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Psychologie (Subject) / Kognitionspsychologie: Kognitive Karten (Lesson)

Kognitive Karten

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  • Definition geographische "Karte" Karte: Eine Karte ist ein Medium, in dem raumbezogene Objekte, Sachverhalte oder Prozesse maßstäblich generalisiert und mit Hilfe eines Zeichensystems grafisch in ihren Raumbeziehungen veranschaulicht werden. Speziell für uns von Interesse: Karten sollen raumbezogene Daten und nur schwer formulierbare räumliche Zusammenhänge für den Betrachter leicht verständlich machen. Kartografie: Die Wissenschaft und Technik zur Darstellung der Erdoberfläche in topografischen und thematischen Karten.
  • Definition für "kognitive Karte" "Kognitive Karte" meint die subjektive Vorstellung einer räumlichen Situation (Ort, Land, Standortmuster, Distanz) bei einer Person oder Gruppe. Sie spiegelt die Welt so wider, wie ein Mensch glaubt, dass sie ist bzw. wie er sie empfindet. Es handelt sich dabei meist nicht um eine korrekte Repräsentation der räumlichen Umwelt. Es kann zu systematischen Abweichungen und Verzerrungen bzgl. der Realität kommen.
  • Wer war der "Begründer" der Forschung zu kognitiven Karten? Es gab einige Väter der kognitiven Kartenforschung, u.a. Edward Tolman (1948) --> Untersuchung kognitiver Karten in Ratten und Menschen --> Ratten in Labyrinthen + Futter --> planvolles Handeln wenn Wege versperrt sind (versuchen nicht 2x gleichen versperrten Weg)
  • Welche Merkmale kognitiver Karten werden unterschieden? 1. Begradigung: „Krumme Linien“ (z.B. Landschaftsmerkmale wie Flüsse und Straßen) werden „begradigt“. 2. Rechte Winkel: Wir neigen dazu, uns Kreuzungspunkte rechtwinklig vorzustellen (--> deshalb fällt es Menschen leichter, sich in rechtwinkligen Wegenetzen zu orientieren als in schiefwinkligen). 3. Einordnung: Der Landschaft wird eine klare Nord-Süd- und Ost-West-Ausrichtung gegeben. 4. Besondere Landschaftsmerkmale (landmarks) werden räumlich überrepräsentiert. 5. Gegenden, die man a) gut kennt und zu denen man b) eine gute und starke Beziehung besitzt, werden überrepräsentiert (z.B. Campus, Sandstraße...). [die Gegend aus der man kommt, erscheint einem viel größer und differenzierter als in Realität]
  • Moderne kognitive Kartenforschung: Was ist mit sozialen Einflussfaktoren auf kognitive Karten gemeint? Darunter wird das Phänomen verstanden, dass kognitive Karten sich schon alleine aufgrund "sozialer Faktoren" verändern. Beispiel: Deutsche Wiedervereinigung --> obwohl Deutschland faktisch vereinigt ist, existiert eine gewisse Art der Trennung zwischen West- und Ostdeutschland --> Teilung Deutschlands nicht nur geographisch/durch die Mauer, sondern auch in Bezug auf die Währung, die ökonomischen Systeme, die Verteidigungssysteme, die Alltagskultur, die Propaganda usw. (soziale Einflüsse!) --> die Mauer scheint in den Köpfen fortzubestehen 
  • Welche Versuche wurden zur Testung einer "Mentalen Mauer" durchgeführt? 1. Ekman & Bratfisch (1965):  Systematische Distanzüberschätzungen zwischen Städten, wenn keine oder geringe emotionale Verbundenheit zur entfernten Stadt. 2. Hirtle & Jonides (1985), McNamara (1986):  Distanzüberschätzungen zwischen Städten die als zu unterschiedlichen Superstrukturen / Hierarchien zugehörig kategorisiert werden. 3. Rationale Annahme: Wenn es eine Art von Mentaler Mauer gibt, dann sollte es zu einer systematischen Distanzüberschätzung zwischen Städten kommen, die früher zu den unterschiedlichen Teilen Deutschlands (BRD/DDR) gehört haben. Vpn beantworten erst Frage zu ihrer Einstellung zur deutschen Wiedervereinigung Andere demographische Daten werden erfasst, z.B. geographisches Wissen Indirekt: Reiseerfahrung durch Deutschland Direkt: Geographisches Wissen über Deutschland Haupttestphase: Einschätzung aller möglichen 110 Distanzen zwischen den Städten (Schätzung der Luftdistanzen) 83 Vpn --> 54 w; 32 wuchsen in der früheren BRD auf; große Variationsbreite der soz. Einstellung bzgl. der dt. Wiedervereinigung Distanzpaare: 2 Städte innerhalb der BRD oder DDR vs. 2 Städte, die durch Mauer getrennt waren --> jeweils annähernd gleiche Distanz Ergebnisse: Städte, die nicht durch die Mauer getrennt waren wurden als deutlich näher (realistischer) eingeschätzt, während Städte, die durch Mauer getrennt waren deutlich weiter entfernt eingeschätzt wurden, als in der Realität. Ausnahme: Rostock – Hamburg wurden realistischer und näher als Distanzpaar Nürnberg – Stuttgart eingeschätzt --> möglicherweise da beides Hanse-Städte?! Nürnberg und Stuttgart wird auch durch Grenze Bayern – BWB getrennt? Distanz wurde abhängig von Einstellung bzgl. dt. Wiedervereinigung eingeschätzt: Positiv: - 3 km Neutral: + 22 km Negativ: + 58 km
