionierung: Flucht (instrumentelles Verhalten) vor einem angstauslösenden Stimulus (US und CS) : Flucht wird durch die Entfernung des aversiven Reizes verstärkt nach der 2 Faktoren-Theorie kommt es also nicht zur Vermeidungsreaktion sondern nur zur Fluchreaktion und zwar einerseits auf den US und später bereits auf den CS; die zweite Fluchreaktion gleicht äußerlich einer Vermeidungsreaktion eines nicht-erlebten Stimulus
- Nennen Sie Probleme der Zweifaktorentheorie zum Vermeidungslernen. Vermeidungstendenzen treten ohne erkennbare Zeichen von Angst auf, die aber als Grundlage der klassischen Konditionierung angenommen wird. Die Angst müsste theoretisch am höchsten sein bei starken Vermeidungstendenzen. Hohe Extinktionsresistenz von Vermeidungsverhalten: Jeder Durchgang mit vermiedenem aversiven Reiz ist ein Extinktionsdurchgang, sodass die Angst abnehmen und die Vermeidungsreaktion auf Dauer nicht mehr vorkommen würde
- Beschreiben Sie die EInfaktorentheorie des Vermeidungslernens geht davon aus, dass nur der Faktor der operanten Konditionierung für eine Vermeidungsreaktion notwendig ist, da die Vermeidung eines Elektroschocks selbst als Verstärker fungieren kann
- Beschreiben Sie die Sidman-Vermeidungsaufgabe. Elektroschcks werden nicht durch einen CS angekündigt, sondern nach einem festen Zeitintervall verabreicht Ziel: Beleg für die Einfaktorentheorie Problematik: Zeit kann als CS dienen und ungefähr den Zeitpunkt der Elektroschockvergabe ankündigen, d.h. hier könnten doch zwei Faktoren greifen
- Beschreiben Sie die Befunde von Herrnstein & Hineline zum Vermeidungslernen in einem Käfig werden Verstärker entweder nach einem 30%-Plan oder nach einem 10%-Plan vergeben; wenn kurz vorher ein Hebel betätigt wird herrscht ein 10%-Plan, wenn nicht 30% (d.h. häufige Hebeldrucke führen zu einer insgesamt geringeren Zahl an Schocks ohne dabei eine festgelegte Zeit ohne Schock zu gewährleisten) Phänomen: 17 von 18 Ratten erlernten das Vermeidungsverhalten, ohne dass ein äußerer CS oder die abgelaufene Zeit ein zuverlässiges Schocksignal darstellen Schlussfolgerung: Verminderung der Schockrate fungiert als Verstärker für die Vermeidungsreaktion
- Erläutern Sie die kognitive Theorie des Vermeidungslernens. Eine Verhaltensänderung tritt erst auf, wenn eine Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität vorliegt. 2 mögliche Erwartungen: 1) Erwartung bzgl der Folgen einer Reaktion 2) Erwartung bzgl. der Folgen einer Nicht-Reaktion Prozedur: Versuchsbeginn: keine Erwartungen, Akquisitionsphase: bei einer Reaktion - kein Elektroschock, bei nicht-reaktion - Schock Phänomen: VT zieht immer die Reaktion vor, um Schock zu vermeiden Erklärung hoher Extinktionsresistenz: VT ändert sein Verhalten (Reaktion) nicht, da die vorliegende Erwartung nie enttäuscht wird bzw. keine Erwartung-Realität-Diskrepanz vorliegt. Erst wenn das Verhalten/die Reaktion einmal versäumt wurde, liegt eine Diskrepanz vor und die Verhaltenslöschung beginnt
- Was versteht man unter Reaktionsblockierung (Flooding)? Methode zur Beschleunigung der Löschung und von Vermeidungsverhalten Prozedur: EG: Akquisition: Erlernen der Schockvermeidungsreaktion auf ein Signal(Wechsel in Kammer B); Bei Verbleib in Kammer A: Schock; Extinktionsphase: 5x Verhinderung der Vermeidungsreaktion auf ein Signal (Schließen der Tür) : Bei Verbleib in Kammer A: kein Schock KG: Akquisition: Erlernen der Schockvermeidungsreaktion auf ein Signal (Wechsel in Kammer B); bei Verbleib in Kammer A: Schock ; Extinktionsphase: Normale Löschungsdurchgänge, bei Verbleib in Kammer A: kein Schock Phänomen: EG zeigt eine geringere Löschungsresistenz (Erklärung des Phänomens anhand der kognitiven Theorie des Vermeidungslernens)
- Was versteht man unter positiver Bestrafung (Typ 1)? Möglichkeit zur Verringerung eines Verhaltens (aktiv) Prozedur: Gabe eines aversiven Verstärkers kontingent auf die Ausübung eines instrumentellen unerwünschten Verhaltens Beispiel: Schmerz/Tadel: Elektroschock bei Hebeldruck Phänomen: Abnahme der Verhaltensrate, ggf. komplette Unterdrückung (Bestrafung vom Typ1 ist effektiv zur Unterdrückung eines ausgewählten Verhaltens, allerdings auch hier: Rückkehr auf ein bestimmtes Niveau nach Extinktion (Spontanerholung)
- Was versteht man unter negativer Bestrafung (Typ 2; omission, time-out, Entzug)? Prozedur: Entfernung eines appetitiven Reizes kontingent auf die Ausübung eines instrumentellen unerwünschen Verhaltens Beispiel: Partyverbot/ Fernsehverbot für zu spätes nach Hause kommen, Abwenden des Lehrers bei Störung im Unterricht Phänomen: Abnahme der Verhaltensrate des unerwünschten Verhaltens
