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Literarturwissenschaft (Fach) / Rhetorik - Begriffe (Lektion)

Begriffe

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  • actio → pronuntiatio/Actio.
  • aemulatio Überbietende Nachahmung eines Vorbildes oder Musters. → imitatio auctorum
  • Allegorese Auch hermeneutische Allegorie: Ein in der Antike entwickeltes Verfahren zur Textauslegung, das darauf abzielt, einen über den Wortsinn hinausweisenden, tieferen, im Wort zeichenhaft verborgenen Sinn zu entschlüsseln
  • Allegorie Tropus, bei dem ein abstrakter Begriff aufgrund einer konventionalisierten Zuordnung durch ein Konkretum substituiert, in sprachliche oder visuelle Bildzeichen oder Bildfolgen verschlüsselt wird, z. B. Justitia als Frauengestalt mit Waage, Augenbinde und Schwert
  • Anakoluth Rhetorische Figur der grammatisch nicht folgerichtigen Satzfortführung (‚Satzbruch‘). (Beispiel: „Es geschieht oft, daß, je freundlicher man ist, nur Undank wird einem zuteil“.)
  • Anapher Rhetorische Figur der Übereinstimmung eines oder mehrer Wörter an den Anfängen mindestens zweier Teilsätze, Sätze oder Absätze (Beispiel: „Wer nie sein Brot mit Tränen aß, | Wer nie die kummervollen Nächte | Auf seinem Bette weinend saß...“), im Gegensatz zur → Epipher.
  • Antithese Rhetorische Figur der Gegenüberstellung gegensätzlicher Begriffe und Gedanken in einem Satz oder einer Satzfolge ohne logischen Widerspruch. (Beispiel: „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein“.)
  • Antonomasie – Tropus, 1. der Umschreibung eines Eigennamens durch besondere, meist stereotyp zugeordnete Kennzeichen (Beispiel: „der Korse“ für Napoleon, „der Leimener“ für Boris Becker), 2. der Ersetzung einer Gattungsbezeichnung durch einen typisierenden Eigennamen (Beispiel: „Judas“ für Verräter)
  • Aposiopese Rhetorische Figur des bewußten Abbrechens der Rede vor der entscheidenden Aussage, die der Hörer oder Leser aber ergänzen kann. (Beispiel: „Was! Ich? Ich hätt ihn –? Unter meinen Hunden –?“)
  • Apostrophe Rhetorische Figur der Hinwendung des Rhetors zum Publikum oder zu anderen, meist abwesenden (auch toten) Personen. (Beispiel: „Oh, ihr Musen“)
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  • aptum/decorum Rhetorisches Stil-Ideal der Angemessenheit einer Rede für die Situation, neben → brevitas,  → ornatus,  → perspicuitas → und → puritas
  • argumentatio Beweisführung, dritter Teil der → dispositio, nach → exordium, → narratio und vor der → peroratio. In der argumentatio werden die eigenen und gegnerischen Sichtweisen und Argumente dargelegt, → probatio, → refutatio.
  • Asyndeton Rhetorische Figur der Reihung gleichgeordneter Wörter, Satzteile oder Sätze ohne verbindende Konjunktion (Beispiel: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang“)
  • brevitas Rhetorisches Stil-Ideal der Kürze des Ausdrucks, neben → aptum/decorum, → ornatus, → perspicuitas und → puritas
  • captatio benevolentiae Teil des → exordiums; rhetorischs Mittel, mit deren Hilfe der Redner das Wohlwollen des Publikums erlangen will.
  • Chiasmus Rhetorische Figur der überkreuzten syntaktischen Stellung von Wörtern, Satzteilen oder Sätzen, häufig für → Antithesen gebraucht (Beispiel: „Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit“). Gegenbegriff dazu ist der → Parallelismus.
  • Chiffre Tropus, bei dem, insbesondere im Bereich der modernen Lyrik, ein Ausdruck und ein konterdeterminierender Kontext autorspezifisch so miteinander verbunden sind, daß ohne Hintergrundinformationen zwischen dem uneigentlichen Ausdruck und einem eigentlich gemeinten Bereich allein in einem Einzeltext keine hinreichend klaren Äquivalenzbeziehungen hergestellt werden können (Beispiel: „Diese Musik, ein Sternträger schwieliger Schwärze,wird uns noch lange verfolgen“). Gelegentlich auch als absolute Metapher bezeichnet
  • conclusio Schluß, 4. Teil der dispositio, nach exordium, narratio und argumentatio
  • contradictio in adjecto Rhetorische Figur, Spezialfall des → Oxymorons. Bei der contradictio in adjekto steht ein Adjektiv im logischen Widerspruch zu einem Substantiv (Beispiel: „wonniger Schmerz“, „vorläufiges Endergebnis“).
