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GSP (Subject) / GSP schriftlich (Lesson)
Übergang vom Kiga zur GS
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- Optimalmodell zur Neuen Schuleingangsstufe nach KMK Schuleintritt ist nicht mehr durch ein bestimmtes Alter definiert alle Kinder werden aufgenommen → Schulfähigkeit wird entwickelt, nicht vorausgesetzt → keine Zurückstellungen mehrere Einschulungstermine pro Jahr strukturell wird die 1. und 2. Klasse ersetzt → Bildung einer organisatorischen und pädagogischen Einheit Heterogenität soll im Sinne einer „Pädagogik der Vielfalt“ als Chance gesehen werden flexible Verweildauer von 1 – 3 Jahren, dann Übertritt in die 3. Klasse → Veränderung der Gruppenzusammenstellung im jährlichen Rhythmus soziale Kompetenzen spielen eine wichtige Rolle Zusammenarbeit von Grundschullehrern, Sonderpädagogen und Sozialpädagogen
- Umsetzung der Neuen Schuleingangsstufe und Probleme Tatsächliche Umsetzung und Probleme In der Regel erfolgte keine kopiegetreue Realisierung des Optimalmodells (Ausnahme FLEX). Oft war die Umsetzung sogar weit davon entfernt (z.B. NRW mit flexibler Verweildauer aber Beibehaltung der Jahrgangsklassen → längeres Verweilen kommt einem Sitzenbleiben gleich). Der Verbreitungsgrad in den einzelnen Bundesländern ist sehr unterschiedlich. Differenzierung erfolgt meist in Form von selbstgeleiteter Arbeit durch das Material. Problem: nicht alle Kinder können das Material von Anfang an selbstständig nutzen Mangel an Kommunikation, die für Lernprozesse nötig ist (v.a. für Kinder am oberen und unteren Rand des Leistungsspektrums) Die Ausstattung mit pädagogischem Fachpersonal ist meist eher spärlich. Oft scheint es, als sei die Integration ALLER Kinder die alleinige Aufgabe der Klassenlehrerin. Am ehesten werden noch zusätzliche Sozial- oder Sonderpädagogen eingesetzt. Vielen Lehrern fällt es schwer, im Team zu arbeiten. Es dauert oft lange, bis der Kompetenzgewinn umgesetzt werden kann. Die Kooperation zwischen Kindergarten und GS wird in dem Modell nicht ausreichend berücksichtigt und in der Praxis nicht ausreichend erfüllt. Möglichkeiten: stärkere Förderung im Kindergarten Einsatz von Erziehern in der GS
- Wünschenswerte / Nötige Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Unterricht in der Neuen Schuleingangsstufe Wünschenswerte bzw. nötige Rahmenbedingungen Altersunterschied darf nicht zu sehr differieren → z.B. ist eine Altersmischung in 7. bis 9. Klassen nicht denkbar, denn es würde bedeuten, dass bereits Siebtklässler mit berufsvorbereitendem Unterricht konfrontiert werden kleine Klassen (max. 24 Kinder) → umso heterogener die Lerngruppe sie ist, umso kleiner sollte sie sein Fortbildungen zum Thema „Jahrgangsgemischtes Lernen“ für Lehrer zusätzliche Stunden (ca. 5 / Woche) sind für die soziale Arbeit und den Zusammenhalt der Gruppe notwendig → denkbar wäre auch das Konzept der vollen Halbtagsgrundschule Teilungsstunden (z.B. in Mathematik oder Deutsch) und / oder regelmäßiger Einsatz einer zusätzlichen Betreuungskraft (Förder- oder Sozialpädagogin)
- Gestaltung des Unterrichts in der Neuen Schuleingangsstufe → Topsch Wechsel zwischen gemeinsamem Lernen in heterogenen Gruppen und zielgruppenorientiertem Lernen in bestimmten Entwicklungs- und Leistungsstufen Wechsel zwischen vorstrukturiertem Unterricht und offenen Unterrichtssituationen (Wochenplan, Stationen, Werkstatt...) Analyse der Lernbedingungen gewinnt für den Lehrer zunehmend an Bedeutung → sie ist Voraussetzung für Auswahl, Entwicklung und Modifizierung von Material → sie ist Voraussetzung zur Entwicklung von individuellen Förderplänen Arbeit mit der individuellen Bezugsnorm, da Schüler nicht inhaltsgleich und zielgleich lernen
- Geschichte der Kindheit Im Mittelalter gab es noch keine eigentlichen pädagogischen Einrichtungen (keine Kindergärten, keine Schulpflicht...). Die Lebenssphäre der Kinder war weder räumlich noch kulturell von der der Erwachsenen getrennt: das Leben von Erwachsenen und Kindern spielte sich an den selben Orten ab; Kinder wurden oft schon früh zum Broterwerb herangezogen, sie waren in die Geschäfte und Sorgen der Erwachsenen unmittelbar mit einbezogen. Im 16. und 17. Jahrhundert kam es dann zu einer Ausgliederung der Kinder aus dem Leben der Erwachsenen, z.B. durch die Entwicklung von speziellen Kleidern für Kinder Entwicklung von speziellem Spielzeug für Kinder Tendenz der Übergabe von Kindern in spezifisch auf Lernen ausgerichtete Institutionen → Kindheit wurde nun als ein bewusster Lebensabschnitt wahrgenommen! Ab dem 17. Jahrhundert kann man vom Beginn der modernen Erziehungslehre sprechen: Kinder werden Gegenstand der Beobachtung, beginnendes Verständnis für die eigene Art des Aufwachsens, Zusammenhang von Kindheit und späterer Persönlichkeit wird entdeckt Über die Konsequenzen dieser Entwicklung für die Kinder gibt es kontroverse Positionen: Ariès de Mause Mit der Entdeckung der Kindheit beginnt die Leidenszeit der Kinder: → zuvor Freiheit und Ungezwungenheit in der ganzheitlichen Lebenswelt → mit Entdeckung der Kindheit: zunehmende Unterdrückung von kindlicher Emotionalität und Ursprünglichkeit → Kinder waren bis ins 17. Jh hinein weitgehend schutzlos; Erwachsenen mangelte es an Empathie; hohe Kindersterblichkeit (mangelnde Hygiene und Ernährung, Kindestötungen, Aussetzungen...) → Entdeckung der Kindheit führt zu Befreiung; Eltern gewähren Empathie und Unterstützung CAVE: Bis ins 19. Jahrhundert hinein gibt es allerdings für einen Großteil der Kinder immer noch keine Kindheit (z.B. Kinder von Tagelöhnern, Bauern, Industrieproletariat)! Seit dem 20. Jahrhundert gilt Kindheit in Europa als ein Lebensraum, der von Erwerbsarbeit befreit ist und der dem Spielen, der Entwicklung und dem Lernen gilt. Kindheit als eigenständige Lebensphase ist historisch gesehen relativ neu und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft (z.B. Vorhandensein von Schulen, separate Lebensräume) → „Jahrhundert des Kindes“