- Nennen Sie andere, passive Möglichkeiten zur Verringerung eines Verhaltens. Extinktion/ Nichtverstärkung: generelle Entfernung des Verstärkers eines nicht erwünschten Verhaltens Verhaltens-Verstärker-Inkontingenz
- Nennen Sie Variablen, die die Güte der Bestrafung verändern. 1) Art des Strafreizes: im Tierexperiment Elektroschock besonders wirksam und häufig angewandt, im Humanbereich oft ein laures weißes Rauschen 2) Verhaltenskontingente Verstärkergabe: Effektive Bestrafung erfolgt kontingent auf ein spezifisches Verhalten; durch eine KG mit inkontingenter Bestrafung wird gewährleistet, dass der Effekt der Bestrafung nicht durch unspezifische Effekte zustande kommt 3) Intensität: intensive Reize sind wirksamer als nicht-intensive; besonders ineffektiv ist die schrittweise Steigerung der Bestrafungsintensität, da so eine Habituation an stärkere Strafreize ermöglicht wird 4) Verzögerung vs. unmittelbarkeit: Strafreiz sollte immer unmittelbar auf das zu bestrafende Verhalten erfolgen (im Humanbereich sind manchmal Intervalle, die die Bestrafung verzögern, nicht abzuwenden; hier kann durch eine verbale Überbrückung an den Grund für die Bestrafung erinnert werden) 5) Verstärkerpläne: nach kontinuierlicher Bestrafung kommt es zur schnelleren Unterdrückung des Verhaltens, während intermittierende Bestrafung länger andauernde Effekte hat 6) inkompatible Reaktionen: manche Strafeize können Verhalten auslösen, das inkompatibel mit der beabsichtigten Unterdrückung des Zielverhaltens ist (Bsp: Schreien, um ein Kind ruhig zu stellen) 7) konkurrierende Verstärkeralternativen: die Effekte der Bestrafung können durch gleichzeitig entstehende positive Verstärkung neutralisiert werden (Bsp: Bestrafung durch den Lehrer geht mit Zuwendung der Mitschüler einher) 8) Vorgabe einer verbalen Erklärung: verbale Instruktion oder Erklärung der Bestrafung kann die Effekte verbessern und außerdem weniger intensive Strafreize effektiver machen 9) interindividuelle Unterschiede: Persönlichkeitsmerkmale können die Bestrafungsanfälligkeit moderieren (Bsp: Introvertierte reagieren eher auf Bestrafung als Extrovertierte)
- Nennen Sie Nebeneffekte von Bestrafung. 1) Konditionierte Furcht und Vermeidung: Bestrafungssituation birgt auch Merkmale der KK; Umgebung der Bestrafung (US) kann zum CS werden, sodass auf sie konditionierte emotionale Reaktionen ausgelöst werden können 2) Aggression: Bestrafung führt oft zu Aggression, bei der Bestrafung aggressiven Verhaltens kann es also zur Verstärkung des Verhaltens kommen (außerdem negative Verstärkung: durch Bestrafung ausgelöstes aggressives Verhalten kann durch das Ausbleiben des Ärgerns durch andere negativ verstärkt werden) -> Bestrafungs-Aggressions-Hypothese: Generalisierung der Aggression: die in einer Bestrafungssituation gelernte Aggression kann eine Tendenz hervorrufen, in anderen Situationen eher Personen zu bestrafen 3) Paradoxe Bestrafungseffekte: wenn milde Strafreize im Kontext mit appetitiven Verstärkern präsentiert werden, können sie zunächst appetitiv verstärktes Verhalten auslösen
- Was versteht man unter erlernter Hilflosigkeit? Seligman: grundsätzliche Erwartung eines Individuums, dass sein Verhalten nur geringe Auswirkungen auf die Umwelt hat (Diese Erwartung kommt durch das Erleben unvorhersehbarer und unkontrollierbarer aversiver Reize zustande)
- Wird Hilflosigkeit durch aversive Reize oder durch Kontrollverlust erlernt? 3 Gruppen: 1: Mangergruppe: können aversiven Reiz durch ihr eigenes Verhalten kontrollieren (d.h. beenden); 2: Jochkontrollgruppe: aversiver Reiz kann nicht kontrolliert werden (wird unabhängig vom Verhalten beendet), 3: KG (keinem Schock ausgesetzt) - Ergebnis: erlernte Hilflosigkeit ist auf die Unkontrollierbarkeit des aversiven Reizes zurückzuführen (Seligman & Maier, 1967)
- Wie ist erlernte Hilflosigkeit im Humanbereich gekennzeichnet? auch beim Menschen: Training, in dem aversive Reize verhaltensinkontingent verabreicht werden, kann zu erlernter Hilflosigkeit führen - In der Transferphase: unter kontrollierbaren Bedingungen zeigen sich Interferenzen durch die vorherige Erfahrung
- Erläutern Sie die Lerntheorie erlernter Hilflosigkeit. - zugrundeliegend: Verhalten-Verstärker-Inkontingenz (betroffenes Individuum lernt in der Trainingsphase, dass Verhalten und Verstärker unabhängig voneinander sind und überträgt diese Inkontingenz auf neue, kontrollierbare Situationen -> Transfer)