Lebensmitteltoxikologie (Fach) / Kontaminanten natürlichen Ursprungs (Lektion)
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Diese Lektion wurde von Valentina465 erstellt.
- Mykotoxine = sekundäre Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzenbisher über 300 Mykotoxine bekannt, von mehr als 250 Schimmelpilzarten gebildetKönnen bei Menschen und Tieren eine toxische Wirkung zeigenNicht zu den Mykotoxinen gezählt werden die Giftstoffe, die in bestimmten höheren Pilzen (z.B. Knollenblätterpilz) enthalten sind! Im Gegensatz zu den Produkten des Primärstoffwechsels sind diese sekundären Stoffwechselprodukte nicht bei allen Organismen zu finden, sondern sind charakteristisch für ihre Produzenten
- Warum sind Mykotoxine von Interesse? •Die FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations) schätzt, dass bis zu 25 % der Weltproduktion von Nahrungsmitteln mit Mykotoxinen kontaminiert sind→ zählen zu den wichtigsten Lebensmittelkontaminanten!•Etwa 20 % der Getreideernte der EU enthalten messbare Mengen von Mykotoxinen.Mykotoxine sind weitgehend hitzestabil und werden bei der Nahrungsmittel-verarbeitung in der Regel nicht zerstört.•Die Wirkung der Mykotoxine kann, abhängig von der Toxinart, akut oder chronisch toxisch sein
- Klassen der Mykotoxine Mehr als 300 verschiedene Mykotoxine, die sich zu unterschiedliche Strukturtypen zuordnen lassen sind bisher bekanntUneinheitliche SubstanzklasseZu den wichtigsten Vertretern zählen:MutterkornalkaloideAflatoxineOchratoxineAlternariatoxinePatulinTrichothecene (Zearalenon)Fusarientoxine
- Mutterkornalkaloide Im Mittelalter:•Epidemieartig auftretende Vergiftungen → heiliges Feuer / St. Antonius-Feuer•Roggen war im Mittelalter das vorherrschende Getreide, das bei Missernten zu25-50% aus Mutterkorn bestehen konnte•Im 18. Jahrhundert wurde Vergiftung durch Roggenparasiten Clavicepspurpurea (Mutterkorn) erkannt•Zusammenhang zwischen bestimmten Erkrankungen des Menschen und dem Genuss von Brot, das aus kontaminiertem Getreide hergestellt worden war•Anstelle eines Getreidekornes bildet sich Sklerotium in der Ähre•Früher von Bedeutung, heute in Europa durchgereinigtes Getreide keine Rolle mehr!•1978 in Äthiopien Vergiftung mit Ergotalkaloiden,bei dem 47 Personen starben•Gereinigte und halbsynthetisch hergestellte Alkaloidefinden in Humanmedizin Anwendung
- Ergotismus •Wegen der in den Sklerotien des Pilzes gebildeten toxischen Alkaloide (Lysergsäurederivate) → Ergotismus bezeichnet•Akute Mutterkornvergiftung: Übelkeit, Kopfschmerzen, Halluzinationen, Muskelschmerzen, starkem Kribbeln und sehr starken Muskelkrämpfen und führt durch anhaltende Verengung der Blutgefäße bis zum Absterben der Hände und Füße•Chemische Grundstruktur der Mutterkornalkaloide ist das tetrazyklische Ergolin
- Wirkmechanismus der Mutterkornalkaloide Mutterkornalkaloide haben strukturelle Ähnlichkeit mit Transmittern Noradrenalin, Dopamin und Serotoninkönnen als partielle Agonisten oder Antagonisten an adrenergen, dopaminergen, serotinergen Rezeptoren wirken!
- Mutterkornalkaloide & halbsynthetische Derivate Mutterkornalkaloide sind Derivate des tetracyclischen 6-Methylergotins lassen sich in 2 Hauptgruppen einteilen:•Aminalkaloide (Derivate der Lysergsäure auch Ergotalkaloide genannt)•Aminosäurealkaloide (Lysergsäure mit Tripeptid verknüpft auch Ergopeptine)
- Mutterkornalkaloide & halbsynthetische Derivate Bsp. Dihydroergotamin (Dihydergot) Ergotamin (Ergosanol) Ergometrin Methysergid (Deseril) Lysergsäure- diethylamid (LSD)
- Wirkmechanismus der Mutterkornalkaloide •α-Rezeptorblockade; am stärksten wirken: Dihydroderivate z.B. Dihydroergotoxin (Hydergin); Dihydroergotamin•α-sympathomimetische Wirkungen, überwiegend agonistisch; Ergotamin stärkster Vasokonstriktor (Gefäßverengung)•Uteruskontrahierend, möglicherweise auch α-Adrenozeptoren vermittelt; Ergometrin; Methylergometrin (Methergin)→ Löst Wehen aus wurde zum Schwangerschaftsabbruch/Einleitung der Wehen verwendet•Dopaminerge Wirkung durch Stimulierung von Dopamin-Rezeptoren im ZNS•Erregung der Dopaminrezeptoren in der chemorezeptiven Triggerzone der Medulla oblongata → Übelkeit, Erbrechen•Erregung der Dopaminrezeptoren im Neostriatum (Hirnregion) Grundlage für Bromocriptin-Anwendung bei M. Parkinson•Erregung von Dopaminrezeptoren
