17
Psychologie (Subject) / ICD 10 Störungen (Lesson)
Advertisement
- F20.0-20.3 Schizophrenie Allgemeine Kriterien Grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate/verflachte Affektivität Diagnostische Kriterien: G1: Während der meisten Zeit innerhalb mind. eines Monats sollte eine psychotische Episode unter folg. Merkmalen auftreten: 1. Mind. eines der folgenden Merkmale: a. Gedankenlautwerden,-eingebung,-entzug oder -ausbreitung b. Kontrollwahn,-beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, deutlich bezogen auf Körper- oder Gliederbewegungen oder bestimmte Gedanken, Tätigkeiten, Empfindungen; Wahnwahrnehmung c. kommentierende oder dialogische Stimmen, die über den Pat. reden oder andere Stimmen, die aus bestimmten Körperteilen kommen; d. anhaltend kulturell unangemessener, bizarrer Wahn (das Wetter kontrollieren zu können) 2. Oder mind. 2 der folg. Merkmale: a. anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität, tägl. während mind. eines Monats, begleitet von flüchtigen/undeutlich ausgebildeten Wahngedanken ohne deutl. affektive Beteiligung oder begleitet von überwertigen Ideen. b. Neologismen, Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, führt zu Zerfahrenheit/Danebenreden; c. katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypen oder wächserne Biegsamkeit, Negativismus, Mutismus und Stupor d. negative Symptome wie Apathie, Sprachverarmung, verflachte/inadäquate Affekte. (nicht durch Depression oder neuroleptische Medikation verursacht!) G2. Häufigste Ausschlusskriterien: Wenn manische oder depressive Episode, müsssen die "schizophrenen" Symtome vor der affektiven Störung aufgetreten sein. 2. organische Gehirnerkrankung, Alkohol- oder Substanzintoxikation, Abhängigkeits-, Entzugssyndrom Besonders bei jungen Menschen tritt vor den typischen schizophrenen Symptomen eine Wochen oder Monate andauernde Prodromalphase auf: Interessenverlust, sozialer Rückzug, Fernbleiben der Arbeit, Reizbarkeit, Überempfindlichkeit
- F20.0 paranoide Schizophrenie Beispiele für die häufigsten wahnhaften bzw. halluzinatorischen Symptome sind: 1. Eifersuchts-, Beziehungs-, Verfolgungs-, zoenthetischer, Abstammungs-, Sendungswahn 2. Stimmen, die den Betroffenen bedrohen oder ihm Befehle geben, nichtverbale akustische Halluzinationen (Akoasmen) wie Pfeifen, Brummen oder Lachen. 3. Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen, sexuelle oder andere Körperhalluzinationen. Optische H. können ebenfalls auftreten, stehen jedoch nicht im Vordergrund. Dazugehörige Begriffe: paraphrene Schizophrenie Differentialdiagnose: Ausschluss epileptische/drogeninduzierte Psychosen Diagnostische Kriterien: A. Die allgemeinen Kriterien der Schizophrenie (F20.0-F20.3) müssen erfülltsein. B. Halluzinationen oder Wahnphänomene müssen vorherrschen (Eifersuchts-, Beziehungs-, Verfolgungs-, zoenthetischer, Abstammungs-, Sendungswahn; drohende oder befehlende Stimmen,Geruchs- und Geschmackshalluzinationen, sexuelle oder andere körperliche Sensationen). C Ein verflachter oder inadäquater Affekt, katatone Symptome oder Zerfahrenheit dominieren das klinische Bild nicht. Alle diese Phänomene können jedoch in leichter Form vorhanden sein.
