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Modul 2 03607 Empirische Sozialforschung (Subject) / 1 Empirische Sozialforschung und empirische Theorie (Lesson)
1.1 Zur Situation empirischer Sozialforschung
1.2 Grundpositionen der Erfahrungswissenschaft
1.3 Emp. SF als "kritisch-rationale Wissenschaft"
1.4 Empirische Verfahren und alternative Wissenschaftspositionen
1.5. Annotationen aus der Pewrspektive qualitativ-interpretativer Methodologie
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- Das Dreistadiengesetz nach Auguste Comte (1798-1857) Danach durchlaufen sowohl die individuellen Erkenntnisfähigkeiten als auch die Wissenschaften und die Zivilisation „notwendigerweise und unumkehrbar drei Entwicklungsstadien zunehmender Aussonderung und Konkretisierung“ (Lexikon zur Soziologie, 1978, 169; s. auch zusammenfassend Abels 2004, 365ff.), und zwar: - ein theologisch-fiktives, - ein metaphysisch-abstraktes und - ein positiv-reales Stadium
- Im theologisch-fiktiven Stadium deuten – so meinte Comte – die Menschen die Natur durch die Annahme der Existenz willensbegabter Wesen (Geister, Götter), welche die rätselhaften Naturvorgänge von innen her bewirken. In einer solchen Gesellschaft bekleiden dementsprechend Priester und Theologendie Machtpositionen.
- In der mittleren Epoche, dem metaphysisch-abstrakten Stadium wird die Naturerklärung mittels personenähnlicher Wesen ersetzt durch abstrakte „Wesensbegriffe“ wie Substanz, Äther. Die Theologen müssen ihre gesellschaftlich führende Stellung abgeben an die Vertreter einer metaphysischabstrakten Philosophie. Auch die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen unterliegen zunehmend abstrakten Regeln.
- Im positiv-realen Stadium schließlich wird die Natur durch die Aufdeckung gesetzmäßiger Zusammenhänge auf der Grundlage empirischer Forschungen wissenschaftlich erklärt. Abstrakt-willkürliche Regelungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen sollen durch eine auf Fachwissen und Berufserfahrung beruhende Lenkung der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge ersetzt werden. Alle Entscheidungen sollen aus dem Bereich des Willkürlichen herausgenommen und auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden. Die Aufgabe einer „positiven“ Wissenschaft ist es dann (nach Comte), den Maßstab für die Erkenntnis zu liefern, was gut und was richtig ist.
- Aufgabenzuschreibung an die Wissenschaft (genauer: an eine empirisch fundierte, nicht-subjektivistische, „positive“, kurz: eine „Erfahrungswissenschaft“) Man erhoffte sich von ihr - sowohl Hilfen zur Orientierung bei politischen Entscheidungen (wissenschaftliche Beratung der Politik, sozialwissenschaftliche Begleitung und empirische Evaluation politischer Programme) als auch- eine sichere Basis zur Rechtfertigung gesellschaftlichen Handelns. Die Wissenschaft sollte auf der Grundlage empirischer Daten unbestreitbare, handlungsleitende Erkenntnisse bereitstellen. Sie sollte den Prozess politischer Entscheidungen aus dem Zwielicht undurchschaubarer Mehrheits- und Machtkonstellationen herausführen und zur Entscheidungsfindung auf der Basis „objektiver“ Daten beitragen.
- Die Wissenschaft sollte aber nicht nur „objektive Daten“ liefern, also nicht nur herausfinden, was ist, sondern auch, was sein soll. Der Streit um Werte und ihre wissenschaftliche Begründbarkeit ist zwar mittlerweile abgeklungen, nicht aber mit einem eindeutigen Ergebnis zu den wissenschaftsgeschichtlichen Akten gelegt worden.
