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Globalgeschichte (Subject) / sexuallität 20.jh (Lesson)

sexualität 20.jh

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  • 1. Wie hat sich die Einstellung zu Homosexualität und AIDS in Russland seit 1980 geändert? Ab 1933 wurde unter Stalin der Strafparagraph für homosexuelle Menschen mit mehrjährigen Haftstrafen und Psychiatrisierungen eingeführt. Homosexualität wurde als psychische Krankheit angesehen, die es mit Hilfe von Einweisungen in Anstalten für psychischkranke Menschen zu therapieren galt. Diese Maßnahmen wurden bis 1989 durchgeführt. In den 1980er Jahren kam die AIDS-Panik hinzu, die dazu führte, dass über Sexualität gesprochen wurde. Die Debatte über HIV–Infektionen war der Grund warum Homosexualität ein öffentlich besprochenes Thema wurde, was positive, aber auch negative Effekte hatte. Vorher war es kein Thema, wurde geheim gehalten, d.h. war sehr privat und man glaubte nicht, dass es sie gibt. Besonders in konservativen Kreisen wurden das Thema rund um Homosexualität sehr negativ bewertet, z.B. Rasputin „Homosexualität ist wie Nekrophilie“. Besonders Männern fiel es schwer über Homosexualität reden. Der Sexualwissenschaftler Igor Kon dazu, dass eine große Aggressivität der Männer gegenüber Schwulen gegeben war, denn: „Ein normaler Mann kann auf Schwule nicht ruhig reagieren! es ist Patriotenpflicht sich gegen Schwule zu wenden.“ Nach dem Zerfall der UdSSR gab es enorme Schwierigkeiten der post-sowjetischen Männer mit Homosexualität umzugehen, der Kulturkonflikt zwischen dem Westen und Russland wird deutlich. Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen nehmen weiter zu. Ab 1990 erste Szenenzeitschrift für Homosexuelle und erste Demos der Schwulen- und Lesbenszene. 1993 wurde der Strafparagraph abgeschafft, aber erst 1999 aus dem Index für psychische Krankheiten gestrichen.      
  • 2. Wie hat sich die Pornographie von den 60er Jahren bis in die 80er Jahre in Bild und Film liberalisiert? Gab es Gegenbewegungen? Gehen Sie auch auf strafrechtliche Maßnahmen ein. Bereits 1962 eröffnet Beate Uhse „Fachgeschäft für Ehehygiene“, welches Beratungsliteratur, Verhütungsmittel, später Pornos und Sexspielzeug verkauft. Die Liberalisierung nimmt Mitte der 60er Jahre ihren Ausgang vor allem von Schweden und Dänemark. 1969 fällt das Verbot der sexuellen Darstellung, 1969 erste Sexmesse in Kopenhagen (fast nur männliche Besucher), 1971 fallen die Pornographieverbote, was die Produktion und den Vertrieb enorm hebt und bis Mitte der 1970er Jahre in ganz Europa verbreitet ist. Dies produziert massive Diskussionen, einerseits große Befreiung, anderseits unterstützt es die Geschlechterdifferenz und macht den weiblichen Körper zum Sexobjekt, das für Männer produziert wird, damit werden Herrschafts- und Gewaltphantasien erzeugt. In den 1970er Jahren kamen Sexfilme als Aufklärungsfilme („Schulmädchen-Report“, „Hausfrauen-Report“), ab 1976 gab es viele kommerzielle Produkte rund um Sex, das Pornographierecht und das Sexualstrafrecht wurden liberalisiert. Weitere Beispiele für Pornographie in Film und Bild: 1962 Vouge stellt den Minirock vor, der von Mary Quant erfunden wurde, Zeitschriften wie das Wochenend-Magazin 1960, Serie „Wünsch dir was“ (sieht nackten Busen à Beginn der Erotik im Fernsehen). Sexuelle Revolution als Gesellschaftskritik - Gegenbewegungen: „Wir haben abgetrieben“ Stern Titelblatt 1971, von Alice Schwarzer initiiert, Legalisierung der Fristenlösung, Selbstbestimmung der Frauen, Kritik am Patriarchat, Alice Schwarzer „Der kleine Unterschied“ 1975; Bed In John Lennon, Yoko Ono 1969 als Aktion für den Weltfrieden
  • 3. Inwieweit wurde in Sexualität/Beziehung/Familie im kommunistischen Regime in China eingegriffen? Was wurde in den letzten drei Jahrzehnten reguliert/liberalisiert? In den letzten drei Jahrzehnten wurde vor allem der Bereich der Ehe und der Familienplanung reguliert/liberalisiert. 1950 wurde von Mao die arrangierte Ehe verboten, die Ehe sollte die Keimzelle der kommunistischen Gesellschaft sein; die Rollenverteilung Männer waren erwerbstätig und Frauen sollten für die Familie zuständig sein. Familie wurde als sehr positiv bewertet, die Einstellungen zu Sexualität und Partnerschaft war sehr anti-westlich z.B. gegen die bürgerliche, romantische Liebe, gegen jede Form der Individualisierung. ab 50er Jahren: Scheidungen waren nur mit der Zustimmung der Parteiorganisationen möglich; Neues Ehegesetz von 1980: Scheidungen wurden auch aufgrund von emotionalen Gründen möglich, auch wenn weiterhin die KP ihre Zustimmung dazu geben musste, wurde erst durch das Ehegesetz 2003 abgeschafft; weithin Eheverbote z.B. Personen mit Erbkrankheiten dürfen nicht heiraten; Liberalisierung des Ehegesetzes 2003 soll die Ehen fördern. Weiter massiver Eingriff des Regimes in die Gesellschaft ist die 1-Kind Politik, die 1979-81 eingeführt wurde, Grund dafür waren