- F20.1 hebephrene Schizophrenie Hier stehen affektive Veränderungen im Vordergrund. Wahnvorstellungen und Halluzinationen sind flüchtig und bruchstückhaft, das Verhalten verantwortungslos und unvorhersehbar und Manierismen häufig. Flache, unpassende Stimmung, oft begleitet von kichern oder selbstzufriedenem, selbstversunkenen Lächeln oder von einer hochfahrenden Umgangsweise, von Grimassieren, Manierismen, Faxen, hypochondrischen Klagen und immer wiederholten Äußerungen. Das Denken ist ungeordnet, die Sprache weitschweifig und zerfahren. Der Kranke isoliert sich, sein Verhalten scheint ziellos und ohne Empfindung. Beginn zwischen 15. und 25. LJ, wegen der schnellen Minussymptomatikentwicklung, besonders Affektverflachung und Antriebsverlust, besteht eine schlechte Prognose. Die Diagnose sollte erstmalig nur bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen gestellt werden. Die prämorbide Persönlichkeit ist meist ziemlich schüchtern und einzelgängerisch. Dazugehörige Begriffe: desorganisierte Schizophrenie/Hebephrenie Diagnostische Kriterien A. Die allgemeinen Kriterien für Schozophrenie müssen erfüllt sein. B. Kriterium 1. oder 2. muss erfüllt sein: 1. eindeutige und anhaltende Verflachung oder Oberflächlichkeit des Affekts: 2. eindeutige und anhaltendende Inadäquatheit oder Unangebrachtsein des Affekts. C. Kriterium 1. oder 2. muss erfüllt sein: 1. zielloses und unzusammenhängendes Verhalten statt Zielstrebigkeit, 2. eindeutige Denkstörungen, die sich als unzusammenhängende, weitschweifige oder zerfahrene Sprache äußern. D. Halluzinationen oder Wahnphänomene bestimmen das klinische Bild nicht, können jedoch in leichter Form vorhanden sein.
- F20.2 katatone Schizophrenie Merkmal sind psychomotorische Störungen; zwischen Erregung und Stupor. Episodenhafte schwere Erregungszustände können ein Charakteristikum sein. Katatone Symptome können auch bei Gehirnerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Alkohol/Drogen hervorgerufen werden und bei affektiven Störungen auftreten. Dazugehörige Begriffe: katatoner Stupor, schizophrene Katalepsie Diagnostische Kriterien A. allgemeine Kriterien Schizophrenie müssen erfüllt sein B. Für mind. 2 Wochen müssen eins oder mehrere der folgenden Merkmale vorhanden sein: 1. Stupor (eindeutige Verminderung der Reaktionen auf die Umgebung, sowie Verminderung spontaner Bewegungen und Aktivität) oder Mutismus; 2. Erregung (anscheinend sinnlose motorische Aktivität, die nicht durch äußere Reize beeinflusst ist), 3. Haltungsstereotypen (Einnehmen und Beibehalten bizarrer Haltungen). 4. Negativismus (Widerstand gegenüber Aufforderungen oder Versuchen, bewegt zu werden) 5. Rigidität (Beibehaltung einer starren Haltung gegenüber Versuchen, bewegt zu werden); 6. wächserne Biegsamkeit (Verharren der Glieder oder des Körpers in Haltungen, die von außen auferlegt sind); 7. Befehlsautomatismus (automatische Befolgung von Anweisungen).
- F20.3 undifferenzierte Schizophrenie Erfüllt die allgemeinen diagnostischen Schizophrenie Kriterien. Diese Kategorie ist nur für psychotische Zustandsbilder zu verwenden, erst nach dem Versuch, das Erscheinungsbild einer der Drei bereits beschriebenen Unterformen zuzuordnen. Dazugehöriger Begriff: atypische Schizophrenie Diagnostische KriterienA. Allgemeine Kriterien für Schizophrenie müssen erfüllt sein. B. Kriterium 1. oder 2. muss erfüllt sein: 1. Die Symptome erfüllen die Kriterien für eine der Untergruppen F20.0, F20.1, F20.4, F20.5 nicht. 2. Die Symptome sind so zahlreich, dass die Kriterien für mehr als eine der unter B 1. aufgeführten subgruppen erfüllt werden.
- F20.4 postschizophrene Depression Eine unter Umständen länger anhaltende depressive Episode, die im Anschluss an eine schizophrene Erkrankung auftritt. Einige schizophrene Symptome müssen noch vorhanden sein, beherrschen aber nicht mehr das klinische Bild. Häufiger ist die Negativsymptomatik. Diagnostische Kriterien A. Allgemeine Kriterien der Schizophrenie müssen während der letzten 12 Monate erfüllt gewesen sein, sind aber zur Zeit nicht nachweisbar. B. Eins von den Kriterien F20 G12.a,b,c oder d muss noch vorhanden sein. C. Die depressiven Symptome müssen ausreichend lange andauern, sowie schwer und umfassend genug sein, um mindestens die Kriterien für eine leichte depressive Episode (F32.0) zu erfüllen.
