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Klinische Psychologie (Erwachsene) (Subject) / Angststörungen (Lesson)

Vorlesung, Buchkapitel, Zusammenfassungen, GAS, Soziale Angststörung, Panikstörungen

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  • Was ist eine Panikstörung? plötzliches als unangenehm empfundenes Einsetzen von Symptomen→ körperliche Symptome werden nicht mit paternalen Stimuli (Höhe, Kaufhaus) in Verbindunggesetzt
  • Symptome (körperlich, kognitiv) - Herzklopfen/-rasen- Atemnot- Schwindel/Benommenheit- Schwitzen- Brustschmerzen/Druck oder Engegefühl in der Brust - kognitive Symptome: Angst zu sterbe, verrückt zu werden, die Kontrolle zu verlieren Wenn neben Panikanfällen auch Vermeidungsverhalten: Panikstörung mit Agoraphobie
  • Dauer von Panikanfällen - durchschnittliche Dauer von Panikanfällen 30 Minuten
  • retrospektive Verzerrungstendez Patienten schildern rückblickend prototypische schwere Anfälle,bei sofortiger Befunderhebung (standardisiertes Tagebuch) werden Panikanfälle mit moderaterIntensität und moderater Anzahl von Symptomen beschrieben
  • Panikstörung Anfälle mit akuter Angst und unterschiedlichen SymptomenGipfel innerhalb weniger, maximal 10 Minuten
  • Wie äußert sich ein Stimmritzenkrampf? Vocal Cord Dysfunction (VCD), - akut einsetzende Verkrampfung der Stimmbänder, - plötzliche Luftnot, - Todesangst, Gefühl höchster Bedrohung:-> Anfälle akuter Atemnot, starke Angst, Gefühl zu sterben, Dauer 30-60s
  • Agoraphobie Typische Situationen, die vermieden oder nur mit starker Angst ertragen werden: - alleine außer Haus sein- in einer Menschenmenge sein- in einer Schlange stehen- auf einer Brücke sein- mit Bus, Zug oder Auto fahren → Angst, Situation wäre nur schwer zu verlassen, es stünde keine Hilfe zur Verfügung→ Situationen werden als bedrohlich erlebt, wenn sie eine Entfernung von „sicheren“ Orten(meistens zuhause) oder eine Beschränkung der Bewegungsfreiheit bedeuten→ in Begleitung können bedrohliche Situationen besser ertragen werden→ Sicherheitssignale: Mitsichtragen von Medikamenten, Riechsubstanzen, Entspannungsformeln oder Telefonnummer des Arztes
  • Lebenszeitprävalenzen Panikstörung / Agoraphobie + Komorbidität - Panikstörung: 0,5%-4,7%, - Agoraphobie: 0,9%-7,8% - hohe Komorbidität mit anderen Angststörungen, Depressionen, somatoformen Störungen undAbhängigkeitsstörungen
  • Abgrenzung zu anderen Angststörungen Panikanfälle und phobische Ängste können auch im Kontext anderer Angststörungen auftreten. Zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung eignen sich die zentralen Befürchtungen während desAnfalls. Ein Panikanfall im Rahmen von Panikstörung und Agoraphobie: -> Furcht vor einer unmittelbar drohenden körperlichen oder geistigen Katastrophe; -> Sozialphobie: Peinlichkeit/Blamage , -> spezifische Phobie: direkt vom phobischen Objekt ausgehende Gefahren -> Zwangssyndrom: Kontamination/mangelnde Verantwortlichkeit
  • Problemanalyse bei Panikstörungen Für individuelle Therapieausgestaltung Untersuchung der Bedingungen, die die Ängste auslösen, verschlimmern, verringern und aufrechterhalten. Weitere wichtige Punkte:- Hilfesuchendes Verhaltens- Behandlungsversuche- Bewältigungsstrategien und Erklärungen des Patienten für das Problem
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  • Störungsmodelle - psychophysiologisches Modell der Panikstörung (4 Schritte) 1. physiologische(Herzklopfen, Schwitzen, Schwindel)/psychologische(Gedankenrasen,Konzentrationsprobleme) Veränderungen (→ Folge unterschiedlicher Ursachen 2. Veränderungen werden wahrgenommenen 3. Assoziation mit Gefahren 4. Auf wahrgenommene Bedrohung wird mit Angst/Panik reagiert→ führt zu weiteren Symptomen → diese werden auch wahrgenommen und mit Gefahr assoziiert→ Steigerung der Angst→ Sogenannte Rückkopplung kann sehr schnell ablaufen, kann mehrmals durchlaufen werden - wichtig: pos. / neg. Rückkopplung und Einflussgrößen auf Aufschaukelungsprozess
