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4 Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter (Subject) / 4.1.1 Enwicklungspsychologische Grundlagen (Lesson)
Säuglings-, Kleinkind-, Schul- und Jugendalter
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- kognitive Entwicklung nach Piaget 1966; nach Piaget kommt es durch Assimilation und Akkomodation zur Veränderung von sensorischen, begrifflichen und operationalen Schemata. Er unterscheidet foldende Phasen der kognitiven Entwicklung:- Sensumotorische Stadium- Präoperationales Denken- konkret-operationales Denken- formale Operationen
- Assimilation Umwelt wird an Strukturen angepasst
- Akkomodation Strukturen werden an Umwelt angepasst
- Sensumotorische Stadium 0-2. Lebensjahr Übung angeborener Reflexe, Kreisreaktionen (z.B. lutschen > greifen > hantieren), Koordination erworbener Schmata, Objektpermanenz
- Präoperationales Denken 2.-7. Lebensjahr Entwicklung von Vorbegriffen, Entwicklung der Symbolfunktionen, animistische Deutungen, finalistisches, artifizielles und egozentrisches Denken
- Konkret-operationales Denken 7.-11. Lebensjahr größere Beweglichkeit des Denkens, Reversibilität
- Formale Operationen ab dem 12. Lebensjahr hypothetisch-deduktives Denken
- kognitive Entwicklung nach Bruner unterteilt die kognitive Entwicklung in folgende Stufen (Bruner et al. 1966) - enaktive Stufe mit handelndem Umgang - ikonische Stufe mit bildhaften, an die Wahnehmung gebundenen Vorstellungen - symbolische Stufe mit Symbolsystemen wie Sprache, Logik oder Mathematik
- emotionale Entwicklung - beim Säugling sind die Affekte an die Pole Zufriedenheit und Unlust gebunden.Intensität der Unlust hängt ab von der angeborenen oder früh erworbenene Störbarkeit der Kindes und der Fähigkeit der Bezugspersonen Unlust abzufangen. Die Entwicklung der Fähigkeit zur Emotionsregulierung ist wichtig, um das Stadium der sozialen Reife zu erreichen. Sie führt auch dazu, dass die körperlichen Aspekte der Affekte weniger bewusst werden. Unter großer Belastung kann diese Trennung beim Erwachsenen aufgehoben werden. Es kann zur Affektsomatisierung kommen.
- emotionale Entwicklung nach Bion 1962das Kind kann zunächst größere Unlust nicht allein verdauen. Bei der Verarbeitung hilft die Affektspiegelung,bei der die Eltern dem Kind als biologsicher Spiegel dienen,mit dessen Hilfe es seinen eigenen inneren Zustand erleben kann. Dazu muss die Affektspiegelung kongruent und markiert sein. Mit ca. 2 Jahren zeigt das Kind dann alle Grundemotionen, die sich in den folgenden Jahren weiter differenzieren.Dabei wird auch erlernt, welche Arten des Gefühlsausdruck von der Gesellschaft akzeptiert werden.
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- soziale Entwicklung von Geburt an sind soziale Bindungen zum Überleben notwendig. Bei Verlust der wichtigen Bezugspersonen über mehr als 5 Monate (Hospitalismus) kann es zur anaklitischen Depression kommen. Wichtige Eckpunkte der gesunden sozialen Entwicklung sind z.B. der Zeitpunkt des spontanen Lächelns, Fremdelns. Ab dem 2./3. Lebensjahr gewinnt das Kind Interesse an der Umwelt außerhalb der Familie und an anderen Kindern. (Spiel) Mit zunehmendem Alter nehmen distale Kontakte zu, steigt die Anzahl der Interaktionspartner und differenzieren sich soziale Erfahrungen aus.
- Wann erscheint das (soziale) Lächeln? ab der dritten bis zwölften Woche
- Zeitpunkt des Fremdelns im 8. Monat
- Bedeutung des Spiels in der sozialen Entwicklung Durch das Spiel übt es seine soziale Kompetenz und die Rollenübernahme in der Gesellschaft.
