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Entwicklungspsychologie (Subject) / Eriksons Identitätstheorie (Lesson)

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  • Identität & Identitätsentwicklung Identität = "Wahrnehmung der eigenen Gleichheit und Kontinuität und und damit verbundene Wahrnehmung, dass auch andere diese anerkennen"  => sich selbst als etwas dauerhaftes erleben; "sich selbst gleich sein" => Kontinuität der eigenen soziale Rolle und Stellung in der Gesellschaft  - Identitatsentwicklung ist lebenslanger Prozess, Identität "aktualisiert" sich in jeder Phase der psychosozialen Entwicklung  - natürliches Streben nach Identität - "Peak" der Identitätsbildung in der Adoleszenz: Integration der vorher gebildeten Identitätskonzepten zu einer konsistenten, zeitlich stabilen Einheit - ganze Identität ist mehr als die Summe der einzelnen Identitätskonzepte 
  • Gemeinsamkeiten zu Freud -> Übernahme zentraler psychoanalytischer Aspekte: - Annahme, dass biologisch begründete Triebe die Entwicklung mitsteuern und Energielieferant der Entwicklungsprozesse darstellen - Psychische Struktur: ES, ICH, ÜBER-ICH -> Unterschied: ICH steht im Zentrum, wird initiativer interpretiert - Bewusstseins-Struktur: Bewusstsein, Vorbewusstes, Unbewusstes - Übernahme der 5 psychosexuellen Phasen  -> Erweiterung um 3 Phasen, Ausdehnung auf ganze Lebenspanne - psychoanalytische Methodologie: Hypnose, Traumdeutung, freie Assoziationen, Übertragungsdeutung
  • Psychosoziales Phasenmodell: Grundannahmen - beschreibt die menschliche Entwicklung in 8 Phasen  - jede Phase kennzeichnet sich durch eine Entwicklungskrise, die in dieser besonders dominant ist  - jede Phase wird auf 10 Dimensionen beschrieben  - "psychosozial": Betonung der Rolle des sozialen Umfeldes, der Interaktion zwische Umwelt und sich-entwickelndem Subjekt - hat Allgemeinheitsanspruch: Durchlaufen der Phasen ist universell (vgl. "epigenetisches Prinzip") - Anforderungen der Gesellschaft (welche mit Entstehung, Äußerung und Bewältigung der Entwicklungskrisen zusammenhängen) abhängig vom kulturellen und historischen Kontext
  • Entwicklungskrisen - in jeder der 8 Psychosozialen Phasen ist eine Krise dominant, die der Mensch bewältigen muss  - Krise besteht das ganze Leben über, aber gewinnt in einer Phase an Relevanz - Krise wird ausgelöst durch körperliche (koginitive, emotionale) Reifung und daran gekoppelte Anforderungen der Gesellschaft (kulturell bedingt) - individuellen Wünsche, Ansprüche und Werte des Individuums spielen auche eine Rolle - Krise hat immer zwei Pole zwischen denen Individuum schwankt  -> gesunde Lösung der Krise ist, wenn sich Kind in der Mitte der Dimension mit Tendenz zum positiven Pol befindet  -> sowohl nur positive, als auch nur negative Anteile sind schlecht für Persönlichkeitsentwicklung  - ungelöste Krisen werden mit in spätere Phasen genommen und können dort immernoch gelöst werden  - wie eine Krise gelöst wird, wird von bisherigen Umwelterfahrungen bestimmt 
  • 1. Phase: Vertrauen vs. Misstrauen (0-1 Jahre) - Aufgaube: Entwicklung einer guten Balance an Vertrauen und der Fähigkeit zu Misstrauen - zwei Seiten des Vertrauens:  a) das Umwelt ein sicherer Ort ist und es versorgt und geliebt wird b) das man seinen eigenen Bedürfnissen vertrauen kann  - Vertrauen und Misstrauen werden vermittelt durch Versorgen und Aufmerksamkeit der Mutter/engen Bezugsperson - zu viel Umsorgen & Aufmerksamkeit => kein gesunder Bedürfnisaufschub, gesundes Maß an Misstrauen, Umgang mit Enttäuschung - emotionale Vernachlässigung => pessimistische Lebenseinstellung, höheres Risiko, an Depressionen, Psychosen und Paranoia zu erkranken  - richtiges Maß an Umsorgen und Enttäuschung => optimistisch-realistische Lebenseinstellung, spätere Fähigkeit mit Enttäuschungen umzugehen 