- Begriff Kindheit Kindheit stellt zunächst ein spezifisches Lebensalter dar und ist gekennzeichnet von einem Generationenverhältnis Kinder sind Menschen, die sich in einer Phase der Entwicklung befinden → jede Phase dieser Entwicklung ist Vorbedingung und Vorbereitung für die nächste Phase → durch Erziehung sollen Kinder auf die Erwachsenengesellschaft vorbereitet werden erst das Erwachsensein gilt als gesellschaftlich vollwertiger Status bis zu welchem Alter Heranwachsende als „Kinder“ bezeichnet werden, ist kulturell unterschiedlich; ebenso legt der kulturelle Hintergrund fest, welche Verhaltensweisen als typisch kindlich oder typisch erwachsen gelten (vgl. Kinderarbeit in anderen Gesellschaften) in unserem Kulturkreis unterscheidet man die Phase der frühen Kindheit (bis 4 Jahre) von der Hauptphase der Kindheit
- Aspekte veränderter Kindheit - Übersicht → nach Fölling-Albers und Holtappels Veränderte Kindheit bedeutet, dass es inzwischen eine Vielzahl von verschiedenen Entwicklungslinien gibt, die sich quer durch alle Schichten ziehen. Kindheit ist keine einheitlich gekennzeichnete Phase mehr, sondern es kommt zu verschiedenen Ausformungen der Kindheit als Folge der komplexen Lebensbedingungen → Ob sich Kinder in ihrer Lebenswelt als Kinder verhalten (können) und wie sie das tun, hängt von den ökonomischen, kulturellen und sozialen Verhältnissen ab, in denen sie leben und von den impliziten und expliziten Normen und Erwartungen, die an die Kinder gestellt werden. Aspekt Familie Aspekt Lebenswelt (Lebensraum, Freizeit, Medien, Multikulturalität, Bedrohungen) Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten
- Aspekte veränderter Kindheit - Aspekt Familie (Übersicht) Familienkonstellationen Berufstätigkeit Verhältnis zwischen Eltern udn Kindern Veränderung von Erziehungsmustern und Erziehungszielen
- Aspekte veränderter Kindheit - Familienkonstellationen Inzwischen gibt es zahlreiche verschiedene Familienkonstellationen: Kleinfamilie: Vater – Mutter - Kind(er) → ist nach wie vor dominierend Alleinerziehenden – Familie → etwa jede 3. Ehe wird geschieden, jedes 9. Kind lebt alleine mit einem Elternteil Patchwork-Familie → allgemein ist eine Zunahme an nicht ehelichen Lebensgemeinschaften zu verzeichnen Die Interpretation des Familienbegriffs ist für jedes Kind individuell, der „Vater“-Begriff, bzw. der „Mutter“-Begriff verfügt nicht mehr über die eindeutige personale Assoziation. Kinder erfahren heute häufiger einen Wechsel in der Familienkonstellation und müssen sich auf wechselnde Bezugspersonen im intimsten Umfeld einstellen (auch im Zusammenhang mit institutionalisierter Betreuung). Topsch: Entscheidend aus gs-pädagogischer Sicht ist aber vor allem, ob das Kind in einer unterstützenden erzieherischen Familienkonstellation aufwächst (intellektuell, emotional, sozial, ökonomisch...)
- Aspekte veränderter Kindheit - Familie und Berufstätigkeit Während früher häufig der Vater arbeiten ging und die Mutter für Haushalt und Kinder verantwortlich war, hat sich die Rollenverteilung in der Berufstätigkeit oft verändert: oft müssen heute beide Elternteile zum Familieneinkommen beitragen die steigende Müttererwerbstätigkeit kann bei vielen Müttern zu einer Doppelbelastung führen, andererseits sind aber viele Mütter durch ihren Job zufriedener man findet auch öfter eine veränderte Rollenverteilung, in der sich die Väter um Haushalt und Kinder kümmern und die Mütter zur Arbeit gehen Gleichzeitig ist es einer zunehmenden Abstraktion der Berufe zu verdanken, dass sich Kinder oft nichts mehr unter dem Beruf ihrer Eltern vorstellen können. Folgen für die Kinder sind in vielen Fällen: es besteht ein erhöhter Bedarf an Betreuungseinrichtungen für Kinder vor und nach der Schule Kinder kommen insgesamt früher in betreute Sozialorganisationen viele Kinder sind nachmittags auf sich gestellt
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- Aspekte veränderter Kindheit - Verhältnis zwischen Eltern und Kindern Auch das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern hat sich im Lauf der Zeit verändert: Die Geburtenzahlen sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen (ca. 50%); etwa 80% der Familien haben nur ein oder zwei Kinder, so dass etwa 1/3 der Kinder ohne Geschwister aufwächst. Dies hat verschiedene Folgen für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern: Kindheit an sich steigt in seiner Bedeutung häufig Verstärkung der elterlichen Zuwendung und Förderung durch die Konzentration auf nur ein Kind → Kinder oft als Sinnstifter der Familie; erhöhter emotionaler Wert des Kindes → oft verbunden mit hohen Leistungserwartungen an das Kind Demokratisierung der Familie (Eltern und Kind(er) als gleichwertige Partner für das Kind bedeuten kleine Familien aber auch fehlende soziale Erfahrungen im familiären Umfeld → Folge können fehlende soziale Kompetenzen (z.B. Egoismus) oder auch Vereinsamung sein