  • Störungsmodelle - psychophysiologisches Modell der Panikstörung - Pos. / neg. Rückkopplung Positive Rückkopplung: verstärken der Symptome Negative Rückkopplung:  Beenden des Panikanfalls; Habituation, Ermüdung, respiratorische Reflex bei Hyperventilation wichtige Bewältigungsstrategien: hilfesuchendes/vermeidendes Verhalten. Aber auch Angstreduktion durch flaches Atmen, Ablenkung auf externe Reize oder Reattribution von Körperempfindungen→ Versagen von Bewältigungsversuchen führt zu weiterem Angstanstieg
  • Störungsmodelle - psychophysiologisches Modell der Panikstörung - Einflussgrößen auf Aufschaukelungsprozess Auf Rückkopplungsprozess wirken verschiedene angstmodulierende Faktoren:kurzfristig:- momentane psychische/physischer Zustände (generelles Angstniveau, körperlicheErschöpfung, hormonelle Schwankungen) - momentane situative Faktoren (Hitze, körperliche Aktivität, Veränderung Körperposition)langfristig: - überdauernde situative Einflüsse (langanhaltende schwierige Lebenssituation, belastende Lebensereignisse - individuelle Prädispositionen (bestehen vor erstem Panikanfall oder bilden sich im Verlauf: Aufmerksamkeitszuwendungen auf Gefahrenreize, bessere Interozeptionsfähigkeit) → individuelle Lerngeschichte und kognitive Stile beeinflussen die Assoziationkörperlicher/kognitiver Veränderungen mit unmittelbarer Gefahr
  • Störungsmodelle - Hyperventilationstheorie der Panikstörung chronisch hyperventilierende Patienten vulnerabel für Panikanfälle → belanglose Ereignisse lösen Hyperventilieren aus, was einen Panikanfall auslöst→ empirisch nicht bestätigt
  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Konzept der Agoraphobie - Zwei Faktoren-Theorie (Mowrer) → klassische+operante Konditionierungbei Phobien werden ursprünglich neutrale Reize aufgrund traumatischer Ereignisse mit einemzentralen motivationalen Angstzustand assoziiert (klassische Konditionierung) und die darauffolgende Vermeidung dieser Reize durch den Abbau dieses unangenehmen Zustandes verstärkt wird (operante Konditionierung). → nicht ausreichend, Großteil kann sich nicht an an traumatisches Ereignis erinnern→ wahrscheinlich, dass bei Phobikern vergleichsweise harmlose Erfahrungen traumatischverarbeitet werden Preparedness-Seligmann: manche Phobien leichter zu erlernen als andere
  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Konzept der Agoraphobie - Goldstein und Chambless (1978) einfache Agoraphobie (selten):Patienten fürchten phobische Situation an sich→ Auslöser traumatische Erfahrung mit Situation an sich komplexe Agoraphobie (häufiger):Patienten fürchten vor allem Konsequenzen der Angst („Angst vor der Angst“) → Angstsensitivität: Neigung, körperliche Empfindungen als Hinweis auf Bedrohung oderBedrohung zu bewerten interozeptive Konditionierung: körperliche Empfindungen wie zu schneller Herzschlag werden zukonditionierten Reizen für Panikanfällen
  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Konzept der Agoraphobie - moderne Lerntheorie der Panikstörung (Bouton 2001) Furchterwerb allgemein wichtiger Überlebensmechanismus, Extinktion eher flexible Reaktion aufeine sich ändernde Umwelt→ pathologische Angst: Defizit im Extinktionslernen
  • Therapeutisches Vorgehen bei Panikstörungen Berücksichtigung, ob Panikanfälle, das agoraphobische Vermeidungsverhalten oder andereBeschwerden im Vordergrund stehen Panikanfälle: - kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramm - agoraphobische Vermeidungsverhalten: Konfrontationsbehandlung
  • Konfrontative und kognitive Kombination bei Panikstörungen Die meisten Ansätze kombinieren die Konfrontation mit internen Reizen (besonders körperlichen Symptomen) + mit der Vermittlung von Strategien zur Bewältigung von Angst und körperlichenSymptomen und kognitiven Methoden, die auf eine veränderte Interpretation der ursprünglich als bedrohlich erlebten Angstsymptome abzielen.