  • decorum . aptum/decorum s. dort: Rhetorisches Stil-Ideal der Angemessenheit einer Rede für die Situation, neben → brevitas, → ornatus, → perspicuitas und → puritas.
  • delectare Mit dem genus mediocre verbundenes Redeziel der sanften Gemüts- bewegung bzw. Unterhaltung im Unterschied zu → docere und → movere.
  • dispositio Kunst der wirksamen Anordnung des Stoffes einer Rede, zweiter Teil des Redeaufbaus nach → inventio, vor → elocutio, → memoria und → pronuntiatio/actio.
  • docere Mit dem genus humile verbundenes Redeziel der rationalsachlichen Argumentation und Belehrung im Unterschied zu → delectare und → movere.
  • Ellipse Rhetorische Figur der Auslassung mindestens eines (zum Verständnis nicht unbedingt nötigen, aber in vollständiger schriftsprachlicher Syntax erforderlichen) Satzglieds (Beispiel: „Woher so in Atem?“).
  • elocutio Kunst der Einkleidung des Redestoffes in rhetorische Figuren und Tropen, dritter Teil des Redeaufbaus nach → inventio und → dispositio und vor → memoria und → pronuntiatio/actio.
  • Emblem Bezeichnung für eine in der Frühen Neuzeit beliebte, dreigliedrig aus Bild und Text zusammengesetzte Kunstform, bestehend aus einer Überschrift (inscriptio), einem meist allegorischen Bild (pictura) und einer meist epigrammatischen Unterschrift (subscriptio).
  • Emphase 1. Tropus der Ersetzung eines Begriffs oder Gedankeninhalt durch ein Wort, das diesen Begriff oder Gedankeninhalt unausdrücklich auch enthält (Beispiel: „Er ist ein Mensch“ anstelle von „Er hat sich geirrt“); 2. Allgemein Bezeichnung für nachdrücklichher vorhebende Rede
  • Epanalepse → Gemination Rhetorische Figur der Verdoppelung von Worten und Wortgruppen (zumeist am Satzanfang) (Beispiel: „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort | Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“ Goethe, Der Erlkönig).
  • Epipher Rhetorische Figur der Übereinstimmung eines oder mehrer Wörter an den Schlüssen mindestens zweier Teilsätze, Sätze oder Absätze, im Gegensatz zur → Anapher (Beispiel: „Auch Penthesilea lebt doppelt, begreift sich doppelt“).
  • Euphemismus Tropus, mit dessen Hilfe durch Einzelwörter oder sprachliche Wendungen ein Sachverhalt in Dichtung und Alltagssprache beschönigend verhüllt bzw. umschrieben wird (Beispiele: „Freund Hein“ für ‚Tod‘; „Entsorgungspark“ für ‚Müllhalde‘).
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  • Exempel 1. Beispielerzählung zur Veranschaulichung einer aufgestellten Behauptung in einer Rede, 2. Beispielerzählung in Rückgriff auf mythische oder historische Figuren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit
  • exordium Redeanfang oder Einleitung, erster Teil der → dispositio, gefolgt von → narratio, → argumentatio und → peroratio.
  • Gemination Auch: Epanalepse. Rhetorische Figur der Verdoppelung von Worten und Wortgruppen (zumeist am Satzanfang) (Beispiel: „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort | Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“ Goethe, Der Erlkönig).
  • Genera dicendi Stillagen der Rhetorik. Traditionell werden unterschieden: genus humile bzw. genus subtile = niedere Stilebene (dient dem → docere), genus mediocre = mittlere Stilebene (dient dem → delectare), genus grande/sublime = hohe/erhabene Stilebene (dient dem → movere). Die Stillagen werden auch typologisch den drei Ständen Bauer/Hirten, Bürger und Adel zugeordnet (vgl. „Ständeklausel“ im Glossar zur Dramenanalyse) oder auch den drei Redegattungen → genus iudiciale, deliberativum und demonstrativum.
