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Methoden der Beobachtung und Beschreibung (Subject) / Prüfungsstoff (Lesson)
Wichtigste Inhalte zur Prüfung
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- Was ist die Interaktionsanalyse? Ausgangspunkt der Entwicklung? Interaction Process Analysis nach Bales: Beobachtungsmethode zur Untersuchung von sozialem und emotionalem Verhalten von Individuen in Kleingruppen, ihre Problemlösungsversuche, ihre Rollen und Statusstruktur und deren Wandel im Zeitablauf Ausgangspunkt der Entwicklung des Beobachtungssystems: In jeder Interaktion finden sich, unabhängig von spezifischen Randbedingungen, Strukturen die typisch für soziale Beziehungen in Gruppen sind. Theoretisch bedeutsame Merkmale u. Kennzeichen der Interaktion von Gruppenprozessen sind unabhängig von Thema oder Aufgabe der Gruppe. In diesem Sinne ist die IPA ein mit einem breiten Anwendungsbereich unspezifisches Beobachtungsverfahren Hauptinteresse auf problemlösende (Diskussions)Gruppen. Nicht der Inhalt, sondern die Art der Interaktion wird erfasst!
- Wie ist der theoretische Ansatz der Interaktionsanalyse gestrickt? Grundannahme: soziale Systeme wollen ein dynamisches Gleichgewicht erreichen. Dazu sind zwei Anpassungsleistungen notwendig: 1. Anpassung des Systems nach außen, 2. Integration nach innen.1. Anpassung eines Systems an die Umweltbedingungen -> Bewältigung verschiedener Aufgaben: Arbeitsteilung --> Statusunterschiede, da die funktionale Aufgabenteilung Zusammenhalt der Gruppe gefährdet und Anpassungsleistung zur Integration nach innen notwendig ist 2. Integration nach innen zielt auf die Gleichheit der Gruppenmitglieder ab und gefährdet damit die Aufgabenorientierung --> Balance zwischen optimaler Anpassung an Umweltbedingungen und innerer Integration an (Equilibrium)Interaktionsprozess immer dann, wenn Gleichgewichtszustand vorübergehend aufgehoben wird (zB durch neue Ideen, Meinungen, Vorschläge) -> Feedback (Interaktionsprozess) bis Störung behoben
- Welche Kommunikationsprobleme können in Interaktionsprozessen auftreten? Welche Grundlage schaffen diese Probleme? Kritik am IPA? 6 Dimensionen - positiver, förderlicher - negativ, behindernder Umgang In jeder Gruppe vollziehen sich Prozesse der Orientierung (Wie ist die Lage?), der Bewertung (Welche Einstellung zur Situation?), der Kontrolle (Was ist zu tun?) --> Prozesse der Entscheidung, Spannungsbewältigung und Integration --> Entwicklung vom Kategoriesystem der Beobachtung (12 Kategorien) Universalitätsanspruch (große Beliebtheit) -> begründet durch Laboruntersuchungen (sehr abstrakte Zuordnung zu Kategorien und Fehlertendenzen zu Lasten des Beobachters) : Ad hoc Diskussionsgruppen, in einem festen Zeitrahmen, beschäftigen sich mit einem Problem, dessen Lösung ohne praktische Konsequenzen für sie bleibt --> ökologische Validität?
- Wie sind die 12 Beobachtungskategorien aufgeteilt? I. Sozial-emotionale Züge, positive Reaktionen + IV. Sozial-emotionale Züge, negative Reaktionen (1-3 und 10-12) --> Gruppensolidarität, innere Situation II. Aufgabenrelevante Züge, Antwortversuche III. Aufgabenrelevante Züge, Fragen (4-6 und 7-9) --> Beantwortung der Fragen, Anpassung an äußere Situation Sechs bipolare Dimensionen (Kommunikationsbereich, von innen nach außen paarweise aufeinander bezogen): a. Probleme der Orientierung (Kategorie 6 und 7); b. Probleme der Bewertung (Kategorie 5 und 8); c. Probleme der Kontrolle (Kategorie 4 und 9); d. Probleme der Entscheidung (Kategorie 3 und 10); e. Probleme der Spannungsbewältigung (Kategorie 2 und 11); f. Probleme der Integration (Kategorie 1 und 12). - jede Handlung kann genau einer der 12 Kategorien zugeordnet werden - Jede Kategorie wird über beobachtbare Verhaltensweisen beschrieben und kodiert Besonders im sozial-emotionalen Bereich kommen auch nonverbale Verhaltensweisen (Gestik, Mimik, Betonung) als Kategorieninhalt vor
- Was ist eine Beobachtungseinheit? Kategorien dienen nicht dazu den Inhalt, sondern die Art der Interaktion wiederzugeben!! - kleinste erkennbare Einheit des Verhaltens (Bedeutungswechsel) - jede neue Information ist eine Einheit - Jedes Mal, wenn die handelnde Person wechselt, beginnt eine neue Einheit! d.h., wenn eine andere Person das Wort ergreift (viel häufiger kommt aber vor, dass eine Person mehrere Äußerungen mit unterschiedlicher Bedeutung nacheinander macht) - In der Regel ist eine Beobachtungseinheit ein einfacher Satz. ( Anzahl der Eintragungen ca. proportional der Sprechzeit laut Bales ca. 10 bis 20 Einträge pro Minute (!!))
