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Spanisch MaP Master (Subject) / Das Amerikanische Spanisch (Lesson)
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- Der Sprachraum - Spanisch mit ca. 440 Mio. Muttersprachlern heute größte romanische Sprache - Das hispanophone Amerika umfasst 18 Staaten- Größte Land: Mexiko (> 100 Mio. Sprecher)- Sprachmischung von Portugiesisch und Spanisch im Grenzgebiet zwischen Uruguay und Brasilien (fronterizo) - Durch Einflüsse des Sklavenhandels: Herausbildung von Kreolsprachen → Papiamentu (niederländische Antillen + venezolanische Küste: ca. 200.000 Sprecher) und Palenquero (San Basilio de Palenque (Kolumbien): ca. 2500 Sprecher)
- Besonderheiten des Amerikanischen Spanisch - Beim Vergleich von kastilischem und amerikanischem Spanisch tritt der mündliche Sprachgebrauch in den Vordergrund → der Umgangs- und Volkssprache (español familiar, español popular) kommt im amerikanischen Spanisch größeres Gewicht zu → historische Entwicklung + Stand des Bildungssystems - Schriftsprache fungiert nur in sehr wenigen Ländern als Korrektiv - Beachtliche Variabilität im Gebrauch der Formen feststellbar (Polymorphie)
- Phonetik und Phonologie: Allgemein - Unterscheidung zwischen tierras altas (Hochlandgebiete; binnenländische Gebiete) und tierras bajas (Tiefland- bzw. Küstengebiete)→ Unterscheidung auch innerhalb von Landesgrenzen gültig - Charakteristisch für tierras altas: stabiler Konsonantismus; Reduktion, Alternanz oder Ausfall von unbetonten Vokalen → Mexiko, Mittalamerika, Andenbereich in Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien, Chile- Charakteristisch für tierras bajas: stabiler Vokalismus; Schwächung (relajamiento), Schwund von Konsonanten in Silbenendstellung → Antillen, Veracruz + Tabasco (Mexiko), Venezuela, Pazifikküste Mexikos, Kolumbiens, Ecuadors, die La-Plata-Staaten, Chile (ohne Andenbereich)
- Vokalismus: tierras altas - Variable Tendenz zur Abschwächung unbetonter Vokale (in Mexiko, Ecuador, Süden von Peru, Bolivien auch Elision möglich) → Vokalschwund betrifft hauptsächlich /e/, /o/ und wird in Verbindung mit Plosiven (/p t k/) und /s/ begünstigt (estos [‘estos], [‘ests])- Betrifft auch Diphthonge- Tendenz zur Alternanz von unbet. [e] und [o] mit [i] und [u] → Reduktion des dreistufigen Vokalsystems mit fünf Vokalen zu zweistufigem Vokalsystem mit /a/, /i/ und /u/→ Aber /e/ und /o/ werden nicht verdrängt, sondern: allophonische Alternanz zwischen [e – i] und [o – u], die sozial markiert ist - Vereinzelt auch Hebung des finalen /e/ und /o/ (poco [‘poku])→ in ländlichen Gegenden - Ausfall von intervokalischem [j] (sello [‘seo]); wird insbes. in Verb. mit /i/ begünstigt (gallina [ga’ina])- In Mittelamerika werden Hiate in der Sprache der einfachen Leute durch Einschub von [j] aufgelöst (sea [‘seja])
- Vokalismus: tierras bajas - Antillen: durch Ausfall von finalem /s/ leichte Öffnung der vorangehenden Vokale /e/, /o/ → Öffnung weitet sich auf den Stammvokal aus → keine Minimalpaarbildung Öffnung der Vokale tritt unsystematisch auf, die Öffnungsgrade schwanken, Bestehen der kontaktharmonischen Beeinflussung ≠ Phonemspaltung (desdoblamiento); das Phoneminventar erweitert sich nicht- Tendenz zur Nasalierung betonter Vokale; insbesondere in Verbindung mit der Velarisierung von /n/ [ŋ]ausgeprägt (bien ['bjēŋ], nación [na'sjōŋ])- Nasal + Vokal → geringfügige progressive Nasalierung des Vokals möglich (mes ['meh])
