285
VT1 (Fach) / VT1 (Lektion)
Anzeige
- Grundannahme der Verhaltenstherapie Verhaltensanalyse ist die Basis für die Erhebung des Störungsbildes (nicht der psychopathologische Befund) aktuelles Problemverhalten steht im Mittelpunkt
- Was versteht man unter einer Verhaltensanalyse? - - - - wichtiges diagnostisches Verfahren in der Therapieplanung und Beziehungsgestaltung Sie hilt, Verhalten zu strukturieren und zu beschreiben, sowie die Entstehung und Aufrechterhaltung von Problemen zu erfassen, und Veränderungsstrategien abzuleiten (Analyse des bisherigen Umgangs mit dem Problemverhalten, genaue Beschreibung des IST-Zustands)
- S Stimuluskomponente des SORK-Modells Bsp: depressive Patientin S // EXTERN: Depressive Patientin ist alleine zuhause S // INTERN: Niedergeschlagenheit, Gefühle von Einsamkeit S (Intern) und S (extern) können aber müssen nicht einzeln aufgelistet werden
- Organismus-Variable des SORK-Modells Besteht aus welchen 2 Komponenten? Biologisch-physiologische Faktoren (z.B. Krebserkrankung, Blindheit) Psychosoziale Faktoren (z.B. situationsstabile Persönlichkeitsfaktoren, Intelligenz, traumatische Kindheitserfahrungen) Überdauende, für die Analyse relevante Variablen
- Verhaltensvariable "R" Reaktion im SORK-Modell Das unerwünschte Problemverhalten wird auf welchen 4 Verhaltensebenen beschrieben? Bsp: Spinnen-Phobie Kognitiv ("Sie frisst mich" /"Ich falle in Ohnmacht") Emotional (Angst, Furcht) Physiologisch (Schwitzen, Herzrasen) Motorisch ( geht nicht mehr aus dem Haus)
- Konsequenz-Variable K, im SORK-Modell Welche zwei Ebenen? Zeitpunkt des Eintretens: kurzfristig vs. langfristig Qualität der Konzeqenuz: positive Konsequenz= K+ (Aufmerksamkeit erfahren) Wegfall einer negativen Konsequenz= K/- (Anspannung lässt nach) negative Konsequenz= K- (Strafarbeit, Erkrankung verschlechtert sich) Kontingenzvariable: Mit welcher Regelmäßigkeit folgt eine Konsequenz auf ein bestimmtes Problemverhalten? Gibt Information über Stabilitätverhalten hohe Kontignez= ein Problemverhalten hat fast immer eine Konsequenz zur Folge
- Wozu dient die Verhaltensanalyse? Reaktionsvariable R im SORK-Modell -5- Erschließt Therapeuten spezifisches Problemverhalten Dient der Vereinfachung sowie der Therapieplanung P. enthält strukturierte Einsicht in komplexe Prozesse des Problemverhaltens P. wird Störungsbild psychoedukativ zugänglich gemacht
- Erweiterung des SORK-Modells um: - - - Plananalyse und Grundüberzeugungen Schemata Interpersonelle und systemische Aspekte
- Was versteht man unter Plananalyse nach Casper (2007) Plananalyse= vertikale Verhaltensanalyse ergänzt die Verhaltensanalyse durch Einbeziehung der übergeordneten Ziele, Schemata und Pläne des Patienten, die für das Problemverhalten von Relevanz sind. Es werden konstante Verhaltensmuster analysiert, die in vielen verschiedenen Situationen auftreten
- Was ist das Ziel der Plananalyse? Inkongruenz zwischen den Zielen und dem konkreten Verhalten aufzudecken (=wichtige ursächliche Bedeutung für psychische Störungen)
- Anzeige
- Wie erstelle ich eine Plananalyse? Welches Verhalten beobachte ich? (Verhalten in Situation) Warum tut der Patient das? Wozu dient sein Verhalten? (Übergeordnete Bedürfnisse) Verhalten in Situation: P. wirkt angepasst und lieb --> Enttäusche niemanden--> Übergeordnete Bedürfnisse: sei unabhängig--> Gehe eigene Wege Übergeordnetes Schemata: Autonomie
- Beispiele für kognitive Fehler 3,3,2,3 Alles-oder Nichts-Denken Abwerten des Positiven Abstempeln (andere und sich selbst) Schwarz-Weiss-Denken sich selbst die Schuld zuweisen "sollte" und "sollte-nicht"- Aussagen Übertriebenes Verallgemeinern Übertreiben (Katatstrophieren) Willkürliche Schlussfolgerungen mentales negatives Filtern emotionales Argumentrieren (neg. Emotionen = Wahrheit)
- Eigenschaften automatischer Gedanken spontan auftretend schnell ablaufend, kurz, flüchtig, basieren nicht auf Nachdenken oder gründlicher Überlegungen meist unbewusst, aber dem Bewusstsein zugänglich (Halbbewusst) beeinflussen die Stimmung beruhen häufig auf Schlußfolgerungen, die mit Denkfehlern behaftet sind
- 3 Phasen der Therapieverfahren Psychoedukation: Vermittlung der Idee der kognitiven Therapie Exploration: Bewusstmachung der dysfunktionalen Gedanken, Schemata, automatische Gedanken, Einstellungen Interventionen: Veränderung der kognitiven Prozesse, z.B. kognitive Umstrukturierung, sokratischer Dialog
- Psychoedukation & das kognitive Modell Psychoedukation: Wie werden die Wirkmechanismen der kognitiven Grundannahmen erklärt? kognitives Modell: Situation--> Gedanken--> Gefühle
- Psychisches Leid und Störungen werden nicht durch äußere Bedingungen verursacht, sondern... durch die subjektive Interpretation und Bewertung --> Gedanken bestimmen Gefühle!
