Interviewkommunikation: Asymmetrisch
- kein Wechsel der Sprecherrollen (Forscher fragt, Informant antwortet) - Einseitige Kontrolle des Handlungsschemas - Für Interviewerinnen fremdes Terrain (Auswärtsspiel) - Für Informantinnen befremdliche Diskursformen und Themen
Anforderungen an Interviewer: ambivalent im qualitativen Interview
- Fairness-Dilemma: vertrauen bilden vs. Ausfragen - Dilemma der Vagheit: Vage Strukturvorgaben - Empathie vs. kristische Distanz - Dilemma der Selbstrepräsentation: Naive Neugierde trotz Fachkenntnis - Spezifik und Tiefgründigkeit vs. Vergleichbarkeit - Flexibilität der Gesprächsführung vs. Vollständigkeitsgebot
Der Kontrakt
Verabredung zum Interview wie einen Vertrag - Zeitrahmen - Verwendung von Aufnahmegeräten - Zahl der Beteiligten - Thema des Interviewgesprächs
Qualitatives Interview
- Merkmale
- Frageformulierung und Reihung nicht vorab festgelegt, sondern situation angepasst - es gibt unterschiedliche Arten qualitativer Interviews > Art und Ausmaß der Strukturiertheit > Typ der Untersuchungsfrage - Halbstrukturierte Interviews = Leitfadeninterviews
Fokussiertes Interview
- Entwickelt im Rahmen der amerikanischen Propaganda-Wirkungsforschung der 40er Jahre (Merton/Kendall) - Grundprinzip: > befragende Personen werden einem identischen Reiz ausgesetzt > Reiz wird inhaltsanalytisch ausgewertet --> Forschungshypothese + Interviewleitfaden werden entwickelt - Qualitatives Verfahren + N-D-Verfahren kombiniert
Qualitätskriterien qualitativer Interviews:
- Reichweite Problemstellung darf nicht zu eng sein - Spezifität Fragen unter Bezug auf konkrete Fälle und Ereignisse - Tiefe Ausdruck der affektiven, kognitiven und wertebezogenen Dimensionen - Personaler Kontext muss erfasst werden für ein angemessenes Verständnis der Daten
Leitfaden Interview
- Fragen und Reihenfolge vorab lose festgelegt - asymmetrisch, aber flexibler > werden den Bedürfnissen der Informanten angepasst > offen formuliert > keine Antwortvorgaben
Was sind offene Fragen?
- vermeiden Formulierungen mit Antwortrichtungen - Bitte, einen bestimmten Sachverhalt, eine persönliche Haltung zu einem Problem zu schildern - auf das Wie bezogen (weniger auf Ob) - enthalten ausführliche Erzählstimuli, um eine längere Darstellung der erlebten Ereignisse zu fordern
Was ist ein Leitfaden?
- roter Faden, Vorstellung vom mutmaßlichen Gesprächsverlauf - keine starre Strukturvorgabe - im konreten Erhebungskontext situativ variiert, an die Erfordernisse der Situation angepasst - hohe Anforderungen an die Interaktionskompetenz der Interviewerin
Wie sieht ein Leitfaden aus?
- ersten Fragen sollten ausformuliert werden - Kernbestand an offenen Fragen, die abgearbeitet werden sollen, erwünschte Vertiefungen oder Nachfragen - exemplarische Antwortrichtungen, um den Sinn der Frage zu verdeutlichen - übersichtlich auf wenigen Blätten - angeordnet, damit Erzählpotential optimal ausgenutzt werden können - soziodemographische Daten am Ende
Experten Gespräch
- gleicht technisch dem Leitfadeninterview Unterschied - Adressaten = Experten - besitzen Untersuchungsrelevantes Wissen zum Forschungsgegenstand - wir erheben nicht Wissen - sondern ihr Wissen über einen anderen Interaktionszusammenhang, mit dem sie professionell befasst sind
Narratives Interview
- Anwendungsbreiche: Biographieforschung, Interaktionsfeldanalysen, oral history - Vorgehen: ausführliche Erzählaufforderung der Gesprächspartner zu einer ausführlichen Darstellung selbst erlebter Ereignisse und Verläufe zu bewegen - "Zugzwänge des Erzählens", die zu einer Selbstentwicklung der Befragten in ihre eigene Erzählung führen sollen - nach Abschluss der Haupterzählung, anregende Nachfragen