- Aspekte veränderter Kindheit - Veränderung der Erziehungsmuster und Erziehungsziele Verbunden damit ging eine Veränderung der Erziehungsmuster und Erziehungsziele einher: Erziehungsziele in der Nachkriegszeit: Disziplin, Gehorsam, Ordnung in den 70ern kam es zu einer Liberalisierung des Erziehungsstils und zu einer Veränderung der Eltern-Kind-Beziehung Erziehungsziele heute: Selbstständigkeit, Kooperationsfähigkeit, Kreativität Heute findet man verschiedene Erziehungsmuster, die jeweils verschiedene Folgen für die Kindheit haben: Überbehütung („Airbag-Kindheit“) hohe Anforderungen („Karriere-Kindheit“) hoher Terminstress („geschuldete Kindheit“) viele Freiräume (permissive Kindheit)
- Aspekte veränderter Kindheit - Lebensraum Lebensraum der Kinder: In den Nachkriegsjahren war es für die Kinder normal, in Haus, Hof und Garten mit zu helfen; gespielt wurde dort ebenso, genauso wie auf der Straße. Zumindest in den Städten spielt sich das Leben der Kinder heute vor allem innerhalb der Häuser ab Insgesamt bieten sich weniger nachbarschaftliche Kontaktmöglichkeiten, d.h. Kinder finden sich weniger spontan zusammen und verbringen weniger Zeit zusammen. Oft bietet hauptsächlich die Schule Kontaktmöglichkeiten zu Gleichaltrigen. → Freundschaften werden bedeutsamer, da sie bewusst geschlossen werden müssen. Durch den zunehmenden Verkehr wurde den Kindern die Straße als Spiel- und Aufenthaltsraum genommen und stellt eine Gefahr dar. Es kommt zu einer Trennung der Räume für Spielen, Wohnen und Arbeiten → oft werden den Kindern zum Spielen bestimmte Räume zugewiesen (z.B. Spielplätze) Folgen sind: geringere Bedeutung der Straßensozialisation oft müssen weite Anfahrten aufgenommen werden, um sich mit Gleichaltrigen zu treffen (→ weniger spontan, Abhängigkeit von den Eltern) Zeiher: „Verinselung“ / „Verhäuslichung“ der Kindheit
- Aspekte veränderter Kindheit - Lebenswelt Übersicht Lebensraum Konsumverhalten Freizeitgestaltung Medien Multikulturalität Bedrohungen der Kindheit
- Aspekte veränderter Kindheit - Konsumverhalten Ein weiterer Aspekt mit großem Einfluss auf die Lebenswelt ist das Konsumverhalten: Kinder haben heute eine erhebliche Kaufkraft Werbeindustrie hat Kinder als eigene Zielgruppe entdeckt → Wünsche und Bedürfnisse werden geweckt; Beeinflussung der Kinder → Gefahr des Konsumdrucks in sozialen Kontexten die große Menge an verfügbarem Spielzeug hat verschiedene Effekte: → einerseits Verlust von Kreativität und Eigenaktivität bei manchem „fertigem“ Spielzeug → andererseits teilweise Überpädagogisierung von Spielzeug (manche Lernspiele)
- Veränderte Kindheit - Institutionalisierte Freizeiteinrichtungen Das Angebot an institutionalisierten Freizeiteinrichtungen hat stark zugenommen: Angebote werden nun auch immer jüngeren Kindern eröffnet (Judo, Tennis, Schwimmen,..), z.B. ab Vorschulalter Kurse in VHS (Basteln, Backen, Kochen) für Dinge, die sonst zu Hause normal waren Betreuung und Förderung wird zunehmend pädagogischen Experten übertragen Institutionalisierte Angebote werden aber nicht von allen Kindern in gleicher Weise genutzt → im Durchschnitt 1-2 Angebote pro Woche genutzt (manche an viel mehr, manche gar nicht) → bevorzugt werden Sportangebote → Kinder aus bildungsorientierten Elternhäusern: besuchen eher schulnahe/ kostenintensive Kurse (Musikinstrument), Kinder unterer sozialer Schichten eher preisgünstige Angebote
- Veränderte Kindheit - Medien Daneben spielen natürlich die Medien eine große Rolle in Freizeit und Leben der Kinder: elektronische Medien sind fester Bestandteil des Lebens der Kinder; Kinder machen schon sehr früh mediale Erfahrungen Fernsehen häufigste mediale Freizeitbeschäftigung: 78% der Kinder sieht jeden Tag oder fast jeden Tag fern, 37% der 9-11jährigen sieht täglich 1-2h fern häufig haben Kinder eine höhere Medienkompetenz als ihre Eltern prinzipiell ermöglichen Medien den Kinder die Möglichkeit, sich Informationen unabhängig vom Bildungsstand der Eltern zu verschaffen aber: Medien wie TV / PC werden primär zur Unterhaltung genutzt Kinder werden durch Medien stark beeinflusst (z.B. Anregung zum Konsumverhalten)
- Ambivalenz der Medien nach Holtappels „Medien können Kinder zur Passivität verleiten und negative Einflüsse auf ihre Entwicklung bewirken, aber auch anregend sein, Informationsfülle liefern, Weltsicht erweitern.“ Reizüberflutung vs. Entspannung Zeitverlust vs. Zeitgewinn Realitätsflucht vs. Realitätskonfrontation Kommunikationsverarmung vs. Kommunikationszuwachs Erfahrungen aus 2. Hand vs. Informationsgewinn
- Gefahren durch Medien nach von Hentig „Die mediale Wirklichkeit ist aufregend, extrem, glanzvoll und übertrifft in Allem meine kleine erlebbare Umwelt und macht sie unbedeutend“ Körperliche Verfassung → Bewegungsmangel, Destruktion der Sinne durch permanente Überstimulation Verfrühung → Medien entdeckten das Kind als Konsument, und wecken häufig nicht kindgemäße Wünsche, dies kann zu Abhängigkeiten, Unselbständigkeit und Identitätsverlust führen Vereinsamung → Verlust der Gemeinschaft - Werte wie Zusammengehörigkeit, Rücksichtnahme, Mitfühlen, Helfen, Konfliktbewältigung gehen verloren, Kommunikationslosigkeit durch fehlende soziale Interaktionen „Sekundäre Wirklichkeit“ → Verzerrte Wertorientierung - Fiktion und Wirklichkeit können nicht mehr unterschieden werden Kinder müssen eine Medienerziehung erhalten, um verantwortungsbewusst und kritisch mit Medien umgehen zu können!