enorme Hungersnöte aufgrund der Kulturrevolution und Maos Politik. Ehen müssen genehmigt werden. Frauen müssen sich vor der Ehe beweisen, dass sie mit Verhütungsmethoden vertraut sind. Frauen müssen mind. 20 Jahre sein, Männer mind. 22 Jahre. Pro Ehe-Paar darf nur 1 Kind beantragt werden, dieser Antrag muss in die Sprengel-, Firmen-, etc. –Vorgaben passen (Bevölkerungskontrolle: pro Jahr sollen so und so viele Kinder zur Welt kommen). Verhütung wurde politisch verordnet (da notwendig): Kondome wurden verteilt, Ehevorbereitungskurse, Sexualaufklärung, verschiedene Institutionen wurden geschaffen. Die Politik hab einen Menge Vergünstigungen bei 1-Kindfamilien, die bei Nicht-Beachtung der 1-Kind-Politik sofort wegfielen, wie z.B. gratis Gesundheitsversorgung, gratis Kinderbetreuung, Zuteilung einer Wohnung, gratis Ausbildung, Arbeitsplatzgarantie, mehr Urlaub, mehr Land, Kindergeld, etc. Sanktionen: ab 2. Kind kein Geld mehr, Wohnung und alle Unterstützungen weg. Die Geburtenrate sinkt extrem, früher hatte man ca. 6 Kinder heute ca. 1,8 (2,1 Kinder pro gebärfähige Frau braucht es um die Population aufrecht zu erhalten => China braucht Immigration, wenn Bevölkerung gleich bleiben soll.)
  • 4. pronatalistische und antinatalistische Maßnahmen der NS-Zeit a) Pronatalisische Maßnahmen: Auszeichnungen für gebärfreudige Frauen, wie z.B. Mutterkreuz oder steuerliche Begünstigungen. starke Steigerung der Geburtenrate, aufgrund der allgemeinen Euphorie (bessere Arbeit) wird administriert; Deutschland: nationalsozialistischer Körperkult z.B. jede Menge Nacktbilder (Boom): der nackte, gesunde, reine, arische Körper, wenn auch meist enterotisiert und de-sexualisiert, meist sportlich. Nacktheit wird normal. Auch Mein Kampf thematisiert Sex und vor allem die Reproduktion von „perfekten arischen Menschen“. b)   Antinatalistische Maßnahmen: Deutschland ab 1935: Nürnberger Rassegesetze Maßnahmen gegen (außer- und eheliche) Rassenmischung, eugenische Maßnahmen zur Verhinderung behinderten Nachwuchses, z.B. Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses, eugenisch motivierte Sterilisationen, auch Abtreibung aus eugenischen Gründen war erlaubt.
  • 5. Indien – traditionelle Maßnahmen, die sich heute noch in Indien finden Heute ist die moderne Sicht auf die Sexualität immer noch stark von der Tradition geprägt. Wie zum Beispiel enthält das Kama Sutra  2 Botschaften: a)Das Sexualleben zielt nicht nur auf Reproduktion, sondern ist auch mit Kultur aufgeladen. b)Weist auf eine beidseitige Beteiligung! Frauen sollen mit „Liebe“ behandelt werden, aber anders, nicht europäisch romantisch. Gilt aber nur für Adelige: liebevolles Erkennen der Frau entsteht aus dem sexuellen Umgang miteinander, an Liebe und Ehe wird gemeinsam gearbeitet – das reicht bis heute! (arrangierte Ehen). Sehr traditionell gewachsenes Körperbild: spirituell, aber auch im Kastensystem verwurzelt. Männer: Samen: wertvollster Saft des Körpers, 40x so energiereich wie Blut, 1x Ejakulat = wie 3 Tage körperliche Arbeit quantifiziert. Der Mann ist spirituell/körperlich gesund, wenn er auf seine Spermien, in denen sich Energie materialisiert, achtet, er kann Energie zurückhalten, wenn Samentransfer gefährlich sein könnte. Frauen: rauben die Energie des Mannes, lebenszyklisch abhängig (Pubertät bis Mutterschaft/Menopause), Energie in Fruchtbarkeit umzusetzen, danach Mutterliebe. Eine menstruierende Frau hat schlechte Energien.   Weitere traditionelle Muster im Kastenwesen. Die Familienverbände sind sehr groß (extended/joint families) Bei der Heirat bleiben die Söhne in der Nähe bzw. innerhalb des elterlichen Haushalts, die Brüder leben nahe beieinander, die Frauen kommen in die neue Familie. Besonders am Land noch häufig, aber Brüderhaushalte auch in der Stadt (z.B. in Wohnblocks). Bruder/Bruderfamilien haben auch sexuelle Funktionen: der Bruder versorgt die Schwägerin, auch als Liebhaber, als quasi akzeptierter Seitensprung (stark erotisch besetzt!). Clan-Erhaltung: Mentoringsystem im Verwandtschaftsverhältnis, Altersversicherung, Hilfe beim Arbeitsplatzverlust à Vetterwirtschaft daher positiv besetzt!!! (entfernte CousInnen helfen!) diese Sicht wird auch ins Berufssystem übertragen -> Chef/-in kümmert sich um MitarbeiterInnen Eine Ablösung vom elterlichen Haushalt wird nicht gesucht und würde eine/n missratene/n Sohn/Tochter darstellen. Das Kastensystem äußert sich zum Beispiel beim Essen, Brahmanen essen nur Reinstes, Dalits atmen/essen Unreines. Eine sexuelle Vermischung ist nicht vorstellbar! Heiratskontakte: Ehen werden immer entlang dieser Sub-Kastensysteme arrangiert. Die Geschlechterdifferenz dynamisiert sich! Mädchen sind teuer, da sie der Mitgift bedürfen, daher sind Mädchen weniger wert! Seit 1961 ist die Mitgift verboten, dennoch wird sie immer noch praktiziert. Einführung Pränataldiagnostik führt dazu, dass weibliche Schwangerschaften vor allem  in den Städten abgetrieben werden.