- Vokalismus allgemein - Quantität: vereinzelt leichte Längung von betonten Vokalen in offenen Silben(México ['me:xiko])→ Prosodie im amerikanischen Spanisch z. T. getragener als im Kastilischen + Verstärkung durch individuelle Emphase → Vokallängung durch den Ausfall von Konsonanten (insbesondere in Tieflandgebieten: mismo ['mi:mo])
- Konsonantismus allgemein - Reduktion des kastilischen Phoneminventars (19 Phoneme) um ein bis zwei Einheiten (/θ/, /ʎ /)- Fehlen von /θ/ als einziges panamerikanisches Charakteristikum
- Der Seseo - Wegfall der kastilischen Opposition von /s/ : /θ/ → /s/ Dephonologisierung; das Konsonanteninventar wird um ein Phonem reduziert- Entstehung von homophonen Paaren möglich, allerdings ohne beeinträchtigung der Kommunikation
- Die Aussprache von /s/ - Allgemein Aussprache als prädorsales /s/ [s] (ähnlich zum deutschen Laut; im vorderen alveolaren Bereich artikuliert → prädorsodental)- Im Kastilischen wird ein apikoalveolares /s/ [ṡ] (Artikulation vergleichsweise rückwertig verschoben; steht in Nachbarschaft zu [ʃ] steht)- Costa Rica und Kolumbien: sporadische Sonorisierung von /s/ in intervokalischer Stellung (cosa ['coza])- Aspiration von an- und inlautendem /s/ vor Vokal (volkssprachlocht in Honduras, El Salvador, kolumbianisches Hochland): la semana [lahe'mana]
- Realisierung des implosiven /s/: tierras bajas - Tierras bajas: Aspiration von implosiven /s/ → Abschwächung zu Hauchlaut [h] bis hin zum Ausfall (las casas [lah'kasah] → [lah'kasa])• Ausfall von /s/ insbesondere volkssprachlich und in der Karibik ausgeprägt• Ausfall von /s/ wird begünstigt, wenn ein stimmloser Frikativ folgt (los fósforos [lɔ'foforoh]) oder /s/ satzfinal steht • Ausfall hat morphologisch Auswirkungen auf die Kennzeichnung der 2. Pers. Sg. und die Pluralbildung → aber: Restituierung eines im Singular aspirierten /s/ bei der Affigierung eines Pluralmorphems: el pez [el'peh] → los peces [loh'peseh]→ auch: hyperkorrekte Formen im Auslaut aufgrund von Unsicherheiten der Sprecher
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- Implosives /s/ tierras altas • Erhalt des implosiven /s/ in den Hochlandgebieten von Mexiko, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und in Guatemala und zentral Costa Rica→ Panama und Nicaragua neigen zum Ausfall und zur Aspiration von finalem /s/ • In Chile, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird der Ausfall von implisovem /s/ (insbes. Von der Stadtbevölkerung) mit mangelhafter Bildung in Verbindung gebracht → durch die Aspiration von /s/ [h] unterbleibt die im Kastilischen übliche Assimilation von /s/ in stimmhafter Umgebung (mismo ['mihmo] vs. ['mizmo])• Hochland von Ecuador, Peru und Bolivien: vereinzelte Sonorisierung des auslautenden /s/ vor folgendem Vokal (vgl. liason im Franz.)• In Oaxaca (Mexiko): Tendenz, /s/ vor stimmlosen Plosiven palatal zu verschieben (buscar [buʃ'kar])