- Bewusstwerdung Beschreiben einer Situation in der die Gedanken aufgetreten sind Gefühle (z.B. Furcht, Traurigkeit) Stehen die Gedanken im Zusammenhang mit einem Ereignis? Stressreiche Situation? Welche Konsequenz hatte das auf das Verhalten?
- Was hat Albert Ellis postuliert? Rational-emotive Therapie = Dysfunktionale Kognitionen sind verantwortlich für Entwicklung von Verhaltensstörungen Abkehr von Psychoanalyse
- Grundannahmen Rational-emotive Therapie Hauptgrund menschlicher Störung ist rigider Absolutismus Kein Einteilen von Menschen in Kategorien oder Bewertungen Jeder hat die Kraft der Entscheidung, sein Leben zu ändern Irrational ist alles, was uns vom Erreichen von Lebenszielen abhält
- Rational-emotive Therapie (Ellis) ABC-Modell A= Ereignis B= Überzeugung/Gedanke (rational/dysfunktional) C= Reaktion (angemessen/ unangemessen)
- Rational-emotive Therapie (Ellis) ABCZDE- Modell A= Ereignis B= Überzeugung/ Gedanke (rational/dysfunktional) C= Reaktion (angemessen/unangemessen) Z= VeränderungsZiele D= Disput (Infragestellen der irrationalen Überzeugungen) E= Effect (Annahme von Werten, die zu realistischeren Überzeugungen führen)
- kognitive Umstrukturierung Identifizierung dysfunktionaler Gedanken/Konzepte Exploration konkreter Situationen und damit verbundener Gefühle Unterscheidung zwischen Gefühl und Bewertung Einsatz von Gedankentagebüchern und Gedankenprotokollen (5 Spalten-Technik) Einsatz ABC-Modell (A=auslösende Situation, B= Gedanken über A, C= Consequences (Gedanken/Gefühle))
- 5 Spalten Protokoll Situation Gefühle einschätzen (0-10) Automatische Gedanken Belege für diese Gedanken Belege gegen diese Gedanken
- Überprüfung dysfunktionaler Gedanken Woher wissen Sie das? Ist das eine Idee oder eine Tatsache Sind sie davon 100% überzeugt? Haben sie nachgefragt? Gibt es auch eine alternative Erklärung? Sokratischer Dialog: Gibt es innere Kritiker, Antreiber, Bestrafer? Perfektionismus, überhöhte Ansprüche Vor-und Nachteile erarbeiten Gegenstimme aufbauen (die fürsorgliche, verständnisvolle Stimme) Rollenspiele mit Stühlen
- Sokratischer Dialog, was ist das? Infragestellen und Hinterfragen für eine Überzeugung "naives" Fragen des Therapeuten Hinterfragen der Evidenzen für eine Überzeugung Zustand der "inneren Verwirrung" soll hervorgerufen werden Widersprüche aufdecken
- Sokratischer Dialog Was ist Empirisches Diskutieren vs. Logisches Disputieren? Empirisches Diskutieren: Aussagen des Patienten werden auf empirischen Wahrheitsgehalt und Realitätsbezug untersucht bsp: "Wie oft sind sie schon auf dem Podium ohnmächtig geworden?" Logisches Disputieren: Aussagen des Patienten werden auf Logik/Widersprüche überprüft bsp: "Wieso heißt es, dass Sie niemand mag, wenn Sie in der Bäckerei übergangen werden? Können Sie mir das erklären?"