  • 6. sexuelle Revolution der 60er und 70er Jahre die sexuelle Revolution fand eigentlich schon 10-20 Jahre vor den 1968ern statt, 1967-70 wurde dieser Wandel dann eben erst thematisiert. Die Studierenden brachten aber die radikalste Veränderung. wesentliche Motor der Veränderungen waren à Popularisierung des Sexualwissens, Ratgeberliteratur z.B. Alex Comfort: Joy of Sex, 1972 (va. Stellungen) ...man sollte alles, was man will im Einverständnis aller ausprobieren àAufdeckungscharakter. Oswalt Kolle war eher noch auf den ehelichen Sex eingeschränkt. Neue Sprache: eher aufklärend, medizinisch, pädagogisch. Günther Amendt: Sexfront, 1970, der Klassiker unter den Ratgebern für Jugendliche mit ironisch, sarkastischer Kritik auf den neuen Imperativ des Ausprobierens und den Technikwahn der sexuellen Befriedigung. Bei Kinsey findet man nur Statistiken, keine Techniken à unterschiedliche Visualisierung des Sexualverhaltens   à Einführung der Pille: Carl Djerassi (Chemiker, *1925 in Wien, Jude, seit 1939 in den USA), nennt sich selbst „Mutter der Pille“, entwickelte die Pille 1951 (1958?) in den USA zur Bekämpfung von Menstruationsstörungen. ENOVID war dann 1960 die 1. Pille am us-amerikanischen Markt. Deutschland folgte 1961 mit ANOVLAR. Schon 1965 war die Verbreitung groß. Begriff der Anti-Baby-Pille wurde problematisch betrachtet, z.B. 1964 von der BRD-Regierung: „grob anstößig, gegen Menschenbegriff als solchen...“ In der DDR wurde sie als „Wunschkind-Pille“ bezeichnet, im Englischen als birth-control pill.  1972 nahmen bereits 20 % der Frauen in Deutschland die Pille, in GB die zw. 1945-49 geborenen Frauen schon 75 %. Von den Männern (!) wurde die Frage nach der Verantwortlichkeit gestellt. Zum 1. Mal wurde die Frau sexuell selbstständig. Die Frauenbewegung diskutierte das Problem der Langzeitwirkungen aufgrund der starken Hormone und dass die Verantwortung auch eine große Last, die nur bei den Frauen liegt, ist. Über die Pille wird gleichzeitig auch über den Sex gesprochen, die Pille verschreibende und zur Aufklärung verpflichtete Ärzte werden zu Verhütungs- und Sexualspezialisten.   Sexuelle Revolution als Gesellschaftskritik: „Wir haben abgetrieben“ Stern Titelblatt 1971, von Alice Schwarzer initiiert, Legalisierung der Fristenlösung, Selbstbestimmung der Frauen, Kritik am Patriarchat, Alice Schwarzer „Der kleine Unterschied“ 1975; Bed In John Lennon, Yoko Ono 1969 als Aktion für den Weltfrieden. Revolution in den Betten (siehe Folien, Vergleich 1966:1981), bei den 20-30-Jährigen drastische Veränderungen: mehr und öfter Sex in jüngeren Jahren  à deutliche Vorverlegung der Sexualität, Koitushäufigkeit und Zahl der Sexualpartner steigt, voreheliche Enthaltsamkeit ist kein Thema mehr bei den Studierenden (viel Forschung dort), sexuelle Doppelmoral der Eltern kaum mehr spürbar (1960er Frauen waren zwar ein wenig liberal in ihrer Einstellung, aber nicht im tatsächlichen Leben). Bsp.: Kommune I (K1) in Berlin, 1967-69, als Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie. Extreme Veränderung der Einstellung zur Homosexualität: von 40 auf 90 % sehen sie als zulässig an.
  • 7. Russland und die Entwicklung der Prostitution Prostitution als Abbild des westlichen Kapitalismus, daher starke Verurteilung durch die Öffentlichkeit, Frauen stehen generell in Prostitutionsverdacht va. mit Männern aus dem Westen. Gründe für die Zunahme der Prostitution: a) Explosionen der Frauen-Arbeitslosigkeit, z.B. 90 % der Frauen rund um Moskau waren in der Textilindustrie beschäftigt, diese wurden geschlossen. Die Berufsausbildung und das Einkommen der Frauen sind sehr gering. b) Junge Frauen verlassen ihr zuhause, gehen ins Ausland arbeiten, um der Gewalt der Väter, Brüder (Männer) zu entgehen. c) Junge Frauen haben eine glamouröse Vorstellung vom Leben durch die sexualisierte Werbung von z.B. Mädchen auf Luxusjachten, die in den 1990ern stark war: „glamour modelling girl“: gutbezahlte  Modelljobs, die aber oft verbunden waren mit sexuellem Zwang. 1997: 70 % der Frauen können sich vorstellen ein Mal in ihrem Leben als Prostituierte zu arbeiten. Sex bringt also große Vorteile und ist mit Leistung und Geld verbunden à die Sexualität wird kommerzialisiert. d) Ein Schlepper- und Syndikatswesen hat sich stark entwickelt mit russischen Zuhältern auch im Ausland. 1992/93 war in Ö ein Boom russischer Prostituierte, es wurde ein richtiger Markt für Ost-Frauen im Westen Anfang der 1990er aufgebaut. (Wien: altwiener, russische und rumänische Gürtelmafia gerade in den Medien. Polizei- und Lauschaktion: „Operation Friends“: Verhaftung von Richard Steiner (Pate), Schutzgelderpressung, Mädchenhandel, Geldwäsche) e) starke Zwangsregime: Schulden, Erpressung, Nötigung führen weibliche Kinder in die Prostitution.