- yeísmo und žeísmo - Yeísmo = Ergebnis einer Dephonologisierung: Zusammenfall der Phoneme /ʎ/ und /j/ → /j/ (se calló [se ka'ʎo] : se cayó [se ka'jo] → [se ka'jo]) Betrifft größten Teil des amerikanischen Sprachgebiets; bedeutet Verlust des Phonems /ʎ/(ist inzwischen in Spanien ebenfalls weit verbreitet und stellt demnach kein kontrastives Merkmal des amerikanischen Spanisch mehr dar)- Verschiedene Entwicklungen aus dem Zusammenfall von /ʎ/ und /j/:1. Zusammenfall in /j/ [j] (yeísmo) überwiegend verbreitet[ʒ], [ʃ] (žeísmo) z. B. Ostargentinien 2. Opposition /ʎ/ : /j/ [ʎ] : [j] z. B. Bolivien, Paraguay[ʎ] : [dj] z. T. Paraguay[dʒ] : [j] Amazonastiefland Perus[ʒ] : [j] z. B. Zentralecuador - Osten Argentiniens und Uruguay: Aussprachen von /j/ → Präpalatal [ʒ] (calle ['kaʒe]) Žeísmo (Veränderung der Artikulation: rehilamiento) In Argentinien bereits Weiterenzwicklung des žeísmo: Desonorisierung von [ʒ] > [ʃ] (calle ['kaʃe]) = šeísmo (Prestigeform)- Lleísmo: Erhalt der ursprünglichen kastilischen Opposition von /ʎ/ und /j/ in Bolivien und Paraguay + Andenbereich in Venezuela, nördliches Ecuador und Peru
- Die Allophone [x] und [h] - Anlautendes [h-] wurde (entgegen der kastilischen Norm) insbesondere auf den Antillen aus einer früheren Sprachstufe erhalten- Abschwächung des Lautes [x] > [h] (jugar [hu'gar]) bis hin zum intervokalischen Ausfall (rojo ['roho] → ['roo]) (→ im karibischen Raum, in Teilen Mittelamerikas, an der Küste Ecuadors, im peruanischen Amazonastiefland)- Tierras bajas: Durch die Aspiration von implosiven /s/, Einsatz des variablen Allophons [h]
- Die Neutralisierung von implosivem /r/, /l/ - Tierras bajas: Neutralisierung von implosivem /r/, /l/ → insbes. /r/ brtroffen, das dann bevorzugt als [l] realisiert wird (el mar [el'mal])→ allerdings: Aufhebung der Neutralisierung bei der Suffigierung des Pluralmorphems ((los mares [loh'mareh])- In El Cibao (Dom. Rep.) und stellenweise in Puerto Rico: vorkonsonantische Vokalisierung von /r/ und /l/ (golpe ['goipe])- In ländlichen Gebieten Zentralcubas: bei Verbindung von /r/, /l/ mit einem Plosiv → Gemination des Plosivs (durch regressive Assimilation) (puerta > ['pwetta])
- Die Realisierung von /r/ - Intensität der Vibration von /r/ <rr> oft reduziert - Tendenz zur Assibilierung von /r/ [r] (carro ['kaʒo]) insbesondere im Norden Argentiniens, in den Hochlandgebieten von Bolivien, Peru und Ecuador- Im zentralen Costa Rica: retroflexe Variante [ ], die der englischen Aussprache nahesteht und auch in Verbindung mit den Nexus -tr- auftritt (auch in ländlichen Gebieten Guatemalas und im mexikanischen Veracruz mehr oder weniger ausgeprägt)
- Die Realisierung der Lehnimplosive /b/, /d/, /g/ - Inlautend meist als Frikative realisiert - Tierras bajas: Tendenz zur weiteren Abschwächung von /d/, insbesondere intervokalisch in den Partizipialendungen -ido, -ado und in frequenten Formen wie todo (kann auch zum grundsätzlichen Ausfall führen) • Auslautendes /d/ fällt in der Regel aus, oder wird als schwaches [d], gelegentlich auch [t], gesprochen • Küste Perus und im Gebiet um Lima auch Ausfall von intervokalischem /b/ (caballo [ka'ajo])- Tierras altas: Ausfall von intervokalischem /d/ im bolivianischen Hochland- In Mittelamerika, in Teilen Kolumbiens und im venezolanischen Andengebiet: Realisierung von /b/, /d/, /g/ insbesondere nach /s/, /l/, /r/ und Halbvokalen als Plosive
- Diverse konsonantische Entwicklungen - Verlarisierung von implosivem /n/ > [ŋ] im betonten Auslaut mit Nasalisierung des vorangehenden Vokals (bien ['bjɛ̃ŋ]) → in der Dom. Rep. und Puerto Rico auch Ausfall des Nasals- Velarisierung oder Ausfall von /n/ auch im Hochland Zentralecuadors, Perus oder Boliviens (≠ Tendenz zum stabilen Konsonantismus in den tierras altas)- In Chile, Argentinien, Uruguay und Paraguay bleibt /n/ alveolar [-n]- Deaffrisierung von /tʃ/ > [ʃ] (muchacho [mu'ʃaʃo]) auf den Antillen, im Nordwesten Mexikos, u. a. zu beobachten
