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Modul 3 (Subject) / Datenerhebung (Lesson)

Grundlagen der Datenerhebung und deskriptiven Statistik

This lesson was created by Nicilein.

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  • Befragung Die Befragung ist die am häufigsten angewandte Datenerhebungsmethode in den empirischen Sozialwissenschaften. 90% aller Daten werden auf diese Weise erhoben.
  • Es gibt verschiedene Formen der mündlichen Befragung: (4 Stück) 1) exploratives Interview 2) narratives Interview 3) Leitfadeninterview 4) Einzelinterview bzw. standardisiertes Interview
  • Exploratives Interview Diese Form des Interviews ist wenig strukturiert und es bleibt dem Interviewer frei überlassen, die Anordnung der Fragen und ihre Formulierungen den Bedürfnissen und Vorstellungen des Befragten anzupassen. Das Interview ist flexibler und offener gestaltet. Ihm liegt oft aber trotzdem ein grob strukturierter Leitfaden zugrunde. Der Interviewer nimmt eine passive Rolle ein und lässt den Befragten den Gang des Gesprächs bestimmen. Der Befragte kann so die Themenschwerpunkte selbst wählen. Dadurch werden eine hohe Inhaltsvalidität und ein tieferer Informationsgehalt erreicht.
  • Narratives Interview Beim narrativen Interview ist es das Ziel, Erlebnisse und Episoden aus der Lebensgeschichte des Befragten zu erfahren. Der Interviewer liefert dazu einen Erzählanstoß zu Beginn des Interviews. => wird häufig nur Biographieforschung genutzt
  • Leitfadeninterview Man macht sich vor dem Interview Gedanken darüber, was man wissen möchte und auf welche Fragen man Antworten bekommen möchte. Man erstellt sich dazu einen gut strukturierten Leitfaden, den man während des Interviews nutzt. (Diese Form des Interviews ist zwar strukturiert, jedoch nicht so sehr, wie das Einzelinterview bzw. das standardisierte Interview.)
  • Einzelinterview bzw. standardisiertes Interview Bei dieser Form des Interviews soll für alle Befragten eine Gleichheit der Interviewsituation erzielt werden. Dies wird durch die Vorgabe festgelegter Fragen vorausgesetzt. Der Interviewer dient hier als "lebendes Messinstrument" und verpflichtet sich zu völliger Neutralität. Er geht nicht persönlich auf den Befragten ein. Der Interviewer ist prinzipiell austauschbar bzw. beliebig einsetzbar!
  • Interviewereffekte Interviewereffekte sind Verfälschungen der Untersuchungsergebnisse, die der Interviewer verursacht (häufig aber unbewusst). Das Interview und somit auch das Ergebnis wird durch verschiedene wechselseitige Einflussfaktoren beeinflusst (z.B. Mimik, Gestik, das Verhalten des Gegenübers). Das Untersuchungsergebnis sollte jedoch nicht vom Messenden abhängen. Daher ist es wichtig, dass er kontrolliert handelt!
  • Der "gute" Interviewer sollte folgende 7 Eigenschaften besitzen: 1) Verhalten anderer aufmerksam beobachten und verstehen können 2) psychische Belastbarkeit 3) hohe Anpassungsfähigkeit 4) gute Allgemeinbildung 5) ist ausreichend über das Befragungsthema informiert 6) kontrolliert streng sein eigenes verbales und nonverbales Verhalten 7) ist selbstkritisch, um Gefährdungen der Interviewresultate erkennen und gegebenfalls vermeiden zu können
  • Die perfekte Befragungsperson sollte folgende 4 Kriterien erfüllen: 1) sie muss erreichbar sein 2) sie sollte das Interview bei der ersten Kontaktaufnahme nicht verweigern 3) sie sollte keine einzelnen Fragen ablehnen 4) sie sollte ihre Antworten nicht verzerren, z.B. durch: bewusste Falschangaben Tendenz zu Zustimmungen Abgabe sozial erwünschter Antworten Suggestivfragen Die Antwortverzerrung geschieht häufig jedoch mehr oder weniger bewusst durch den Befragten!!
  • Schriftliche Befragung Bei der schriftlichen Befragung beantworten die Untersuchungsteilnehmer selbstständig die schriftlich vorgelegten Fragen, z.B. einen Fragebogen. Hierbei wird auf steuernde Eingriffe durch einen Interviewer verzichtet. Es ist daher auch sehr wichtig, bei dieser Form der Befragung die Fragen (sowie auch mögliche Antwortvorgaben) eindeutig zu formulieren, so dass sie vom Befragten verstanden werden können. Denn es ist keine Erklärung durch den Interviewer möglich!! Fragen mit Antwortvorgaben sind bei der schriftlichen Befragung vorzuziehen, da sie leichter auszuwerten sind als offene Frageformen. Außerdem wird hierbei eine höhere Beteiligung erzielt, da viele Personen aus Angst vor Rechtschreibfehlern nur kurze oder unvollständige Antworten abgeben.