- Veränderte Kindheit - Multikulturalität Heute ist es für die meisten Kinder normal, in Multikulturalität aufzuwachsen: sie haben direkten oder indirekten Umgang mit verschiedenen Kulturen, Sprachen und Religionen. In vielen Klassen ist der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund relativ hoch. 30% der 5-10-jährigen haben einen Migrationshintergrund die Hintergründe für Migrationserfahrungen sind sehr unterschiedlich (Arbeitsmigranten, Flüchtlinge, angeworbene Experten...) → daraus resultiert auch eine unterschiedliche Dauer und Perspektive des Aufenthalts (neu zugereiste Familien vs. Familien, die schon seit Generationen hier leben) → unterschiedliche Sprachkenntnisse, Kulturen, Erwartungen ins Bildungssystem die Verteilung in Regionen und Schulen ist sehr unterschiedlich Studie von Küffer: Untersuchung von 24 Klassen zeigte eine enorme sprachliche Heterogenität auf; 72 verschiedene Staatsbürgerschaften, über 100 verschiedene Sprachen / Sprachkombinationen CAVE: Im Zusammenhang mit erhöhter Heterogenität dürfen Migrantenkinder nicht per se als Problem betrachtet werden, es gibt zwar viele Migrantenkinder mit großen Verständnisproblemen, aber auch Kinder, die überhaupt keine Schwierigkeiten haben. Es handelt sich um eine sehr heterogene Gruppen, deren Mitglieder sich in vielen Faktoren unterscheiden wie z.B.: Dauer der Kontakte mit deutscher Kultur Unterschiedliche Region, Kultur und Entwicklungsstand im Herkunftsland Unterschiedliche Zukunftsaussichten und mögliche Remigration Unterschiedliche Einstellungen zu Formen schulischen Lernens
- Veränderte Kindheit - Bedrohungen der Kindheit Laut Fölling-Albers gibt es in der heutigen Zeit auch zahlreiche Faktoren in der Lebenswelt des Kindes, die eine Bedrohung der Kindheit darstellen: Hilflosigkeit gegenüber den Anforderungen der Risikogesellschaft (z.B. Leistungsdruck) Aufgeklärtheit der Kinder durch die Medien über Erwachsenenthemen / Erwachsenenprobleme Kinder werden häufig Opfer von Gewalt oder Sexualverbrechen Armut → seit den 90er Jahren ist Kinderarmut kontinuierlich gestiegen; etwa 10% der Kinder gelten als arm → Hauptproblem ist die Beschränkung der Teilnahme am kulturellen Leben (weniger Nutzung von institutionalisierten Förder- und Freizeiteinrichtungen, weniger Teilnahme an schulischen Ausflügen in Theater, Schullandheim etc.) → arme Kinder geben öfter an, sich in der GS nicht wohl zu fühlen Vergrößerung der Schere zwischen steigendem Wohlstand und neuer Armut
- Veränderte Kindheit - Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern Laut Smith & Rutter konnte in den letzten Jahrzehnten auch ein Anstieg von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern beobachtet werden. Dies kann teilweise auf die vorher genannten Einflüsse zurückgeführt werden (z.B. Auflösung der Familienstrukturen, erhöhter Medienkonsum, Vereinsamung...) Berg unterscheidet nach verschiedenen Auswirkungen der Verhaltensauffälligkeiten nach: 1. aktiv störende VA 2. Störungen d. Arbeitsverhaltens 3. nach innen gerichtete VA Kern: Aggressionen gegen Mitschüler, Wutanfälle, Sachbeschädigung oder auch Disziplinschwierigkeiten, motorische Unruhe, Ungehorsam Kern: mangelnde Leistungsmotivation, Ungenauigkeit, Ablenkbarkeit, Leistungen entsprechen nicht den Fähigkeiten Kern: Angst, psychosomatische Beschwerden, mangelndes Selbstvertrauen Betrifft: Elternhaus und Schule Betrifft: Schule Betrifft: Elternhaus und Schule Faktoren, die Verhaltensauffälligkeiten begünstigen können sein: Geschlecht (Jungen neigen eher zu Aggressivität und Unruhe) Temperament psychische Probleme oder Abhängigkeiten der Eltern inkonsequente Erziehungsstile akute Belastungen (Trennung der Eltern, Todesfälle, Umzüge...)
- Konsequenzen der veränderten Kindheit für die Schule - Allgemein CAVE: Man darf nicht nur die negativen Aspekte der veränderten Kindheit sehen. Es gibt zahlreiche positive Faktoren (z.B. mehr Selbstständigkeit, größeres Vorwissen), die entsprechend genutzt werden können. Genauso gelten nicht alle vorher beschriebenen Faktoren / Veränderungen für alle in Kinder in dem gleichen Maß: Kinder kommen heute mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen in die Schule (→ Stichwort Heterogenität). Man kann also nicht mehr von DER Kindheit sprechen. Die Grundschule hat einen Bildungsauftrag und ist eine gesellschaftliche Institution, in der viele verschiedene Kinder gleichzeitig unterrichtet werden (siehe dazu Skript Aufgaben der GS). Meyer-Drawe bringt das daraus resultierende Problem auf den Punkt: Die GS muss eine zweifache Aufgabe erfüllen, zwischen der prinzipiell ein Widerspruch verbirgt: sie muss ein notwendiges Maß an allgemeiner Bildung für alle Heranwachsenden vermitteln, Bildungsgerechtigkeit schaffen und Gemeinsamkeit gestalten und zwar so, dass der Verschiedenheit der Schüler dabei Rechnung getragen wird und die Ausbildung von Individualität ermöglicht wird Ziel muss eine Balance zwischen Vielfalt und Gemeinsamkeit sein! Aus den oben dargelegten Veränderungen für die Kindheit lassen sich zwei zentrale Aufgaben für die Grundschule ableiten: Kompensation: fehlende Erfahrungen im Bereich der Wahrnehmung und der sozialen Interaktion müssen in der Schule kompensiert werden, um eine effektive Lerngrundlage zu schaffen. Individualisierung/ Differenzierung: um dem unterschiedlichen Entwicklungsständen und Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden muss sich Schule verabschieden von einem Lernen im Gleichschritt. Stattdessen sind vielfältige Formen der Individualisierung und Differenzierung gefragt. Dabei sollte aber die Vermittlung einer gemeinsamen Bildungsbasis nicht aus den Augen verloren werden. Möglichkeiten dazu bieten sich in offenen Unterrichtsformen, im Projektunterricht sowie in der Anlehnung an reformpädagogische Elemente