- Voseo und Anrede - Voseo = Gebrauch des Pronomen vos für die 2. Pers. Sg. statt dem Pronomen tú→ vorrangig in Argentinien, Uruguay, Paraguay und Mittelamerika zwischen Guatemala und Costa Rica- Unterscheidung zwischen pronominal-verbalem, rein pronominalem und rein-verbalem voseo• Pronominal-verbaler voseo: vos + Verbform der 2. Pers. Pl. (vos hablás) → La-Plata-Raum und Mittelamerika→ die reguläre Form der 2. Pers. Sg. te fungiert als unbetontes Pronomen→ als betontes Pronomen wird vos anstelle von ti verwendet → die Possessivpronomen sind tu und tuyo→ auslautendes /s/ kann regional aspiriert werden oder auch ausfallen • Pronominaler voseo: vos + Verbform der 2. Pers. Sg. (vos hablas)→ in Teilen Boliviens und in Santiago del Estero (Argentinien)• Verbaler voseo: tú + voseo-Verbformen→ Uruguay→ tú und vos treten in Konkurrenz zueinander (tú hablás)
- Weitere morphosyntaktische Besonderheiten - Regionale Abweichungen im Genus von Substantiven möglich (la azúcar, la calor)- Volkssprachlich ausgeweitete Bildung des Femininums (la estudianta)- Verwendung des Allomorphs -se(s) zur Pluralbildung im karibischen Raum und bei betontem Endvokal (dos *cafese vs. dos cafés)- Vermehrte Bildung pronominaler Verben (enfermarse, tardarse)- Verwendung der Ortsadverbien acá und allá anstelle von aquí und allí- Verwendung des Suffixes -ico zur Diminutivbildung (statt -ito); Ausweitung der Diminutivbildung → nicht nur für Substantive- Höhere Frequenz in der Verwendung von Subjektpronomen- Verwendung der Pronomen lo/los bei Personen im Maskulinum (loísmo) statt le/les (leísmo)- Allgemein periphrastische Futurbildung - Überwiegende Verwendung des Indefinido ggü. dem Pretérito Compuesto → Ausnahme: im Andenraum (Bolivien und Peru) überwiegt das Pretérito Compuesto - Entgegen der Zeitenfolge: Präferenz des Präsenz in konjunktivischen Nebensätzen (si-Sätze) - Dominanz der Formen auf -ra gegenüber den Formen auf -se im Imperfecto de Subjuntivo - Unterschiede im Gebrauch der Präpositionen: Tendenz zur Unterdrückung von expletivem de (nos damos cuenta que, el hecho que vs. de que) → queísmo
- Lexik - Der Wortschatz des amerikanischen Spanisch weist große regionale Variationen auf- Einteilung in regionale Großräume möglich: Karibik, Mexiko, Mittelamerika, das Andengebiet, der La-Plata-Raum, Chile → hier können lexikalische Gemeinsamkeiten mit den jeweils verbreiteten Indianersprachen, der Besiedlungsgeschichte und gebietsinternen Verbindungen in Zusammenhang gebracht werden - Auch auf kleinerem Raum können regionale Unterschiede hinsichtlich der Lexik festgestellt werden → Kuba: Osten der Insel (Oriente de Cuba) auffällig durch seine Intonation und sein spezifisches Vokabular (z. B. guineo / fongo statt plátano ‚Banane‘)- Relevant für die Konstitution der hispanoamerikanischen Lexik: spanischer Erbwortschatz (durch die Kolonialisten nach Amerika gekommen); aber auch Entlehnungen aus dem Afrikanischen und aus Indianersprachen (indeginismos und afronegrismos)→ die Bedeutung des indigenen Wortschatzes wird weitgehend überschätzt- Archaismen = Erhalt von ursprünglichen Wortbedeutungen und älteren semantischen Inhalten