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1 Wahrnehmung Aufmerksamkeit Folien (Subject) / 1 Wahrnehmung Aufmerksamkeit Folien (Lesson)
1 Wahrnehmung Aufmerksamkeit Folien
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- wie funktioniert Kognition einfache Darstellung? umwelt: reiz + Person: Nervensystem = Erleben und Verhalten
- vier Forschungsansätze 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) Untersuchung von Kognition durch Aufzeichnung von Verhalten bei der Bewältigung kognitiver Aufgaben 2) Kognitive Neuropsychologie Untersuchung von Patienten mit Schädigung des Gehirns, (auch) um Kognition bei Personen ohne diese Schädigung zu verstehen 3) Kognitive Neurowissenschaft Aufzeichnung der Aktivitäten des Gehirns bei der Bewältigung kognitiver Aufgaben4) Komputationale Kognitionswissenschaft Entwicklung mathematisch spezifizierter Modelle, um Kognition besser beschreiben und vorhersagen zu können
- 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) Untersuchung durch Aufzeichnung von Verhalten bei der Bewältigung kognitiver Aufgaben
- 2) Kognitive Neuropsychologie Untersuchung von Patienten mit Schädigung des Gehirns, (auch) um Kognition bei Personen ohne diese Schädigung zu verstehen
- 3) Kognitive Neurowissenschaft Aufzeichnung der Aktivitäten des Gehirns bei der Bewältigung kognitiver Aufgaben
- 4) Komputationale Kognitionswissenschaft Entwicklung mathematisch spezifizierter Modelle, um Kognition besser beschreiben und vorhersagen zu können
- 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) Stichworte Lange Tradition Wilhelm Wundt: erstes psychologisches Experimentallabor (1879) Hermann Ebbinghaus: Gedächtnisexperimente zentrale Bedeutung für Entwicklung von Theorien Entwicklung von Untersuchungsparadigmen Experiment zur Theorietestung Messung kognitiver Leistung (Akkuratheit, Geschwindigkeit, Blickverhalten... = aV) bei kontrollierter Variation (uVs)
- 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) klassischer Informationsverarbeitungsansatz (70er Jahre) Computer-Metapher Informationsverarbeitung ähnlich wie in Computer-Programm Annahmen- schrittweise, serielle Verarbeitung (ein Prozess abgeschlossen bevor der nächste beginnt) - reizgesteuerte Informationsverarbeitung (Bottom-up)
- 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) Neuere Informationsverarbeitungsansätze Netzwerk-Metapher Informationsverarbeitung durch einfache Einheiten in Netzwerken Zentrale Eigenschaften schnelle, parallele Verarbeitung automatische Aktivationsausbreitung Einflüsse von Vorwissen / Erwartungen (Top-down) Interaktive Aktivation
- 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) Stärken erster systematischer Ansatz zur Erforschung menschlicher Kognition Entwicklung zentraler Theorien und Paradigmen
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- 1) Experimentelle Kognitive Psychologie (im klassischen Sinne) - Schwächen - verwendete Aufgaben haben geringe ökologische / externe Validittä- artifizielle, einfache Aufgaben- Ablauf unbeeinflusst von Teilnehmer (“unerbittlicher Experimentator”) - Ergebnisse sind teilweise aufgabenspezifisch – keine Generalisierung zu ähnlichen Aufgaben - Verwendung indirekter Maße (Reaktionszeit, Akkuratheit) zur Erschließung zugrundeliegender Prozesse - teilweise unpräzise, verbale Theorien (aber siehe Komputationale Kognitionswissenschaft) - kein übergreifendes Modell der Kognition als Ganzes
- 2) Kognitive Neuropsychologie -Grundsätzlich - Untersuchung der kogn. Leistung von Patienten mit Hirnschädigungen - Direkte Aussagen zur Verbindung zwischen Gehirn und Kognition Ziel: etwas über Gesetzmäßigkeiten der Kognition zu lernen, nicht (nur) über den materiellen Aufbau des Gehirns
- 2) Kognitive Neuropsychologie - Grundannahmen - funktionale Modularität unabhängige Verarbeitungseinheiten (Module) zeigen domänen-spezifische Reaktionen (d.h. reagieren nur auf eine Klasse von Stimuli)- anatomische Modularität jedes Modul befindet sich in einer spezifischen Gehirnregion- Einheitlichkeit der funktionalen Architektur über Personen ermöglicht es, Befunde über Personen hinweg und auf menschliche Kognitionim Allgemeinen zu übertragen - Subtraktivität Schädigungen des Gehirns führen zu spezifischen Ausfällen von Modulen Menschen können Ausfälle nicht durch andere Module kompensieren
- 2) Kognitive Neuropsychologie Zentrale Frage theoriebasierte Abgrenzung kognitiver Funktionen haltbar abhängig / unabhängig?