  • Aus welchen Komponenten besteht die Therapie zu Panikstörungen? - Informationsvermittlung, - kognitive Therapie und - Konfrontation mit angstauslösenden Reizen. Grundprinzip der Therapie ist es, nicht nur die Angst der Patienten zu reduzieren, sondern ihnenFertigkeiten und Strategien zu vermitteln, die sie auch ohne Therapeuten selbstständig einsetzen können.
  • Grundlagen zur Behandlung von Panikstörungen Grundlage der Behandlung bildet die Vermittlung eines glaubwürdigen Erklärungsmodells für die Panikanfälle. Dies trägt zur - Wirksamkeit und Akzeptanz der therapeutischen Maßnahmen, - zur Generalisierung des Therapieerfolges - und zur Prophylaxe von Rückfällen bei. Bei der Vermittlung des Erklärungsmodells müssen die individuellen Erklärungsschemata derPatienten berücksichtigt werden. (Teufelskreismodell)
  • Erklärungsmodelle in der Therapie von Panikstörungen Aus dem Erklärungsmodell werden die weiteren Behandlungsschritte abgeleitet. Der Patient muss verstehen, dass seine Probleme vor allem durch die Fehlinterpretation körperlicher Empfindungenoder anderer Angstsymptome als Zeichen drohender Gefahr aufrechterhalten werden. Diese Fehlinterpretationen müssen verändert werden
  • Veränderung der Fehlinterpretationen bei Panikstörungen 1. Identifikation der Fehlinterpretation. 2. Einschätzung des Ausmaßes, in dem die Patienten von der Fehlinterpretation überzeugt sind (Überzeugungsrating auf einer Skala von 0–100 %), getrennt für den Zeitpunkt während eines Panikanfalls und außerhalb eines Panikanfalls. 3. Sammeln aller Daten, die für die Fehlinterpretation sprechen. 4. Sammeln aller Daten, die gegen die Fehlinterpretation sprechen (diesen Schritt erst einleiten, wenn wirklich alle Argumente für die Fehlinterpretation vorliegen). 5. Erstellen einer alternativen Erklärung (hier wird das geleitete Entdecken aufgegeben, mögliche Überleitung: »Wir haben jetzt sowohl Argumente dafür als auch dagegen. Ihre bisherige Annahme kann nur die eine Seite erklären, wir brauchen aber eine Erklärung für alles.«). 6. Sammeln aller Daten, die für die alternative Erklärung sprechen (hierfür evtl. auch noch einmal die Daten aus den Schritten 3 und 4 durchgehen). 7. Überzeugungsrating für die Fehlinterpretation. 8. Überzeugungsrating für die alternative Erklärung
  • Was ist wichtig bei der Veränderung von Fehlinterpretationen bei Panikstörungen Zur Diskussion der Fehlinterpretation des Patienten rhetorisches Geschick undEinfühlungsvermögen wichtig: - Immer wieder die Sichtweise des Patienten aufgreifen (statt ständig eine neue Perspektive zu„verkaufen“). - Jegliche Fragen und Zweifel aktiv ermutigen und ausgiebig besprechen.- Entscheidungskonflikte aufbauen (Extrempositionen!).- Geduld (den Patienten nicht drängen)! → Korrektur der Fehlinterpretation darf erst beendet werden, wenn alle Fehlinterpretationen desPatienten besprochen wurden. → gleichzeitig immer nur eine Fehlinterpretation (effizienter)
  • Angst vor Ohnmacht (Panikstörung) Therapeut benötigt med. Wissen bzgl. Befürchtungen des Patienten → Schon einmal ohnmächtig? Wenn ja, unter welchen Umständen?→ Ohnmacht durch Abfall Blutdruck und Herzfrequenz→ diese steigen durch Angst
  • Verhaltensexperimente (Panikstörung) → in der Therapie bearbeiteten Fehlinterpretationen und alternativen Erklärungsmodelle imHinblick auf Wahrheitsgehalt überprüfen → körperliche Belastung→ Hyperventilation→ Vorstellungsübungen→ Erleichtern Korrektur der Fehlinterpretationen→ dienen auch der Konfrontation mit den gefürchteten Symptomen
  • Rückfallprophylaxe bei Panikstörungen - Pat. soll gelernte Strategien außerhalb der Therapiestunde anwenden können - Vorbereitung auf Rückschläge mit Angstniveau (keine Katastrophe) - Hausaufgaben: Generalisierung, Verhütung Rückfälle - Selbstverstärkung Patient betonen - Am ende noch einmal alle Fehlinterpretationen durchgehen, klären, ob noch Zweifel anAlternativerklärungen
