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Entwicklungspsychologie (Subject) / Humanistische & Lerntheorien (Lesson)
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- "Association of Humanistic Psychology" -> Gründung 1962 von Charlotte Bühler, Carl Rogers und Abraham Maslow - Leitsätze ihrer Forschung(nicht wörtlich): 1. geringerer Fokus auf Theoretisierung, Objektifizierbarkeit der Forschung - stattdessen: Sinneshaftigkeit der Forschung 2. Ziel: Herausarbeitung der positiven Kräfte des Menschen -> Was Mensch ausmacht (von anderen Tieren unterscheidet) ist "Kreativität, Wertsetzung und Streben nach Selbstverwirklichung" => Reaktion auf Behaviorismus: Fokus auf objektive Forschungsmethoden und mechanistsiches Menschenbild
- Behaviorismus - Beschränkung auf rein beobachtbares Verhalten, Ablehnung der Annahme jeglicher psychologischen Konstrukte -> Verhalten lasse sich ausschließlich durch Reiz-Reaktions-Assoziationen erklären - Betrachtung von Lebewesen als „Black-Box“ (demnach Introspektion nicht zielführend) - Verhalten lässt sich auf Input-Output-Beziehungen zurückführen - objektive, experimentelle Methodik - Ziel: Verbesserung der Gesellschaft durch externe Einflussnahme - im klassischer Behaviorismus oft Generalisierung von Befunden aus Tierexperimenten auf den Menschen (keine Differenzierung zwischen menschlichem und tierischem Verhalten) - wichtigsten Behavioristen: Pawlow (Pawlow’sche Hund, Klassische Konditionierung), Watson (Begründer des Behaviorismus, S-R- Lernen), Skinner (Operante Konditionierung), Thorndike (instrumentelle Konditionierung)
- Entwicklungspsychologische Relevanz von Lerntheorien - Entwicklung kann als kontinuierliche Anreicherung von Lernerfahrungen gesehen werden (vs. Stadien der Psychoanalyse) - Lerntheoretische Erkenntnisse für Pädagogische Psychologie interessant: (soziale) Verstärkung bei Kindern, um höhere Lernerfolge zu erzielen
- Historie der Lerntheorien 1. bis Beginn des 20. Jh. (Europa): Introspektion (Wilhem Wundt) - Erforschung der menschlichen Psyche und des Bewusstseins durch Selbstschau und klinische Interviews 2. ab 1920er (Amerika): Behaviorismus (Pawlow, Watson, Skinner, Thorndike) - parallel entwickelten sich auch ganzheitspsychologische und eher strukturalistische Ansätze 3. ab 60er wachsender Einfluss Informationsverarbeitungsansätze und kognitive Ansätze
- Kognitive Lerntheorien - Erkenntnis, dass Lernprozesse alters-, spezies- und reizabhängig sind - „Rehabilitation des Geistes“: zunehmend internale Konstrukte (Blick in die „Black Box“) wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und kognitive Repräsentationen werden Gegenstand der experimentellen Psychologie - Lernen hängt nicht mehr unmittelbar mit gezeigtem Verhalten zusammen, sondern mit internal gespeichertem Wissen
- Menschenbild klassischer Lerntheorien - stark deterministisch (vorherige Lernprozesse determinierten das Verhalten) - Determination durch externe Faktoren (Psychoanalyse: Determination durch interne Faktoren) - sehr mechanistisch („Black Box“) - leicht sozialisierbar dank geeignetem Lernmechanismus (Kontrast zur Psychoanalyse, Fokus auf Devianzverhalten) - sehr kleine, elementare Lernprozesse werden betrachtet (kein ganzheitlicher Blick auf Persönlichkeit wie in Psychoanalyse oder Humanistischen Theorien) - Kritik: erlaubt keine Individualität, Selbstentfaltung, freien Willen, intentionales Handeln, spezifische humane Eigenschaften, die über Triebe hinausgehen
