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soziologische Theorien (Subject) / Grundlage von Theorie u. Anfänge der Soziologie (Lesson)
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- Soziologische Definition von Theorie nach Richter "Eine soziologische Theorie bietet ein Modell zur Erklärung der sozialen Welt. Das ist jene Welt, in der Menschen sozial handeln."
- wissenschaftliche Definition einer Theorie „A theory is a set of interrelated propositions that allow for the systematization of knowledge, explanation and prediction of social life and the generation of new hypothesis.
- Einteilung von Theorien – Systematik in Anlehnung an René König 1. Verhältnis von Theorie und Empirie Soziologische Theorien: Logische Verknüpfung von Variablen, Sätzen, Begriffen, Konzepten, die prinzipiell widerlegbar sein müssen. Theorien von der Gesellschaft: weitreichend, umfassend, (sozial-) philosophisch, oftmals spekulativ und nicht widerlegbar, zB „Utopia“ von Morus und „Leviathan“ von Hobbes
- 2. Soziologische Theorien nach aufsteigendem Komplexitätsgrad und Geltungsbereich: a. Empirische Regelmäßigkeiten ≠ Theorien, da beschreibend und nicht logisch erklären (keine Begründung) b. Ad-hoc Theorien = unmittelbar plausible Vermutung = Aussagen über verzeichnete Regelmäßigkeiten. Beziehen sich auf einzelne, räumlich und zeitlich begrenzte empirische Regelmäßigkeiten = kleine Ausschnitte der Wirklichkeit c. Theorien mittlerer Reichweite bieten Erklärung über raumzeitlich begrenzte Regelmäßigkeiten hinaus, sind aber KEINE umfassende, komplexe Theorie der Gesellschaft d. Theorie höherer Komplexität = „große Theorien“ – größter Geltungsbereich, sehr hohe Abstraktion -> nicht widerlegbar. Man „muss“ an sie glauben.
- Was spricht gegen EINE einheitliche Theorie der Gesellschaft? - Verschiedene soziale und kulturelle Entstehungshintergründe- Ungleichzeitigkeiten, Ungleichheiten- Ausschließlichkeitsansprüche überwunden-> Soziologie als multiparadigmatisches Fach: viele kleine und große soziologische Theorien, die sich unterschiedlichen Traditionen zuordnen lassen
- Drei Paradigmen nach Richter: 1.Materialistisch kritische Gesellschaftstheorien2.Systemisch orientierte Theorien3.Am Handeln orientierte Theorien
- Anfänge soziologischen Denkens: Soziale Bedingungen Bündel an Vorgängen, die komplex ineinander greifen (politische und industrielle Revolution, technische Innovationen, Sozialismus, Feminismus, Urbanisierung, Säkularisierung)
- Anfänge soziologischen Denkens Intellektuelle Voraussetzungen: Emanzipation als Grundlage der Disziplinwerdung: o Trennung von Gesellschaft und Staato Entzauberung von Werten und Ideeno Handeln jenseits außenverordneter Gesetzlichkeit o Befreiung des Einzelnen – Freisetzungo Gesellschaft als Gegenstand mit eigenen Gesetzlichkeiten = Gesellschaftslehre
- Kernfrage nach der gesellschaftlichen Integration 3. Punkte 1. Gesellschaftsleher der Aufklärung/ Gegenaufklärung 2. Gesellschaftslehre des Liberalismus 3. Gesellschaftslehere des Idealismus
- Kernfrage nach der gesellschaftlichen Integration 1. Gesellschaftslehre der Aufklärung / Gegenaufklärung - Krise des absolutistischen Staats- Emanzipation und Einsicht in resultierenden Integrationsverlust- Unterwerfung unter absolute Werte und unverletzliche Institutionen („volonté générale“)- Montesquieu, Voltaire, Rousseau
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- Kernfrage nach der gesellschaftlichen Integration 2. Gesellschaftslehre des Liberalismus - Entwicklung von Gesetzen einer emanzipierten Gesellschaft, die aus (realer) Handlugnsfreiheit der Menschen hervorgehen - Gesellschaft ist NICHT höhere Natur, sondern der Ort, an dem aus dem chaotischen Gegeneinander ein produktiver Prozess wird - Hobbes, Locke, Hume, Schottische Moralphilosophie
- Kernfrage nach der gesellschaftlichen Integration 3. Gesellschaftslehre des Idealismus - Deutscher Idealismus: Anschluss an die Emanzipation in Frankreich und England- Dasein im Widerspruch: Mensch ist vernünftig, handelt aber auch im Affekt- Recht und Gesetz spiegeln das Dasein als freies Dasein. Der Staat muss Freiheit, Gleichheit und Selbständigkeit garantieren. - Kant, Fichte, Hegel, Romantik
