Kriminologie (Subject) / Vorlesung Prof. Höffler (Lesson)

There are 65 cards in this lesson

Im Rahmen der Blockveranstaltung Kriminologie HS20 an der Universität Luzern

This lesson was created by melaniepelger.

Learn lesson

  • „Eine gute Sozialpolitik ist die beste Kriminalpolitik“. Ordnen Sie dieses Zitat zu und nehmen Sie Stellung. Welcher Ebene von Prävention entspricht dieses Zitat? Eine gute Sozialpolitik bewirkt eine gute Kriminalprävention, denn prädeliktische (Fehl-)Entwicklungen können kriminelles Handeln begünstigen. Eine gute Sozialpolitik ist eine primäre Kriminalprävention, weil sich die Sozialpolitik an die Allgemeinheit und auf die Beeinflussung der allgemeinen Ursachen der Kriminalität (z.B. Arbeitslosigkeit, Verhältnis Arm-Reich) richten.
  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen broken windows und den Maßnahmen kommunaler Kriminalprävention? Nach der Broken Windows Theorie sollen kaputte Fester so schnell wie möglich repariert werden, damit weitere Zerstörungen im Stadtteil und das Steigen der Kriminalitätsrate verhindert werden. Verwüstungen in Stadtgebieten stehen demnach in unabdingbarer Verknüpfung mit Kriminalität und bedingen diese. Die Reparierung der "Broken Windows" führt zu einer gesteigerten Attraktivität des öffentlichen Raums. Dadurch kann also eine der Ursachen von Kriminalität allgemein beeinflusst werden. Die Reparierung ist deshalb ein wichtiges Element der kommunalen Kriminalprävention geworden.
  • Inwiefern gibt es bei vielen Forschungsfragen eine natürliche Verwandtschaft zwischen Dunkelfeldforschung und Viktimologie? Bei der Dunkelfeldforschung werden oftmals Opferbefragungen (victim survey) durchgeführt. Durch diese Methode finden die Forscher viel über die Opfer heraus. 
  • Wie lassen sich aus dem routine activity approach praktische kriminalpräventive Folgerungen ziehen? Dieser Ansatz geht von einem tatgeneigten Täter, einem attraktiven Tatobjekt und die Abwesenheit hinreichender Schutzmechanismen aus. Diese Voraussetzungen liefern Ansatzpunkte für die Kriminalprävention. Wenn die Gegebenheiten derart angepasst werden, dass entweder kein attraktives Tatobjekt oder genügend Schutzmechanisem vorliegen, so wird ein tatgeneigter Täter vom Delikt absehen (präventive Wirkung). Beispiel: mehr Polizeikontrollen, dunkle Ecken beleuchten etc. 
  • Was ist ein Täter-Opfer-Ausgleich? Welche (ähnlichen) Formen gibt es? Was sind Ziele? Der Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) fasst unter Betonung der Idee des Ausgleichs die soziale Befriedung zwischen Täter und Opfer ins Auge; er ist eine Form der Mediation. Um den Rechtsfrieden wiederherzustellen, soll die Bestrafung des Täters durch eine Versöhnung mit dem Opfer ersetzt werden. Unter Aufsicht eines neutralen Vermittlers bekommen Täter und Opfer die Möglichkeit, Art, Form und Umfang einer Wiedergutmachung des verursachten (materiellen und immateriellen) Schadens zu vereinbaren. Ähnliche Formen sind die Mediation im Strafrecht, aussergerichtlicher Ausgleich, Wiedergutmachung im Strafrecht. Zum Teil steht mehr der Entschuldigungsgedanke im Vorderung; zum Teil die materielle Wiedergutmachung. Durch die Konfrontation von Täter und Opfer bezweckt man eine präventive Wirkung, die Auseinandersetzung des Täter mit der Tat, Wiedergutmachung und Entschuldigung.
  • Inwiefern kann Restorative Justice sozialpräventiv wirken? Die Restorative Justive wendet sich direkt an den Täter und veranlasst ihn, sich mit der Tat auseinanderzusetzen. Dadurch soll ein Besserungsprozess in Gang gesetzt werden.