- Aufgaben der Schule bezogen auf veränderte Kindheit - Lebensbereich Familie Stärkung des sozialen Lernens, um fehlende Erfahrungen mit Gleichaltrigen aufgrund von Ein-Kind-Familien auszugleichen vermehrtes Angebot an Ganztagsschulen, um der verstärkten Berufstätigkeit beider Elternteile gerecht zu werden partnerschaftlicher Umgang zwischen Lehrer und Schüler, Mitsprache ermöglichen, um auf das veränderte Verständnis von Erziehung in den Familien zu reagieren Akzeptanz verschiedener Lebens- und Familienformen (z.B. in Schulbüchern) Schaffung von Lern- statt Leistungssituationen, um einen Gegentrend zum Leistungs- und Selektionsdruck zu setzen Vermehrte Elternarbeit, um einerseits Eltern Unterstützung bieten zu können und andererseits den erhöhten Ansprüchen der Eltern gerecht zu werden Veränderte Formen der Leistungsbewertung, um sie transparent und nachvollziehbar zu gestalten
- Aufgaben der Schule bzgl. veränderter Kindheit - Lebenswelt Stärkung des sozialen Lernens, um fehlende Erfahrungen mit Gleichaltrigen aufgrund von eingeschränkten Freundeskreisen auszugleichen Primäre Erfahrungen in der Natur ermöglichen, um auf die Verhäuslichung und die sekundären Erfahrungen durch die Medien zu reagieren Kindern und ihrer Spontaneität Raum geben, → um ungeplantes Spiel zu ermöglichen und der Verinselung entgegenzuwirken → um die Pädagogisierung von Kinderorten und Kontrolle der Eltern auszugleichen Interkulturelles Lernen, um die Chancen der Pluralität der Lebensformen und Kulturen aufzugreifen Schlüsselqualifikationen vermitteln, um auf die Anforderungen der Berufswelt vorzubereiten Eigeninitiative der Schüler stärken, um die Verplanung von Kindheit auszugleichen Entdeckendes Lernen in der Schule ermöglichen, um auf die Institutionalisierung von Kindheit zu reagieren Kreativitätsförderung und Selbsttätigkeit, um die Freizeit mit vorgefertigtem, unkreativem Spielzeug zu kompensieren Erhöhte Bedeutung der Spielpädagogik, um einen Ausgleich zur organisierten Freizeit und zum Bewegungsmangel zu schaffen Stärkung des Sportes und Sportförderunterrichts, um Haltungsschäden und motorische Schwierigkeiten entgegenzuwirken oder zu mindern
- Aufgaben der GS bzgl. veränderte Kindheit - Medien Lernen lernen, um aus dem erhöhten Informationsangebot einen effektiven Nutzen ziehen zu können Primärerfahrungen ermöglichen, um die Erfahrungen aus zweite Hand durch Fernsehen, PC und Co. auszugleichen Stärkung des Selbstbewusstseins, um negativen Einflüssen von Medien und Konsum begegnen zu können Erhöhte Bedeutung der Medienerziehung, → um die Schüler für die Wirkung von Werbung zu sensibilisieren → um einen effektiven und sinnvollen Umgang mit den verschiedenen Medien zu vermitteln → um die Kompetenzen der Kinder in diesem Bereich zu nutzen und ihnen Könnens- Erfahrungen zu ermöglichen Stärkung des sozialen Lernens und der Spielpädagogik, um alternatives Freizeitverhalten zu zeigen Lernen mit allen Sinnen, um einen Ausgleich zur audiovisuellen Dominanz der Medien zu schaffen Rhythmisierung in der Schule, um auf die verzerrte zeitliche Darstellung in Medien zu reagieren
- Aufgaben der GS im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten Aufgaben im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten Prävention durch erzieherisches Verhalten: klare Regeln, klare Strukturen, Milderung des Leistungsdrucks, akzeptierende Grundhaltung... Intervention → Über- und Unterforderung durch Differenzierung begegnen → rasches Eingreifen bei Störungen → Gespräche mit Schülern und ggf. auch mit den Eltern → Gründe für Verhaltensauffälligkeiten ermitteln → ggf. zu Arztbesuch raten
- Begriff Heterogenität - Überblick Heterogenität kann übersetzt werden mit Uneinheitlichkeit / Verschiedenheit → heteros (griech.) = verschieden Definitionen von Heterogenität: Prengel Bartnitzky
- Definition Heterogenität nach Prengel Heterogenität kann deskriptiv benutzt werden, um Verschiedenartigkeit zu beschreiben oder präskriptiv als Kategorie für den wünschenswerten Umgang mit Heterogenität. Es liegt dem Begriff ein Verständnis zu Grunde, das Unterschiedliches nicht in Rangfolgen einander unter- oder überordnet, sondern gleichwertig nebeneinander bestehen lässt und als bereichernde Chance sieht. Spricht man von Heterogenität, muss man präzisieren, in welcher Hinsicht ein Unterschied konstatiert wird (s.u.: Facetten der Heterogenität). Wichtig ist auch, nicht nur dualistisch zu unterscheiden (z.B. zwischen Jungen und Mädchen, Ausländern und Deutschen, Behinderten und Nicht-Behinderten usw.), sondern zu beachten, dass Heterogenitätsdimensionen nicht statisch, sondern veränderlich sind → Ansonsten Gefahr von Klischees und Vorurteilen!
- Facetten der Heterogenität nach Bartnitzky Um die Heterogenität besser erfassen zu können, muss sie in mehreren Facetten beschrieben werden. ABER: Nicht auf alle Mitglieder einer Gruppe müssen alle Merkmale zutreffen; Variationen können auch kombiniert auftreten. Einige Aspekte von Heterogenität sind relevanter als andere manche haben direkte oder indirekte Folgen für das Lernen oder Leisten, manche wirken sich auf das gesamte schulische Leisten aus, manche nur auf bestimmte Lernbereiche manche sind auch völlig irrelevant In diesem Zusammenhang unterscheidet Bartnitzky verschiedene Facetten von Heterogenität: Mädchen und Jungen Heterogenität der individuellen Lerndisposition (Lernen und Leisten) Heterogenität des sozioökonomischen Hintergrunds Ethnische und kulturelle Heterogenität Sprachliche Heterogenität Religiöse/Weltanschauliche Heterogenität Spezielle Bedürfnisse (special needs: LRS, ADHS, Hochbegabte, Behinderte,.....)