- Motivationsentwicklung Mit ca. 1,5 Jahren entwickelt sich bei Kindern das Bedürfnis, etwas selbst zu machen. Im 2ten Lebensjahr reift allmählich der Wetteifer mit anderen. Im Alter von 3-4 Jahren entsteht ein primitiver Gütemaßstab für die eigene Leistung. Mit 6 Jahren wird Tüchtigkeit und Schwierigkeit differenziert. Ab diesem Alter ist die Leistungsmotivation nachweisbar.
- Persönlichkeitsentwicklung Die Entwicklung der relativ stabilen Persönlichkeitseigenschaften ist abhängig von inneren Faktoren wie Erbgut, Temperament, Eigenschaften, Ängsten sowie äußeren Faktoren wie Familienstruktur, Schicht und Wirtschaftslage. Vermittelnd wirken Wahrnehmungs- und Denkprozesse. Je nach theoretischer Richtung werden unterschiedliche Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung betont.
- Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung nach Freud (Schwerpunkt) 1982 Schwerpunkt liegt z.B. auf der biologisch vorprogrammierten psychosexuellen Entwicklung
- Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung nach Erikson (Schwerpunkt) 1959 betont die psychosoziale Entwicklung/ Interaktion
- Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung nach Havighurst (Schwerpunkt) 1948 betont die biologisch-kulturell-psychische Interaktion
- Selbstkonzeptentwicklung Selbstkonzept entwickelt sich aus dem Bedürfnis nach Interaktion.Entscheidend dabei ist die Fähigkeit zur Differenzierung in Selbst und Andere. Erste Hinweise darauf finden sich etwa im 5. Lebensmonat.Zwischen dem 18. und 24. Monat werden erstmal das Wort "Ich" verwendet und die Personalpronomina richtig eingesetzt. Selbst konzept entwickelt sich weiter durch vielfältige Beziehungserfahrungen auch außerhalb der Familie, bis sich nach der Pubertät eine stabile Identität entwickelt hat.
- Def. Selbstkonzept mentale Repräsentation der eigenen Person
- moralische Entwicklung Die moralische Entwicklung ist ein Teilprozess der Sozialisation, durch den es zur Internalisierung von Normen kommt.
- moralische Entwicklung nach Piaget 1954moralisches Urteil entwickelt sich so: - Stufe des moralischen Realismus: Alles, was bestraft wird, ist verboten. - Stufe der heteronomen Moral: Alles, was andere für schlecht halten, ist verboten. - Stufe der autonomen Moral: Selbstbestimmte Entscheidungen
- moralische Entwicklung nach Kohlberg 1978aufbauend auf der Moraltheorie nach Piagetmit 6 Stufen, die sich in 3 Stadien zusammenfassen lassen 1) Präkonventionelles Stadium bis ca. zum 9. Lebensjahr: hedonistische Orientierung an den eigenen Interessen 2) Konventionelles Stadium: Orientierung an gesellschaftlichen Normen ohne Hinterfragen der Regeln. 3) Postkonventionelles Stadium: Abwägung der Interessen des Einzelnen gegenüber der Allgemeinheit und Entscheidung nach ethischen Grundsätzen.Dieses Stadium wird frühestens aber nicht von allen Menschen im Erwachsenenalter erreicht.
- Sprachentwicklung man unterscheidet folgende Phasen - diffuse Vokalisation und Lallperiode bis etwa zum 9. Monat - früher Worterwerb vom 10.-18. Monat mit spezifischen Benennungen - Benennungsexposion ab ca. 18. Monat mit Zweiwortsätzen - schnelles Wortlernen ab ca. 30. Monat - Verfeinerung des Wortschatzes und der grammatikalischen Formen ab ca. 4 Jahren
- Lallperiode/ -phase Vokalisation beschränkt sich auf Schreien, Gurr- und Gurgellaute. Die Zeit zwischen dem 2.-6. Monat bezeichnet man Lallphase, bei der der Säugling durch taktile Reize im Mund zur Lautproduktion angeregt wird. In der 2ten Hälfte des ersten Jahres wird das Lallen dann durch auditive Reize angeregt. Hörgeschädigte Kinder verstummen in diesem Alter weitgehend. Die normale Sprachentwicklung wird durch die Ammensprache gefördert.
- Ammensprache Eine Art Singsang mit etwas erhöhter, leiser Stimme und der Wiederholung einzelner Silben oder Satzteile ist in allen Kulturen ähnlich.
