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Notfall- und Intensivmedizin (Fach) / Vorlesung (Lektion)
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- Charakterisitika einer schweren Arzneimittelreaktion - Gesichtsödem - Starke Eosinophilie - Läsionen der Schleimhaut oder der Konjunktiva - Brennende Augen oder schmerzhafte Haut - Gräuliche Läsionen der Haut - Epidermale Ablösung und Erosionen
- Toxische Epidermale Nekrolyse (= Lyell-Syndrom) >30% der Hautfläche betroffenAusbruch innerhalb der ersten 4 Wochen nach Einnahme eines neuen Medikamentes Klinik:- Prodrome: Fieber, brennende Augen, Pharyngitis- Schmerzhaftes makulo-papulöses Exanthem, dumpf-graue Farbe, meistens beginnend im Gesicht und prästernal- Schnelle Entwicklung mit Zusammenfliessen der Läsionen, Hautablösung (Nikolsky +), Blasen- Erosionen der Schleimhaut und Konjunktiva - SCORTEN "severity of illness score"- Hautbiopsie Therapie:- Hoch-dosierte intravenöse Immunoglobuline- Evtl. Steroide, Anti-TNF Produkte
- Hypersensitivitäts-Syndrom (DRESS) Drug Rash with Eosinophilia & Systemic SymptomsSpezifische Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischer Beteiligung - Beginn 3-6 Wochen nach Einnahme eines neuen Medikaments Häufigste auslösende Medikamente:- Antiepileptika (Carbamazepine, Phenytoin, Phenobarbital)- Sulfamide- Allopurinol Klinik:- Diffus makulo-papulose ± pustulöses Exanthem- Gesichtsödem- Fieber- Lymphadenopathie- Häufig Eosinophilie (>1500/mm3)- Leukozytose >10 x 106/ml + atypische Lymphozytose- Systemische Beteiligung hauptsächlich Hepatitis (ASAT >100), Arthritis, pulmonale Infiltrate, interstitielle Nephritis - Mortalität 5-10%
- Anaphylaxie I: UrtikariaII: AngioödemIII: DypnoeIV: Kollaps Ätiologie:1. Allergische Anaphylaxie: IgE vermittelter Typ- Direkte Mastzellaktivierung und Mediatorfreisetzung- Die Reaktionen sind spezifisch & dosisunabhängig2. Nicht-allergische Anaphylaxie: Intoleranzreaktion durch Komplementaktivierung (C5a, Substanz P, stem cell factor, codeine) und nachfolgende Mastzellaktivierung und Mediatorfresetzung, oder durch unspezifische Histaminliberation- Die Reaktionen sind nicht-spezifisch und dosisabhängig3. Physikalische Reize ("Exercise-induced")4. Multifaktoriell/Idiopathisch
- Anaphylaktischer Zwischenfall - Trendelenburglagerung = Rückenlage, bei der der Kopf durch Schrägstellung der Unterlage die tiefste Position des Körpers einnimmt - RR und Pulskontrolle Therapie: Grad II-III (Angioödem, Dyspnoe)- i.v. Zugang- Clemastin- MethyprednisolonGrad III - Asthmatiformes Dyspnoe+ Salbutamol(+ Aminophyllin)+ Adrenalin i.m./sublingual/intratrachealGrad IV - Anaphylaktischr Schock- Adrenalin (Epipen) 0.3 mg i.m oder i.v.- Methylprednisolon- Clemastin
- Schmutztätowierung Verletzung mit "Schmutzeinsprengung", Schmauchspuren, Strassenbeläge, etc. Primär oft unscheinbare Verletzungen, sekundär epithelialer Einbau der Schmutzspuren entfernbar nur durch Epithelschädigung --> Narbenbildung - Solche Verletzungen stets frisch (innert 48 h) peinlich genau reinigen (sterile Zahnbürste, Narkose)
