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Entwicklungspsychologie (Subject) / Entwicklungen im hohen Alter (Lesson)
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- verschiedene Definitionen a) allgemeine Altereinteilung: ab 80 Jahren b) Alterseinteilung nach Laslett: 4. Lebensabschnitt, Lebensabschnitt der Abhängigkeit und Altersschwäche (ab ca. 85 Jahren) c) populationsbasierte Definitionen: -> Alter, in dem 50 % einer Geburtenkohorte nicht mehr lebt (75-80 Jahren, abhängig vom Land, indem man lebt) -> Alter, in dem 50% derjenigen, die da 50-60ste Lebensjahr erreicht haben, nicht mehr leben (80-85 Jahre) d) personbasierte Definition vom 4. Lebensabschnitt: -> Orientierung an der geschätzten maximalen Lebensspanne eines Individuums -> Mortalität (Sterblichkeit) gemessen anhand biologischer Marker - viele Altersveränderungen hängen aber nicht mit Mortalität zusammenhängen, sondern mit Morbidität: Abfall psychologischer, alltagsrelevanter Fähigkeiten -> Betrachtung des individuellen Potenzials, die Lebensqualität zu erhalten
- Definition von Altern (Collatz) -> Gerontologie: Wissenschaft des Alterns a) Altern nach Collatz: irreversible, zeitabhängige Veränderung der Struktur und Funktion lebender Systeme -> Indikator: Abnahme der Adaptionsfähigkeit von Organismen gegenüber sich verändernden Umwelteinflüssen
- Alterskriterien nach Strehler (1982): -> dienen der Abgrenzung von Alter von Krankheit 1. Universalität: Prozesse des Alterns sind bei allen Individuen einer Art mit den gleichen Gesetzmäßigkeiten verbunden 2. Progressivität: gradueller Verlauf 3. Irreversibilität: Altern verläuft nur in eine Richtung, Veränderungen sind unumkehrbar (bzw. lassen sich nicht auf natürliche Art und Weise umkehren) 4. Systemimmanenz: Altern läuft auch ohne spezifische exogene Faktoren ab, ist eine Begleiterscheinung des Lebens
- Biologische Alterungsprozesse - Knochen: Osteoporose durch Östrogenmangel (trifft vor allem Frauen) - Gelenke: Abnutzung der Knorpel in den Gelenken, Knochenabrieb (Arthrose) - Muskeln: Zellen werden nicht mehr erneuert -> allgemein weniger Kraft - Fett: mehr Anreicherung durch veränderten Fettstoffwechsel und weniger Energieverbrauch - Haut: Verlust an Collagen und Feuchtigkeitsspeichern -> Falten, dünnere Haut, weniger Spannkraft, verstärkte Hornhautbildung, schlaffes Bindegewebe - Haare: Unterversorgung der Haarwurzeln auf dem Kopf, verstärkte Aktivierung anderer Haarwurzeln (Nasen, Ohren, Damenbart) -> Verlust von Kopfhaaren, Zuwachs an Nasen-, Ohren- und Oberlippenbart - Augen: Eintrübung der Linse, Verlust der Akkomodationsfähigkeit der Linse -> Grauer Starr, Veränderung des Farbsehens, Fehlsichtigkeit - Ohren: Absterben von Sinneszellen im Innenohr (vor allem in Trommelfellnähe) -> Reduktion der Hörleistung (vor allem im hochfrequentiellen Bereich)
- Biologisch-Genetisch Theorien des Alters -> sog. Schadenstheorien -> Fokus auf das WIE des Altern Theorie der freien Radikale (Denham Harman) -> infolge von Stoffwechselprozessen entstehen in Zellen freie Radikale (sehr reaktionsfreudige Moleküle durch ein freies Sauerstoffatom), diese können DNA, Proteine, Fette und andere Moleküle im Organismus oxidieren und dadurch ihre Funktion schädigen -> Anhäufung von irreversiblen oxidativen Schäden im Alter Telomer- Hypothese des Alterns (Leonard Hayflick) -> Telomere (Enden der DNA) verkürzen sich mit jeder Zellteilung, bei einer kritischen Länge stoppt die Zellteilung