  • Welche Verbindung besteht zwischen Restorative Justice und der Theorie der Neutralisationstechniken? Welche Verbindung besteht zur Labeling Theorie? Welche Verbindung besteht zur Theorie des Reintegrativen Shamings? Verbindung zu den Neutralisationstechniken: Die neutralisierenden Rechtfertigungstechniken des Täters greifen nicht, wenn der Täter mit dem Opfer konfrontiert wird. So können die Neutralisationstechniken also ausgehebelt werden. Verbindung zur Labeling Theorie: Das formelle Strafverfahren kann den Täter stigmatisieren (besonders bei Jugendlichen). Dies kann ein Kreislauf in Gang setzen (sekundäre Devianz). Wendet man jedoch eine Restorative Justice an, kann dies vermieden werden. Verbindung des Reintegrative Shamings: Durch Restorative Justice kann ein sich negativ auswirkendes reintegrative Shaming des Täters vermieden werden.
  • Welche Art präventiver Wirkung erfüllt Restorative Justice? Welche präventive Wirkung erfüllt sie nicht? Restorative Justice hat sowohl eine spezial- als auch generalpräventive Wirkung. Ein Täter-Opfer-Ausgleich bewirkt, dass ein Täter weniger rückfällig wird, weil er direkt mit dem Opfer konfrontiert wurde. Die Gesellschaft erachtet es des Weiteren als wichtig, einen direkten Ausgleich zwischen Täter und Opfer zu erzielen, also eine Lösung, bei der das Opfer auch aktiv miteinbezogen wird. So kann das Vertrauen in die Rechtsordnung gestärkt werden. Fraglich ist, ob eine negative Generalprävention erzielt wird. Auf jeden Fall wird aber keine negative Spezialprävention erzielt, weil der Täter mit dieser Lösung nicht eingesperrt wird.
  • Kann sie die Funktion der Strafe ersetzen? Umstritten ist, ob man den TOA als eine dritte Spur neben Strafen und Maßregeln im Sanktionensystem des Strafrechts auffassen kann. Die Justiz steht dieser Ergänzung des Sanktionensystems eher kritisch gegenüber, da der TOA in den Augen vieler Strafjuristen als Vehikel erscheinen muss, welches den Täter seiner gerechten Strafe entzieht. Zudem wird auch die Effizienz des TOA bestritten.
  • Wieso lässt sich das Problem "Kriminalitätsfurcht" schwer empirisch untersuchen? Die Kriminalitätsfurcht ist mehrdimensional, deshalb muss bzgl. des Fragebogendesigns zunächst überlegt werden, welche Art von Kriminalitätsfurcht untersucht werden soll. Die Fragen müssen dann im Hinblick darauf konzipiert werden.
  • Welche Verbindung besteht zwischen dem Lesen seriöser Tageszeitungen und der Strafeinstellung? Leser von seriösen Tageszeitungen schätzen die Kriminalität wesentlich geringer ein als Leser von anderen Tageszeitungen. Ausserdem sprechen sich die Leser seriöser Tageszeitungen für eher mehr Strafmilde, d.h. weniger Strafhärte und für keine Todesstrafe aus. Es wird eine Resilienz zu punitativen Einwirkungen aufgebaut.
  • Welche Verbindung besteht zwischen dem Lesen seriöser Tageszeitungen und strengeren Gesetzen? Der Verstärkerkreislauf ist bei Lesern seriöser Tageszeitungen nicht so sehr ausgeprägt wie bei Lesern von weniger seriösen Tageszeitungen.
  • Welche Kriminalitätstheorie hilft den Zusammenhang zwischen Medien und Kriminalität zu erklären? Konstruktivistische Kriminalitätstheorie von Scheerer & Hess
  • Nennen und beschreiben Sie zwei Kriminalitätstheorien, die Aussagen in Bezug auf die Kriminalitätsfurcht enthalten. - Broken Windows Theorie: In verwahrlosten Gegenden ist die Kriminalitätsfurcht höher. Mit der Reparatur von gebrochenen Fenstern kann dem entgegenwirken. - Konstruktivistische Theorie: Die konstruktivistische Theorie liefert Erklärungsansätze für den Verstärkerkreislauf.
  • Worum geht es bei der Kriminologie? Kriminologie ist die Lehre vom Verbrechen, vom Verbrecher und von der Verbrechenskontrolle. Die Kriminologie ist eine interdisziplinäre Erfahrungswissenschaft. Bei der angewandten Kriminologie geht es um das täterbezogene kriminologische Wissen (u.a. Persönlichkeit/Sozialverhalten). Der Nutzen besteht in der täglichen Entscheidungspraxis der Strafrechtspflege, um Prognosen zu erstellen (z.B. bei Strafzumessung, Sicherheitsverwahrung, Rückfallprognose). In Abgrenzung dazu geht es bei der Kriminalpolitik das nicht-täterbezogene kriminologische Wissen. Die Kriminalpolitik berät bei der Ausgestaltung der Strafrechtspflege (z.B. bei der Schaffung neuer Straftatbestände).