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Entwicklungspsychologie (Subject) / Sprachentwicklung (Lesson)

VL 6

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  • Merkmale von Sprache a) universell b) artspezifisch: nur menschliche Sprache zeigt Maß an Generativität, Möglichkeit zur Neubildung von Äußerungen  -> Generativität durch 1. Iteration (Aneinanderreihung von Äußerungen; HS,HS) und 2. Rekursion (Einbettung von Strukturen; HS,NS,NS,HS) c) Form der Kommunikation  d) durch Erfahrung mit sprachlich kommunizierenden Menschen erlernt
  • sensible Phasen des Spracherwerbs - neuronale Plastizität und Umgang mit sprachbeeinträchtigenden Hirnverletzungen in jungen Jahren wesentlich besser  - deprivierte Kinder zeigen erhebliche Einbuße in der Sprachfähigkeit - Zweitspracherwerb: vor Erreichen des Schulalters wesentlich einfacher und erfolgreicher 
  • Gehirn und Sprache - erhöhte linkshemisphärische Aktivität bei Hören gesprochener Sprache (EEG-Studien) - bei Läsionen in spezifischen Bereichen kommt es zu verschiedenen Aphasien: Broca-Aphasie bei Läsion im sog. Broca-Areal, Wernicke-Aphasie bei Läsion im sog. Wernicke-Areal => Doppelte Dissoziation  a) Broca-Areal (nahe M1): Sprachproduktion b) Wernicke-Areal (nahe A1): Sprachinhalte und -verständnis - auch bei Gehörlosen führt Störung der linken Hemispähre zu Aphasien - oft funktionieren kognitve Leistungen durchaus, nur Kommunikation der Inhalte funktioniert nicht mehr => linke Hemisphäre nicht spezialisiert zuständig für Sprache/ Gebärden, sondern für generelle Verarbeitung analytischer, serieller Informationen
  • Komponenten der Sprache a) suprasegmentale Komponente (= über einzelnen Segmenten wie Silben, Lauten) -> Intonation, Betonung, Rhytmus => Erwerb von prosodischem Wissen b) Phonologie (segmentale Betrachtung, Phonem= kleinste Einheit der Sprache, die Bedeutung trägt) -> Organisation von Sprachlauten c) Morphologie ( Morphem= kleinste Einheit, die lexikalisch/ grammatikalisch Bedeutung trägt) -> Wortstrukturd) Syntax -> Satzbildung e) Lexikon -> Wortschatz f) Semantik -> Wort- / Satzbedeutung => Erwerb von linguistischem Wissen g) Diskurs (Sprechakte) -> sprachliches Handeln/ Kohärenz der Konversation => Erwerb von pragmatische Kompetenz & metalinguistischem Wissen (= Erwerb von Wissen über Eigenschaften von Sprache und Sprachgebrauch)
  • Ammensprache - unabhängig von Sprache, sogar bei Gebärden lassen sich bestimmte Merkmale bei der Sprache mit kleinen Kinder finden -> emotionaler Tonfall, Übertreibung, höhere Tonlage, langsame, deutliche Sprache, längere Pause, deutlich unterstützende Mimik - Kinder bevorzugen diese Art der Sprache gegenüber der "Erwachsenensprache"
  • Entwicklung von Sprachwahrnehmung & -verständnis -> frühe Entwicklung, geht Sprachproduktion vorraus - bereits im ersten LJ a) Prosodisches Wissen - Beachten prosodischer Regelhaftigkeiten: Verteilung der Laute im Sprachfluss und typsiche Pausesetzung  -> Unterscheidung von Mutter- und Fremsprache -> Wortlisten mit muttersprachlicher Betonung wir mehr Aufmerksamkeit geschenkt  b) Phonologisches Wissen - Laute/ Phoneme verschiedener Spachen kategorial unterscheiden - nur bis 9 Monaten bei Fremdsprachen  => sensible Phase für das Bilden von phonologischen Kategorien 
  • Studien zur Wahrnehmung distinkter Phonem-Kategorien - Eimnas et al. (1971): Unterteilung in 2 Gruppen, die beide jeweils an das hören eines Reizes habituiert wurden und anschließend einen zweiten präsentiert bekamen, der sich um dieselne VOT-Distanz vom Habituationsreiz unterschied - in der einen Gruppe beinhaltete die VOT-Distanz einen Übergang zwischen Phonem-Kategorien, in der anderen Gruppe nicht ba -> pa vs. pa -> pa - in der Gruppe, in der sich die Phonemkategorie beider Reize unterschied, zeigte sich eine Dishabituation, in der anderen nicht  => Indikator für Reizdiskrimination zwischen zwei Phonemkategorien im Alter von 1 Monat  - Siegler et al. (2006): Anteil der amerikanischen Kinder, die verschiedene Phoneme in Hindi unterschieden können sinkt zwischen 6 und 12 Monaten kontinuierlich ab
  • Studien zum Zweitspracherwerb - Neville et al. (1999): unterschiedliche cerebrale Organisation bei frühen (vor vier Jahren) und späten (nach vier Jahren) Zweitsprachenlernern -> weniger linkshemisphärische Lokalisation der Gehirnareale, die mit grammatikalischer Information verbunden sind bei späten Zweitsprachenlernern - Johnson und Newport (1989): Immigranten, die vor Alter 7 mit neuer Sprache ausgesetzt waren beherrschten die Grammatik besser, unabhängig von Dauer, die Immigranten der Sprache ausgesetzt waren -> Newport- Hypothese: Kinder encodieren kleinere Sprachportionen, da ihr Gedächtnis beschränkter ist und filtern so schneller Sprachstruktur heraus
