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Praxisforschung I (Subject) / 4. Der qualitativ orientierte Forschungsprozess (Lesson)
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- 4. Der qualitativ orientierte Forschungsprozess: Selbsttest - Qualitativ Bedeutung/Sinn von Dingen In Abgrenzung zu quantitativ (physikalische Präsenz - Maße, Gewicht etc.)
- 4. Der qualitativ orientierte Forschungsprozess: Selbsttest - Hermeneutischer Zirkel Verstehen, beim 2. Lesen mehr verstehen, beim 3. Mal noch mehr Schleifenförmiger Erkenntnisgewinn Sättigung: kein weiterer Erkenntnisgewinn möglich, alles verstanden
- 4. Der qualitativ orientierte Forschungsprozess: Selbsttest - Paraphrase etw. mit eigenen Worten wiedergeben verstehende Wiederholung sehr nah am Originaltext 1. Schritt der Datenreduktion beim Interview intersubjektive Verständigung bei Interviewauswertung zw. 2 Auswertern
- 4. Der qualitativ orientierte Forschungsprozess: Selbsttest - Narratives Interview freies Interview => Befragter erzählt relativ frei und selbständig
- 4. Der qualitativ orientierte Forschungsprozess: Selbsttest - Ethnografie Sinnverstehen des Fremden reiner Blick auf das Fremde => Methode: teilnehmende Beobachtung
- 4.1 quantitativ vs. qualitativ - ein reiner Datenunterschied Standartisiert: Antworten in Kategorien gequetscht Daten und Fakten der Krankheit & Symptome nicht-standartisiert Befragter spricht mehr wertschätzender subjektive Verarbeitung und Umgang mit Krankheit
- 4.1 quantitativ vs. qualitativ: Vor- und Nachteile (Quantitative Daten) Quantitative Daten (entsprechend dem naturwissenschaftlichen Ideals Erfassung der Beobachtungsrealität zwecks beobachtbarer/messbarer Daten; über Operationalisierung transformierte Hypothesen in messbare/quantifizierbare Größen/Variablen tranformiert werden, an denen dann statistische Operationen vollzogen werden können) Vorteile Leichte Erhebbarkeit Hohe Vergleichbarkeit ökonomisch Nachteile Infoverlust triviale Ergebnisse, weil reduktionistisch
- 4.1 quantitativ vs. qualitativ: Vor- und Nachteile (Qualitative Daten) Qualitative Daten (meint v.a. verbale/symbolische Daten, die interpretiert werden müssen, z.B. Texte, Interviews, Briefe, Zeitungsartikel, Filme, Kleidungsstücke, beobachtbare Handlungen) Vorteile: hoher Informationsgehalt Zugang zu latenten Sinngehalten Offen Nachteile: Sehr aufwendig Triviale Ergebnisse, weil zu komplex
- 4.1 quantitativ vs. qualitativ: Der Unterschied geht tiefer Begriffliche Gegensatzpaare, die den Unterschied zwischen „quantitativ"und „qualitativ" auf unterschiedlichen Ebenen markieren Quantitativ - Qualitativ hart - weich naturwissenschaftlich - geisteswissenschaftlich Erklären - Verstehen Messen - Interpretieren Isolieren von eizelnen Variablen - Komplexe Struktur des Falls Verhalten - Erleben nomothetisch (allg. Gesetzmäßigkeiten aufstellend) - ideografisch (Einzelfall beschreibend) Labor (Experiment, ideale Bedingungen) - Feld (unter realist. Bedingungen)
- 4.1 quantitativ vs. qualitativ: Der Unterschied geht tiefer - 1. Beispiel: nomothetisch vs. idiographisch 1. nomothetisch (quantit.) vs. idiographisch (qualitat.) (wissenschaftliche. Aussagen) Windelband (1894) ursprünglich Unterschied Nawi und Gewi, Gesetzesaussagen vs. individualisierende Aussagen aber eigentlich soll natürlich in beiden Fällen verallgemeinert werden, denn Aussagen über einen Einzelfall sind keine Wissenschaft - insofern Frage, wie Fall verallgemeinert (was ist das Allgemeine am Fall) Unterschied eher: ob Gesetzesaussagen oder Regeln und Typisches, was historisch relativ (gerade für Sozial- und Geisteswissenschaften)
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- 4.1 quantitativ vs. qualitativ: Der Unterschied geht tiefer - 2. Beispiel: Labor vs. Feld Labor (quantit.): Künstlichkeit und Alltagsferne, Untersuchungssituationen zumZwecke der Untersuchungen hergestellt: Vpn. verhalten sich immer auch zu dieser Situation, so dass dies als Fehlerquelle die Ergebnisse verzerrt Versuch durch noch mehr Kontrolle zu unterbinden, was es noch künstlicher macht Feld (qualitat.): Untersuchungen im quasi natürlichen Lebensraum der Subjekte, in die durch Wissenschaftler wenig eingegriffen wird, allerdings auch hier immer auch Veränderung des Feldes durch Eintritt des Forschers und Komplexität des Feldes.