- Eczema herpeticatum Atopisches Ekzem mit HSV-SuperinfektionPotentiell lebensbedrohliche Erkrankung! Klinik:- Allgemeinsymptome mit Fieber- Flächenhafte Infektion der Haut mit ausgedehnter und schmerzhafter Bläschenbildung- Multiple runde, wie ausgestanzt wirkende, konfluierende Vesiculae - Oft Gesicht und Hals betroffen Diagnose: Virusabstrich Therapie: Rasch Aciclovir i.v. wegen Gefahr der Narbenbildung
- Prozedere bei psychiatrischen Notfällen 1. Setting klären 2. Untersuchungsgespräch: Liegt ein psychiatrischer Notfall vor? Aktuelles Problem, Krisenauslöser. Kurze Anamnese. Psychostatus. 3. Fremdanamese, Beurteilung des sozialen Umfelds4. Abwägung realistischer Lösungsmöglichkeiten5. Absprache mit den involvierten Personen
- Fürsorgerische Unterbringung Für die Anordnung der Unterbringung & Entlasstung ist die Erwachsenenschutzbehörde zuständig. Die Kantone können ÄrztInnen bezeichnen, die neben der Erwachsenenschutzbehörde eine Unterbringung von höchstens 6 Wochen anordnen dürfen. Die Ärztin oder der Arzt untersucht persönlich die betroffene Person an. Der Unterbringungsentscheid enhält mindestens folgende Angaben:- Ort und Datum- Name der Ärzten oder des Arztes- Befund, Gründe und Zweck der Unterbringung- Die Rechtsmittelbelehrung
- Latente Selbst- und Fremdgefährdung - Verwahrlosung des Patienten- Übervorteilung des Patienten durch Angehörige- Gefährdung des Umfeldes durch Fahrlässigkeit- Gefährdung von Kindswohl durch den Patienten Patient ist urteilsfähig und einverstanden mit "Sozialmassnahmen" --> Meldung an KESB Patient ist urteilsfähig und NICHT einverstanden mit "Sozialmassnahmen" --> Gesuch an Gesundheitsdirektion (GD) um Aufhebung des Arztgeheimnisses Patient ist NICHT urteilsfähig --> Gesuch an Gesundheitsdirektion (GD) um Aufhebung des Arztgeheimnesses GD willigt ein --> Meldung an KESBGD willigt nicht ein --> Meldung an KESB darf NICHT erfolgen
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- Akute Selbst- und Fremdgefährdung Aktuell aggressiver Patient --> Sicherheitsdienst/Polizei --> Einschätung/Behandlung in gesichertem Setting Akute Selbstgefährdung (Selbstverletzung oder Suizidalität)- Patient ist einverstanden --> Fürsorge gewährende Massnahmen werden umgesetzt- Patient ist NICHT einverstanden--> Patient ist urteilsfähig oder geringe Gefahr (zB Schneiden bei Borderline) --> Patient wird gegen Revers entlassen--> Patient ist NICHT urteilsfähig und/oder hohe Gefahr (zB Suizidalität bei schwerer Depression) --> FU in psychiatrische Klinik Akute Fremdgefährdung (Verletzung oder Tötung Dritter)- Patient ist einverstanden --> Fürsorge gewährende Massnahmen werden umgesetzt- Patient ist NICHT einverstanden--> Patient ist urteilsfähig oder geringe Gefahr (zB dissoziale Persönlichkeitszüge) --> Entlassung oder Meldung an Polizei--> Patient ist NICHT urteilsfähig und/oder hohe Gefahr (zB Wahn im Rahmen schizophrener Psychose) --> FU in psychiatrische Klinik
- Pharmakotherapie bei Erregungszuständen Benzodiazepine: Lorazepam (p.o.), Diazepam (p.o./i.m./i.v.)- Indikation: Panikattacken, drogeninduzierte Erregungszustände, Katatonie Neuroleptika: Haloperidol- Indikation: psychotische Erregungszustände unterschiedlicher, v.a. organischer Ätiologie (Delir)- Cave: kardiovaskuläre Erkrankungen- Kontraindikationen: Intoxikationen, Morbus Parkinson Atypische Neuroleptika: Olanzapin- Indikation: psychotische Erregungszustände (Schizophrenie)- Cave: Prostatahyperplasie, Epilepsie- Kontraindikatonen: Intoxikationen, Engwinkelglaukom
