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VT (Verhaltenstherapie) (Subject) / Diagnostik und Indikation (Lesson)

Problemanalayse Verhaltensanalyse (horizontal vs. vertikal) Informationsgewinnung im diagnost. Prozess Zielanalyse und Zielplanung

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  • Komplementäre Beziehungsgestatung (Grawe) Die komplentäre Beziehungsgestaltung nach Grawe ist eine therapeutische Grundhaltung, bei der der Therapeut die therapeutische Beziehung zunächst aktiv so gestaltet, dass    w e s e n t l i c h e   B e z i e h u n g s -   m o t i v e   des Patienten gesättigt werden. . Die Idee ist, dass der Therapeut darüber einen Beziehungskredit aufbaut, der es später ermöglicht, therapeutisch (auch konfrontativ) tätig zu sein. Die komplentäre Beziehungsgestaltung zielt auf die Grundbedürfnisse des Patienten ab. Dazu werden die dem Patienten oft nicht bewussten Oberziele, Beziehungsschemata und Pläne, welche sich in positiven oder auch problematischen Verhaltensweisen äußern und den Therapieprozess stark behindern können, möglichst zu Beginn der Therapie vom Therapeuten erschlossen. Diese Therapeutenpläne sollen mittels Umsetzung passender Therapeutenpläne berücksichtigt werden.
  • Komponenten des VT-Diagnostikprozesses Der verhaltenstherapeutische Diagnostikprozess besteht aus der Problemanalyse - was ist das Problem? der Situationsanalyse - wo tritt das problematische Verhalten auf? der Verhaltensanalyse - welche Reaktionen treten auf? der Bedingungsanalyse - welche Bedingungen gehen dem Verhalten voraus? - welche aufrechterhaltenden Konsequenzen folgen ihm? Funktionsanalyse - wozu dient das Verhalten (Die Begriffe Verhaltensanalyse und Problemanalyse werden oft synonym verwendet. Korrekterweise aber sollte die Verhaltensanalyse als Teil der Problemanalyse verstanden werden)
  • Ziel der Problemanalyse Ziel der Problemanalyse ist es, die (therapierelevanten) Probleme des Patienten zu beschreiben, zu klassifizieren und Faktoren zu finden, die die Entstehung und Aufrechterhaltung des Problems erklären können.  (→ Problemanalyse ist umfassender als Verhaltensanalyse)
  • Schema einer Problemanalyse nach Reinecker Reinechers Schema einer Problemanalyse umfasst 6 Stufen: Präzise Problembeschreibung:  das Problem wird auf allen 3 Ebenen erfasst: α-Ebene: Verhaltensebene = sichtbar, beobachbar, die situative Ebeneβ-Ebene: kognitiv-subjektive Ebeneγ-Ebene: physiologische Ebene Erfassung und Beschreibung der situationalen Bedingungen des Problemverhaltens: = funktionale Bedingungsanalyse. Sie umfasst prädisponierende, auslösende u aufrechterhaltende Bedingungen des Problemverhaltens) Bisheriger Umgang mit dem Problem inkl. Grad der Selbstkontrolle (Ressourcen, Selbstkontrolle) Genese u Entwicklung des Problems: Dauer der Störung, Schwankungen u Oszillationen des Problems Erstellen eines hypothetischen Bedingungsmodells: Aus allen bisher vorliegenden Informationen und dem theoretischen Hintergrundwissen erstellt der Therapeut das hypothetische Bedingungsmodell Health-belief-Modelle des Pat. Die eigenen Annahmen des Patienten über die Entstehung und Aufrechterhaltung des Problems.
