171
Psychologie (Subject) / Klinische Psychologie Basis II (Lesson)
Enhält die Zusammenfassung der Vorlesung Klinische Psychologie Basis II der Uni Greifswald.
This lesson was created by Askere.
Advertisement
- Verlauf der Störung Anorexia • Es besteht bei Anorexia Nervosa immer noch einhohes Mortalitätsrisiko: 16 % (fast nur Frauen,Mortalitätsursache in der Regel Unterernährung oderSuizid).• Bei 10 % ändert sich nichts durch Therapie.• 21 % haben sich teilweise erholt.• 51 % erholen sich vollständig.Dies sind Daten einer 21 jährigen Längsschnittstudie.Häufig bleiben aber Restsymptome (wie Sorgen überKörpergewicht und Körperform, erhöhte Vulnerabilitätfür Bulimia Nervosa; d.h. Erholung ist relativ.
- Epidemiologie der Bulimia Nervosa • 80 % der Störungen beginnen vor dem 22Lebensjahr• Die Lebenszeitprävalenz beträgt 1-3 %(epidemiologische Daten aus Deutschland:2.8 %)• Allerdings zeigen Fragebogenerhebungen,dass deutlich mehr junge Erwachsene (19 %)bulimische Symptome haben, ohne dieKriterien einer Bulimie vollständig zu erfüllen.• Der Anteil der Männer liegt bei 10 %.• In der Hälfte der Fälle geht der Bulimie eineAnorexie voraus. • Ca. 50 % der Patientinnen weisen eine Komorbiditätmit einer affektiven Störung (i.d.R. Dysthymie) auf.• Ca. 20 % neigen zu Alkohol- bzw. Drogenmissbrauch• Anorexie und zunehmend auch Bulimie sind auch inJapan, Honkong, Taiwan, Singapur und Korea einklinisches Problem• Im Iran sind Essstörungen genau so verbreitet wie inEuropa und den USA.• Erste Fälle werden auch neuerdings aus Indien undAfrika berichtet, obwohl die Prävalenzraten beiKaukasiern deutlich größer ist als bei allen NichtKaukasiern, wobei asiatische Frauen eher abnormeEssgewohnheiten in den USA ausbilden aus AfroAmerikanerinnen.
- 2.3. Andere Formen der Essstörung • Zusätzlich zur Diagnose der Anorexie und Bulimie gibtes im DSM-IV TR noch die Diagnose der nicht näherbezeichneten (NNB) Essstörungen (F50.9).• Diese Kategorie wird benutzt, wenn die Kriterien füreine Anorexie oder Bulimie nicht erfüllt sind, aberStörungen im Essverhalten vorliegen.• Das ICD-10 wird hier nochmals eine atypischeAnorexia Nervosa (F50.1) (z.B. wenn die Patientinzwar deutlich abgemagert ist, aber das Gewicht nochüber 85% des erwarteten Gewichts liegt) oder eineatypische Bulimia Nervosa (F50.3) (z.B. wennbulimische Symptomatik seltener als 2 mal proWoche auftritt) getrennt diagnostiziert.• Eine weitere Form der Störung ist die Binge-EatingStörung, für die inzwischen Forschungskriteriendefiniert wurden.
- Usache von Essstörungen 1. Prädisponierende Faktoren Das Schlankheitsideal: Die Modeindustrie• Mode und Schlanksein ist sehreng miteinander verbunden --> Sozialer Druck Perfektionismus undLeistungsdruck in der Familie: Typische Familienstruktur (Minuchin)• Verstrickung: Betonung von Zusammenhalt undGemeinsamkeit, Gedankenlesen, Distanzverlust• Überfürsorglichkeit: Ungewöhnliches Interesse amWohlergehen aller Familienmitglieder, Fürsorgeblockiert Autonomieentwicklung• Rigidität: Keine Kontakte zur Außenwelt,Systemänderungen werden bekämpft• Konfliktvermeidung: Hohe moralische oder religiöseAnsichten, um Konfliktvemeidung zu begründen, Pt.Werden in Konflikte der Eltern einbezogen Dysfunktionale Kognitionen: • Selektive Abstraktionen: Nur bestimmte Detailswerden bei Schlussfolgerungen berücksichtigt,andere Aspekte werden ignoriert: „Ich bin nur etwasBesonderes, wenn ich dünn bin“.• Übergeneralisieung: Ableitung von Regeln aufgrundeines einzigen Ereignisses. „Früher habe ich Fleischgegessen und bin fett geworden. Deshalb darf ichjetzt kein Fleisch essen.“• Übertreibung: Die Bedeutung von Ereignissen wirdüberschätzt. „Wenn ich zwei Pfund zunehme, kannich keine Shorts mehr anziehen.“• Dichotomes - oder Alles-oder-Nichts-Denken: Verliereich einmal die Kontrolle über das Essen werde ich siefür immer verlieren • Personalisierung: Man bezieht bestimmte Ereignisseauf sich und bewertet sie negativ. „Jemand lachte,als ich an ihm vorbeiging. Sicher hat er sich übermeine Figur lustig gemacht.“• Magisches Denken: Das eigene Verhalten wird alsUrsache für alle möglichen Ereignisse gesehen.„Wenn ich ein Stück Schokolade esse, verwandelt essich sofort in Fettpolster.“Häufig werden diese dysfunktionalen Kognitionen vonden Eltern übernommen. Häufig waren Pt. mitEssstörungen früher übergewichtig und sind deshalbvon ihren Eltern häufiger kritisiert worden.