- 4.1 quantitativ vs. qualitativ: Der Unterschied geht tiefer - 3. Beispiel: Deduktion vs. Induktion Deduktion (quantit.): Ableitung einer Hypothese oder eines Satzes durch log. Schluss aus allgemeinem Gesetz - bzw. empirische Prüfung dieses dieser Hypothese allein Prüfung der Geltung einer Hypothese, wie und wo neues Wissen entsteht, kaum nachvollziehbar, entspricht der Logik des oben skizzierten Forschungsprozesses (so bei Popper auch rein Frage der Psychologie und nicht systematischer Forschungsarbeit) Induktion (qualitat.): Schlüsse aus der reinen Beobachtung von Fällen, Verallgemeinerung von "unten" und Formulierung von Hypothesen, allerdings solche immer unsicher, weil immer begrenzte Zahl der Fälle, aber das ja auch bei Deduktion, weil Prüfung nur statisch möglich also Unterschied auch hier relativ
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Kritischen Rationalismus (K. Popper) es gibt eine objektive Realität außerhalb unserer Vorstellungen Ausgang vom Positivismus der Naturwissenschaft, aber Kritik am naiven Induktionsprinzip (alle positiven Fälle, die für eine bestimmte Theorie sprechen) Stattdessen: keine theorielose Beobachtung möglich, deswegen Regeln wie Theorien aufgrund von Beobachtungen geprüft werden können, dabei: weniger Verifizierung sondern Falsifizierung von Theorien Suche nach Gesetzmäßigkeiten und Regeln, die im Idealfall raumzeitlich unbegrenzt sind (solche Gesetze gibt es in den Sozwiss. aber nicht), deshalb eher probabilistische denn deterministische Theorien Kernstück Prüfung Erklärung von Theorien, dabei Frage, ob eine Theorie oder eine aus abgleite Hypothese, einen beobachtbaren Sachverhalt erklären kann
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Kritischen Rationalismus (K. Popper) - Kernstück: Hempel-Oppenheimer-Schema Eine deduktiv-nomologische Erklärung eines Sachverhaltes ist ein logisch korrektes Argument, das aus dem Explanans (den erklärenden Sätzen) – allgemeingültigen (wissenschaftlichen) Gesetzen und speziellen Bedingungen – und dem daraus ableitbaren Explanandum (dem zu erklärenden Satz) besteht. Die Erklärung des Phänomens besteht im Nachweis, dass das Phänomen den bekannten allgemeinen Gesetzen gehorcht, die auf die speziellen Gegebenheiten anzuwenden sind. Explanans: L1, ..., Ln (zu lat. lex, Gesetze) C1, ..., Cr (zu lat. conditio, Bedingungen) Explanandum Folgendes Beispiel stammt von Karl Popper (L=Gesetz, C=Rand- oder Anfangsbedingungen): Explanans: (L) Jedes Mal, wenn ein Faden der Stärke r mit einem Gewicht von mindestens K belastet wird, reißt er.(C1) Dies ist ein Faden der Stärke r.(C2) Das angehängte Gewicht ist mindestens K. Explanandum: (E) Der Faden reißt. 1. Gesetze/Theorien („Wenn Jugendliche autoritär erzogen wurden,denn entwickeln sie rechtsextrem Orientierung“) Wenn-DannEXPLANANS Randbedingung (In der DDR wurden Jugendliche autoritär erzogen) Die Jugendlichen im Osten haben rechtextreme Orientierungen(EXPLANANDUM) Vor allem Frage: Gibt es einen Zusammenhang (statistischen!!) zwischenRandbedingung und Explanandum, dann Gesetz wahr bzw. Gültig,Dann z.B.: Zu 90% gilt, dass … definiert linearen Prozess der Hypothesenformulierung, -Operationalisierung, und Prüfung, Bestätigung etc.