- Wie wird nach der Interaktionsanalyse kodiert? Hilfestellungen? Es werden 3 verschiedene Aspekte gleichzeitig kodiert: 1. eine qualitative Einstufung der Handlung durch Zuordnung zu einer der 12 Kategorien 2. die Benennung der Person, die die Handlung initiiert 3. die Benennung der Person, an die die Handlung gerichtet ist (Gruppenmitglieder z.B. bezeichnet mit A, B..)Bsp: A richtet sich an C; Kodierung: ACWird die Gruppe als Ganzes angesprochen bzw. die Interaktion in Richtung Gruppe gegeben so wird O kodiert A richtet sich an Gruppe; Kodierung: AO Sofern von Interesse, kann als 4. Aspekt die Stellung einer Handlung im zeitlichen Verlauf aufgezeichnet werden 1. Betrachte jeden Akt als eine Antwort auf den unmittelbar vorhergegangenen oder in seiner Wirkung auf den unmittelbar folgenden (keine Interpretationen, die nicht aus dem Kontext ersichtlich sind) 2. Bevorzuge die Kategorie, die weiter von der Mitte liegt -> Zuordnungstendenz zu den mittleren, aufgabenorientierten Kategorien
- Wie nimmt unser Gehirn Dinge wahr? Wann treten Wahrnehmungstäuschungen auf? mentale Repräsentationen der Umwelt im Gehirn miteinander in unterschiedlicher Weise verbunden --> vernetztes System und haben so Auswirkung auf Denk- und Wahrnehmungsprozesse --> Mensch konstruiert (aktiv) seine Wirklichkeit Bsp: Müller-Lyer-Illusion, Ebbinghaus Täuschung, Wundt Illusion, Herringsche Täuschung, Weiße Punkte, Poggendorfsche Täuschung
- Inwiefern sind unsere Wahrnehmungen abhängig vom Beobachter? Beobachter: verkürzen, vereinfachen, ignorieren, akzentuieren, beschönigen, verzerren das Verhalten, blenden Teile aus, … in Abhängigkeit ihrer Erfahrung, Einstellungen, Erwartungen, aktuellen Gefühlslage, etc. Bewertungsmaßstäbe werden im Verlauf von Beobachtung - als Folge der Beobachtung – verändert bzw. angepasst. - Anwesenheit des Beobachters verändert die Beobachtung -> Kinder nehmen im Bild Delfine wahr, während Erwachsene die Liebesszene erkennen
- Wie fasst unser Gehirn Beobachtungen als Ganzes zusammen? Beispiel schieferer Turm von Pisa Bilder sind identisch, aber der Turm rechts scheint sich mehr nach rechts zu neigen menschliches visuelles System behandelt beide Bilder wie eine einzige Ansicht. Unser Gehirn erwartet, dass parallele Türme in Richtung eines gemeinsamen Fluchtpunktes zusammenlaufen der rechte Turm konvergiert nicht unser visuelles System interpretiert, dass er sich in einem anderen Winkel neigt. - Der Sinn unseres visullen Systems besteht darin, Informationen auf bedeutungstragende Einheiten runterzubrechen und die Natur des ganzen Objekts wahrzunehmen. - Menschen mit Rot-Grün- Sehschwäche haben schwierigkeiten grüne Objekte von rotem Hintergrund zu unterscheiden
- Was ist ein Nachbild? visueller Eindruck der auf der Netzhaut verbleibt nachdem der anfängliche Reiz nicht mehr sichtbar ist (Phantombild) - Hell wird zu dunkel - Farben des ursprünglichen Bildes erscheinen in den Komplementärfarben BSP: Nachbilder, während die Augen sich bewegen oder "Rot" bei auf den schwarzen Punkt schauen
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- Wie gliedert sich die Reaktion eines Zuhörers/Empfängers? Warum ist das Auseinanderhalten dieser Empfangsvorgänge so wichtig? Wahrnehmen -> interpretieren -> fühlen -> Reaktion Bsp: Frau nimmt Reaktion ihres Mannes wahr (Stirnrunzeln alias Wahrnehmung) -> Interpretation (ihm gefällt mein Plan nicht) -> Fühlen (Wut, Enttäuschung) -> Reaktion ("Guck nicht so!") Damit der Empfänger sich darüber im klaren ist, dass es immer die eigene Reaktion ist! Und damit er gegebenenfalls diese überprüft: "Du runzelst die Stirn – passt dir nicht was ich vorhabe?" Jetzt kann der Gesprächspartner Stellung beziehen: "Ja ich habe diese und jene Bedenken" (bestätigen) "Doch, doch, aber ich habe gerade an … gedacht, und …" (korrigieren) "Das Stirnrunzeln war mir gar nicht bewusst – ja , vielleicht bin ich enttäuscht, dass du nicht vorher mit mir gesprochen hast." (reflektieren) - eigene Reaktion nach den 3 Schritten überdenken: Was habe ich wahrgenommen? Was habe ich hineininterpretiert? Was hätte ich mir stattdessen erwartet?
- Warum ist unsere Wahrnehmung störanfällig? Subjektiver Wahrnehmungsgegenstand unterliegt (Wahrnehmungs)Filtern (alle 3 von Störungen, Täuschungen, Fehlern beeinflusst): - Sinnesrezeptoren: wandeln Reize um, sodass sie für unser Nervensystem fassbar werden. Sinne müssen geschult werden. - Nur ein Bruchteil aller aufgenommener Reize erlangt die Qualität von Empfindungen. Die aktuelle Befindlichkeit (Motive, Bedürfnisse) ist mitentscheidend- Apperzeption (Zuwendung zum Zweck der bewussten Reizaufnahme) wird der Reiz nochmals gefiltert, d.h. aufgrund verfügbarer Aufnahmestrategien angenommen oder verworfen Zusätzliche Veränderungsmöglichkeiten in diesem Wahrnehmungsprozess: - Wahrnehmungstäuschungen (optische, geometrische, Halluzinationen, …) - verfälschende Korrekturen: Vorerfahrung, Halo Effekt (aufgrund einzelner Eigenschaften auf einen positiven/negativen Gesamteindruck schließen) --> 90% unserer Wahrnehmungen filtert das Gehirn als unbedeutend aus -> Notwendigkeit Infos zu überprüfen, korrigieren und hinterfragen -> WS für Fehler gesenkt -> Wissen und Selbstreflexion auf wissenschaflticher Basis - äußere und intrapsychische Störungen: Lärm, Sorgen, Müdigkeit, Stress, … - Vorurteile, Stereotypen