  • 8. Theorien/Konzepte zur Sexualität a)    Essentialistische Konzepte Sexualität als a-historisch, kulturübergreifend, objektiv und einheitlich, durch die Natur bestimmt ·      Psycho-biologischer Ansatz: Evolution prägt Heterosexualität im Sinne des „survival of the fittest“. Problem: andere, nicht heterosexuelle Formen dürfte es gar nicht geben. Homosexualität ist nach Darwin auch umsonst. Evolutionistisch positive Antwort: Homosexuelle als Art UnterstützerInnen für die Fortpflanzung, „Helfer am Nest“ ·      Sozio-biologischer Ansatz: S. Freud: Vater-Mutter-Kind-Prägung zentral für sexuelle Entwicklung und Prägung (Orientierung)   b) Sozial-konstruktivistische Konzepte Sexualität wird von der Gesellschaft und der Kultur, also von der Geschichte konstruiert. ·      symbolisch interaktionistischer Ansatz: Sexuelles Verhalten als eine Art des Verhaltens, wie alle anderen, basiert auf Erlernen, wie Körperbewegungen, Kleidung, etc. ·      Labeling-Theorie: wir sehen uns permanent mit dem Blick der oder des anderen und etikettieren uns damit. Bsp.: der männliche Homosexuelle wird in den 1950ern feminisiert, das wäre im 17. Jhdt. undenkbar gewesen (damals: Älterer – Jüngerer, aktiv – passiv). Die Kultur stellt einen Interpretationsrahmen zur Verfügung und gibt unserem Handeln Sinn und Bedeutung, auch das Begehren wird dadurch determiniert. ·      Sexual Script Theorie: wir sind immer in bestimmten Rollen unterwegs, folgen und orientieren uns an bestimmten Narrativen, um zu wissen, wie wir handeln sollen . Nur zum Teil handeln wir nach eigenem Spüren, erst die Kultur, die Sprache gibt und den Zugang dazu und das Erleben und erzeugt damit Erfahrung (Vertreter: W. Simon)
  • 9. Gewalt und Sexualität während und nach dem 2. Weltkrieg Zwangsprostitution in den Konzentrationslagern; Gewalt vor an der Ostfront: Vernichtungsfeldzug, viel Gewalt gegen Frauen, belegte Massenvergewaltigungen (viel Literatur über sexuelle Gewalt gegen Ende des Krieges, va. Alliierte gegen Besetzte, insb. handelten sowjetische Soldaten mit extremer Gewalt) à lebenslängliche Beeinträchtigung (va. der Sexualität) der Frauen durch diese Verbrechen à schwierige Partnerschaften danach, oft Bruch, da rückkehrende Männer die Frauen mitverantwortlich machten!! Viel sexuelle Gewalt am Ende des Krieges. Nachkriegsjahre: Sexualität wird als chaotischer, problematischer Lebensbereich gesehen. Enorm hohe Scheidungsraten aufgrund z.B. Entfremdung, Selbstständigkeit der Frauen, durch den Krieg gebrochene Männer à Verschiebung der Rollen, viele Abtreibungen und Geschlechtskrankheiten durch die Vergewaltigungen.  
  • 10. Was sind Hijras? Position in der indischen Kultur/Gesellschaft/Tradition Hijras, sehen sich sexuell als Frau, haben Probleme mit ihrer männlichen Sexualität; Hijras sind genetisch meistens männlich, dann eventuell kastriert. Sprachlich bezeichnen sich Hijras selbst meist als weiblich und kleiden sich dementsprechend; Hijras leben meistens in marginalisierten, dafür aber in eigenen, recht disziplinierten Gemeinschaften anders als Frauen in der indischen Gesellschaft. Die Hijras haben ihre eigene Kultur und Familie mit einem Oberhaupt, die das eingenommene Geld kassiert. Traditionell verdienen Hijras ihren Lebensunterhalt durch Tanzen und Segnungen auf Hochzeiten, bei Hauseinweihungen und nach der Geburt von Söhnen. Dies ist aber weniger ertragreich, daher arbeiten viele Hijras (ca. 50%) als Prostituierte oder  betteln, oft auch aggressiv bzw. zeigen die Wunden bzw. Narben ihrer Kastration, die oft sehr schmerzhaft verläuft, da meist privat durchgeführt und von heftigen Ritualen begleitet ist
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  • 11. Abtreibung in der Zwischenkriegszeit In den 1920-30er Jahren, also während der Weltwirtschaftskrise war eine konservative Sexualmoral verbreitet: Sex nur in der Ehe, keine Masturbation, Homosexualität und Abtreibung verboten und strengstens bestraft. Dennoch findet man in historischen Texten die Abtreibung als zentrales Thema. Da die Not groß war, wollten die Frauen weniger Kinder, um diesen eine bessere Zukunft anbieten zu können. (Zwei-Kinder-Familie) Die Frauen zögerten den Arztbesuch bei Komplikationen so lange wie möglich heraus, da dieser die Abtreibung nur stoppen würde und dann womöglich ein behindertes Kind auf die Welt kommen würde. Viele bekamen leicht Wundfieber, einige starben. Abtreibungen wurden also illegal und ohne ärztliche Versorgung betrieben. Abtreibung aus eugenischen Gründen war auch schon vor 1933 erlaubt.  