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Hermeneutik eigentlich Methode: Textinterpretation und Exegese (Interpretation), alsdie Methode der Geisteswissenschaft, da ihre Daten ja vor allem Texte(verbale Daten), insofern Entschlüsselung von Bedeutungen und Sinnstrukturen und nicht Erfassung von messbaren Daten und deren Mathematisierung als alternative Methode zu Naturwissenschaften - Dilthey (1923) "Naturerklären , Seelenleben verstehen" heute hochentwickelte hermeneutische Verfahren in den Sowi: z.B. "objektive Hermeneutik" (Ulrich Oevermann) Die Objektive Hermeneutik ist eine hermeneutische Methode der empirischen Sozialforschung. Im Unterschied zu anderen Hermeneutiken versucht sie nicht den subjektiv gemeinten Sinn zu erschließen, sondern die Bedeutung von „Ausdrucksgestalten“ im weiten Sinne, besonders von Texten. Fragen, wie zum Beispiel nach der Verantwortlichkeit im Handeln, werden von der objektivhermeneutischen Analyse im Allgemeinen nicht behandelt, es sei denn als objektiv-analytische Bewertung eines sozialisationsspezifisch analytisch klar beschreibbaren Prozesses.
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Phänomenologie Lehre von den Erscheinungen (Brentano, Husserl) - vor allem Methodeder geschulten "reinen" Beobachtung und Selbstbeobachtung - "Zu denSachen selbst" Beobachtung der Welt, "wie sie sind" natürlich nicht möglich/schwierig, da immer theoriegeleitet/Kategorien im Kopf Wahrnehmung ohne Interpretation: aber gute Phänomenologie Zugang jeder Wissenschaft - nämlich Kunst der kritischen und selbstkritischen Phänomenbeschreibung (einschl. intrapsychischer Vorgänge) Freimachen für vorurteilslosen Blick auf die Wirklichkeit: Fallverstehen vs. begriffliches Verstehen heißt eigentlich einen phänomenologisch-hermeneutischen Zugang zu den Tatsachen zu haben heißt nicht Unvoreingenommenheit eher "kontrollierte Voreingenommenheit" Introspektion: in sich gehen und innere Vorgänge bei bestimmten Situationen beobachten
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Symbolischer Interaktionismus in den 30er Jahren G. Mead und Blumer (1969 so benannt) Rekonstruktion von Bedeutungsgebungen/-zuschreibungen: geht davon aus, dass Verhalten der Menschen weniger von objektiven Umweltgegebenheiten geprägt und determiniert als von subjektiven Bedeutungen, die Menschen den dingen und Ereignissen in ihrer Umwelt zuweisen Interpretation der Wirklichkeit statt kausale Zusammenhänge: Verhaltenswirksam als nicht primär objektive Reize (Behaviorismus)sondern die zugeschriebenen Bedeutungen bzw. die Interpretationendieser Bedeutungen, nicht Verhalten ist der Gegenstand von Sowi, sondern soziales Handeln und das heißt soziale Aushandlungsprozesse von Bedeutungen Interpretationen von Interpretationen der Wirklichkeit: Sozialwissenschaft, kann kaum im kausalenanalytischenSchema verbleiben, sondern muss intepretativ vorgehen - genauer: die Interpretation und Bedeutungszuschreibungen im Alltag der Subjekterekonstruieren muss
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Ethnologie/ Ethnomethodologie 50er Jahre vor allem von Garfinkel anknüpfend an Phänomenologieund Symbolischen Interaktionismus Frage: mit welchen Techniken und Methoden Menschen die gesellschaftliche Wirklichkeit , die ihr Alltagshandeln ausstatten , herstellenund reproduzieren - Sinnherstellung und -darstellung wird untersucht mittels Interaktionskrisen (Störung der Normalität) internalisierte Regeln und Normen aufzudecken versucht => Menschen versuchen Normalität wieder herzustellen => aus Reparaturleistung können Normen und Regeln erkannt werden (z.B. Versteckte Kamera)
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Kritische Theorie Frankfurter Schule in Tradition eines kritischen Marxismus (Adorno,Horkheimer Markuse, Habermas) eng mit Entwicklung der Studentenbewegung in den 6oer Jahren Kritikam Wissenschaftsideal der Sozialwissenschaften Popperscher Prägung Herrschaftswissen, weil Wissenschaftsparadigma in seiner Trennungvon Objekt und Subjekt im Wissenschaftsprozess die kapitalistische Entfremdung blind reproduziere, nicht nur weil Instrumentelles Wissen zurVerfügung stelle, sondern auch weil bürgerliche Denkformen in ihrenBegriff blind reproduzieren an statt sie kritisch zu reflektieren Empirie spielt nur ausschnitthaft die Oberfläche der bestehenden Verhältnisse, da sie nur von beobachtbaren und meßbaren Daten als Wirklichkeit ausgeht, nur "positives" auf Wertfreiheit setzende Wissenschaft keine kritische Wissenschaft bzw. "negatives Denken" möglich statt (und ) empirischen Methoden zur quantitativen Erfassung derWirklichkeit "dialektische Methode" als kritische Methode das negativewas "hinter den Dingen" steht zu Denken - sog. "Positivismusstreit"