  • 2. Phase: Autonomie vs. Scham/Zweifel (2-3 Jahre) - Auslöser der Entwicklungskrise: zunehmende Mobilität, Sprachkompetenz, Kontrolle der eigenen Nahrungsaufnahme und Ausscheidungen  - Ziel ist Waage zu halten zwischen  a) Emanzipation von der primären Bezugsperson, Autonomie und Unabhängigkeit  b) Scham und Zweifel  - bei zu viel Scham und Zweifel => Zwanghaftigkeit  - bei zu wenig Scham und Zweifel => Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Impulshaftigkeit, Starsinn, Schamlosigkeit  - bei guter Balance => Willenskraft, Entschlossenheit, realistische Selbsteinschätzung
  • 3. Phase: Initiative und Schuldgefühl (4-5 Jahre) - Auslöser der Entwicklungskrise: wachsende Mobilität, Geschicklichkeit, Sprachvermögen, kognitive Fähigkeiten & kreative Phantasie  => wachsendes Bedürfnis und immer mehr Möglichkeiten, Initiative zu ergreifen und seine eigenen Ziele durchzusetzen  - zeitgleich zunehmende moralische Urteilsfähigkeit, Schulbewusstsein - Ziel ist Balace zwischen a) Initiative und b) Schuldgefühl => Zielstrebigkeit  - zu viel Initiative, zu wenig Schuld => Rücksichtslosigkeit - zu wenig Initiative, zu viel Schuld => Gehemmtheit  - Ideale, Leitbilder und Rollenvorbilder haben besonderen Stellenwert 
  • 4. Phase: Werksinn vs. Minderwertigkeit (6. - Adoleszenz) -> Auslöser: Schuleintritt (gutes Beispiel von Verzahnung individueller Bedürfnisse & gesellschaftlicher Anforderungen)  - starke Begierde, neues zu lernen, sich kompetent und gebraucht zu fühlen  - sozialer Erfolg bzw. Misserfolg besonders bedeutend  - zu wenig Erfolgserlebnisse => Gefühl der Unterlegenheit, Inkompetenz - zu viel Werksinn => frühes Aufgeben nach Misserfolg, enge Interessenbildung - Balance aus Werksinn und Minderwertigkeit => ädaquater Umgang mit Misserfolgen, Gefühl von Kompetenz, Anerkennung der eigenen Grenzen  - Periode der psychosexuellen Latenz
  • 5. Phase: Identität vs. Identitätsdiffusion (Adoleszenz) - Suche nach Identität als roter Faden, der sich durch alle Phasen zieht und ihren Höhepunkt in der 5. Phase hat - eingeleitet durch massive physiologische Veränderungen (Körperwachstum, Haarwachstum an Achseln, Beinen, Schambehaarung, Wachsen von Brüsten etc., Stimmbruch) und unbekannte sexuelle Impulse => neue gesellschaftliche Anforderungen  - Aufgabe: Identitätsbildung durch Integration der vorher ausgebildeten Identitätskonzepten zu einer konsistenten, zeitlichen stabilen Einheit -> Platz/ Rolle in der Gesellschaft finden  - gelingt dies nicht, droht Identitätsdiffussion: Zersplittern der Identität in seine Einzelteile, Rollendiffusion, festgefahrene Rolle, Verschmelzung mit Gruppen 
  • 6. Phase: Intimität vs. Isolation (Erwachsenenalters) - Vorraussetzung für Intimität ist gebundene Identität, da sonst in Verbindung mit einem anderen Menschen die Identitätsdiffusion droht  - nicht nur romantische Beziehungen, sondern auch enge, freundschaftliche Beziehungen  - zu viel Intimität => oberflächliche Promiskuität - zu wenig Intimität => soziale Distanzierung, Isolation, Kühle und Berechnung - Balance => kooperatives Verhalten in Beziehungen
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  • 7. Phase: Generativität vs. Selbstabsorption (späteres Erwachsenenalter) -> Generativität = Interesse an Erzeugung der nächsten Generation oder Schaffen von etwas, was der nächsten Generation bleibt - z.B. Kunst, Schaffen einer lebenswerten Umwelt, gesellschaftlicher & politischer Wandel - zu viel Generativität => sich selbst Verlieren  -> Selbstabsorption: Vollkommen in sich selbst vertieft sein, keinen Beitrag zur Gesellschaft leisten  - zu viel Selbstabsorption => Midlife Crisis, Selbstverewigung, Stagnation, zwischenmenschliche Verarmung  - Balance => Generativität ohne sich selbst zu verlieren 
  • 8. Phase: Integrität vs. Verzweifelung (hohes Alter) -> ICH-Integrität: Akzeptanz der Begrenzbarkeit des menschlichen Lebens, des bevorstehenden Todes und des hinter-einem-liegenden Lebens - Vergeben von Fehlern (von Anderen, aber auch von sich selbst) - gelingt Integrität nicht droht Verzweifelung , Selbstekel, Angst vor dem Tod, Reue um bisherige Biografie 