  • 12. Pronatalische Maßnahmen in der NS-Zeit Auszeichnungen für gebärfreudige Frauen (z.B.: Mutterkreuz, steuerliche Begünstigungen) Frauen sollen zu hause bleiben Verhütung (in den 1920ern noch relativ liberal) strengstens bestraft seit 1933 starke Steigerung der Geburtenrate jede Menge Nacktbilder, wenn auch meist enterotisiert und desexualisiert, meist sportlich. Nacktheit wird normal. Der entartete Körper ist ausschweidend, unkontrolliert durch Sex. Juden, Homosexuelle und Schwarze werden übersexualisiert Pro-sexuell nur innerhalb der Ehe, innerhalb der arischen Gesellschaft, innerhalb der eigenen Ideologie Maßnahmen gegen Rassenmischung eugenische Maßnahmen zur Verhinderung behinderten Nachwuchses eugenisch motivierte Sterilisationen (ca. 400.000) Abtreibung aus eugenischen Gründen erlaubt
  • 13. Psychiatrisierierung der Homosexualität um 1900 Homosexualität wurde massiv abgelehnt Seit dem 19. Jahrhundert galten Verbote für homosexuelle Praktiken. In der Zwischenkriegszeit Haftstrafen In der NS-Zeit galt sie als ansteckend. Man hatte Angst vor Verführung junger Männer. Strafverschärfung Berlin: 1920 starke Homoszene, ab 1933 verboten und verfolgt, Jeder Verdächtige wird nachverfolgt In Russland wurde 1917 Homosexualität liberalisiert und entkriminalisiert, 1933 unter Stalin wieder eingeführt → mehr jährige Haftstrafen und Psychiatrisierung Homosexualität wurde in Russland also als psychische Krankheit gesehen → Therapiezwang, Einweisungen
  • 14. Sexuelle Revolution“ 60er, 70er...Mythos, Ideologie und Realität Begriff „Sexuelle Revolution“ weil sie sich rasch und innerhalb kurzer Zeit weit übergreifend war stimmt aber nicht: sie hat sich schon vor den 1968 angebahnt sexuelle Revolutionäre waren davor schon das Bürgertum und die Arbeiterschaft, jedoch nicht die Studierenden ab 1966 wurden die schon stattgefundenen Veränderungen öffentlich diskutiert (=sexuelle Liberalisierung) In den Medien (Filmen, Reports) in den 1970ern ist die sexuelle Liberalisierung in der breiten Öffentlichkeit angekommen, Sexualverhalten und die sexuelle Einstellung der Menschen ändert sich Sexualität wird zum positiven Bestandteil der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung, sie wird stark im Wirtschaftswunder kommerzialisiert. Anfang der 1960er stellt die Wirtschaft von einer Nachfrageorientierung auf eine Angebotsorientierung um → „sex sells“, Werbung wird mehr und mehr, v.a. Mit dem Mittel der Sexualität ab Mitte 1960er begann der Wohlstand, man genoss das Leben, Konsumgesellschaft entstand,  man hatte Sex am Wochenende → Sexualratgeber Sexualität blieb trotzdem als schmutziges Geheimnis stehen, wird gleichzeitig mit dem Nationalsozialismus thematisiert, nicht durch die Elterngeneration, sondern sehr offensiv durch die Jugend. Sexueller Konsum ist in allem enthalten: Musik, Gewand erotisiert sexuelle Revolution fand also eigentlich schon 10-20 Jahre vor den 1968ern statt 1967-70 wurde dieser Wandel dann eben erst thematisiert die Studenten brachten aber die radikalste Veränderung   wesentlicher Motor der Veränderung: Popularisierung des Sexualwissens Ratgeberliteratur, Aufdeckungscharakter, man soll alles was man will im Einverständnis aller ausprobieren Einführung der Pille: Carl Djerassi entwickelt Pille 1951 in den USA zuur Bekämpfung von Menstruationsstörungen, 1960 1. Pille in USA, 1961 Deutschland Anti-Baby-Pille sehr schnell verbreitet. Disskussion über Name; DDR: Wunschkindpille im engl. Birth-control pill zum ersten Mal wurde die Frau sexuell selbstständig, aber auch mit großen Problemen verbunden (Hormone, Verantwortung) Geburtenrate geht stark zurück (Pillenknick)   Liberalisierung nimmt Mitte der 1960er ihren Ausgang va. Von Schweden und Dänemark Verbot der sexuellen Darstellung fällt, erste Sexmesse, Pornografieverbote fallen, Minirock Diskussionen: macht den weibleichen Körper zum Sexobjekt zunehmend Sexzeitschriften am Markt in den 1970er kamen die Sexfilme, beginnend mit Aufklärung (z.B.: Filmserie Schulmädchen-Report) Sex kam ins Kino Öffnung von Sexshops (Beate Uhse „Fachgeschäft für Ehehygiene“) 1979ern: Sexshops gehen auf die Straße, auch Frauen werden angesprochen Homosexuelle wehren sich → Diskussion über Totalverbot der Homosexualität, das Selbstverständnis der Homosexuellen verändert sich: Klassisch: älterer, reicherer Mann mit jüngerem, örmeren Mann. Kommen aus gleichen sozialen Schichten Ideologie der „Sexuellen Revolution“: wenn man sich sexuell frei entwickeln kann, wird man ein besser Mensch und daraus geht eine neue Gesellschaft hervor alle Diktaturen unterdrücken die Sexualität Vorwurf galt den Eltern: Ihr redet nicht über Sexualität und nicht über die NS-Vergangenheit Gesellschaftskritik und Friedensbewegung befreite Sexualität führt zu mehr Frieden in der Gesellschaft Beispiel aus der Musik: John Lennon und Yoko Ono 1969 als „Bed In“ als Aktion für den Weltfrieden Revolution in den Betten: bei den 20-30 jährigen drastische Veränderungen: mehr und öfter Sex in jüngeren Jahren, deutliche Vorverlegung der Sexualität, Koitushäufigkeit und Zahl der Sexualpartner steigt voreheliche Enthaltsamkeit ist kein Thema mehr bei den Studierenden extreme Veränderung der Einstellung zur Homosexualität: von 40 auf 90% sehen sie als zulässig an, Liberalisierung der Homosexualität, aber homosexuelle Kontakte 