in Hispanoamerika (Bezugspunkt ist der spanischer Erbwortschatz der Kolonialisten)- Occidentialismos = peninsulare Regionalismen (allerdings ist die Zuordnung im Westen Spaniens zwischen Andalusien, der Extremadura, León und Galicien nicht immer eindeutig)- Neologismen = Wörter, die semantische Verschiebungen aufweisen, neue Bedeutungen entwickeln bzw. Konzepte mit neuen Inhalten belegen oder sie auf neues Vokabular übertragen- Entlehnungen aus anderen Fremdsprachen → hier insbesondere aus dem Englischen (Anglizismen insbes. In Mexiko und Puerto Rico) und Italienischen (Italianismen insbesondere in Argentinien und Uruguay)
- Die Verbreitung indianischer Völker und Sprachen - Unterscheidung der indianischen Völker im 16 Jh. nach dem Stand ihrer Entwicklungen in Hochkulturen (Azteken, Maya, Inka), Bauernkulturen (Taíno oder Antillen) und Völker, die auf der Stufe von Jägern und Sammlern standen (Amazonasbereich) → ja nach Bildungsstand - Charakteristisch: Vielzahl an Indianersprachen (heute: Mittelamerika ca. 350 und Südamerika ca. 500 Idiome)- In der Kolonialzeit hatten überregional verbreitete Indianersprachen eine besondere Bedeutung (lenguas generales) → Nahuatl, Quechua, Chibcha, Guaraní und Mapuche (wurden als Verständigungsgrundlage und zur Missionierung verwendet) Quechua und Nahuatl erreichten erst in spanischer Zeit ihre größte Verbreitung - Kolumbus verzeichnete indianische Wörter in seinen Tagebüchern (canoa, hamaca gelten als die ersten)- Einteilung des Vokabulars indigenen Ursprungs in verschiedene Kategorien:• Im Spanischen allgemein bekannte Wörter (cacique ‚Häuptling‘)• Unterschiedlich weit verbreitete amerikanische Rigionalismen (camote ‚Süßkartoffel‘ [Mexiko, Mittelamerika, südl. Anden, Argentinien])• Wörter, die aufgrund der Vertrautheit mit den lokalen Verhältnissen bekannt/unbekannt sind (guacamole → verbreitet in der mex. Küche)- Der indianische Lehnwortschatz bezieht sich inhaltlich auf den ursprünglichen Lebensraum der indigenen Bevölkerung → Flora, Fauna, Kleidung, Gebrauchsgegenstände, Landschaftsformen, Toponyme und Hydronyme Aufnahme ins Spanische durch das Bestreben, die fremde Welt sprachlich präzise zu erfassen
- Arawak (Taíno) und Caribe - Taínos gehören sprachlich zu der Familie des Arawak (arahuaco)- Waren die ersten amerindischen Eingeborenen, mit denen die Spanier in Kontakt traten - Entlehnungen aus der Karibik entstammen überwiegend dem Taíno→ z. B. ají ‚Pfeffer‘- aus dem Taíno stammen die meisten überregional bekannten Entlehnungen → Eroberungsgeschichte
- Nahuatl - Nahuatl (nahua, náhuatl) gehört zur Familie des Uto-Aztekischen; erstreckt sich bis in den Südwesten der USA- Auch schon vor den Spaniern als Handlungs- und Verwaltungssprache weit verbreitet → weitere Verbreitung als lengua general- Azteken verfügten über rudimentäre Hieroglyphenschrift - Heute ca. 1,5 Mio. Sprecher in Mexiko und El SalvadorEntlehnungen: aguacate ‚Avocado‘, cacahuete ‚Erdnuss’
- Maya - Verbreitung: Hochland von Chiapas, Guatemala, Honduras, Tiefland von Tabasco, El Petén (Guatemala), Yucatán- Sprachlich gegliedert in eine westliche Gruppe, östliche Gruppe, Yukatekisch und Huastekisch - Verfügten über eine vollständig entwickelte Schrift, über eine vigesimales Zahlensystem, gute astronomische Kenntnisse und erstellten einen Kalender- Heute ca. > 6 Mio. Sprecher (Chibchas, Tabasco, Yucatán, Guatemala und Belize)Einzige verbreitete Entlehnung: cigarro > cigarillo ‚Zigarette‘