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- Heterogenität zwischen Mädchen und Jungen Kinder haben ihre Geschlechtsidentität bereits vor der Schule erworben und bestimmte Geschlechtsschemata entwickelt, die während der Schulzeit durch Spiele und soziale Praktiken weiter ausdifferenziert werden. Nach Kaiser sind individuelle Unterschiede innerhalb der Geschlechtergruppen eigentlich größer als zwischen den Geschlechtergruppen, aber durch geschlechtsspezifische Erwartungen und Handlungsmuster der Gesellschaft kommt es zu einer Geschlechtersozialisierung. Beispiele hierfür sind: stereotype Lebensentwürfe der Kinder nach Geschlecht geschlechtspolare Spielsachen... → Dies führt zu Verhaltensunterschieden zwischen Jungen und Mädchen in verschiedenen Bereichen, z.B. Spiel, Sprache... Schulische Unterschiede (Leistungen und Interessen) zwischen Mädchen und Jungen nach Kaiser: Mädchen zeigen weniger Interesse an Naturwissenschaften Mädchen haben größere Schwächen im räumlichen Denken Mädchen zeigen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich schlechtere Leistungen in Vergleichsstudien Mädchen schneiden aber besser ab, wenn es in einer Aufgabe darum geht, begriffliche Konzepte zu verknüpfen Mädchen zeigen bessere Leistungen bzgl. Leseverständnis und Rechtschreibung (Ergebnisse der IGLU-Studie; nach Bartnitzky) Mädchen zeigen bessere Leistungen wenn es um Standardverfahren geht (d.h. um das sicher und systematisches Abarbeiten von Verfahren) Jungen zeigen im Durchschnitt die schlechteren Schulleistungen Jungen zeigen eine unterdurchschnittliche Lesekompetenz in Vergleichsstudien aber: bessere Leistungen in Mathematik und SU (Ergebnisse der IGLU-Studie; nach Bartnitzky) Jungen fällt es leichter, eigenständige Lösungsstrategien zu entwickeln Jungen sind im Bildungsgang öfter von Ausgrenzungen betroffen Jungen werden öfter in der Einschulung zurückgestellt der Anteil an Jungen in Sonder- und Sprachheilschulen ist höher der Großteil der Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen ist männlich öfter Verhaltensprobleme und emotionale Defizite als Begabungsprobleme CAVE: heute gelten Jungen als Risikogruppe in der Schule: schneiden mit 15 schlechter beim Lesen ab, bei Schulabbrechern, Sitzenbleibern, Sonderschülern höher repräsentiert Ungleichbehandlung: Mädchen werden nach Valtin/Wagner/Schwippert systematisch besser benotet; Jungen haben weniger männliche Bezugspersonen, Schule eher auf Mädchen zugeschnitten Existenz eines „heimlichen Lehrplans der Geschlechtererziehung“ (Heinzel/Prengel 2001), der dafür sorgt, dass Mädchen und Jungen Bildungsangebote unterschiedlich nutzen können → auch Kaiser spricht von einem „feministischen Curriculum“
- Altersheterogenität Bezüglich dem Alter lassen sich zwischen den einzelnen Klassen große Unterschiede feststellen: Bildung von Jahrgangsklassen führt nur bedingt zu altershomogenen Klassen Durch Einschulungsregeln ergibt sich im Normalfall eine Spanne von einem Jahr Durch Früheinschulungen, Zurückstellungen und Wiederholungen vergrößert sich aber die Spanne Roßbach und Tietze (1996) fanden bei Schülern der zweiten und vierten Jahrgangsstufe auf der Individualebene jeweils Altersstreuungen von gut 6 Monaten (Abweichungen vom Mittelwert im Alter) Aber: in altershomogensten Klassen betragen sie z.B. nur 3 Monate und in altersheterogensten fast 10 Monate Allerdings sagt das Alter alleine nicht unbedingt viel über die tatsächliche Heterogenität in den Schulklassen aus, viel entscheidender ist das eigentliche Entwicklungsalter (Kind verfügt über die durchschnittliche Kompetenz eines Kindes im entsprechenden Alter): Oerter: zu Schulbeginn haben die Schulanfänger einen Entwicklungsunterschied von bis zu 2 Jahren Variabilität des Entwicklungsalters bei Kinder des selben Alters in Lebensjahren ist groß: nach Largo/Beglinger sind bei 20 Kindern nur 6 genau auf dem Standpunkt eines 7-jährigen wenn sie 7 Jahre alt sind, die anderen sind darunter oder darüber es lassen sich Entwicklungsunterschiede in Lernvoraussetzungen von bis zu 3 Jahren feststellen innerhalb einer Klasse (Neuhaus-Siemon 1993)
- Definition Lernvoraussetzungen (Seibert) Lernvoraussetzungen „sind all die Bedingungen und Faktoren, die den Schüler in seiner Entwicklung, in seiner Lern- und Lebensgeschichte fördern, aber auch hemmen können – die unbedingte Grundlage für das differenzierende Bemühen des Lehrers sein müssen.“ Seibert teilt die LV in verschiedene Bereiche ein: kognitive LV sprachliche LV emotionale LV motivationale LV individuelle LV
- Kognitive Lernvoraussetzungen Intelligenz, Lerntyp, Abstraktionsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung, Vorwissen, LRS, Dyskalkulie Die Fähigkeit eines Schülers, den Lerninhalt sachlich zu durchdringen und zu verarbeiten. Dabei wird der Lerninhalt in Sinnzusammenhänge eingeordnet und es werden neue Anwendungsgebiete erschlossen, Bekanntes wird auf Neues transferiert. Der Schüler benötigt dazu z.B. Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit, schlussfolgerndes und abstrahierendes Denkvermögen, Logik und Kreativität. Der Lehrer muss sich hier die Frage stellen, welche kognitiven Faktoren beim Unterricht ausschlaggebend sind in Bezug auf Lerntyp, Abstraktionsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung.
- Sprachliche Lernvoraussetzungen - Notwendige Maßnahmen in der Schule Der Weiterentwicklung und Pflege der Sprache kommt gerade im Unterricht entscheidende Bedeutung zu, nachdem durch Überangebote in der Medienlandschaft mehr das passive Sprachverhalten gefördert wird, als zur tätigen und aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt anzuleiten. => Erfahrungsverlust Es ist daher wichtig, für den Unterricht zu beachten, dass genügend Zeiträume geschaffen werden, um Erlebnisinhalte zu versprachlichen und Wörter und Floskeln auf ihren Bedeutungsgehalt hin zu prüfen.
- Emotionale Lernvoraussetzungen Dazu zählen: Frustrationstoleranz, Umgang mit Leistungssituationen, Sozialer Vergleich (Attribuierung), Prüfungsangst Emotionale LV sind wichtig, denn der Mensch wird nicht nur durch Einsicht sondern vor allem durch Gefühle bestimmt. Auch beim Lernen spielen rationale und emotionale Faktoren eine Rolle. Konsequenzen für den Unterricht: Eine angenehme Atmosphäre (Vertrauen, Geborgenheit, Erfolgserlebnisse) bedingt in großem Maße den Lernerfolg. Der Lehrer sollte die Emotionalität im Unterricht berücksichtigen in Form von: Hilfe für sozial schwierige Schüler, Auffangen von Misserfolgen, persönlicher Bezug zu den Schülern, anregen von Denken durch Emotion Lerninhalte, diemit Emotionen verknüpft sind, werden besonders langfristig gespeichert. Die emotionalen Lernvoraussetzungen sind engverbunden mit motivationalen LV.