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Psychoanalyse Was sind Verhältnisse hintert Verhältnissen? Methoden: Symptom: das für etwas steht, aber nicht damit ident. ist Witz: Mischung aus Tabuisierung und etwas, was nicht gesagt werden darf Fehlhandlungen (z.B. Freudscher Versprecher) Freischwebende Aufmerksamkeit (z.B. vor Beratungsgespräch methodisch leermachen; nicht fokussierte Wahrnehmung)
- 4.2 Historische Wurzeln eines Unterschiedes: Zusammenfassung mehr oder weniger gemensames Ggstandsverständnis einer qualitat. orientierten, d.h. rekonstruierenden (herausinterpretieren) interpretativen SoFo Ggüberstellung lösbar, wenn untersch. Typen von Realität untersch. Typen von Theorie bezogen werden und abstrakte Ggsatz zw. NaWi und Geisteswissenschaften relativiert wird: Typen von Realität: nomologisch naturwissenschaftlich Kausalzsh. volldeterministisch (Wenn A dann B) dennotativ (eindeutig abgrenzend) zyklisch autopoietisch z.B. Wetter komplexer, viele Variablen ggseitige Beeinflussung der Variablen (Rückkopplungseffekt) schwer zu beeinflussen oder zu kontrollieren Mischform dennotativ-konnotativ dynamisch autopoietisch z.B. biologische Evolution Mischform dennotativ-konnotativ reflexiv autopoietisch z.B. humane Realität Mensch schafft sich durch sein Hadneln selbst konnotativ (mehrdeutig, nicht kontrollierbar)
- 4.3.1 Prinzipien qualitativer Forschung: Menschliches Verhalten ist begründet und nicht verursacht Mensch für sein Verhalten verantwortlich (Verhalten nur verursacht, wenn durch äußere Umstände keine Handlungalternative) Beobachtung 2. Ordnung (Beobachtung der Beobachtung des Alltagsmenschen)
- 4.3.2 Prinzipien qualitativer Forschung: Gegenstandsangemessenheit der Methode Welche Methode ist bei Fragestellung/Feldzugang etc. am besten? unterschiedliche Methoden eröffnen unterschiedliche Blickwinkel, blenden aber auch Fakten aus d.h. nicht, dass es hier keine methodische Reflexion gäbe, im Gegenteil,die Methode zu entwickeln ist oft Teil des Forschungsprozesses selbst und nicht Aufgabe einer eigenständigen Disziplin
- 4.3.3 Prinzipien qualitativer Forschung: Prinzip der Offenheit nicht primär hypothesenprüfend, sonder hypothesengenerierend Grounded theorie => Zsh. entdecken und nicht prüfen (Corbin/Strauss) => entdeckende/heuristische Verfahren Exkurs heuristische Verfahren 3 Zustände: zum ersten gehen und dann weiterschauen z.B. Urlaub: erstmal nach Rom fahren und dann weiter sehen algorithmisch Verfahren geplant, nach festen Regeln z.B. Urlaub: ganzen Urlaub durchplanen; planen, was am 3. Tag in der Pizzeria gegessen wird Gütekriterium bei qual. SF: kommunikative Validierung - haben alle das gleiche/ähnliche verstanden
- 4.3.4 Prinzipien qualitativer Forschung: Komplexität des Fall statt Reduktion auf einzelne Variable Strukturverallgemeinerung: 3 Stufen der Verallgemeinerung Verallgemeinerung/Typisierung: Typ 1, Typ 2, ... Verallgemeinerung: ein solcher Fall Fallebene: dieser Fall am "Fall" werden nicht einzelne Merkmale isoliert und zerlegt und deren "häufiges" Zusammenauftreten verallgemeinert, sondern der Fall wird in seiner Vernetzung von Perspektiven und strukturellen Zusammenhängen verallgemeinert, so kommt man eher zu "typischen Fällen" bzw. zu Herausarbeitung und Rekonstruktion des Allgemeinen am Besonderendes Falls (allgemeine Fallstruktur) als zu allgemeinen Gesetzesaussagen
- 4.3.5 Prinzipien qualitativer Forschung: Alltags-, Situations- und Kontextorientierung Methoden greifen etwas auf, was natürlich ist z.B. Erzählen (Interview), Handeln (Beobachtung) Statt Isolierung und Künstlichkeit der Untersuchungssituation (z.B.im psychologischen Experiment) Untersuchungen im "Feld", wobei Kontextvariablen nicht als Störvariablen, die zu kontrollieren oder zu eliminieren sein. Das heißt aber nicht, dass sie keine Rolle spielen, im Gegenteil, sie sollten selbst Gegenstand der Forschung bzw. der methodischen Reflexion sein.