  • Behandlung von Agoraphobie Konfrontation in vivo bei phobischen Vermeidungsverhalten Methode der Wahl → statt Abstufung Reizüberflutung, bei schweren Phobien langfristig wirksamer     → Therapie beginnt mit Situation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit starke Angst auslöst     → massiert: mehrere Stunden täglich an aufeinanderfolgenden Tagen                  → schnellste und und stabilsten Erfolge
  • Vorgehen bei massiver Reizkonfrontation bei Agoraphobie (Schritt 1) 1. Kognitive Vorbereitung: Anhand von Anamnese wird Erklärungsmodell für Entstehung derAngstproblematik vermittelt → Ableitung therapeutisches Vorgehen → Grundlage: Zwei-Faktoren-Theorie, ggf. erweitert um Angaben zu Sicherheitssignalen,Prädispositionen und „Preparedness“ → Patient muss deutlich werden, dass Vermeidung zentral für VermeidungsverhaltenInformationen über konkrete Durchführung der massierten Reizkonfrontation (Therapeut wirdFluchttendenzen verhindern) → Bedenkzeit über mehrere Tage, in der Patient sich für oder gegen die Behandlung entscheidet → Maximierung notwendiger Therapiemotivation
  • Vorgehen bei massiver Reizkonfrontation bei Agoraphobie (Schritt 2) 2. Massierte Reizkonfrontation: an 5-10 aufeinanderfolgenden Tagen, täglich 6-8 h angstbesetzte Situationen → zuvor detaillierte und konkrete Planung mit Patienten Instruktion: So lange in einzelnen Situationen bleiben, bis Angst von selbst geringer, Angst nichtunterdrücken oder sich ablenken → Begleitung durch Therapeuten sobald wie möglich ausschleichen → Für Durchführung verstärken, Ermutigung zur Selbstverstärkung Abschluss: Betonen, dass in der Therapie Vermittlung von Fähigkeiten statt gefunden hat, dieselbstständig bei wiederauftretenden Ängsten eingesetzt werden können, um Rückfälle zuvermeiden
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  • Empirie Agoraphobie Ruhmland und Margraf (2001) aufgrund Ergebnissen Metaanalyse: wenn agoraphobisches Vermeidungsverhalten im Mittelpunkt der Beschwerden steht, Konfrontation in vivo die effektivste Behandlungsmethode ist. Dagegen ist es sinnvoll, kognitive Elemente, wie z. B.in der kognitiv-behavioralen Therapie, eher bei Panikstörung ohne bzw. mit geringenagoraphobischen Symptomen einzubeziehen. Therapeuten sollten deshalb in der Diagnostik klarherausarbeiten, welche Symptomatik – agoraphobisches Vermeidungsverhalten oder Panikanfälle – im Vordergrund der Beschwerden steht. Sowohl kognitiv-behaviorale Verfahren als auch angewandte Entspannung sind demnach aufgrund ihrer guten kurz- und langfristigen Effekte für die Therapie von Panikstörung ohne Agoraphobiegeeignet. Auch die Therapieabbruchraten waren bei beiden Behandlungsmethoden recht niedrig
  • Soziale Phobie - Allgemeine Beschreibung Kernmerkmal einer sozialen Phobie ist eine intensive Angst, in sozialen Situationen durchbestimmte Verhaltensweisen oder durch das erwartete Sichtbarwerden von körperlichenSymptomen peinlich oder ungeschickt zu wirken. Hinzu kommen oft damit zusammenhängende Befürchtungen, von anderen negativ bewertet oder abgelehnt zu werden. Personen mit sozialen Phobien leiden wegen der starken Ängste meist unter erheblichen Einschränkungen hinsichtlich ihrer Lebensführung und Genussfähigkeit. Diese betreffen oft die schulische oder beruflicheAusbildung, die Berufsausübung, private und berufliche Sozialkontakte, Partnerschaften sowie die Gestaltung der Freizeit in weiteren Bereichen
  • Wesentliche Merkmale soz. Phobien (1) 1. dysfunktionale Gedanken: Erwartung negativer Bewertung durch andere. Oft beinhalten sieungünstige, die eigene Person abwertende und andere überhöhende Vergleiche mit anderen; dieInhalte sind oft katastrophisierend und hängen mit perfektionistischen Anforderungen an die eigene Person bei gleichzeitig vorhandenem Insuffizienzempfinden zusammen