- Motivationale Lernvoraussetzungen Anstrengungsbereitschaft, Interesse, Einstellung zum Lernen, Lernmotivation, Selbstwirksamkeitserwartung z.B. durch die Familie und das soziale Umfeld beeinflusst Motivationale und emotionale Lernvoraussetzungen sind eng miteinander verbunden. Bedingungen, die dazu beitragen, dass Schüler sich für Lerninhalt interessiert Motivation in Verbindung mit Leistungsbereitschaft entsteht vornehmlich dann, wenn Anforderungs- und Anspruchsniveau etwa deckungsgleich sind. Motivationale Lernvoraussetzungen des Schülers spiegeln seine Bedürfnisse wider. Der Lehrer muss sich fragen, wie er Schüler für Lerninhalte interessieren kann, so dass sie bereit sind, sich anzustrengen und Durchhaltevermögen zu zeigen. Möglichkeiten hierfür sind z.B. originale Begegnung, Eigentätigkeit, etc.
- Individuelle Lernvoraussetzungen Können nur schwer von den übrigen Bedingungen des Lehrens und Lernens getrennt werden, da sie alle Bereiche tangieren, die Unterricht und Erziehung betreffen Die persönlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen des Schülers, die alle Bedingungen des Lehrens und Lernens berühren. Der Schüler muss in seiner Gesamtheit gesehen werden. Der Lehrer muss hierzu persönliche Neigungen, Fähigkeiten, den Entwicklungsstand und die Entwicklungsgeschichte so wie das soziale Umfeld (Klasse, Familie, ...) mit berücksichtigen.
- Differenzierung der Lernvoraussetzungen nach Glöckel Glöckel unterscheidet zwischen Lernvoraussetzungen ersten Grades (die Fähigkeiten und Fertigkeiten,die der Schüler mitbringt) und Lernvoraussetzungen zweiten Grades(Fähigkeiten und Fertigkeiten, die der Schüler durch Unterstützung des Lehrers erlangen kann). Außerdem gibt es immer nur Lernvoraussetzungen im Hinblick auf ein bestimmtes Lernvorhaben bzw. Lernziel, und es gibt sie nur für einen bestimmten Moment im lebenslangen Lernprozess; denn Lernen schafft stets Voraussetzungen für neue Lernvorgänge. → Es gibt unterschiedliche Lernvoraussetzungen, die wiederum von verschiedenen Einflüssen und Bedingungen abhängig sind
- Lerndispositionen nach Carr Interesse zeigen sich Dingen und Personen aufmerksam zuwenden Bereitschaft und Fähigkeit, sich für eine bestimmte Zeit auf etwas einzulassen Fähigkeit, auch bei Schwierigkeiten und Unsicherheiten eine Tätigkeit auszuführen Bereitschaft, sich mit anderen auszutauschen, sich ihnen mitzuteilen, sowie die Übernahme von Verantwortung Diese Lerndispositionen sollten noch um den Faktor Vorwissen ergänzt werden: Die LOGIK-Studie zeigte, dass bereichsspezifische Vorkenntnisse bedeutsamer für den Lernerfolg waren, als die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit.
- Entwicklung von Begabungen Bronfenbrenner (1983): Kind, das in einer Familie mit engem Handlungsspielraum lebt und mit dem wenig kommuniziert wird, entwickelt weniger Begabungen als ein Kind, das in einem aktivem Umfeld aufwächst Laut dem „Münchner“ Begabungsmodell von Heller (Einsatz u.a.zur Feststellung von Hochbegabung) ist Begabungsentwicklung eine Interaktion von personeninternen Anlagefaktoren und personenexternen Sozialisationsbedingungen Begabungsfaktoren (intellektuelle Fähigkeiten, Kreativität, soziale Kompetenz, Musikalität, Psychomotorik) nicht-kognitive Persönlichkeitsmerkmale (Stressbewältigung, Leistungsmotivation, Arbeits-/Lernstrategien, (Prüfungs-)Angst, Kontrollüberzeugungen) Umweltmerkmale (Familienklima, Klassenklima, kritische Lebensereignisse) Leistungsbereiche (Sport, Sprachen, Naturwissenschaften, Kunst/Musik/Malen, Technik, abstraktes Denken, Mathematik, soziale Beziehungen) Problem: das oft bereits in der ersten Klasse sehr ausdifferenzierte Weltwissen wird rigoros auf schmales Schulwissen eingeschränkt → Interessen und Begabungen einiger Kinder bleiben auf der Strecke → notwendig ist Akzeptanz der Heterogenität der Begabungen und die Einsicht, dass sich Begabungen entwickeln können
- Untersuchungen zur Heterogenität der Schulleistungen ROßBACH & TIETZE (1996): untersuchten die Variabilität der Schülerleistungen & Lernvoraussetzungen an 2. & 4. Klassen sie fanden erhebliche Unterschiede in den Schulleistungs- und Intelligenztests: Z.B. im Zahlenrechnen weicht 1/3 der Schüler 20% oder mehr vom Klassendurchschnitt ab für die 2. Klasse zeigte sich zudem: je niedriger das Leistungsniveau ist, desto heterogener ist sie. SCHOLASTIK-Studie (1997): erhebliche interindividuelle Unterschiede z.B. im Leseverständnis und im Rechtschreiben. In nahezu allen untersuchten Entwicklungsbereichen bleiben die relativen Leistungspositionen der Schüler über die Grundschulzeit konstant. Schereneffekte (d.h. anfänglich schlechte Rechtschreiber verlieren mit der Zeit immer mehr an Boden) wurden nicht gefunden RABENSTEIN, SCHORCH & TREINIES (1998): Überprüfung des Leistungsstands am Ende des ersten Schuljahres in 10 Klassen In ihrem Test zur Rechtschreibung, zu Mathematik und zum Lesen konnten die Kinder maximal 31 Punkte erreichen. In den homogensten Klassen liegen der schlechteste und der beste Schüler um 19 Punkte auseinander, in den heterogensten Klassen um 31 Punkte. MARTSCHINKE & KAMMERMEYER (2003): Schulanfang: erhebliche Unterschiede in der phonologischen Bewusstheit (wie auch im Selbstkonzept und im Schriftspracherwerb) zwischen den Klassen als auch innerhalb der Klassen. Bei einer Höchstpunktzahl von 48 Punkten liegen die klassenspezifischen Durchschnitte für die schlechteste und die beste Klasse um fast 10 Punkte auseinander. In der homogensten Klasse beträgt die Spannweite zwischen dem schlechtesten und dem besten Schüler 25,5 Punkte, in der heterogensten aber 39,5 Punkte. HASEMANN (2003): deutliche Unterschiede in der Zahlbegriffsentwicklung zum Schulanfang Im Maximum können bei seinen Tests 40 Aufgaben richtig gelöst werden. Viele Kinder gelang es allerdings nur 5 Aufgaben richtig zu lösen. Fazit: erhebliche Leistungsstreuung, allerdings zeigt IGLU 2006, dass Leistungsstreuung im internationalen Vergleich nicht sonderlich auffällig ist (im internationalen Vgl. eher homogene Schülerschaft)
