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Geschichte (Subject) / VL 8 (Lesson)
- Die Neuorientierung der Staufer nach Italien unter Friedrich I. Barbarossa (1152-90) und Heinrich VI. (1190-97) Italien dreigeteilt in Reichsitalien (Oberitalien) – Reichsitalien (seit Otto I. 951): in der Salier- und frühen Stauferzeit Abtriften vom Reich - gelockerte Bindung zwischen König und Bischöfen (= Interessenvertreter des Königs und Regalieninhaber); nach dem Wormser Konkordat von 1122 kaum noch königlicher Einfluss auf ihre Auswahl- die erstarkenden Stadtkommunen (Schwureinungen der Vollbürger, geleitet von gewählten consules) entmachten ihre bischöflichen Stadtherren- Regalien (Gerichtsbarkeit, Zoll- und Abgabenhoheit, Wege- und das Befestigungsrecht ...) und dingliche Lehen (Ackerland, Burgen) werden von Bischöfen und Großen an die Stadtkommunen abgetreten oder weiterverkauft ohne Forderung des Treue- und Gefolgschaftseides ‚Papstitalien’ (werdender ‚Kirchenstaat’)->von Herrschern seit Pippin 756 den Päpsten geschenkte Gebiete)- Papst verlangt einerseits noch kaiserlichen Schutz (gegen stadtrömische Kommunebewegung; gegen unteritalienische Normannen),versucht andererseits weiterhin, als faktischer Verleiher der Kaiserkrone Forderungen an die Könige zu stellen und einen leicht höheren Rang als der Kaiser zu beanspruchen – normannisches Unteritalien = Königreich Sizilien 1130: Königreich Sizilien begründet von Roger I. aus dem Haus Hauteville- 1155: Barbarossa unterstützt nach der Kaiserkrönung entgegen der Absprachen den Papst nicht gegen die Normannen→ 1156 Papst erkennt das normannische Königreich Sizilien an (Vertrag von Benevent) Sizilien wird päpstliches Lehen
- Wie konnte Heinrich VI, der Sohn Barbarossas Sizilien für sich gewinnen? - 1186 Heirat König Heinrichs VI. (*1165, † 1197) mit Konstanze (*1154, † 1198), Tochter König Rogers II. von Sizilien, Tante des amtierenden Königs Wilhelm II. (* 1153, † 1189)- nach dem überraschenden Tod Wilhelms II. 1189 fällt das Erbkönigreich Sizilien an Konstanze- 1194 Dez. 25 Krönung Heinrichs VI. (Kaiser seit 1191) zum König von Sizilien = unio regni ad imperium
- Inwiefern bricht Heinrich VI. mit dem traditionellen Kaisertums? traditionell: Kaiser beanspruchen Rechte in Unteritalien neu: Heinrich verwirklicht den Anspruch durch die unio regni ad imperium traditionell: Schutz Papstitaliens von Norden her gegen einen Feind im Süden neu: nun Papstitalien eingekreist. traditionell: nordalpine Herrscher verfügen über ‚Landmacht’neu: durch Sizilien wird das Stauferreich auch 'Seemacht'->wesentlicher Teil des Herrschaftsgebietes nun am und im Mittelmeer→ altes Kernreich im Norden rutscht in eine Randlage; neuer Schwerpunkt gesuchttraditionell: seit 911 alle röm.-dt. Herrscher durch Wahl der Großen auf den Thron gelangt neu: König des römisch-deutschen Wahlreiches ist nun auch König eines Erbreiches [Sizilien] → Harmonisierungsversuch durch den Erbreichsplan Heinrichs VI.: das römisch-deutsche Reich soll ein Erbreich werden; damit wäre auch das Kaisertum erblich geworden.Plan scheitert 1196 am Widerstand des Papstes und der deutschen Fürsten