- Chibcha - Sprechergebiet erstreckte sich von Honduras über Kolumbien nach Ecuador - Fungierte zeitweilig in Kolumbien als lengua general- Heute ca. 400.000 Sprecher in Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador
- Quechua - Imperium der Inka: Andengebiet von Ecuador, Peru, Bolivien und Mittelchile bis in den Nordwesten Argentinien + vorgelagerte Küstenzonen → Eroberungsreich- Quechua ist heute stark dialektalisiert- Ca. 8,5-9 Mio. Sprecher → zahlenmäßig bedeutendste indigene Sprache- Quechua in Peru kooffizielle Sprache (16,6% Sprecher)Entlehnungen: carpa ‚Zelt‘, coca ‚Kokapflanze‘, cóndor
- Aimara - Einzugsgebiet: Süden Perus über den bolivianischen Altiplano südöstlich des Ticitaca-Sees bis in den Norden Chiles und den Nordwesten Argentinien - Nach 1600: Verlust von Gebieten an das Quechua- Interferenzen zwischen Quechua und Aimara - Heute ca. 2,2 Mio. Sprecher in Bolivien, Peru, Chile und Argentinien- Aimara ist in Peru kooffizielle Sprache (3-5% Sprecher)Entlehnungen: alpaca ‚Kamelziege, Alpaka‘, llama ‚Lama‘
- Mapuche - Ursprünglich gesprochen vom Volk der Araukaner (Jäger und Sammler mit kleiner Landwirtschaft)- Heute ca. 600.000 SprecherEntlehnungen: malón ‚Überfall‘
- Guaraní - Guaraní und Tupí bilden die Dialektgruppe Tupi-Guaraní - Ab 1609: Zusammenschluss der Einheimischen in reducciones durch die Jesuiten → Isolation und Schutz vor brasilianischen bandeirantes - Das Paraguay-Guaraní entstand unter Einfluss der fortscheitendenden Mestizisierung der Bevölkerung und der jesuitischen Mission- Verbreitung unter 90% der Paraguayaner → prozentual am erfolgreichsten behauptet - Seit 1992 ist Guaraní in Paraguay zweite Amtssprache; wird als Muttersprache von ca. 4 Mio. Menschen gesprochenEntlehnungen: ananá(s), ara ‚Papagei‘, mandioka ‚Maniok‘
- Die Indeginismo-These von Rudolf Lenz - These: Die Besonderheiten des chilenischen Spanisch gehen auf das Mapuche zurück (z. B. Aspiration von finalem /s/, Assibilierung von /r/)- These kann nicht hingenommen werden, da sich die Besonderheiten auch überregional feststellen lassen und die Parallelität somit jeweils neu indianisch begründet werden müssten → nicht möglich
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- Andalucismo und Antiandalucismo - Sprachl. Ähnlichkeiten zw. Südspanien und den Küstengebieten Mittel-/Südamerikas: • der seseo• das prädorsale /s/• der yeísmo• Aspiration und Ausfall des implosiven /s/• Neutralisierung von /r/ und /l/ in implosiver Stellung• Aspiration von /x/ [h]- Erste wissenschaftliche Untermauerung der Andalucismo-These durch Max Leopold Wagner:• Unterscheidung zwischen ‚Inseln und Küstengegenden‘ und ‚binnenländischen Gegenden‘• Einwanderung in den ersten beiden Jahrhunderten der Kolonialzeit vorwiegend aus Südspanien → Besiedlung der Küstenländer am frühsten und intensivsten → Begründet Parallelitäten zwischen dem karibischen und dem andalusischen Spanisch; aber: Andalucismo-These für Südamerika eher unwahrscheinlich Andalucismo-These aufgrund der sprachlichen Verhältnisse mit frühen Belegen einzelner Merkmale, der Bervölkerungsdaten zur Frühphase der Einwanderung und dem fortgesetzten Kontakt mit Spanien für den karibischen Raum schlüssig → allerdings ist ein Prozess der sprachlichen