- Auslösende Faktoren von Essstörungen Können sein:• Kritische Lebensereignisse (Trennung, Verlust)Häufiger jedoch:• Strikte Reduktionsdiät• Nach verschiedenen Studien ging bei 73-91% derbulimischen oder anorektischen Patienten eine Phaseabsichtlich-herbeigeführter Diät bzw. eine Phase desGewichtsverlusts voraus.• Häufiges Diätverhalten gehört zu den am bestengesicherten Faktoren zur Entstehung von Essstörungen.
- Folgeprobleme v. Essstörungen • Dysthymia, auch begünstigt durch gezügeltesEssverhalten (Tryptophanmangel)• Psychosoziale Folgeprobleme; soziale Isolation,Scham- und Schuldgefühle, Konzentrationsprobleme• Körperliche Probleme: Entzündung der Speiseröhre,Zahnschäden• Hyperaktivität: Ständiges Fasten führt zuhyperaktivem Verhalten• Bei extremer Mangelernährung kann es aufgrundfehlenden Körperfetts zu Östrogenmangel kommen;Sekundäre Amenorrhoe und Osteoporose
- Therapie von Essstörungen Strategien zur Motivierung - Erfassung der individuellen Befürchtungen bezüglich einer Gewichtszunahme, ggf. Überprüfung dieser auf ihren Realitätsgehalt - Informationsvermittlung zu physiologischen Faktoren der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essanfällen und Erbrechen - Erhebung der individuell vorliegenden Begleit- oder Folgeerscheinigungen der Essstörungen - Verdeutlichung der Bedeutsamkeit von Figur und Gewicht in der Zeit der Essstörung - Angebot, die Gewichtszunahme als ein "Experiment" anzusehen Indikation für eine stationäre Behandlung bei Anorexia Nervosa - Verlust von mehr als 30% des Ausgangsgewichts, vor allem bei rascher Gewichtsabnahme (innerhalb von 3 Monaten oder weniger) - Unterschreiten eines BMI von 14 - Ausgeprägte somatische Folgeerscheinigungen: u.a. Elektrolytentgleisungen, Hypothermie, Hinweise auf ein erhöhtes kardiales Risiko, Niereninsuffizienz - Schwerwiegende Begleiterscheinungen, z.B. durch die Essstörung bedingte schlechte Stoffwechselkontrolle bei Diabetes Mellitus
- Stationäre Behandlung der Anorexia Nervosa 1. Phase: Anhebung des Körpergewichts2. Phase: Fremdsteuerung derNahrungsaufnahme3. Phase: Selbststeuerung derNahrungsaufnahme4. Phase: Vorbereitung auf dieEntlassung
- Kognitive Verhaltenstherapie (in 8 Schritten) 1. Vermittlung grundlegender Prinzipiender Therapie2. Informationsvermittlung undPsychoedukation3. Problemanalyse 4 . Veränderung des chaotischenEssverhaltens - Abbau gezügelten Essverhaltens, Aufbaudes gesunden Essverhaltens- Aufbau von regelmäßigem Essverhalten (3Hauptmalzeiten, 2 Zwischenmahlzeiten)- Abbau der „schwarzen“ Liste- Umgang mit Essanfällen und Erbrechen:kurzfristige und langfristige Strategien,Reaktionsverhinderung Umgang mit Essanfällen und Erbrechen• Kurzfristige Strategien:– Stimuluskontrolle (Reizbedingungen eingrenzen, indenen das problematische Verhalten auftritt z.B.durch gezielte Vorratshaltung, Einkaufen etc.)