- Fehlentwicklung der Sprachkompetenz Die Sprachkompetenz ist niedrig, wenn die Bezugsperson in kurzen Sätzen und in Form von Anweisungen spricht, wenig Fragen stellt und viel an der Sprache des Kindes kritisiert statt seine Fähigkeiten zu erweitern. Fehlt in der Zeit bis zum 2ten Lebensjahr eine Bezugsperson, sind die entstehenden Entwicklungsdefizite später nur noch schwer aufzuholen.
- psychomotorische Entwicklung Beginn bereits vor dem 5. Schwangerschaftsmonat nach der Geburt Unterscheidung von 4 Phasen:- phylogenetische Beugephase- phylogenetische Streckphase- ontogenetische Beugephase- ontogenetische Streckphase
- phylogenetische Beugephase 1.-7. Woche z.B. Moro-Reaktion, Fußgreifreaktion, Schreitreaktion
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- phylogenetische Streckphase 7.-12. Woche z.B. Mittelstellung des Kopfes in Rückenlage, Beginn der Kopfdrehung
- ontogenetische Beugephase 4.-7. Monat z.B. Kopfkontrolle im Sitzen, Heben von Armen und Beinen in Bauchlage, Drehen von Rücken- in Bauchlage
- ontogenetische Streckphase 7.-12. Monat seitliches Abstützen im Sitzen, Robben, Stehen
- psychomotorische Entwicklung ab ca. 1 Jahr Erlern Laufen, dadurch vergrößert sich der Aktions- und Erfahrungsradius. Die verbesserte visuell motorische Koordination und Feinmotorik erleichtern die Erforschung der Welt. wichtige Aspekte: Kontrolle über Sphinkter- und Sprachmotorik allg. Entwicklungstrends weisen auf größere Effizienz, besser Koordination, höhere Geschwindigkeit, größere Genauigkeit motorische Entwicklung weitgehend reifungsabhängig, kann nur eingeschränkt durch Training verbessert werden
- Wahrnehmungsentwicklung Sehen bei mittlerer Helligkeit sehen Neugeborene bei 20 cm scharf. Sie bevorzugen komplexe Muster, v.a. Gesichter. Auch Farben können unterschieden werden. Adaption, Fixierung und das periphere Sehen sind zunächst nur ansatzweise ausgeprägt. Durch Untersuchungen mit der "visual cliff" weiß man, dass schon Säuglinge Tiefenwahrnehmung haben.
- Wahrnehmungsentwicklung Hören schon vor der Geburt nehmen Kinder Geräusche wahr. bevorzugte Frequenzbereich liegt im Bereich der Sprache. Schon kurz nach der Geburt können Kinder Töne lokalisieren. Bis zum Ende des 2ten J. wird die sensible Phase der Hörbahnreifung abgeschlossen, aber erst mit dem 15. J. ist die Hörbahn vollständig entwickelt.
- Wahrnehmungsentwicklung Tastsinn entwickelt sich ab der 8. Schwangerschaftswoche. Schmerzerleben scheint ab der 22. Schwangerschaftswoche möglich. Schmerzempfindlichkeit ist vor und bei der Geburt niedrig.
- Wahrnehmungsentwicklung Geruch und Geschmack schon kurz nach der Geburt erkennen Babys ihre Mutter am Geruch. Ab dem 3. Schwangerschaftsmonat sind Geschmacksknospen auf der Zunge ausgebildet. Säuglinge reagieren auf süße und salzige Reize mit Saugbewegungen, auf bittere und saure Stimuli mit Vermeidung.
- Einflüsse auf körperliche Entwicklung genetische Faktoren, neuronale und hormonelle Einflüsse sowie die Ernährung. auch sozio-emotionale Faktoren: Traumata oder Vernachlässigung können z.B. zu Wachstumsstörungen führen.
- körperliche Entwicklung Reifung hat großen Einfluss auf die kognitive, psychische und soziale Entwicklung Größenwachstum verläuft linear. Die größten Veränderungen finden im ersten Lebensjahr statt. Dann Verlangsamung. Nach einer relativ unmerklichen körperlichen Entwicklung in der Kindheit, kommt es in der Pubertät zu auffälligen körperlichen Veränderungen. Der puberale Wachstumsschub erreicht sein Maximum zwischen dem 12. und 14. J, bei Mädchen etwas früher als bei Jungen.