- Welche Beurteilungsschritte gibt es und wie beurteilen wir? Intuitiv: Induktiv: rasche Aufnahme der Mimik, Gestik, etc. Deduktiv: Vorurteile, Wahrnehmungsfehler, …Reflexiv: Induktiv: Bewusste Verhaltensbeobachtung, … Deduktiv: Schlüsse ziehen, fehlende Information durch Wissen ergänzen, … induktiv: vom besonderen Einzelnen auf das Allgemeine schließend deduktiv: das Besondere, den Einzelfall aus dem Allgemeinen ableiten
- Wie nimmt der Mensch Informationen intuitiv wahr? Was wird dabei zuerst aufgenommen und inwiefern hat die erste Meinungsbildung Einfluss auf unser Handeln? Der Mensch bildet in seinem Kopf nicht die Wirklichkeit ab, sondern er konstruiert die Wirklichkeit auf der Grundlage eigener Erwartungen und Erfahrungen! Der Mensch trifft in der Regel innerhalb weniger Sekunden eine Einschätzung über Sympathie oder Antipathie, über Charaktereigenschaften, … des Gegenübers -> Interaktion anhand Einschätzung man bildet sich sehr schnell eine erste Meinung auf Basis vorhandener Erwartungen und Erfahrungen, die sehr stabil ist. Fehlende Informationen werden aus individuellen Wissensbeständen ergänzt. die Validität dieser Einschätzung ist aber sehr gering gebildete Meinungen sollten reflektiert werden und sensibel für Veränderungen sein- 1. Äußerlichkeiten: Frisur, Mimik, Gestik, Kleidung, Sprache, Körperhaltung -> sofortige Bewertung, die von Erfahrungen beeinflusst wird -> wenn sich ein Mensch einmal eine Meinung gebildet hat, tut er alles, um diese zu bestärken (Ansichten über die Welt helfen uns uns in dieser zu bewegen)
- Wie sind unsere drei Reaktionen bei inkonsistenter Information? 1. Infos, die unser Weltbild nicht unterstützen, nehmen wie nicht wahr 2. Störende Infos nehmen wir bewusst auf, aber streiten sie als Ausnahme ab3. Oder die Info, die unserer Auffassung widerspricht, wird verzerrt: "der ist nur neidisch"
- Was beeinflusst unsere Wahrnehmung? Der soziale Zusammenhang: Jemand im Anzug geht über die Straße bei roter Ampel und jemand in zerrissenen Jeans geht über die Straße bei roter Ampeldie Rolle des Menschen: Welche Eigenschaften haben Ärzte, Richter, Lehrer, Punks, Obdachlose,…Sympathieeffekte: Personen die ihnen auf den ersten Eindruck sympathisch sind werden positiver beurteilt.logische Fehler: Jemand der ungepflegt ist, ist auch faul Selektive Wahrnehmung, Kategorisierungen (Nationalitäten, Lehrer-Schüler -> Selffullfilling Prophecies), Vorinformationen (Bewerbungsfoto, Lebenslauf), Halo Effekt (einzelne Eigenschaften erzeugen pos/neg Gesamteindruck), Recency effect, Primacy effect Bsp: türkische Vornamen bei Bewerbungen, moderne Vornamen, Rosenhan-Experiment (Pseudopatienten)
- Wie hängen Attraktivität und erster Eindruck zusammen? Nach welchen Kriterien wird ein Gesicht als attraktiv eingestuft? - attraktive Personen werden positiver bewertet -> Einschätzung von Personen kovariiert mit Attraktivität - gemorphte Gesichter werden als attraktiver eingestuft als Durchschnittsgesichter - Kindchenschema (großer Kopf, große dominante, gewölbte Stirn, weit unten liegende Gesichtsmerkmale, große runde Augen, Kleine, kurze Nase, runde Wangen, zierlicher Unterkiefer, kleines Kinn) - Gesichter mit Kindchenschemaanteil werden als attraktiver eingestuft - bestehende Korrelation von Attraktivität mit Einschätzung von anderen Persönlichkeitseigenschaften (erfolgreich, zufrieden, sympatisch, intelligent..) --> je unattraktiver, desto eher negative Eigenschaften --> Korrelation zwischen Attraktivität und positiven Persönlichkeitseigenschaften ist sehr stark (.70 - .90)
- Welche Anzeichen gibt es für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale? Persönlichkeitsdimensionen, die innerhalb von 90 Sekunden am besten zu durchschauen sind: Extrovertiert vs. introvertiert, kultivert vs.grob, gesellig vs. einzelgängerisch, gesprächig vs. schweigsam, ruhig vs. unruhig Persönlichkeitsdimensionen, die am schlechtesten zu durchschauen sind: nicht hypochondrisch/hypochondrisch, gelassen vs. reizbar, psychisch stabil vs labil, neidisch/nicht neidisch, verantwortungsbewusst vs. unzuverlässig "Wir stellen sie aufgrund von Erfahrungen und Wissen ein, aber feuern sie wegen ihrer Persönlichkeit" Anzeichen für Extrovertiertheit: selbstsichere Erscheinung, freundlicher Gesichtsausdruck, häufiges Lächeln, geschmeidiges Gehen, Gesprächspartner anschauen Anzeichen für Verträglichkeit: freundlicher Gesichtsausdruck, sympathische Gesamterscheinung, häufiges Lächeln, angenehme Stimme Anzeichen für Gewissenhaftigkeit: angespannte Sitzhaltung, förmliches Kleidung, steifes Gehen, angestrengtes Vorlesen, höheres Alter Anzeichen für seelische Probleme: unsichere Gesamterscheinung, steifes Gehen, hektisches Sprechen, unangenehme Stimme, unbewegter Gesichtsausdruck Anzeichen für höheres Bildungsniveau: sympathische Gesamterscheinung, freundlicher Gesichtsausdruck, angenehme Stimme, attraktives Äußeres, kultivierte Gesamterscheinung --> mit subjektivem Wahrnehmungen müssen objektive Einschätzungen abgegeben werden! Intuitionen zur Kenntnis nehmen und an der Realität abmessen!