  • Wesentliche Merkmale soz. Phobien (2) 2. körperliche Symptome: zumindest können einige tatsächlich von anderen teilweise wahrgenommen werden: → Erröten, Zittern, Schwitzen und andere Folgen von Hitzewallungen sowieAtemnot. Weiterhin können auch Mundtrockenheit, Herzrasen, Schwindelgefühle, Übelkeit, Harnoder Stuhldrang, aber ggf. auch Blutdruckabfall mit Kälteempfinden auftreten. Die Symptomatikkann dabei der beim Auftreten von Panikattacken ähnlich sein
  • Wesentliche Merkmale soziale Phobie (3) 3. spezifische Verhaltensweisen:a. Vermeidungs- oder Fluchtverhalten (mit Angst verbundene Situationen werden vermieden oder bei auftretender oder sich verstärkender Angst verlassen), b. Sicherheitsverhaltensweisen (Betroffene tun Dinge, die ihnen in den Situationen subjektiv höhere Sicherheit geben; z. B. eine Tasse besonders fest umklammern, um nicht zu zittern; sich in einem Restaurant sosetzen, dass sie nicht gesehen werden); ein bedeutender Teil dieser Sicherheitsverhaltensweisen zeigen sich als c. ungeschicktes bzw. wenig kompetentes Interaktionsverhalten (z. B. distanziertes Verhalten, kein oder scheuer Blickkontakt, Schweigen, Konversationen nicht beginnen oder nicht weiterführen, Einsilbigkeit in der Gesprächsführung; Probleme mit dem Sprechen, z. B. Stottern oder Stammeln)→ zentrale Funktionen: aufgetretene Anspannung zu reduzieren, subjektiv empfundene Bedrohung zu vermindern und damit mit einen erhöhten Schutz vor Versagen zu erreichen
  • Störungsmodelle/ Erklärungen - Prepardness Konzept der »Preparedness« : auch auf den Bereich sozialer Ängste übertragbar. Im Zusammenleben einer Gruppe von Menschen können soziale Ängste, ggf.Unterwürfigkeit oder zumindest Vorsicht im Kontakt mit aggressiven, kritischen oder ablehnenden Personen als evolutionär sinnvolle Reaktionen gesehen werden. Der evolutionäre Vorteil einer solchen Bereitschaft zu sozialer Angst und der damit möglicherweise verbundenen Adaptation an Dominanzhierarchien in Gruppen könnte darin bestehen, dass man auch als unterlegenes Mitglied aus einer möglicherweise lebensnotwendigen sozialen Gruppe nicht ausgeschlossen wird  -> höhere WSK, an den Ressourcen der Gesellschaft teilhaben zu können, Partnerschaft zu beginnen, eigene Familie zu gründen.Zurückhaltendes Verhalten in sozialen Kontexten = sinnvolle Maßnahme zurAbwehr von Aggressivität sein. Positive Aspekte sozialer Ängstlichkeit können auch eineausgeprägte interpersonelle Sensibilität und Empathie für die Bedürfnisse anderer sein sowie damit verbundenes rücksichtsvolles, auf das Wohl einer Gemeinschaft ausgerichtetes Verhalten
  • Störungsmodelle / Erklärung - Kompetenz- und perfomanzorientiertes Störungsmodell der sozialen Phobie (allgemein) Mittelpunkt des Modells : soziale Situation als auslösende Bedingung für sozial-ängstliches Verhalten + gedankliche Antizipationen einer als (sozial) bedrohlich erlebten Situation
  • Kompetenz- und perfomanzorientiertes Störungsmodell der sozialen Phobie - Symptome der Angst vor soz. Situationen Angst in oder vor sozialen Situationen umfassen folgende Reaktionsbereiche: - negative Gedanken (Kognitionen), die mit starken Angstempfindungeneinhergehen, - körperliche Reaktionen (hierzu gehören die für sozial ängstliche Personen besonders wichtigen und unerwünschten Reaktionen Erröten, Schwitzen, Zittern, aber auch Herzklopfen,Atembeschwerden, Harn- und Stuhldrang) - nonverbales und verbales motorisches Verhalten (u. a. Vermeidungsverhalten,Sicherheitsverhaltensweisen und konkretes Verhalten in sozialen Situationen, die »sozialePerformanz«) Zu den wichtigen kognitiven Symptomen gehört die Interpretation der sozialen Situation als soziale Gefahr. Diese zeigt sich oft in Befürchtungen, sich lächerlich zu machen und abgewertet zu werden und damit auch von der Gesellschaft, einer Gruppe ausgeschlossen zu sein oder von einzelnen Personen abgelehnt zu werden.