- Sprachliche Heterogenität → kann sich aufgrund eines Migrationshintergrunds ergeben (s.o.) ca. 1/3 aller Kinder wächst mit mehr als einer Sprache auf → bilinguale Familien → Kinder die im Kindergarten Deutsch gelernt haben → Kinder die erst in der GS Deutsch lernen Mehrsprachigkeit sollte als Gewinn gesehen werden: List: „ Von früh an mit mehr als einer Sprache aufzuwachsen, bedeutet also eine Chance für den Intellekt auch für soziale Flexibilität, Empathie und Neugier auf Vielfältigkeit. Mehrsprachigkeit birgt daher ein wertvolles Potential, das sich keineswegs in dem offenkundigem Vorurteil erschöpft, dass sie Verständigung über die Landessprache ermöglicht.“ Herkunftssprache ist Teil der Identität → keine Verbote z.B. auf Pausenhof, wegen Wegnahme der Identität => Recht auf eigene Sprache ( „Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte vom 19. Dezember 1967“) → Möglichkeiten der Einbeziehung in den Unterricht geben bei mehrsprachigen Kinder, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, sollte dies nicht auf die Mehrsprachigkeit an sich zurückgeführt werden, sondern auf die nicht ausreichende Vertrautheit mit der Schulsprache Deutsch → v.a. Schriftsprache hat eine komplexere Struktur und eine höhere lexikalische und grammatikalische Dichte → Gogolin: Sprachentwicklungsstörungen/verzögerungen bei Kindern mit Migrationshintergrund im üblichen Umfang von 5-6% der Kinder
- Religiöse und weltanschauliche Heterogenität unterschiedliche Weltanschauungen und Ausleben der Religiosität Frage nach Pluralisierung im Religionsunterricht: Diskussionen für und wider Islamunterricht Kinder und Jugendliche sollen lernen eigene Überzeugungen zu entwickeln und die der anderen zu respektieren => Austausch Weltdeutung und Sinnstiftung durch religiöse und nicht-religiöse Überzeugungen Konfliktfälle bei unterschiedlichen Überzeugungen (Ausschlüsse von Kindern aus Aktivitäten wegen religiösen Gründen,....)
- Unterschiede zwischen Kindern (neben Bartnitzkys Facetten der Heterogenität) - Übersicht somatische Unterschiede emotionale Unterschiede
- Somatische Unterschiede zwischen Kindern → körperliche Merkmale und Erscheinungsbild des Schülers bereiten dem Lehrer wahrscheinlich am wenigsten Probleme → ABER: Das äußere Erscheinungsbild eines Kindes kann auf Lehrer und Mitschüler im Sinne einer impliziten Persönlichkeitstheorie wirken und den sozialen Status eines Kindes beeinflussen → Die Entwicklung von Sympathie oder Antipathie basiert in der Regel auf spontanen, unreflektierten Bewertungen einzelner äußerer Merkmale (Halo- Effekt) → Neben diesen äußeren Merkmalen gibt es auch Merkmale, die erheblich zum Gelingen des Schulalltags beitragen und die deshalb auch als Voraussetzungen für die Schulfähigkeit angesehen werden: Gesundheit, körperl. Belastbarkeit, Kraft, Ausdauer, gesamter körperl. Entwicklungsstand, Motorik, Feinmotorik, Koordinationsfähigkeit
- Emotionale Unterschiede zwischen Kindern → Langzeitstudien weisen nach, dass der Lebenslauf eines Menschen von Kindheit an durch seine emotionalen Fähigkeiten beeinflusst wird. → „Die emotionale Intelligenz ist eine Meta- Fähigkeit, von der es abhängt, wie gut wir unsere sonstigen Fähigkeit, darunter auch den reinen Intellekt, zu nutzen verstehen.“ → Dem Lehrer muss die Bedeutsamkeit der emot. Entwicklung bei Kindern bewusst sein. Emotionen der Kinder beobachten und ernst nehmen! → Lernziele: Schüler ermutigen, ihre Gefühle wahrnehmen & sozialverträglich zum Ausdruck bringen, Gefühle anderer zu deuten und zu respektieren (Lehrervorbild) → Emotionen beeinflussen die Stimmungen, das Temperament sowie das Erscheinungsbild (implizite Persönlichkeitstheorie bei Lehrer und Mitschüler) eines Menschen und gleichzeitig dessen Entwicklung und Lebenslauf → GOLEMANN: → durch eine schülerorientierte Unterrichtsgestaltung und akzeptierende Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler können positive Bedingungen für die emot. Entwicklung der Kinder geschaffen werden
- Warum ist die Heterogenität in der Grundschule größer als in anderen Schulen? „Grundschule als erste gemeinsame Schule für alle Kinder“ Dieser Anspruch hat seinen Ursprung in der Weimarer Zeit und führt dazu, dass man in der Grundschule die größte Heterogenität im Vergleich zu anderen Schulen hat. → unausgelesene Schülerpopulation → große Variabilität von Leistungen, Lernvoraussetzungen und familiären Hintergrundmerkmalen
- Herausforderung bei der Erfüllung des Bildungsauftrags hinsichtlich der Heterogenität Meyer-Drawe bringt das Problem auf den Punkt: Die GS muss eine zweifache Aufgabe erfüllen, zwischen denen prinzipiell ein Widerspruch verbirgt: sie muss ein notwendiges Maß an allgemeiner Bildung für alle Heranwachsenden vermitteln, Bildungsgerechtigkeit schaffen und Gemeinsamkeit gestalten und zwar so, dass der Verschiedenheit der Schüler dabei Rechnung getragen wird und die Ausbildung von Individualität ermöglicht wird Ziel muss eine Balance zwischen Vielfalt und Gemeinsamkeit sein!
- Belastungen durch Heterogenität nach Bartnitzky - Übersicht → Belastungen sind hier gleichzusetzen mit besonderen Herausforderungen hoher Anspruch an die Lehrer: Lehrer muss differenzieren, um den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden Aus den jeweiligen Facetten der Heterogenität nach Bartnitzky ergeben sich Belastungen für Lehrer und Schule und Lernprozess: Belastungen durch Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen Belastungen durch Heterogenität der Lerndispositionen Belastungen durch Heterogenität des familiären Hintergrunds Belastungen durch spezielle Bedürfnisse Belastungen durch Heterogenität bzgl. Alter und Entwicklungsstand