- 2) Kognitive Neuropsychologie Methoden - einfache Dissoziation: Patienten mit Hirnschädigung in spez. Bereich Geschädigte Region für Aufgabe (z.B. KZG / LZG) relevant / notwendig? Problem - Aufgabe 1 ggf. lediglich schwerer - Doppel-Dissoziation Überzeugende Evidenz für Abgrenzung von Funktionen und relevanten Gehirnregionen Untersuchung von Assoziationen Symptome und Leistungseinschränkungen in Aufgaben X und Y treten bei Patientengruppen verstärkt gemeinsam auf Annahme einer gemeinsamen Ursache (Syndrom)
- 2) Kognitive Neuropsychologie Stärken - Doppel-Dissoziationen starke Evidenz für Modularität - Nachweis kausaler Verbindung zwischen Hirnschädigung und kognitiver Leistung besonders wichtig in Forschung zu Gedächtnis und Sprache - verbindet Experimentelle Kognitive Psychologie und Kognitive Neurowissenschaft
- 2) Kognitive Neuropsychologie Schwächen - Modularitätsannahmen zu stark - Patienten entwickeln Kompensationsstrategien - neuronale Plastizität (Veränderung von Hirnfunktionen nach Schädigung)- Hirnschädigungen betreffen oft mehrere Module- Verbindungen zwischen kognitiven Prozessen werden zu wenig beachtet - Interindividuelle Unterschiede von Einzelfall-Studien zu Fall-Serien Studien
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Grundsätzlich Intensive Untersuchung des Gehirns 100 Mrd. Neuronen – komplex vernetzt
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Theorien Theorie der komplexen Topologie / Vernetzung (Bullmore & Sporns, 2012)-Prinzip der Kosten-Kontrolle möglichst wenige Verbindungen, kurze Distanzen -Prinzip der EffizienzFähigkeit, Informationen über das Gehirn hinweg zu integrieren -Theorie komplexe Topologie / Vernetzung Nach Bullmore and Sporns (2012) Module (kleine Areale, intern eng vernetzt)Hubs (stark vernetzte Verteilzentren)
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Methoden Einzelzell-Ableitung Mikroelektrode im Gehirn zur Messung elektrischer Ladung von Zellen sehr gute zeitliche und räumliche Auflösung Messung der Aktivation einzelner Zellen (z.B. Hubel and Wiesel, 1962, primärer visueller Kortex bei Katzen und Affen) Nachteile invasiv – Operation erforderlich auch Zerstörung von Hirnzellen eher ungeeignet für höhere Kognition, die Neuronen in unterschiedlichen Regionen betrifft
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Methoden Ereigniskorrelierte Potenziale (ERPs) - Aufzeichnung elektrischer Gehirnaktivität durch Elektroden auf Kopfhaut- wiederholte Darbietung von Reizen/Ereignissen- Mittelung zu Wellenform- sehr gute zeitliche (wenige msec) aber geringe räumliche AuflösungNachteile- viele Wiederholungen notwendig - Subkortikale Aktivitäten nur schwer messbar
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Methoden Positronen-Emissions-Tomographie (PET) Aufzeichnung der Bewegung schwach radioaktiver Substanz im Gehirn gute räumliche (5-10 mm) aber niedrige zeitliche (30 – 60 sec) Auflösung weitere Nachteile invasiv
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Methoden Funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRI) Messung von Gehirnaktivierung über Sauerstoffgehalt des Blutes / Hämoglobinunterschiedliches (Dreh-)Verhalten in starkem Magnetfeld Messsignal: Blood oxygen level-dependent (BOLD) Kontrast Vergleich mit Kontrollbedingung - Signifikanztests sehr gute räumliche (1 mm) und mittlere zeitliche (2-3 sec) AuflösungNachteile laut und unbequem eingeschränkte Möglichkeiten zur Präsentation von Stimuli & für Antwortverhalten
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Methoden Magneto-Enzephalographie (MEG) Messung der magnetischen Aktivität des Gehirns, welche durch Stromfluss erzeugt wird supraleitende Quanteninterferenzeinheit (SQUID) exzellente zeitliche (msec) und gute räumliche Auflösung Nachteile sehr teuer neue Technologie