- F20.5 schizophrenes Residuum chronisches Stadium im Verlauf einer schizophrenen Erkrankung Keine Demenz oder organische Hirnetrkrankungen oder -störungen, keine chronische Depression oder Hospitalismus, welche die "negativen" Symptome erklären könnten. Dazugehörige Begriffe chron. undifferenzierte Sch., Restzustand, schizophrener Residualzustand Diagnostische Kriterien A. Allg. Kriterien der Schizophrenie müssen in der Vergangenheit erfüllt gewesen sein, sind aber zur Zeit nicht nachweisbar. B. Mind. 4 der folgenden "negativen" Symptome waren während der vorangegangenen 12 Monate vorhanden: 1. Psychomotorische Verlangsamung oder verminderte Aktivität; 2. deutliche Affektverflachung; 3. Passivität und Initiativemangel; 4. Verarmung hinsichtlich Menge oder inhalt des Gesprochenen; 5. geringe nonverbale Kommunikation, deutlich an Mimik, Blickkontakt, Stimmmodulation und Körperhaltung; 6. verminderte soziale Leistungsfähigkeit und Vernachlässigung der Körperpflege.
- 20.6 Schizophrenia simplex Seltenes Zustandsbild mit schleichender Progredienz von merkwürdigem Verhalten, der Unmöglichkeit soziale Anforderungen zu erfüllen und mit Verschlechterung der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Dazugehörige Begriffe: einfache Schizophrenie Diagnostische Kriterien A. Schleichende Progredienz aller folg. Merkmale über einen Zeitraum von mind. einem Jahr: 1. Deutliche und anhaltende Veränderungen in einigen früheren Persönlichkeitsmerkmalen, was sich in einem Antriebs- und Interesseverlust äußert, sowie in nutz- und ziellosem Verhalten, in Selbstversunkenheit und sozialem Rückzug: 2. allmähliches Auftreten und Verstärkung von negativen Symptomen wie Apathie, Sprachverarmung, verminderte Aktivität, deutliche Affektverflachung, Passivität, Initiativemangel und verminderte nonverbale Kommunikation (Mimik, Blickkontakt, Stimmmodulation oder Körperhaltung); 3. deutliche Abnahme der schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit. B. Niemals treten die unter F20.0-F20.3 G1 aufgeführten Symptome oder Halluzinationen und ausgeformten Wahninhalte jeglicher Art auf. D.h. die Betroffenen dürfen niemals die Kriterien für eine Schizophrenie oder eine andere psychotische Störung erfüllt haben. C. Kein Nachweis einer Demenz oder einer anderen organischen psychischen Störung im Sinne von Kapitel F0.
- F20.8 sonstige Schizophrenie Dazugehörige Begriffe: coenästhetische Schizophrenie/nicht näher bezeichnete schizophreniforme Störung Ausschluss: akute schizophreniforme Störung, latente Schizophrenie, zyklische Schizophrenie
- F20.9 nicht näher bezeichnete Schizophrenie Hier ist kein spezielles Kriterium definiert!
- Advertisement
- F21 schizotype Störung Eine Störung mit exzentrischem Verhalten und Anomalien des Denkens und der Stimmung, die schizophren wirken, obwohl nie eindeutige schizophrene Symptome aufgetreten sind. Dazugehörige Begriffe: Borderline Schizophrenie, Grenzschizophrenie Ausschluss: Asperger Syndrom, schizoide Persönlichkeitsstörung Diagnostische Kriterien A. Betroffene haben über mind. 2 Jahre 4 der folgenden Merkmale entweder ununterbrochen oder wiederholt gezeigt: 1. unangepasster und eingeengter Affekt, so dass die Betroffenen kalt und unnahbar erscheinen; 2. seltsames, exzentrisches oder eigentümliches Verhalten und Erscheinung; 3. wenige soziale Bezüge und Tendenz zu sozialem Rückzug; 4. sonderbare Ansichten oder magisches Denken, dass das Verhalten beeinflusst und nicht mit subkulturellen Normen übereinstimmt; 5. Misstrauen oder paranoide Vorstellungen; 6. Grübeln ohne inneren Widerstand oft mit dysmorphophoben, sexuellen oder aggressiven Inhalten; 7. ungewöhnliche Wahrnehmungen, einschließlich Körpergefühlsstörungen oder andere Illusionen, Depersonalisations- oder Derealisationserleben; 8. vages, umständliches, metaphorisches, gekünsteltes und oft stereotypes Denken, das sich in einer seltsamen Sprache oder auf andere Weise äußert, ohne deutliche Zerfahrenheit; 9. gelegentliche, vorübergehende quasi-psychotische Episoden mit intensiven Illusionen, akustischen oder anderen Halluzinationen und wahnähnlichen Inhalten; diese Episoden treten im allgemeinen ohne äußere Veranlassung auf. B. Die betroffenen haben niemals die Kriterien für eine Schizophrenie (F20) erfüllt.