- Sokratischer Dialog-Vorgehensweise Auswahl des Themas/ dysfunktionalen Gedanken (Bsp: "Ich bin verantwortlich für den Tod meines Kollegen") Erster Definitionsversuch: "Was ist das-Frage" (Bsp: "Was ist das, schuld an dem Tod einem Menschen zu sein? Wie kann das passieren, dass man verantwortlich ist für den Tod eines Menschen?" Konkretisieren der Fragestellung und Alltagsbezug (Bsp: Sie meinen, Sie sind eine Mitschuld am Tod ihres Kollegen, weil ein Gewalttäter Ihren Kollegen erschossen hat?" Weitere Konkretisierung oder Umformulierung des Themas (Bsp: Sie sagen also, Kollegen, die den Tod eines Kollegen bei einer Gewalttat nicht verhindern können sind schlechte Menschen? Widerlegen des Denkmusters (Bsp: Sie meinen, der Täter hätte nicht geschossen, wenn Sie sich anders verhalten hätten?) Gemeinsame Suche nach hilfreichen Denkmustern (Bsp: Patient findet heraus, dass er in der Situation keine andere Wahl hatte zu handeln)
- Sokratischer Dialog Therapeutischen Fragen: - - - - - Was spricht dafür, was dagegen? Was wäre daran das Schlimmste? Welche Bedeutung hat dies für Sie? Wenn dies so wäre, welche Konsequenz hätte dies? Könnte es auch anders sein?
- Kein Sokratischer Dialog ohne unlogische, irrationale oder dysfunktionale Grundüberzeugungen, Moralvorstellungen etc. Voraussetzungen für sokratischen Dialog? -3- Der Patient muss intellektuell und psychisch zu einem Disput fähig sein Therapeut sollte mit der Dialogform vertraut sein Keine abstrakte Themen ohne Alltags- oder Realitätsbezug
- Definition soziale Kompetenz Verfügbarkeit von kognitiven, emtionalen und motorisches Verhaltensweisen, die in bestimmten sozialen Situationen zu einem günstigen Verhältnis von negativen und positiven Konsequenzen führt. (Pfingsten & Hirsch)
- Anzeige
- Beispiele negative Kosequenzerwartung (-5-) Ich werde etwas falsches tun oder sagen Ich werde einen schlechten Eindruck machen Sie werden mich unsympathisch oder unattraktiv finden Die anderen werden merken, wie unsicher, schwach oder ängstlich ich in Wirklichkeit bin Sie bekommen ein ganz falsches Bild von mir
- Änderung der Aufmerksamkeitsrichtung Ungünstige Fragen (4) vs. Günstige Fragen (4) Ungünstige Fragen (hohe Selbstaufmerksamkeit) Werde ich versagen? Wie sehe ich aus? Was denkt er über mich? Welchen Eindruck mache ich? Günstige Fragen (niedrige Selbstaufmerksamkeit) Was will ich erreichen? Was ist mein Ziel? Welches Recht habe ich? Was hab ich mir vorgenommen?
- Selbstdarstellungsaspekt Negative Konsequenzerwartung besteht vor allem darin, dass die sozial unsicheren Personen einen bestimmten Eindruck erwecken möchten und davon ausgehen, das nicht zu schaffen (Leary & Kowalski, 1995) "X soll nicht denken, dass ich dumm bin" "Y soll mich attraktiv finden" Gefürchtete Konsequenzen können sich von Situation zu Person jeweils unterscheiden
- Was ist sozial kompetentes Verhalten? Beispiele (10) Komplimente äußern Komplimente akzeptieren Gespräche beginnen Gespräche aufrechterhalten Gespräche beenden Gefühle offen zeigen Nein sagen sich entschuldigen Schwächen eingestehen Auf Kritik reagieren
- Kiesler-Kreis (Komponenten) -im Uhrzeigersinn (8 Punkte) Dominant freundlich-dominant Freundlich freundlich-unterwürfig Unterwürfig feindselig-unterwürfig Feindselig feindselig-dominant
- 3 Typen sozialer Situationen Recht durchsetzen (Typ R) Beziehungen (Typ B) Um Sympathie werben (Typ S)
- Typ R= Recht durchsetzen laut und deutlich sprechen Blickkontakt zu Partner Ichform Sagen Sie zuerst, was sie wollen, dann warum keine Entschuldigungen Ruhig und bestimmt im Auftreten keine polemische und globale Wertungen Verständnis für die Position des anderen
- Recht durchsetzen, Typ R -Ziel? Ziel: soziale Kompetenz misst sich an der erfolgreichen Durchsetzung des zustehendes Rechts Sympathie etc. spielt untergeordenete Rolle