- Wie beschreibt man den Ärgerausdruck? Ärger wird am besten richtig erkannt Wie bereits Darwins Beschreibungen zeigen (Darwin, 1872), lassen sich beim Ärgerausdruck verschiedene Aspekte unterscheiden: - verbale Reaktionen und Veränderungen in der Stimme, die lauter wird und eventuell zu zittern beginnt, auch Schweigen und Fluchen sind Reaktionen für Ärger, hohe Grundfrequenz, große Lautstärke und schnelle Sprechgeschwindigkeit - Handlungen: Türenzuschlagen, etwas zerstören; zeigt sich auch im Gesichtsausdruck -> Signalfunktion einer Emotion (Partner Möglichkeit eines Angriffs oder Aggression signalisieren) - Ausdruck von Ärger ist angeboren - display und feeling rules in verschiedenen Kulturen (Darbietungsregeln, wer ggü wem ein bestimmtes Gefühl zeigen darf)
- Wie ist das Facial Action Coding System (FACS) aufgebaut? Welche Körperteile werden gekennzeichnet? - Gesichtsmuskelbewgungen werden einzeln codiert - Interpretation erst nachtträglich mithilfe der Kontextinformationen - zB. Stirnfalte, Augenbrauen, Augenlider, Nase, obere Mundpartie, Kinn
- Was sind Kennzeichen qualitativer Beobachtung? - Rekonstruktion von Handlungshintergründen -> Erklärungen --> methodisch, kontrolliertes Fremdverstehen als Vorraussetzung - Untersuchung erfolgt teilnehmend - im Alltag der Beobachteten - Alltagsbeobachtung (Verzerrung durch Erfahrung) vs. wiss. Beobachtung (objektive Bedeutung und subjektiver Sinn erfasst -> Verstehen aus der Perspektive d. anderen, Distanzierung von eigenen Vorstellungen, systematisch, Prüfung d. Gütekriterien) - nur ausgewählte Ausschnitte können erfasst werden - Zeitraum begrenzt, Beobachtungszeiten festlegen! - Beobachtung auf Beobachtbares reduzieren! - !Mit zunehmender Vertrautheit nimmt die Aufmerksamkeit ab! (rel. Infos werden selbstverständlich)
- Wie gestaltet sich der Beobachtungsprozess? Wie kann man vorgehen? Standardisierung: strukturiert (festgelegtes System von Kategorien, Forschungsziel; Hoher Grad an Kontrollierbarkeit, Systematik; Gütekriterien einhalten) & unstrukturiert (Verhältnisse & Entwicklungen im Feld im Vordergrund; Hypothesenbildung -> Vorraussetzung für strukturierte Beobachtung, Überblick) Partizipationsgrad/Beobachterrolle: teilnehmend (Teil d. Feldes) -> aktiv (geht im Feid auf) und passiv (Beobachtung im Vordergrund) und nichtteilnehmend Transparenz: offen (Anwesenheitszweck d. Forschers ist bekannt) vs. verdeckt (Vermeidung von Reaktivität, Identität d. Forschers unbekannt) Feld (zeitl. und räuml. in der Realität) vs Labor: (Beobachtungsraum künstlich - Experiment: Untersuchungsgegenstand manipulierbar) Realitätsbezug: direkt vs indirekt (zeitl. und räuml. Trennung vom Untersuchungsgegenstand, Methoden und Techniken nachträglich analysiert) quantitativ vs. qualitativ: offen ,teilnehmend, im Feld, aktiv, direkt, unstrukturiert
- Wie gestaltet sich der Beobachtungsprozess? Wie kann man vorgehen? Standardisierung: strukturiert (festgelegtes System von Kategorien, Forschungsziel; Hoher Grad an Kontrollierbarkeit, Systematik; Gütekriterien einhalten) & unstrukturiert (Verhältnisse & Entwicklungen im Feld im Vordergrund; Hypothesenbildung -> Vorraussetzung für strukturierte Beobachtung, Überblick) Partizipationsgrad/Beobachterrolle: teilnehmend (Teil d. Feldes) -> aktiv (geht im Feid auf) und passiv (Beobachtung im Vordergrund) und nichtteilnehmend Transparenz: offen (Anwesenheitszweck d. Forschers ist bekannt) vs. verdeckt (Vermeidung von Reaktivität, Identität d. Forschers unbekannt) Feld (zeitl. und räuml. in der Realität) vs Labor: (Beobachtungsraum künstlich - Experiment: Untersuchungsgegenstand manipulierbar) Realitätsbezug: direkt vs indirekt (zeitl. und räuml. Trennung vom Untersuchungsgegenstand, Methoden und Techniken nachträglich analysiert) quantitativ vs. qualitativ: offen ,teilnehmend, im Feld, aktiv, direkt, unstrukturiert
- Was ist ein Beobachtungsfeld? - räuml. & sozial def. Bereich, in dem beobachtet werden soll; kann sich erweitern oder verengen im Laufe d. Forschung- Grad d. Offenheit: leichter, wenn geschlossen -> weniger Außenkontakt; Zugang aber erschwert - je mehr versch. Situationen, desto komplexer das Feld & schwieriger die Beobachtung - Beobachtungsfeld genau beschreiben & planen -> wichtige Strukturen und Interpretationshilfen; Kontextvariablen
- Was sind Beobachtungseinheiten? - keine Kategorien im vorab formulieren, aber selegieren, was wichtig ist & nur auf Bestimmtes konzentrieren - Beobachtungseinheiten entwickeln sich flexibel & modifizierbar aus dem Feld heraus -> ganzheitliche Einheiten - soziale Situationen werden in der Analyse in einzelne Bestandteile zerlegt
- Was sind die Verhaltensregeln bei der teilnehmenden Beobachtung? - das untersuchte Feld so wenig, wie möglich stören oder verändern - keine objektive; intersubjektive Nachprüfung d. Beobachtung - trotz Vorverständnisses -> Bemühen um korrekte und unverzerrte Wahrnehmung -> kein Ausschluss aus dem Feld, um auch zukünftige Beobachtungen zu garantieren - flexibel & variabel an Erwartungen anpassen -> nicht zum Außenseiter werden - jedes Verhalten trägt zu mehr Akzeptanz d. Beobachters im Feld bei -> Mischung aus Konformität und Non-Konformität - Persönlichkeit & Argumente sollen von der Notwendigkeit der Studie überzeugen - Solidarisch mit dem Feld umgehen, ethische und juristische Probleme vermeiden - auch als Interaktionspartner zur Seite stehen und Personen nicht nur als Datenlieferanten betrachten