- Evolutionstheorien des Alterns -> Fokus auf das WARUM des Alterns Mutations-Akkumulations-Theorie (Medawar) /Antagonistische Pleiotropie (Williams) - Gene mutieren mit der Zeit, je länger man lebt, desto mehr Mutation häufen sich an (Akkumulation an Mutationen mit dem Alter) - Pleitoprie: Ein Gen kann innerhalb eines Organismus mehrere Funktionen haben - die verschiedenen Funktionen können antagonistisch wirken: früh im Lebenslauf vorteilhaft, im hohen Alter schädlich - da die schädlichen Auswirkungen allerdings erst nach der Reproduktionsphase auftreten, haben sie keine evolutionäre Wirkung (durch natürliche Selektion) -> Schädliche Mutationen, die erst im Alter ihre Wirkung zeigen häufen sich im Genom an
- Ökologische Theorien des Alterns - Fokus auf Person-Umwelt-Wechselwirkung Anforderungs-Kompetenz-Modell (Lawton, Saup) -> Verhalten als Funktion der Fähigkeiten (Kompetenz) einer Person und den Anforderungsstrukturen der Umwelt - Kompetenz als Persönlichkeitsmerkmal: oberste Kapazitätsgrenze bezüglich körperlicher Gesundheit, motorischer, sensorischer und kognitiver Fähigkeiten - Unterteilung der Umweltanforderungen in a) physische: Lärm, Luftqualität, Kriminalitätsrate, Raum- Beschaffenheit b) personale: soziales Netzwerk der Person c) suprapersonale: soziodemografische Merkmale der Wohnumwelt wie Altershomogenität, Geschlecht etc. d) gesellschaftliche: Normen und Werte -> „Environmental docility“- Hypothese (Umweltfügsamkeitshypothese): Im Alter nimmt die Kompetenz ab und somit die Bedeutung der Umweltanforderungen für das Erleben und Verhalten zu
- Soziologische Theorien des Alterns -> Fokus auf gesellschaftliche Alterungsprozesse Disengagement- Theorie (Cumming & Henry) - mit zunehmendem Alter wächst das Bedürfnis des Individuums, sich aus sozialen Rollen und Aufgaben zurückzuziehen Aktivitätstheorie (Tartler) - die sozialen Bedürfnisse des Individuums ändern sich nicht mit dem Alter, der soziale Rückzug resultiert aus einem verringerten Aktivitäts- und Kompetenzniveau -> im hohen Alter immernoch positiver Zusammenhang zwischen sozialer Aktivität und Lebenszufriedenheit Kontinuitätstheorie (Atchley) - Erhaltung innerer und äußerer Strukturen ist der beste Weg, den Altersprozess zu meistern, Wohlbefinden und soziale Integration aufrechtzuerhalten - soziale Bedürfnisse im hohen Alter sind individuell und eine Fortführung der sozialen Bedürfnisse im Jugend- Erwachsenenalter -> eher häuslichere (introvertierte) Menschen haben im Alter weniger Probleme mit sozialem Rückzug, soziale (extravertierte) Menschen benötigen weiterhin viele soziale Kontakte
- Alterstheorien a) Biologisch- Genetische Theorien: Fokus auf das WIE des Alterns - Theorie der freien Radikale (Denham Harman) - Telomer-Hypothese des Alterns (Leonard Hayflick) b) Evolutionstheorien: Fokus auf das WARUM des Alterns - Mutations-Akkumulations-Theorie (Medawar) /Antagonistische Pleiotropie (Williams) c) Ökologische Theorien: Fokus auf Person-Umwelt-Wechselbeziehung - Anforderungs-Kompetenz-Modell (Lawton, Saup) d) Soziologische Theorien: Fokus auf gesellschaftliche Alterungsprozesse - Disengagement-Theorie (Cumming & Henry) - Aktivitätstheorie (Tartler) - Kontinuitätstheorie (Atchley) e) Psychologische Theorien: Fokus auf das Erleben und Verhalten im Alter - Konzept der Entwicklungsaufgaben nach Erikson - Kognitive Alternstheorie nach Thomae - SOK-Theorie (erfolgreichen Alterns) nach Baltes