- verschiedene Ebenen/Arten des Beobachtungslernens - Local Enhancement: gesteigertes Interesse an den örtlichen Gegebenheiten, an denen Verhalten Anderer beobachtet wurde - Stimulus Enhancement: gesteigertes Interesse an den von Anderen benutzten Objekt - Emulation: Interesse, etwas über Eigenschaften eines Objektes und kausale Relation zwischen Objekten zu lernen - Goal Emulation: Lernen, dass ein bestimmtes Ziel erreicht werden kann - Mimikry: Replikation einer beobachteten Handlung - Blind Imitation: Erkennen und Reproduzieren des Ziels über genau die beobachteten Handlungen ohne dessen Zusammenhang zu verstehen - Insightful Imitation: bewusstes Erkennen und Reproduzieren eines Ziels durch bewusste Durchführung beobachteter Handlungen -> experimentelle Abgrenzung von Mimikry, Blind Imitation und Insightful Imitation sehr schwierig
- Historie der soziale Lerntheorie - Ende 30er: Versuch psychoanalytische Konzepte (Aggression, Abhängigkeit, Gewissensbildung) lerntheoretisch zu erklären (z.B. durch Hull, Miller, Dollard & Mowrer) -> Annahme, Persönlichkeit sei Resultat von Lernerfahrungen - Soziale Lerntheorie: Versuch, Sozialisationsprozesse lerntheoretisch zu erklären (-> Soziale Verstärkung) - Sozialisationsprozesse = kulturspezifische Lernprozesse, gekennzeichnet durch Interaktion beteiligter Personen -> Ziel: Beeinflussung von Sozialisationprozessen - Dollard & Miller (1941): Beginn des Nachahmungslernens -> Nachahmung als wichtigster Sozialisationsfaktor - werde durch operante Konditionierung erlernt - könne auch zeitlich verzögert stattfinden - Soziale Lerntheorie von Bandura (1963): Erweiterung des Konzepts -> Verhalten kann durch Nachahmung erlernt werden ohne dass Beobachter selber Reaktion zeigt oder verstärkt wird (stellvertretende Verstärkung) => Beobachtungslernen
- Soziale Lerntheorie von Bandura (1963) - Annahme, Verhalten könne durch Beobachtung oder Instruktion erlernt werden ohne dass Beobachter selber Reaktion zeigt oder dieser verstärkt wird (stellvertretende Verstärkung) => Beobachtungs-, statt Nachahmungslernen - spielt eine besonders wichtige Rolle für kindliches Lernen im sozialen Bereich - wichtig, um lebensgefährliche Situationen zu vermeiden (z.B. muss Kind nicht erst von einer Klippe springen, um zu lernen, dass es dies umbringt) - Abstrakte Modellierung: oft wird von dem beobachteten Verhalten abstrahiert zu einer allgemeinen Regel (Bsp.: Spracherwerb) - Rolle der Kognition mit mitberücksichtigt, Blick in die "Black Box" -> Beochbachtungslernen ist abhängig von Aufmerksamkeit, Enkodierfähigkeit, Motivation und Selbstwirksamkeitseinschätzung
- Kontext des Lernens nach Bandura - geht deutlich über behavioristischen Lernkontext hinaus -> „reziproker Determinismus“ (Bandura): Person, Verhalten und Umwelt beeinflussen sich wechselseitig (Doppelpfeile in alle Richungen) - Behaviorismus: Umwelt beeinflusst Verhalten, nicht andersrum; personale Faktoren schlichtweg uninteressant
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- zentrale Annahmen humanistischer Theorien 1. Autonomie des Individuum in sozialen Bezügen - Entwicklung ist Prozess zunehmender Autonomie, verstanden als autonomes Funktionieren innerhalb einer Gemeinschaft 2. Streben nach Selbstverwirklichung 3. Sinn-und Zielorientierung -> Mensch entwickelt sich in Richtung eines Zieles, strebt nach Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde 4. Ganzheit: Mensch strebt nach Integration verschiedener Selbstanteile 5. Bedeutung der Subjektivität: Menschliches Erleben und daran orientiertes Handeln (sich daraus ergebene Wertmaßstäbe, etc.) ist rein subjektiv