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  • Think-Aloud Durch die Aufforderung, sämtliche Gedankengänge, die zur Antwort führen, laut zu denken und zu formulieren, werden Hinweise darüber erhalten, wie die ganze Frage oder einzelne Begriff verstanden werden. PROBLEM: Befragte sind häufig nicht fähig, die Prozesse, die zur Entscheidung ihrer Antwort führen, unmittelbar zu artikulieren => Überforderung => Angaben können verfälscht werden!
  • Paraphrasing Befragte sollen nach der Beantwortung die Frage mit eigenen Worten wiederholen. Dies gibt Hinweise darüber, ob die Frage überhaupt verstanden wurde.
  • Confidence Rating Befragte sollen nach ihrer Antwort den Grad der Verlässlichkeit ihrer Antwort bewerten, also wie sicher sie sich bei der Antwort waren.  
  • Probing Eine gegebene Antwort wird vom Interviewer durch eine oder mehrere Zusatzfragen hinterfragt.  
  • Worin unterscheidet sich die empirische Forschung von der Alltagserfahrung? (5 Punkte) 1) Systematik und Dokumentation des Vorgehens 2) Präzision der Terminologie 3) Art der Auswertung und Interpretation  von Informationen 4) Überprüfung von Gültigkeitskriterien 5) Umgang mit Theorien
  • Objektivität Unabhängigkeit des Ergebnisses eines Tests vom Untersucher => verschiedene Untersucher kommen immer zum gleichen Ergebnis, die Testchancen sind also immer gleich
  • Durchführungsobjektivität es herrschen bei jedem Test für jeden Teilnehmer gleiche Durchführungsbedingungen => Instruktion, Zeitvorgabe etc. => z.B. gleiche Bedingungen für alle bei PISA und Abitur
  • Auswertungsobjektivität alle Auswerter ermitteln die gleichen Leistungswerte => Schablonen zur Ermittlung, Übereinstimmung mit anderen Ergebnissen => Problem bei Aufsätzen!!
  • Interpretationsobjektivität unterschiedliche Auswerter kommen zur selben Interpretation
  • Reliabilität Maß für die Genauigkeit/Verlässlichkeit/Reproduzierbarkeit einer Messung => bei mehrfacher Testdurchführung erhält man immer das gleiche bzw. ein ähnliches Ergebnis
  • Retest-Reliabilität = Stabilität eines Tests zu unterschiedlichen Messzeitpunkten wird ein ähnlicher Wert gemessen => z.B. sollte das Testergebnis eines IQ-Tests bei der jeweiligen Person nach 4 Wochen immer noch in etwa gleich sein  
  • Paralleltest-Reliabilität mit vergleichbaren Testhälften wird ein ähnliches Ergebnis erzielt
  • interne Konsistenz Homogenität des Tests => Korrelation (Zusammenhang) der Items untereinander
  • Validität = Gültigkeit Der Test misst das, was er zu messen vorgibt. => Übereinstimmung des Tests mit dem tatsächlichen Sachverhalt (wer im Test in XY gut ist, sollte auch im Alltag in XY gut sein) Ohne Objektivität und Reliabilität gibt es keine Validität!!
  • Inhaltsvalidität es werden ALLE Aspekte eines Merkmals gemessen und nicht nur eines => z.B. ein Test zur Rechenleistung sollte alle Grundrechenarten enthalten und nicht nur Addition und Subtraktion
  • Kriteriumsvalidität Der Test sollte mit einem Kriterium einen hohen Zusammenhang aufweisen, misst ob die Kriterien des Tests einen Erfolg vorhersagen lassen. => z.B. Mathetest soll wirklich nur Mathekenntnisse und nicht Deutschkenntnisse messen  
  • Konstruktvalidität Test misst die Eigenschaft/das Konstrukt, was er auch zu messen vorgibt.