- F22 anhaltende wahnhafte Störungen Die Gruppe enthält Störungen, bei denen ein langandauernder Wahn das einzige/auffälligste klinische Charakteristikum ist, und die nicht als organisch, schizophren oder affektiv klassifiziert werden können
- F22.0 wahnhafte Störung Gruppe von Störungen ist charakterisiert durch die Entwicklung einer einzelnen Wahnidee oder mehrerer aufeinander bezogener Wahninhalte, die im allgemeinen länger andauern, bis zu lebenslang bestehen. Dazugehörige Begriffe: Paranoia/sensitiver Beziehungswahn/späte Paraphrenie Ausschluss: paranoide Persönlichkeitsstörung, -Reaktion, -Schizophrenie, psychogene paranoide Psychose Diagnostische Kriterien A. Ein Wahn oder Wahnsystem mit anderen als den typischen unter F20 G1.1b oder d. aufgezählten schizophrenen Inhalten (keine unmöglichen/kulturell inakzeptablen Votstellungen). Am häufigsten: Verfolgungs-, Größen-, Eifersuchts-, Liebes- oder hypochondrischer Wahn. B. Die Wahngedanken (A.) müssen mind. 3 Monate bestehen. C. Allgemeine Schizophreniekriterien werden nicht erfüllt. D. Anhaltende Halluzinationen jeglicher Sinnesmodalität dürfen nicht vorkommen (Ausnahme: vorübergehende oder gelegentliche akustische Halluzinationen, die nicht in der 3. Person sprechen oder laufend kommentieren, können vorkommen). E. Depressive Symptome (sogar depressive Episode F32.-) können vorkommen, wenn die Wahngedanken nach Rückbildung affektiver Symptome unverändert weiter bestehen.) F. Häufigstes Ausschlusskriterium: Kein Nachweis einer primären oder sekundären Gehirnerkrankung oder einer durch psychotrope Substanzen bedingten psychotischen Störung
- F22.8 sonstige anhaltende wahnhafte Störungen Restkategorie von F22. Wahngedanken werden von anhaltendenden Stimmen begleitet oder Vorliegen schizophrener Symptome, die nicht ausreichen, die Kriterien der Schizophrenie zu erfüllen Dazugehörige Begriffe: wahnhafte Dysmorphophobie/Querulantenwahn
- F22.9 nicht näher bezeichnete anhaltende wahnhafte Störung Hier ist kein Kriterium definiert.
- F23 akute vorübergehende psychotische Störungen Fehlen eine multiaxialen Systems, zur Vermeidung von diagnostischer Verwirrung ist eine Rangfolge angegeben: 1. akuter Beginn innerhalb von 2 Wochen als entscheidendes Kennzeichen der gesamten Gruppe von Störungen. 2. Das Vorhandensein typischer Syndrome. 3. Das Vorliegen einer akuten Belastung.
- F24 induzierte wahnhafte Störung Seltene wahnhafte Störung, die von 2 oder gelegentlich mehr Personen mit engen emotionalen Bindungen geteilt wird. Eine leidet unter einer echten psychotischen Störung; die Wahnvorstellungen sind bei dem (den) anderen induziert und verschwinden bei Trennung der Person meist. Dazugehörige Begriffe: Folie a deux/induzierte paranoide oder psychotische Störung/symbiotische Psychose