  • Kompetenz- und perfomanzorientiertes Störungsmodell der sozialen Phobie - kognitive Besonderheiten bei Sozialphobikern 1. übertrieben hohe Standards für das eigene Auftreten in sozialen Situationen, 2. konditionale (d. h., speziell in sozialen Situationen auftretende) Überzeugungen über ungünstige oder gar »katastrophale « Konsequenzen des eigenen Verhaltens oder der eigenen Erscheinung sowie 3. unkonditionale (d. h., eher dauerhaft vorhandene) negative und abwertende Überzeugungen über die eigene Person
  • Sozialpsychologisches Modell der sozialen Phobie von Leary und Kowalski Soziale Ängste treten nach diesem Modell dann auf, → bestimmter (positiver) Eindruck bei anderen Personen soll erzielt werden→ Person sieht sich jedoch nicht in der Lage, diese (hohen) Anforderungen zu erfüllen→ Diskrepanz kann auf inadäquate oder nicht ausreichende soziale Kompetenz zurückgeführt werden→ wird von der betroffenen Person entsprechend erlebt
  • kognitives Modell psychischer Störungen solche Annahmen (bin nicht gut genug z.b) werden in spezifischen Situationen oder der Antizipation dieser ausgelöst. → entsprechende negative Interpretationen einer (sozialen) Situation sind durch kognitive Schemata (Grundannahmen) bedingt (Vergleich mit unbewussten Filtern, die Situationsinterpretation ggf. beeinflussen) Für Personen mit sozialen Ängsten kann daher etwa von folgenden Schemata ausgegangen werden:- Sicht der eigenen Person: »Ich bin ungeschickt«, »Ich bin minderwertig«, »Ich bin unfähig und dumm«, »Ich bin nicht liebenswert«.- Sicht der anderen: »Andere sind kritisch und demütigend «, »Andere sind überlegen«, »Andere sind intelligent und kompetent«
  • weitere kognitve Aspekte bei soz. Phobien - Schemata Grundannahmen (Schemata) werden in sozialen Situationen so aktiviert, dass die Situation als(sozial) bedrohlich interpretiert wird und daher mit Angst als Emotion einhergeht
  • weitere kognitve Aspekte bei soz. Phobien - (starke) Lenkung der Aufmerksamkeit starke Lenkung der Aufmerksamkeit auf: a. die eigene Person und dabei besonders auf eigene, als minderwertig oder peinlich interpretierten Attribute, Verhaltensweisen und körperlichen Symptome und b. die selektive Fokussierung der Aufmerksamkeit auf sozial bedrohliche Reize. Besonders wichtig sind auch c. die bei Clark und Ehlers (2002) beschriebenen ungünstigen gedanklichen Rückblicke und die nachträglichen negativen Bewertungen von erlebten sozialen Situationen (»post-mortem processing«): Betroffenen denken über die erlebte Situation wiederholt nach → interpretierendas eigene Verhalten als unzulänglich, ungeschickt, peinlich, → überlegen sich viele Varianten, wie besseres Verhalten → strafen sich für  »Versagen«  → Einreihung in Serievon Misserfolgserfahrungen + sozial ungeschickten Verhaltensweisen.→ verstärkt negative Antizipation bzgl. ähnlicher zukünftiger Situationen wahrscheinlicher.