  • 15. Verhütungsmittel + prozentuelle Verbreitung in der Zwischenkriegszeit Soldaten im Krieg waren verpflichte die verteilten Kondome zu verwenden. ??? Aber: In den 1920ern Verhütung relativ liberal, dann strengstens bestraft. Führt u passiven Verhaltensänderungen: seit 1933 starke Steigerung der Geburtenrate
  • 16. antinatalische Maßnahmen des NS-Regimes; gesetzliche Grundlagen + Auswirkungen Deutschland ab 1933 (legistisch ab 1935: Nürnberger Rassegesetze) Maßnahmen gegen (außer-eheliche) Rassenmischung, eugenische Maßnahmen zur Verhinderung behinderten Nachwuchses, z.B.: Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses, eugenisch motivierte Sterilisation (ca. 400.000), auch Abtreibung aus eugenischen Gründen war erlaubt, va. In Zwangslagern (Abtreibung und Sterilisation auch schon vor 1933 aus eugenischen Gründen erlaubt z.: in der Schweiz). USA gegen Nativ Americans, dh. Keine NS-Erfindung, aber doch in großen Stil angewendet.  
  • 17. Nennen sie mind. 3 pronatalistische Maßnahmen während der NS-Zeit! Hatten sie damit Erfolg Mutterkreuz (Auszeichnungen für gebärfreudige Frauen, steuerliche Begünstigungen) Verhütung bestraft nationalsozialistische Körperkultur: der nackte, gesunde, reine, arische Körper, wenn auch miesist enterotisiert und desexualisiert, meist sportlich. Nacktheit wird normal prosexuell nur innerhalb der Ehe
  • 18. Pornographie 1960er-80er Jahre. Wie wurde sie in Bild, Film und Literatur liberalisiert? Gab es Gegenbewegungen? Strafrechtliche Maßnahmen? DDR: In der DDR wurde ab den 1950er Jahren Prostitution kriminalisiert und verfolgt, in den 1960er Jahren wurden Gesetze gegen die Prostitution erlassen und 1968 strafrechtlich für illegal erklärt. 1974 wurde die Reisefreiheit erweitert und es kam zu Prostitutionstourismus in Hotels im Westen. In der DDR wird die Prostitution zum Schattengeschäft und auch apionagetechnisch eingesetzt. Bordelle waren seit 1949 verboten.   Westen: Sexualität wird zum positiven Bestandteil der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung, sie wird stark im Wirtschaftswunder kommerzialisiert. Anfang der 1960er stellt die Wirtschaft von einer Nachfrageorientierung auf eine Angebotsorientierung um → sex sells, Werbung wird mehr und mehr, va. Mit dem Mittel der Sexualität. Ab Mitte der 1960er begann der Wohlstand und man genoss das Leben. Die Konsumgesellschaft entsteht, man hat am Wochenende Sex, genießt die Freizeit, Urlaube. Unterschiedliche Sexualratgeber, z.B. von Beate Use werden herausgegeben. → Popularisierung des Sexualwissens, Ratgeberliteratur Die Liberalisierung der Sexualität nimmt Mitte der 1960er ihren Ausgang va. Von Schweden und Dänemarkt, va. In der Literatur. 1969 fällt das Verbot der sexuellen Darstellung, 1969: 1. Sexmesse in Kopenhagen, 1971 fallen die Pornografieverbote, was die Produktion und den Vertrieb enorm hebt und bis Mitte der 1970er in ganz Europa verbreitet ist.  In den 1970ern kamen die Sexfilme, beginnend mit Aufklärung (Schulmädchen-Report).  25 Mio Menschen sahen sie europaweit, unterschiedliche Filmgenres wurden zusammengeführt (Filme im Stil angeblicher Reportagen mit sexeullem Inhalt und Nuancen von Gesellschaftskritik), wie der Reporter, der Schulmädchen befragt, die (gestellte) Psychologin die kommentiert und andere „Lederhosenfilme“ (ländlicher Filmklamauk gemischt mit Sex) kamen auf. So gelang es den Sex in die Kinos zu bringen. Diese sogenannten Softsexfilme sind wegen der filmischen Kombination durch die Zensur gefangen. Später gab es auch den Hausfrauenreport. Danach war dieses Thema nicht mehr gefragt und sie wurden zu sog. „Schmudelfilmen.“ 1970: 1.nackter Busen in der Serie Wünsch dir Was → so startet die Erotik auch im Fernsehen.       Gegenbewegungen: Die Kirche trat aus ideologischer Überzeugung gegen die Liberalisierung der Sexualität auf. Das Vatikanische Konzil 1962-65 erklärt, dass Sexualität fortpflanzungs- und familienorientiert ist. 1968 Enzyklica Humanae Vitae 1968: zentrales Thema ist die Sexualität: Ziel des Sexes ist die Weitergabe von Leben. [bzw. gegen das Bild der Kommerzialisierung der Frau, Frau=Objekt]