- Französische Vordenker Auguste Comte, Claude Henri Saint-Simon, Emile Durkheim
- Deutsche Vordenker: Friedrich Hegel, Karl Marx, Max Weber, Georg Simmel, Ludwig Feuerbach
- Britische Vordenker: Charles Darwin, Adam Smith, Harriet Martineau, Herbert Spencer
- Italienische Vordenker Vilfredo, Pareto
- Vorgeschichte 1. Gesellschaftsvertragstheorien (Ausgangspunkt: Naturzustands des Menschen) Thomas Hobbes (1588-1679) • „Der Mensch ist des Menschen Wolf.“ (homo homini lupus) • Problem der sozialen Ordnung: Im Naturzustand kämpft Mensch gegen Mensch, um sein Rechtauf unbedingte Selbsterhaltung durchzusetzen. Kooperation wäre gut, aber wie kann ich dem anderen vertrauen -> Lösung: Souveränität an einen Dritten abgeben. • Leviathan als absoluten Souverän, der für Kooperation sorgt John Locke (1632-1704) • Der Mensch ist im Naturzustand friedlich und lernfähig -> kooperativ• Mensch hat Recht auf Eigentum – sich selbst und die Produkte seiner Arbeit• Freiheit des Einzelnen als Wirtschaftssubjekt und Privateigentümer muss durch Institutionen(zB Gesetze, Staat) abgesichert werden -> nicht mehr absolut geregelt i.Vgl. zu Hobbe Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) • Der Mensch ist im Naturzustand einsam und frei, moralisch und gesellschaftlich eigentlich indifferent• Je mehr Zivilisation herrscht, desto mehr kommt es zur Entfremdung von Naturzustand -> Desintegration und Dependenzen -> Despot bzw. Staat (volonté générale) soll Abhängigkeiten reduzieren und enzieht den Menschen notwendiger weise die Freiheit
- Vorgeschichte 2. Gesellschaft als komplexes Gebilde Giovanni Battista Vico (1668-1774) • Es gibt keinen fixen Naturzustand des Menschen -> G. als organisches Ganzes („order ofnoise“)• Gesellschaft ist das Resultat menschlicher Handlungen• Richtet sich gegen die Vernunftorientierung Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755) • G = komplex, viele Einflüsse wie Institutionen, Werte, etc. wirken ein -> es lässt sich einegewisse gesellschaftliche Ordnung und Gesetzmäßigkeiten feststellen• Klimatheorie: Klima beeinflusst die jeweilige Gesellschaftsstruktur und –ordnung
- Vorgeschichte 3. Schottische Moralphilosophie Adam Smith (1723-1790), Adam Ferguson (1723-1816) • Zentraler Fokus = Wirtschaftsaspekt • Zentral: Arbeitsteilung als Vergesellschaftungsmoment (Gedanke wird später u.a. von Simmelaufgegriffen)• Moral
- Entstehung der Soziologie in Frankreich Grundsteinlegung der Soziologie als eigenständige und empirische Wissenschaft Kontext im 19. Jahrhundert:• Aufklärung• Krise des Absolutismus – Französische Revolution• Industrialisierung• Soziologie = Wissenschaft der Rationalität
- Entstehung der Soziologie in Frankreich Auguste Comte (1798-1857) • Hauptwerk: „Cours de philosophie positive“• Assistent von Henri de Saint Simon• Privatgelehrter• Positivismus positiv = gegeben -> Wissenschaft soll beweisbar sein o Exakte Logik und Abbildung von Problemen o Empirie, keine Suche nach „letzten“ Ursachen (dh Gott) o kein Anspruch auf Beantwortbarkeit der Frage nach dem Wesen der Erscheinungen o soziale Gebundenheit des Denkens o kein richtig / falsch
- Auguste Comte 1. Dreistadiengesetz Dreistadiengesetz = Universalgesetz über die Erkenntnisweisen des Menschen, aber Ungleichzeitigen -> Lösung durch Positivierung des Wissen Theologisch, fiktiv (Fetischismus, Polytheismus, Monotheismus) ↓ Metaphysisch, abstrakt ↓ Wissenschaftlich, positiv
- Auguste Comte 2. Enzyklopädisches Gesetz 2. Enzyklopädisches Gesetz -= Entwicklungsgeschichte der Wissenschaften
- Auguste Comte Statik & Dynamik Als Ordnungselemente der Gesellschaft -> Basis für gesellschaftlichen Fortschritt nach dem Paradigmader Naturwissenschaft („Fortschritt benötigt Ordnung“) Soziale Statik Sympathische Instinkte Institution der Familie ArbeitsteilungSachlich bedingte Hierarchie Soziale Dynamik Individuelles Glücksstreben Begrenzte Lebensdauer Bevölkerungswachstum Geistige Entwicklung