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Entwicklungspsychologie (Subject) / 9. Emtionale Entwicklung (Lesson)
Bindung und Temperament
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- Steigt die Sterblichkeit von Kindern in einem Heim? Ja, gute körperliche Versorgung ist nicht genug. Wenn Mutter/ Bezugsperson fehlt, treten versch. Symptome auf wie: Verhaltensauffälligkeiten, motorische Schwächen, Apathie
- Wie äussert sich Bindungsverhalten? Lächeln, Anschmiegen, Schreien, Festhalten, Suchen, hin Krabbeln Bindungsverhalten wird in Alarmsituationen aktiviert und durch Nähe und Kontakt deaktiviert
- Wie äussert sich Bindung von Seiten der Bezugsperson? -vorprogrammierte Signale werden von Erwachsenen intuitiv verstanden und beantwortet (Trösten, Helfen, Streicheln, Zuwenden..) = Fürsorgeverhalten
- Was ist Bonding? durch direkten Körperkontakt entstehende Zuneigung direkt nach der Geburt ->keine notwendige aber erleichternde Bedingung
- Spielt die Befriedigung von Primär-Bedürfnissen eine entscheidende Rolle für die Beziehung? Nein, auch ohne Füttern und Pflegen kann eine starke Beziehung entstehen
- Wie sieht der Entwicklungsverlauf der Bindung aus? 0-2 Monate:Kind ist ohne Unterschiede der Personen allgemein sozial ansprechbar 2-7 Monate:Kind lernt Unterschiede zwischen Personen; erkennt bekannte Personen, wendet sich bevorzugt einer oder wenigen Personen zu 7-24 Monate:Durch Fortschritte in Bewegungsfreiheit wird echte Bindungerreicht, da sich das Kind nun aktiv in die Nähe der Bezugsperson bringen kann, die sie vermisst bei Abwesenheit = Anfänge intentionaler Kommunikation -> ab hier gibt es wichtige und deutliche individuelle Unterschiede > 24 Monate: zielkorrigierte Partnerschaft, zweiseitige Beziehungen, Bindungsverhalten variiert je nach Situation
- 3 wichtige Faktoren für Bindungsqualität 1. Interaktion mit den Bezugspersonen: für sichere Bindung -> Eltern verhalten sich vorhersagbar (konsistent), feinfühlig und sensitiv 2. Bindungsqualität der Eltern zu deren Eltern 3. Temperament des Kindes
- Was hat grösseren Einfluss auf die Bindung Mutter- Kind, wenn das Kind Probleme hat oder die Mutter? Klar, wenn die Mutter Probleme hat! Die Chance für eine unsichere Bindung besteht dann zu 50%
- Was ist das interne Arbeitsmodell von Bindung? -es wird in den ersten 2-3 Lebensjahren entwickelt -Satz von Erwartungen über Verfügbarkeit, Verantwortung und Befriedigung ihrer Bedürfnisse in der Beziehung -es enthält kognitive und emotionale Komponenten -wird geformt dirch frühkindliche Erfahrungen -sind realtiv stabil, können aber durch Lebensereignisse auch verändert werden -gibt Regeln vor für Verhalten und Gefühlen anderen gegenüber
- Kann eine Bindung von unsicher zu sicher wechseln? Fast nicht! Jedoch kann sie durch nur einen Faktor von sicher zu unsicher wechseln. Das interne Arbeitsmodell steuert Erwartung wie Mutter reagieren wird, diese Erwartung kann fast nicht mehr geändert werden -> Bindungsverhältnis ist also relativ stabil
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- Bedeutung von sicherer Bindung für die weitere Entwicklung -qualitativ bessere Beziehungen zu Gleichaltrigen -weniger häufige Verhaltensprobleme in der Schule -positiveres Selbstwertgefühl -unabhäniger von Erwachsenen und selbstsicherer -grössere Neugier und Explorationsverhalten -grössere Persistenz bei Problemlöse-Aufgaben
- Was ist das grosse ABER bezüglich der Bindungstheorie? -es gibt viele Ausnahmen von den Regeln! -die Unterschiede sind teilweise sehr klein zwischen sicherer und unsicherer Bindung -sie hängen zusätzlich vom Geschlecht des Kindes ab -bei längerfristigen Prognosen spielen zu viele andere Einflüsse mit -hängt vom verwendeten Messinstrument ab
- Bedeutung von sicherer Bindung bei Jugendlichen ->Bindungsqualität bei Jugendlichen beeinflusst das Erleben und Verhalten bei starken negativen Gefühlen:die unsicher gebundenen reagieren mit „trennendem/ auflösendem“ Verhalten (=disruptive)