  • 19. Traditionelle Vorstellungen und Praktiken im indischen Sexualleben? Gegensätze Tradition und Vorstellungen? Falsches Bild der Europäer über die Sexualität der Inder (Kama Sutra): Die indische Sexualtradition basiert stark auf Körpervorstellung iVm Spiritualität und ist, wie auch die Vorstellung von Frau und Mann traditionell gewachsen und komplett anders als bei uns. Das Kama Sutra als ist die Lehre von Erotik, Begehren und Sexualität kam 1884 durch Richard Burton nach Europa. Bilder aus dem Buch Kama Sutra waren prägend für die europäische Vorstellung der indischen Sexualität. Aber: das Kama Sutra ist ein Buch über die Lebenskunst für eine sehr kleine gesellschaftliche Oberschicht mit viel Geld, also für nur einen sehr kleinen Teil der Gesellschaft. Die Stellungen sind nicht der zentrale Teil des Buches, es ist mehr die ethische Betrachtung der Lebensführung z.B.: über die Ehe, wie z.B. Streite geführt werden sollen, wie gegessen werden soll, wie Drogen verwendet werden sollen,...   Indische Körpervorstellung: Dreiheit des Lebens: Kama + Dhama + Artha Kama: sinnliches, wie Musik, gutes Essen, etc. Dhama: die Pflicht, ein ethisch gutes Leben zu führen Artha: geistiges, soziales und materielles Vermögen   Diese Dreiheit findet sich schon in den Veden (den Ursprungstexten), ca 1.500 v. Chr. Und stellen  eine Zusammenfassung der Vorstellung vom guten Leben dar. Im 7./6. Jhdt. vor Christus in den Upanischaden wird der Fokus mehr auf ein asketisches Leben gerichtet, un das Kama eher lustfeindlich (gegen Sinnlichkeit und Körperlust) umschrieben. Das Kama Sutra vereint sinnliche und sinnlich feindliche Ideen und führt Askese und Erotik zusammen.   Foucoult, Sexualität I: Westen: Kultur des Wissens, ars sciencia: die Wissensgenerierung über Sexualität passiert in der Wissenschaft, Medizin, Gerichtswesen, Psychologie, etc. und steht der ars erotice des Ostens als Art der Lebenskunst, die als kulturelles Wissen gelehrt wird und nicht von der Wissenschaft kategorisiert wird, sondern eher spirituell ist, gegenüber. Aber das Kama Sutra beinhaltet beides, die ars sciencia in Erklärungen über z.B. das Funktionieren des Körpers und die ars erotica, wenn auch das Körperbild spiritueller als bei uns ist. → Foucaults Trennung funktioniert nicht, das in der indischen Körpervorstellung die Wissenschaft immer auch eingebunden war. Auch werden die verschiedenen Arten von Sex aufgezählt: Sex mit Bauern, Bediensteten, Fremden, etc., damit werden vercshiedene Leidenschaften in der Sexualität umschrieben. Hier findet eine große Zerpflückung des sexuellen Verhaltens stattt, b.B. In den 64 verschiedenen Sexualtechniken um zu unterschiedlichen Leidenschaftsgewinn zu kommen, was eine besondere (wissenschaftliche) Form der Betrachtung erfordert.   Heute ist die moderne Sicht auf die Sexualität immer noch stark von Tradition geprägt. Das Kama Sutra enthält 2 Botschafen: Das Sexualleben zielt nicht nur auf Reproduktion, sondern ist auch mit Kultur aufgeladen Weist auf eine beidseitige Beteiligung. Frauen sollen mit „Liebe“ behandelt werden, aber anders, nicht europäisch romantisch. Gilbt aber nur für Adelige: liebevolles Erkennen der Frau entsteht aus dem sexuellen Umgang miteinander, an Liebe und Ehe wird gemeinsam gearbeitet   Sehr traditionell gewachsenes Körperbild: spirituell, aber auch im Kastensystem verwurzelt. Männer: Samen: wertvollster Saft des Körpers, 40x so energiereich wie Blut, 1x Ejakulat ? Wie 3 tage körperliche Arbeit quantifiziert Frauen: rauben die Energie des Mannes, lebenenszyklisch abhängig (Pubertät bis Mutterschaft/Menopause), Energie in Fruchtbarkeit umzusetzen, danach Mutterliebe Der Mann ist spirituell/körperlich gesund, wenn er auf seine Spermien, in denen sich Energie materialisiert achtet, er kann Energie zurückhalten, wenn Samentransfer gefährlich sein könnte. Eine menstruierende Frau hat schlechte Energien.       Energetischer Fluss/Säftelehre (Ayuveda) Virya...sexuell Energie, nach unten geleitet durch Geschlechtsverkehr Ojas...energetisch nach oben geleitete Enerie, asketisch Umwandlung in spirituelle Energie – geistige Kraft, Lebenszeit beim Aufsteigen des Ojas sind Energien anstachelbar, aber sie sollen nicht ausgeschüttet werden, daher sind Sexpraktiken des Tantras, nie mit Orgasmus verbunden, um reifer zu werden. In Indien liegen Tradition und Moderne nahe nebeneinander, bäuerliche Lebensweise vs. Angestellte in Mumbai. Diese Gleichzeitigkeit macht Probleme, da beide Images erfüllt werden sollen.