- Verätzung des Auges Verätzung des Auges mit Säuren oder Laugen Klinik:- Starke Schmerzen- Visusminderung- Blepharospasmus Therapie:- Lokalanästhetikum tropfen- Mechanische Reinigung- Sofortige ausgiebige Spülung --> Klinikeinweisung
- Akuter Glaukomanfall Akute massive Erhöhung des Augeninnendrucks durch eine Verlegung des Kammerwinkels (meist Winkelblockglaukom) Ätiologie:- 1° mechanische Verlegung des Kammerwinkels durch Irisbasis- 2° mechanische Verlegung des Kammerwinkels durch okuläre Vorerkrankungen (z.B. durch Rubeosis iridis oder Seclusio pupillae mit Iris bombée) Klinik:- Starke Augen- und Kopfschmerzen - Ausstrahlung in Trigeminusinnervationsgebiete mit Schmerzen und Sensibilitätsstörungen- Vegetative Symptome durch Vagusreiz (Erbrechen, Übelkeit)- Visuseinschränkung- Halos kommen als Prodromi vor - Tastbar harter Bulbus- Mittelweite, entrundete Pupille Therapie:- Sofort 500 mg Azetazolamid- Dann Klinikeinweisung(Operative Herstellung eines Shunts zwischen Hinterkammer und Vorderkammer zB periphere Iridektomie, Neodymium-YAG-Laseriridotomie)
- Bakterielle Keratitis Häufigste Form der Keratitis (ca. 90%)- Meist: Staphylokokken, Streptokokken, Moraxella, Pseudomonas aeruginosa, Proteus mirabilis Klinik:- Progrediente Schmerzen- Fremdkörpergefühl- Eitriges Sekret - Photophobie- Gemischte Injektion Therapie: 1/4-stündlich antibiotische Augentropfen
- Erst handeln, dann notfallsmässig zum Augenarzt - Verätzung - Innere Okulomotoriusparese - Glaukomanfall - Bakterielle Keratitis
- Sofort notfallmässig zum Augenarzt - Jede akute schmerlose Sehverschlechterung - Endophthalmitis - Uveitis - Perforierende Verletzung - Hornhautfremdkörper - Hornhautbeteiligung bei "Konjunktivitis" - Schwere Contusio bulbi
- Endophthalmitis Mikrobielle Infektion des Glaskörpers, ggf. unter Mitbeteiligung umgebender Strukturen. Ätiologie:- Perforierende Verletzungen des Bulbus (am häufigsten)- Bulbuseröffnende Operationen (selten, bei ca. 0,05% der Operationen)- Endogen (metastatisch im Rahmen einer Sepsis) Klinik:- Sehr starke, dumpfe Schmerzen- Erhebliche Visusminderung- Gerötetes Auge- Kein Fundusrot- Hypopyon
- Bald zum Augenarzt, nicht zwingend notfallmässig - V.a. congenitales Glaukom - Hordeolum - Angeborenes Hämangiom - Keratitis photoelektrica - Hornhauterosio
- Ohne Überweisung zum Augenarzt behandelbar - Konjunktivitis - Episkleritis - Hyposphagma - Subtarsaler Fremdkörper
- Malignom-assoziierte Hyperkalzämie Ätiologie:- Humorale MAH: Produktion von PTHrP (80% der Fälle)- Lokale Osteolysen durch Knochenmetastasen- Lymphom-assoziierte Calcitriol-Produktion durch aktivierte mononukleäre Zellen- Ektopische PTH-Sekretion Klinik:- Lethargie, Verwirrtheit, Koma, Reflexabschwächung- Konstipation, Übelkeit, Erbrechen- Hypovolämie, Polyurie- Myalgien, Knochenschmerzen Diagnostik:Labor- Erhöhtes ionisiertes Calcium- Phosphat, Magnesium, Kalium: sind oft tief --> monitorisieren!- Intaktes PTH: Ausschluss 1° Hyperparathyreoidismus- PTHrP: beweist humorale MAHEKG- verlängertes PR-Intervall, verbreiteter QRS-Komplex, verkürztes QT-Intervall, J-Wellen, Bradydysrhythmien Therapie >3,5 mmol/L oder bei Symptomen:- adäquate Hydrierung- Biphosphonat für Langzeitkontrolle (Zoledronat), Densosumab