• Langfristige Strategien:– Alternativverhalten aufbauen (z.B PositiveAktivitäten; Bewusstmachen von Kontrolle, eigeneVerantwortung für das Problemverhalten;Reizkonfrontation mit „verbotenen Speisen“ mitanschließender Reaktionsverhinderung) 5. Identifikation und Bearbeitungzentraler Konflikte• Folgende Problembereiche sollten bearbeitetwerden:– Niedriges Selbstwertgefühl– Extremes Leistungs- und Perfektionsstreben– Bedürfnis nach Kontrolle und Autonomie beifehlender Selbständigkeit– Probleme mit der Ablösung vom Elternhaus– Erhöhte Impulsivität– Probleme in den Beziehungen zu anderenMenschen– Probleme im Bereich der Sexualität 6. Kognitive Techniken• Patienten sollen lernen verzerrteEinstellungen zu Körper und Gewicht zuidentifizieren und durch rationalereEinstellungen zu ersetzen 7. Bearbeitung der Körperschemastörung Zentrale Ziele der psychomotorischenTherapie– Bewusste Auseinandersetzung mit dem Körperund den damit verbundenen negativen Gefühlen– Erlernen neuer Körpererfahrungen und Korrekturverzerrter Wahrnehmungen– Akzeptieren des eigenen Körpers 8. Stabilisierung, Rückfallprophylaxe undRückfallanalyse Einjahreskatamnese der globalen Selbstbewertungdes Therapieerfolgs: Daten der CDS (ChristophDornier-Stiftung) 54,5 % sehr viel besser18,2 % viel besser27,3 % etwas besser
- F6:Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen • F60 Spezifische Persönlichkeitsstörungen• F60.0 Paranoide Persönlichkeitsstörung• F60.1 Schizoide Persönlichkeitsstörung• F60.2 Dissoziale Persönlichkeitsstörung• F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung– F60.30 Impulsiver Typ– F60.31 Borderline Typ• F60.4 histrionische Persönlichkeitsstörung• F60.5 anankastische (zwanghafte)Persönlichkeitsstörung • F60.6 ängstliche (vermeidende)Persönlichkeitsstörung• F60.7 abhängige (asthenische)Persönlichkeitsstörung• F60.8 sonstige spezifische Persönlichkeitsstörung• F60.9 nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung Weiterhin unter F6:• F61 kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen• F62 andauernde Persönlichkeitsänderung, nicht Folge einerSchädigung oder Krankheit des Gehirns• F63 abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle• F64 Störungen der Geschlechtsidentität• F65 Störungen der Sexualpräferenz• F66 psychische und Verhaltensstörungen in Verbindung mit dersexuellen Entwicklung und Orientierung• F68 andere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen bei Erwachsenen • Werden nur dann diagnostiziert, wenn diePersönlichkeitszüge extrem unflexibel undunangepasst sind und zu- wesentlichen Funktionsbeeinträchtigungen (z.B. sozial,Scheitern bei den alltäglichen Lebensaufgaben)oder- subjektivem Leid führt, manchmal erst im späterenVerlauf und oft nur durch Probleme, die mit anderenMenschen entstehen.Persönlichkeitsstörungen sind also häufig auchBeziehungsstörungen.