- Entwicklungsaufgaben nach Erikson -> Psychologische Alterstheorie - Entwicklungsaufgaben im Alter: Integrität vs. Verzweiflung (ab 65 Jahren) - ideale Bewältigung: Akzeptanz des bisherigen Lebenslaufes mit all seinen positiven und negativen Ereignissen, Vergeben der eigenen Fehler und der Anderen, Akzeptanz des bevorstehenden Todes - Entwicklungsaufgaben nach Havighurst: Akzeptanz des bisherigen Lebens, Erreichen eines inneren Zustandes „der Zufriedenheit und des Glückes“
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- Kognitive Alterstheorie nach Thomae -> Psychologische Alterstheorie - Zufriedenheit eines Individuums wird bestimmt durch seine Perzeption von sich und seiner Umwelt (Wahrnehmung des eigenen Alters, Akzeptanz der Veränderung des Erscheinungsbildes, Endlichkeit des Lebens) - psychische Zufriedenheit und körperliche Gesundheit sind nicht zwingend abhängig voneinander -> erfolgreiches Altern bedeutet ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten zwischen Bedürfnissen, kognitiver Struktur und erlebter (!) Realität - weiterführende Annahmen der Theorie nach Thomae (vgl. Theißen) -> Anzahl physischer Symptome und vom Arzt diagnostizierter Gesundheitszustand seien unabhängig vom subjektiven Wohlbefinden (z.T. hohes subjektives Wohlbefinden bei geringer körperlicher Gesundheit)
- SOK-Theorie (erfolgreichen Alterns) nach Baltes -> Lebensmanagement-Strategie: - dienen der Adaption an Umweltveränderungen - Selektions-, Optimierungs- und Kompensationsstrategien - liegen jedem Entwicklungsprozess (in jeder Lebensphase) zugrunde, sind universell - im Alter besonders relevant, da individuelle Kompetenzen stark zurückgehen -> „erfolgreiches Altern“: Ausschöpfen der Kapazitäten bei Kompensation von Leistungseinbußen mittels SOK-Strategien - Entwicklung und Altern als Prozess selektiver Anpassung von verfügbaren Handlungszielen an gegebene Ressourcen (Spezialisierung)
- SOK-Strategien -> Selektion: Auswahl von Funktionsbereichen, auf die sich die in jeder Lebensphase begrenzt verfügbaren Ressourcen konzentrieren a) elektive Selektion: Notwendigkeit, aus einer Fülle von Handlungszielen diejenigen auszuwählen, die den eigenen Werten und Kompetenzen möglichst gut entsprechen b) verlustbasierte Selektion: Verändern und Aufgeben von Zielen als Antizipation von Verlusten an Handlungsspielraum (vor allem im Alter) -> Optimierung: Erwerb, Verfeinerung und Anwendung von Ressourcen zum Erreichen von Entwicklungszielen -> Kompensation: Erwerb, Verfeinerung und Anwendung von Ressourcen, die Verlusten entgegenwirken - Bsp.: ältere Schreibkräfte schreiben genauso schnell wie jüngere trotz verlangsamter Reaktionsgeschwindigkeit