  • Genus iudiciale/genus deliberativum/genus demonstrativum Rhetorische Begriffe für die drei Redegattungen der Gerichtsrede, der politischen Staatsrede und der Lob- und Festrede.
  • Hendiadyoin gr. ‚eins durch zwei‘, Rhetorische Figur der Wiedergabe eines Begriffs durch zwei gleichwertige, mit „und“ verbundene Wörter (Beispiele: „immer und ewig“, „kreuz und quer“, „Saus und Braus“). → Pleonasmus, → Tautologie.
  • Hyperbaton Rhetorische Figur der Trennung von syntaktisch eng zusammenhängenden Wörtern durch einen Einschub (Beispiel: „o laß nimmer von nun an mich dieses Tödliche sehen“).
  • Hyperbel Tropus der extremen und offensichtlich unglaubwürdigen Übertreibung (Beispiele: „Ein Schneidergeselle, so dünn, daß die Sterne durchschimmern konnten.“, „todmüde“)
  • Hypotaxe Rhetorische Figur der syntaktischen Unterordnung von mehreren Satzgliedern unter einen übergeordneten Hauptsatz im Unterschied zur → Parataxe.
  • imitatio auctorum Nachahmung kanonischer Musterreden in der rhetorischen Ausbildung. → aemulatio.
  • Inventio Auffinden der zum Thema passenden Gedanken, erster Teil des Redeaufbaus vor → dispositio, → elocutio, → memoria, → pronuntiatio/actio.
  • Inversion Rhetorische Figur der abweichenden Wortstellung (Beispiel: „Sah ein Knab’ ein Röslein stehn ...“).
  • Ironie Tropus, bei dem ein Ausdruck durch ein in seiner Bedeutung entgegengesetzten Ausdruck ersetzt wird. Dabei muss der eigentlich gemeinte Ausdruck durch Ironiesignale erkennbar sein (Beispiel: „Das ist ja eine schöne Geschichte!“)
  • Katachrese Tropus, 1. für übertragen verwendete Ausdrücke, die so umständliche Umschreibungen vermeiden helfen (Beispiel: „Flussbett“, „Tischbein“), 2. für die Verbindung mehrerer, jedoch mindestens zweier metaphorischer Ausdrücke aus unvereinbaren Bildbereichen (Beispiel: „Der Zahn der Zeit, der schon so manche Träne getrocknet hat“).
  • Klimax Rhetorische Figur der Anordnung einer Wort- oder Satzreihe nach stufenweiser Steigerung des Aussageinhalts oder der Aussagekraft (Beispiel: „wie habe ich ihn nicht gebeten, gefleht, beschworen“.) Die gegenläufige Figur nennt man Anti-Klimax.
  • Litotes Tropus der untertreibenden Ausdrucksweise (Beispiel: „nicht gerade unbekannt“ für „berühmt“).
  • Memoria Kunst des Auswendiglernens einer Rede, vierter Teil des Redeaufbaus nach → inventio, → dispositio, → elocutio und vor → pronuntiatio/actio
  • Metapher Tropus der Ersetzung eines Ausdrucks durch einen aus einem anderen Vorstellungsbereich, der dennoch erkennbar semantische Ähnlichkeiten aufweist, im Unterschied zur → Metonymie, deren Ersetzung in einer realen Beziehung steht, und der → Synekdoché, deren Ersetzung innerhalb desselben Bildfeldes bleibt. In der rhetorischen Tradition auch als verkürzter Vergleich bezeichnet (Beispiel: „Luftschiff“ für die von Zeppelin konstruierten Flugobjekte, „Glühbirne“, „Leitfaden“). Man kann verblasste Metaphern, die als Tropus konventionalisiert sind („faule Ausrede“) und kühne Metaphern („schwarze Milch der Frühe“) unterscheiden.
  • Metonymie Tropus der Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen, der in einem realen geistigen oder sachlichen Zusammenhang zu ihm steht (Beispiel: „ein Glas trinken“, „Goethe lesen“). → Metapher, → Synekdoché.
  • movere Mit dem genus grande verbundenes Redeziel der heftigen Gemütsbewegung im Unterschied zu → docere und → delectare