- Ein wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Wissens ist, dass - es sich immer wieder aufs Neue zu bewähren hat, dass es - immer wieder in Zweifel gezogen, - immer wieder erneut getestet und in neuen Zusammenhängen- überprüft werden muss. Empirische Wissenschaft soll nicht „Glaubenssicherheit“vermitteln, sondern die Welt – so wie sie ist – beschreiben und erklären, soll die Augen für den kritischen Blick auf die Realität öffnen.
- Eine Erfahrungswissenschaft kann nicht begründen ... was sein soll.
- In komplexen Industriegesellschaften besteht ein zunehmender Bedarf an wissenschaftlich abgesicherten beschreibenden und erklärenden Aussagen darüber, was ist, wie die Dinge zusammenhängen, welche Folgen bestimmte Handlungen und politische Programme haben können.
- Es besteht Bedarf an sozialwissenschaftlichenDaten in vielfältigen gesellschaftlichen Bereichen, die hier nur mit einigen Stichworten angedeutet seien: - bürgernahe Verwaltung, - bedürfnisgerechte Planung und Gestaltung der Umwelt, - Humanisierung der Arbeitswelt, - psychosoziale Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit, - Prozesse gesellschaftlichen Wandels, - Technikfolgenabschätzung etc.
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- Eine Wissenschaft, die sich mit dem Erleben und dem Verhalten von Menschen beschäftigt, betritt - kein Neuland; - sie tritt in Konkurrenz zu vorhandenem Alltagswissen, zu bereits vorhandener Alltagserfahrung.
- Sofern nun die Sozialwissenschaft Ergebnisse liefert, die mit diesem „funktionierenden“ Alltagswissen übereinstimmen, lautet die verständliche Reaktion: „Das ist doch trivial; das wissen wir schon längst. Wozu muss man mit großem Aufwand Daten erheben und auswerten, wenn schließlich nur etwas sowieso Selbstverständliches herauskommt?“
- Sobald dagegen die Sozialwissenschaft Ergebnisse produziert, die besagen, dass das bisher bewährte Alltagswissen eigentlich nicht stimmt, dass seine Anwendung nur unter ganz bestimmten Bedingungen „funktioniert“, herrscht große Skepsis, wenn nicht gar Ablehnung gegenüber solchen Forschungsergebnissen.
- Beobachtungen (alltags und wissentschaftliche) sind immer theoriegeleitet
- Alltagserfahrung ist auf die individuelle Ansammlung von handlungsrelevantem Wissen ausgerichtet.
- Wissenschaftliche Beobachtung ist im Vergleich dazu stärker selektiv – wobei zugleich die Selektivität in höherem Maße kontrolliert wird – und stärker verallgemeinernd.
- Im Fall der Alltagsbeobachtung (rein deskriptiv), werden die verwendeten Theorien nur implizit bleiben, also nicht ausdrücklich ausformuliert, dass der Beobachter vielleicht sogar gänzlich unbewusst auf sie zurückgreift. Im anderen Fall dagegen (hypothesen- oder theorietestende Forschung) werden die verwendeten Theorien für jeden ersichtlich offen gelegt.
- Der Unterschied zwischen „wissenschaftlichen“ und „alltäglichen“ Theorien ist nicht von prinzipieller, sondern von nur gradueller Art
- Empirisches wissenschaftliches Arbeiten verfolgt also (grob zusammengefasst) zwei wichtige Ziele: – die Phänomene der realen Welt (möglichst „objektiv“) zu beschreiben und zu klassifizieren, – die (möglichst allgemeingültigen) Regeln zu finden, durch die die Ereignisse in der realen Welt erklärt und Klassen von Ereignissen vorhergesagt werden können.
- Empirische Wissenschaftverfolgt das Ziel, gesicherte Erkenntnisse über die „Wirklichkeit“ zu gewinnen.