- Kennzeichen der qualitativen, teilnehmenden, unstrukturierten Beobachtung? Dilemma von Identifikation und Distanz? - meist unstrukturiert, Teilnahme am sozialen Feld oder nicht - >Kontext bezogen - Beobachtungsfelder komplex und offen - Keine Trennung von Forscher und Beobachter (Personalunion) - keine Standardisierung; kein Beobachtungsschema oder Beobachtungseinheiten -> Offenheit; Variabel; Teilnehmerrollen flexibel und können im Laufe d. Forschung variieren; Toleranz, Authentizität -> Vertrauen in Beobachtende; Kommunikation; Kontaktpersonen; Interaktion interpretiernd rekonstruieren durch Verstehen des anderen (Objektivität -> quantitative Forschung) - Interpretation während Beobachtung & Aufzeichnung nach Beobachtung - Vorverständnis über soz. Feld nicht notwendig (u.U. störend) - Kommunikation (verstehbar interpretieren) - Face-to-Face im sozialen Feld --> Perspektiven entwickeln (Verstehen) - Beobachtungsdaten + Ergänzende Infos & Erkenntnisse werden berrücksichtigt - Beobachtung zur Theorieentwicklung & - Prüfung - Dilemma von Identifikation & Distanz: bei teilnehmender Beobachtung (Forscher muss begründbare Entscheidung treffen, keine Abhilfe auf methodolog. Ebene)
- Welche Beobachterrollen gibt es? - völlige Identifikation -> keine Möglichkeit für wissenschaftliche Beobachtung (Going-native), auch beim Teilnehmer als Beobachter - Beobachter als Teilnehmer; vollst. Beobachter -> fehlende Identifikation mit dem Feld & Verstehen --> Gefahr von Missverstehen und Ethnozentrismus -Rollenkonflikte & Intersubjektivität; natürliche Rollen -> einfach und häufig wechselnde Inhaber -> Engagement & Distanz zwischen Feld & Wissenschaftsbetrieb
- Welche Verhaltensregeln gibt es zum Zugang zu einem Beobachtungsfeld? - Respekt vor den Beobachtenden; Einfühlungsvermögen in die Lebenswelt & Vertrauen gewinnen - Forschungsabsicht muss offen gelegt werden, sofern nicht kontraproduktiv - von der eigenen Sozialisation & Position lösen & offen sein für weitere Sozialisation - Toleranz & Achtung & keine Kritik & Sanktionen ggü Feld, auch bei abweichendem Verhalten - bei Bedarf: amtliche Stellen einschalten, um Kontakt zu erleichtern - Schlüsselpersonen aus dem Feld sind wichtig: fördern/beeinträchtigen Akzeptanz d. Beobachters - Abweichler & Meinungsführer sind als Informanten störend oder hilfreich - Forscher soll für alle Infos offen sein -> Perspektiven & Erkenntnisse erweitern - öffentliche Institutionen -> schriftliche Zustimmung (Einverstädnis vom Feld und Dienststellen) - positiv bewähren sich informelle Kontakte vor dem eigentlichen Vorgehen
- Welche Regeln gibt es für die Aufzeichnung der Beobachtung? - zu vermeiden, wenn als störend empfunden - Zeitspanne zwischen Beobachtung & Aufzeichnung möglichst kurz halten; eine Nacht nicht überschreiten - Ideal: Videofilme & Tonbandprotokolle, Tonbanddiktate - maschinenschriftliche Protokolle, handschriftlichen vorziehen - je ausführlicher die Protokolle, desto besser -> erst später klar, welche wichtig sind - INHALTE: Interaktion d. Teilnehmer und Konsequenzen, Beschreibung der soz. Situation als Ort des Geschehens -> Zeit, Ort.. - Regelmäßigkeit oder Einmaligkeit der Beobachtung? - Reaktionen der Teilnehmer auf abweichende Situationen im Feld - Diskrepanzen zw. Meinungen (Gesagtem) und Verhalten? - Aufzeichnungen als Grundlage für die Analyse -> antizipieren Struktur: - zeitl. Dimension bei chronologischer Ordnung mit wenig Anforderungen dominant; Protokoll d. Analyse systematisch nach Inhalten gliedern
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- Was sind Merkmale einer kontrollierten, standardisierten, teilnehmenden Beobachtung? - Hypothesen werden vor Beginn der Untersuchung aufgestellt (Theorieprüfend) - Operationalisierungen, Beobachtungseinheiten, dimensionen & Kategorien werden fixiert - technische Kontrolle d. Beobachter -> Prinzip d. Wiederholbarkeit: mehrere Beobachter eingesetzt und mehrere Situationen vergleichbarer Art beobachtet & Übereinstimmung mit Reabilitätskoeffizienten erfasst - Trennung zwischen Forscher und Beobachter methodisch notwendig - nur im quantitativen Paradigma, widerspricht qualitativer Forschung
- Was sind Merkmale einer systematischen, nicht-standardisierten, teilnehmenden Beobachtung? - mehrere Personen übernehmen Rolle von Forscher und Beobachter - Beobachtung zur Theorieentwicklung - Kontrolle notwendig: Teilnahmetraining und Supervisionssitzungen - offene Beobachtung: Einnahme natürlicher Teilnehmerrollen - Beobachtungsschema entwickelt sich implizit aus dem Feld heraus -> keine Operationalisierung - Beobachtung in 8 Phasen strukturiert: 1-3 im Vofeld; 4-7: Erkenntnisgewinnung im Feld; 8: eigentliche Theorieentwicklung
- Was sind die Vorteile einer offenen, teilnehmenden Beobachtung? - erleichtert Aufzeichnung -> größere Sicherheit hinsichtlich Vollständigkeit & Richtigkeit der Protokolle - duchführbar nur, wenn keine Beeinflussung des sozialen Feldes erfolgt & keine Methodenartefakte - wenn ethisch nicht korrekt, verdeckt vorzugehen -> Identifikation und Offenheit: Foschungsabsicht offen legen! - Rolle des Beobachters -> Partizipationsgrad: offen vs. verdeckt - qualitative Methoden: eher offen, als verdeckt beobachten