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Methoden (Repetitive) Transkranielle Magnet-Stimulation (TMS & rTMS) Hemmung spezifischer Bereiche des Gehirns durch starkes magnetisches Feld (< 1 msec) bzw. wiederholte (schwächere) Felder Temporäre Läsion (~1cm3) Kausalschlüsse bezüglich Beteiligung von Hirnareal an Leistung Nachteile Auswirkungen komplex und nicht vollkommen verstanden Lokalisierung nicht vollkommen klar Sicherheit der Teilnehmer
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Verschiedene methodische Ansätze Vorteile - zusätzliche abhängige Variablen für Theorie-Entwicklung und Testung - Kombination verschiedener Techniken erlaubt sehr gute räumliche und zeitliche Auflösung - Lösung theoretischer Kontroversen, die behavioral nicht lösbar waren z.B. visuelle Vorstellung - ähnliche Prozesse wie bei visueller Wahrnehmung Meta-Analyse (Kosslyn & Thompson, 2003): aktivierte Gehirnregionen zu 2/3 überlappend - funktionale Spezialisierungen und Integration von Signalen können nachvollzogen werden - stärkerer Fokus auf Integration in aktuelleren Arbeiten - TMS erlaubt Kausalschlüsse
- 3) Kognitive Neurowissenschaften Nachteile - Befunde werden oft überinterpretiert,„blobology“- Hirnaktivation allein keine direkte Evidenz für Lokation eines kognitiven Prozesses in dieser Region Problem: viele Prozesse können zu Aktivation in einer Region führen (z.B. Aktivation in ACC in 20% aller Studien!) - reverse inference Fehlschluss (Umkehrung der Kausalität; z.B. Kaufknopf) Prozess X Gehirnaktivation in Y ≠ Gehirnaktivation in Y Prozess X keine umkehrbar - eindeutige Abbildung Kognition auf Gehirnaktivation - schwierig Hirnaktivation und kognitive Theorien aufeinander zu beziehen - methodologische Probleme Studien oft zu geringe Teilnehmerzahlen (underpowered) - viele Messpunkte - hohe Kosten falsch-positive Befunde (alpha-Fehler) / „Voodoo Korrelationen“ Neuroimaging Illusion
- 4) Komputationale Kognitionswissenschaft Komputationale Modellierung (Computational modelling) Grundsätzlich Programmierung von Modellen, die Aspekte menschlicher Kognition nachbilden - Artifizielle Intelligenz Erstellung von Computersystemen, die intelligente Ergebnisse erzielen - - Kognitive Architekturen domänenübergreifende kognitive Modelle
- 4) Komputationale Kognitionswissenschaft Konnektionistische Netzwerke (Rumelhart & McClelland, 1986) Netzwerkmetapher – vereinfachte Nachbildung von neuronalen Verschaltungen- Knoten verbunden durch Links (Verbindungen) - Gegenseitige Erregung (excitation) und / oder Hemmung (inhibition) - Aktivation eines Knotens ist gewichtete Summe aller eingehenden Links (Input) - Weitergabe von Aktivation (Output) bei Überschreitung von Schwellenwert oder entsprechend spezifischer Funktion - Ebenen (Layer) geben allg. Struktur vor parallele und verteilte Informationsverarbeitung -Konzepte verteilt repräsentiert - Lernen durch backward propagation (Rückwärts-Übertragung) - Veränderung der Verbindungen zur Minimierung des Fehlers
- 4) Komputationale Kognitionswissenschaft Produktionssysteme - zahlreiche “wenn ... dann” Regeln - Arbeitsgedächtnis enthält Informationen Inhalt des Arbeitsgedächtnis wird verglichen mit “wenn” Komponente führt zu Ausführung der “dann” Komponente - Strategie zur Konfliktlösung wird aktiviert, wenn Information zwei Regeln gleichzeitig aktiviert - ACT-R (Adaptive Control of Thought-Rational; Anderson et al., 2004) zentrales Produktionssystem greift auf verschiedene Module und Speicherpuffer zu und koordiniert diese Gedächtnisabrufmodul Vorstellungsmodul Zielmodul Prozedurales Modul
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- 4) Komputationale Kognitionswissenschaft Vorteile - theoretische Annahmen präzise spezifiziert - Idee des verteilten Wissens empirisch gut gestützt - Bindeglied kognitive Neurowissenschaften und exp. kogn. Psychologie - Hervorhebung paralleler Verarbeitung und interaktiver Aktivation passt zu aktueller Befundlage
- 4) Komputationale Kognitionswissenschaft Nachteile - oft zu flexibel, da zu viele freie Parameter - emotionale und motivationale Faktoren werden (zu) wenig beachtet - einige Modelle neurologisch nicht plausibel - manche Modelle erlauben keine neuen Vorhersagen