Nivellierung wahrscheinlich: Einebnung von Auffälligkeiten peninsularer Dialekte + Herausbildung einer Koine das karibische Spanisch ist keine direkte Fortsetzung des Südspanischen (vgl. unterschiedliche Ausprägungen in der Neutralisierung von /r/ und /l/)- Antiandalucismo-These (Henríquez Ureña) → Andalucismo in den tierras bajas nicht Ergebnis des spanischen Einflusses, sondern die Folge paralleler Entwicklungen (Bsp.: heterogene Distribution von /j/ und /ʎ/) Weitere (sprachbeeinflussende) Faktoren: Klimatische Verhältnisse, Bevölkerungszusammensetzung, Bildungsgrad, Kontakt mit Indianersprachen, eventuelle Isolation von Gebieten Entwicklung der Klimatheorie: Unterschiede in den tierras frías (härtere Aussprache, schwierige Lebensumstände) und tierras calientes (weichere Aussprache, entspanntere Lebensumstände)→ von Wagner abgelehnt; Möglichkeit: Siedler siedeln in Gebieten, die sich landschaftlich und klimatologisch an ihr Herkunftsland erinnern Ureña löst die Diskussion von der eindimensionalen Andalucismo-These und geht von einer multifaktoriellen Genese des amerikanischen Spanisch aus Absolute Dominanz spanischer Einwanderer entspricht nicht den Tatsachen (vgl. Boyd-Bowman: 53,3% spanische Siedler) Nicht die Anzahl der Siedler ist entscheidend, sondern die Akzeptanz der Sprechergemeinschaft (Sprachprestige)
- Die historische Entwicklung des seseo - Seseo aus synchroner Perspektive: Opposition zwischen /s/ und /θ/ fehlt → panamerikanisches Merkmal- Seseo aus diachroner Perspektive:- Im Altspanischen (Beginn 15. Jh.) Unterscheidung zwischen /s/, /z/, /ts/, /ds/Im 15. Jh. verlieren die Affrikaten /ts/ und /ds/ ihr plosives Element:/s/ /z/ und /s/ /z/ apikoalveolar prädorsal→ die Zunge liegt bei prädorsalen /s/ weiter vorne und entwickelt sich zum interdentalen /s/ (ab der 2. Hälfte des 16. Jh. bis ca. 1630), das interdentale /s/ wird zudem auch noch stimmlos:/s/ /z/ ebenso: /s/ /z/Historische Übersicht: (1) 15. Jh. /s/ /z/ /s/ /z/ (2) 16. Jh. /s/ /s/ (3) 2. Hälfte 16. Jh. /s/ /s/ /θ/Historischer seseo: çeçeo = Verwechslung der beiden s-Laute /s/ und /s/Aktueller seseo: Aufhebung der Opposition zwischen /s/ und /θ/ → /s/Ceceo: Zusammenfall der Phoneme /s/ und /θ/ → /θ/ in den andalusischen Gebieten
- Die historische Entwicklung des voseo - vos (< lat. VOS) wurde im Altspanisch für die 2. Pers. Pl. Und als formelle Anrede verwendet - im 15. Jh. : Verbindung von vos + otros → vosotros und Presigeabfall von vos, stattdessen wurde vuestra merced verwendet; vos nun informell zusammen mit tú verwendet- bis zum 18. Jh.: Verdrängung von vos durch tú→ auch in hispanoamerikanischen Gebieten, die in enger Verbindung zu Spanien standen (z. B. der karibische Raum und die Vizekönigreiche Mexiko und Peru [heutige tuteo-Gebiete])→ andere (stärker isolierte) Gebiete behielten vos bei (Mittelamerika und der La-Plata-Raum; in Argentinien sogar gänzliche Verdrängung von tú)- vosotros wurde im Westen Andalusiens, auf den Kanaren und im am. Spanisch bis spätestens zum 19. Jh. durch ustedes ersetzt - Erklärung der unterschiedlichen Verbformen zurückzuführen auf das Verstummen des intervokalischen /d/ im 15. Jh. in Verbformen, die auf der vorletzten Silbe betont wurden (hablades > *hablaes, tenedes > *tenedes)• Europäisches Paradigma (→ hablaís, teneís, salís):Ausgehend von den Verben auf -ar Streben nach Vermeidung