- 4.3.6 Prinzipien qualitativer Forschung: Doppelte Subjektorientierung im Forschungsprozess Bei quant. Forschung Ziel vor allem die Objektivität des Forschungsprozesses, d.h. die subjektiven Einflüsse auf Seiten der Erforschten und auf Seiten des Forschers per Standardisierung zu eliminieren und zu kontrollieren => Unterfangen ohne Ende Störvariablen versucht mit in den Forschungsprozess einzubringen (z.B. nicht externalisierte Hypothesen des Befragten versucht zu erfragen) Rückkopplung Forscher-Befragter reflektieren die vermeintlich verzerrenden Einflüsse des Forschers als Subjekt (z.B.seine Angst, seine Vorurteile) sollte lieber reflektiert und kommuniziertwerden auch mit den Beforschten die Eindrücke, Beobachtungen, Irritationen, Gefühle des Forscherssind selber Daten die z.B. in Forschungstagebüchern/Kontextprotokollenfixiert werden sollten in diesem Zusammenhang auch die Beforschten nicht nur als Datenlieferantenbenutzen, sondern als Personen ernst nehmen, z.B. durchRückkopplung der Interpretationen der Forschungsergebnisse an diese,sogar soweit, dass Betroffenen zu Mitforschern werden sollten (Aktions- und Handlungsforschung), wenn Forschung auch Aufklärungs- undEmanzipationsprozess ganz unmittelbar befördern soll, nicht nur über"abgehobene" Veröffentlichung in Fachzeitschriften
- 4.3.7 Prinzipien qualitativer Forschung: Quantifizierung ist legitimes Mittel im qualitativen Forschungsprozess z.B. Wie oft kommt Typ 1 bei den Befragten vor nicht mehr identisch mit Kriterium für Wissenschaftlichkeit als solche, es ist ein Mittel, wenn die Fragestellung oder der Bearbeitungstand der Frage nahe legt Aktualität der "qualitativen" Forschung im Zusammenhangmit den sog. Auflösungen der MODERNE bzw. den postmodernenErscheinungen verknüpft neue Unübersichtlichkeit (Habermas) Individualisierung von Lebenswelten und Biographiemustern (Beck) Auflösung alter sozialer Ungleichheiten in die neue Vielfalt von Milieus, Subkulturen, Lebensstile, Lebensweisen) => stärkere Orientierung des Besonderen, Lokalen und Regionalen, Zeitgebundenen und Mündlichen (Erzählungen/Narrationen) => dem wird die quantitativ Forschung mit ihrem Rekurs auf abstrakte Allgemeingültigkeit gerade nicht gerecht.
- 4.3.8 Prinzipien qualitativer Forschung: Triangulierung verschiedene Zugänge zu Forschungsobjekt gutes Forschungsdesign schließt unterschiedliche Methoden mit ein, um blinde Flecken des jeweils anderen Methoden abzudecken Stärken qual. und quant. Methoden nutzen und Schwächen kompensieren
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- 4.4.1 Logik des qualitativen Forschungsprozesses – von der Forschungsfrage bis zur Datenauswertung: Zirkularität als Prinzip Zirkularität und Strukturverallgemeinerung statt Linearität und Mengenauszählung ↓ Forschungsfrage (theoretische Offenheit) ↓ theoretical sampling [Fall 1] [Fall 2] [Fall 3] [ ] [ ] ← heurmeneutischer Fallrekonstruktion → Fall Zirkel [Fallstruktu- Fallvergleich/-kontrastierung ← hypothese/-theorie [Fall 1] ↔ [Fall 3] [Fall 2] ↔ [ ] Typenbildung/Hypothesengenerierung/Theoriebildung
- 4.4.2 Logik des qualitativen Forschungsprozesses – von der Forschungsfrage bis zur Datenauswertung: Fragestellung (Was will ich eigentlich wissen) Was ist meine Frage? Warum stelle ich die Frage? Welche Antwort erwarte ich?