- Welche Formen der Beobachtung gibt es? Naiv vs. wissenschaftlich: - wissenschaftliche B. wird systematische geplant, aufgezeichnet und analysiert; kann einer Prüfung auf Zuverlässigkeit und Gültigkeit zugeführt werden Strukturiert vs. unstrukturiert: - arbeitet mit vorab festgelegten theoretischen Beobachtungsschema und fixierten Beobachtungskategorien - ist offen für die Verhältnisse und deren Entwicklung im sozialen Feld Offene vs. verdeckt: - die Tatsache des Beobachtens ist bekannt (hingegen der Forschungszweck nicht unbedingt) - die Forschungsabsicht wird verheimlicht Teilnehmende vs nicht-teilnehmend: - Beobachter ist Teil des sozialen Feldes; Beobachtung von „innen“ - Feld wird quasi von außen beobachtet Aktiv vs passiv: Variation der Partizipation von aktiv bis passivDirekte und indirekte Beobachtung: - die eigentliche Methode der Beobachtung - wenn Verhalten nicht in actu beobachtet wird, sondern nachträglich Dokumente zur Beobachtung analysiert werden - Feld- und Laborbeobachtung: Beobachtung in natürlicher Umgebung vs. künstlicher Umgebung
- Wie gestaltet sich die Sinn- und Bedeutungszuschreibung im sozialen Kontext bei einer teilnehmenden qualitativen Beobachtung? - t.B basiert auf Kommunikation und hat Kommunikation zum Gegenstand und wird erst sinnvoll, wenn die gemachten Aussagen und Verhaltensweisen so interpretiert werden, dass sie versteh- und nachvollziehbar sind - teilnehmende Beobachtung: - ist unstrukturiert, weil kein Beobachtungsschema vorab entwickelt wird - erfolgt in face-to-face Interaktionen im sozialen Feld - ist offen und flexibel – erst in der Beobachtung entwickelt sich Gegenstand und Perspektiven, - ist natürlich und authentisch, da es in der natürlichen Lebenswelt stattfindet z.B Marsianer interpretiert Fußballspiel auf der Erde -> Fehlinterpretation, da kein Verständnis für das soziale Feld -> Exaktheit der Beschreibung schützt nicht vor Sinnlosigkeit
- Welche 4 Rollen des Beobachters gibt es? Merkmale? 1. völlige Identifikation mit dem Feld: Wahre Identität und Zweck bleibt unbekannt. Wegen der völligen Identifikation mit dem (sozialen) Feld ist die teilnehmende Beobachtung verdeckt. Der Beobachter nimmt Rollen ein, die im alltägliche Leben vorgesehen sind. Beobachter interagiert mit den zu Beobachtenden so natürlich wie möglich.Besonders gute Möglichkeit der Beobachtung: als echtes Mitglied am Gruppen- und Gemeinschaftsleben; durch berufliche Eingliederung als Kollege; bspw. als Krankenpfleger, Taxifahrer, etc.; schwierig bei fremden Kulturen und ethnischen Gemeinschaften 2. Teilnehmer als Beobachter: Participator as Observer, auch PseudoteilnehmerSowohl Beobachter als auch Beobachteter sind sich einer Feldbeziehung bewusst. Ist primär Teilnehmer der Feldsituation und sekundär BeobachterBsp.: Gemeindestudie: Beobachter nützt bestimmte Beziehungen zu den Mitgliedern der Gemeinde und er als Angehöriger dieser verwendet Zeit darauf, mehr teilzunehmen als zu beobachten. Er befragt Leute (formal beobachten), mal nimmt er am gesellschaftlichen Leben teil (informelles Beobachten) 3. Beobachter als Teinehmer: Observeras Participant, auch unvollständige TeilnahmeMehr formale als informelle Beobachtung durch Teilnahme am zu beobachtenden Geschehen. Beobachter ist eher weniger in das soziale Geschehen integriert. Vorteile vermindertes Risiko in das beobachtete Feld sozialisiert zu werden; und dadurch Selbstverständlichkeiten zu übersehen -> (Going native) 4. Reiner Beobachter ohne Interaktion mit dem Feld: Vollständige Beobachterrolle; Keine soziale Interaktion mit seinen Informanten. Versuch der Beobachtung von Menschen, ohne dass diese von seiner Anwesenheit Kenntnis nehmen von seiner Beobachtung Kenntnis nehmen von vornherein wissen, dass sie beobachtet werden (Reaktivität vermeiden)
- Was beschreiben die Effekte Going Native und Ethnozentrismus? In welchen Beobachterrollen treten sie auf? Going Native: der Prozess der weitgehenden Sozialisation in das zu untersuchende Feld. Zu große Identifikation mit der betreffenden Gruppe; Fehlen der notwendigen Distanz um die Beobachteraufgaben zu wahren. -> bei völliger Identifikation mit dem Feld hat man kaum die Möglichkeit zur Beobachtung; beim Teilnehmer als Beobachter abgeschwächt, aber doch vorhanden Ethnozentrismus: wenn der Beobachter dem Beobachteten sein eigenes Sinnverständnis unterlegt. Hervorheben der Werte, Normen, Einstellungen der eigenen (ethnischen ) Gruppe und diese als Bezugssystem zur Beurteilung der anderen Gruppe heranziehen, sodass diese als defizitär erscheint -> fehlendes Verständnis und somit Objektivität -> Beobachter als Teilnehmer: durch fehlende Identifikation wird das Verstehen erschwert; vollständige Beobachtung: Gefahr des Ethnozentrismus und Rollenkonflikte
- Wie sollte man sich als Beobachter im Feld verhalten? Wahrnehmungsfehler? Wie sollte der Zugang zum Feld erfolgen? Wahrnehmungsfehler: im Vorfeld bestehen schon Vorurteile, Stereotype, Meinungen und Einschätzungen, … Problem der selektiven Wahrnehmung (Bsp. KFZ Kennzeichen). Das „Instrument“ der Beobachtung ist weitgehend der Forscher selbst. Beobachtung kann nicht voraussetzungslos erfolgen!! (Forscher hat Vorerfahrungen) „Wir glauben nur was wir sehen – leider sehen wir nur was wir glauben wollen„ Aktuelles Beispiel: Kriminalitätsrate sinkt nachweislich bei uns; wie sieht aber die Wahrnehmung in weiten Teilen der Bevölkerung aus? -> (objektive) Statistiken vs (emotionale) Befindlichkeit Zugang zum Feld: Guter Zugang zum Feld ist entscheidend für Erfolg oder Misserfolg. Subkulturen, Minoritäten, Randgruppen Vertrauen durch Offenlegung der Forschungsabsicht. Unter dem Motto: nur wenn der Forscher selbst offen und auskunftsbereit ist, ist auch Ähnliches von den Beobachteten zu erwarten, außer wenn es kontraproduktivfür die Forschungsabsicht ist. Anpassung an die Lebenswelt und den Alltag der zu untersuchenden Personen. Schwierigkeiten wie soziale Schicht oder Täuschungsabsichten durch die Gruppe. Durch: Kontaktpersonen; Schlüsselpersonen (Repräsentanten der Gruppe); Informanten (wer ist ein guter Informant?); Informelle Kontakte, persönliche Beziehungen; amtliche, staatliche Stellen