- Beziehungen, Typ B - - Ziel: - - - Mittelpunkt: Rechtslage ist nicht relevant Beziehungen (Partner, Familie, Freunde) Ziel: Beziehungen aufrechterhalten oder zu verbessern Finden eines Kompromisses nicht Durchsetzen, sondern Einigen nicht "das gehört sich nicht", "das macht man nicht" Aussprechen eigener Gefühle und Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt
- Um Sympathie werben, Typ S 2 Situationen Andere Person verzichtet auf sein Recht (z.B. Gespräch mit Polizei bei Flachparken) Mit anderen (kurzfristig) eine gute Beziehung herstellen -"Sympathisch erscheinen!" Interessiert zuhören, nachfragen, Komplimente machen, freundlich anlächeln eigene Fehler u. Schwächen oder auch die eig. Unsicherheit ansprechen Blickkontakt aufnehmen, lächeln Konzentration auf die konkrete Situation. Diese liefert oft Themen für den Gesprächsbeginn bzw. eine Fortführung des Dialogs Nachfragen und Verstärken der Äußerungen des Gesprächspartners Etwas von sich erzählen
- Soziales Kompetenztraining -Wirksamkeit? Störungsspezifisches SKT: keine einheitliche Wirkung nachgewiesen Einzelne positive Effekte (z.B. erhöhung des Selbstwert) Geringe bis keine Effekte bzgl. Symptomatik SKT-Module meist eigebettet in KVT- nur wenige Studien individuell Besten Effekte zeigten Programme, die Problemlöseverhalten trainierten SKT bei Sozialphobie und sozialen Ängsten am wirksamsten
- Soziales Kompetenztraining (social skills training) -Wirksamkeit Schizophrenie Keine Evidenz: zur Verhinderung von Rückfällen "global Adjustment" soziale Fertigkeiten Lebensqualität
- Soziales Kompetenztraining (social skills training) -Wirksamkeit bei Betroffenen von Mobbing Verbesserung vom Selbstwertgefühl keine Verbesserung in der sozialen Kompetenz im Bezug auf das Problem keine Verbesserung des Opferstatus
- Soziales Kompetenztraining (social skill training) -Metaanalyse bei Studenten mit "emotional oder behavioral disorders", Effektstärke? -Wirksamkeit bei Sozialphobie (Acaturk et al.,2008) Effect size: .19 d= .57- .83 (social skill training)
- Angst ohne körperliche Symptome? intellektuelle Besorgnis (normale Angst), nicht gleichzustellen mit Angststörung
- normale Angst Angst= primäre Emotion normaler Zustand Ist auf Zukunft gerichtet Reaktion auf bedrohliche, ungewisse oder unkontrollierbare beurteilte Ereignisse, Situationen und Vorstellungen
- Chronischer Stress/ Dauerstress heute werden körperliche Notfallsituationen durch Ängste und Stressreaktionen ausgelöst, die keine körperliche Betätigung benötigen Verharren in Anspannung ohne Abreaktion Dauerstress= Fehlalamierung der biologisch sinnvollen Kampf-Flucht-Reaktion Aufgestauter Stress führt zu Panikattacke !
- Panikattacke Erste Panikattacken scheinen plötzlich aufzutreten Oft lang angestaute Probleme und Stressoren 80% von Angstpatienten berichten von Stressoren oder kritischen Lebensereignissen im Vorfeld der ersten Panikattacke Angst nimmt extremes Ausmaß an Zusammenbruch des geordneten Handeln und Denkens Katastrophensituationen (z.B. Überfall, Erdbeben, Brand) führt zu akuter Angstsituation und Fluchtverhaltenohne soziale Rücksichtnahme Blinde organisierte Flucht solange Möglichkeit besteht Größtes Ausmaß an Panik besteht, wenn mittlere Wahrscheinlichkeit der Situation zu entkommen! - Symptome werden katastrophenartig fehlinterpretiert "Ich bekomme keine Luft, ich falle um!" - erste Panikattacke ein existentielles traumatisierendes Erlebnis - führt zu erhöhtem Sicherheitsbedürfnis
- Welches Zeitfenster wird genutzt um Strategien zur Angstbewältigung einzusetzen? die ersten 30 Sekunden - mehrere Minuten Angst braucht mind. 30 Sekunden bis mehrere Minuten bis max. Angst erreicht ist
- Typischer Zeitverlaut einer Angstreaktion Erwartung, Hereingehen in die Situation, Flucht klingt langsam ab (erhöhte Reaktionsbereitschaft) können nicht einfach abgeschaltet werden (Halbwertszeit von Stresshormonen)