des entstandenen Hiats ['a-e] → Hebung des zweiten Vokals (→ [i]) → Diphthongierung (*hablaes > habláis); analoger Formenausgleich bei den Verben auf -er (*tenees > tenéis)• La-Plata-Raum + Mittelamerika: Formen gehen aus den Formen der Verben auf -er (*tenees) hervor: Synärese des gleichvokaligen Hiats ['e-e] > [e] (tenés) als phonetisch naheliegende Lösung Modell übertrug sich auch auf die Verben auf -ar (> hablás)• Bei Verben auf -ir: Elidierung des schwachtonigen Elementes des Hiats ['i-e] (Synärese) *salíes > salís
- Die Hispanisierung Amerikas - Hispanisierung begann 1493 mit der Besiedlung Hispaniolas → Verständigung anfangs mit Zeichensprache, später mithilfe von Dolmetschern (lenguas) (bekanntestes Beispiel: Malinche [beherrschte Nahuatl und Maya und begleitete Hernan Cortés bei seinem Eroberungszug nach Tenochtitlán])- Unbeständige Sprachenpolitik: Befürwortung der Unterrichtung in den autochthonen Sprachen und Bestimmung, dass auch Priester diese Sprachen zur Missionierung beherrschen sollten vs. Beharren auf das Spanische (→ zu große Sprachenvielfalt unter den indigenen Sprachen, Unvollkommenheit der indig. Sprachen zur adäquaten Wiedergabe der christlichen Glaubensinhalte, Abhängigkeit von schlechten Übersetzern)- 1770: Cédula de Aranjez → Bestimmung des Spanischen zur alleinigen Sprache - Zentraler Faktor der Hispanisierung Amerikas: Mestizisierung (mestizaje) der Bevölkerung → mestizos waren zunächst zweisprachig, beherrschten in späterer Zeit aber meist nur noch Spanisch - Grad der Hispanisierung variiert in den Ländern Hispanoamerikas auch heute noch
- Die diatopische Gliederung des amerikanischen Spanisch - Allgemein - unterschiedliche Ergebnisse aufgrund von unterschiedlichen eingebrachten Kriterien - vor allem Merkmale der Phonetik - Varianten werden als Isoglossen auf Sprachkarten übertragen Isoglossenbündel => Grenzbereiche) - Im amerikanischen Spanisch: Zonen statt Dialekte
- Diatopische Einteilung von Henríquez Urena - erste systematische Gliederung - Basis: historissche und kulturelle Bedingungen durch Kontakt mit der jeweiligen amerindischen Sprache 1.) Süden und Südwesten der USA, Mexiko, Mittelamerika (Nahuatl) 2.) Antillen, Küsten und Tieflandgebiete Venezuelas, evt. der Norden Kolumbiens (Arawak) 3.) Andengebiet und Binnenland Venezuelas, Westküste Kolumbiens, Ecuador, Peru, Bolibien, Norden Chiles (Quechua) 4.) der größte Teil Chiles (Mapuche) 5.) Argentinien, Uruguay, Paraguay und ein Teil des bolivianischen Südostens (Guaraní) -Schwäche: fehlender Bezug zu konkreten sprachlichen Merkmalen -Einführung der grundsätzlichen Einteilung des amerikanischen Sprachgebiets in tierras altas und tierras bajas
- Einteilung nach Armas y Céspedes - undifferenzierte Einteilung - von Henríquez urena erweitert
- Einteilung nach Canfield - Karten zur Realisierung verschiedener Varianten - keine eigene Einteilung
- Einteilung nach Rona 1964 Merkmale zonaler Einteilungen: 1.) yeísmo (phonologisch) 2.) zeismo (phonetisch-phonologisch) 3.) voseo (syntaktisch) 4.) voseo Verbformen (morphologisch) Präsenz (+) und Absenz (-) sowie vier Typen (ABCD) der voseo Verbformen insgesamt 23 Sprachzonen
- Periodisierung des Amerikanischen Spanisch nach Guitarte: 1.) período de unidad (Kolonialzeit) 2.) período de divergencia (das 19. Jahrhundert) 3.) período de convergencia (das 20. Jahrhundert)