- Welche Verhaltensregeln gelten bei der teilnehmenden Beobachtung? Oberste Maxime: Toleranz, Respekt, Einfühlungsvermögen und Achtung gegenüber dem Feld, auch wenn aus der Beobachtersicht abweichendes Verhalten praktiziert wird. - Kritik und Sanktionen sind zu unterlassen. - Forschungsabsicht muss den Beobachteten offengelegt werden. Außer wenn es für die Forschungsfrage kontraproduktiv ist. - Sofern nicht verdeckt-teilnehmend beobachtet wird und dies in öffentlichen Institutionen erfolgt, braucht es die (schriftliche) Zustimmung seitens der Organisation - Informelle Kontakte sind immer nützlich. Aber sich nicht nur auf formale und informelle Zustimmung bzw. Kontakte verlassen; vielmehr muss man sich um das Einverständnis des beobachteten Feldes bemühen. - Sich von Anfang an mit der Lebenswelt der Beobachteten vertraut machen; d.h. auch, sich von der eigenen Sozialisation und Position tendenziell zu lösen um offen für das Andere zu sein. Forscher soll für Informationen von allen Seiten offen sein, was seine Perspektiven u. Erkenntnisse erweitert -Der Beobachter soll durch sein Verhalten das zu untersuchende Feld so wenig wie möglich stören oder verändern - und so agieren, dass weitere und zukünftige Beobachtungen möglich sind (so, dass keine Verweigerungsstrategien entstehen). - Bemühen um korrekte Beobachtung und unverzerrte Wahrnehmung, trotz vorhandenem Vorverständnis. - Beobachter hat sich flexibel und variabel an die an ihn herangetragenen Erwartungen anzupassen, ohne dabei devot zu erscheinen (ansonsten würde er in eine Außenseiterposition geraten) - Alles Verhalten soll auf die Erhaltung bzw. Steigerung der Akzeptanz des Beobachters im Felde abzielen - Durchschnittliches Verhalten (angepasst an das Untersuchungsfeld), wie es im Alltag üblich ist – Mischung aus Konformität und Nonkonformität ist meist zielführend - Beobachter soll mit seiner Persönlichkeit und seinen Argumenten von der Wichtigkeit, Notwendigkeit der Studie überzeugen - Solidarität mit dem untersuchten Feld ist notwendig. Grenze dort, wo ethische oder juristische Probleme entstehen - Untersuchungssituation darf nicht zum Selbstzweck degenerieren; d.h. Forscher soll als Interaktionspartner mit Rat und Tat zur Verfügung stehen – die beobachteten Menschen dürfen nicht zu reinen Datenlieferanten verkommen
- Was sind Vorteile der offenen Beobachtung gegenüber einer verdeckten? Vorteile der offenen Beobachtung: - erleichtert die Aufzeichnung des Beobachteten; d.h. größere Sicherheit hinsichtlich der Vollständigkeit u. Richtigkeit der Protokolle Legitimation, Glaubwürdigkeit ist gewährleistet Offenen B. nur dann sinnvoll, wenn sichergestellt ist, dass dadurch keine Beeinflussung des soziales Feldes erfolgt (Methodenartfakte). Problem bei verdeckter B., wenn man als Forscher „auffliegt“: Unaufrichtigkeit, Unfairness, Unehrlichkeit, möglicher Ausschluss aus dem Feld
- Was sind wesentliche Merkmale des Protokollierens? Datenkorpus? - arbeitsintensiv - ungenaues Protokollieren kann einen ganzen Forschungstag zunichte machen - soll möglichst kurz nach der Beobachtung erfolgen - Wahrung der Vertraulichkeit - Ideal: Video- oder Tonaufzeichnungen -> methodisch selten möglich Datenkorpus: Mit der Zeit unterschiedliche Forschungsdokumente: Beobachtungsprotokolle, Transkripte, Fotos, Zeitungsausschnitte -> Strukturierung, Verknüpfen etc.
- Wie verfasst man ein Protokoll? Was ist beim schreiben zu beachten? Feldnotizen meist handschriftlich: -> Überführen von Feldnotizen in das neue Genre Protokoll - am PC geschriebenen Protokolle kann man leicht Dritten zur Verfügung stellen - digitalisierte Protokolle eigenen sich besser für die (unmittelbare) Analyse 1. Schritt: Aufschreiben: Aufschreiben, transkribieren der Feldnotizen, möglichst vollständig, »Protokolle [sollten] immer etwas über das Ziel hinausschießen [in Bezug auf Detailliertheit und Umfang]« 2. Schritt: vom Aufschreiben zum Beschreiben: Beschreibung auch des sozialen Sinns des Beobachteten: nicht nur Beobachter, auch andere Leser müssen das Beobachtete verstehen können - >Es braucht die Beschreibung konkreter Handlungen, sinnlicher Erfahrungen, Gesten, Affekte, Äußerungen u.v.m. statt bloß allgemeiner Kommentare, ungefährer Urteile, tiefsinniger Motivzuschreibungen -> Maxime: Details statt Zusammenfassungen, konkrete Eindrücke statt Generalisierungen (ebd.) Schreiben ohne Hemmungen: -> all das Erlebte zu Papier bringen - semantische Schwächen schaden weniger als das Weglassen scheinbar unwichtiger Sachverhalte - je ausführlicher desto besser - nur so ist die komplexe Bandbreite sozialen Geschehens erfassbar - Protokolle für den Forschungsprozess (Datenanalyse), aber nicht für Publikation dadurch geeignet Protokollierung als Übersetzungsvorgang: - Verbalisierung von (beobachteter) sozialer Wirklichkeit - Bei Gruppendiskussionen, Interviews, Dokumentenanalyse, Gesprächsanalysen erheben wir Darstellungen im Medium Sprache bzw. liegt in textlicher/sprachlicher Form vor Beobachter: muss zuerst eine Übersetzung in das Sprachliche vornehmen: »Stummes« Material: Nonverbales (Affekte, Mimik, Gestik, Habitus, …), Kleidung, Unaussprechliches (Tabus), implizites und praktisches Wissen/Praktiken - Von der persönlichen Teilnahme (teilnehmende Beobachtung) und Mündlichkeit zur Schriftlichkeit - Von der Interaktion Vieler zur einsamen Arbeit mit eigenen Notizen - »Ethnografie meint in diesem Sinne auch die professionalisierte Kompetenz, Nichtsprachliches zu versprachlichen. … als … multiplen Übersetzungsprozess vorstellen« -->Datenanalyse besteht immer in der Weiterverarbeitung sprachlichen Materials