  • Unterscheidung horizontale vs. vertikale Verhaltensanalyse Beide beschreiben das problematische Verhalten, die auslösenden Bedingungen und aufrechterhaltenden Faktoren. horizontale Verhaltensanalyse beschränkt sich auf Mikroprozesse (Analyse einer beispielhaften Situation) vertikale Verhaltensanalyse beschränkt sich auf Makroprozesse (Film des Lebens)
  • Beispiele für horizontale Verhaltensanalyse S - O - R - K - C- Schema nach Kanfer 1969 BASIC-ID (auch: Multimodale Therapieplanung) nach Lazarus 1973
  • Ziel der vertikalen Verhaltensanalyse Ziel der vertikalen Verhaltensanalyse ist die Erfassung der Motivstruktur, die hinter dem Verhalten eines Menschen steht. Es geht also um die Beschreibung des menschlichen Verhaltens aufgrund von verhaltenssteuernden Motiven und Bedürfnissen, die bei Caspar und Grawe "PLÄNE" genannt werden.
  • Welche Bedeutung hat die Organismusvariable "O" des S-O-R-C-K-Schemas von Kanfer in der vertikalen Verhaltensanalyse? Bei der vertikalen Verhaltensanalyse wird die Organismusvariable "O" aus dem S-O-R-K-C-Schema von Kanfer genauer analysiert und mit Inhalt (eigentlich Hypothesen) gefüllt. Damit ist die Organismusvariable die Schnittstelle zwischen horizontaler und vertikaler Verhaltensanalyse. In der O-Variable findet die Analyse der Lerngeschichte des Patienten statt. Welche Lebensregeln und Schemata bestehen bei diesem Menschen und stehen mit dem Problemverhalten in Zusammenhang?
  • Charakeristika von PLÄNEN (nach Grawe oder Caspar) in der vertikalen Verhaltensanalyse. Pläne sind Einstellungen, Meinungen, Haltungen, Werte, Erwartungen, etc. Pläne erzeugen eine selektive Wahrnehmung u wirken sich auf die soziale Interaktion aus Pläne sind überdauernd Jeder Plan = zugleich Ziel eines vorgereihten, spezifischen Unterplans und Mittel für einen nachgereihten, abstrakteren Oberplan
  • Durch welche 2 Arten können Pläne in der vertikalen Verhaltensanalyse erschlossen werden? bottom up: Analyse von der unteren Ebene auf die höheren.Geschieht durch die Frage: Wozu?  und erfolgt durch- Verhaltensbeobachtungen (speziell nonverbales Verhalten)- Berichte des Patienten- die Wirkung des Patienten auf den Therapeuten top down: Analyse von einer höheren Ebene auf die untere. Geschieht durch die Frage: "Womit/wodurch?"  und erfolgt durch- Exploration der Lebensgeschichte (Was wiederholt sich da?)- konkrete Frage nach Lebensregeln und Überzeugungen
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  • Welche Datenquellen stehen der VT-Diagnostik zur Verfügung? direkte Exploration standardisierte Tests u Fragebögen Verhaltenstests Tagebuchaufzeichnungen u Protokolle Rollenspiele psycho-physiolog. Verfahren (Herz-/Pulsfrequenz o.ä. - aber Achtung: physiolog. Variablen = unspezifisch. Interapretation ist schwierig) Verhaltensbeobachtung (Grundlage der VT-Diagnostik)
  • Anforderungen an VT-Ziele: Therapieziele müsen von Therapeut und Klient gemeinsam besprochen sein (KONSENS!) Ziele müssen realistisch sein Ziele müssen konkret sein (d.h. überprüfbar!) Ziele müssen positiv formuliert sein Hilfreicher Algorithmus  = S-M-A-R-T-Regel (vgl. Selbstmanagementtheorie) Therapieziele sollen sein: Spezifisch (d.h. nicht allgemein) Messbar Attraktiv (lohnend/herausfordernd) Realistisch Terminiert (zeitlich fixiert)
  • An welchen Stellen in der Verhaltensgleichung können Ziele verortet sein? Situationsziel (z.b. Aufbau von Kontakten in der Schule) Personziel (z.b. Abbau von hinderlichen Gedanken wie "ich kann nichts!") Reaktionsziel (z.B. mit Bruder reden statt zuschlagen bei Konflikten) Symptomziel (z.B. Gewichtszunahme bei Anorexie) Konsequenzziel (z.B. Abbau von Aufmerksamkeit durch die Mutter bei kindlichem Problemverhalten)
  • Wie heißt die Methode, bei der individuell auf den Patienten zugeschnitten konkret verschiedene Stufen der Zielerreichung definiert werden? Goal-Attainment-Scaling
  • Welche 3 Fragen sind bei der VT-TherapiePLANUNG grundlegend? In welche Richtung soll die Veränderung erfolgen? An welcher S-O-R-C-K-Variable wird (zuerst) angesetzt? Welche Methode wird angewandt?