- Das Axiom ( also: diese grundlegende, nicht weiter beweisbare Annahme) empirischer Wissenschaften setzt die Existenz einer realen, einer tatsächlichen, „objektiven“ Welt (Gegenstände, Ereignisse, Beziehungen zwischen Gegenständen oder Ereignissen) unabhängig von ihrer Wahrnehmung durch einen Beobachter voraus.
- Der erkenntnistheoretische Realismus – und auf dessen Basis wurde bisher implizit argumentiert (vgl. Abschnitt 1.1.4) – bejaht diese Möglichkeit. Denn nur wenn im Prinzip die Chance besteht, mit den Wahrnehmungssinnen und/oder mit Hilfe unterstützender Beobachtungs- und Messinstrumente die außerhalb des beobachtenden Subjekts existierende Realität zu erfahren, sind sinnvolle Aussagen über die Realität formulierbar und „empirisch“ in der Realität überprüfbar.
- Der erkenntnistheoretische Konstruktivismus bestreitet dagegen die Möglichkeit, mit den Wahrnehmungssinnen die Realität so zu erfassen, wie sie wirklich ist. Vertreter des „radikalen Konstruktivismus“ etwa kommen aufgrund von Forschungen in der Physik, Biologie und Kybernetik zu dem Schluss, „dass all unsere Erkenntnisse eines sich selbst organisierenden Systems, des Gehirns, sind, gebunden an dessen Erkenntnismöglichkeiten und –grenzen.
- Die analytisch-nomologischen bzw. deduktiv-nomologischen Wissenschaft gehen von einer geordneten, strukturvollen, regelhaften „wirklichen Welt“ (Welt der Tatsachen) aus. D.h. die einzelnen Gegenstände stehen in geordneter Weise miteinander in Beziehung, sie bilden eine Struktur; Ereignisfolgen laufen nach immer gleich bleibenden Regeln („Gesetzen“) ab; für jedes Ereignis muss es eine Ursache oder auch eine komplexe Menge von Ursachen geben (Kausalitätsprinzip).
- Unter solchen Gegebenheiten besteht die Aufgabe der Wissenschaft darin, die in der Welt der Tatsachen herrschenden Strukturen und Gesetzmäßigkeiten zu „entdecken“.
- Je mehr Wissen über Strukturen und Gesetzmäßigkeiten verfügbar ist, desto mehr werden beobachtete Ereignisse erklärbar und künftige Ereignisse prognostizierbar, und desto mehr wird die Welt beherrschbar.
- Da die prinzipielle Ordnung und Regelhaftigkeit für die gesamte reale Welt unterstellt wird, unterscheiden sich nach dieser Vorstellung die verschiedenen Erfahrungswissenschaften (z.B. Naturwissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie oder Sozialwisse in dem Gegenstand, mit dem sie sich befassen, nicht dagegen in der Art ihres Vorgehens. D.h. zum Auffinden empirischer Gesetzmäßigkeiten können alle Erfahrungswissenschaften nach der gleichen Verfahrenslogik, nach den gleichen methodischen Prinzipien vorgehen (Postulat der Einheitswissenschaft).
- Unterscheidung zwischen (objektiver) Realität und (subjektiver) Wirklichkeit (erkenntnistheoretischer Konstruktivismus) Über die Sinne werden zwar Umweltreize wahrgenommen. Diese formen jedoch im Kopf der wahrnehmenden Person kein „Abbild“ der Umwelt. Vielmehr wird aus den Sinnesreizen durch eigene Interpretationsleistun-gen ein (subjektives) Bild „konstruiert“. Jeder lebt sozusagen –modisch ausgedrückt – in seiner eigenen „virtuellen Realität“. Solange dieses virtuelle Modell mit der „tatsächlichen“ Welt hinreichend korreliert, ist es möglich, in dieser „tatsächlichen“ Welt zu leben und zu überleben, allerdings ohne erkennen zu können, wie sie unabhängig von der eigenen gedanklichen Realitätskonstruktion „wirklich“ ist.