- Was sind wichtige Aspekte für ein Protokoll? Inhaltlich? - Die Teilnehmer in allen relevanten Aspekten bzw. Variablen (soziale Stellung, aktiv/passiv, Alter, …); - Interaktionen zwischen den Akteuren und - daraus resultierende Konsequenzen; - Mittel, die im sozialen Geschehen bei zielgerichteter Tätigkeit verwendet werden: Teilnehmer können reden, kämpfen, arbeiten, spielen, … - Affekte, emotionale Inhalte; - Beschreibung der sozialen Situation: Ort des Geschehens, Zeit, Umstände, Auslöser, … - Regelmäßigkeit bzw. Einmaligkeit beobachteter Situationen, Interaktionen, etc. - Sind diese typisch? - Reaktionen auf außergewöhnliches oder abweichendes Verhalten, bei Verstößen gegen soziale Norm. - Widersprüchlichkeiten: Differenzen zwischen Gesagtem und Handeln; zwischen Meinungen und Verhalten. - Bedeutsame Unterlassungen (nicht erwartungsgemäßes Handeln)
- Was sind die Merkmale der Methoden teilnehmender Beobachtung im Vergleich? 1. Kontrollierte, standardisierte teilnehmende Beobachtung: - mehr oder weniger dem quantitativen Paradigma verpflichtet - Hypothesen werden vor dem Beginn der Untersuchung aufgestellt und im Beobachtungsschema operationalisiert. d.h. möglichst konkrete und präzise Anweisungen aber dennoch so allgemein, dass sie auf verschiedene Situationen anwendbar sind d.h. Beobachtungseinheiten, -dimensionen und -kategorien sind vorher fixiert. - Forscher und Beobachter sind verschiedene Personen - Forscher schult Beobachter um Beobachtungsfehler zu minimieren (Wahrnehmungsverzerrung, Going native) - Prinzip der Wiederholbarkeit hat erhebliche Relevanz: es werden mehrere Beobachter eingesetzt oder mehrere Situationen vergleichbarer Art beobachtet und die Übereinstimmung in Reliabilitätskoeffizienten berechnet --> darum auch die genaue Operationalisierung notwendig um hohe Übereinstimmung der Beobachter zu gewährleisten(Wiederholbarkeit, Überprüfbarkeit, intersubjektive Übereinstimmung) 2. Systematische, unstandardisierte, teilnehmende Beobachtung - Forscher und Beobachter sind ein und dieselbe Person; meist aber mehrere Forscher/Beobachter beteiligt. - Grundlage der Systematisierung ist die Kontrolle der Phasen der Feldbeobachtung durch ein „Teilnahmetraining“: - dient der Bewusstwerdung von Wahrnehmungskategorien und Wahrnehmungsfähigkeiten; - hört nicht bei Beginn der Beobachtung auf, sondern wird währenddessen fortgeführt (Supervision): - dadurch Feedback zwischen Forscher und Feld. - Beobachterolle ist offen und nicht sehr genau definiert, aber soll eine natürliche Rolle sein: d.h. eine Rolle die im Untersuchungsfeld als normal gilt. - Kein vorgegebenes Beobachtungsschema d.h. keine Operationalisierungen, sondern es entwickelt sich implizit aus der Beobachtung heraus - Wissensgewinnung anhand der Phänomene - Beobachtung dient der Theorieentwicklung, nicht der Theorieprüfung. 3. Unstrukturierte teilnehmende Beobachtung Beobachter muss zugleich Forscher sein: auf Grund der Einmaligkeit der Beobachtungssituation; wegen des fehlenden Beobachtungsschemas. - Offenes Vorgehen. Vorab keine Festlegung über Art, Umfang und Zeit der Beobachtung. - Rolle im Feld flexibel: kann dezidiert als Forscher auftreten, aber auch in einer spezifischen Rolle des Feldes. - Literaturstudium zum Zwecke eines besseren Vorverständnisses ist nicht notwendig. Dieses wird erst im Felde selbst gebildet. - Going native wird nicht als verzerrender Faktor gesehen. - erst die Identifikation mit den Mitgliedern des Feldes die Voraussetzung um die betreffende Lebenswelt adäquat zu beschreiben und zu verstehen. Und somit dienlich und notwendig für objektive Forschung.- Für die Interpretation werden nicht nur Beobachtungsdaten herangezogen; auch ergänzende Informationen und Erkenntnisse werden berücksichtigt.
- Worin besteht das Dilemma von Identifikation und Distanz? - Forscher und diejenigen, denen seine Arbeit gilt, nehmen die soziale Umwelt nicht gleichermaßen wahr - Deshalb darf der Forscher nicht seine eigene Definition sozialer Wirklichkeit naiv als Ausgangsbasis empirischen Arbeitens machen - Neutralität als Grundhaltung ist zu wenig - Durch (zu große) Distanz besteht Gefahr der Oktroyierung eigener theoretischer Kategorien auf das Forschungsobjekt -> Dadurch falsche Befunde, die dem Forschungsgegenstand nicht gerecht werden - die Forschungsobjekte bzw. –subjekte möglichst weitgehend zu verstehen, von „innen“ (vom Feld) heraus kennen zu lernen, und das so Verstandene anderen mitzuteilen und somit überprüfbar machen.--> Das Dilemma steckt somit in der Methode und in den verschiedenen Rollen des Forschers: Identifikation ist Element der Teilnahme und des Verstehens. Distanz ist das Element der Beobachtung und der Prüfbarkeit --> teilnehmende Beobachtung nur möglich, wenn Identifikation und Distanz gleichermaßen herstellbar sind; Bei völliger Identifikation gibt es keine Distanz und umgekehrt - Das Dilemma tritt in allen Phasen teilnehmender Beobachtung auf -> keine Abhilfe auf methodischer, generalistischer Ebene -> Forscher muss damit leben und für sich selbst begründbare Entscheidung treffen