- Advertisement
- Diagnosekriterien Persönlichkeitsstörungen Persönlichkeitsstörungen dürfen nur dann alspsychische Störung diagnostiziert werden, wenn: A. Ein anhaltendes Muster des Denkens, Wahrnehmens, Fühlens undVerhaltens vorliegt, das deutlich von den Erwartungen der Kulturdes Betroffenen in mindestens zwei der folgenden Bereicheabweicht:- Kognition (d.h. in der Art und Weise wie man sich selbst, anderePersonen oder Ereignisse wahrnimmt)- Affekt (d.h. die Spannbreite, Intensität, Labilität und Angemessenheit emotionaler Reaktionen)- Zwischenmenschliches Funktionieren- Impulskontrolle B. Das anhaltende Muster ist unflexibel und umfasst ein große Anzahlpersönlicher und sozialer Situationen. C. Das anhaltende Muster führt zu klinisch bedeutsamenLeidensdruck oder zu Beeinträchtigungen im sozialen beruflichenoder anderen wichtigen Bereichen. Persönlichkeitsstörungen dürfen nur dann als psychische Störungdiagnostiziert werden, wenn: D. Das Muster ist stabil und überdauernd und beginnt bereits in derAdoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. E. Das überdauernde Muster kann nicht durch andere mentaleStörungen bzw. ihrer Konsequenzen erklärt werden. F. Das überdauernde Muster ist nicht auf die physiologischen Effektevon psychotropen Substanzen oder anderer medizinischerFaktoren zurückzuführen
- DSM 5 - Persönlichkeitsstörungen • Insgesamt 3 große Cluster:Ø Cluster A: Paranoide, Schizoide und SchizotypischePersönlichkeitsstörung Sonderbar, Exzentrisch§ Paranoid- Ausgeprägtes Misstrauen und Argwohn§ Schizoid- Distanziert, Sonderling§ Schizotypisch- Eigentümliches Denken, Wahrnehmung und Vehalten,„Verdünnungsform“ der Schizophrenie, Ø Cluster B: Antisoziale, Borderline, Histrionische undNarzisstische Persönlichkeitsstörung Emotional instabil, launisch, dramatisch§ Antisozial- Delinquentes, deviantes Verhalten§ Borderline- Störung der Affektregulation, mangelnde Impulskontrolle,Identitätsstörung, Dissoziationen§ Histrionisch- Abhängigkeit von äußerer Aufmerksamkeit, oberflächlicherGefühlsausdruck, Suggestibilität§ Narzisstisch- Selbstbezogenheit, mangelnde Empathie, Egoismus Ø Cluster C: Vermeidend-selbstunsichere, debendente(abhängige) und zwanghafte (anankastische)Persönlichkeitsstörung ngstlich, furchtsam, asthenisch (kraftlos)§ Vermeidend-selbstunsicher- Große Angst vor Zurückweisung und Ablehnung§ Dependent, abhängig- Überzeugung, das eigene Leben nicht selbständig führen zu können§ Zwanghaft, anankastisch- Gewissenhaftigkeit, Perfektionismus, Instabilität, Normentreue
- Die Borderline Persönlichkeitsstörung Symptome der Störung1. Impulsive Verhaltensweisen Suizidales Verhalten• Suizidphantasien• Essanfälle• Episodischer Alkohol und Drogenmissbrauch• Pathologisches Kaufen, Spielen• Promiskuität• Rücksichtsloses Fahren• Instabile persönliche Beziehungen• Wutausbrüche, körperliche Auseinandersetzung• Selbstschädigende Verhaltensweisen bei 80 % 2. Affektive Instabilität3. Beziehungsprobleme4. Identitätsstörungen5. Dissoziative oder (pseudo) psychotische Symptome
- Dialektisch-Behaviorale Therapie von Marsha Linehan (1993) Ziele der DBT • 1. Minderung der suizidalen und selbstverletzendenVerhaltensweisen.• 2. Minderung von Verhaltensweisen, die die Therapiebehindern (z.B. Versäumen, Lügen etc.).• 3. Minderung eskapistischer Verhaltensweisen, die einestabile Lebensweise behindern (z.B.Substanzmissbrauch).• 4. Förderung verhaltensbezogener Fertigkeiten zumZweck der Regulierung von Emotionen, derVerbesserung der interpersonellen Fertigkeiten undErhöhung der Toleranz gegenüber Leid.• 5. weitere Ziele nach Wahl des Patienten.
- Dialektisch-Behaviorale Therapie von Marsha Linehan (1993) Gestaltung der therapeutischen Beziehung • Komplementäre Beziehung– Therapeut passt sich bewusst den Verhaltensweisen des Patienten an– Es geht nicht um die Bedürfnisbefriedigung des Therapeuten!• Interaktion– Nicht kompetenz-/beziehungsfördernde Wünsche oderInteraktionsangebote wahrnehmen, reflektieren u. wohlwollend spiegeln• Irritation– dysfunktionale Erwartungen irritieren und zu neuen Erfahrungen undVerhaltensexperimenten anregen– Intensität der Irritation sensibel an die individuellen Möglichkeiten desPatienten und aktuelle Bedingungen anpassen• Validierung– Die subjektive Evidenz der jeweiligen Annahmen des Patienten in Bezugsetzen zu dessen biographischer Erfahrung validiere
- Die antisoziale Persönlichkeitsstörung Symptome Tiefgreifendes Muster von Missachtung und Verletzung der Rechte anderer Menschen, wobei mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein müssen. 1. Unfähigkeit, soziale Normen einzuhalten, und wiederholte Gesetzesübertragungen 2. Falschheit 3. Impulsivität oder Unfähigkeit, vorauszuplanen 4. Reizbarkeit und Aggressivität 5. Rücksichtslose Missachtung der eigenen Sicherheit oder der Sicherheit anderer Menschen. 6. Konsistente Verantwortungslosigkeit 7. Fehlen von Reue b. Die Person ist mindestens 18 Jahre alt. c. Es gibt Belege für eine Störung des Sozialverhaltens mit Ausbruch vor dem 15. Lebensjahr. d. Das antisoziale Verhalten tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie oder einer manischen Episode auf.