- 4.4.3 Logik des qualitativen Forschungsprozesses – von der Forschungsfrage bis zur Datenauswertung: Zugang zum Feld Wie komme ich zum Gegenstand?
- 4.4.4 Logik des qualitativen Forschungsprozesses – von der Forschungsfrage bis zur Datenauswertung: Stichprobenauswahl / sampling (Wen oder was brauche ich, um meine Frage zu beantworten?) Theoretical sampling Extremfälle am Rand der Population typische Fälle vom Zentrum der Population hohe Variabilität der Fälle über gesamte Population
- 4.4.5 Logik des qualitativen Forschungsprozesses – von der Forschungsfrage bis zur Datenauswertung: Methoden (Womit erhebe ich Daten?) Methoden empirischer SF: Erhebungs- und Auswertungsmethoden Erhebungsmethoden: Beobachtungs- & Verbale Daten Beobachtungsdaten: natürlich, z.B. Feldbeob. erzeugt, z.B. Laborexp. Verbale Daten: natürlich, z.B. Akten, Dokumentationen erzeugt, z.B. Befragung => Fragebogen & Interview
- 4.4.5.1 Befragung - die Erzeugung verbaler Daten Verbale Daten werden i. d. Regel durch unterschiedliche Methoden des Befragens erzeugt. Dabei werden Auskünfte des Befragten über sich oder externe Sachverhalte erbeten. Aber immer handelt es sich um sogenannte subjektive Daten, die durch kognitiv und emotional durch Konzepte und Strukturen des Befragten erzeugt und gebrochen sind. Dabei ist zu beachten: Thomas-Theorem: Für Menschen ist vor allem das real,was sie als real definieren - also immer Erfassung subjektiverBedeutungen Befragte bilden Erwartungen über Untersuchungsgegenstand, Erwartung des Forschers, allgemeine Antworttendenz Befragter gilt als „Messinstrument“ (erfüllt mehr oder weniger die klass. Gütekriterien, der Einfluss der Beforschten, das Subjekt muss wenigstens teilweise „ausgeschaltet“ werden (Paradox)) bzw. als Experte (unterstellt auskunftsfähigen und -willigen Forschungspartner) seiner selbst => jeweils unterschiedliche Unterstellungen
- 4.4.5.2 Das Interview Formen: Setting: Einzel Mehrpersonen Strukturierung: Leitfaden Narration z.B. Einzel & Leitfaden: Experteninterview z.B. Einzel & Narration: biogr., episodisches Interview z.B. Mehrpersonen & Narration: Familiäres Erzählen
- 4.4.5.2.1 Leitfadeninterview Allgemein: Orientierung an Leitfaden, der entsprechend Fragestellung ausgearbeitet ist (grobe Punkte/Strukturierung) i.d.R. Erleben, Wissensstrukturen und Einstellungen erfasst, setzen gewisse Reflexionskompetenz des Befragten voraus (explizites Wissen über objektive und subjektive Sachverhalte) und sprachlichen Zugang zur eigenen Erlebniswelt Erfragen und Rekonstruktion von Wissensbeständen oder Ereigniswissen Oft schwierig, wenn es implizites Wissen geht kann u.U. in zweitem I. nochmals besprochen und validiert werden Hohe Flexibilität des Interviewers: Spontancodierung (Antwort schon erfolgt, obwohl noch nicht danach gefragt) Vergleichbarkeit durch Leitfaden gegeben normale Gesprächsführung anstreben
- 4.4.5.2.1 Leitfadeninterview - Fokussiertes I. Fokussiertes I. auf Fokus/Triggerpunkt bezogen (Ereignis, Film, Zitat etc.) subjektive Reaktion darauf erfasst ursprünglich in der Werbung entwickelt (Merton/Kendall 1956) (subjektive Reaktionen auf objektive Vorlage) Leitfaden aufgrund hypothetischer Wirkung des Fokus
- 4.4.5.2.1 Leitfadeninterview - Problemzentriertes I. Problemzentriertes I. · Witzel 1985 · Problem vorstrukturiert durch Forscher (mögliche allgemeine Problembereiche) · gewisse Abfolge wichtig: Kurzfragebogen um Interview von einfachen Datenfragen zu entlasten Problemdefinition (z.B. Interview über Erziehungsschwierigkeiten) Erzählbeispiele um Reflexion oder Erzählung anzuregen (z.B. "es gibt Situationen in denen man oft das Gegenteil macht von dem , was man eigentlich weiß oder will...") Spezifische Sondierung um weitere Exploration anzuregen (Spiegeln, Verständnisfragen, Konfrontation, Interpretation) Nachprotokoll, Postscriptum