- analytisch-nomologischen bzw. deduktiv-nomologischen Wissenschaft gehen von einer geordneten, strukturvollen, regelhaften „wirklichen Welt“ (Welt der Tatsachen) aus. D.h. die einzelnen Gegenstände stehen in geordneter Weise miteinander in Beziehung, sie bilden eine Struktur; Ereignisfolgen laufen nach immer gleich bleibenden Regeln („Gesetzen“) ab; für jedes Ereignis muss es eine Ursache oder auch eine komplexe Menge von Ursachen geben (Kausalitätsprinzip).
- „interaktionistischen“ oder „interpretativen“ Sozialwissenschaft lassen für den Bereich des Sozialen (für die Gesellschaft sowie für Ereignisse und Beziehungen innerhalb der Gesellschaft) die These einer vorgegebenen Struktur mit grundlegenden und gleich bleibenden Regelhaftigkeiten („sozialen Gesetzen“) nicht gelten. Sie postulieren, dass die Menschen die gesellschaftlichen Strukturen, in denen sie miteinander leben, durch ihr Handeln selbst schaffen und damit auch ständig verändern.
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- „interaktionistischen“ oder „interpretativen“ Sozialwissenschaft: in einer Folge von Interaktionen sowie wiederholten, gegebenenfalls revidierten Interpretationen beider Seiten bildet sich eine spezifische, für diese Situation ausgehandelte Bez Je alltäglicher, je gewohnter die Handlungssituation für die Beteiligten ist und je zutreffender die gegenseitigenVermutungen über die Perspektive des Gegenübers sind, desto unmerklicher läuft der Interpretations- und Aushandlungsprozess ab. Je neuer, je ungewohnter dagegen die Situation, desto eher wird zunächst ein vorsichtiges gegenseitiges „Abtasten“ notwendig und desto ungewisser wird der Ausgang des Aushandlungsprozesses sein.
- Wiss. Aussagen nach der analytisch-nomologische Auffassung: Induktion:Immer wenn der Sachverhalt X vorliegt und wenn zugleich die Zusatzbedingungen Y1, Y2, Y3, ... erfüllt sind, dann wird auch das Ergebnis Z eintreten. Durch deduktiv-logische Ableitung kann diese allgemeine Gesetzesaussage auf beliebige räumlich und zeitlich identifizierbare Situationen übertragen werden; etwa: Der Sachverhalt A am Ort O zum Zeitpunkt t gehört zur Klasse der Sachverhalte X; die Situationsgegebenheiten b1, b2, b3, … entsprechen den im nomologischen Gesetz aufgeführten Zusatzbedingungen Y1, Y2, Y3, ...; daher wird auch hier ein Ergebnis Z eintreten.
- „analytische“ Sätze? Auf rein logischem Wege begründete Aussagen nennt man auch „analytische“ Sätze. Daraus folgt die Bezeichnung „analytisch-nomologisch“ für die hier skizzierte wissenschaftstheoretische Position; zum Teil findet sich auch die Formulierung„deduktiv-nomologisch“.
- „Beobachtung“ in einem sehr weit gefassten Sinne zu verstehen als kontrollierte direkte oder indirekte Wahrnehmung mit Hilfe der menschlichen Wahrnehmungs-sinne und unterstützt durch zu diesem Zweck konstruierteBeobachtungs- und Messinstrumente (hierher gehören z.B. auch alle Formen der Befragung).
- Die Forschungsergebnisse haben im Übrigen immer nur vorläufigen Charakter, da ja die soziale Welt als im stetigen – wenn möglicherweise auch unmerklich langsamen – Wandel befindlich begriffen wird, nämlich im Zuge der ständig fortlaufenden Interpretationsleistungen der Interagierenden.
