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Dermatologie (Fach) / Atopische Dermatitis und andere Ekzeme (Lektion)
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- Atopische Dermatitis Chronisch-rezidivierende entzündliche Hauterkrankung mit Dysfunktion der Epidermis - Erstmanifestation häufig zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat - Filaggrin-Mutation = stärkste Prädisposition (↑ transepidermaler Wasserverlust, ↑ Antigenabsorption, Hyperreaktivität der Haut) Klinik:- Säugling: Milchschorf, Ellbogen, Knie, Windelregion ausgespart- Kindesalter: Beugeekzem, trockenes Ekzem mit Papeln, Juckreiz- Jugend- und Erwachsenenalter: Exkoriation --> Lichenifikation, Hyperpigmentierungen- Weitere Manifestationen: Ohrläppchenrhagaden, Cheilitis sicca, nummuläres Ekzem, Pityriasis alba Diagnostik:- Blutuntersuchung: Evtl. Eosinophilie, Gesamt-IgE-Spiegel ↑, spezifische IgE-Spiegel ↑ (z.B. Hausstaub, Pollen, Haustiere)- weisser Demographismus, Dennie-Morgan Falte, Hertroghe-Zeichen, Keratosis pilaris, "Ichthyosis-Hand", Pityriasis alba simplex, Pulpitis sicca- Prick-Test, Provokationstest bei Nahrungsmittelallergien- Scoring-System (SCORAD = Scoring atopic dermatitis)- Histologie: Spongiose, lymphohistiozytäres Infiltrat Komplikationen: Impetiginisation, Eczema herpaticum, Eczema molluscatum Therapie:- "Emollentien" zur Behandlung der trockenen Haut (Öl-in-Wasser-Creme)- Glucocorticoidhaltige Cremes- topische Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Ciclosporin A)- UV Therapie
- Allergisches Kontaktekzem - treten meist im Erwachsenenalter auf- spielen bei Berufsdermatosen eine grosse Rolle Ätiopathogenese: Typ-IV-Reaktion, die durch sensibilisierte T-Lymphozyten vermittelt wird- Immunantwort benötigt nach vorausgegangener Sensibilisierung 24-72h Auslöser:- Metalle wie Nickel (Schmuck, Uhren, Münzen) und Kobaltchlorid- Chromate (Leder, Baustoffe)- Duftstoffe, Konservierungsmittel- Wirkstoffe lokaler Therapeutika (zB Antibiotika wie Neomycin, Lokalanästhetika)- Farbstoffe (Kleidung, Tattoos)- pflanzliche und Naturprodukte (Latex) Klinik:- unscharf begrenzte, erythematöse Plaques mit starkem Juckreiz- chronisch: Hyperkeratose, Rhagaden, Lichenifikationen Diagnostik: Epikutantestung (Crescendo-Reaktion)
- Toxisches Kontaktekzem - 5 bis 10-mal häufiger als allergische Kontaktekzeme Ätiopathogenese: direkte Hautschädigung; keine Sensibilisierung nötig Auslöser: Reinigungsmittel, Lösungen, Säuren und Laugen Gefährdete Berufsgruppen:- Friseure (u.a. Phenylendiamin aus Haarfarben)- Heilberufe (Desinfektionsmittel, Gummihandschuhe)- Bauarbeiter, Lederverarbeitung (u.a. Chromverbindungen in Zement und Gerbstoffen)- Metallindustrie, beruflicher Umgang mit Farben (Kobalt) Klinik:- scharf begrenzte Hautveränderungen, keine Streureaktion Diagnostik: Epikutantest (Decrescendo-Reaktion)
- Seborrhoisches Ekzem Alter: Häufig im 4. und 6. Lebensjahrzehnt- Gehäuftes Auftreten bei HIV- und Parkinsonpatienten Pathophysiologie: Zusammenspiel aus Talgdrüsenüberproduktion und übermässiger Besiedelung mit dem Hefepilz Malassezia furfur (Pityrosporum ovale) der physiologischen Hautflora Klinik:- Nummuläre, erythematöse Herde, mit gelb-fettiger SchuppungPrädilektionsstellen:- Behaarter Kopf (häufig heftiger Juckreiz)- Vordere und hintere Schweissrinne- Nasolabialfalte, Augenbrauen- Retroaurikulär- Wangen- Cave: Schwere Verläufe bei HIVKomplikation: - Erythrodermie als Maximalform- Übergangsformen zur Psoriasis Therapie: - lokale Antimyotika (Ketokonazol)- Zinkpräparate- Undezylensäure