- 4.4.5.2.1 Leitfadeninterview - Experteninterview hier interessiert spezifischer Bereich des Wissens oder Sicht des Interviewten, wofür er Experte ist Interviewte interessiert hier nicht primär als Person oder Privatmensch beide Rollen oft schwer zu trennen, z.B. bei Zeitzeugeninterviews - hier kann gerade beides interessieren, es muss aber jeweils klar sein für Interviewer Erstellen eines Leitfadens setzt hier eine gewisses eigenes Expertenwissen voraus
- 4.4.5.2.2 Narratives I. Allgemein: · Menschen können besser erzählen als reflektiert/systematisch mitteilen · Menschen erzählen meist mehr, als sie wollen/als wenn man sie danach fragt (z.B. Körpersprache) · Subjektiv relevante Dinge werden erzählt; keine Alltagroutinen, sonder Ausbrüche aus Alltag · Coda-Thema aus klassischer Musik (Spannungsbogen beim Erzählverlauf) Setzen des Erzählstimulus Befragter erzählt und strukturiert Interview, Interviewer signalisiert zuhören Erst nach Beendigung der Erzählung Nachfragen, Kommentieren mgl
- 4.4.5.2.2 Welche Infos liefert Erzählung? Welche Infos liefert Erzählung? Wie etwas war (Skelett einer Erzählung, grober hist. Abriss) Infos über handlungsnahe Kognitionen und Handlungsbegründungen Implizites Wissen (kann Befragter nicht reflektieren) Inszenierung des Erzählers (subj. Positionierung des autobiogr. Autors) 3 Zwänge zunutze gemacht 1. Geschlossene/gute Gestalt (gute, geschlossene Erzählung) 2. Kondensierung und Komprimierung (ausgelassen, übertrieben) 3. Detaillierung (manche Dinge nur erzählt, wegen guter Gestalt, da durch Weglassen Handlungsknick) => ethisch nicht unproblematisch
- 4.4.5.2.2 Narratives I - Anwendung dort, wo über andere Interviews schlecht heranzukommen ist - erzählen einfacher als reflektieren!! aber nur dort , wo es etwas zu erzählen gibt (so unterscheiden Beschreibungen und Argumentationen) vor allem Biographieforschung - weil Lebensgeschichte ist ja eine Geschichte aber auch dort, wo keine großen Geschichte erzählt werden sollen, sondern wo erlebte Geschehnisse szenisch und episodisch erlebt und erzählbar hier eher Mischformen aus Leitfaden- und narrativem Interview: "episodisches Interview" (Flick) - Phasen von Narration und Reflexion oder Beschreibung wechseln (unterschiedliche Daten)
- 4.4.5.2.3 Gruppeninterviews/ -diskussionen hier v.a. Natürlichkeit von alltäglichen Diskussionen methodisch genutzt Gruppeninterview: I. im Gruppensetting; Meinungen, Sichtweisen unter Gruppenbed. erhoben ggseitige Stimulierung kann TN zur Explizierung anregen (Pro & Contra) untersch. I. zu einem Zeitpunkt erhoben, dabei können Gruppenprozesse fördern aber auch blockieren Gruppendiskussion: Nicht nur das Thema, sondern auch WIE seiner Besprechung im Fokus natürliche Aushandlungsprozess, gemeinsame Konstruktion von Wirklichkeit von Interesse (Wie löst Gruppe ein Problem?) Rolle des Leiters stimulussetzend, moderierend, prozessbegleitend Gemeinsames Erzählen: natürliche Gruppe mit gemeinsamer Geschichte (z.B. Familie - kollektive Narration) hier noch mehr gemeinsamen Konstruktionsprozess und latente Gruppenstrukturen sichtbar, auch unterschiedliche Teilgeschichten der Geschichten