- qualitative Sozialforschung: Ein methodisches Vorgehen – Prinzip der Offenheit, - kommunikative Erhebung von Situationsdeutungen im sozialen Feld im Sinne „kontrollierter Subjektivität“ – bezeichnet man üblicherweise als qualitative Sozialforschung. Die Vergleichbarkeit der Einzeldaten wird von interpretativen Sozialforschern nicht durch Standardisierung der Erhebungssituation herzustellen versucht, sondern dadurch, dass möglichst alle für die untersuchten Sachverhalte bedeutsamen Randbedingungen und Interpretationen mit erhoben werden. Dies verlangt von den verwendeten Beobachtungs- oder Informationsbeschaffungs-Strategien eine möglichst große Flexibilität, so dass zu jedem Zeitpunkt auch unvorhergesehene Aspekte berücksichtigt werden können.
- Die „subjektive Wirklichkeit“ der Handelnden: Die Vergleichbarkeit der Einzeldaten wird von interpretativen Sozialforschern nicht durch Standardisierung der Erhebungssituation herzustellen versucht, sondern dadurch, dass möglichst alle für die untersuchten Sachverhalte bedeutsamen Randbedingungen und Interpretationen mit erhoben werden. Dies verlangt von den verwendeten Beobachtungs- oder Informationsbeschaffungs-Strategien eine möglichst große Flexibilität, so dass zu jedem Zeitpunkt auch unvorhergesehene Aspekte berücksichtigt werden können. (= qualitative SF)
- Zentral ist, dass - die in einem standardisierten Vorgehen erhobenen Informationen - den Charakter von „Daten“ haben sollen, - also von „Messwerten“, die in - der Phase der Datenanalyse ohne weitere semantische Deutung - unmittelbar statistisch auswertbar sind.
- Will man die Strategie der sog. „quantitativen“ Forschung kurz auf den Punkt bringen, dann treffender durch folgende Charakterisierung: - ein streng zielorientiertes Vorgehen, - das die „Objektivität“ seiner Resultate durch möglichst weitgehende Standardisierung aller Teilschritte anstrebt und - das zur Qualitätssicherung die intersubjektive Nachprüfbarkeit des gesamten Prozesses als zentrale Norm postuliert.
- Ein solches zielorientiertes und auf Standardisierung angelegtes Vorgehen ist allerdings nur realisierbar, wenn zuvor mehrere Voraussetzungen erfüllt sind: 1) Zu Beginn muss die Themenstellung exakt und unter Vermeidung von Leerformeln beschrieben und muss der Informationsbedarf vollständig und präzise angegeben werden 2) Bei der Ausarbeitung des Forschungsdesigns und der Planung der einzelnen Schritte zur Informationssammlung (= Operationalisierung) ist die Präzisierung durch Entwicklung eines forschungsleitenden Struktur-modells (einschließlich der Ausformulierung expliziter Zusammenhangs-hypothesen) und ist die Fokussierung auf den angestrebten Informations-bedarf fortzusetzen. 3) Die Grundgesamtheit aller Objekte, für die die zu gewinnenden Aus-sagen gelten sollen, ist zu definieren und empirisch abzugrenzen. 4) Alle Entscheidungen sind zu begründen und zu dokumentieren, um die geforderte intersubjektive Kontrollierbarkeit überhaupt zu ermög-lichen.
- „Standardisierung“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Erhebung der Informationen sich in jedem einzelnen Fall in gleicher Weise vollzieht. Rein formal ist das zwar relativ gut realisierbar: Erhebung der Informationen sich in jedem einzelnen Fall in gleicher Weise vollzieht. Rein formal ist das zwar relativ gut realisierbar: durch ein für alle identisches Erhebungsinstrument (z.B. standardisierter Fragebogen), durch Sicherstellung des gleichenTyp von Forschungskontakt bei allen Informanten (z.B. persönliches Einzelinterview in der Wohnung des Befragten), durch überall gleichartiges Verhalten des „Informationssamm-lers“ (z.B. freundlich-neutrales Auftreten des Interviewers). Das allein sichert jedoch noch nicht die semantische Gleichheit formal identischer Antworten.