- Windeldermatitis Eine der häufigsten Hauterkrankungen im Säuglingsalter- Bis zu 35 % aller Säuglinge erkranken mindestens ein- oder mehrmals Ätiologie: irritative Faktoren - verlängerter Kontakt zu Stuhl und Urin, okklusives Milieu - Stuhlbakterien zersetzen Harnstoff zu Ammoniak mit konsekutiver Alkalinisierung und Irritation der Haut Klinik:- Unscharf begrenzte flächige Rötung mit erythematösen Papeln, Erosionen, Schuppung sowie nässenden Flächen- Lokalisation: Windelbereich, evtl. Ausbreitung auf die Innenseite der Oberschenkel, Rücken, Unterbauch- Zeichen für sekundäre Candidiainfektion: Hautfalten primär betroffen (konkave Flächen), randständige weisse Schuppung, Satellitenläsionen Therapie: Zinksalbe DD: Langerhans-Zell-Histiozytose
- Atopische Diathese - Lichenifikation ab dem Jugendalter - Glanznägel (Poliernägel): Durch ständiges Kratzen der Haut können die Nageloberflächen glänzend erscheinen- Pulpitis sicca (Dermatitis hiemalis): Feine Schuppung an Finger- und/oder Zehenkuppen- Dennie-Morgan-Zeichen: Doppelte Unterlidfalte - Hertoghe-Zeichen: Ausdünnung der lateralen Augenbrauen (z.B. auch bei Hypothyreose)- Weisser Dermographismus: Abblassen der Haut auf mechanischen Reiz durch reflektorische Vasokonstriktion- Häufig in Kombination mit Allergien (in etwa 50% der Fälle ist eine Nahrungsmittelallergie nachweisbar)
- Atopische Dermatitis - Therapie Stufe I: Trockene Haut- Vermeidung von Triggerfaktoren - Emollentien (Substanzen, die den Wasserverlust der Haut verhindern) Stufe II-III: Leichte bis moderate Ekzeme- Massnahmen der Stufe I+ Antipruriginosum (zB Polidocanol)+ Antiseptikum (zB Triclosan)+ Topische Glukokortikoide und/oder Calcineurininhibitoen im akuten Schub+ Ggf. Phototherapie Stufe IV: Persistierende und ausgeprägte Ekzeme- Massnahmen der vorherigen Stufen+ Systemische immunsuppressive Therapie, z.B. mit Ciclosporin, Azathioprin, Mycophenolat-Mofetil, etc. - 1-mal tägliche Anwendung ist ausreichend
- Periorale Dermatitis Papulopustulöse Erkrankung mit perioraler Ausbreitung - Überwiegend Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr Ätiologie: Applikation von (Glucocorticoid‑)Cremes, Kosmetika (→ Stewardessen-Krankheit) Klinik:- Erythem mit gruppiert stehenden Papeln und Pusteln- Schmerzhaftes Brennen und Spannungsgefühl der trockenen Haut- Narbenlose Abheilung Therapie:- Verzicht auf Kosmetika, corticoidhaltige Medikamente, fetthaltige Externa!- Antibiotika (zB Erythromycin, Doxycyclin) lokal oder systemisch- Sonnenschutz
- Infantiles seborrhoisches Exanthem - Auftreten kurz nach Geburt (1-3. Monat) Klinik:- Effloreszenz: Fettige, fest haftende Schuppen auf gerötetem Grund- Lokalisation: Vor allem behaarte Kopfhaut, Stirn, Nase, Windelregion- kein Juckreiz Differentialdiagnosen:- Milchschorf als mögliche Frühmanifestation einer atopischen Dermatitis (häufig nach den ersten drei Lebensmonaten)- Windeldermatitis Therapie: Ketoconazol-haltige Externa, lokale Therapie mit Corticoiden
- Red flag 3 Kardinalsymptome der atopischen Dermatitis: Trockene Haut, Entzündung, Pruritus Neurodermitis = Stufentherapie Therapie der Rosazea, perioralen Dermatitis: Keine fetthaltigen Externa! Keine Cortikosteroide lokal!
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- Toxisch vs. allergische Kontaktdermatitis Toxisch:- obligates Irritans- brennend-schmerzhaft- scharfe Begrenzung- keine Streuphänomene- Decrescendo Allergisch:- Sensibilisierung nötig- juckend- unscharfe Begrenzung- Streuherde- Crescendo
- Nebenwirkungen der Calcineurininhibitor-Therapie Indikation: Atopische Dermatitis - Brennen in initialer Phase Tacrolimus: Rosazea, Alkoholintoleranz - Keine vermehrten Infektionen
- Perianale Dermatitis Scharf begrenzte perianale Rötung- zT Rhagaden, Fissuren, Sekret- zT analer Juckreiz, Schmerzen - meist β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A Diagnose: Kultur Therapie: systemische Antibiose- Rezidivrate hoch (40%)