- Behaviorismus vs. Humanistische Theorien - Humanismus reagiert auf Unzulänglichkeiten behavioristischer und psychodynamischer Theorien - Behaviorismus deterministischer (determiniert durch externe Faktoren: Umwelt) -> Humanistische Theorien gehen vom freien Willen, Autonomie und Ziel-und Sinnorientierung des Menschen aus -> Humanistische Theorien schreiben Umwelt auf große Bedeutung zu, aber Individuum sich dieser nicht unterworfen, sonder interagiert mit ihr - Behaviorismus reduktionistischer (reduziert Identität auf Ergebnis von Lernprozessen) -> Humanistische Theorien ganzheitlicher Blick - Behaviorismus mechanistische Theorie, Humanistische Theorien humanistisch
- Inspirationen der Humanistischen Psychologie a) Existenzialismus (Denkrichtung): Freiheit der Entscheidung, Sinn und Identität durch Konzentration auf das augenblickliche Erleben b) Humanismus (Denkrichtung): Betonung der Selbstverwirklichung und des freien Willens c) Gestaltpsychologie: ganzheitliche Wahrnehmung, Sinn und Identität durch Konzentration auf das augenblickliche Erleben => zentrale Aspekte: "Leben im Moment", Freiheit & freier Wille, Ganzheitlichkeit, Sinnhaftigkeit, Identitätssuche & Selbstverwirklichung
- Phasen der ontogenetischen Entwicklung nach Charlotte Bühler 1. LJ: Bewusstsein für Dinglichkeit und Bewegung 2. – 4. LJ: Beginn subjektiver Auseinandersetzungen mit Wertvorstellungen und Sinnfragen 5. – 8. LJ: Hineinwachsende in zwischenmenschliche Beziehungen: erste Konzeption von Pflicht, Leistung, Arbeit 9. – 13. LJ: Bewusste Erfahrung autonomer Subjektivität, Abhebung des Ichs von der Umwelt 14. – 19. LJ: Entwicklung zum handelnden, reflektierenden Subjekt 20. – 25. LJ: Erste Selbstbestimmung: Setzen von Lebenszielen 26. – 45. LJ: Stärkere Spezifikation von Zielentscheidungen, auch im Hinblick auf interpersonelle (partnerschaftliche) Beziehungen 46. – 65. LJ: „Bilanz- ziehen“: Erfolge, Misserfolge und Versäumnisse werden reflektiert, Leben wird versucht in einen größeren Sinnrahmen zu bringen Ab 65 Jahren: Lebensrückschau, Loslassen des Lebens und Vorbereitung auf den Tod
- Ziel der Entwicklung nach Charlotte Bühler -> „Erlangen seelischer Gesundheit“ - Merkmale „seelischer Gesundheit“: -> realistische Selbsteinschätzung und Selbstbild -> Interesse an Selbstentwicklung -> Bemühen um innere Einheit und Integration -> Erleben von Autonomie und Selbstbestimmung -> adäquates Realitätserleben -> Fähigkeit, Lebensaufgaben zu bewältigen -> Überblick über alle Phasen der Entwicklung
- Persönlichkeit und Entwicklung nach Carl Rogers - Entwicklung = Entfaltung bereits Vorhandenem (entwicklungspsychologsicher Präformatismus) - Entwicklung als kontinuierlicher Prozess der nach universellen Prinzipien abläuft - jeder Mensch habe Bedürfnis nach positiver Auseinandersetzung mit sich und seiner sozialen Umwelt (positives Menschenbild) -> kann überdeckt werden/in Vergessenheit geraten durch gesellschaftliche Prozesse - Motor der Entwicklung ist das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung/ Selbstaktualisierung (vgl. Maslow) - Streben auf ein Ziel (Selbstverwirklichung) hin, aber kein erreichbarer Endzustand => unendlicher Prozess - Entwicklung setzt Bereitschaft des Individuums für Veränderungen voraus, kann nicht erzwungen werden - keine Formulierung von Entwicklungsauslösern, sondern Vorraussetzungen: Selbstakzeptanz, Offenheit für Erfahrungen, Sich-Akzeptiert fühlen
- Ziel der Entwicklung nach Rogers -> „ideale“ funktionierende Persönlichkeit - Positive Wertschätzung des Selbst und Anderer - Kreative Anpassung an neue Situationen - Reife und befriedigende soziale Interaktion - Erfolgreiche Verhaltensregulation orientiert an eigenen Bedürfnissen - Kongruenz zwischen Selbst und Erfahrungen - Flexibilität der Selbststruktur
- Aufgabe der Psychotherapie nach Rogers -> vgl. Entwicklungsvorraussetzungen nach Rogers - „Sich-Akzeptiert-Fühlen“ herstellen durch Akzeptanz, Wertschätzung, Empathie, Echtheit, Nicht-Wertung