  • Welches Modell liegt der VT-Therapieplanung zugrunde? Modell der ergebnisorientierten Optimierung durch ständige Rückmeldung    
  • Selbstmanagementtherapie nach Kanfer u Grimm, 1981 Kanfer u Grimm ist in der Selbstmanagementtherapie ein bestimmtes Verständnis des gesamten diagnostisch-therapeutischen Prozesses zentrales Anliegen!!! Kanfer u Grimm haben ein idealtypisches Prozessmodell der Selbstmanagementtherapie erstellt, das 7 Stufen im therapeutischen Prozess postuliert. Sind die Ziele einer Stufe erreicht, kann zur nächsten Stufe übergegangen werden. Im Verlauf ist es aber druchaus möglich, dass bestimmte Ziele einer früheren Stufe nicht mehr erreicht sind, dann kann es notwendig sein, eine oder mehrere Stufen zurückzugehen.  
  • Idealtypisches Prozessmodell der Selbstmanagementtherapie (Kanfer u Grimm) Phase: Eingangsphase - Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen (Aufbau der therapeut. Beziehung, Erfassung d. Eingangsbeschwerden, klassifikatorische Diagnostik) Phase: Aufbau von Änderungsmotivation u (vorläufige) Auswahl von Änderungsbereichen (z.b. Reduktion von Resignation, Ziel- und wertklärung) Phase: Verhaltensanalyse: Problembeschreibung u Suche nach aufrechterhaltenden Bedingungen (Mikroanalysen (Situationsanalysen) u Makroanalysen (Kontextanalysen), Erarbeitung eines funktionalen Bedingungsmodells) Phase: Klären u Vereinbaren therapeut. Ziele (klärung der Therapieziele, Zielanalyse, Vereinbaren therapeutischer Ziele) Phase: Planung, Auswahl und Durchführung bestimmter Methoden (als Mittel zum Ziel) Interventionsplanung auf Basis von Stufe 1-4, grobe u feine Therapieplanung, Anwendung therapeut. Standardmethoden Phase: Evaluation der Fortschritte (z.B. therapiebegleitende Diagnostik) Endphase - Erfolgsoptimierung u Abschluss der Beratung/Therapie z.B. Konsolidierung der Veränderungen, Erlernen von Selbstmanagement, Ausblenden der Kontakte, Vorbereitung der Katamnese) Achtung: Unterscheidung zwischen Selbstmanagementtherapie als übergeordnetes Therapiekonzept und Selbstkontrollverfahren (= Methoden, um das Selbstmanagement zu verbessern)
  • die verschiedenen Aspekte der Verhaltensvariable R im S-O-R-K-C-Schema nach Kanfer R (kognitiv) R (emotional) R (motorisch) R (physiologisch)
  • 5 Wirkfaktoren in der Psychotherapie nach Grawe (gemäß Grawes Modell einer allgemeinen Psychotherapie) die therapeutische Beziehung (die therapeutische Beziehung trägt signifikant zu einem besseren oder schlechteren Therapieergebnis bei) Ressourcenaktivierung: Die Eigenarten, die die Patienten in die Therapie mitbringen, werden als positive Ressource für das therapeutische Vorgehen genutzt. Das betrifft vorhandene motvationale Bereitschaften, Fähigkeiten und Interessen des Patienten. Problemaktualisierung: Die Probleme, die in der Therapie verändert werden sollen, werden unmittelbar erfahrbar! Das kann z. B. dadurch geschehen, dass Therapeut und Klient reale Situationen aufsuchen, in denen die Probleme auftreten, oder dass sie durch besondere therapeutische Techniken wie intensives Erzählen, Imaginationsübungen, Rollenspiele o. ä. die Probleme erlebnismäßig aktualisieren. Motivationale Klärung: Die Therapie fördert mit geeigneten Maßnahmen, dass der Patient ein klareres Bewusstsein der Determinanten (Ursprünge, Hintergründe, aufrechterhaltende Faktoren) seines problematischen Erlebens und Verhaltens gewinnt. Problembewältigung: Die Behandlung unterstützt den Patienten mit bewährten problemspezifischen Maßnahmen (direkt oder indirekt) darin, positive Bewältigungserfahrungen im Umgang mit seinen Problemen zu machen.