- Die antisoziale Persönlichkeitsstörung Elemente der Psychotherapie 1. Verbesserung der Selbstkontrolle durch selbstkritisches Denken undsozialer Perspektivübernahme.2. Verbesserung der Bewusstheit der Folgen des eigenen Verhaltens fürandere Menschen3. Skilltrainings: Erhöhung von Frustationstoleranz und Training derAggressionsbewältigung4. Veränderung antisozialer Haltungen und Einstellungen (z.B. „Wenn ichetwas will oder nicht will, darf ich alles tun“. „Was interessiert mich dieMeinung anderer, wenn sie keine Kontrolle über unmittelbare Konsequenzenhaben“.5. Behandlung der Drogenabhängigkeit
- Alternatives DSM-5 Modell zur Beschreibung von Persönlichkeitsstörungen • Dieses alternative Modell (welches sich leider nicht hatdurchsetzen können) versteht Persönlichkeitsstörungenals eine Einschränkung im Funktionieren derPersönlichkeit und dem Vorliegen von einem odermehreren pathologischen Persönlichkeitseigenschaften.• Spezifische Persönlichkeitsstörungen, welche aus diesemModell abgeleitet werden können, umfassen dieantisoziale, Borderline, narzisstische, zwanghafte undschizoptype Persönlichkeitsstörung.
- Funktionsniveau der Persönlichkeit • Störungen der Selbst- und interpersonellenFunktionen bestimmen den Kern derPersönlichkeitsstörungen. Dabei wird bei denSelbstfunktionen unterschieden zwischen: • Identität: Erfahrung von sich selbst als eine Einheit; klareGrenzen zwischen sich selbst und anderen, Stabilität desSelbstwertes, adäquate Selbstbewertung und Fähigkeitzur Regulation eine Bandbreite von Emotionen. • Ausrichtung des Selbst: Fähigkeit, kohärente undsinnvolle kurzfristige und langfristige Ziele zu verfolgen,Gebrauch konstruktiver und prosozialer internerVerhaltensstandards, produktive Selbstreflexion. • Beim interpersonellen Funktionsniveau wirdunterschieden zwischen: • Empathie: Verständnis und Anerkennung vonErfahrungen und Motivationen anderer, Toleranz fürunterschiedliche Perspektiven, Verständnis über dieWirkung des eigenen Verhaltens auf andere. • Intimität: Tiefe und Dauerhaftigkeit von Verbindungenmit anderen, Bedürfnis und Fähigkeit zu Nähe,Gegenseitigkeit von Beziehungen ist im interpersonellenVerhalten reflektiert.