- Implikationen des SOK-Modells - Anstieg der SOK-Strategien mit dem Alter durch zunehmende Übung und Erfahrung - Abfall der SOK-Strategien im hohen Altern durch starke Ressourcenbegrenzung - Evidenzen: -> Anstieg der SOK- Strategien Kompensation, Optimierung und verlustbasierte Selektion von 18 bis zum mittleren Alter ( ~ 45) -> Abfall bis zum hohen Alter (ungefähr bis auf den Ursprungswert mit 18) -> koninuierlicher Anstieg elektiver Selektion bis zum hohen Alter
- Positive Aspekte des Alterns - gelten überwiegend fürs 3. (65-80), nicht fürs 4. LA - erhebliche Fortschritte in der medizinisch-technischen Entwicklung, Gesundheitsversorgung + psychologische Ressourcen -> Anstieg der Lebensqualität (im 3. LA) und -erwartung - nachfolgende Kohorten sind körperlich und mental fitter - immer noch hohes kognitives Potenzial im Alter (bis 70 Jahren) - Emotionale Intelligenz und Weisheit hat Peak im 3. LA
- Kognitive Kompetenzen im 3. LA - im Lebenslauf erworbene kognitive Strategien bleiben bestehen, wenn kontinuierlich genutzt - fluide Intelligenz sinkt, kristalline steigt weiter - Peak der „Weisheit“, Expertenwissen im Bereich grundlegender Lebensfragen, emotionale Intelligenz -> hohes Faktenwissen, Entscheidungsstrategien & anderes Strategiewissen, Wert-Relativismus (Betrachtung jeder Person innerhalb ihres eigenen Wertesystems), historische und biografische Einbettung von Lebensproblemen, (…) - Abnahme der Geschwindigkeit und Präzision der Erregungsweiterleitung in den Nervenzellen -> Schnelligkeit- und Performanceeinbußen bei kognitiven Basisoperationen
- Psychische Kompetenzen im 3.LA - immer noch hohe Lebenszufriedenheit durch psychische Anpassungsprozesse -> “Downward Corporation“: Abwärtsvergleich zu z.B. Nachbarn gleichen Alters oder früheres Lebensepisoden, in denen man unzufriedener war -> Aufgabe von unerreichbaren Zielen und Annahme, solcher, die vorm Hintergrund der zurückgegangenen Kompetenzen realistisch erscheinen (SOK-Strategie Selektion)
- Alttagspraktische Kompetenzem im 3. LA - basale Kompetenzen (Selbstpflege, Einkauf, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel) gelingen - vielfältiges Angebot der Umwelt, um Unterstützung zu bieten - auch bei der Befriedigung kultureller Bedürfnisse bietet Umwelt viel Unterstützung (Senioren- Rabatte)
- erfolgreiches Altern im 3. Lebensalter (ab 65) - zunehmend verbesserte körperliche Fitness, kognitive, psychische & alltagspraktische Kompetenzen - genügend internale Ressourcen und Unterstützung durch die Umwelt vorhanden, um biologische Begrenzbarkeit zu kompensieren -> zufriedenes Altersdasein, erfolgreiche Bewältigung alterstypischer Anforderungen
- erfolgreiches Altern im 4. Lebensalter (ab 85) - biologische Grenzen der Anpassungsfähigkeit überschritten -> drastische Zunahme von Verlusten, nicht mehr auszugleichende Defizite, Morbidität, Gebrechlichkeit - steiler Abfall kognitiver, psychischer, alltagsrelevanter & körperlicher Fähigkeiten - subjektive Wahrnehmung und Zufriedenheit sinkt - hohe Demenzprävalenz - allgemeine Dysfunktionalität ist 5x höher als im 3. Lebensalter - biokultureller Architekturplan ist im hohen Alter sehr problematisch -> Evolutionsgewinn nimmt mit dem hohen Alter ab -> Bedarf an gesellschaftlich-kulturellen Unterstützung zur Kompensierung biologischer Verluste nimmt zu, aber Effektivität dieser nimmt ab (durch sinkende neuronale Plastizität)