  • 7 Charakteristika von Salutogenese Eine Arbeit an Gesundheit ist dann salutogenetisch (im Gegensatz von pathogenetisch - krankheitsorientiert) orientiert, wenn sie 1. An Stimmigkeit, Kohärenz, Verbundenheit, aufbauender Kommunikation orientiert ist. Das Streben nach Kohärenz ist ein übergeordnetes - wahrscheinlich allen Lebewesen innewohnendes Prinzip, das dafür sorgt, dass sich Lebewesen aus dem Chaos entgegen den physikalischen Gesetzen der Entropie komplex und gesund organisieren können.   2. Auf Gesundheit (attraktive Ziele, Vorstellungen) ausgerichtet ist. D. h. die Arbeit richtet sich primär nicht am Kampf gegen Krankheiten und Risikofaktoren aus, sondern an attraktiven Gesundheitszielen, wie z.B. Wohlbefinden, Sicherheit, Lust, Lebensqualität, Freude, Fitness, Sinnerfüllung, Weisheit und ähnlichem. 3. Ressourcenorientiert ist.           D.h. dass man primär nicht nach Defiziten, Störungen, Blockaden usw. sucht, sondern nach eigenen Fähigkeiten und auch Unterstützung - allen Quellen von Wohlbefinden, für Eigenaktivität, Motivation usw. 4. Das Subjekt wertschätzt.D.h. nicht versucht, das Individuum in eine Norm zu pressen. Die Pathologie geht von Normen (Normalwerten) aus. Die salutogenetische Orientierung erkennt mit dem Subjekt auch das Subjektive an, die Selbstwahrnehmung, Gefühle, individuelle Gesundheitsziele, subjektive Krankheits- und Gesundheitstheorien, fragt nach subjektiven Deutungen und Bewertungen. 5. Dynamisch prozess-/lösungsorientiert ist auf Entwicklung und Evolution sowie auf (Selbst-) Regulation.      Die salutogenetische Sichtweise geht von einem Lebensprozess aus, der bisweilen in Krankheitssymptome und dann wieder in Genesung und Kreativität regulieren kann. Das Bild des Schwimmens im Fluss des Lebens hat Aaron Antonovsky für die salutogenetische Sichtweise geprägt. 6. Aufmerksamkeit für systemische/kommunikative Selbstorganisation und -regulation hat und individuelle, soziale, kulturelle und globale Kontextbezüge einbezieht.Die Selbstregulation und Selbstheilungsfähigkeit eines Menschen wird mehrdimensional in seinen familiären, gemeinschaftlichen, kulturellen, globalen sowie auch universellen Bezügen gesehen. Auch soziokulturelle Prozesse werden als selbstregulativ verstanden. Für diese Selbstregulation sind sowohl innere Sollwerte (Attraktoren) als auch äußere Bedingungen (Kontexte) maßgeblich. Es kommen aber nur selten lineare Ursache-Wirkungs-Prozesse vor. Der Mensch wird vorwiegend nicht als Opfer von medizinischer Manipulation und Machbarkeit gesehen, sondern als ein sich letztendlich autonom regulierendes System in einem größeren System. Dazu gehört eine Haltung des Unwissenden, Neugierigen und Demütigen. 7. Die alte dichotome Sichtweise von entweder krank oder gesund erweitert durch die Erkenntnis, dass im Lebensprozess immer beides vorhanden ist: sowohl Krankheit als auch Gesundheit. Allgemein werden meist mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen - es wird 'sowohl-als-auch' gedacht (nur selten: entweder oder).