  • Entwicklungsmechanismen - körperliche Reifung gibt Rahmen & Zeitplan der Entwicklung vor (epigenetisches Prinzip) - Entwicklung wird innerhalb dieses Rahmens gelenkt von Kräften = Entwicklungsmechanismen  - Übernahme Freud'scher Entwicklungsmechanismen: Triebe, Frustrationen, Bindung, Identifikation  - statt Spannungsreduktion aber eher Ausbalancieren von Ambivalenzen -> z.B. "Festhalten vs. Loslassen", "Geben vs. Nehmen"  - Spiel und Rituale sind ebenfalls Entwicklungsmechanismen
  • "Spiel" als Entwicklungsmechanismus -> Spiel: Einsetzten von Phantasie, um Probleme zu lösen, Rollen zu testen, Vergangenes aufzuarbeiten & sich neues vorzustellen  - nicht nur auf Kinder beschränkt, sondern wirkt über alle Lebensphasen hinweg als Entwicklungsmechanismus  - Bsp.: Rollenspiel, Puppenspiel, Sport, künstlerische Betätigung  - Spiel ist oft "ritualisiert" in den Alltag integriert in Form von Begrüßungsritualen, sozialer Interation  - Rituale sind ebenfalls Entwicklungsmechanismen, da sie helfen Einzelne in kulturell geprägte Normen zu integrieren 
  • Kritische Würdigung: Pro - Erweiterung der Theorie Freuds um viele elementare Punkte  - intuitives, alltagsnahes Verständnis von Identität - optimistischer Blick auf Entwicklung, positiveres Menschenbild als Freud - hoher heuristischer Wert für Jugendlichen-und Erwachsenentherapie - Verständnis der Identitätsentwicklung als lebenslanger Prozess - Betonung kultureller Einflussfaktoren  - sehr breite, ganzheitliche Perspektive auf Einflussfaktoren (ins. sozialer Art) auf Verhalten des Kindes
  • Kritische Würdigung: Kontra - mangelnde Systematik: lose Aneinanderreihung von Behauptungen, empirischen Verallgemeinerungen & abstrakten, theoretischen Postulaten, keine Experimente => geringer empirischer Gehalt, nicht gut falsifizierbar  - widersprückliche Begrifflichkeiten - fehlende Spezifizierung der Entwicklungsmechanismen - wenig Aussagen über Lösung einer Entwicklungskrise & Ursache für Übergang in die nächste, Zusammenhang der Phase, wenig Aussagen über das WIE 
  • Unterschiede zu Freud - Fokus auf Identitätsentwicklung, ICH steht im Zentrum der Betrachtung  - ICH sucht aktiv Erfahrung, reagiert nicht nur auf Anforderungen des ES, ÜBER-ICH und der Realität  - Erweiterung der psychosexuellen Entwicklung auf die ganze Lebensspanne => 8 Phasen - Einbezug der sozialen Umwelt in die Entwicklung => psychosoziale Entwicklung  - Erweiterung der Methodologie -> unmittelbare Beobachtung von Kindern -> interkulturelle Vergleiche -> psychologische Portraits historischer Persönlichkeiten 
  • Systemische Sichtweise auf Entwicklung - Entwicklung als wechselseitiges Dreieck aus a) körpericher Veränderung, b) psychischer Veränderung und  c) sozialem Kontext - körperliche Reifungsprozesse führen zur Verschiebung der libidinös besetzten Zonen und Veränderungen der gesellschaftlichen Anforderungen -> stellen oft den Auslöser neuer Entwicklungskrisen dar - sozialer Kontext ist Raum, in dem die Entwicklungskrisen bewältigt werden und Entwicklung stattfindet, weitet sich mit den Phasen aus von der Mutter über die Familie, Peers zu der ganzen Menschheit - bei Lösung der Krisen verändert sich das ICH und tritt mit den zugewonnen Qualitäten in die nächste Entwicklungsphase ein 
  • epigenetisches Prinzip -> universeller Grundplan, nachdem Entwicklung ablaufe, aber individuelle Unterschiede im Zeitplan und Ausgestaltung der Entwicklung - indessen Rahmen entwickelt sich eine immer differenziertere, aufeinander aufbauende Persönlichkeit  - vgl. psychosoziales Phasenmodell: Interaktion aus  a) biologischen Reifungsprozessen b) Anforderungen der Gesellschaft c) individuellen Wünschen und Anforderungen des Individuums bestimmt, wann welche Phasen der Entwicklung ablaufen