- Auf wem geht der Begriff "Soziologie" zurück? Der Begriff "Soziologie" geht auf den französchischen Philosophen Auguste Comte 81798-1857) zurück. Ursprünglich hatte er von physique sociale gesprochen. Sie sollte nach dem Vorbilod der positiven - d.h. empirischen Fakten feststellenden und erklärenden - Naturwissenschaften die gesellschaftlichen Erscheinungen studieren und ihre Gesetze aufzeigen
- Die semantische Gleichheit formal identischer Antworten ist vielmehr erst dann gewährleistet, wenn die gleiche Kategorie im Erhebungsinstrument (z.B. Fragewortlaut plus Antwortvorgaben im Fragebogen) von den Informanten in identischer Weise verstanden und nach den gleichen Kriterien beantwortet wird. Diese Prüfung – Frageverständnis und Beantwortungsweise beim Informanten – ist die zentrale (und über die Datenqualität ent-scheidende) Funktion von Pretests, die leider viel zu häufig ver-nachlässigt wird.
- Empirisches Vorgehen ist „Ausgehen von Erfahrungstatsachen“.
- Die vorherrschende Leitmethodologie der Sozialforschung Für den Ansatz einer standardisiert-quantitativ vorgehenden empirischen Sozialforschung, deren Methoden im vorliegenden Lehrbuch vorgestellt werden, kann die unter dem Namen „Kritischer Rationalismus“ ausformulierte Variante der Forschungslogik (Albert im Anschluss an Popper) als die vorherrschende Leitmethodologie gelten.
- Das Hauptprinzip empirischer Forschungsmethodologie – wie es vom Kritischen Rationalismus vertreten wird – lautet: Alle Aussagen müssen an der Erfahrung überprüfbar sein, müssen sich in der Konfrontation mit der Realität bewähren. oder Alle Aussagen einer empirischen Wissenschaft müssen – sofern sie unzutreffend sind – prinzipiell an der Erfahrung scheitern können (vgl. Popper 1971, 15).
- Praktisch stellen zwei gravierende Probleme die empirische Wissenschaft vor grundlegende Schwierigkeiten: Das erste Problem bezieht sich auf das absolute Postulat der endgültigen Zurückweisung einer Aussage, sobald auch nur ein einziger Fall auftaucht, der im Widerspruch zu der Theorie/Hypothese steht (nur bei nomologischen Aussagen (Raum, Zeit unabh.) anwendbar; die gibt es praktisch nicht in den Sozi-Wissenschaften) Das zweite Problem allerdings existiert auch im Falle nomologischer Gesetze. Es entsteht, weil die Entscheidung über die (endgültige) Zurückweisung einer empirischen Hypothese bei konträren Beobachtungen sich bei genauerem Hinsehen als weitaus schwieriger erweist, als dies bisher vereinfachend dargestellt wurde. Denn die Hypothese (= die auf Vermutungen basierende Aussage) über reale Phänomene kann ja nicht unmittelbar mit der Realität konfrontiert werden, sondern lediglich mit einer auf Beobachtungen fußenden anderen Aussage über die Realität. Und diese Beobachtungsaussage über ein Ereignis kann selbst falsch sein. Sie müsste, um als Grundlage für die Entscheidung über die Hypothese dienen zu können, verifiziert werden können (-> Basissatzproblem).
- Hypothese? = eine auf Vermutungen basierende Aussage
- Eine „objektive“ Abbildung der Realität können empirische Basissätze nur in dem Maße sein, in dem diese (Hilfs-)Theorien nicht fehlerhaft sind und in dem bei ihrer Anwendung keine Fehler begangen wurden.
- Wenn es deshalb so ist, dass der Protokollsatz (der empirische Basissatz) nicht verifiziert werden kann, dann ist er eine unsichere Datenbasis.