- Wann spricht man von einer abweichenden Entwicklung? Entwicklungsstörungen bestehen, wenn ein Kind insgesamt oder in einigen Bereichen nicht zeitgerecht entwickelt oder wenn Symptome auftreten, die sich bei einem normal entwickelten Kind nicht zeigen. - wenn Entwicklungsstand unter dem Prozentrang 25 der Normalverteilung liegt - manche Abweichungen beruhen auf Verzögerungen, andere können später nicht mehr vollständig aufgeholt werden.
- Wie werden Entwicklungsabweichungen erfasst? viele werden durch eine der 10 Vorsorgeuntersuchungen (U1-9, J1) bis zum 13. Lebensjahr erfasst
- Def. Entwicklungsaufgaben sind nach Havighurst, 1982, Aufgaben, die sich in einer best. Lebensperiode stellen und deren Bewältigung zu Glück und Erfolg führt. Dagegen macht Versagen unglücklich, führt zu Ablehnung durch die Gesellschaft und erschwert die Bewältigung späterer Aufgaben.
- Entwicklungsaufgaben Durch die Auseinandersetzung mit Entwicklungsaufgaben aus den biologischen Veränderungen des Organismus, den Anforderungen der Gesellschaft sowie den individuellen Erwartungen entwickeln sich best. Kompetenzen. Für eine günstige Entwicklung ist die optimale Diskrepanz zwischen der Kompetenz und einer neuen Aufgabe wichtig.
- typische Entwicklungsaufgaben in Übergangsphasen sind z.B.bei der Einschulung: Entwicklung der Geschlechtsrollenidentität und der Fähigkeit zur moralischen Entscheidung, zu konkreten Operationen oder zum Spiel in Gruppen beim Schulübergang: Entwicklung von sozialer Kooperation, Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit in der Pubertät: Entwicklung der Autonomie von den Eltern, eines internalisierten moralischen Bewusstsein, der Akeptanz der äußeren Erscheinung und der Rollenübernahme während Übergangsphasen erhöht sich die Vulnerabilität, so dass Störungen weit reichende Folgen haben können.
- Bindungstheorie, Bowlby 1969der Säugling baut aufgrund biologischer Determination eine emotionale Bindung zu einer Bezugsperson auf, die er bei Gefahr aufsucht. Ainsworth, 1977, untersuchte die Bedeutung der Feinfühligkeit der Bezugsperson für die Entwicklung des Säuglings.Sie stellt fest, dass sich die personspezifische Bindung in 4 Etappen entwickelt
- Entwicklung der Bindung nach Ainsworth - Vorphase der Ansprechbarkeit ohne Unterscheidung der Person - ab dem 3. Lebensmonat Personen-unterscheidende-Ansprechbarkeit - ab dem 7. eigentliche Bindung durch Objektpermanenz - ab dem 3. Lebensjahr zielkorrigierte Partnerschaft alle Kinder bilden eine personenbezogene Bindung aus, vorausgesetzt sie haben ein Minimum an Interaktionsmöglichkeiten. Qualität der Bindung erfasste A. mit dem Fremde-Situations-Test, 1978
- Aufbau Fremde-Situations-Test in einem Raum finden mit Einwegspiegeln 8 3minütige Episoden statt:- Mutter und Kind werden in Raum geführt und Mutter setzt Kind auf den Boden- Mutter liest, Kind erkundet Spielsachen- Fremde tritt ein, unterhält sich mit Mutter und beschäftigt sich mit Kind- Mutter verlässt Raum- Kind bleibt allein- Fremde tritt ein- Mutter kommt wieder und Fremde geht hinaus
- Was wurde beim Fremde-Situations-Test untersucht? Nähesuchen, das Kontaktverhalten, der Widerstand und die Vermeidung im Verhalten des Kindes. Dem gemäß wurden die Bindungsklassen erstellt
- Bindungslasse A vermeidend-unsicher das Kind äußert nur wenig Bindungsbedürfnisse, es zeigt keine deutliche Trennungssituation, neigt zu vermehrtem Explorationsverhalten, ignoriert die Mutter bei ihrer Wiederkehr und vermeidet zunächst ihre Nähe. Das Verhalten gegenüber der Mutter entspricht weitgehend dem gegenüber der fremden Person.