  • Ist die Idee einer "kognitiven Karte" noch haltbar? Carbon & Hesslinger (2013): "Kognitive Karten" werden eher uneinheitlich repräsentiert (Vorstellungen gehen z.T. weit auseinander) Sie haben eine flexible Natur Sie sind Laufzeitabhängig und deshalb eher keine "Karte"
  • Welche Erfassungsmethoden kognitiver Karten werden unterschieden? Direkte Methoden Indirekte Methoden
  • Welche direkten Erfassungsmethoden kognitiver Karten gibt es? 1. Explizites Einschätzen von räumlichen Eigenschaften: Räumliche Eigenschaften = gegenseitige Positionierung einzelner Objekte a) frei im Raum --> allozentrisch: d.h. (in Relation stehende) Positionen werden aus einer globalen Sicht beurteilt (Himmelsrichtungen). b) relativ zum Beobachter --> egozentrisch: d.h. (in Relation stehende) Positionen werden unter Berücksichtigung des umgebenden Raums aus der Sicht des Beobachters, der am aktuellen Ausgangspunkt steht, eingeschätzt (vorne links, hinten rechts…).   2. Positionen gegenseitig einzeichnen   3. Komplette Karte zeichnen Vorteile: Intuitiv Schnell einfach Nachteile: Kommt auf grafisches Geschick an Ankerpunkt-Problematik: sobald ein Punkt gesetzt ist oder ein Teil des Blatts bemalt ist, müssen sich andere Ortspositionen danach richten --> keine Unabhängigkeit von vorhergehenden Einschätzungen möglich   4.a) Bei 2 Positionen: Direkte Entfernungen schätzen Problematik: kombinatorische Explosion Bei n=3 Städten: 3 Distanzen Bei n=4 Städten: 6 Distanzen Bei n= 10 Städten: 90 Distanzen… Vorteile Keine/kaum Ankerproblematik Sehr genau Schnell, wenn wenige Ortspunkte zu setzen sind. Problem Aufgabenlänge wächst stark an mit Anzahl der Ortspunkte. Relativ kompliziert, Ergebnisse multidimensional auszuwerten. Was machen mit den Distanzen? Z.B. Einzeln varianzanalytisch analysieren (Über- und Unterschätzungen berechnen). Gruppen einteilen aufgrund von Hypothesen (Distanzen in Ost- vs. Westeuropa) Varianzen analysieren: Schätzfehler berechnen… Alternative Auswertemethode: Multidimensionale Skalierung (MDS) --> Idee: Rückrechnung einer n-dimensionalen (2-D) Karte aus den Distanzschätzungen Die so gewonnenen „Karten“ können dann untereinander (und mit geografischen Karten) statistisch verglichen werden mit einer sog. bidimensionalen Regression. 4.b) Bei 2 Positionen: Richtungen schätzen 4.c) Bei 2 Positionen: Höhenunterschiede schätzen   5. Relative Positionen einschätzen   6. Karten vergleichen Augenscheinlich einfachste Methode Messung implizit geschätzter Distanzen und Vergleich dieser mit realen Distanzen. Problem: Kein statistisches Kriterium Problem: zeigt nicht das multidimensionale Muster der Daten Überlagerung der Karten Notwendigkeit der Drehung, Skalierung, Verschiebung, (Spiegelung) bevor ein sinnvoller Vergleich stattfinden sollte.
  • Welche indirekten Erfassungsmethoden kognitiver Karten gibt es? Es werden zwar wiederum Fragen zu räumlichen Konfigurationen gestellt, aber die direkten Antworten werden nicht analysiert (!) Stattdessen: Analyse der Reaktionszeiten (RTs) D.h. räumliche Beziehungen werden nicht direkt durch die RTs berechnet, sondern indirekt zurückgerechnet
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  • Vergleichen Sie Vor- und Nachteile direkter und indirekter Verfahren zur Erfassung kognitiver Karten! Direkte Verfahren: + Abbildungen sind sofort verfügbar - Abbildungsqualität ist von manuellem Geschick abhängig - Kognitiv penetrabel - Schwierige, u.U. nicht objektive Auswertung - Relativ naive Vorstellung, dass Gezeichnetes mit realer Repräsentation koinzidiert/übereinstimmt   Indirekte Verfahren: + Kognitiv kaum penetrabel + Relativ intuitiv und kompatibel mit kognitiven Theorien - Erfordert meist sehr aufwändiges und langwieriges Experimentaldesign - Meist nur mit genauen Messgeräten erfassbar - Bei Reaktionszeit-Verwendung: nötige Prämisse eines kognitiven Modells der Reaktionszeiten