- Problematik nach dem Tod Heinrich VI Zenit der MAcht unter Heinrich VI, der jedoch mit 32 Jahren stirbt. Sein Sohn Friedrich II wird zum König ernannt aber nicht gekrönt. THRONWIRREN ENTSTEHEN. Stauferpartei wählt Heinrichs Bruder Philipp von Schwaben (* 1177, † 1208)-> Stauferopposition wählt Otto von Poitou, Sohn Herzog Heinrichs des Löwen (* 1177, † 1218) [- Heinrichs Sohn Friedrich amtiert währenddessen als Kindkönig im Erbreich Sizilien] Papst Innozenz III. entscheidet sich 1200/01 für Otto als künftigen Kaiser- Philipp hat mehr Anhänger als Otto; dominiert; wird aber 1208 ermordet (Privatrache)- Papst Innozenz’ nun obsiegender Favorit Otto agiert gleich nach seiner Kaiserkrönung 1209 offen gegen päpstliche Interessen - er beansprucht vom Papst rekuperierte Gebiete für das Reich- greift das päpstliche Lehnskönigreich Sizilien an→ 1210 Nov. Exkommunikation Ottos IV!! - Innozenz und unzufriedene deutsche Fürsten bringen gegen Kaiser Otto IV. den letzten noch lebenden männlichen Staufer in Stellung: den 16jährigen König Friedrich von Sizilien (* 1194 Dez. 26).Er wird römisch-deutscher König (Krönung 1215), Kaiser (1220) und König von Jerusalem (1225/29).
- - Was ist ein Kaiser? [Vgl. Papier ‚Ottonen 8’ im Reader ] - 'Kaiser' heißt der Inhaber der höchsten weltlichen Würde.- Sieht sich als Rechtsnachfolger der römischen Kaiser der Antike und des christlichen Idealkaisers Karl der Große.- Voraussetzung für die Kaiserwürde: Herrschaft über mehrere regna, darunter Italien.- Die 'Universalität' des Kaisertums legitimiert den Ehrenvorrang vor den übrigen europäischen Königen. Der Kaiser besitzt aber kein Eingriffsrecht in die Souveränität anderer Königreiche.- !! im MA nur „der Kaiser“. Den deutschen Kaiser gibt es erst ab 1871.- Aufgaben des Kaisers: defensio ecclesiae Romanae; Förderung des Christentums; Heidenabwehr;Mission; Wahrung von pax et iustitia.- Das Kaiseramt bedingt im Mittelalter die enge Kooperation mit dem Papst, der den Kaiser in Rom krönt.
- Papst Innocenz III.: ‚Deliberatio super facto imperii de tribus electis' 1200/01: [‚Das Kaisertum hängt in seinem Ursprung und in seiner Vollendung vom Papsttum ab.’] [‚Im Ursprung, weil das Kaisertum vom Papst und um seinetwillen von Griechenland verpflanzt worden ist.’] [‚In der Vollendung, weil der Kaiser vom Papst ... gesegnet, gekrönt und ins Kaisertum eingeführt wird.’] → 1. Problem der Abhängigkeit Papst will Schutz 2. Problem der Rangordnung Kaiser will Rang und Legitimation
- Basis der Idee einer Überordnung des Papstes über den Kaiser Konstantinische Schenkung, angeblich 317 (Fälschung, 8. Jh.?; frühes 9. Jh.?):Kaiser Konstantin überlässt Papst Silvester I. die Oberherrschaft über Rom, Italien und das Abendland sowie kaiserliche Vorrechte und Insignien. Silvesterlegende: Kaiser Konstantin leistet Papst Silvester aus Verehrung den Marschall- und Stratordienst (~ ‚Steigbügelhalter’ = Dienste eines Rangniedrigeren) - Ein neuer Konfliktpunkt zwischen Papst und Kaiser ergibt sich im Zusammenhang mit den Kreuzzügen: die Päpste rufen dazu auf und beanspruchen die Leitung; die Ausführung wird aber zunehmend zu den Pflichten eines Kaisers gerechnet
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