- Zusammenfassung von Bindungsverhalten >Bindung und Bindungsverhalten ist ein für die kognitive und soziale Entwicklung von Kindern wichtiger Einflussfaktor >Insbesondere die Unterscheidung von sicher und unsicher gebundenen Individuen hat sich als sinnvolle Einteilung heraus gestellt >Eine sichere Bindung ist für viele Aspekte der Entwicklung positiver zu beurteilen (z.B. Emotionsregulation, Sozial-, Arbeits-und Konfliktverhalten) als eine langfristig unsichere Bindung >Unterschiede in Bindungsqualitäten können Unterschiede im Verhalten, insbesondere in Konflikt-und Stresssituationen, erklären >Bindungsverhalten und Bindungserfahrungen setzen sich über die Kindheit hinaus ins Jugend-und Erwachsenenalter und auch in der eigenen Elternschaft fort -> Aber Unterschied darf nicht überbewertet werden
- Definition von Temperament >Konstitutionell bedingte inter-individuelle Unterschiede in emotionaler, motorischer und aufmerksamkeitsbezogener Reaktivität, sowie der Selbstregulation dieser Reaktivität >bezeichnet generelle Verhaltensdispositionen, die über verschiedene Situationen hinweg gleich /ähnlich sind >hat biologische Grundlagen, hat relativ hohen erblichen Anteil >Wird durch die Umwelt mit beeinflusst >bezieht sich nicht auf konkrete Verhaltensweisen >«Temperament ändert sein Gesicht im Verlauf der Entwicklung»
- Temperamentsdimensionen nach Thomas und Chess 1.Aktivitätsniveau: Ausmass der motorischen Aktivität 2.Rhythmus: Schlaf-Wach; Essen; Stuhlgang 3.Ablenkbarkeit: leicht zu beruhigen durch Ablenkung, lässt sich im Spiel durch Umweltreize nicht ablenken 4.Annäherung/Rückzug: Reaktion bei Neuem (Situationen, Personen, Routinen...) 5.Ausdauer: bei Erreichung eigener Ziele, bei Erledigung von Aufgaben 6.Reaktionsintensität: weinen, schreien, wimmern 7.Reaktionsschwelle: Niveau, welches überschritten sein muss, um Reaktion hervorzurufen 8.Stimmungsqualität: positive Grundstimmung, negative Grundstimmung
- Beispiel der Temperament Unterschiede anhand der Reaktionsschwelle HOCH >2 Monate: wird nicht durch Geräusche erschreckt, nimmt gleich gut die Flasche und die Brust >2 Jahre: schläft leicht ein, kann bei jedem gelassen werden >10 Jahre: beschwert sich nicht, wenn es krank ist, isst „alles“ NIEDRIG >2 Monate: hört auf zu trinken bei kleinster Veränderung >2 Jahre: läuft zur Tür, wenn Elternteil nach Hause kommt, muss immer streng ins Bett gebracht werden >10 Jahre: weist fettiges Essen zurück, stellt die Dusche so lange ein, bis das Wasser genau die richtige Temperatur hat
- Unterschiede im Temperament anhand von Annäherung/Rückzugs Beispiel POSITIV >2 Monate: lächelt viel >2 Jahre: übernachtet ohne Probleme zum ersten Mal bei den Grosseltern >10 Jahre: geht gern ins Ferienlager, hatte Spass am Ski fahren von Anfang an NEGATIV >2 Monate: schreit, wenn Fremde auftauchen >2 Jahre: meidet fremde Kinder, weint beim ersten Mal am Strand >10 Jahre: grosses Heimweh im Ferienlager, mag keine neuen Aktivitäten
- Nenne die 3 Temperamentsklassifikationen nach Thomas & Chess >Einfaches Temperament: anpassungsfähig, entwickeln schnell Routinen, leicht zu beruhigen und guter Laune Ca. 40% der Babies/Kinder >Schwieriges Temperament: Kinder stellen sich nur langsam auf neue Erfahrungen ein, reagieren oft negativ und intensiv, unregelmässige Körperfunktionen Ca. 10% der Babies/Kinder >Langsam „auftauendes“ Temperament: zuerst schwierig, werden aber einfacher Ca. 15% Aber: ca. 35% lassen sich nicht eindeutig klassifizieren ! (da oben eher Schubladen Denken)
- Was ist das "goodness of fit" Konzept im Z'hang mit kindlichem Temperament -keine Bewertung ob Temperament grundsätzlich gut oder schlecht -sondern Bewertung ob Temp. in Situation passt oder nicht (insbesondere in Bezug auf Erwartungen, Anforderungen, Haltungen der Bezugspersonen) -> Fehlentwicklungen können aufgrund schlecht Passung entstehen: Kind hat einfaches Temperament aber Eltern immer zu hohe Anforderungen
- Zusammenfassung Temperament >Das Temperament eines Kindes stellt eine stark biologisch beeinflusste Verhaltensdisposition dar, welche bestimmt, wie ein Kind sich auf die Umwelt, insbesondere auf herausfordernde oder neue Situationen, einstellen kann. >Das Temperament umfasst verschiedene Dimensionen, die in unterschiedlichen Situationen jeweils mit anderer Gewichtung zum Tragen kommen. >Das Temperament ist eine relativ stabile Persönlichkeitsausstattung, die über die Lebensspanne hinweg andere „Gesichter“, andere „Formen“ annimmt. >Das Temperament beeinflusst Verhalten in vielen Lebensbereichen, vor allem Beziehungen und Bindungen zu anderen Menschen .....