  • Was beurteilt die Qualität eines Tests? Testgütekriterien: Objektivität, Reliabilität, Validität
  • Welche Bedinungen müssen die Kategorien qualitativer Merkmale erfüllen? 1) Genauigkeitskriterium: Kategorien müssen exakt definiert sein 2) Exklusivitätskriterium: Kategorien müssen sich gegenseitig ausschließen. 3) Exhausivitätskriterium: Kategorien müssen das Merkmal erschöpfend beschreiben
  • Indexbildung Ein Index ist ein Messwert für ein komplexes Merkmal, der aus den Messwerten mehrerer Indikatorvariablen zusammengesetzt wird. Index = Zusammenfassung mehrer Einzelindikatoren
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  • Es gibt drei verschiedene Arten von Indizes (= pl. Index)... 1) ungewichteter additiver Index: die Ausprägung der Indikatoren wird einfach addiert und gemittelt 2) multiplikativer Index: mulitiplikative Verknüpfung der Ausprägung der Indikatoren 3) gewichteter additiver Index: unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Indikatoren
  • Ratingskalen am häufigsten verwendetes Erhebungsinstrument (aber auch am umstrittensten)   geben markierte Abschnitte eines Merkmalkontinuums vor   die Urteilenden werden gebeten, diejenige Stufe anzukreuzen, die ihrem subjektiven Empfinden entspricht
  • Es wird grundsätzlich zwischen zwei Varianten von Ratingskalen unterschieden: 1) bipolare Ratingskalen: Extreme sind durch zwei gegensätzliche Begriffe markiert (z.B. gespannt - gelöst)   2) unipolare Ratingskalen: zu einem Begriff gibt es keinen passenden Gegenbegriff
  • Es gibt 5 verschiedene Darstellungsformen von Ratingskalen... 1) numerische Marken 2) verbale Marken 3) symbolische Marken (z.B. Smileys) 4) grafisches Rating => keine Vorgabe von Merkmalsabstufungen, sondern man trägt auf einer Linie sein Kreuzchen dort ein, wo man es für richtig empfindet 5) Skalenverankerung durch Beispiel => durch die Formulierung beispielhafter Extrempositionen können sehr gezielt Informationen erfragt werden
  • Was ist die wichtigste Entscheidung bei Ratingskalen? => Anzahl der Abstufungen!! Man muss sich bei Ratingskalen entscheiden, ob man ungeradzahlige oder geradzahlige Abstufungen haben will. bei ungeradzahligen Ratingskalen gibt es eine neutrale Mittelkategorie => erleichtert unsicheren Urteilern das Ausweichen auf diese Neutralkategorie bei geradzahligen Ratingskalen verzichtet man auf die neutrale Mittelkategorie => man erzwingt vom Urteiler ein zumindest tendenziell in eine Richtung weisendes Urteil
  • Welche sind die wichtigsten 4 Urteilsfehler? 1) Halo-Effekt 2) Milde-Härte-Fehler 3) Zentrale Tendenz 4) Primacy-Recency-Effekt
  • Definition "Test" Ein (psychometrischer) Test ist ein wissenschaftliches Routineverfahren zur Untersuchung eines oder mehrerer empirisch abgrenzbarer Persönlichkeitsmerkmale. Ziel: Eine möglichst quantitative Aussage über den relativen Grad der individuellen Merkmalsausprägung erfassen.
  • Was sind die verschiedenen Testverfahren? Man unterscheidet generell zwischen psychometrischen Tests und dem projektiven Verfahren. zu den psychometrischen Tests zählen: 1) Leistungstests: es liegt ein Beurteilungsmaßstab vor (z.B. Intelligenztest, Entwicklungstest) => Schnelligkeitstests und Niveautests 2) Persönlichkeitstests: kein Beurteilungsmaßstab, sondern individuelle Persönlichkeitsmerkmale (z.B. Einstellungstests, Interessentests) projektives Verfahren: unstrukturiertes Material wird vorgegeben, um Unbewusstes und Vorverbales zu erfassen (z.B. Rorschach-Test, TAT)  
  • Klassische Testtheorie => 95% aller Tests basieren auf der KTT Grundannahmen der KTT: 1) X = T + E => der beobachtete Messwert X einer Person in einem Tests setzt sich zusammen aus dem konstanten wahren Wert T und einem Messfehler E 2) der Messfehler bezieht sich nur auf unsystematische Einflüsse 3) es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Messfehler und dem wahren Wert einer Person (oder Population/Teilpopulation)  
  • Maße der zentralen Tendenz 1) Modus 2) Median 3) arithmetisches Mittel 4) p-Quantil
  • Maße der Streuung (=Dispersion) 1) Spannweite 2) Quartilsabstand 3) mittlere absolute Abweichung 4) Stichprobenvarianz 5) Standardabweichung
  • Modus aus einer Zahlenreihe wird das am häufigsten gemessen Merkmal X gesucht (z.B. xMod=4)
  • Median 50% aller Werte sind größer/kleiner oder gleich xi => verschiedene Berechnung für gerade und ungerade Anzahl von Messwerten
  • arithmetisches Mittel Durchschnitt der beobachteten Merkmalswerte => "Summe aller beobachteten Werte" geteilt durch "Anzahl der Beobachtungen"
  • p-Quantil kleinster Wert xi für den gilt, dass 100% der Werte kleiner oder gleich xi sind => der Median ist das 0.5-Quantil = 50% => die 0.25-, 0.5-, 0.75-, 1-Quantile werden auch als 1., 2., 3. und 4. Quartil bezeichnet Beispiel: Das dritte Quartil der Verteilung der Werte eines Schulleistungstests beträgt 570 => d.h. 75% der Schüler erzielten einen Wert kleiner oder gleich 570!!  
  • Spannweite R Differenz des größten und kleinsten beobachtbaren Wertes  
  • Quartilsabstand Differenz zwischen dem 3. und 1. Quartil, also dem 0.75- und 0.25-Quantil.
  • mittlere absolute Abweichung Die mittlere absolute Abweichung gibt an, wie weit die Elemente einer Verteilung im Durchschnitt vom arithmetischen Mittel abweichen.
  • Stichprobenvarianz => s2 Die Stichprobenvarianz ist die durchschnittliche quadrierte Abweichung der Einzelwerte vom arithmetischen Mittel.
  • Standardabweichung s Die Standardabweichung s gibt an, wie weit die einzelnen Werte vom arithmetischen Mittel abweichen => s ist die Wurzel aus der Stichprobenvarianz s2