  • Kognitives Modell der sozialen Phobie nach Clark und Wells (1995) im Modell wird – zusätzlich zu der Aktivierung dysfunktionaler kognitiver Schemata i. S. einer »sozialen Gefahr« – der übersteigerten Selbstwahrnehmung und Selbstaufmerksamkeit eine besonders zentrale Rolle zugemessen. → Konfrontation einer sozial phobische Personen mit »bedrohlicher« sozialen Situation → Aufmerksamkeit richtet sich oft nach innen sowie ggf. darauf, die so erlebten und interpretierten eigenen Schwächen zu verbergen. → Konzentration auf eine Aufgabe sowie die Wahrnehmung von interpersonellen oder situativenInformationen ist deutlich eingeschränkt → dadurch wird die Performanz in sozialen Situationen ungünstig beeinflusst, da dieKonzentration sehr stark auf die inneren Angstprozesse gelenkt wird
  • Bedeutung der Physiologische Ebene auf soz. phobische Menschen  Auf physiologischen Ebene treten Symptome auf, die weitgehend auch bei anderenAngststörungen bekannt sind. Bedeutsam ist, dass bei Sozialphobikern körperliche Reaktionen inbesonderer Weise eine Relevanz für soziale Interaktionen haben (z. B. Erröten und Schwitzen).Das (offene, motorische und/oder verbale) sozial phobische Verhalten besteht häufig darin, dassentsprechende, als gefährlich interpretierte Situationen vermieden werden. → nicht allen sozialen Situationen kann langfristig aus dem Weg gegangen werden→ Personen mit sozialer Phobie „stehen“ soziale Situationen „durch“→ nur mit starken Gefühlen der Angst
  • soziale Performanz (soziale Phobie) Personen mit sozialer Angst verhalten sich oft in sozialen Situationenungünstig/unangemessen. → auch als Sicherheitsverhalten interpretierbar: Rückzug, Verstecken, Schweigen, Meiden von Augenkontakt, Manipulieren am eigenen Körper / der Kleidung, sparsamer/wenig flüssigerKonversationsstil
  • 3 Faktoren des Verhaltens bei sozialer Phobie Die drei dargestellten Faktoren des Verhaltens bei sozialen Phobien (motorisch-sprachlich,physiologisch, kognitiv) sind so miteinander verknüpft, dass sie sich wechselseitig ungünstigbeeinflussen und damit ein sich aufschaukelnder Prozess in Gang kommen kann, der zuverstärkten Angstsymptomen führt.
  • soziale Performanz (soziale Phobie) Personen mit sozialer Angst verhalten sich oft in sozialen Situationenungünstig/unangemessen. → auch als Sicherheitsverhalten interpretierbar: Rückzug, Verstecken, Schweigen, Meiden von Augenkontakt, Manipulieren am eigenen Körper / der Kleidung, sparsamer/wenig flüssigerKonversationsstil
  • Aufschaukelndes Verhalten bei Sozialphobie Dysfunktionale und negative, auf  eigene Person bezogene Gedanken + dominantesMotiv, in Gesellschaft auf keinen Fall negativ auffallen zu dürfen →  erhöhte Erregung Diese + hohen Aufmerksamkeit auf die eigene Person und die eigenen Reaktionen → besonders deutlich wahrgenommen ⇒ Bestätigung der antizipierten Ängste. → manchmal weitere Erhöhung der physiologischen Aktivierung hervorrufen. Hierdurch werden die soziale Situation und die eigenen Reaktionen alszunehmend »gefährlicher« eingeschätzt. → für Betroffene die Notwendigkeit: in Situation Sicherheitsverhaltensweisen zu intensivieren oder aber die Situation zu verlassen (Fluchtverhalten)
  • psychologische Vulnerabilität ungünstig wirkende kognitive Schemata, können auf individuelle Lebens- und Lerngeschichte zurück geführt werden - Erfahrungen mit ungünstigen persönlichen Modellen (z. B. nahen Bezugspersonen) hinsichtlichsozialen Verhaltens (z. B. starke Normorientierung, soziale Isolierung) - ungünstige Erziehungsstile (z. B. überbehütend, kontrollierend und/oder abwertend, kühl), - Instabilität persönlicher Beziehungen einschließlich dem Erleben häufiger Missachtungen - gleichgültige Haltung wichtiger Bezugspersonen - spezifische Probleme mit Gleichaltrigen (»Peers«) - einzelne, besonders negative Erfahrungen - Persönlichkeitsfaktoren (Schüchternheit, soziale Zurückgezogenheit)