- Domänen potentiell pathologischer Persönlichkeitseigenschaften (Big Five) 1. Negative Affektivität (vs. Emotionale Stabilität): Intensive undhäufige Erfahrungen intensiver negativer Emotionen verschiedenerArt (Angst, Depression/Schuld, Scham, Sorge, Ärger) und ihrerverhaltensbezogener (z.B. Schaden für sich selbst) undinterpersoneller (z.B. Abhängigkeit) Manifestationen 2. Ablösung (Introversion vs. Extraversion): Vermeidungsozioemotionaler Erfahrungen durch Rückzug vonzwischenmenschlichen Interaktionen (hinsichtlichAlltagsbeziehungen und auch intimer Beziehungen) und durcheingeschränkte affektive Erfahrungen und Ausdruck, insbesonderebegrenzte hedonische Kapazität. 3. Antagonismus (Egozentrisch vs. Verträglichkeit): Verhaltenwelches Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Personen erzeugt,mit übertriebener Überzeugung über eigene Wichtigkeit, ständigeErwartung besonders behandelt zu werden, gefühllose Antipathiegegenüber anderen, welche sowohl fehlendes Bewusstseingegenüber der Bedürfnisse und Gefühle anderer als auch dieBereitschaft andere für sich selbst auszunutzen umfasst. 4. Disinhibition (vs. Gewissenhaftigkeit): Offen fürunmittelbare Belohnung, Impulsives Verhalten angeregtdurch gegenwärtige Gedanken, Gefühle oder externaleReize ohne die vergangenen Erfahrungen oderzukünftigen Konsequenzen zu bedenken, Schwierigkeitensich zu konzentrieren, hohe Risikobereitschaft 5. Psychotizismus (vs. Klarheit): Zeigen einer breitenPalette von kulturell komischen und inkongruentenexzentrischem und ungewöhnlichem Verhalten,Kognitionen, sowohl was Wahrnehmungs- undAufmerksamkeitsprozesse angeht, also auch den Inhaltder Kognitionen (z.B. Einstellungen und Glaubenssätzen)
- Diagnosekriterien für die Borderline-Persönlichkeitsstörung nach diesem neuen Schema A. Moderate oder stärkere Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen,welche sich in zwei der folgenden vier Bereiche manifestieren:1. Identität: Stark beeinträchtig, schwach entwickelt, unstabilesSelbstbild, oft verbunden mit exzessiver Selbstkritik, chronisches Gefühlder Leere, dissoziative Zustände unter Stress.2. Ausrichtung des Selbst: Instabile Ziele, Werte und Handlungspläne(z.B. hinsichtlich der Karriere)3. Empathie: Eingeschränkte Fähigkeit die Gefühle und Bedürfnisseanderer zu erkennen assoziiert mit einer interpersonalen Hypersensitivität(leicht verletzbar) die Wahrnehmung anderer ist sehr stark auf negativeAttribute und die Verletzlichkeiten ausgerichtet4. Intimität: Intensive unstabile konfliktreiche nahe Beziehungen,gekennzeichnet durch Misstrauen, starke Bedürfnisse, ängstlicheBeschäftigung mit dem Verlassenwerden, enge Beziehungen schwankenzwischen extremer Idealisierung und Ablehnung und Rückzug B. Vier oder mehr der folgenden sieben pathologischenPersönlichkeitsmerkmale, dabei muss eines aus dem Bereich Impulsivität(5), Risikoverhalten (6) oder Feindseligkeit (7) dabei sein: 1. Emotionale Labilität (Aspekt der Negativen Affektivität): Unstabileemotionale Erfahrungen, häufige Stimmungsänderungen, Emotionen sindleicht auslösbar, und anlässlich der Auslöser zu stark. 2. Ängstlichkeit (Aspekt der Negativen Affektivität): Starke Gefühle vonNervosität, Angespanntheit, Panik, oft in Reaktion auf interpersonalenStress, Sorgen über vergangene unangenehme Erfahrungen oder über dieZukunft, Sorgen zu Versagen oder die Kontrolle zu verlieren,Erwartungsängste bei Unsicherheit 3. Trennungsangst (Aspekt der Negativen Affektivität): Furcht vorZurückweisung oder Verlassenwerden von Anderen, assoziiert mit starkerFurcht vor extremer Abhängigkeit und komplettem Verlust der Autonomie 4. Depressivität (Aspekt der Negativen Affektivität): Häufige Gefühlevon Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Schwierigkeiten sich vonsolchen Stimmungen zu erholen, Pessimismus hinsichtlich der Zukunft,durchdringende Schamgefühle, Gefühle von niedrigem Selbstwert,Suizidgedanken B. Vier oder mehr der folgenden sieben pathologischenPersönlichkeitsmerkmale, dabei muss eines aus dem Bereich Impulsivität(5), Risikoverhalten (6) oder Feindseligkeit (7) dabei sein: 5. Impulsivität (Aspekt der Disinhibition): Unmittelbares Handeln aufplötzlich auftretende Reize, ohne Pläne oder langes Nachdenken über dieKonsequenzen, Schwierigkeiten Handlungspläne aufzustellen und ihnen zufolgen, Gefühl der Dringlichkeit, Selbstverletzung unter Stress 6. Risikoverhalten (Aspekt der Disinhibition): Durchführung vongefährlichen, riskanten und potentiell selbst-schädigenden Aktivitäten,unnötigerweise, ohne die Konsequenzen zu beachten, fehlende Sorgehinsichtlich der eigenen Grenzen, Ausblendung der Realität vonpersönlichen Gefahren 7. Feindseligkeit(Aspekt des Antagonismus): Häufige und andauerndeGefühle von Ärger, Ärger oder Reizbarkeit bei leichten Kränkungen undVerletzungen