  • 20. Kann man in Russland seit den späten 80ern von sexueller Transition sprechen? (und Ausführungen: Gesellschaft usw.) Schlechte Zustände nach Zusammenbrechen der ehemaligen sozialistischen Netzwerken: die Arbeitslosigkeit steigt enorm. Seit den 1990ern: Putin wirkt als typischer Repräsentant mit enormer Vorbildwirkung für die Jugend. Eigenschaften: Kraft, Erfolg, Entbehrung, Beschützer, Erhalter, Vorbild → hohes Männlichkeitsbild als Ersatz für die alten, verlorenen Institutionen des männlich familiären Systems der UdSSR → Scheitern ist aufgrund der zu hohen Erwartung und der gleichzeitig schlechten wirtschaftlichen Situation vorprogrammiert und bei immer mehr Männern der Fall. Dadurch steift wiederum das Aggressionspotential enorm in die Höhe. Gleichzeitig haben vor allem die Männer sehr romantische Vorstellungen von Kennenlernen und Liebe, phantasieren viel in die Liebesbeziehung hinein und stehen dann vor einem Realitätsschock. Männer sind stark mutterfixiert, weil die Mutter in der Erziehung dominiert, die Väter sind nicht präsent bei der Erziehung, viele Kinder wachsen ohne Vaterbild auf. Die Scheidungsrate liegt 2004 bei 65%, die Kinder werden der Mutter zugesprochen. Im Bildungssystem dominieren die Frauen. Männer treffen bei der Heirat auf starke Frauen → Aggression und Alkohol prägt auch das Sexualleben. Die sexuelle Transition passiert auf dem Rücken und zu Lasten der Frauen. Feminisierung der Armut. Der Statuswechsel (sozialer Abstieg) ist für die Frauen extrem schwerieg und wird immer schwieriger, va. Im Vergleich zu den Männern. Gegenüber dem neuen Männerbild herscht eine große Frustration, da Alkoholkonsum und Gewalt steigen. Die Geburten gehen stark zurück (2000:1,25 und sind im europäischen Vergleich sehr niedrig. Das Alter der 1. Koituserfahrung sinkt, 1-2% HIV-Infizierte zw. 15-49 Jähriger   Männer romantisieren, Frauen sind eher die pragmatischen Macherinnen des Alltags, sie schupfen den Haushalt und haben oft 2 Jobs. Die gesellschaftliche Struktur kennt viele Männerbünde-> die Männer sind kaum zu Hause. Generell herrscht eine große Freizügigkeit gegenüber außehelichem Sex. In Russland fand die sexuelle Revolution der 1960er und die Geschlechterrevolution der 1980/90er nicht statt, die Beziehungsrevolution der 1990er/2000er schon. Russland ist in den letzten zwei Jahrzehnten relativ schnell in die westliche Sexualkultur eingedrungen, abger geht noch weit weniger liberal mit Sexualitäten um, va. Die Entwicklung der Frauenrechte hinkt weit hinten nach!
  • 21. Sexuelle Wirren in der Nachkriegszeit Sexualität wird als chaotischer, problematischer Lebensbereich gesehen. Enorm hohe Scheidungsraten aufgrund Entfremdung, Selbstständigkeit der Frauen, durch den Krieg gebrochene Männer → Verschiebung der Rollen. Enorm viele Abtreibungen und Geschlechtskrankheiten durch Vergewaltigungen verursacht. Beate Uhse beginnt Ende der 1940er mit Verhütungsratgeber, sind sehr gefragt. Auch ihre Verhütungsmethoden und sexuelle Stimuli sehr gefragt. Seit 1919 1. Markenkondom der Firma Fromm.  Diskussion über die Freizügigkeit der Frauen, vor allem der Frauen, die im Krieg aufwuchsen und nach dem Krieg 15-20 Jahre alt waren und nach Leben heischten. 1947/48 bekommt man wieder Penizilin, was man für Geschlechtskrankheiten einsetzen konnte. Wiener Melange, Wochenzeitschrift in Österreich, teils erotisch, teils pornografisch, kaum Zensur (kommt erst wieder in den 1950ern verstärkt)
  • 22. Eherechtsreformen in China In China waren Arrangierter Ehen üblich und noch in den 1940ern dominant. Auch Mao wurde mit einer älteren Frau verheiratet, man sagt, er war ziemlich sexuell. Eine seiner ersten Schritte war es, das Eherecht zu reformieren, 1950 Verbot er die arrangierte Ehe und stellte sie auf die freie Entescheidung der Personen. Die Ehe sollte die Keimzelle der kommunistischen Gesellschaft sein. Rollenverteilung in der Agrargesellschaft: der Mann war erwerbstätig, die Frau sollte viele Kinder bekommen. Scheidung war nicht vorgesehen bzw. nur mit Zustimmung der Parteiorganisation möglich. Einstellungen zu Sexualität und Partnerschaften sehr anti-westlich, z.B. gegen die bürgerliche, romantische Liebe, gegen jede Form der Individualisierung. Neues Ehegesetz von 1980: Scheidung wurde auch aus emotionalen Gründen möglich, wenn auch die Zustimmung der KP noch notwendig war, die erst durch das Ehegesetz 2003 abgeschafft wurde. Auch heute gibt es noch Eheverbote, z.B. aus eugenischen Gründen: Personen mit Erbkrankheiten dürfen nicht heiraten (schon im Ehegesetz 1950) Seit den 1980ern extrem niedrige Zahl von Hochzeiten. Die Liberalisierung von 2003 will die Ehen und auch Kinder wieder fördern. Es gibt kaum Teenager-Schwangerschaften in China, da außereheliche Kinder kaum erwünscht sind.