  • Meilensteine der Sprachproduktion im Kleinkindalter - 12 Monate: Erstworterwerb, (intentional gebildete) Einwortsätze  - 18-24 Monate: Benennungsexplosion, Wortschatzexplosion ( 50 auf 200 Worte) - 20-26 Monate: Zweiwortsätze im Telegrammstil (keine Artikel, Hilfsverben, Präpositionen, Konjunktionen, unflektierte Verben immer am Satzende)  - 2-6 Jahre: weiterer Anstieg des Wortschatzes auf circa 10000 Wörter - ab 3 Jahre: Verb wird in 2. Position gebracht 
  • sprachrelevantes Interaktionsverhalten -> Kommunikation mit anderen über Dritte  a) Blickfolgen (ab 4. Monat) b) Zeige-Gesten (ab 9 Monat) c) gemeinsame Aufmerksamkeit (ab 9. Monat)
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  • Meilensteine der Sprachproduktion im 1. LJ - 2 Monate: Cooing (Gurrlaute) - 6 Monate: Babbeling (Verdopplung von Konsonant- Vokal- Kombinationen; "dada") - 8-12 Monate: -> suprasegmentales Angleichen (Intonation, Rhytmus etc.) von Lauten an Muttersprache -> Jargoning: Verwendung von Worten in Kombination mit Zeigegeste -> akustische Segmentierung -> Verstehen erster Worte
  • Woher filtern Kinder die Bedeutung eines Objektes? Interpretations-/Induktionsproblem: Woher filtern Kinder die Bedeutung eines Objektes? (mit Name könnte z.B. auch Farbe oder Struktur gemeint sein) a) "Constrait"-Hypothese: Kinder haben von Geburt an bestimmte Interpretationsneigungen -> "whole-object-constrait": Bezeichnung bezieht sich immer aufs ganze Objekt -> "mutual-excessivity-constrait": Objekt hat nur eine Bezeichnung b) Betrachtung allgemeiner Kontextinformationen: wenn zwei bekannte Objekte vorhanden sind und drittes benannt wird, schließt Kind von der Unbekanntheit des dritten Wortes auf die Bennenung des unbekannten Objektes c) Beachtung pragmatischer Hinweise im sozialen Kontext: Blickrichtung, Emotionalität des Sprechers d) Beachtung des sprachlichen Kontextes: grammatische Wortformen beeinflussen Interpretation ("grammatische Selbsthilfe") e) Einflüsse von Erwachsenen: Wiederholungen, Bennenungen von Objekten, Bezeichnungen am Satzende
  • Grammatikentwicklung 1. "root-stage" (2-3 Jahre): einzelne Formen von Verben oder Substantiven werden als unanalysiertes Ganze verarbeitet (wie Vokabeln auswendig lernen, kein Verständniss für Grammatik) 2. "rule-stage" (4-5 Jahre): Kind erkennt, dass Grammatik Regeln folgt und macht ersteinmal mehr Fehler, als in der "root-stage" -> Reorganisation des Grammatikverständnisses 3. "grammatical stage" (ab 6 Jahren): grammatische Regeln werden korrekt angewendet    (-> metalinguistisches Sprachverständniss wird erworben) 4. Grundschulalter: Verwendung abstrakter Begriffe, Passiv-Formen, Ironie-/Witzverständniss
  • Sprachpragmatik - 3-4 Jährige: - stellen sich auf kleinener Kinder ein (Ammensprache) - haben Probleme sich aufeinander einzustellen - Privatsprache (mit sich selbst, Kuscheltieren) - 5-6 Jährige: - Fähigkeit sich sprachlich aufeinander zu beziehen und aufeinander zu reagieren wächst (Turn Taking) 
  • Sprachentwicklungsstörungen - Kinder, die mit 2 Jahren noch nicht 50 Worte entwickelt haben (vgl. Meilensteine der Sprachentwicklung) gelten als "late talker" - 40-50 % dieser entwickeln eine Sprachentwicklungsstörung  - restlichen 50% holen bis zum 30. Monat auf: sog. "late-bloomer" - 3 Arten von Sprachentwicklungsstörungen (nach ICD-10): Artikulationsstörungen, expressive & rezeptive Sprachentwicklungsstörungen  - Risikofaktoren einer Sprachstörung: genetische Einflüsse erklären 75 % der interindividuellen Varianz, aber Umwelt beeinflusst maßgeblich inwiefern sich diese genetische Disposition entfaltet  -> Förderung der sprachlichen Entwicklung kann Risiken erheblich senken  - Sprachstörung oft Vorläufer von Lese- Rechtschreibstörung - hohe Komorbidität mit hyperkinetsichen Störungen, Störungen des Sozialverhaltens, emotionalen Störungen - geht einher mit Auffälligkeiten in der Motorik, psychischen Begleitsymptomen
  • Arten von Sprachentwicklungsstörungen - verschiedene Formen von Sprachentwicklungsstörungen (nach ICD-10): a) Artikulationsstörung: Störungen beim Gebrauch bestimmter Laute, Sprachfähigkeit aber im Normbereich - bessere Prognose als expressive und rezeptive Störung b) expressive Sprachentwicklungsstörungen: Probleme beim Verwenden gesprochener Sprache - ca. 40 % Defizite bis in Jugend- Erw.alter c) rezeptive Sprachentwicklungsstörungen: Probleme beim Verständniss gesprochener Sprache, tritt oft mit expressiven Störungen auf  - ca. 75% Defizite bis ins Jugend-Erw.-alter