- 4.4.5.2.3 Interviewerkompetenz Kommunikative Kompetenz Verbalisieren / Paraphrasieren / Konfrontieren muss vor allem Gesprächsanreize herstellen und Vertrauensbasisschaffen muss Gruppe moderieren und Prozess steuern können (Gruppendynamik umgehen ) Feldkompetenz muss wissen, worüber er ein Interview führt wissenschaftliche Kompetenz muss wissen, was er eigentlich erfahren will (Fragestellung!!!) und spontan kodieren können psychologische Kompetenz muss Tabus, Übertragungen und Gegenübertragungen und Widerstände erkennen können Umgang mit Krisensituationen bei belastenden Situationen => Interviewtraining oder erproben der Interviewsituation (Rollenspieloder Voruntersuchung)
- 4.4.5.3 Beobachtungsverfahren - visuelle Daten Generell wie auch alle Interviewformen wird hier eine Alltagskompetenz aufgegriffen und systematisch als Forschungsmethode entwickelt : Beobachten-Können im Unterschied zu allen Interviewformen hier allerdings Versuch unmittelbaren Zugang zu Handlungsverläufen, Routinen, Milieus zu bekommen als in abgehobener Interviewsituation, die immer schon wieder die nachträgliche Darstellung, die sekundäre Interpretation von Realität ist dabei unterschiedliche Formen der Beobachtung, die vor allem um dieunterschiedliche Rolle und Perspektive des Beobachters drehen verdeckt vs. offen nicht-teilnehmend vs. teilnehmend systematisch vs. unsystematisch künstlich natürlich Fremd- Selbst
- 4.4.5.3.1 nichtteilnehmende, sozusagen reine Beobachtung vor allem in öffentlichen, schlecht überschaubaren Räumen (Bahnhof,Kneipe), wo eigentlich auch nicht verdeckt, da man Beobachtete nichtaufklären muss in überschaubaren, unmittelbareren Feldern, z.B. bestimmte Szene,Jugendclub wird dies zur verdeckten Beobachtung oder es wird Absichtoffenbart, was das beobachtete natürlich verändert für den Forschungsprozess generell dieser Beobachtungstyp eher in Forschungssettings, die quantitativ-hypthesenprüfend, da rein aus der Außenperspektive die Konstruktion sozialer Wirklichkeit wahrgenommen, Deutungen und Interpretation durch Handelnde selbst bleiben außen vor es wird hier auch oft mit vorab bestehende Kategorien gearbeitet, was beobachtet werden soll und es interessieren eigentlich die Häufigkeiten, wie oft ein bestimmtes Verhalten im Feld registrierbar ist
- 4.4.5.3.2 teilnehmende Beobachtung hier Zugang als gehen ins Feld, um Innenperspektive soweit es geht einzunehmen, auch aus forschungsethischen Gründen offen statt verdeckt zudem können unterschiedliche Methoden einbezogen und kombiniertwerden ( Dokumentenanalyse, Interviews, Beobachtung, Selbstbeobachtung) hier auch am ehesten Prinzipen des qual. Forschungsprozess realisiertals kommunikatives Einlassen auf das Feld (Offenheit) - Fragestellung /Beobachtungsfokus erst im Prozess spezifiziert im Unterschied zum Interview mehr als nur einmalige Stichprobe - soauch Prozesse und Entwicklungen besser erfassbar , aber auch Handlungen und Interpretationen von Handlungen durch die Subjekte z.B. drei Phasen: (Spradley 1980) Deskriptive Beobachtung (allg. Sondierung, Beschreibung) fokussierte Beobachtung (Fokus auf spezifische Merkmale Handlungen) selektive Beobachtung (Sammeln weiter Beispiele für ...) Problem: Balance zwischen Nähe und Distanz, Rolle des "professionellen Fremden", Gefahr des "going native" gerade bei Übernahmen von natürlichen Hilfsrollen im Feld
- 4.4.6 Dokumentation (Welche Daten halte ich wie fest?) Bereits Interpretations- und Konstruktionsprozess, indem Realität undTexte konstruiert erden Festlegen eines Realitätsausschnittes, sowohl bei Interview- als auchbei Beobachtungsmethoden klassisches Protokoll bis Video Transkription (Gefahr naturwissenschaftliche Akribie) Trankriptionsregeln